CYNTHIA MCQUILLIN
Das Kind des Chieri
Bereits in meiner ersten Anthologie habe ich eine Geschichte von Cynthia McQuillin veröffentlicht, und ich weiß noch gut, daß ich meine Einleitung mit der Frage begann: ›Gibt es eigentlich irgend etwas, das diese junge Frau nicht kann?‹ Damals bezog ich mich auf ihre vielfältigen künstlerischen Talente. Meiner Erfahrung nach geben Menschen, die auf diesem Gebiet begabt sind, meist keine guten Schriftsteller ab; Menschen, die gewohnt sind, in Bildern zu denken, fällt es oft schwer, sich in Worten auszudrücken. Natürlich gibt es auch da berühmte Ausnahmen. So habe ich zum Beispiel gerade von Janny Wurts einen Entwurf für die Titelseite meines Magazins zusammen mit einer ihrer Geschichten gekauft. Und auch in George Burr, eigentlich als bildender Künstler bekannt, schlummern verborgene schriftstellerische Talente. Schließlich wäre noch Hannah Shapero zu nennen, die nicht nur meine bevorzugte Illustratorin für Darkover-Bücher ist, sondern auch einen Roman verfaßt und in Umlauf gebracht hat, wie ich bei der Darkover-Convention 1992 herausfand. Vielleicht glaube ich aber nur, sie seien Ausnahmen, weil ich selbst so gar kein zeichnerisches Talent besitze?
Ob es nun selten vorkommt oder nicht, sei dahingestellt; jedenfalls besteht kein Zweifel, daß Cindy über beide Talente verfügt. Wie schon gesagt, habe ich eine ihrer Geschichten in dem ersten Darkover-Band abgedruckt, und auch die handelte von einem Chieri. Gerade dieses Thema wird von anderen Autoren nur selten besonders geglückt dargestellt. Aber Cindy (die übrigens zur Zeit bei mir lebt und, wie ich unumwunden zugebe, mindestens ebenso gut kocht wie ich – auch das gehört zu ihren zahlreichen Talenten) ist es meiner Meinung nach gelungen. Aber urteilen Sie selbst!
Auf unerklärliche Weise war Chiaryl tieftraurig, als er Merilys dabei beobachtete, wie sie, trittsicher wie ein Reh, den Abhang hinunterlief. Es erschien ihm noch gar nicht so lange her, daß er das Menschenkind einsam und verlassen im tiefen Wald, der sein Zuhause war, gefunden hatte. Die Eltern des Mädchens waren beide tot. Es war töricht und leichtsinnig von ihnen gewesen, sich, ganz ohne Begleitschutz, so tief in die Wildnis vorzuwagen; aber soviel er von dem Mädchen erfahren hatte, die damals neun oder zehn Jahre alt war, hatten ihre Eltern aus Angst vor den eigenen Verwandten Zuflucht in den unwegsamen Wäldern der Berge gesucht. Sie hatten alles auf eine Karte gesetzt und verloren; und auch das Kind wäre verloren gewesen, wenn nicht Chiaryl eingegriffen hätte. Aber inzwischen war der Chieri drauf und dran, seinen Entschluß zu bereuen, das fremde Kind angenommen zu haben.
Chiaryls Volk war einst mächtig und lebenstüchtig gewesen, aber mit den Jahren waren die wenigen Überlebenden immer trübsinniger geworden. Zurückgezogen und vereinzelt beklagten sie das Los ihrer untergehenden Rasse und Welt. Sie waren Zwitterwesen – einem männlichen Zyklus folgte ein weiblicher, und dann ein dritter, während dem sie völlig geschlechtslos blieben. Im Laufe der Zeit waren sie immer weniger geworden, da auch ihr Paarungstrieb ständig nachgelassen hatte, bis schließlich überhaupt keine Kinder mehr geboren wurden. Vielleicht war es diese unstillbare Sehnsucht nach einem eigenen Kind, die Chiaryl – damals gerade in einem weiblichen Zyklus – dazu bewogen hatte, Merilys anzunehmen. Womöglich wäre dem Kind viel erspart geblieben, wenn es damals im Schnee umgekommen wäre, oder wenn der Chieri, da es sich zur Rettung verpflichtet gefühlt hatte, das Mädchen wenigstens zu den Menschen zurückgebracht hätte. Aber das ließ sich jetzt alles nicht mehr ungeschehen machen. Sie hatte Merilys in ihr Herz geschlossen, und er mußte jetzt die Konsequenzen tragen.
»Schau, Chiaryl, was Chacka zum Essen gefunden hat«, sprudelte Merilys glücklich hervor, als sie den Abhang wieder herauf kam. Sie hielt ihm einen riesigen, braunen Pilz hin. »Da hinten unter den Bäumen gibt’s noch mehr davon.«
Das Kyrri zockelte dem Mädchen hinterher. Seine Rasse hatte mit den Chieri einige Gemeinsamkeiten, war aber längst nicht so hoch entwickelt. Chacka hatte nun schon fast sechs Jahre lang auf Merilys aufgepaßt; auf Chiaryls Geheiß folgte er dem Mädchen überall hin und war ihr dabei gleichzeitig Spielkamerad und Beschützer.
»Was für ein alter Brummbär du doch bist«, hänselte sie ihn und zerzauste dabei das Fell des Kyrri, das sich so ganz anders als die seidig glatte Haut der Chieri anfühlte. Überhaupt unterschieden sich die beiden in ihrer äußeren Erscheinung völlig. Chiaryl war groß gewachsen, elfenhaft schlank und wirkte mit seinem langen, silberweißen Haar und den grauen Augen selbst in seiner männlichen Phase eher zerbrechlich. Chacka hingegen war stämmig gebaut und besaß einen struppigen weißen Pelz sowie dunkle, stechende Augen.
Du solltest zu deinem Gefährten etwas freundlicher sein. Chiaryls milder Tadel blieb unausgesprochen. Er ist in mancher Hinsicht nicht so gewandt wie du.
»Es tut mir leid«, erwiderte Merilys, die Chiaryls Gedanken auch unausgesprochen erfassen konnte. »Ich bin nur so aufgeregt! Ich habe schon so lange keine Menschen mehr gesehen.«
Bist du denn so unglücklich hier, meine Kleine? Der Chieri senkte seine Frage sanft wie eine Feder in die Gedanken des Kindes. Vergeblich hatte Chiaryl gehofft, daß auch sie diese innige Form des Gedankenaustauschs entwickeln würde, aber Merilys hielt sich trotzig an die menschliche Sprache. Wer weiß, dachte er, wozu es gut ist.
»Aber nein, Chiaryl, natürlich bin ich nicht unglücklich«, versicherte sie ihm. »Du weißt doch, wie sehr ich dich und Chacka lieb habe. Es ist nur so, daß ich es satt habe, immer eingesperrt zu sein und mit niemandem reden zu können.« Es stimmte schon: mit Ausnahme der kurzen Sommermonate mußte Merilys sich stets in der Höhle des Chieri aufhalten, die auch im kältesten Winter durch eine heiße Quelle geheizt war. Chiaryl und Chacka machte die Kälte nichts aus, aber Merilys konnte lange Monate hindurch nicht ins Freie. So war es kein Wunder, daß sie jetzt ihre Freiheit um so mehr genoß.
Das wird sich bald ändern, wenn wir dich zu deinen Leuten zurückbringen, erwiderte er sanft. Wehmütig schaute er ihr nach, als sie den Pfad wieder mit wehender, roter Zottelmähne hinablief. Chacka wie immer in ihrem Schlepptau. Und Chiaryl hatte ernsthaft daran gedacht, sie für immer bei sich zu behalten! Jetzt mußte er selbst über seine Torheit den Kopf schütteln. Dieser Wunsch war einzig und allein seiner Einsamkeit und Verzweiflung zuzuschreiben. Aber selbst wenn Merilys den Rest ihres Lebens bei ihm verbracht hätte, wäre es immer noch nicht lang genug gewesen, den die Chieri wurden alle sehr alt – er wäre auch dann einsam gestorben. Trotzdem hätte er sie gerne noch etwas bei sich behalten, wenn nicht vor gut einem Monat die Sommertraumwinde seinen Geschlechtswandel auf so dramatische Weise beschleunigt hätten.
Die Halluzinogenen Pollen der blauen Blume, die sein Volk ›Traumhauch‹ nannte, beeinflußten jedes Lebewesen, selbst die Chieri. Unter anderem verstärkten sie die übersinnliche Wahrnehmungsfähigkeit, aber die erstaunlichste Nebenwirkung des goldenen Blütenstaubs bestand in einem bis zur Promiskuität gesteigerten sexuellen Verlangen. Chiaryl hatte schon längere Zeit das Geschlecht nicht mehr gewechselt, als der Pollenflug einsetzte. Vielleicht hatte aber auch der Umstand, daß Merilys zur Frau heranreifte, den Wandel bei ihm verursacht. Aus welchem Grund auch immer, jedenfalls war es geschehen. Und in jenem Zustand der gesteigerten psychischen und sexuellen Erregung hatte er dem Paarungstrieb nicht widerstehen können. Unter dem Einfluß der pflanzlichen Droge hatte Chiaryl den Augenblick der Empfängnis in einem Art Freudentaumel erlebt; aber mit der wiedererlangten Vernunft wuchs auch die Einsicht, daß Merilys zu den Menschen zurückkehren mußte, um das Kind unter ihresgleichen auszutragen und großzuziehen. Er hatte falsch gehandelt, sie so lange von ihren Leuten zu isolieren.
Es war merklich kühler geworden, und der sich verdunkelnde Himmel kündigte den Einbruch der Nacht an, weshalb Chiaryl sich beeilte, zu seinen Freunden aufzuschließen. Diese errichteten bereits an einer geschützten Stelle unweit des Pfades das Lager. Der Chieri schichtete das Holz auf, das Chacka gesammelt hatte, entzündete ein Feuer und begann dann, aus den Pilzen und einigen getrockneten Kräutern eine Suppe zu kochen. Nur gut, dachte er, daß sie schon in der Nähe der Menschensiedlungen waren, denn es blieben ihnen nicht mehr viele warme Tage. Sobald aber Schneefall einsetzte, würde Merilys die Reise eher beschwerlich als abenteuerlich finden.
So sehr er sich auch bemühte, in dieser Nacht konnte Chiaryl keine Ruhe finden; selbst das Sedativum aus Kräutern verfehlte seine Wirkung. Schließlich stand er wieder auf und entschloß sich zu einem Spaziergang im Mondlicht. Drei der vier Monde standen am Himmel; der größte von ihnen ging am Horizont unter. Chiaryl brauchte kein Licht, um seinen Weg zu finden, denn dank der Energien, die alles um ihn herum verströmte, konnte er klar und deutlich sehen.
Eins mit seiner Welt und allem Leben, das sie nährte, öffnete er sich dem Frieden der Nacht, und ein tief empfundenes Gefühl der kampflosen Hinnahme allen Geschehens überkam ihn. Chiaryl und seine Artgenossen hatten die Ankunft jener neuen Rasse erlebt, hatten beobachtet, wie tapfer Merilys’ Vorfahren dem merkwürdigen Raumschiff entstiegen waren, das sie aus ihrer weit entfernten Welt bis hierher gebracht hatte. Sie hatten sich daran gemacht, seine Welt zu erobern, und zeigten dabei eine aus Verzweiflung geborene Entdeckerfreude, die ihn faszinierte. Das Volk der Chieri mit seiner tief verwurzelten Liebe zu allem Leben schöpfte eher neue Hoffnung, als daß es in den Eindringlingen eine Bedrohung sah. Vielleicht lag darin die Antwort, dachte Chiaryl, als er zum Lager zurückkehrte.
Dort angekommen betrachtete er lange Merilys, wie sie eingekuschelt in den Armen des Kyrri dalag. Sie erschien ihm immer noch wie ein Kind. Und doch – wie rasch war sie erwachsen und herangereift. Aber so waren sie nun einmal, diese Menschen. Sie vermehrten sich rasch, sie wuchsen rasch, und sie starben rasch. Und waren doch in diesem kurzen Leben stets bestrebt, sowohl ihr Wissen und ihre Fähigkeiten als auch Besitz und Macht zu mehren. Verglichen mit den Chieri waren die Menschen eine primitive und brutale Rasse, aber dennoch trugen auch sie jenen göttlichen Funken in sich, den sein Volk so verehrte. Aber vor allem war es wohl ihr ungebrochener Lebenswille, der ihnen ermöglichen würde, sich auch in dieser feindlichen Umwelt zu behaupten.
Chiaryl hatte schließlich erkannt, daß die Lebenskraft der Menschen auch seiner eigenen aussterbenden Rasse neue Hoffnung bot. Er lächelte, als er das Wachstum seines Sohnes in Merilys Bauch überprüfte. Die beiden Arten konnten sich offensichtlich untereinander fortpflanzen, wie Merilys Empfängnis eindeutig belegte; aber wäre auch die Nachkommenschaft lebensfähig? Soweit Chiaryl feststellen konnte, war der Embryo gesund und stark und alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß er die übersinnlichen Gaben seines Vaters erben würde, auch wenn er äußerlich eher der Mutter nachschlagen würde. Aber das war gut so, entschied der Chieri, denn wenn er gar zu sehr aus der Art schlagen würde, könnten die Siedler ihn wohl kaum akzeptieren.
Müde bemerkte Chiaryl, daß die Sonne schon den Himmel in tiefrotes Dämmerlicht tauchte. Merilys regte sich allmählich in Chackas beschützender Umarmung; sogleich war auch das Kyrri hellwach und gab das Mädchen frei, das sich jetzt aufrichtete. Noch verschlafen erhob sie sich und stahl sich zu dem Bach fort, um sich dort ungestört zu waschen. Das Chieri fand es komisch, daß sie nach all den Jahren ihm gegenüber solch ein Schamgefühl entwickelte. Vielleicht war sie nach der intimen Begegnung, die sie unter dem Einfluß des ›Traumhauchs‹ geteilt hatten, noch immer verwirrt.
Während seiner nächtlichen Wanderung hatte Chiaryl in der Nähe eine Menschensiedlung entdeckt. Unter dem Sternenfirmament hatte er die Palisaden und primitiven Hütten drunten im Tal klar erkennen können. Die Gemeinschaft schien groß genug, um eine weitere Person ernähren zu können, und genug Schutz bot sie auch. Sie könnten die Siedlung mühelos bis zum frühen Nachmittag erreichen, aber es widerstrebte Chiaryl doch, Merilys bei den erstbesten Menschen zu lassen, die er antraf. Deshalb sagt er ihr, er würde an diesem Morgen vorgehen. Sie sollten ihm folgen, wenn sie ihr Frühstück beendet und das Lager abgebrochen hätten.
Er fand seinen Eindruck aus der vorherigen Nacht bestätigt: Die Siedlung war groß genug und gut angelegt. Chiaryl kam mit einem Mal der Gedanke, daß dies genau jener Ort sein könnte, dem Merilys Eltern entflohen waren, aber was er von dem Mädchen an vagen Erinnerungen erfahren hatte, schien nichts darauf hinzudeuten. Er suchte sich eine verborgene Stelle, von der aus er die Leute unbemerkt bei ihrem Kommen und Gehen und den alltäglichen Verrichtungen beobachten konnte. Es gab zahlreiche Kinder jeglichen Alters, die sich gegenseitig neckten, während sie die eingepferchten Tiere fütterten. Alle schienen hier wohlgenährt, glücklich und zufrieden.
Nach einiger Zeit stellte Chiaryl einen leichten Rapport mit einer der Frauen her, die er schon länger beobachtet hatte. Sie war damit beschäftigt, Bettzeug auszuwaschen und zum Trocknen aufzuhängen. Unaufdringlich las er in ihren oberflächlichen Gedanken. Sie war etwas verdrießt, andererseits aber auch froh, heute nacht in frisch gewaschener Wäsche schlafen zu können. Die Arbeit ging ihr leicht von der Hand, während sie die Heimkehr ihres Mannes und Sohnes erwartete. Beide waren zur Jagd in die tiefen Wälder gezogen, um so den Vorrat an Fleisch aufzustocken, das die Dörfler für die mageren Wintertage einpökelten oder räucherten. Die Speisekammern waren schon recht gut gefüllt, konnten aber einen Überschuß immer gut vertragen; an Fleisch gab es nie genug, wenn man beim Mittwinterfest nicht vor leeren Tellern sitzen wollte. Außerdem wurde die Jagd aussichtslos, sobald heftiger Schneefall einsetzte; das Wild würde dann andere Weidegründe suchen, wo es die Rinden von den Bäumen abknabbern konnte, und Rabbithorns und Vögel hätten sich in ihren Höhlen und Nestern verkrochen.
Die Frau hatte nur einen Sohn, und obwohl sie sich immer auch eine Tochter gewünscht hatte, wußte sie, daß dieser Wunsch unerfüllt bleiben mußte. Komplikationen während ihrer ersten Schwangerschaft hatten verhindert, daß sie noch ein weiteres Kind austragen konnte. Das ist durchaus vielversprechend, dachte Chiaryl. Noch immer nicht ganz zufriedengestellt, prüfte er weitere Dorfbewohner und fand heraus, daß sie alle ähnlich veranlagt waren. Nachdem er seine Wißbegier befriedigt hatte, zog sich Chiaryl vorsichtig zurück, lief den Abhang hinauf und traf auf halbem Wege Chacka und Merilys. Natürlich hatte auch Merilys die Siedlung von hier oben gesehen und war gespannt, zu den Menschen zu gelangen. Sie zerrte ungeduldig an Chiaryls Hand, der traurig auf sie hinabblickte.
Geh schon, meine Kleine, flüsterte er ihren Gedanken ein. Chacka und ich müssen zurückbleiben.
»Kommst du denn nicht mit mir?« fragte sie hilflos. »Ich habe geglaubt …«
Nein, unterbrach er die Flut unausgesprochener Einwände. Es ist wirklich besser, wenn sie uns nicht sehen. Und du tätest klug daran, den Vater deines Kindes nicht zu erwähnen.
»Dann werde ich dich also nie wiedersehen?« Das Mädchen brach in Tränen aus, als sie ihn stürmisch umarmte.
Ich werde auf dich aufpassen, erwiderte er, auf dich und dein Kind und deine Kindeskinder. Seine Augen strahlten vor Wärme, als er sich sacht von ihr löste, um ihr in die Augen blicken zu können. Jedesmal wenn du mich brauchst, werde ich es wissen. Er hielt ihre Hand, küßte sie sanft und legte in die geöffnete Handfläche einen kleinen, blau leuchtenden Kristall. Du mußt nur in diesen Stein schauen und an mich denken, und ich werde es wissen. Als Merilys in die Tiefe des Kristalls blickte, begann er zu glühen; erst schwach nur, dann vor Leben sprühend und im Rhythmus mit ihrem Herzschlag pulsierend.
Ich liebe dich. Zum ersten Mal nahm sie von sich aus die Gedankenverbindung mit ihm aus. Und ich begreife, was du willst, aber trotzdem werde ich dich und Chacka schrecklich vermissen.
Er fuhr ihr mit den Fingerspitzen zärtlich übers Gesicht und nickte. Dort unten wirst du eine Frau namens Marja bei der Wäsche finden. Geh zu ihr, und sie wird dich aufnehmen. Du mußt immer nur den Bach entlang gehen.
»Ich danke dir«, flüsterte sie, und brach den innigen Kontakt ab, der zu schmerzlich geworden war. Dann drehte sie sich um und stürmte den Pfad hinab. Chiaryl Abschiedsgeschenk war alles, was sie mitnahm.
Chacka schaute ihr schwermütig seufzend hinterher. Dann legte er seine Hand auf die Schulter des Chieri.
Ja, mein alter Freund, jetzt sind wir wieder allein. Allein aber nicht mehr ganz ohne Hoffnung. Chiaryl lächelte, als er an sein Kind und die kommenden Generationen dachte.