»Segeln kann ich« oder Kyms Meerfahrt
Wilfried Erdmann
Herr gib Acht auf uns, denn das Meer ist so groß und unser Boot so klein.
Bretonisches Fischergebet
Wie schön: Eines Tages hatten wir ein Kind. Einen blond gelockten Jungen. Gesund und munter. Hatte er doch auf dem Meer einen Orkan im Bauch seiner Mutter überlebt. Wir, die Eltern, liebten ihn. Statteten ihn mit Spielzeug, feinen Klamotten und Kosenamen aus: Ole, Pinky, Kimmi. Ebenso liebten wir das Segeln. Genauer: das Reisen mit einem Segelboot. »Wenn es etwas gibt, das ich mehr als alles andere liebe, so ist es das Segeln auf dem Meer«, sagte ich. Folglich nahmen wir den Kleinen, als er drei Jahre alt war, für eine lange, große Segelreise mit an Bord. Drei bis vier Jahre waren avisiert. Start sollte Neuseeland sein. Ziel Südfrankreich. Dazwischen die Südsee, ein blauer Traum mit grünen Inseln, farbigen Lagunen, viel Sand und Sonne. Gesegelt wurde mit einer zehn Meter langen, schönen, weißen Slup.
Genau genommen war das Boot ein wenig klein für uns drei. Doch wir trösteten uns damit, dass der Törn meist in den Tropen stattfinden und somit Deck und Cockpit zusätzlich als Lebensraum gelten würde. Außerdem hatte Kym sein eigenes Reich: das Vorschiff mit Koje, Schrank, Spielzeugkiste und Bücherschapp. Letzteres war allerdings anfangs ziemlich leer. Wir hatten nur wenige Kinderbücher im Gepäck.