22.


Ich bedaure, bekannt geben zu müssen, dass die corellianische Regierung unser Gesprächsangebot ablehnt, solange die Galaktische Allianz nicht einwilligt, das Recht Corellias auf die Aufrechterhaltung einer eigenen unabhängigen Verteidigungsarmee und entsprechender

Abschreckungswaffen anzuerkennen. Da die Allianz außerstande ist, diese Weigerung, die Waffen niederzulegen, zu akzeptieren, befinden wir uns jetzt im Kriegszustand mit Corellia und seinen Verbündeten.

Staatschef Cal Omas in einer kurzen Erklärung an den Senat


MILLENNIUM FALKE. MIT KURS AUF CORONET


Selbst der Umstand, wieder an den Instrumenten des Falken zu sitzen, trug nicht dazu bei, dass Han sich irgendwie besser fühlte. Er wollte die Ereignisse der letzten paar Tage zurückspulen wie eine Holoaufzeichnung, damit er sie löschen und die Dinge diesmal richtig machen konnte.

Im Sichtfenster wurde Corellia größer. Zumindest konnten sie jetzt ohne Heimlichtuerei landen, und das Schlimmste, das passieren würde, wären ein paar Sticheleien darüber, dass er ein Verräter wäre - falls sich noch irgendwer so weit zurückerinnerte. Im Krieg waren einige Wochen eine verdammt lange Zeit. Und es kümmerte ihn nicht länger, ob die Solos Luke politisch in Verlegenheit brachten. Luke hatte seine Wahl getroffen.

Und mein Sohn verwandelt sich in ein Monster. Leia griff zu

ihm herüber und legte ihre Hand auf die seine, als er die vorderen Schubkontrollen umklammerte. »Achtzig Kilo pro Quadratzentimeter.«

»Was ist los?«, fragte Han abgelenkt.

»Die Streckspannung von Durastahl. Du siehst aus, als würdest du das gerade testen.«

Han ließ die Kontrollen los. Der Autopilot war ohnehin eingeschaltet. Er hatte den Steuerknüppel bloß gepackt, weil es ihn tröstete, weil er das Gefühl hatte, dass das so ziemlich alles war, was er in diesem Moment in seinem Leben im Griff hatte. »Waren wir das? Haben wir ihn so erzogen? Was haben wir falsch gemacht? Wie kommt es, dass Jaina nicht so ist?«

»Ich weiß auch nicht, was hier gerade vorgeht.«

»Ich dachte, ich verstehe dieses ganze Helle-und-Dunkle-Seite-Zeug. Dass alles Teil der einen Macht ist. Also, was hatte ich da eben vor mir, das vorgegeben hat, unser Jacen zu sein?«

»Liebling, du musst dich beruhigen.«

»Jacen foltert Gefangene zu Tode. Wie kann ich mich da beruhigen? Verliert er den Verstand? Fühlt er sich für dich anders an?«

Leia war immer die Sensible mit den ruhigen Nerven und der Fähigkeit, die Dinge so klingen zu lassen, als wäre alles unter Kontrolle. Er war derjenige, der sich um die handfesteren Angelegenheiten kümmerte. Das war die Art, wie ihre Ehe funktionierte, die einige ziemlich schlimme Prüfungen über standen hatte. Doch diesmal schien sogar Leia die Dinge nicht wieder in Ordnung bringen zu können.

»Okay«, sagte sie. »Jacen fühlt sich. für mich verändert an. Vielleicht ist es das, was zu Jaina durchdringt. Sie ist sehr unglücklich. Ich kann es spüren.«

»Zumindest fliegt sie keine Kampfeinsätze. Sie ist zur

Vernunft gekommen.«

»Aber sie hat sich nicht mit uns in Verbindung gesetzt, was normalerweise bedeutet, dass es da irgendetwas gibt, von dem sie glaubt, dass wir es besser nicht wissen sollten.«

»Glaubst du, du könntest deine Macht-Telekinese vielleicht gegen Telepathie eintauschen? Das wäre hin und wieder wirklich nützlich.«

Han fuhr sich mit den Händen übers Gesicht und überprüfte dann die Armaturen. Sie würden in einer Stunde landen. Aber Thrackan war für immer fort. Das war doch schon was. Und der Falke war wieder flugtauglich, was ein weiterer Pluspunkt war.

»Wenn Fett sieht, in welchem Zustand die Leiche ist, wird er von selbst dahinterkommen«, sagte Leia.

»Vielleicht schaut er sie sich nicht an.«

»Er kommt mir nicht wie einer von der zimperlichen Sorte vor, Liebling.«

»Er hat sie seit fünfzig Jahren nicht gesehen. Es ist ja nicht so, als würde sie ihn interessieren. Was für ein Vater muss man sein, um sein Kind jahrelang nicht zu sehen?«

»Nun, wir haben Jacen fünf Jahre lang nicht gesehen«, merkte Leia an.

»Das war etwas anderes. Hast du Angst vor Fett?«

»Ich würde lieber einen großen Bogen um ihn machen.«

»Ich würde gern sagen, dass ich es jederzeit mit ihm aufnehmen kann, aber da habe ich meine Zweifel.«

Leia schloss einen Moment lang die Augen, als würde sie ihre Gedanken ordnen. »Wir werden uns damit auseinandersetzen, falls und wenn es dazu kommt. Möglicherweise ist das nicht unser größtes Problem.«

»Was, dass unser Sohn den tödlichsten Kopfgeldjäger der Galaxis vor den Kopf stößt? Was aus der Problemliste steht denn da noch drüber?«

Leia erhob sich aus dem Copilotensessel und ging nach achtern zu den Frachträumen. Han wusste, dass sie einen weiteren Blick auf die Leiche von Ailyn Vel werfen wollte. Vielleicht hatte sie auch vor, sie ein wenig herzurichten, damit sie für ihren Vater ein wenig präsentabler aussah, oder sie wollte auf eine dieser Jedi-Arten irgendwie Informationen über ihre letzten Augenblicke sammeln. Er fragte nicht danach.

»Ich verrate dir, was ein noch größeres Problem ist, als eine Fehde mit Boba Fett zu haben«, sagte sie. »Einen Sohn zu haben, der tötet, wenn es keine Notwendigkeit dafür gibt.«

Han fragte sich, ob dies das erste Mal war, dass Jacen so etwas getan hatte, und schämte sich dafür, das auch nur zu denken.

Dann fragte er sich, wann Jacen es erneut tun würde.


RAUMHAFEN VON CORONET-STADT, CORELLIA


Mirta wartete auf Fett, als er die vordere Einstiegsluke der Slave /öffnete. Sie hatte keinen Blaster in der Hand, also räumte er ihr einen gewissen Vertrauensbonus ein.

Momentan spürte er sowohl sein Alter als auch seine Krankheit. Dumpfer Schmerz nagte an ihm, doch er ignorierte es. »Die Solos bringen Ailyns Leiche her«, erklärte er ihr.

»Ich weiß. Ich will sie haben.«

Los geht's. »Du hast kein Schiff, und du hast keinerlei Credits. Was willst du mit ihr machen?«

»Was beabsichtigst du mit ihr zu machen?«

»Beerdigen.«

»Ein bisschen spät, um dich jetzt um deine Tochter zu kümmern.«

»Glaubst du nicht, ich weiß das?« Fett fiel auf, dass sie das Feuerherz um ihren Hals trug. »Dann hat sie dir die Halskette also als Köder für mich gegeben.«

Mirta schloss ihre Hand um den Stein. »Nein, ich habe sie wirklich wiederbeschafft.«

»Was ist mit Sintas passiert?«

»Warum willst du das wissen?«

»Weil ich sie geliebt habe. Und wahrscheinlich wusste nicht einmal Ailyn, was uns widerfahren ist und warum ich wegging. Also verurteil mich nicht.«

Mirta verzog grimmig die Miene. »Du hast nie irgendeinen Versuch unternommen, Kontakt zu ihnen aufzunehmen.«

»Willst du wissen, wie mein Leben gewesen ist?«

»Ja, es muss wirklich hart gewesen sein, dieses Vermögen anzuhäufen.«

»Mein Dad wurde vor meinen Augen getötet, als ich zehn war. Ich war drei Jahre lang auf der Flucht. Mit sechzehn habe ich Sintas geheiratet, weil ich dachte, ich könnte mein Leben in Ordnung bringen, indem ich das tat, was normale Leute tun, aber ich hatte unrecht. Ich habe versucht, mich als reisender Protektor zu verdingen, aber ich habe einen vorgesetzten Offizier getötet und wurde dafür von Concord Dawn verbannt und eingesperrt. Und das war das Ende meines Versuchs, ein gewöhnlicher Mann zu sein. Danach habe ich mich darauf beschränkt, Boba Fett zu sein, weil ich einfach nicht wusste, was ich sonst tun sollte.«

Mirta sah ihn an, als würde sie mit sich ringen, ob sie ihm einen Laserschuss in den Kopf oder in die Brust jagen sollte. Er wollte ihr Mitleid nicht. Er wollte, dass sie verstand, warum er Sintas und Ailyn noch wesentlich mehr Kummer bereitet hätte, wenn er nach dem Absitzen seiner Haftstrafe zu ihnen

zurückgekehrt wäre, anstatt zu verschwinden.

Und er hatte einen Offizier getötet, der einst sein Mentor gewesen war, sein Freund. Es wäre wirklich nicht nötig gewesen, dass sie ihn verbannten. Er hatte ohnehin vor seinem Schmerz weglaufen wollen, so weit wie er nur konnte.

Aber warum wollte er, dass Mirta das alles verstand? Sie war bloß eine Fremde, die er vor ein paar Wochen kennengelernt hatte. Sie bedeutet mir nichts. Womöglich ist sie nicht einmal mein eigen Fleisch und Blut, sondern versucht nur, einige Credits aus mir rauszuholen.

Es gab eine Möglichkeit, die Sache ein für alle Mal zu klären. Er holte sein Datenpad hervor und verschaffte sich Zugriff auf seine Konten. »Hast du eine Bankverbindung?«

»Warum willst du das wissen?«

»Du hast Sal-Solo die erste Kugel verpasst. Nimm die Million Credits und tauch unter.«

Ihre Miene war eine Maske der Verachtung. »Du weiß, wo du dir deine Credits hinstecken kannst.«

In Ordnung, dann gehörte sie also zur Familie. Sein Bauchgefühl sagte ihm jedenfalls, dass es so war. »Hast du irgendwelche Brüder oder Schwestern?«

»Nein. Und auch keine eigenen Kinder.«

Er hatte nie daran gedacht, sich danach zu erkundigen. »Du bist sowieso zu jung dafür.«

»Ich war verheiratet. Wir heiraten jung, nicht wahr?«

Oh, wie sich die Geschichte wiederholt. Ich brauche diese Probleme nicht. Ich habe selbst schon genügend.

Fett fragte nicht danach, warum sie nicht mehr verheiratet war. Vielleicht hatte ihr unwirsches Verhalten etwas damit zu tun. Aber er hatte begonnen, sie zu respektieren; und sie war seine Enkelin. Sie war die ganze Familie, die er hatte.

Nein, du brauchst sie, um den Klon zu finden, und sie weiß, was mit Sintas passiert ist...

Er machte sich selbst etwas vor, rechtfertigte seine Sentimentalität mit gespieltem Pragmatismus. Er konnte den Klon auf eigene Faust finden. Er musste nicht wissen, was seiner Frau widerfahren war. Nein, er wurde von demselben Verlangen angetrieben, das seinen Vater dazu gebracht hatte, Dooku um einen geklonten Sohn zu bitten, als Teil seines Honorars dafür, dass er der Stammvater der Klonarmee war: Er wollte unbedingt eine Familie. Es wäre einfacher gewesen, sich eine Frau zu suchen und sich niederzulassen, aber Boba Fett war dazu genauso wenig in der Lage, wie es sein Vater gewesen war.

»Also werden wir uns wegen einer Leiche streiten.«

»Du willst einfach nur gewinnen«, sagte Mirta. »Ganz egal, was du gewinnst.«

Fett konnte nicht einmal wütend auf sie sein. Er lehnte sich gegen die Außenhülle der Slave I und blickte durch das makrobinokulare Visier seines Helms zum Himmel empor, während er darauf wartete, dass der Millennium Falke als Fleck am Firmament auftauchte und auf dem Landestreifen aufsetzte. Mirta wartete neben ihm - aber nicht mit ihm. Er konnte die unsichtbare Wand, die sie zwischen ihnen errichtet hatte, beinahe fühlen.

Es war eine lange halbe Stunde.

Der Falke fegte über den Landestreifen und schwenkte dann herum, um fünfzig Meter entfernt zu landen. Fett richtete sich auf und marschierte zu dem Schiff hinüber, und Mirta folgte ihm dichtauf.

Leia Solo verließ das Raumschiff als Erste und ging auf ihn zu, als wolle sie ihm den Weg versperren. »Das Ganze tut mir

wirklich sehr leid für dich, Fett. Und für dich auch, Mirta.«

Fett ging an ihr vorbei und stieg die offene Rampe in den Frachtraum hoch. Han dirigierte gerade eine Repulsorbahre in die Hauptkammer und warf den beiden über die Schulter einen Blick zu.

»Wirst du uns wieder auf deine Abschussliste setzen?«, fragte Han. »Wenn du darüber nachdenkst, Jacen nachzustellen - er ist ein zu harter Brocken, selbst für dich.«

Fett schüttelte langsam und bedächtig den Kopf. »Ich muss mich an niemandem rächen, Solo. Dein Sohn befiehlt seiner eigenen Schwester, auf Zivilisten zu schießen, und suspendiert sie dann vom Dienst, als sie sich weigert. Nein, ich glaube, ich überlasse euch einfach eurer glücklichen Familie. Ich habe Dringenderes zu erledigen.«

Er registrierte, wie Han Leia ansah und wie Leia Han ansah, und wusste, dass er gerade einen Thermaldetonator nach ihnen geworfen hatte.

Also hatten sie es nicht gewusst.

Fierfek, das ist meine Tochter in diesem Leichensack.

Das Schweigen war vergleichbar mit diesem drückenden Moment, bevor ein Gewitter losbricht, und lastete schwer auf ihnen allen. Leia - ja, sein Vorgänger Fenn Shysa war ganz vernarrt in Leia gewesen, damals, bevor sie den Weltraumgammler geheiratet hatte - vollführte eine hilflose Geste in Richtung der Luke.

»Ich kann mich um jemanden kümmern, der die Beerdigung für dich arrangiert, Fett.«

»Nein«, sagte er. »Sie gehört zu mir.« Zeit für eine Geste. »Sie gehört zu uns.«

»In Ordnung.« Leias Stimme war leise und vorsichtig. »Beruhig dich.«

»Ich will ihre Leiche sehen.«

»Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.«

»Prinzessin Leia, ich sagte: Ich will die Leiche meiner Tochter sehen.«

Mirta ergriff ihn am Arm. Ist das zu ihrem Trost oder zu meinem? Einmal mehr war Fett dankbar für seinen Helm, weil er nicht wollte, dass Han Solo seine Trauer sah. Seine Stimme gab nichts davon preis.

»Und ich will meine Mutter sehen«, sagte Mirta.

Leia trat zurück, aber Han zögerte. Fett konnte nicht verhindern, dass seine Stimme härter wurde. »Lass uns für ein paar Minuten allein, Solo.«

»Fett.«

»Ich sagte: Lass uns allein.«

Han wirkte betreten, und Leia steuerte ihn auf das Schott zu. Fett und Mirta waren in der Vorkammer des Frachtraums allein mit der Bahre.

Beide zögerten und setzten sich dann im selben Moment in Bewegung. Fett blieb hinter Mirta stehen, und sie öffnete den Leichensack, die Augen starr und starrend.

Es war allein das leichte Zucken ihres Kinns, das ihm verriet, dass sie schockiert war. Er stand neben ihr und sah eine Fremde. Ailyn Vels Gesicht war von Blutergüssen und Schnittwunden übersäht, aber überraschend friedlich: Sie trug eine Kiffar-Tätowierung, drei schwarze Linien, die von ihrer linken Braue zu ihrem Jochbein verliefen, genau wie bei ihrer Mutter Sintas. Ihr dunkles Haar war von zahlreichen grauen Strähnen durchsetzt.

Das ist mein kleines Mädchen.

Er versuchte angestrengt zu begreifen, dass die Leiche einer Frau in mittleren Jahren, die er nicht erkannte, das Kind war, das er einst im Arm gehalten hatte. Es hieß, dass man nie aufhörte, die eigenen Kinder als seine Babys zu betrachten, ganz gleich, wie alt sie wurden, aber Fett konnte diese Verbindung nicht herstellen.

Aber - ich will es. Ich will es fühlen.

Du hast ihr ganzes Leben verpasst. Alles. Hat sie mich jemals Dada genannt? Nein, ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie das getan hat.

Mirta beugte sich vor, schlang das Feuerherz um den Hals ihrer Mutter und legte ihre Wange auf die ihre. Dann richtete sie sich auf und trat zurück, wie um ihm Platz zu machen, damit er ebenfalls von Ailyn Abschied nehmen konnte. Und das war schwer. Er zögerte, weil er jetzt eine andere Erinnerung in sich aufwallen fühlte, eine, die er nicht verdrängt hatte und das auch nicht wollte. Er war in einer staubigen Arena auf Geonosis, sechzig Jahre zuvor, und hob den Helm seines Vaters auf.

Die Jedi nehmen mir alles.

Fett hätte seinen Helm abnehmen müssen, um ihr einen Abschiedskuss zu geben, und dazu war er nicht bereit, nicht hier. Er ordnete Ailyns Haar mit behandschuhten Fingern und schickte sich gerade an, den Leichensack zu schließen, als ihn das Verlangen überwältigte, das Feuerherz nicht zu verlieren. Es war alles, was ihm aus einer glücklicheren Zeit geblieben war. Er nahm das Amulett und bemerkte, dass Mirta ihn ansah, grimmig und mit starrem Blick. Sie wollte, dass Ailyn das Feuerherz behielt.

Es gab eine Lösung.

Feuerherzen hatten eine körnige, kristalline Struktur, die Bruchlinien bildete, die Juweliere dazu benutzten, um die Steine in kleinere, verarbeitbare Stücke zu spalten. Fett stellte die kleine Scheibe auf den Rand und zog seinen Blaster. Ein paar harte Schläge mit dem Griff splitteten den Stein entlang der Bruchlinie auf, und er zerfiel in zwei Hälften. Fett nahm ein Stück aus dem Lederriemen und reichte es Mirta, bevor er Ailyn den Rest des Amuletts wieder um den Hals legte.

Er hatte schon mit vielen Leichen zu tun gehabt. Wenn man Kopfgeldjäger war, brachte das der Job so mit sich. Doch erst, als er sich mühte, die Lederkordel in ihrem Nacken zusammenzubinden und dazu seine Handschuhe ausziehen musste, ergab es sich, dass er Ailyn tatsächlich berührte.

Ihr Haar war gröber, als er es sich vorgestellt hatte. Ihre Haut war eiskalte Seide.

Und das war der Moment, in dem er wirklich begriff, dass er sein einziges Kind verloren hatte. Er war nie für sie da gewesen, und das war ein Schmerz, von dem er wusste, dass er niemals vergehen würde, genauso wenig wie seine Erinnerung an Sintas. Sein Vater war für ihn da gewesen. Aber es war ihm nicht gelungen, es seinem Dad in der wichtigsten Sache überhaupt gleichzutun: ein so guter Vater zu sein, wie Jango Fett es gewesen war.

»Lass uns gehen«, sagte Mirta. »Wir bringen sie nach Hause.«

Mit einem Mal war es wir geworden. »Wo ist dieses Zuhause? Nicht Taris.«

»Mandalore.«

»Um ehrlich zu sein, habe ich dort momentan keinen Grundbesitz.«

»Dann wird es Zeit, dass du dir welchen zulegst.«

Boba Fett und Mirta kehrten zur Slave I zurück und legten Ailyn Vel in den Kühlraum, der eigentlich für Gesuchte gedacht war, deren Steckbrief das Wort tot enthielt. Es fühlte sich nicht richtig an, aber es war die einzige praktikable Lösung für die Rückreise nach Mandalore.

Wer auch immer dieser Kad'ika war, mit einer Sache hatte er recht. Manchmal brauchte man wirklich einen Ort, den man für immer sein Zuhause nennen konnte. Fett kletterte durch die zentrale Einstiegsluke der Slave I und nahm im Pilotensessel Platz. Mirta, noch immer schweigend, setzte sich auf den Copilotensitz.

»Beviin sagt, dass wir Mandalorianer unsere Toten nur selten begraben«, sagte Fett. »Aber ich hatte noch nie viel von einem Mandalorianer an mir.«

»Mama war eine Kiffar.«

In Ordnung. »Was sollen wir dann mit ihr machen?« Mirtas Augen füllten sich mit Tränen. »Das weiß ich noch nicht.«

Fett nahm seinen Helm ab. »Wir kehren nach Mandalore zurück. Über Geonosis, weil ich dort meinen Vater begraben habe. Familien müssen zusammenbleiben.«

Es war die längste Unterhaltung über irgendetwas anderes als übers Geschäft, die er mit irgendjemandem gehabt hatte, seit er ein Kind gewesen war. Es war persönlich, qualvoll persönlich, und die Mühe schmerzte. Schließlich ließ er die Tränen schweigend sein Gesicht hinablaufen.

Mirta weinte neben ihm und rang gelegentlich nach Luft. Es war alles sehr still und gefasst, als wäre keiner von ihnen bereit zuzugeben, dass sie überhaupt weinen konnten, doch die Wahrheit war, dass sie es beide taten, und das nicht zu knapp.

Sie waren jetzt eine Familie. Dies war der schlimmstmögliche Weg, ein solches Band zu schmieden. Aber es war ein Band, selbst wenn es keine Zuneigung gab, und zum ersten Mal in seinem Leben würde Boba Fett versuchen, als Vater an die Sache heranzugehen, und nicht als Mann, der fortwährend in der Vergangenheit lebte, auf der Suche nach jemandem, der niemals zurückkehren würde.