Der magische Moment
Wilfried Erdmann
Man fragt eine Möwe nicht, warum sie gelegentlich zur offenen See fliegt. Sie fliegt einfach, mehr lässt sich nicht darüber sagen.
Bernard Moitessier
Ich wollte doch nur segeln. Fortsegeln. Weit fort. Immer weiter. Am besten um die ganze Erde. Hatte ich doch einmal ein erstes Segelerlebnis mit achtzehn Jahren auf einem Kahn an Indiens Malabarküste gehabt. Dort roch es betörend nach Fisch, Gewürzen und verbrannten Kokosfasern und vor allem nach salziger Luft. Ich saß am Ufer mit über 10 000 Radkilometern in den Beinen, müde und dünn wie eine Heugabel, und genoss um mich herum Sand, Riffe und die Farben Blau, Türkis, Braun. Weiter im Westen Brandung, Meer und Horizont. Irgendwo dort zu meiner Rechten, wo die Küste eine Bucht bildete und eine kleine Mole hervorstach, lag ein Boot mit Mast. Ein Segelboot. Es war ein einheimisches Boot, das einem Fischerkahn mehr ähnelte als einer Yacht.
Da ich nicht besonders schlau war, dachte ich, damit könnte ich meine Reise übers Meer fortsetzen. Eine Handvoll Dollarnoten hatte ich ja noch. Aber es waren nicht genug. Nach einem Segelausflug in der Lagune wurde mir gesagt, das Boot sei zu klein, zu schwach für das große Meer. Dennoch: Ein Segelboot erschien mir spontan traumhaft und erstrebenswert. Sport, Ferne, Exotik. Zu Inseln segeln zu können, wo Bananen wild wachsen und wo mir die Mädchen ins Cockpit schwimmen.