15.


»Wir werden belagert. Die Galaktische Allianz hat unseren Luftraum verletzt, zivile Arbeitskräfte auf den Orbitern ohne Nahrung und Wasser festgesetzt und das Feuer auf unsere Verteidigungsstreitkräfte eröffnet. Die Allianz hat noch mehr Kriegshandlungen gegen uns begangen. Wir werden ihnen allein die Stirn bieten, wenn wir es müssen, aber ich fordere andere Planeten auf, sich Folgendes zu fragen: Wer von Ihnen wird das nächste Angriffsziel der Allianz? Unterstützen Sie uns, solange Sie dazu noch in der Lage sind!«

Thrackan Sal-Solo in einer Ansprache an die Corellianische Versammlung, live übertragen auf HNEs corellianischem Tochternetzwerk


SENATSGEBÄUDE: TAG DREI DER CORELLIANISCHEN BLOCKADE


Ein Meer aufgebrachter Leute - vielleicht eine halbe Million -drängte sich auf dem Platz vor dem Senatsgebäude. Jacen konnte eine lange Reihe Hunderter blau uniformierter CSK-Offiziere mit Schutzhelmen und runtergelassenen Visieren ausmachen, die an der Fassade des Gebäudes eine Verteidigungslinie bildeten. Es war ein lautstarker Protest; angesichts der Bevölkerungsdichte von Galactic City nicht unbedingt ein Massenaufstand, aber andererseits mit Sicherheit auch kein Empfangskomitee für die Helden der Blockade. Der Position der Polizeifronten nach zu urteilen, schien es zwei feindselige Lager zu geben, die einander lautstark beschimpften - Coruscanti gegen die

procorellianische Interessengruppen. Offizielle Repräsentanten Coruscants und der Galaktischen Allianz ließen sich nicht blicken.

Jacen hörte einen Sprechchor aus Tausenden Mündern;

»Das - Imperium - ist - zurück! Das - Imperium - ist -zurück! Das - Imperium - ist - zurück!«

Die Schmähung kam natürlich von Dissidenten, nicht von Coruscanti, die sich über einen harten Regierungskurs freuten. Doch die Kunde von seinen Heldentaten hatte im Herzland der Allianz schnell die Runde gemacht. Er behielt HM und die Nachrichten-Holozine stets im Auge.

»Zu schade, dass ich nicht an der Front bleiben konnte«, sagte Niathal. »Das ist das Schlimmste daran, das Kommando zu haben. Man ist an einen Schreibtisch gefesselt.«

»Ich werde so lange mit anpacken, wie ich kann«, sagte Jacen. »Ich will mich an der Blockadelinie sehen lassen. Das ist gut für die Moral.«

»Falls Sie einen Posten im Sinn haben, dann.«

»Keine Sorge. Nicht Ihren.«

»Mir ist aufgefallen, dass Sie nicht wieder dazu übergegangen sind, Jedi-Gewänder zu tragen.«

Jacen strich einen winzigen Fussel von seiner schwarzen GGA-Uniform. »Ich sehe keinen Anlass dazu, Onkel Luke oder den Jedi-Rat zu provozieren. Ich weiß, dass es ihnen nicht gefällt, mit meinen Taten gleichgesetzt zu werden.«

»Ironischerweise sagt das Amt für öffentliche Angelegenheiten, dass die Popularität des Jedi-Rates laut Umfrage ein wenig zugenommen hat.«

»Jedi stehen über solchem Populismus, Admiralin.«

Als der Luftspeeder von Niathals Stab langsamer wurde, um die Menge zu umrunden, warf Jacen einen Blick aus dem

Fenster und bemerkte die neue Mischung aus Rassen und Sympathisanten, aus denen sich die Armee der Protestierenden zusammensetzte. »Nun, wir haben die Corellianer aus dem Verkehr gezogen, und jetzt nehmen andere ihren Platz ein.« Anhand von Kleidung, Frisuren und Sprachfetzen identifizierte er verschiedenste Nationalitäten. »Sehen Sie, sind das nicht ein paar Rodianer?«

»Solange Sie keine Mandalorianer entdecken.«

Je weiter sich der Speeder dem Senat näherte, desto unangenehmer schien die Stimmung der Menge zu werden. Eine Gruppe von CSK-Offizieren drängte die Meute mit nicht allzu sanften Stößen zurück und setzte auch Schlagstöcke ein, um den Speeder durchzulassen. Jacen und Niathal stiegen aus, und er erzeugte vorsichtshalber einen Machtschild um sie herum.

Jacen spürte jetzt keine akute Gefahr, nicht in dem Sinne, wie er es sonst tat. Er nahm lediglich die Umstände zur Kenntnis und handelte entsprechend. Als sie aus dem Speeder traten, flog ein Hagel aus Steinen, alten Konservendosen, Flaschen und anderer Abfall auf sie zu. Alles prallte von der Macht-Barriere ab; einiges traf die nach oben gewandten Schilde der CSK-Beamten.

Jacen trat nach vorn in die Menge: Es gefiel ihm nicht, seine Macht-Kräfte auf eine so ordinäre Art und Weise zu demonstrieren, aber es gab Zeiten, in denen man nicht so feinfühlig sein durfte. Er hielt seine Hände ein bisschen von seinen Seiten weg, schloss seine Augen und drückte mit seinem Verstand nach außen, als würde er seine Arme heben.

Nichts Gewalttätiges. Darf kein Gedränge auslösen oder einen Massenansturm. Es sollen keine unschuldigen Leute verletzt werden.

Die Menge, die ihm am nächsten war, fiel ein paar Schritte zurück; einige von ihnen schauten sich panisch um, um zu sehen, was sie nach hinten schob. Von weiter hinten aus dem Gewühl der Leiber regneten immer noch Wurfgeschosse her nieder, begleitet von Rufen und Geschubse, aber sie prallten einfach von dem Macht-Schild ab, und Jacen stand ruhig da und blickte in die Masse der Leute. Ein atemloses Schweigen breitete sich von der Reihe, die ihm am nächsten war, nach hinten aus, wie eine schnelle Woge, die einen Strand überschwemmt. Selbst einige der CSK-Offiziere wirkten, als wären sie auf der Stelle festgewurzelt.

Jeder wusste um die Jedi, doch nur sehr wenige erlebten sie je selbst in Aktion - oder fühlten sie.

»Geht nach Hause«, sagte Jacen. »Löst euch einfach auf und geht nach Hause, bevor ich etwas gegen euch unternehmen muss.«

Natürlich rannten sie nicht los, aber er hatte seinen Standpunkt deutlich gemacht, und die Ruhepause verschaffte der CSK-Linie die Chance, die rivalisierenden Gruppen wieder auseinanderzutreiben.

Jacen folgte Niathal in das Senatsgebäude und hoch zum Büro des Staatschefs.

Luke Skywalker war bereits da, Mara saß neben ihm, und er schien nicht erfreut darüber, Jacen zu sehen.

»Wir befinden uns noch immer nicht im Krieg«, beharrte Omas und blickte aus dem Fenster auf die Menge hinaus. »Unterstützt der Rat die Blockade auch weiterhin?«

»Da es die einzige Alternative zu einem ausgewachsenen Krieg ist, solange Corellia nicht abrüstet, ja.« Luke sah Omas nicht an. Sein Blick ruhte auf Jacen. »Welche Auswirkungen hat die Blockade?«

Niathal sah von ihrem Datenpad auf. Jacen war sich nicht sicher, was sie von Luke hielt; sein Onkel war in ihren Unterhaltungen bislang nicht zur Sprache gekommen. »Wir haben ungefähr siebzig Prozent der Schiffe abgefangen oder zurückgeschickt, die versuchten, in die beiden Exklusionsringe einzudringen oder sie zu verlassen, aber bezogen auf das Frachtaufkommen und den Personalverkehr sind das eher neunzig Prozent. Wir halten die großen Schiffe auf, einige der kleineren sind allerdings durch unser Netz geschlüpft. Alles in allem - zeigt die Blockade bereits Wirkung.«

»Sollten wir unsere Strategie, Flugverkehr rings um die Schiffswerften aufzuhalten, überdenken?«

»Das ist eine gewaltlose Methode, um die Zivilbevölkerung dazu zu bringen, sich aufzulehnen«, sagte Jacen. »Wenn Dad mit der Arbeit auf der Werft nicht nach Hause kommt, stehen Familien im Mittelpunkt, und Familien lehnen sich gegen Regierungen auf.«

Luke erhob sich und schaute gemeinsam mit Omas aus dem Fenster. »Und was ist mit diesen Leuten, Jacen? Du hast bei den Corellianern hart durchgegriffen. Was ist mit all den Nicht-Corellianern, die ich dort unten sehe?«

Mara warf Jacen einen besorgten Blick zu, der besagte: Schluck den Köder nicht. Er konnte die Anspannung zwischen ihr und Luke spüren, und er wusste, dass es dabei mehr um Ben als um Politik oder Persönlichkeitsrechte ging. »Falls irgendeine andere nationale Gruppierung oder Spezies die Sicherheit von Coruscant oder der Allianz bedroht, dann werde ich mich ihrer ebenfalls annehmen.«

»Im Rahmen des Gesetzes.«

»Ja, im Rahmen des Gesetzes. Mir ist bewusst, dass du meine Methoden nicht gutheißt, aber irgendjemand muss

Schadensbegrenzung betreiben.«

»Wir hatten in wenigen Wochen ein Dutzend terroristische Anschläge«, sagte Luke. »Es tut mir leid, dass Leben ausgelöscht wurden, aber wir müssen das hier nüchtern betrachten, wenn es darum geht, wie wir mit Milliarden anderen umgehen sollen.«

Das weckte Omas' Aufmerksamkeit. Er wandte sich vom Fenster ab. »Ich lade Sie herzlich ein, das der Öffentlichkeit von Coruscant zu erzählen, Meister Skywalker. Die Tatsache, dass die es nicht so sehen wird, ist der Grund dafür, warum Terrorismus immer so wirkungsvoll ist. Und der Senat sieht es auch nicht auf diese Weise. Der Sicherheits- und Geheimdienstauschuss hat jetzt volle Notstandsvollmachten, um operative Maßnahmen zum Schutze der öffentlichen Sicherheit zu ergreifen.«

Luke ließ sich nicht unterkriegen. Jacen hatte angenommen, er wäre unentschlossen und hätte Angst davor, Köpfe gegeneinanderzuhauen, aber wenn er sich erst einmal auf etwas festgelegt hatte, war er unnachgiebig. Es war bloß eine Schande, dass er für die falsche Seite Position bezog.

»Ich bin nach wie vor beunruhigt darüber, dass bewaffnete Streitkräfte gegen Zivilisten eingesetzt werden.«

»Dann erklär uns doch, was ein Zivilist mit einem Blaster ist, der die Regierung nicht mag«, sagte Jacen.

»Die legitime Regierung hat eine Entscheidung getroffen.« Lukes Tonfall war ruhig und kontrolliert. »Ich denke in dieser Angelegenheit nur anders, und da die Mitglieder des Jedi-Rates keine gewählten Repräsentanten des Volkes sind, handelt es sich dabei lediglich um meine persönliche Ansicht.«

Niathal verfolgte den Schlagabtausch mit gelindem Interesse. »Dies ist eine erlesene ethische Debatte, aber im

Augenblick mache ich mehr Gedanken darüber, wie man Corellia davon abhält, eine Orbitalwaffe zu reparieren, die imstande war, die Yuuzhan Vong zu vernichten, und die, wenn sie wieder in Betrieb genommen wird, der Allianz gehörig den Tag ruinieren wird.«

Omas zuckte fast zusammen. Das Machtspiel war in seiner Offensichtlichkeit unübersehbar. »Was schlagen Sie vor, das wir tun sollen, Admiralin? Beim letzten Mal ist es uns nicht gelungen, die Station zu zerstören.«

»Wir sind imstande, einen Planeten vom Orbit aus in geschmolzene Schlacke zu verwandeln. Lassen Sie uns die Möglichkeit nicht ausschließen, dass wir das mit Centerpoint machen müssen - selbst wenn es am besten wäre, die Station zu erhalten, um die Allianz zu verteidigen.«

»Sie ist bewohnt«, sagte Luke.

»Genau wie Kriegsschiffe.«

Omas unterbrach sie und schaute auf seine Uhr. »Ich glaube nicht, dass uns das hier irgendwie weiterbringt. In Kürze trifft eine Delegation Abgesandter des Genossenschaftssektors ein, die ich empfangen muss.« Er deutete mit dem Daumen über seine Schulter auf die Demonstration, die unten weiterhin stattfand und inzwischen zu einer recht hässlichen Angelegenheit geworden war, soweit Jacen das sehen konnte. CSK-Offiziere marschierten mit Schlagstöcken durch die Menge, und die verräterischen weißen Wolken einer kürzlich abgefeuerten Gasgranate trieben durch die Luft, um Platz zu schaffen, als sich die Protestanten zerstreuten. »Seien Sie nur nicht überrascht, wenn sich dasselbe Maß an Planetenzugehörigkeit, das wir da unten sehen, an der Blockadelinie widerspiegelt.«

Jacen verstand das als unausgesprochene Aufforderung zu gehen, und Niathal folgte ihm. Als Niathal abdrehte, um sich zu ihrem Stabsbüro zu begeben, ergriff Luke Jacens Arm - bloß eine kurze Berührung, nichts weiter. Aber Jacen sah ihn zurückzucken, als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen.

»Hast du fünf Minuten Zeit, Jacen?« Luke deutete auf einen Nebenraum.

Jacen lächelte. »Ali, wir alle verfallen schnell in gemeinschaftlichen Euphemismus, nicht wahr?«

»Wie bitte?«

»Das ist der Code für >Komm hier rein und lass mich dir die Leviten lesen<, oder?«

»Es ist der Code für >Wir wollen mit dir über Ben reden, vertraulich. <«

Jacen neigte höflich den Kopf und unterdrückte seine erspürbaren Gefühle noch weiter, sodass er Luke und Mara gegenüber gelassene Verwirrung zur Schau stellte. Die Türen des Nebenraums schlossen sich hinter ihnen.

»Wo ist Ben?«, fragte Luke.

»Captain Shevu hat in der Kaserne ein Auge auf ihn.«

Mara ergriff zum ersten Mal das Wort. In Omas' Büro war sie untypisch still gewesen. Das war ein sicheres Zeichen dafür, dass irgendetwas nicht stimmte, weil Mara immer eine eigene Meinung hatte, selbst wenn sie nicht mit der von Luke übereinstimmte - besonders, wenn sie nicht mit der von Luke übereinstimmte.

»Jacen, Luke ist besorgt darüber, dass Ben dich bei diesen Razzien begleitet.«

»Er ist vollkommen sicher. Sicherer als damals, als du ihn mit mir losgeschickt hast, um Centerpoint anzugreifen.«

»Um ehrlich zu sein, es geht mir nicht um sein körperliches

Wohlbefinden«, sagte Luke. »Vielmehr bin ich besorgt darüber, dass er, statt zu lernen, seine Machtfähigkeiten für das Gute einzusetzen, sie dazu benutzt, um Türen aus dem Rahmen zu reißen und Zivilisten aufzumischen.«

»Alles hängt von deiner Definition des Guten ab, nicht wahr?«

»Ich will, dass Ben eine Weile auf die Akademie geht und wieder mit sich ins Reine kommt.«

»Normalerweise würde ich sagen, dass es dein gutes Recht als Vater ist, eine solche Entscheidung zu treffen, aber er ist ein Jedi, und er hat eine Aufgabe zu erledigen, in der er wirklich ausgesprochen gut ist, nämlich Bedrohungen zu identifizieren.«

»Er ist dreizehn Jahre alt, um Gottes willen.«

»Und du warst der Meinung, dass er damit alt genug ist, um an einem heiklen Sondereinsatz teilzunehmen. Ich hasse es, deine Logik in Frage zu stellen, Onkel, aber das ergibt für mich keinen Sinn.« Na, los, sag es. Sag mir, dass du denkst, ich würde mich der Dunklen Seite zuwenden. Das denkst du doch, oder nicht? Bringen wir es offen zur Sprache. Beschuldige mich. »Er setzt keine Gewalt ein. Warum ist es in Ordnung, dass Jaina, Zekk und ich Kampfeinsätze fliegen, die den Tod anderer Piloten zur Folge haben, aber warum ist es nicht richtig, wenn Ben Terroristen aufspürt und dabei hilft, sie gefangen zu nehmen?«

Luke kniff sich in den Nasenrücken. Maras Gesicht war kreidebleich; sie sah verhärmt und angespannt aus.

Jacen beschloss, seinen Zug zu machen. Er konnte ohne Ben als Schüler weitermachen, aber früher oder später würde er einen brauchen, und Ben machte erstaunlich schnell Fortschritte. Er mochte den Jungen; er wollte sehen, wie er das meiste aus dem Potential machte, das in ihm steckte. »Ich möchte dich nicht in Verlegenheit bringen, Mara, aber bist du derselben Ansicht?«

»Ich denke, dass wir das mit Ben besprechen sollten«, sagte sie vorsichtig. »Er hat sich gut eingewöhnt, und ich glaube, wir sollten uns über diese Angelegenheit unterhalten, wenn wir nicht so erschöpft und gereizt sind.«

»Eigentlich nicht«, sagte Luke. »Ich denke, es gibt da etwas, das hier und jetzt zur Sprache kommen muss. Jacen, du musst wissen, dass sich Lumiya auf Coruscant aufhält. Du weißt, wer Lumiya ist, nicht wahr?«

Es erforderte Jacens ganze Beherrschung, um seine Fassade der Unkenntnis aufrechtzuerhalten. »Ja. Sie war eine Dunkle Jedi.«

»Sie ist zurückgekehrt. Sie ist hier. Ich hatte schreckliche Machtträume über eine Gestalt mit Kapuze, die uns alle bedroht, und dann habe ich sie irgendwo in der Nähe gespürt.«

Schau geduldig drein, als würdest du ihm nachgeben. »Was hat das mit Ben zu tun?«

»Das weiß ich noch nicht. Aber ich fühle, dass es alles mit Ben zu tun hat. Glaub nicht, dass Lumiya nicht in der Lage ist, Ereignisse zu arrangieren, die ihren Zwecken dienen.«

»In Ordnung.« Jacen setzte ein halbes Lächeln auf, als wäre er verlegen. »Ich werde mich vorsehen.«

Luke wirkte ein wenig ernüchtert. »Wenn Ben mit dem fertig ist, was immer er auch heute macht, bitte ihn, zu mir zu kommen. Er geht nicht an sein Komlink.«

Es gab keinen Grund, die Auseinandersetzung zu suchen. Ben würde Luke nicht zuhören, und Jacen konnte spüren, dass Mara das ebenfalls nicht tun würde. »Was auch immer Ben möchte, nehme ich als gegeben hin«, sagte er.

Jacen ging hinaus ins Turbolift-Foyer. Er war hin und her gerissen: Sollte er zur Blockade zurückkehren oder sich lieber auf seine Sicherheitsposten konzentrieren? Gleichwohl, Letzteres hatte eindeutig Vorrang. Draußen war die Demonstration aufgelöst worden, und CSK-Angriffsschiffe nahmen mit Hand schellen gefesselte Männer und Frauen an Bord, die verhaftet worden waren. Die Situation würde noch schlimmer werden, bevor sie sich besserte. Es war an der Zeit, ins GG A-Hauptquartier zurückzukehren und sich von Shevu über die Fortschritte mit den Inhaftierten ins Bild setzen zu lassen, insbesondere in Bezug auf die Kopfgeldjägerin, die sie aufgegriffen hatten.

Allerdings gab es da noch eine andere dringende Aufgabe, die er erledigen musste. Er aktivierte sein Komlink und tippte den Code für seine sichere Verbindung ein.

»Lumiya«, sagte er. »Ich muss mit dir reden.«


HAUPTQUARTIER DER GARDE DER GALAKTISCHEN ALLIANZ, QUADRANT A-89, GALACTIC CITY


In den Geschäftsvierteln waren weitere Aufstände ausgebrochen, und einige GGA-Geheimdienstoffiziere brüteten über Bildern, die ihnen mittels der Helmkameras übermittelt worden waren, die die CSK-Antiaufruhreinheiten trugen. Ben schaute ihnen eine Weile zu und versuchte zu verstehen, wie sie Gesichter identifizierten und die Bewegungen derer, die sie »Personen von Interesse« nannten, quer durch die ganze Stadt verfolgten. Wenn sich ein Jedi seiner Machtsinne bediente, lernte er nie, so zu denken, wie es normale Leute tun mussten, um Probleme zu lösen. Jacen erinnerte ihn stets daran und ermahnte ihn, dass er sein Gehirn nicht einrosten lassen

durfte, bloß weil er Machtkräfte besaß.

»Sind wir jetzt für die Niederschlagung von Aufständen zuständig?«, fragte Ben.

Ein Beamter drehte sich zu ihm um, aber sein Blick war nach wie vor auf den Bildschirm gerichtet. »Das ist das Problem der CSK. Wonach wir suchen, sind Gesichter, die wir womöglich von unserem letzten Job her kennen.« Die Geheimdienstoffiziere waren ehemalige Mitglieder der CSK-Antiterroreinheit. Er deutete auf eine Gestalt, die inmitten der Menge an Leibern nur undeutlich zu erkennen war. »Ich glaube, wir haben hier einen alten Kumpel, den wir nie richtig wegen Sprengstoff drankriegen konnten.«

Sie wirkten zufrieden. Ben freute sich darauf, sie zu begleiten, wenn sie seine Bleibe auf den Kopf stellen würden, wie sie das ausdrückten. Es war interessant zu erfahren, wie viele Terroristen einen ziemlich gewöhnlichen kriminellen Hintergrund hatten; Bens Eindruck von ihnen als fanatische Leute mit einem politischen Anliegen zeigte nicht das ganze Bild. Es hatte den Anschein, als ob am Ende eine ganze Reihe von Leuten involviert wäre, und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Er lernte jede Stunde mehr.

»Ben?« Shevu lehnte sich in den offenen Türrahmen. »Colonel Solo ist zurück. Melde dich bei ihm im Zellenblock.«

»Ja, Sir.« Ben marschierte - was die schnellste Art war, sich würdevoll fortzubewegen, statt zu laufen - hinunter in den Zellenblock. Er fand Jacen bei Captain Girdun, die eng beieinander standen und eine dieser gezischten Unterhaltungen führten, die zeigten, dass sie wütend aufeinander waren. Die Worte Resultate und unakzeptabel drangen zu ihm herüber. Jacen hielt inne und winkte Ben zu sich; es war offensichtlich, dass Girdun fürs Erste wegtreten

durfte.

»Ich habe die Nachrichten gesehen«, sagte Ben. »Guter Schuss.«

»Zu schießen ist niemals gut.« Dann wechselte Jacen von einem Moment zum anderen von verärgert zu freundlich. »Aber manchmal notwendig. Hör zu, deine Eltern möchten dich sehen. Wirst du das Diplomatischste machen und sie besuchen?«

»Dad ist sauer auf mich, oder?«

»Warum sagst du das?«

»Das ist er immer. Ich kann ihm nie irgendwas recht machen.«

»Er macht sich Sorgen um dich, und er braucht etwas Beschwichtigung, weil er befürchtet, dass ich dich einen schlechten Weg lehre.« Jacen legte seine Hand auf Bens Schulter. »Es wäre ihm lieber, wenn ich dich überhaupt nicht unterweisen würde, aber deine Mutter ist nach wie vor damit einverstanden. Letztlich kann ich weder für ihn noch für dich eine Entscheidung treffen, aber wenn du mich fragst, solltest du versuchen, dich nicht mit ihm zu streiten.«

Die Bedeutung dieser Worte war für Ben offensichtlich: Man würde ihn auf die Akademie schicken. Damit wollte er sich jetzt nicht abgeben. Er hatte vielleicht noch viel zu lernen, aber er hatte das Gefühl, dass er den Punkt hinter sich hatte, an dem er zu Lichtschwertübungen und Meditation zurückkehren konnte. Er hatte richtige Arbeit verrichtet, hatte wirklich etwas bewirkt, und er wusste, dass er keine Geduld haben würde, sich jetzt wieder mit der Theorie auseinanderzusetzen.

Vielleicht konnte Jacen ihm mehr über Diplomatie beibringen. Es schien, als wäre sie beinahe genauso nützlich wie Macht-Lauschen und seine Gegenwart zu verschleiern,

zwei andere Dinge, die Ben unbedingt lernen wollte.

»In Ordnung«, sagte er, von Kummer erfüllt. »Ich werde sie heute Abend besuchen.«

»Jetzt lass uns sehen, was uns Ailyn Habuur zu sagen hat.«

Die Kopfgeldjägerin war mittlerweile seit fast einer Woche in Haft, und dies war das erste Mal, das Ben sie sah, seit Shevu sie verhört hatte. Sie war von Anfang an keine bezaubernde Frau gewesen, aber jetzt sah sie schrecklich aus. Sie hatte Blutergüsse im Gesicht. Sie lehnte sich mit auf dem Tisch verschränkten Armen vor und hatte Mühe zu atmen.

»Ich muss wirklich wissen, wen zu töten man Sie hergeschickt hat«, sagte Jacen, und er klang vernünftig und aufrichtig. Er nahm auf der anderen Seite des Tisches Platz und bedeutete Ben, sich in der Nähe der Tür hinzusetzen. »Ist es Staatschef Omas?«

»Ich bin bloß eine Schuldeneintreiberin.« Habuur war nicht ganz so aufmüpfig, wie sie es einige Tage zuvor gewesen war. aber sie gab auch nicht nach. »Lassen Sie sich nicht von den Blastem täuschen.«

»Sie hatten genügend Waffen bei sich, um ein ganzes Bataillon auszuschalten. Sie befanden sich in der Gesellschaft eines aktenkundigen corellianischen Agenten, daher weiß ich, welche Regierung Sie bezahlt.«

»Wie ich schon sagte, ich bin Schuldeneintreiberin. Der Konkurrenzkampf in diesem Gewerbe ist groß.«

»Da Sie nach Coruscant gekommen sind, haben Sie es auf eine hochrangige Zielperson der Allianz abgesehen.«

»Ich habe Ihnen alles gesagt. Mehr kriegen Sie aus mir nicht raus. Kann ich jetzt einen Anwalt anrufen?«

Mit einem Mal krachte Habuurs Kopf ohne Vorwarnung auf den Tisch hinunter. Ben zuckte bei dem lauten Krachen zusammen. Jacen hatte keinen Finger gerührt. Habuur richtete sich wieder auf; Blut rann ihr Kinn hinab. Sie sah mehr überrascht als verletzt aus, obwohl es schien, als hätte sie sich einen Zahn abgebrochen.

»Netter Trick, Jedi-Bursche.«

»Davon habe ich jede Menge auf Lager.«

»Darauf wette ich.«

»Versuchen wir's noch mal. War Omas Ihre Zielperson? Und wer arbeitet sonst noch mit Ihnen zusammen?«

Ben konnte noch immer nicht glauben, was er gerade gesehen hatte. Im nächsten Moment, als Jacen die Macht einsetzte, um ihren Kopf erneut auf die Tischplatte zu donnern, glaubte er es.

»Jacen.«, sagte Ben. Das war nicht richtig. Und das war nicht Jacen. »Jacen, solltest du.«

»Später.« Jacen warf Ben einen aufgeschreckten Blick zu, als würde er sich plötzlich daran erinnern, dass sich der Junge ebenfalls im Raum befand. »Geh und warte draußen.«

Ben hatte verstanden, dass er ein ganzes Stück vom Verhörraum entfernt hätte warten sollen, wo er nichts hören konnte, aber er hatte das Gefühl, dass er in der Nähe bleiben musste, als würde er Jacen dadurch, dass er sich zu weit entfernte, irgendwie erlauben, noch schlimmere Dinge zu tun, als er bereits tat. Also tut er Leuten weh. Ich habe mich gefreut, dass er einen feindlichen Jäger abgeschossen hat, und dieser Kerl ist tot. Warum fühle ich mich dann schlecht, wenn ich sehe, wie er jemandem wehtut? Ben holte sein Lichtschwert hervor und starrte den Griff an, während er versuchte, nicht auf das zu lauschen, was im Verhörraum vorging. Dies ist eine Waffe. Er war darauf trainiert worden, sie dazu zu benutzen, sich selbst zu verteidigen, aber er wusste auch, dass in der

Klinge genügend pure Energie steckte, um jemandem den Kopf abzuschneiden oder problemlos Rüstungen zu durchdringen.

Er hatte noch nie jemanden getötet.

Wofür war ein Lichtschwert dann da, wenn man sich nicht mit dem Gedanken abfinden konnte, dass es dazu diente, Leute zu töten? Er versuchte, Jacen so zu sehen, dass er eine Waffe - seine Machtkräfte - benutzte, um die Galaktische Allianz gegen Leute wie Ailyn Habuur zu verteidigen, aber alles, woran er denken konnte, war, dass Jacen - ein Mann, den er mehr achtete als seinen eigenen Vater - einer Frau wehtat, die sich nicht zur Wehr setzen konnte.

Er hörte Dinge, von denen er wusste, dass kein Kind sie hören sollte. Und dennoch konnte er nicht einfach weggehen. Er saß eine Stunde lang da, dann eine zweite, starrte auf seine Hände, hörte die erhobenen Stimmen, dann die dumpfen Aufschläge und die gelegentlichen Schmerzensschreie und dann bloß noch Jacens Stimme, der dieselbe Frage wieder und immer wieder wiederholte: Wer hat Sie geschickt, und um wen zu töten hat man Sie geschickt?

Ben konnte es nicht ertragen. Jacen, du musst damit aufhören.

Girdun und Shevu tauchten bei den Doppeltüren am Ende des Korridors auf und warfen einen Blick auf Ben, bevor sie schnell zum Verhörraum gingen.

»Jacen ist da drin«, sagte Ben schwach.

»0 Mann.« Shevu stieß Girdun an. »Kommen Sie, wir müssen das beenden.«

»Er ist der Kommandant.«

»Girdun, Sie Schwachkopf, er bringt sie um. So gehen wir die Dinge hier nicht an.«

»So sind wir die Dinge angegangen.«

»Tatsächlich? Nicht während meiner verfluchten Schicht.« Shevu schien seine kühle Gelassenheit verloren zu haben. Ben sah zu; er wollte sie nicht aufhalten, weil er wusste, dass er Jacen selbst hätte stoppen müssen. Shevu überbrückte das Schloss, und Ben versuchte angestrengt, nicht in die Zelle zu schauen. »Sanitäter! Jemand muss einen Sanitäter holen!«

Jacen blaffte Shevu an, rauszugehen, aber Girdun drängte hinter ihm herein, und die beiden Offiziere legten Habuur flach auf den Fußboden und versuchten, sie mit Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Ben verfolgte, wie sie abwechselnd auf ihre Brust drückten, Hand auf Faust, ihre Atmung überprüften und Finger gegen ihre Kehle pressten in dem Versuch, ihren Puls zu finden. Jacen hielt sich im Hintergrund.

»Wo ist der verfluchte Sanitäter?«, wollte Shevu wissen. Girdun betastete ihren Hals, dann ihr Handgelenk. »Kein Puls.«

»Ben, ruf den Sanitäter.«

Girdun schüttelte den Kopf. »Zu spät. Sie ist tot.«

Ben starrte entsetzt hin. Habuur sah schrecklich aus. Er hatte noch nie eine Tote gesehen, nicht so eine; und nicht, wie sein eigener Cousin über ihr stand, als wäre es lediglich ein wenig unpraktisch, dass sie gestorben war, bevor sie seine Fragen beantwortet hatte.

»Was haben Sie sich dabei gedacht, Sir? So können wir Gefangene nicht behandeln. Sie müssen das melden. Wenn Sie das nicht tun.«

»Ich bin bereits in den Verstand von Leuten eingedrungen, und hinterher ging es ihnen immer gut«, sagte Jacen. Er schien überrascht darüber, dass seine Macht-Technik bei Habuur so viel Schaden angerichtet hatte, aber er empfand offenbar kein Bedauern darüber, wie Ben registrierte. In der kurzen Panik war er vergessen, wieder unsichtbar für Erwachsene, die sich miteinander stritten. »Wir müssen wissen, mit wem sie zusammengearbeitet hat.«

Shevu rührte sich nicht von der Stelle. Er schien nicht die geringste Scheu vor Jacen zu haben. »Sie hätten das mir überlassen sollen, Sir.«

»Wenn es um Attentatsversuche geht, ist die Zeit ein kritischer Faktor. Sie könnten jetzt da draußen sein.«

»Das weiß ich - und ich weiß auch, dass man Gefangene während eines Verhörs nicht sterben lässt. Ich muss das melden.«

»Dann melden Sie es, Captain, aber im Augenblick muss ich herausfinden, auf wen sie es abgesehen hatte, und meine einzige Spur ist irgendeine Frau namens Mirta. Gev.«

»Da ist noch der corellianische Agent, Sir«, sagte Girdun und richtete sich auf. »Er weiß nicht, auf wen Habuur angesetzt war, bloß, dass der corellianische Geheimdienst ihm gesagt hat, dass er ihr eine sichere Unterkunft und Waffen besorgen soll.«

»Ein schlechter Agent, wenn er so viel ausgeplaudert hat.«

»Ich kann sehr überzeugend sein, Sir«, sagte Girdun. Shevu trat auf ihn zu. »Wir wollen nicht noch einen toten Gefangenen.«

Jacen schaute durch Shevu hindurch, als wäre er überhaupt nicht da. »Nehmen Sie ihn sich weiter vor, Girdun, nur für den Fall.«

Ich muss irgendetwas unternehmen. Ben konnte den Gedanken nicht ertragen, dass noch jemand anders so sterben würde, wie diese Frau gestorben war. Er hatte eine Idee: Er musste die ganzen Informationen noch mal durchgehen, genau wie die Ex-CSK-Männer es ihm gesagt hatten. Das war zwar verrückt, weil Jacen intelligent genug war, dass ihm irgendetwas Nützliches selbst aufgefallen wäre, und wenn seine Machtkräfte nicht ausgereicht hatten, um die gewünschte Information aus Habuur herauszubekommen, hatte Ben kaum eine Chance, es besser zu machen. Doch er beschloss, jene Tricks anzuwenden, die gewöhnliche Leute einsetzten, wenn sie Unterlagen durchforsteten.

»Kann ich bitte das Datenpad sehen?« Ben kämpfte darum, ruhig zu bleiben. Sein Unglauben hatte sich in Schock verwandelt. Er wusste nicht, warum Jacen das getan hatte, aber er musste einen Grund dafür gehabt haben. Es war bloß so. dass Ben ihn im Augenblick noch nicht verstand. Er musste ruhig bleiben. Aber er wollte nach Hause zu seiner Mutter laufen, und. ja, zu seinem Vater.

Du kannst so nicht weitermachen. Das hier ist kein Spiel. Du bist jetzt erwachsen. Du kannst nicht die Dinge tun, die du tust, und dann nach Hause rennen, wenn es beängstigend wird.

Jacen reichte ihm das Datenpad, mit einem Mal ganz vernünftig und besorgt. »Bist du sicher, dass es dir gut geht, Ben?«

»Ich - ich habe nur noch nie so eine Leiche gesehen.«

»Das ist schon in Ordnung. Möchtest du nach Hause gehen? Ich meine, nach Hause zu deiner Mom. Es ist okay, wenn du das möchtest.«

»Mir geht es gut.«

Ben nahm das Datenpad und zog sich in den nächstgelegenen leeren Raum zurück. Es war die Station des Reinigungsdroiden. Er setzte sich auf einen umgedrehten Eimer und versuchte, die Daten auf zweckmäßige und rationale Weise durchzusehen, aber das war schwierig, wenn man gerade gesehen hatte, wie sein persönlicher Held etwas

Schreckliches tat.

Da. Er hatte sich getraut, es zu denken. Jacen war nicht vollkommen.

Er schaute die Bilder in dem Datenpad durch, Hunderte davon, und es waren alles Aufnahmen von Raumschiffen, genau wie Shevu gesagt hatte. Er musste sie zigmal durchgehen, bevor der Gedanke, der hinten an seinem Verstand nagte, mit einem Mal deutlich wurde und er erkannte, was auf vielen der Bilder zu sehen war - nicht auf jedem, aber auf den meisten. Manchmal war es bloß eine Detailaufnahme, und manchmal war es beinahe das halbe Schiff, aber es war dieselbe Schiffsklasse.

Es war eine YT-1300, ein altes corellianisches Transportmodell, das in den Kernwelten nach wie vor ein alltäglicher Anblick war. Sie flogen ewig. Onkel Hans Falke schien bis in alle Ewigkeit zu fliegen. Und da traf Ben ein Blitz des Begreifens.

Ben marschierte den Korridor hinunter und trat vorsichtig an Jacen heran, in der Hoffnung, dass er recht hatte - und in der Hoffnung, dass diese Information den corellianischen Agenten vielleicht vor Girdun rettete.

»Sie war hinter Onkel Han her, Jacen.« Ben gab ihm das Datenpad zurück. »Das ist das Schiff, das sie beschattet haben. Es ist auf mehr als der Hälfte der Bilder. Sie dachten, er wäre immer noch hier. Sie hat nach dem Falken gesucht.«

Jacen schloss einen Moment lang die Augen und schluckte. »Ich nehme an, da war sie hier richtig. Ich nehme es an, Ben. Das sollte uns allen eine Lehre sein - man darf nie irgendetwas annehmen.« Er konzentrierte sich, die Augen geschlossen, und hielt das Datenpad in seinen Händen, als würde er sich etwas in der Macht ausmalen. »Sie schien auch nicht auf Dad fokussiert zu sein.«

Ich dachte, du könntest mit der Macht alles tun, Jacen. Warum ist dir das entgangen? Was hat dich dafür blind gemacht?

Jacen öffnete wieder die Augen und schien darüber, dass er das übersehen hatte, genauso überrascht wie Ben.

»Du hast recht, Ben. Ich fühle es. Gut gemacht. Also hat diese Mirta Gev damit womöglich irgendetwas zu tun. Die Frau, die versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen.« Er tastete nach seinem Komlink, ungewöhnlich aufgewühlt. »Ich kann Dad sagen, dass wir einen der Attentäter erwischt haben, die Thrackan auf ihn angesetzt hat. Alles, was er jetzt noch tun muss, ist, die Augen nach dieser Mirta Gev offenzuhalten.«

Jacen umarmte Ben mit ehrlicher Erleichterung. Ben konnte spüren, wie sie über hin hinwegspülte. Shevu kam aus der Zelle und warf Jacen einen vollkommen leeren Blick zu, der, soweit Ben das sagen konnte, nicht im Mindesten zu dem passte, was er fühlte, aber Jacen war zu sehr damit beschäftigt, Onkel Han anzurufen, um davon irgendeine Notiz zu nehmen.

Ben wusste, was Shevu fühlte, und ein bisschen fühlte er sich genauso.

Manchmal muss man Dinge tun, die einem nicht gefallen, und Leute töten, weil man absolut keine andere Wahl hat.

Jacen hatte recht. Aber es war immer noch entsetzlich, und er glaubte nicht, dass ihm dergleichen jemals leicht fallen würde. Er überließ Jacen seinem Anruf und gelangte zu dem Schluss, dass es an der Zeit war, seinem Vater gegenüberzutreten.


CORELLIANISCHES VERSAMMLUNGSGEBÄUDE, CORONET, BÜRO DES CORELLIANISCHEN PRÄSIDENTEN


Es war ein fürchterlich großes Büro, und so große Büros bedeuteten für gewöhnlich, dass sie von engstirnigen Männern genutzt wurden. Fett war weiterhin bestürzt über die Leichtigkeit, mit der Schmähungen und sogar Anklagen wegen Hochverrat wieder und wieder von Leuten in Spitzenämtern wie Thrackan Sal-Solo abprallten. Die Galaxis war eine moralische Jauchegrube. Sie bekam, was sie verdiente.

»Dann haben Sie die Blockade also durchbrochen«, sagte Sal-Solo, lehnte sich in seinem prunkvollen Apocia-Sessel zurück und hielt den Parteivertretern gegenüber Hof. Er lächelte Mirta charmant an, die das Lächeln nicht erwiderte. Dieses Mädchen war nicht leicht zu becircen. »In welcher Form würden Sie gern für Corellia arbeiten?«

»Spezifizieren Sie Ihre Erfordernisse bezüglich Centerpoint.«

»Die Allianz hat die Station sabotiert, aber ich habe Reparaturmannschaften eingeflogen, und in ein paar Monaten sollte sie voll einsatzbereit sein.« Sal-Solo benutzte das Pronomen Ich ziemlich häufig. Fett wartete vergebens auf das Wort Wir. »Sobald Centerpoint in Betrieb ist, wird die Allianz nicht mehr in der Lage sein, uns zu entwaffnen. Niemals.«

»Warum brauchen Sie dann mandalorianische Unterstützung?«

»Die Reparaturmannschaften waren nicht in der Lage, auf der Station zu landen.«

»Versuchen Sie, Leute auf Nar Shaddaa zu rekrutieren. Sie brauchen Schmuggler, um Blockaden zu umgehen, keine Krieger.«

»Aber wenn wir dort Teams absetzen, brauchen wir jemanden, der die Station verteidigt. Sie ist das Primärziel der Allianz.«

Fett hatte nichts für Sal-Solo übrig. Er hatte nicht viel für irgendwen übrig, aber dieser Mann war das, was Mandalorianer einen hut'uun nannten, einen Feigling, die niederste Form von Leben. Mirta hatte Fett gegen seinen Willen ein paar ausgewählte Mando'a-Worte beigebracht, und es schien eine gute Sprache zum Fluchen zu sein. »Wie viel?«

Sal-Solos Augen flackerten, als müsste er zu seinen Kollegen schauen, um eine Erlaubnis einzuholen, schien jedoch zutiefst unzufrieden darüber, dabei ertappt worden zu sein. »Eine Million Credits.«

»Pro Mann.«

»Ja.«

»Pro Monat.«

»Das ist eine sehr hohe Summe.«

»Es ist gefährliche Arbeit.«

»Ich habe da eher an ein Pauschalhonorar gedacht. Es wird bloß ein paar Monate dauern.«

»Wir lassen uns nicht auf unbefristete Kontrakte ein. Bei Bauprojekten werden aus Monaten schnell Jahre.« Fett wollte den Auftrag wirklich nicht, und er wusste, dass dies auch für die Kommandokräfte galt. »Und einen Starttermin gibt's auch noch nicht. Kontaktieren Sie mich erneut, wenn Sie eine Mannschaft auf die Station gebracht haben. Aber es ist eine Million pro Mann pro Monat. Wenn wir das machen, kriegen wir die volle Wucht der Allianzangriffe ab.«

»Wie viele Männer?«

»Dieses Ding ist größer als der Todesstern. Mindestens hundert.«

Fett sah, wie Sal-Solos Miene in sich zusammenfiel. Zwei der drei anderen Politiker schauten grimmig drein. Der dritte, Gejjen, schien vollkommen zufrieden. Vielleicht wusste er etwas über die finanziellen Mittel von Corellia, das sie nicht wussten.

»Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, dass ich Sie für ein so kurzes Treffen den ganzen Weg hierherkommen ließ«, sagte Sal-Solo, der Mirta wieder mit seinem geheuchelten Lächeln bedachte. »Wir bleiben in Verbindung.«

»Corellia ist immer einen Besuch wert«, sagte Fett. Ja, es ist die Sache immer wert, in ein Regierungsgebäude zu gelangen und den Grundriss und die Schwachstellen aufzuzeichnen. Es ist die Sache immer wert herauszufinden, was deine Oppositionskumpel wollen. Es ist die Sache wert Han Solo aufzuspüren und darauf zu warten, dass meine Tochter auftaucht. »Vielleicht bleibe ich ein paar Tage.«

Die Politiker lachten höflich.

Aber nicht zu lange. Ich muss Ko Sais Forschungsunterlagen und diesen Klon mit den Handschuhen finden.

»Hat jemand von Ihnen Zeit, mich ein bisschen herumzuführen?«, fragte Fett. Er fand, dass er genauso gut noch viel mehr aufzeichnen konnte. »Ein hübsches Plätzchen haben Sie hier.«

»Dürfte ich das übernehmen, Herr Präsident?«, erbot sich Gejjen.

Das überraschte Fett nicht im Geringsten. Er winkte Mirta zu sich, die mit mürrischem Desinteresse hinter ihnen herging, während Gejjen Fett die schönen Staatsgemächer - alles mit vergoldetem Apocia getäfelt - und die Büros zeigte. Die ganze Zeit über erstellten Fetts Helm- und Stulpensensoren einen detaillierten Plan des gesamten corellianischen Regierungskomplexes, selbst von den Bereichen, in die Gejjen sie nicht führte. Dieses alles durchdringende Terahertz-Radar war eine sehr gute Investition gewesen.

Auch das Grundstück war schön. Fett schätzte die Höhe der Mauern und die Art der Sicherheitspatrouillen ein, während er eine Reihe von Bäumen mit blassblauen Blüten betrachtete, deren Wipfel zu Würfeln getrimmt waren.

»Mir ist bewusst, dass Sie ein viel beschäftigter Mann sind, Fett«, sagte Gejjen. »Aber dürfte ich Ihnen einen Vorschlag unterbreiten?«

Fett behielt Mirta im Blick, die den Grundriss des Komplexes ihren Augenbewegungen nach zu urteilen ebenfalls auskundschaftete. Ihr mandalorianischer Vater hätte sie den Nutzen eines Helms lehren sollen. »Hab mich schon gefragt, wann Sie damit herausrücken würden.«

»Unser Präsident genießt nicht unser ungeteiltes Vertrauen. Würden Sie ihn für uns beseitigen?«

Ich dachte schon, du würdest nie fragen. »Wie dauerhaft?«

»Für immer.«

»Wer zahlt?«

»Alle Oppositionsparteien. Zusammen können wir die Centerpoint-Partei zu Fall bringen, und ohne Sal-Solo kann sie ganz vernünftig sein.«

Fett dachte über den Auftrag nach. Der Knackpunkt war der Zeitfaktor. Er wollte Ko Sais Daten so schnell wie möglich weiter nachspüren. Nachdem du deine Tochter gesehen hast, Als du sie das letzte Mal gesehen hast, war sie zu jung, um zu sprechen. »Wann?«

Gejjen reichte ihm einen winzigen Datenchip. »Wann können Sie sich der Aufgabe annehmen?«

»Wenn ich Sie überprüft habe.« Fett aktivierte die Datenpad-Verbindung an seinem Unterarm. Ja, der Chip war gültig. »Eine Million.«

»Ihr Typen habt's mit runden Summen.«

»Ich kann auch drei Millionen daraus machen. Ja oder nein?«

»Ja.« Gejjen tippte etwas in sein eigenes Datenpad ein. »Hier. Eine halbe Million im Voraus. Den Rest nach Erledigung. Können wir Ihnen ein Zimmer anbieten? Einen Speeder, der Sie zu Ihrem Schiff zurückbringt?«

»Es ist in schöner Tag«, sagte Fett. »Ich werde zu Fuß gehen.«

Mirta passte sich auf dem breiten Boulevard, der sie vom Regierungsgebäude wegführte, seinen Schritten an. Sie war lobenswert still gewesen. Dennoch war sie aufgewühlt; sie warf verstohlen einen Blick auf ihr Komlink.

Ailyn hat ihr immer noch nicht geantwortet, »Sag's schon«, sagte Fett.

»Was?«

»Dass ich mich aus corellianischer Politik raushalten sollte.«

»Für eine Million? Wenn Sie es nicht machen, tu ich's. Bei Sal-Solo kriege ich Gänsehaut.« Sie schob das Komlink zurück in ihre Tasche. »Wann werden Sie es machen?«

»Zuerst stehen dringendere Angelegenheiten an.«

»Was ist dringender als eine Million Credits?«

In Ordnung, Mädchen. Die Zeit ist gekommen.

Sie waren auf Corellia, genau wie Han Solo. Solo war der Köder für Ailyn. Und etwas, das Fett immer konnte, war, Hau Solo zu finden. Inzwischen konnte er schon fast wie der Mann denken.

Und er war es allmählich leid, dass das Mädchen dachte, sie könne ihn an der Nase herumführen.

»Ich bin hier, um Han Solo zu finden.« Obwohl er sie nicht direkt ansah, konnte er ihren Gesichtsausdruck sehen; die Helmanzeige konnte auch Weitwinkelbilder wiedergeben. Sie blinzelte hastig, aber der Rest ihres Gesichts war vollkommen gleichmütig. »Weil Ailyn nach ihm sucht, und wenn ich ihn finde, finde ich sie.«

Fett verlangsamte seine Schritte nicht. Seine Gelenke schmerzten, und er wollte sich hinsetzen und sich ausruhen, aber er ging weiter.

»Also werde ich nicht bezahlt«, sagte sie.

»Ich bezahle dich, weil ich gesagt habe, dass ich es tue. Aber halt mich nicht für einen Idioten.«

Sie zuckte wenig überzeugend mit den Schultern. »Dann erschießen Sie mich doch.«

»Du hast immer noch deinen Nutzen.«

»Woher wollen Sie wissen, dass Solo hier ist?«

»Ich kenne Solo. Und meine Quellen sind besser als die von irgendjemandem sonst. Er ist hier.«

»Ah«, sagte Mirta. »Ah.«

Sie würde ihr Geld bekommen. Fett konnte nicht verstehen, worüber sie sich Sorgen machte. Er hielt sein Wort immer.