Kapitel 9:
Vorbereitung
Jenny, verärgert über die Aufhebung ihrer Zulassung, ein Kind zu bekommen, geht an die Universität, an der sie studiert. Dort ist sie ein aktives Mitglied der Studentenbewegung. Diese Bewegung ist ein Zusammenschluss, der von Studenten verwaltet wird, um ihre Interessen durchzusetzen.
»Wir können nicht vor der Realität fliehen.« appelliert Jenny an ihre Kollegen der Universität. »Ich weiß, dass ich nicht das einzige Opfer des Mainbrain Plans bin.«
Der Mainbrain ist der Führer der AstroTown. Und er ist kein Mensch, sondern eine Maschine, ein Supercomputer.
Er bekam sein Selbstbewusstsein vor etwa 970 Zyklen (oder vor etwa 200 Jahren). Seine Software wurde von den älteren Generationen erstellt, die in der AstroTown gelebt haben, bis er einen Punkt erreicht hatte, wo sich die Software alleine weiter entwickeln konnte.
Die Bevölkerung hatte ihn wegen seiner unparteiischen und unkorrumpierbaren Entscheidungen zunehmend akzeptiert. Seine Macht wuchs bis zu dem Punkt, dass alle Abläufe in der AstroTown wie z.B. Veränderungen in der Umlaufbahn oder Verurteilungen von Verbrechen von ihm entschieden wurden.
Der Mainbrain ist nicht bösartig. Er will nicht den Alltag überwachen. Er ist nicht wie ein Big Brother. Es gibt keine Kameras, die die AstroTown beobachten, außer an öffentlichen Orten. Er tut nur das, was für das Fortbestehen der Menschheit das Beste ist. Er ist dafür programmiert worden.
Da der Mainbrain eine Maschine ist, ist er unsterblich. Er möchte seine wichtigsten menschlichen Verbündeten auch unsterblich machen. Er glaubt, dass dies der beste Weg ist, um die Stabilität der Stadt zu gewährleisten. Er hat im Laufe der Jahre gemerkt, dass der Tod der Menschen den Fortbestand seiner Aktivitäten stört.
Die AstroTown funktioniert wie eine Diktatur. Eine Roboterdiktatur. Die Leute können nicht entscheiden, in welchem Bereich sie arbeiten wollen. Sie können keine Pläne für die Zukunft machen. Und sie dürfen keine Besitztümer haben. Alles ist kollektiv. Alle werden gleich behandelt, unabhängig davon, ob faul oder fleißig. Der Mainbrain lehnt jede Idee ab, die nicht im Sinne der Gemeinschaft ist.
Die Kinder lernen schon früh in der Schule, dass das Leben so sein muss, um das Ende der Menschheit abzuwenden. Fast niemand traut sich, dem zu widersprechen. Die Bevölkerung ist an einem Punkt, wo alles funktioniert wie in einem Bienenstock, wo jeder seinen Zweck kennt.
Aber die Bevölkerung ist nicht mehr zufrieden. Die Unfähigkeit, sich gegen diese Situation auflehnen zu können, erstickt alle, und die Nachricht über die Entscheidung für die Aufhebung der Zulassung, ein Kind zu bekommen, schlägt wie eine Bombe ein.
»Gebt allen Bescheid, die ihr kennt.« sagt Jenny an ihre Kollegen von der Studentenbewegung. »Wir treffen uns auf dem Marktplatz in zwei Tagen. Wir werden die größte Protestaktion veranstalten, die die AstroTown je gesehen hat.«
Die Nachricht über den Protest wird in allen Medien verbreitet, die die Studenten zum Kommunizieren nutzen. Die Beteiligung ist enorm. Jeder will der Entscheidung des Mainbrains widersprechen.
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