JANE EDGEWORTH
Das Mittwinter-Geschenk
Jane Edgeworth gestand mir, daß sie mein Antwortschreiben erst beim Aufräumen zwischen einem Stapel Postwurfsendungen wiederfand. Das hätte auch mir passieren können; in meinem Haushalt verschwinden andauernd alle möglichen Sachen in den Abgründen meiner Schreibtischschubladen oder dem Durcheinander auf dem Küchentisch, bis dann eine meiner Mitbewohnerinnen, die ordentlicher als ich ist – und das trifft auf alle zu – sie wieder hervorangelt. Da zwei von ihnen selbst SchriftstellerInnen sind und die dritte Lyrikerin und Liedermacherin, kann ich mich wohl schlecht damit herausreden, daß Schriftsteller sich um derart profane Kleinigkeiten nicht kümmern könnten.
Auch Jane fordert mich heraus, wenn sie schreibt, sie sei gespannt, was ich an biographischen Daten über sie erfinden werde. Sie weiß nicht, worauf sie sich einläßt, riskiert sie doch, daß ich sie kurzerhand zu einer straffällig gewordenen Trapezkünstlerin abstempele. Aber halten wir uns lieber an die Fakten: Sie ist Single, Absolventin der Michigan State University und momentan arbeitslos. Zu ihren Hobbies zählt sie unter anderem ›Lesen, Schreiben und obskure britische Fernsehserien‹.
Jane bedankt sich bei mir, daß ich ihre Geschichte berücksichtigt habe. »Ich habe sie vor gut drei Jahren geschrieben und seither frage ich mich, ›Was soll ich bloß damit anfangen?‹. Ich bin froh, daß außer mir jetzt noch andere die Gelegenheit bekommen, sie zu lesen, denn es täte mir wirklich leid, wenn sie einsam und vergessen in meiner Schublade Staub ansetzen würde. «
Das freut mich für sie. Genau dazu sind diese Anthologien ja da.
Obwohl er vor dem Herdfeuer stand, fröstelte es Rafael leicht. Schon jetzt so schwere Schneefälle! Aber schließlich lebte er ja in den Kilghard-Bergen – da sollte er sich eigentlich inzwischen an solches Wetter gewöhnt haben. Verträumt lauschte er den nicht nachlassenden Windstößen. Einige sagten, sie hörten sich wie die Schmerzensschreie von Tieren an, aber Rafael vernahm darin eher Klagelieder, deren Melodien sich ständig änderten und die nie ganz verstummten. Er rührte die Suppe im Topf über dem Feuer um – bald würde sie fertig sein. Gewiß kein Festessen, sondern viel zu dünn: Ein abgemagertes Rabbithorn war alles, was er in der Speisekammer gefunden hatte. Aber auch dafür war er dankbar, und es würde für mehr als nur eine Mahlzeit reichen. Außerdem hatte er sie gut gewürzt; dafür sorgten schon die Kochkünste, die seine Großmutter ihm beigebracht hatte.
Eine besonders heftige Windböe rüttelte an den dicken Fensterscheiben des kleinen Hauses, und Rafael zitterte erneut. Wenigstens brauchte er bei diesem Sturm heute nicht mehr vor die Tür; das Chervine hatte er bereits gut versorgt, gefüttert und getränkt. Er mußte an das arme Tier, allein in seinem Stall, denken. Trotz des zusätzlichen Ballens Heu, den Rafael ihm vorgelegt hatte, war ihm bestimmt kalt. Ohne die zusätzliche Wärme und Nähe seines Stallgefährten mußte es einsam die Nacht verbringen. Heute nach konnte es sich nur selber wärmen …
Mir geht es nicht besser, dachte Rafael. Um sich selbst noch einmal zu vergewissern, schaute er aus dem Fenster. Bei diesem Wetter konnte Darrel unmöglich die Heimreise antreten, obwohl er ja manchmal die verrücktesten Sachen unternahm. Schon der Gedanken an ihn heiterte Rafael auf: seinen Bredu, den Mann, der ihm näher stand als ein Freund oder selbst ein Bruder es je konnte. Sie waren jetzt bereits sechs Jahren zusammen, und die Leute sagten, sie paßten gut zueinander. Zumindest meinten das diejenigen, die beide näher kannten und mochten und sich nicht von ihnen abwendeten, wenn sie ihnen auf der Straße begegneten. Das kam zum Glück immer seltener vor, aber getuschelt wurde natürlich noch immer. Das ließ sich in einem so kleinen Dorf gar nicht vermeiden. Andererseits wurde jeder, der hier lebte, benötigt, um bei der Ernte oder dem Viehtrieb zu helfen oder das Dorf gegen Waldbrände oder feindliche Angriffe zu verteidigen. Jeder tüchtige Mann zählte, selbst wenn er ein bißchen … anders war.
Die Leute hielten Rafael für einen harmlosen Ombredin, und nichts weiter. Vielleicht ein bißchen überspannt, aber doch längst nicht so sehr, um Frauenkleider oder auch nur eine Haarspange zu tragen. Rafael hatte das oft genug wortwörtlich – und insgeheim amüsiert – gehört. Gedankenvoll strich er sich durch sein volles, dunkelbraunes Haar, in dem sich einige helle rote Strähnen zeigten. Es stimmte schon, er trug es etwas länger als die meisten anderen Männer – und gerade das gefiel Darrel. Und wenn Rafael ganz ehrlich mit sich war, hatte er sich solch eine Spange mehr als einmal gewünscht. Aber um unnötiges Gerede zu vermeiden, mußte es bei einem einfachen Band bleiben.
Rafael beugte sich zur Feuerstelle, um einen glimmenden Scheit herauszuziehen und damit die Öllampe zu entzünden. Für die Arbeit, die er jetzt zu tun hatte, brauchte er mehr Licht. Bei dem Gedanken daran mußte er unvermittelt lachen. Wenn diese Lästermäuler im Dorf ihn jetzt so bei seiner Näharbeit sehen könnten! So etwas war natürlich Frauensache, aber Rafe hatte nie bereut, den geschickten Umgang mit Nadel und Faden erlernt zu haben. Viele der Sachen für Darrel und sich hatte er selbst genäht, und auszubessern gab es immer etwas. Er konnte mit Recht stolz sein auf seine Handarbeiten, die denen der Frauen im Dorf in nichts nachstanden. Aber zu stolz sollte man auch nicht sein, rügte er sich selbst, das zahlt sich nie aus.
Rafael holte ein kleines, in gegerbte Tierhaut eingeschlagenes Bündel hervor und wickelte das Kleidungsstück aus, an dem er jetzt arbeiten wollte: ein weißes Hemd aus feinstem Leinen, das am Kragen und an den Manschetten mit einem Blattmuster bunt bestickt war; seit Wochen hatte er heimlich daran gearbeitet, und jetzt war es fast fertig.
Es zu verbergen war nicht schwer gewesen, da Darrel so selten zu Hause war. Auch jetzt war er wieder auf dem Gut von Armida, wo er als Stallbursche gutes Geld verdiente. Nur jede zweite Langwoche kam er einmal heim, und auch dann nur auf zwei Tage. Um so kostbarer war ihnen diese gemeinsam verbrachte Zeit. Das galt ganz besonders für das bevorstehende Mittwinterfest, an dem jedermann, vom ärmsten Bauern bis zum reichsten Lord, mit Festgelage, Tanz und Geschenken feierte. Und dieses Hemd, das dem Fest wirklich würdig war, sollte Rafaels Mittwinter-Geschenk an Darrel werden. Es sollte auch eine versteckte Anspielung sein: Solch ein Festhemd war traditionsgemäß ein Verlobungsgeschenk der jungen Braut an ihren zukünftigen Mann. Eine schöne Braut war er – sechs Jahre hatte er seinen Mann darauf warten lassen!
Rafael versenkte sich in seine Arbeit. Mit raschen Stichen führten seine Finger die Nadel. Immer wieder hatte Darrel diese Finger geküßt und ihn damit aufgezogen, daß er mit solch schönen und feingliedrigen Händen doch eher zum Lord geboren sei. Und Rafael hatte stets gutmütig über den Scherz gelacht. Feingliedrig mochten sie ja aussehen, aber die Haut war ganz bestimmt nicht zart und geschmeidig wie bei einem reichen Lord. Nein, er hatte die gleichen von der Arbeit rauhen Hände wie jeder andere Dorfbewohner auch. Doch das hatte seinen Darrel nie gestört. Er hatte seine Hände geküßt, und dabei stets den gleichen Scherz gemacht.
Überhaupt liebte es Darrel, über alles und jeden zu scherzen, ganz besonders aber über den kleinen Kräuterstand vor ihrem Häuschen, an dem schon Rafaels Großmutter ihre Heilkräuter und Küchengewürze verkauft hatte. Meist war Rafael dort anzutreffen, emsig damit beschäftigt, seine Waren in kleinen Häufchen und gebundenen Sträußchen auszulegen, wenn er nicht gerade drinnen die Trockenregale für die Kräuter überprüfte oder am Destilliergerät arbeitete. Darrel fand es immer ein wenig lustig, seinen Geliebten dabei zu beobachten, wie er vor den Glaskolben kniete und angestrengt diese Mischung oder jenes Gebräu zusammenrührte.
Und noch mehr erheitert es ihn, wenn er Rafael auf allen Vieren durch eine Wiese kriechen sah, emsig darauf bedacht, noch mehr Chesariwurzeln zu sammeln (von denen schien es nie genug zu geben). Darrel lachte dann immer und nannte Rafe einen ›wählerischen Hasen‹. Manchmal sah er dann sogar nach, ob seinem Liebhaber schon lange, pelzige Ohren wuchsen.
Rafael war nun nicht mehr kalt, gewärmt von dem Feuer im Kamin, vor dem er saß, und von den schönen Erinnerungen. Nie waren er und Darrel sich so nahe gekommen? War es immer schon so gewesen? Natürlich hatten sie sich schon als Kinder gekannt und gemocht, aber da war immer schon mehr gewesen. Rafael lächelte traurig. Fast hätte er das alles zerstört …
Es war Hochsommer, und er war gerade fünfzehn. Darrel mochte diese Jahreszeit am liebsten, in der es immer so viel zu tun gab. Aber wenn man es schlau genug anstellte, konnte man bei all der Arbeit immer ein paar Minuten erübrigen, um sich unter den Nußbäumen auszustrecken und einfach nur vor sich hinzuträumen. Und genau das hatte Darrel vor. Aber natürlich nicht allein …
Rafael lag, geborgen im Arm des Freundes, an seiner Seite. Dennoch ging ihm an diesem Tag manches durch den Kopf, das ihn beunruhigte. Sein Großonkel, neben seiner Großmutter Rafes Vormund, hatte schon wieder davon angefangen, daß es an der Zeit wäre, an Verlobung und Heirat zu denken. Dabei war ihm schon der Gedanke an ein Leben mit einer Frau unangenehm. Was mußten sie sich überhaupt einmischen? Schließlich war er jetzt fünfzehn, also fast schon alt genug, selbst zu entscheiden. Darrel war bereits sechzehn, und auch er hatte sich noch nicht verlobt.
Rafael und Darrel hatten so vieles miteinander geteilt: nicht nur Erlebnisse, sondern auch ihre Gefühle und Träume. Und auch zu Intimitäten war es gekommen – nichts Ungewöhnliches für Jungen in ihrem Alter. Einmal hatte es während einer besonders kalten Nacht unter der Decke stattgefunden; ein anderes Mal hinter den Bäumen, bei jenem wunderbaren geheimen Treffen unter den vier Monden. Sie hatten oft darüber gesprochen, aber nur einmal hatte Rafe den Mut gefunden, Darrel zu gestehen, er wünschte sich, diese Intimitäten mit ihm würden nie ihren Reiz verlieren. Dieser Gedanke beunruhigte ihn selber. Wollte er einfach nicht erwachsen werden? Oder war er gar einer jener verweichlichten, weibischen Kerle, die sich immer nur mit kleinen Knaben abgaben und auch dann noch ihre Spielchen trieben, wenn das schon längst nicht mehr als normal galt?
Schließlich hatte er sich einzureden versucht, daß es sich mit Darrel auch nur um ein Spiel handelte, ganz gleich, wie besonders es ihm erschien. Das alles sollte einst nur eine süße Erinnerung bleiben, die man besser für sich behielt und an die man vielleicht im hohen Alter zurückdenken durfte.
Während Rafael also bei seinem Freund lag, für den Augenblick noch beschützt und getröstet, mußte er seufzen. Es war an der Zeit, das Spiel zu beenden. Sicherlich verlängerte Darrel es nur aus alter Freundschaft zu ihm. Er wollte Rafe bloß einen Gefallen tun, wenn er so tat, als sei er noch ein Kind, obwohl doch beide längst zu Männern herangereift waren. Es war gut gemeint, aber es würde nur um so schmerzlicher sein, wenn dann später die Verlobung beschlossen und die Heiratsverträge unterzeichnet würden. Gewiß hatte Darrels Familie dies bereits in die Wege geleitet, auch wenn er selbst nichts davon erwähnt hatte. Wahrscheinlich hatte er es bislang verschwiegen, um seinem Freund nicht weh zu tun. Aber heute hatte er Rafe hierher gebeten, um ihm etwas wichtiges mitzuteilen. Konnte es sich dabei um etwas anderes handeln als die Bekanntgabe seiner Verlobung? Rafael schloß die Augen und stellte sich innerlich darauf ein. Es mußte gesagt werden. Besser jetzt als …
Sanfte Lippen berührten seine Wange.
»Schläfst du, Rafe?«
Rafael schüttelte den Kopf und öffnete die Augen. »Ich möchte dir etwas sagen«, fuhr Darrel fort. »Ich habe gestern abend mit meinem Vater gesprochen.« Rafael nickte. Jetzt also war es soweit.
»Ich habe ihn gebeten, für mich keine weiteren Treffen mit Frauen zu arrangieren.«
Die unerwarteten Worte trafen Rafael wie ein Schock. »Was sagst du da?«
»Ich habe ihn gebeten, damit aufzuhören. Ich möchte nicht heiraten.«
Rafael richtete sich auf und blickte den Freund gespannt an. »Das kann nicht dein Ernst sein! Seitdem du zehn warst, haben wir doch immer wieder von deiner Heirat gesprochen.« Er mußte wehmütig lächeln, als er an die genauen und ausgeklügelten Pläne dachte, die er, Darrel und ihre gemeinsame Freundin Margali so eifrig entworfen hatten. »Sie sollte im Mittsommer stattfinden, damit man draußen tanzen könnte. Die besten Musiker sollten aufspielen. Und nur das Beste sei gut genug! Wir haben sogar schon die Tischordnung festgelegt – wir wußten genau, wer neben wem sitzen soll, damit kein Streit entsteht. Warum hast du alle diese Pläne vergessen?«
Darrels wunderbar dunkelblaue Augen ruhten auf Rafe. Er lehnte sich zu seinem Freund hinüber, zog ihn noch näher an sich und küßte ihn dabei auf die Stirn. »Du bist der Grund!«
Rafaels Herz lief über. Nein – das ging wirklich zu weit. Hatte er Darrel verdorben? Sollte er ihn auf seine Stufe herabgezogen haben? In den Sumpf? Bestimmt, wenn auch widerwillig, löste sich Rafael aus der Umarmung des älteren Jungen. Aber er war ja kein Junge mehr, sondern ein Mann. Mit fünfzehn galten sie beide als erwachsen, alt genug, um die Arbeit eines Mannes zu verrichten, alt genug um zu heiraten, alt genug …
… ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
»Nein, Darrel«, meinte Rafael traurig. »Das darfst du nicht sagen.«
»Und warum nicht?« Darrel klang plötzlich verunsichert. Vielleicht lag es an der unerwarteten Zurückweisung, vielleicht aber auch an dem unüberhörbaren Schmerz, der aus den Worten seines Freundes sprach. Langsam glitt seine Hand über Rafes Brust, streichelte ihm den sonnengebräunten Hals und fuhr ihm dann durch das lange braune Haar, das in dichten Locken auf seine Schultern fiel. Er liebkoste sie, und bestärkt durch diese Zärtlichkeit erklärte er: »Wir wissen beide, daß wir es wollen. Wir wissen, daß wir so sind.«
»Nein, das ist nicht wahr«, widersprach Rafael. »Jedenfalls bist du nicht so. Hast du denn das schöne Mädchen vergessen, das du einmal heiraten wolltest? Und Kinder! Willst du denn keine Kinder?« Rafaels Stimme überschlug sich.
Darrel schüttelte den Kopf. »Eine Zeit lang habe ich geglaubt, ich wollte das.« Er hielt inne und blickte gedankenverloren in die Ferne, zu den Wäldern, die das kleine Dorf umstanden. »Ich habe über all die Geschichten nachgedacht, die wir uns gegenseitig ausgemalt haben, und jetzt weiß ich, daß ich nichts davon wirklich will. Kein hübsches Häuschen mit einer braven Frau und Kinderchen, die mir auf dem Schoß rumturnen.« Er richtete seinen Blick wieder auf Rafe, und mit neuer Zuversicht lächelte er ihm noch liebevoller zu. »Ich will nur dich.«
Rafael wandte sich ab. So hatte er sich das bestimmt nicht vorgestellt! Wie lautete doch das Sprichwort? Die Welt nimmt ihren Lauf und wenig Rücksicht, was du willst. Und was wollte er nun wirklich? Für immer ein Kind bleiben, und keinen um ihn herum, der sich daran störte, daß die beiden Jungen noch immer nicht verheiratet waren?
»Nein!« Er riß sich aus diesem Tagtraum. »Ich lasse es nicht zu, daß du dir dein Leben verpfuschst! Du hast dir doch immer ein ganz normales Leben gewünscht. Das darfst du nicht einfach wegen mir aufgeben. Wir sind keine Kinder mehr, die nachts zusammen schlafen, kichern und sich küssen. Ich weiß, was ich bin, und ich kann es nicht ändern. Ich bin …« Selbst jetzt zögerte er, das Wort laut auszusprechen.
»Ombredin?« Darrel nahm es ihm nüchtern ab. »Na und? Das weiß ich doch. Wir beide wissen es. Und ich habe lange darüber nachgedacht, als du mir erzählt hast, daß du nichts empfindest, wenn du mit Mädchen zusammen bist.« Natürlich hatte auch Rafael es ausprobiert, aber der Erfahrung nichts abgewinnen können. Darrel wurde ganz gegen seine Gewohnheit plötzlich sehr ernst, als er zum ersten Mal aussprach, was auch ihn tief bewegte. »Ich habe dich damals immer ausgelacht, habe es für weiß wie komisch gehalten. Aber jetzt lache ich darüber nicht mehr. Jetzt verstehe ich, was du meinst. Ich habe es begriffen, als ich mit Margali zusammen war.«
Rafael schaute erstaunt auf. Als Darrel das erste Mal davon erzählt hatte, was er mit Margali so trieb, hatte Rafe die widerstreitenden Gefühle kaum verkraftet. Einerseits fühlte er sich glücklich, denn genau das wünschte er ja seinem Freund; aber gleichzeitig war er auch wahnsinnig eifersüchtig. »Ich dachte, du liebst sie. Das hast du jedenfalls gesagt.«
»Aber das tue ich nicht. Nicht so, wie ich dich liebe!« Darrel suchte hilflos nach den passenden Worten. »Na ja, ich hatte schon meinen Spaß mit ihr. Aber wenn ich mit dir zusammen war, hat es mir so viel mehr bedeutet. Es war einfach … wunderbar. Ich kann es wirklich nicht richtig erklären. Mit dir, da wachsen mir Flügel, da sehe ich die Welt mit Falkenaugen von oben, in deiner Nähe fühle ich mich stark wie ein Herbststurm oder ein Schneegestöber …« Rafael lächelte. Darrel war so warmherzig und einfühlsam und nie um ein Wort verlegen – auch wenn er es immer bedauerte, das Liebesgedichte nicht zu seinen Stärken gehörten.
Rafael wendete das Hemd und begann einen neuen Saum. Dieser ›Streit‹ lag schon so lange zurück, daß er jetzt lächelnd daran zurückdenken konnte. Der Schmerz schien fast vergessen. Ja, damals waren wir wirklich noch Kinder.
Darrel hatte Tage gebraucht, um Rafael von der Aufrichtigkeit seiner Gefühle zu überzeugen. Danach war es zu Streitereien und Mißverständnissen mit ihren Freunden und Familien gekommen. Am schlimmsten hatte sich Rafaels Großonkel aufgeführt: Wochenlang hatte er rumgejammert und immer wieder betont, wie froh er sei, daß Rafaels Eltern diese Schande nicht mehr erleben mußten. Rafe war sehr erleichtert, daß seine Großmutter mehr Verständnis für seine Wahl aufbrachte. Aber auch ihr war es nie gelungen, den alten Mann umzustimmen oder wenigstens dazu zu bewegen, sich Rafes Gründe anzuhören. Er war kurz darauf am Fieber gestorben, und nahm dieses Zerwürfnis mit ins Grab. Darrels Familie hatte etwas mehr Einfühlungsvermögen gezeigt, zumindest bemühten sie sich, den Liebhaber ihres Sohnes höflich zu behandeln.
Selbst jetzt, nach so langer Zeit, gab es immer noch gelegentlich schiefe Blicke und den ein oder anderen, der hinter ihren Rücken tuschelte. Und das würde sich auch nicht mehr ändern. Tratsch war in so kleinen Dörfern nun einmal an der Tagesordnung. Inzwischen hatten sich Rafael und Darrel so sehr daran gewöhnt, bevorzugter Gegenstand von Spekulationen zu sein, daß sie es nicht weiter störte, so lange die verbreiteten Gerüchte nicht allzu fantastische Ausmaße annahmen.
Plötzlich fiel Rafael die Suppe wieder ein, die er über dem Feuer angesetzt hatte. Zum Glück war sie noch nicht angebrannt – das hätte doch zu sehr an seiner ›Hausfrauenehre‹ gekratzt. Er nahm den Suppentopf vorsichtig vom Haken und stellte ihn zum Warmhalten an den Rand der Feuerstelle. Zum Essen hatte er noch keine Zeit; erst mußte er noch einige Reihen am Hemd zu Ende sticken.
Erschrocken fuhr er herum, als er vor der Haustür ein Geräusch hörte. Er wickelte schnell das Hemd wieder ein, hüllte sich selbst in eine dicke Decke und eilte zur Tür. Grundgütige Avarra! Darrel wird doch nicht jetzt schon zurückkommen? Er muß völlig verrückt geworden sein, bei diesem Wetter zu reisen! Und um diesen Gedanken noch zu bekräftigen, frischte der Sturm gerade in diesem Augenblick wieder erneut auf. Das heulende Auf und Ab ließ Rafael erzittern, als er dann den Riegel der Haustür zurückschob.
Ein Fremder stand vor der Tür. Ganz bestimmt ein Lord – seine kostbaren Kleider und der edle Pelz ließen daran keinen Zweifel. Er schob die Kapuze seines Mantels zurück, unter der dunkelrote Haare zum Vorschein kamen, in denen noch einige Schneeflocken hingen. Auch die fein geschnittenen, glatten Gesichtszüge verrieten den Adligen – kein Dorfbewohner sah so aus. Rafael zögerte zunächst verlegen, trat dann aber eilig einen Schritt zurück und bat den Fremden herein. Eingehüllt in seine Decke fiel die Verbeugung eher unbeholfen und komisch aus.
»Z’par servu, vai Dom. Bitte, tretet ein.«
Der Lord lächelte nachsichtig, trat sich die Füße ab und schüttelte den Schnee von seinem Mantel. Rafael bemerkte jetzt überrascht, daß sein Gast etwa in seinem Alter war, vielleicht sogar etwas jünger. Bei der vornübergebeugten Haltung hatte er zunächst wesentlich älter gewirkt. Er erwiderte Rafaels Verbeugung und trat dankend in die warme Stube.
»Darf ich Euch behilflich sein,« bot sich Rafael dienstfertig an und half dem jungen Adligen aus dem schweren Mantel. Dann reichte er ihm ein Handtuch, um sich damit die Haare zu trocknen. Innerhalb weniger Minuten hatte Rafe seinem Gast die Stiefel ausgezogen, ihm eine warme Decke gebracht und es dem Fremden am Feuer gemütlich gemacht.
Vom Tee, den Rafael früher aufgesetzt hatte, war noch etwas übrig geblieben, so daß er jetzt seinem Gast eine heiße Tasse anbieten konnte.
»Hier, vai Dom, trinkt. Das wird Euch schnell wieder auftauen.« Rafael reichte ihm freundlich die Tasse.
»Auch dafür danke ich dir. Aber laß doch bitte diese förmlichen Titel weg. Mein Name ist Erevan.«
Die Namensnennung schuf größere Vertrautheit, und Rafaels anfängliche Reserve schmolz so schnell dahin wie ein Eiszapfen im Feuer. »Und ich heiße Rafael«, stellte er sich seinerseits vor. Gar zu gern hätte er erfahren, was den Adligen zu so später Stunde hierher gebracht hatte. Aber natürlich hätte er sich nie getraut, einen Lord direkt nach seinen Angelegenheiten zu fragen. Auch damit hatte Darrel ihn oft genug aufgezogen. Gegenüber Höhergestellten war Rafael immer schrecklich schüchtern und förmlich, immer darauf bedacht, auch ja die richtige Anrede zu wählen. Darrel hingegen kümmerte sich kaum um solche Etikette; er fragte unbekümmert drauflos und schien sich fast nie Sorgen zu machen, er könne einen der hohen Herren zu nahe treten.
Rafael wandte seine Aufmerksamkeit erneut dem Gast zu. »Ist Euer Pferd in unserem Stall gut untergebracht, Erevan?« Er betonte den Namen besonders sorgfältig. Dieser nickte und nahm einen Schluck Tee.
»Ja, danke. Ich habe genügend Wasser und Heu vorgefunden. Nochmals Dank dafür.«
»Nichts zu danken«, wehrte Rafael mit einer Handbewegung ab und blickte still vergnügt aus dem Fenster. Glück gehabt, mein Chervine – jetzt brauchst du die Nacht doch nicht fröstelnd und allein verbringen! Dann setzte er sich neben den Lord ans Feuer.
Dieser gestand jetzt leicht verlegen ein, daß er sich im Sturm wohl verirrt hatte. »Und dabei habe ich gedacht, sei ein Leichtes, den Weg zum Gut meines Cousins zu finden. Bin ich überhaupt noch auf der Straße nach Armida?«
Rafael gab bereitwillig Auskunft. »Die Straße verläuft nördlich von hier. Dann ist es noch knapp ein Tagesritt nach Nordosten. Ich nehme an, Ihr wollt zum Feiertag dort sein?«
»Richtig, zum Mittwinterfest«, bestätigte Erevan und trank seine Tasse leer.
Höflich lud Rafael ihn daraufhin ein, etwas von der Suppe zu probieren. Erst jetzt merkte er, wie sehr ihm selber der Magen knurrte, da er den ganzen Tag übel kaum etwas gegessen hatte. Erevan nahm dankbar an, als Rafael ihm ein Schälchen mit der heißen Rabbithorn-Brühe vorsetzte.
»Ausgezeichnet«, meinte er nach dem ersten Schluck anerkennend. »Mein Kompliment an deinen Koch.«
»Das Kompliment darf ich beanspruchen«, lachte Rafael. »Ich bin hier der Koch.«
»Lebst du denn allein?« fragte Erevan leicht verunsichert. Er konnte die Anwesenheit eines dritten spüren – und diese Anwesenheit wärmte den Raum ebenso sehr wie das Feuer. Wenn man sich in dem Häuschen umblickte, war es nicht schwer zu erraten, daß noch jemand hier leben mußte: da waren zum Beispiel die beiden Stühle an dem kleinen Holztisch, und auch das niedrige Bett in der Ecke wurde ganz offensichtlich von zwei Menschen benützt.
Rafael schüttelt den Kopf. »Nein, ich bin nicht allein. Ich lebe hier mit …« Erschrocken brach er ab. Sollte er es wirklich aussprechen? Er schämte sich schon längst nicht mehr seiner Veranlagung oder ärgerte sich darüber, wie ihn einige Leute hinter vorgehaltener Hand nannten. Aber einem völlig Fremden gegenüber diese schockierende Tatsache so einfach einzugestehen, war etwas anderes. Und doch … Er betrachtete seinen Gast. Erevans Haare waren inzwischen ganz getrocknet, und seine kupferroten Strähnen schimmerten im Widerschein des Feuers. Er war ein Lord, und so verfügte er auch über all jene Zauberkräfte, die das rote Haar verhießen. Er besaß zweifellos Laran – jene Fähigkeit, die Gedanken der anderen wahrzunehmen … Warum also dieses Versteckspiel? Sicherlich hatte Erevan längst alles erraten! Dennoch wählte Rafael lieber die am wenigsten anstößige Formulierung.
»Ich lebe hier mit … einem Freund.« Er lächelte erleichtert, als es endlich heraus war. Und leicht verschämt wandte er sich wieder seinen Näharbeiten zu. Er war heute abend gut vorangekommen; jetzt fehlten nur noch einige wenige Reihen, die er unbedingt zu Ende bringen wollte. Da sein Besucher sein wichtigstes Geheimnis nun schon einmal kannte, würde es sicherlich nichts schaden, auch diese geringfügige Heimlichkeit zu beenden. Er zog das Hemd hervor, legte es auf seinen Schoß, fädelte den Faden ein und machte sich wieder an die Arbeit.
Wie zur Entschuldigung lächelte er, als Erevan ihn neugierig und verdutzt musterte. Aber der Adlige erwiderte das Lächeln gutmütig und beobachtete, wie Rafael das Muster dort wieder aufnahm, wo er unterbrochen worden war. Geschickt und flink setzte er Stich auf Stich.
»Das wird wohl ein Geschenk für … ihn?«
Rafael war keineswegs erstaunt, daß Erevan dies gleich richtig vermutete. »Jawohl, zum Mittwinterfest. Ich bin fast fertig damit.«
»Und wo ist er jetzt?«
»Er arbeitet auf dem Gut von Armida. Er ist sehr geschickt im Umgang mit Pferden.«
Diese Äußerung weckte Erevans Neugierde. Er kannte die meisten Diener im Haushalt seines Cousins und fragte sich, ob er dem Mann schon einmal begegnet war. Aber dann wechselte er rasch das Thema. Es gehörte sich wirklich nicht, seinen Gastgeber noch weiter auszufragen, und vielleicht würde der Name ja später noch fallen. Statt dessen bewunderte er das komplizierte Muster, das Rafael gerade auf eine der Manschetten stickte.
»Das ist eine wunderbare Arbeit. Meine Schwester könnte es nicht besser.«
Rafe verbeugte sich halb scherzhaft bei dem etwas unbeholfenen Kompliment. »Meine Großmutter hat es mir beigebracht, als ich noch klein war. Sie hat immer betont, wie nützlich es sei und daß ich damit sogar eines Tages mein Geld verdienen könnte. Aber Schneider wollte ich dann doch nicht werden«, meinte Rafe lachend. »Und dann hat sie mir auch immer gesagt, ›Paß gefälligst auf, Junge, wenn ich dir was beibringe! Was würdest du zum Beispiel anfangen, wenn du unterwegs bist und dir deine einzige Hose zerreißt?‹ Worauf ich immer geantwortet habe, daß ich dann meinen Hintern möglichst nah ans Feuer halten würde.«
Erevan quittierte das mit einem herzhaften Lachen, wodurch auch Rafael etwas weniger verlegen lächelte. »Jedenfalls habe ich seither immer wieder zu Nadel und Faden gegriffen und habe es bis heute nicht bereut.«
Der Lord nickte verständnisvoll, und beide schwiegen eine Zeit lang, während Rafael sich an die letzten beiden Reihen seiner Stickerei machte. Erevan ließ sich eine zweite Portion Suppe schmecken und starrte dann gedankenverloren in die Flammen des Herdfeuers. Auch er hatte seine Geheimnisse, die er aber nie so ohne weiteres preisgeben würde wie sein Gastgeber es zu tun schien. Er mußte wieder an den Diener in Armida denken und fragte sich verwundert, was wohl Rafaels Liebhaber dazu sagen würde, daß sein Bredu ihr Verhältnis so bereitwillig ausplauderte.
Was gäbest du darum, wenn du das auch könntest? Mit einem Lächeln so von dir zu reden! ging es ihm durch den Kopf. Er hatte seinen Gastgeber nicht gerade belogen, als er ihm sagte, er wolle seine Verwandten zum Mittwinterfest besuchen. Aber es war auch nicht die ganze Wahrheit. Denn bei dieser Gelegenheit sollte er auch seine zukünftige Verlobte treffen, eine entfernte Cousine, die er durchaus schätzte. Doch nie hätte er den einen Gedanken, der ihn am meisten bewegte, ausgesprochen – daß er nämlich der bevorstehenden Heirat alles andere als glücklich entgegensah. Gabriella war eine wunderbare Frau; Erevan wollte das gar nicht bestreiten. Aber gerade deshalb verdiente sie einen Mann, der sie um ihrer selbst willen lieben und glücklich machen konnte und ihr die Kinder schenkte, die sie sich immer gewünscht hatte. Erevan wußte, daß er dieser Mann nicht sein konnte. Und würde er diese Rolle des liebenden Ehemanns spielen, dann immer nur mit dem bedrückenden Gefühl, ein Schauspieler in einem schlechten Stück zu sein, verborgen hinter einer mühsam aufrechterhaltenen Maske. Und würde die Maske zum Schluß fallen, wie verletzt müßte Gabriella sich dann fühlen …
Erevan verstand nur zu gut, warum sein Gastgeber auf seine Frage hin gezögert und jene Worte vermieden hatte. Auch er konnte es nie ertragen, sich selbst mit eben jenen Worten zu beschreiben: einer, der Männer liebt, ein Ombredin. Und doch saß ihm jetzt genau einer dieser Männer gegenüber. Ein ganz normaler, liebenswerter Mann und bestimmt kein Monstrum, kein lüsterner Unhold oder geziert kreischendes Geschöpf in Frauenkleidern!
Seine Neugierde ließ ihm keine Ruhe, und so wandte er sich erneut an Rafael. »Darf ich fragen, wie lange du und dein … Freund schon zusammenlebt?«
»Aber natürlich dürft Ihr das«, erwiderte Rafael mit einem unbekümmerten Achselzucken. »Es ist bestimmt kein Geheimnis mehr im Dorf, und da könnt Ihr es ebenso gut von mir selbst erfahren. Es ist mir sogar viel lieber so. Viel zu wenige machen sich die Mühe, uns persönlich zu fragen. Die meisten halten sich lieber an irgendwelche Halbwahrheiten, die sie irgendwo aufschnappen, als ob die Wahrheit allein nicht interessant genug wäre …« Rafael unterbrach seinen ungewohnten Redefluß und beugte sich ein letztes Mal über die Stickerei. So, das wäre geschafft, das Muster war fertig gestickt. Er band den Faden ab und hielt sein vollendetes Werk bewundernd im Lampenlicht hoch. Dann mußte er plötzlich selbst lachen.
»Darrel wird sich zuerst mit Händen und Füßen sträuben, es vor anderen zu tragen! Viel zu vornehm, wird er sagen. Aber so redet er immer, und am Ende kriege ich ihn doch herum!« Rafael legte das Kleidungsstück sorgfältig zusammen und wickelte es in die Tierhaut, in der er es auch bisher verborgen gehalten hatte. Dann erinnerte er sich wieder an Erevans Frage.
»Wir leben jetzt schon sechs Jahre zusammen, und die meiste Zeit wurde ziemlich viel darüber geredet. Selbst jetzt fällt noch das eine oder andere gehässige Wort, aber das trifft einen nur, wenn man dem allzu viel Beachtung schenkt.« Er staunte selbst über sich, daß er das jetzt so leichthin sagen konnte! Er hatte lange genug gebraucht, bis er über den Klatsch im Dorf stand und selber darüber so lachen konnte, wie Darrel es schon immer verstanden hatte. Er nahm das Bündel mit seinem Geschenk und versteckte es unter dem Bett. »So, da wird Darrel ganz bestimmt nicht nachschauen, schon aus lauter Angst, ich könnte ihn bitten, da unten gleich mal kräftig Staub zu wischen.« Und aus einer anderen Ecke holte er einen Korb mit weiteren Näharbeiten hervor. Anscheinend gab es immer etwas auszubessern, und da er schon einmal seine Nähsachen bereit hatte, konnte er es ebenso gut gleich erledigen. Er stopfte gerade an ihrem Kopfkissen, als er seinen Gedanken abschloß. »Ich möchte um nichts mit diesem Leben tauschen! Wir haben hier unser Glück gefunden. Was sind da schon ein paar böse Worte und Blicke?«
Der Adlige konnte dem nur beipflichten. In diesem Haus herrschte ein bestärkender Friede, und auf eine merkwürdige Weise schien diese Atmosphäre auch Erevan zu ergreifen; hier spürte er Liebe, Geborgensein und innere Zufriedenheit. Wie anders war das in den großen Adelshäusern, wo Streit, Mißgunst und Angst wohnten!
Erevan lehnte sich behaglich zurück. Eingehüllt in die Wärme des Feuers und des Hauses, schloß er schläfrig und gedankenvoll die Augen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er ganz in seinen Träumen versank …
»Dom Erevan?« störte Rafael ihn behutsam. »Ich habe das Bett für Euch hergerichtet, wenn Ihr schlafen wollt.«
Erevan richtete sich langsam auf und blinzelte müde. Als er sah, daß Rafael für sich selbst ein paar Decken auf dem Fußboden ausbreitete, wollte er widersprechen. »Ich möchte dich nicht aus deinem Bett vertreiben!«
Aber Rafael wehrte bestimmt ab. »Das sind überhaupt keine Umstände. Heute nacht gehört mein Lager Euch. Schließlich seid Ihr mein Gast.« Er breitete eine weitere Decke aus und fügte belustigt hinzu. »Eine Zeit lang haben Darrel und ich zusammen mit meiner alten Großmutter gewohnt. Glaubt Ihr etwa, wir hätten sie auf dem Fußboden schlafen lassen?« Aus einer Truhe holte er eine letzte Decke; wie gut, daß er sie in diesem Sommer gewebt hatte! Aber in den kältesten Nächten schienen alle Decken unter dem Dach nicht auszureichen; wie dankbar war er dann, daß er sich an Darrels Seite einkuscheln und wärmen konnte! Aber davon erwähnte er jetzt natürlich nichts, sondern achtete nur darauf, daß sein Besucher es gemütlich hatte. Dann blies er die Lampe aus und hüllte sich selbst in die Decken am Boden. Morgen war Mittwinter-Abend! Bei diesem Sturm konnte Darrel es unmöglich vor Einbruch der Dunkelheit schaffen, nach Hause zu kommen. Aber ihnen blieb ja noch immer das Fest am nächsten Tag. Und es blieb das Geschenk. Der Gedanke daran wärmte Rafael und ließ ihn schnell einschlafen.
Am nächsten Morgen wachte Rafael schon früh auf. Der Sturm hatte sich fast ganz gelegt; wenn er an das Geheul der letzten Nacht zurückdachte, schien es ihm kaum vorstellbar, daß sie überhaupt ein Auge hatten zutun können. Doch jetzt flüsterte der Wind nur sanft in den Zweigen, und der Schnee fiel in dicken, trägen Flocken. Auch im Haus war es deutlich kälter geworden, und so beeilte sich Rafael, das Feuer wieder anzufachen und die Lampen anzuzünden. Dann setzte er Teewasser an, wärmte den Rest Suppe auf, der vom Vorabend übrig geblieben war, und räumte mit wenigen Handgriffen rasch die Stube auf. Wie oft hatten Darrel und er sich am Anfang wegen irgendwelcher Nachlässigkeiten gezankt! Herumliegende Sachen oder nicht abgeputzte Schuhe konnten schnell den Haussegen schief hängen lassen. Darrel beendete seine Vorhaltungen meist mit der scherzhaften Drohung, er müsse wohl doch noch eine Frau heiraten – die würde Rafe schon noch eine ordentliche Haushaltsführung beibringen. Wenn allerdings Darrel sich etwas zuschulden hatte kommen lassen, tat er dies nur mit der beiläufigen Bemerkung ab, sein Bredu solle nicht wegen jeder Kleinigkeit so pingelig sein …
Rafael hatte sein Bettzeug weggeräumt und war gerade dabei, sich die zerzausten Haare zu kämmen, als Erevan sich streckte und gähnte.
»Guten Morgen«, begrüßte ihn Rafe fröhlich mit einer höflichen Verbeugung. »Der Tee wird gleich fertig sein.«
Noch verschlafen erwiderte der Lord den Gruß und kroch aus dem Bett, aber spätestens, als er mit nackten Füßen den kalten Steinfußboden betrat, war er hellwach. Merkwürdig, dachte er, wie sich die Dinge doch gleichen: ganz egal, wo er genächtigt hatte, ob im primitivsten Unterstand oder im vornehmsten Herrenhaus, am Morgen nach dem Aufstehen war da immer diese Kälte. Er setzte sich ans Feuer, um sich die Hände zu wärmen, und war nicht schlecht erstaunt, als plötzlich eine Tasse Tee vor ihm stand. Er blickte auf, um sich bei Rafe zu bedanken, aber der saß bereits auf dem frisch bezogenen Bett und zog sich die Stiefel über.
»Ich muß mal rasch in den Stall und nach meinem Chervine sehen. Und natürlich auch nach Eurem Pferd.« Er bedeutete Erevan, es sich mittlerweile gemütlich zu machen, aber in seinen Worten klang ein trauriger Unterton mit. »Ihr könnt hierbleiben und Euch aufwärmen. Auch in einem Bett kann es manchmal ziemlich kalt sein, wenn man alleine schläft.«. Rafael erhob sich, trat fest auf, um rechten Halt in den Stiefeln zu finden, und wollte gerade hinaus gehen, als unvermutet etwas am Türriegel rüttelte.
Er beeilte sich, die Türe zu öffnen, und wich verblüfft zurück: Darrel lehnte lässig am Türpfosten und genoß es offensichtlich, das völlig verdatterte Gesicht seines Bredu zu sehen. Nachdem er sich etwas gefaßt hatte, zog Rafael den Freund an sich und mit ins Haus.
So früh schon? Gute Götter, dachte er plötzlich beklommen, wenn er jetzt schon hier ist, muß er die ganze Nacht durchgeritten sein! »Alles in Ordnung mit dir?« fragte Rafe und schloß hinter ihnen die Tür. »Bist du verletzt? Nichts erfroren?«
Der Größere von beiden schüttelte nur lachend den Kopf. »Mir geht es ausgezeichnet. Ich habe mich schon gestern morgen auf die Heimreise gemacht, wurde aber unterwegs vom Schnee überrascht. Die Nacht habe ich in dem kleinen Unterstand oben am Paß verbracht.« Darrel warf seine Satteltaschen achtlos auf den Tisch und ließ den schweren Mantel auf den Boden fallen. »Wem gehört das Pferd in unserem Stall?«
Rafael überhörte die Frage zunächst und schaute ihn vorwurfsvoll an. Als er ihn tadelte, klang seine Stimme gefährlich sanftmütig. »Dir gehört doch der Kopf auf meine Mistgabel gepflanzt! Bei solch einem Sturm loszureiten! Wie konntest du nur so etwas unvernünftiges tun?« Rafe seufzte und mußte doch auch schmunzeln. Mehr als einmal war er zu dem Schluß gekommen, sein Mann sei verrückt – warum sollte es ihn also jetzt besonders überraschen?
»Ich sag dir doch, es geht mir ausgezeichnet«, wiederholte Darrel strahlend. Dann fiel sein erstaunter Blick auf Rafaels Gast.
»Dom Erevan! Euch habe ich ja schon lang nicht mehr gesehen!«
Erevan verbeugte sich leicht zum Gruß. Damit war seine Neugierde also zufrieden gestellt: er kannte diesen Diener tatsächlich. »Ja, es ist schon eine Weile her. Bei der Hochzeit meiner Cousine Lenorie, wenn ich nicht irre.«
Darrel grinste fast schon unverschämt. »Oh ja, ich kann mich noch gut an das Fest erinnern. Und auch daran, daß ein gewisser Lord ein bißchen zuviel getrunken hatte …«
Rafael, dem diese Bemerkung äußerst peinlich war, wandte sich ab. Sein Geliebter war manchmal wirklich unmöglich! Aber Erevan lachte nur. »Erinnert mich bloß nicht daran! Ich hätte den Hastur selbst zum Tanz auffordern können, ohne zu wissen, was ich tue.«
Darrel deutete mit einer Handbewegung auf Rafe. »Ich hoffe doch, mein Freund hat Euch gut bewirtet.«
Erevan bestätigte das, denn er hätte sich wirklich keinen zuvorkommenderen Gastgeber wünschen können. Darrel war sichtlich froh, das zu hören, und umarmte daraufhin Rafael. Nichts Anstößiges lag in solch einer Umarmung, wie sie unter Verwandten durchaus üblich war.
Dennoch konnte Erevan darin auch das ganz Besondere, das die beiden verband, spüren. Die Wärme und Zuneigung, die den Raum erfüllten, rührten auch seine unbewußte Wahrnehmung an. Dabei hätte auch der aufmerksamste Beobachter lediglich sehen können, daß ein Paar Hände Rafes Haar einmal kurz und verstohlen streichelte und daß Darrels Lippen nur für den Bruchteil einer Sekunde länger als nötig auf Rafaels Wangen verweilten. Aber Erevan sah das alles, und er war froh darüber.
Rafael löste sich aus der Umarmung, hielt aber Darrel sogleich zurück, als dieser wieder nach draußen gehen wollte.
»Wo willst du hin?«
»Im Unterstand gab es gestern nicht genug Futter für mein Chervine. Ich sollte mich jetzt darum kümmern.«
»Nichts da, du bleibst schön hier«, erklärte Rafael bestimmt. »Du bist schon lang genug in der Kälte gewesen. Und außerdem wollte ich selber gerade in den Stall gehen.«
Erevan beobachtete leicht amüsiert, wie sich die Szene vom Vorabend wiederholte und der Neuankömmling umsorgt wurde, bis er eingehüllt in Decken und mit einer Tasse heißen Tees in der Hand gemütlich vor dem Feuer saß.
Darrel ließ Rafes Fürsorge gutmütig über sich ergehen, konnte sich aber nicht verkneifen, ihn deshalb auch ein wenig aufzuziehen. »Du bemutterst mich ja schon wieder.«
Rafael zog Kragen und Kapuze seines Mantels hoch. »Wir wissen doch beide, daß ich dann am glücklichsten bin, wenn ich dich bemuttern kann.« Er ging zu dem Tisch, auf dem Darrel die Satteltaschen abgelegt hatte. Der eine Gurt ist ja schon wieder abgerissen. Na ja, ich werde sie schnell auspacken und dann …
»Laß deine hübschen Finger davon weg!« rief Darrel rasch. Rafael blickte fragend auf. Darrel tat es mit einem Achselzucken ab.
»Du mußt ja nicht alles unbedingt gleich sehen.«
Rafe zog demonstrativ seine Hand zurück – schon gut, schon gut, ich rühr’s ja nicht an. Verdutzt und neugierig geworden verließ er den Raum und zog die Tür fest hinter sich zu. Darrel drehte sich wieder zum Feuer und starrte nachdenklich in seine Teetasse.
»Als Rafael dich erwähnte, war ich mir nicht sicher, ob es auch der Darrel war, den ich kannte. Der Name kommt ja ziemlich häufig vor.« Erevan blickte seinen neuen Gastgeber aufmerksam an und fügte dann dezent hinzu. »Jedenfalls scheint er sich sehr gut um dich zu kümmern.«
»Ja, das tut er wirklich. Es sollte mich eigentlich nicht überraschen, daß Ihr von uns wißt. Inzwischen ist es ja allgemein bekannt. Aber Ihr scheint es besser aufzunehmen als die meisten anderen. Sagt mir ehrlich, nehmt Ihr Anstoß daran?«
Erevan schüttelte den Kopf. Er und Anstoß daran nehmen? Neidisch hätte er werden mögen, aber doch nicht brüskiert! »Nein, ganz und gar nicht. Schließlich ist doch nichts dabei.« Er überlegte kurz, was er da gerade gesagt hatte. »Nun ja, das stimmt vielleicht nicht ganz. Wahrscheinlich ist doch etwas dabei. Vor allem die Tatsache, daß ihr euren Frieden gefunden habt, und das trotz des Skandals, der daraus gemacht wird.«
Darrel griff das Wort höhnisch auf. »Skandal ist der richtige Ausdruck! Ein Skandal, wie die Leute reagieren! Es dauerte Monate, bis die ersten überhaupt mit uns reden wollten. Und dann gibt es immer noch welche, – und wahrscheinlich meinen sie es sogar gut – die mich dazu beglückwünschen, was für eine wunderbare Frau ich hätte.« Er sprach es mit einer gewissen Abscheu aus; er fand es einfach lächerlich, daß irgend jemand in Rafe etwas anderes sehen konnte als den Mann, der er war. »Inzwischen lachen wir nur noch darüber; zumindest dann, wenn wir zusammen sein können. Leider bin ich ja nicht oft zu Hause.«
»Ja, Rafael hat mir davon erzählt, und auch, daß du ihm versprochen hast, zum Mittwinterfest hier zu sein.«
Das brachte Darrel auf einen neuen Gedanken. Er setzte seine Teetasse ab, ging zu dem Tisch hinüber und holte seine Satteltasche. Er tat ziemlich wichtig, als er die Tasche aufschnürte.
»Bald wird es ohnehin jeder wissen, da kann ich es Euch ja auch zeigen. Ich habe Rafe immer gesagt, daß ich alles tun würde, um meine Versprechen einzuhalten. Zum Mittwinterfest hier zu sein war leicht, selbst wenn ich dazu durch einen Schneesturm reiten mußte. Aber dies hier«, und dabei griff Darrel in die Tasche und zog eine kleine Holzschachtel hervor, »dies hier ist ein Versprechen, von dem ich immer ganz besonders gehofft habe, es einlösen zu können. Und jetzt ist es soweit.« Er hob den Deckel der Schachtel hoch; darin lag ein Paar Silberarmreifen mit feinen Einlegearbeiten aus Kupfer. »Ich habe Rafe immer versprochen, ich würde eines Tages heiraten. Deshalb habe ich die ganzen Jahre lang Silber- und Kupfermünzen zur Seite gelegt, und jetzt soll Rafe das Verlobungsgeschenk erhalten, das er verdient. Natürlich sind es keine echten Catenas – wie könnten sie es auch sein – aber für uns bedeutet es ebenso viel.«
Darrel nahm einen der Armreifen heraus. »Zunächst wollte ich daraus ein Geheimnis machen; es sollte etwas sein, das nur uns zwei angeht und über das sich niemand die Mäuler zu zerreißen braucht. Aber jetzt ertrage ich es einfach nicht mehr, sie verborgen zu halten.« Er legte den Silberreif um sein Handgelenk, ließ den Verschluß zuschnappen und bewunderte im Lampenlicht die Kupferverzierungen, die wie flüssiges Feuer glänzten. »Ich möchte, daß jeder dies sehen kann, und auch, wie stolz ich auf den Mann bin, der das Gegenstück dazu trägt.« Aber natürlich mußte Darrel auch dies mit einer spöttischen Bemerkung abschließen. »Es ist sowieso höchste Zeit, daß wir den Leuten im Dorf wieder etwas neuen Gesprächsstoff liefern.«
Erevan wagte nicht zu sprechen und nickte nur ergriffen. Er fühlte sich berührt und geehrt, daß Darrel ihm das anvertraut und seine Liebe so offen gezeigt hatte. Fast schon ehrfürchtig berührte er den zweiten Armreif in der Schachtel.
Gabriellas und meiner werden auch so aussehen …
Er mußte an die Catenas denken, die auf ihn warteten. Noch hatte er keinen Kontrakt unterzeichnet, aber dennoch stand fest, daß die Zeremonie di Catenas vollzogen werden würde. Und jene Armbänder ähnelten in der Tat denen, die Darrel angefertigt hatte. Nur, mit dem Unterschied, daß Erevans Catenas mit einem Schloß versehen sein würden und somit eher Fesseln glichen. Einen Augenblick lang stellte er sich vor, wie sich einer der beiden Gold- und Kupferreife um sein Handgelenk schloß und ihn damit untrennbar an das Gegenstück am Arm seiner Braut kettete. Nein, das durfte er ihr nicht zumuten! Dazu achtete er seine Cousine viel zu sehr. Sie verdiente es, frei zu sein …
Und ich? durchfuhr es ihn. Ich verdiene es ebenso sehr …
Erevan erinnerte Darrel an die offene Schachtel. »Du solltest es besser wieder verstecken, bevor Rafael zurückkommt.«
Darrel nickte und legte, wenn auch widerwillig, den Armreif zurück. Aber schon bald würde er es offen tragen können. Schon morgen! Er verstaute die Schachtel in seiner Satteltasche ganz unten, obwohl er eigentlich sicher sein konnte, daß sein Bredu nie heimlich nachschauen würde.
Kurz darauf kam Rafael herein, trat sich die Füße ab und schüttelte ein paar wenige Schneeflocken vom Mantel.
»Jetzt ist es fast schon windstill«, berichtete er. »Es sieht ganz so aus, als ob es heute schön bleibt.«
Daraufhin erhob sich Erevan. »Dann sollte auch ich mich besser auf den Weg machen, so lang das Wetter günstig ist. Ihr wißt ja, daß ich erwartet werde.« Und mit einem Augenzwinkern meinte er noch. »Und ihr beiden habt ja euer eigenes Wiedersehen zu feiern, bei dem ich nicht länger stören will.«
Rafael errötete etwas und schwieg, während Darrel sich an seine Seite stellte und die Hand um seine Schulter legte. Aber innerlich jubelte er. Ganz offensichtlich verübelte Darrel es ihm nicht, daß er dem fremden Gast so viel von ihnen erzählt hatte!
Darrel verbeugte sich noch einmal respektvoll. »Soll ich Euer Pferd satteln? Rafael hat es bestimmt gut versorgt.«
Erevan wehrte ab. »Laß gut sein. Ich bin daran gewöhnt, das selbst zu machen.« Zum Abschied verbeugte auch Erevan sich und umarmte dann beide. »Ich danke euch für eure Gastfreundschaft. Ich werde auf dem Rückweg sicher wieder vorbeischauen.«
Mit den besten Wünschen für die Weiterreise verabschiedeten die beiden Erevan. Bei gutem Wetter und günstigem Wind würde er es bis zum Abend nach Armida schaffen. Behutsam schloß er die Tür hinter sich, als er das kleine Haus verließ.
Erevan kam gut voran, und er dankte den Göttern, daß sie ihm Rückenwind bescherten. Während sein Pferd sich den Weg im frisch gefallenen Schnee suchte, mußte er an das kommende Jahr denken. So viele neue Dinge würde es zu besprechen geben, so viele alte Pläne mußten geändert und neue geschmiedet werden. Er wußte noch nicht recht, ob er traurig oder froh darüber sein sollte. Eines stand jedoch für ihn fest – eine Heirat würde nicht stattfinden. Vermutlich würde er deshalb verachtet und angefeindet werden, aber es mußte nicht notwendigerweise bedeuten, daß er einsam bleiben würde. Vor ihm eröffnete sich ein neuer, ein anderer Weg.
Erevan war erleichtert, als endlich die Lichter von Armida auftauchten. Am nächsten Morgen würde man hier wie anderswo das Mittwinterfest mit dem Austausch der Geschenke beginnen. Und Darrel und Rafael hatten zwei ganz besondere Gaben füreinander. Erevan hätte die Übergabe nur zu gern miterlebt. Aber nein, dieser Augenblick gehörte den beiden ganz allein. In Gedanken wünschte er ihnen ein gesegnetes Fest und hoffte, daß sie mit dem, was dieses Fest ihnen bringen sollte, glücklich werden würden. Vielleicht war es den beiden gar nicht bewußt geworden, aber dafür erkannte es Erevan jetzt um so deutlicher: Rafael und Darrel hatten auch ihn zum Mittwinterfest reich beschenkt.