Kapitel 20:
Widerstand
Beim Treffen des Widerstands wird Paul allen vorgestellt. Er entledigt sich seiner weißen Haare und Kontaktlinsen, so dass die Leute sein tatsächliches Erscheinungsbild sehen können.
»Meine Freunde.« sagt Steve. »Das ist Herr Paul Driefontein. Er ist ein Freund von Sarah. Wie Sie alle wissen, ist er aus der Zeit geklont worden, als die Menschen noch auf der Erde gelebt haben. Er hat einen anderen Lebensstil kennengelernt, als wir ihn hier gewohnt sind. Er kennt die Demokratie. Ich bin sicher, dass er zu unseren Plänen eine Menge beitragen wird.«
Wie immer betrachten ihn die Anwesenden mit einer Mischung aus Neugier und Angst. Aber Paul ist bereits an diese Reaktion gewöhnt.
Paul erklärt. »Ich habe nicht vor, ins Labor zurückzukehren. Ich habe dort nichts zu suchen. Kann ich hier bei euch bleiben?«
»Natürlich!« antwortet Jenny. »Wir sind gesuchte Flüchtlinge, weil wir den politischen Stil der Stadt ändern wollen. Wir leben hier versteckt und müssen uns tarnen, wenn wir ausgehen.«
Paul erwidert. »Danke. Ich habe einen Plan, um Sarah zu befreien. Aber ich musste zuerst einen sicheren Ort finden, an den ich sie bringen kann. Ich denke, das hier ist der ideale Ort.«
»Wir haben mehr vor, als nur an diesem Ort zu leben.« sagt Steve, und dann erzählt ihm von dem Plan, einen Teil der Stadt isolieren zu wollen, um eine Demokratie aufzubauen.
»Sehr beeindruckend.« sagt Paul. »Bist du sicher, dass wir das tun können?«
»Wir sind in der Planungsphase. Aber dieser Bereich der Stadt wäre ein freier Platz für alle, die sich dem Mainbrain widersetzen. Dort kann Sarah mit uns in Frieden leben.«
»Dann lass uns weiter planen!« begeistert sich Paul.
Jeder lacht und bereitet sich auf ein weiteres Treffen vor.
Beim Eintreffen der Leute unterhalten sich Paul und Jenny. Sie erzählt von den Geschehnissen während des Prozesses ihrer Zulassung, ein Kind zu bekommen. Von der Zulassung, die letztendlich annulliert wurde. Darüber, dass sie, weit weg von ihrem Mann und ihrer Familie, versteckt leben muss.
Sie erzählt Paul. »Ich habe nie in Frage gestellt wie wir leben, bis mir mein Mann, den ich in der Schule kennengelernt habe, einige Dokumentarfilme über das Leben auf der Erde gezeigt hat. Diese Dokumentationen wurden verboten, weil der Mainbrain nicht will, dass die Leute die heutige Lebensart in Fragen stellen.«
»In diesen Dokumentationen habe ich festgestellt, dass die Leute jederzeit Kinder bekommen konnten. Die Leute erwählten einen Partner aus Liebe und nicht aus genetischen Gründen.«
Paul ist beeindruckt, dass die Leute in der AstroTown keinerlei Wissen über den Alltag der damaligen Gesellschaft haben.
»Willst du damit sagen, dass die genetische Selektion mehr Einfluss bei der Partnerwahl hat, als die Liebe selbst?« fragt er.
»Siehst du?« sagt Jenny. »Für dich ist das absurd, aber es ist eine normale Sache hier. Heute ist alles anders. In diesen Filmen sah ich auch, dass die Leute den Beruf, den sie wollten, selbst wählen konnten. Sie wurden nicht wie heute einem Beruf zugeordnet und verpflichtet, diesen auszuüben.«
»Und wenn eine Person ablehnt?« fragt Paul.
Jenny antwortet. »Diese wandert in das Gefängnis in der Nähe der Verwaltung. Die meisten Leute, die diese Situation erlebten, akzeptierten danach den zugewiesenen Job. Aber einige sind noch heute inhaftiert, weil sie diese Art von Leben ablehnen.«
»Auf der Erde konnten die Leute eigene Projekte entwickeln, konnten eine Firma gründen, ein Geschäft eröffnen, konnten selbst über die Leitung ihrer Firma entscheiden. Heute entscheidet der Mainbrain alles. Was man verkaufen darf, zu welchem Preis usw. Die Leute haben keine Wahl. Sie müssen alles akzeptieren.«
Paul ist sehr schockiert über die heutige Lebensart der Menschen.
Jenny fügt hinzu. »Die Leute haben gemeinsam über die Entwicklung der Gesellschaft entschieden. Sie haben Vertreter gewählt, die sich getroffen haben und gemeinsam zu großen Entscheidungen gelangt waren. Diese Vertreter haben die Bedürfnisse der Leute verstanden, weil sie auch Menschen waren. Heute haben wir diese Maschine, die alles alleine entscheidet, ohne Rücksprache zu halten, ohne an unsere Zufriedenheit zu denken, ohne unsere Gefühle zu verstehen.«
Paul ist mit allem, was sie sagt, einverstanden.
Jenny sagt. »Ich erinnere mich an die Zeit, als ich ein Kind war. Die AstroTown flog in der Nähe des Planeten Neptun vorbei. Meine Eltern waren bei mir und erklärten mir die Planeten des Sonnensystems. Der schöne blaue Planet regte meine Phantasie an. Ich fragte sie, wieso wir nicht dort leben. Meine Eltern haben mir erklärt, dass es nicht möglich ist, weil die Atmosphäre des Planeten sehr instabil ist. Ich entdeckte das Universum und jetzt möchte ich meinen eigenen Kindern dasselbe beibringen. Ich möchte ihnen die Schönheit des Universums zeigen. Doch heute können wir keine Kinder mehr haben. Und alles nur, weil diese Maschine auch diesen Traum zerstört hat. Ein weiterer Traum, der gestorben ist.«
Paul betont. »Wir können wirklich nicht hier bleiben und dies alles stillschweigend akzeptieren. Wir müssen das Schicksal der Menschheit ändern.«
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