Kokosnuss & Corned Beef

Wilfried Erdmann

Ich denke, diese Suppe wäre besser, um darin zu schwimmen, als um sie auszulöffeln.

Robert Louis Stevenson

Wie haben wir uns Essen an Bord und Verproviantierung vorzustellen, als ich mich 1966 zur Atlantiküberquerung rüstete?

Keineswegs sorgfältig geplant und mit Listen oder gar nach Bedarf an Kilokalorien. Ich wusste nur, dass dieser nach einer anstrengenden Sturmphase sicher hoch sein würde, vielleicht 4000. Ob ich eher Kohlenhydrate oder Fett verbrennen würde? Keine Ahnung. Es kümmerte mich auch nicht. Ich war 26 Jahre alt und packte an Proviant nur ein, was mir schmackhaft schien. Kochen konnte ich jedenfalls nicht.

Immerhin bunkerte ich einen ganzen Sack Zwiebeln als Vitaminträger. Ich hatte gelesen, dass sich schon Columbus überreichlich damit versorgt hatte. Die Spanier bunkerten für eine Ozeanfahrt Zwiebeln gegen Skorbut, die Engländer Limes und Rum. Als Trinkreserve staute ich kartonweise Saft in Dosen.

Dann war ich einfach losgesegelt. Die Menge des Proviants hatte ich nach Gefühl kalkuliert und auf die zu erwartende Zeit hochgerechnet. Ich wusste nicht, wie viele Tage ich für die Überquerung einplanen musste und wie viel ich an Verpflegung verbrauchen würde. Ich segelte und segelte länger als jeder andere über den Atlantik, doch der Proviant hat gereicht.Ein richtiges Essen kochen lernte ich nicht. Nur Bohnen, Erbsen, Möhren und anderes Gemüse aus Konserven wurden aufgewärmt. Meist als Beilage zu Reis und Nudeln. Mit Kartoffeln und Fleischprodukten hielt ich mich zurück. Als Dessert stand mir meist eine Dose Früchte zur Verfügung, Höhepunkt war ein Becher Kakao mit einer Stange Butterkeks. Die absolute Krönung bildete eine Flasche Bier, aber zu feiern gab es nicht viel, sodass sechs Flaschen und eine Handvoll Tafeln Schokolade für die Atlantiküberquerung ausreichten.

Von der Wüste und vom Meer: Zwei Grenzgänger, eine Sehnsucht
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