6.
Je größer die Galaxis, desto schöner das Nachhausekommen.
Corellianisches Sprichwort
JEDI-TEMPEL-BEZIRKE, CORUSCANT
Ben versuchte, Kontakt zu ihm aufzunehmen, aber Jacen hatte im Augenblick seine eigenen Probleme. Seine Mutter steckte in Schwierigkeiten.
Er fühlte, wie sie ihre Sinne nach ihm ausstreckte. Er spürte sowohl ihre Furcht als auch ihre Entschlossenheit, und Letzteres gewann die Oberhand.
Wo ist sie? Was geht da vor sich?
Jacen schlüpfte in eine von Büschen in quadratischen Keramiktöpfen flankierte Nische und setzte sich hin, um sich zu konzentrieren. Mit geschlossenen Augen konnte er spüren, wo sie war, und sie war nicht auf Coruscant, aber ganz in der Nähe. Es kostete ihn ein paar Sekunden, um sich darüber klar zu werden, dass sie sich womöglich in einem Schiff befand.
Hör zu... Hör zu...
Während seiner Studien hatte Jacen eine theranische Technik gelernt, die es ihm ermöglichte, mittels der Macht über weite Entfernungen hinweg zu hören. Er verlangsamte seine Atmung und spürte das Brummen in seinen Stirnhöhlen, als hätte man ihn zu früh aus einem Schlaf der Erschöpfung geweckt. Das Brummen füllte seinen Kopf, und dann konnte er dahinter - darin - Worte und Laute ausmachen.
Er hörte die Stimme seiner Mutter. Und dann hörte er die seines Vaters.
»... versuch noch eine Notbremsung.«
»Fünf Sekunden...«
Metall stöhnte. Ein Triebwerk dröhnte und ächzte, ein rhythmischer Ton, der anschwoll und abfiel, und es war kein beruhigendes Geräusch. Jacen sandte ein einziges Wort aus, das Maximum dessen, was selbst er durch die Macht zu übermitteln vermochte.
Gemeinsam.
Er stellte sich den Millennium Falken vor. In seinem Geist konnte er die Platten an der Unterseite des Schiffs und den Transparistahl des Cockpits sehen, das an die Steuerbordseite montiert war. Er sah den Falken so, wie er hätte sein sollen, intakt und solide. Er konnte spüren, wie Leia sich bemühte, Macht-Telekinese zu benutzen, aber nicht, wo genau sie diese einzusetzen versuchte. Er konnte bloß die Anspannung in ihrer Stimme hören und nahm ihr wachsendes Unbehagen wahr.
Und er konnte noch eine weitere Gegenwart spüren: die seiner Schwester Jaina.
Sie sprachen in letzter Zeit kaum noch miteinander, aber Zwillinge konnten sich niemals lange voneinander abkapseln. Sie musste die Notlage ihrer Eltern ebenfalls gespürt haben.
Was auch immer seine Mutter zu tun versuchte, konnte Jacen nur raten. Und zu raten genügte nicht, wenn man die physikalische Gewalt der Macht einsetzte.
Noch immer in seiner theranischen Hör-Trance, vernahm er das Piep-Piep-Piep eines Sensoralarms, die Art von Alarm, die verkündete, dass die Außenhülle beschädigt worden war -oder Schlimmeres geschehen war.
». der Antrieb ruckelt sich frei, und er wird die Verkleidung mitnehmen. «
Das war es, was er wissen musste. Er war sich jetzt sicher, dass seine Mutter die Macht dazu benutzte zu verhindern, dass sich die Risse im Triebwerksgehäuse ausbreiteten und den Falken auseinanderrissen, während das Schiff in die Atmosphäre eintrat. Das war eine gewaltige Aufgabe. Sie brauchte Hilfe.
Jacen füllte seine Lungen mit einem langen, langsamen Atemzug und sammelte sich, um etwas zu versuchen, das er noch nie zuvor versucht hatte.
Mom, ich hoffe, du kriegst das hin.
Er malte sich aus, wie Leia auf dem Copilotensitz saß. Ihre Gefühle und ihre Gegenwart in der Macht spülten über ihn hinweg, und er stellte sich vor, dass er an ihrer Stelle war, durch ihre Augen blickte, sah, was sie sah. Einen Moment lang beobachtete er einfach bloß - doch dann entrang sich ihm ein Gefühl ähnlich einem Seufzen, und es war, als würde er einen endlosen Atemzug in seine Mutter ausatmen. Nein, durch seine Mutter. Jetzt saß er nicht mehr länger in der Nische zwischen zwei Topiaribüschen, sondern blickte auf eine Ansammlung von Lämpchen und Anzeigen und auf Hände, die nicht die seinen waren. Jenseits der Steuerkonsole zeichnete sich Coruscant im Sichtfenster ab.
Falls sich Jaina an seinen Bemühungen beteiligte, war sie kaum zu registrieren. Er hatte ihre Gegenwart mit der schieren Kraft der Telekinese, die er erzeugte, aus seinem Geist verbannt.
Nimm dies, Mom. Benutz mich. Benutz die Macht, die ich durch dich bündele.
Er hörte sie »Huch!« sagen, als hätte sie irgendetwas erschreckt. Dann konnte er Druck in seinen Lungen spüren, als würde er angestrengt laufen und nach Atem ringen. Er hatte keine Ahnung, wie lange das anhielt. Aber er hatte das Gefühl, als würde sich irgendetwas eng um seine Brust wickeln, und eine Art Vision von irgendwo außerhalb seines Verstandes und doch fest darin verankert, zeigte ihm den Falken, umhüllt von der Macht, die Hülle rings um die Triebwerksanordnung herum dicht zusammengepresst, statt sich katastrophal weiter auszudehnen.
Er war sicher, dass er nicht das sah, worauf seine Mutter im Augenblick schaute, da er keins der Bilder vom Eintritt in die Atmosphäre oder der Landung vor sich hatte. Die Szenen im Cockpit des Falken speisten sich aus seiner Erinnerung. Er war sich gleichzeitig sowohl dieser nüchternen Tatsache als auch des Umstands bewusst, dass seine Machtkräfte durch seine Mutter konzentriert wurden, um ihr dabei zu helfen, das Triebwerk mittels Telekinese an Ort und Stelle zu halten.
Dann schwappte Erleichterung wie eine Welle über ihn hinweg, ließ seine Kopfhaut kribbeln und sein Herz klopfen. Der Falke war sicher gelandet. Er wusste es. Jetzt konnte er die Augen öffnen. Als er das tat, war er beinahe überrascht darüber, dass er sich noch immer bei hellem Tageslicht auf dem Gelände des Tempels befand.
Jacen aktivierte sein Komlink. Flüchtig nahm er Jaina wahr, aber seine Gedanken waren bei seinen Eltern. »Mom? Mom, bist du in Ordnung?«
Leia klang atemlos. »So viel zum Thema, sich diskret reinzuschleichen.«
»Es ist alles in Ordnung, oder?« Jacen konnte seinen Vater im Hintergrund murmeln hören. »Ich muss euch beide sehen. Bleibt, wo ihr seid. Ich komme.«
In der Öffentlichkeit rannten Jedi selten gehetzt durch die Gänge, deshalb vermied Jacen einen würdelosen Sprint mit flatternden Gewändern und beschränkte sich stattdessen darauf, zügig zur nächstgelegenen Taxiplattform zu trotten.
Er war der neue Erbe des Vermächtnisses der Sith, und er wusste, dass sein Großvater die Galaxie um ein Haar zerschmettert hätte. Doch in diesem Moment war er bloß ein Sohn und sorgte sich mehr um das Wohl seiner Eltern als um die Angelegenheiten des Universums.
Verwandtschaft hatte ihre Berechtigung. Jacen nahm diese Erkenntnis in sich auf und schob seine Gedanken an den bevorstehenden Konflikt sowohl mit seinem Vater als auch mit Jaina beiseite.
Aber früher oder später, das wusste er, war ein dauerhaftes Zerwürfnis der Familie womöglich der Preis, den er zu zahlen hatte.
SLAVE I, INSTRUMENTENCHECK VOR DEM START NACH ROONADAN
Boba Fett hatte bislang nur selten Passagiere mitgenommen -jedenfalls keine lebenden oder freiwilligen. Die Anwesenheit dieses sonderbaren Mädchens in seinem Schiff, das für ihn mehr ein Zuhause war als alles, was er aus Stein und Permabeton besaß, beunruhigte ihn. Und dennoch konnte er sie nicht einfach so zurücklassen.
Mirta Gev trug einen Teil seiner Vergangenheit bei sich. Das bedeutete viel, wenn einem die Zukunft durch die Finger rann.
»Gehst du immer mit völlig Fremden an Bord ihrer Schiffe?«, fragte Fett.
Mirta schlang ihre Tasche über eine Schulter. »Haben Sie die Absicht, mich zu töten?«
»Niemand bezahlt mich dafür.«
»Das habe ich mir gedacht.«
Sie stieg durch die Frachtluke an Bord der Slave I und schickte sich an, ihm durch das Schiff zum Cockpit zu folgen, aber er wandte sich um, um ihr den Weg zu versperren, und deutete nach achtern. »Ich mag keine Copiloten. Halt dich im Hintergrund, oder ich schließe dich in einer der Zellen ein.«
Mirta zeigte nicht den geringsten Widerspruch. Sie blieb einfach stehen und schaute sich um, dann setzte sie sich auf eine Kiste, die an der Wand an Backbord befestigt war. Sie öffnete ihre Tasche und wühlte darin herum, bevor sie ein Stück von irgendetwas hervorholte, das sie auswickelte und daran zu knabbern begann.
Fett starrte sie an.
»Mittagessen«, sagte sie. »Ich habe immer Marschverpflegung bei mir. Nur für den Fall.«
Fett kämpfte gegen einen Reflex an; instinktiv wollte er ihr sagen, dass sie ein kluges Mädchen war. »Gut so, denn ich bringe während des Fluges keine Erfrischungen«, sagte er stattdessen und schwang sich durch die Luke in den Hauptbereich des Schiffs. Das Innenschott schloss sich hinter ihm, denn ob sie nun ein kluges Mädchen war oder nicht, er war nicht bereit, in Bezug auf sie irgendein Risiko einzugehen.
Er war nicht mehr ganz so behände, wie er es noch vor einem Jahr gewesen war. Jetzt war es schon unbequem, sich durch die engen Räumlichkeiten der Slave I zu bewegen. Es war nicht übermäßig mühevoll, doch er spürte, dass es das über kurz oder lang werden würde.
Vergiss nicht, dass du stirbst, Fett.
Er ließ sich in seinen Sitz sinken und fuhr die Triebwerke des Schiffs hoch. Als er das interne Kamerasystem überprüfte, das ihm einen Überblick über jeden Bereich der Slave / verschaffte, erhaschte er einen Blick auf Mirta, die sich gegen das Schott zurücklehnte, die Augen geschlossen, die Arme vor der Brust verschränkt, offenbar dösend. Nichts schien sie aus der Fassung bringen zu können. Das musste er ihr zubilligen. Es gab immer Frauen in der Galaxis - und Männer, was das betraf-, die glaubten, hart zu sein, jedoch zu denken schienen, dass es dazu lediglich ein vorlautes Mundwerk und eine Waffe brauchte. Die wirklich Harten, fand Fett, waren diejenigen, die es mit allem aufnehmen konnten, was ihnen in die Quere kam, und den Job zu Ende brachten. Mirta Gev zeigte jeden Hinweis darauf, dass sie tatsächlich auf unaufgeregte Weise hart war.
Fett mochte niemanden besonders, aber er hatte keine Abneigung gegen sie, doch dieses emotionale Tauwetter ging nicht so weit, dass er sie hier vorne bei sich sitzen haben wollte.
Er setzte Kurs auf Roonadan. Sein Bauch rumorte; vielleicht hätte er sich doch einige von Beviins Münzkrabben genehmigen sollen. Die nächsten paar Stunden verbrachte er damit, die Aktienkurse auf HNE zu verfolgen und sich zu fragen, was er zu Taun We sagen würde, wenn er sie schließlich fand.
Er hatte keinen Zweifel daran, dass er das tun würde.
Fett döste, in seinen Sitz zurückgelehnt. Wenn er schlief, dann niemals fest. Die gepolsterte Kante seines Helms war gerade weich genug, um ihm nicht in den Nacken zu schneiden, aber zu hart, als dass es wirklich bequem gewesen wäre, wenn das Gewicht seines Kopfes darauf lastete. Manchmal driftete er in einige Sekunden diffuser Orientierungslosigkeit ab, halb wach und durch eine durchsichtige Barriere blickend; er befand sich dann nicht in der Enge seines Helms, sondern irgendwo anders, an einem Ort, den er nicht erkannte. Das war ein wiederkehrender Eindruck. Einst hatte Taun We ihm erzählt, dass es daran lag, dass er wie die anderen Klone in einem Glastank herangezüchtet worden war und dass sie alle solche vagen Erinnerungen hatten.
Irgendwie war es eine Art Blutsverwandtschaft. Er dachte daran, wie sie sich gefühlt haben mussten mit dem Wissen, dass ihre Tage gezählt waren, genau wie jetzt seine eigenen. Und auch darin waren sie sich ähnlich.
Ich sterbe. Vielleicht fühlt sich sterben so an. Eigentlich sollte ich das mittlerweile wissen.
Die Navigationssensoren weckten ihn mit einem beharrlichen, pulsierenden Ton, um ihn darüber zu informieren, dass die Slave / den Hyperraum verlassen hatte, und er richtete sich ruckartig und alarmiert auf. Seine Gelenke schmerzten; doch er ignorierte es.
Im Sichtschirm wurde die rot gesprenkelte Sichel von Roonadan größer und größer, bis sie den gesamten Horizont füllte. Dies war ein weiterer dicht besiedelter Planet, dessen bewohnbare Zonen überfüllt mit Städten waren, aber zumindest war es hier nicht so trostlos wie auf Bonadan. Fett rief die lokalen Daten auf seine Computerkonsole und begann mit dem Sinkflug.
Roonadan hatte noch immer ein paar Grünflächen und ansehnliche Gebäude, und durch die nördliche Hemisphäre schlängelten sich sogar einige breite Flüsse. Dies war die Heimat von hoch gebildeten Wissenschaftlern und von Leuten, deren Leben angenehmer gemacht wurde von den Produkten, die diese Wissenschaftler entwickelten, sowie einer breiten Masse, die in den Fabriken und Laboratorien arbeitete, wo die Waren herstellt wurden, die die Elite ersann.
Es war genau die Art Ort, wo Taun We hinpasste - wenn sie das Sonnenlicht ertrug. Kaminoaner mochten keinen klaren
Himmel.
Fett tarnte die Panzerung der Slave I mit einem Sensorschirm und bereitete sich auf die Landung vor. Wenn irgendetwas schiefging, verfügte er über die Feuerkraft eines kleinen Kriegsschiffs, um sich Schwierigkeiten vom Hals zu schaffen -Turbolaser, Ionenkanonen, Torpedos und Erschütterungsraketen. Bei der letzten Überholung hatte er außerdem konventionelle panzerbrechende Sprenggeschütze eingebaut, nur für den Fall, dass ihm mal die Energie ausging und er in einer schmalen Ecke festsaß. Dinge dem Zufall überlassen taten nur Amateure.
Eigentlich sollte die Slave /seine letzte Ruhestätte sein, ging es Fett durch den Kopf, als er über die Hauptstadt Varlo hinwegflog. Er wollte das Schiff nicht zurücklassen. Unvermittelt hatte er eine Vision, wie er in seinen letzten Tagen einen Kurs raus aus dieser Galaxis setzte und sich von der Slave / so weit tragen ließ, wie die Treibstoffzellen hielten, um dann für alle Ewigkeit irgendwo umherzutreiben, wohin ihm niemand folgen konnte. Das war eine tröstliche Vorstellung.
Schluss damit. Noch bist du nicht tot.
Aber wenn das kein Eingeständnis dafür ist, dass du nicht die geringste Ahnung hast, worum es in deinem Leben eigentlich ging, dann weiß ich nicht, was sonst.
Er empfing die automatisierten Daten von der Luftraumkontrolle und ging auf dem ersten Raumhafen runter, den er finden konnte. Die Slave I setzte sanft auf ihren Landestützen auf, die Stoßdämpfer gaben nach und das Triebwerk kühlte ab, wobei es ein charakteristisches, leiser werdendes Ticken durch die Außenhülle schickte, das schließlich ganz verstummte.
»Fett?« Er schaute zu dem Schirm auf, der ihm einen vollständigen Überblick über den Frachtraum verschaffte. Mirta war aufgestanden und streckte die Arme wie eine Athletin, zog erst einen Arm quer über ihren Körper, dann den anderen. »Nehmen Sie mich mit?«
»Nein.«
»Also wollen Sie mich einfach hier drin einsperren, während Sie unterwegs sind.«
»Ich würde nicht zulassen, dass diesem Schiff irgendetwas zustößt. Solange die Slave /sicher ist, bist du es auch.« Er aktivierte die Einbruchsverteidigungssysteme und stand auf, um seine persönlichen Waffen zu überprüfen. Roonadan hatte kein Anti-Waffen-Gesetz wie sein Schwesterplanet Bonadan, aber das hier war der Genossenschaftssektor, und damit war eine gewisse Zurückhaltung geboten. »Und fummel nicht an den Kontrollen unten rum. Dir würde nicht gefallen, was passiert, wenn du das tust.«
Erwartete auf Widerworte, aber sie setzte sich einfach wieder hin und begann, ihren Blaster auseinanderzunehmen. Er hielt inne, um zuzusehen: Sie kalibrierte und reinigte ihn. Die meisten Leute verließen sich einfach darauf, dass ihre Ausrüstung anständig funktionierte, was eine gute Methode war, vorzeitig abzutreten. Sie gehörte nicht dazu.
Er trat durch die Cockpitluke hinaus, ging zum Terminalgebäude und überprüfte gleichzeitig die Daten, die auf dem Schirm seines Visiers erschienen. Der Planet war ein einziges riesiges Forschungs- und Entwicklungszentrum. Irgendwo gab es mit Sicherheit Leute, deren Aufgabe es war, ein Auge darauf zu haben, was diese Unternehmen taten. Fett gelangte zu dem Schluss, dort mit seinen Nachforschungen anzufangen.
Und genau wie alle anderen Wirtschaftsplaneten mit jeder Menge Jobangeboten zog auch Roonadan eine kosmopolitische Bevölkerung an. Ein Mann in einer mandalorianischen Rüstung mit einem Raketenrucksack auf dem Rücken erregte beinahe ebenso wenig Aufmerksamkeit wie ein Duros und noch wesentlich weniger als die beiden blauhäutigen Chiss. die in blauen Anzügen, die exakt dieselbe Farbe aufwiesen wie ihre Haut, in der Raumhafenhalle umherspazierten. Fett stellte sich an einer der Passkontrollreihen an und wählte seine harmloseste Identikarte aus, um sie der Beamtin zu präsentieren.
Die Frau musterte die Anzeige des Bildschirms vor sich, dann beäugte sie argwöhnisch seine kampfgezeichnete Rüstung. Sie bat ihn nicht darum, seinen Helm abzunehmen. »Was führt Sie hierher. Meister Vhett?«
»Ich will bei irgendeinem Sicherheitsdienst arbeiten.«
»In welchen Bereichen?«
Also, das war hilfreich. »Pharmaindustrie. Bei Banken und Personenschutz geht's zu grob zu.«
Sie sah ihn misstrauisch an, als würde sie versuchen, an dem Visier vorbeizuschielen. »Ich dachte, ihr Mandalorianer seid so harte Brocken.«
»Ich werde eben nicht jünger.«
»Das wird keiner von uns.« Sie gab ihm seine gefälschte ID-Karte zurück. »Hier werden immer Leute gesucht. Industriespionage ist unser Nationalsport.« Sie deutete mit dem Daumen über die Schulter. »Fahren Sie mit der Einschienenbahn in die Stadt. Sie finden die Arbeitsagenturen entlang der Hauptstrecke. Und wenn Sie innerhalb von fünf Tagen keine Arbeit gefunden haben, verschwinden Sie von hier, okay? Wir mögen keine Landstreicher.«
Also verfügte sie zwar über ein gewisses Maß an Wissen über Mandalorianer, aber nicht über ihn. Vhett war nichts weiter als die Mando'a-Form von »Fett«. Es war überraschend, wie sehr man sich an die Wahrheit halten konnte, ohne dass es irgendwem auffiel. Er berührte seinen Helm mit seinem Handschuhen in einer, wie er hoffte, respektvollen Geste und marschierte weiter.
Die meiste Zeit über bestand eine seiner Taktiken darin, Boba Fett zu sein und diese Tatsache auch nicht zu verschleiern. Wenn man einen Ruf hatte wie er, nahm einem das viel Arbeit ab: Leute, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt war, fanden es definitiv klüger, sich ihm zu ergeben, als zu versuchen zu fliehen, weil es keinen Ort gab, an dem sie sich vor Fett verstecken konnten. Doch er hatte das Gefühl, dass ihn ein bisschen Diskretion um einiges schneller in Taun Wes Nähe bringen würde. Die Zeit war nicht auf seiner Seite.
Manchmal amüsierte es ihn ebenfalls, einen Mann zu spielen, der vom Glück verlassen war, obwohl er tatsächlich eines der wohlhabendsten Individuen der Galaxis war. Aber sein Vermögen würde keinen Mottasch wert sein, wenn es ihm nicht gelang, ein Heilmittel zu finden.
Also, wann wirst du dir einen Notfallplan einfallen lassen? Du warst nie ein Freund von Langzeitstrategien. Es wird der Moment kommen, an dem du dich entschließen musst, ob du weiter nach Ko Sais Daten suchst oder dich auf den Tod vorbereitest. Und was wirst du mit all diesen Credits machen?
Boba Fett fuhr mit der Einschienenbahn zusammen mit einem Dutzend Leuten, die kein persönliches Transportmittel besaßen, in die Stadt. Die Bandbreite reichte von sichtlich Armen bis hin zu Exzentrikern und zwei rodianischen Touristen, die Holokarten von Varlo studierten. Einer der
Passagiere, ein Mann, der ein ganzes Stück größer war als Fett, war in einen schwarzen Umhang gehüllt, dessen Saum den Staub und den Schmutz vom Boden des Waggons wischte, was dem Stoff einen beständigen grauen Rand bescherte.
Niemand würdigte Fett auch nur eines Blickes. Das hier waren keine Leute, die mit Kopfgeldjägern zu tun hatten; sein Name war vielleicht vielen ein Begriff, aber diejenigen, die seinen Namen kannten, waren für gewöhnlich jene, die sich viel leisten konnten und bereit waren, ebenso viel dafür auszugeben, dass ihre Probleme auf sehr endgültige Art und Weise gelöst wurden. Auf die Leute hier traf das absolut nicht zu.
Fett stieg beim Endbahnhof aus und mischte sich unter eine anonyme Menge von Einkäufern. Die Läden hier lagen in der mittleren Preisklasse. Schreibtischkräfte und technische Angestellte kauften hier ein. Er ging in ein Bekleidungsgeschäft und sah sich die Auswahl an Männermode an, die auf Hologrammen über einer Empore gezeigt wurde.
»Und das ist das Beste, was Sie haben?«, fragte er den Verkäufer.
»Wenn Sir Eindruck schinden möchte, müssen Sir am Wasser einkaufen«, sagte der Verkäufer steif. »Wenn Sir die Credits dafür hat, ist das das Richtige.«
Fett nahm an, dass er mit Wasser einen der künstlich angelegten Flüsse meinte, die er aus der Luft gesehen hatte. Er ließ den Blick über eine wallende schwarze Tunika samt Umhang gleiten, nicht unähnlich der, die der Mann in der Einschienenbahn getragen hatte. »Das nehme ich. Und eine Reisetasche.«
»Die Größe?«
»Maßanfertigung.«
»Dürfte ich Ihren Creditchip sehen, Sir?«
Fett warf zwei Barcreditscheiben - beides Hunderter - auf den Tresen. »Kommt das ungefähr hin?«
Der Verkäufer zog einen Lichtgriffel aus seinem Jackett, drehte die Scheiben um und überprüfte unter dem UV-Lichtstrahl des Griffels die Holostempel darauf. »Ja, Sir.« Er schaltete den Lichtgriffel mit dem Daumennagel um, und das Gerät gab einen dünnen Strahl roten Lichts von sich. »Wenn Sir so freundlich wären, die Rüstung abzulegen, kann ich maßnehmen.«
»Über der Rüstung.«
»Wie bitte?«
»Die Rüstung bleibt an. Ich bin kein besonders vertrauensvoller Bursche.«
Der Verkäufer zögerte einen Moment, schwenkte den Laser dann aber über Fett, erst von einer Seite zur anderen, dann von Kopf bis Fuß, studierte die präzisen Maße auf der Anzeige des Lichtgriffels und zuckte mit den Schultern.
»Groß«, sagte er.
»Ich sehe, Sie sind ein Profi.«
Fett nahm die Reisetasche und die Kleider und machte sich auf den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette.
In der Kabine war es eng, doch er legte seinen Raketenrucksack und den Raketenwerfer ab, zerlegte sie in Einzelteile und packte sie in die Tasche. Anschließend passten der Umhang und die Tunika ausgezeichnet über seine Rüstung. Er zögerte, bevor er seinen Helm abnahm.
Das war die ultimative Tarnung. Abgesehen von seinem Arzt und ein paar Kaminoanern wusste niemand, wie er mittlerweile aussah. Womöglich hatte er sich sogar so sehr verändert, dass nicht einmal Taun We ihn erkennen würde. Er blickte in den Spiegel über dem Waschbecken und sah einen Mann mit jeder Menge grauem Haar, das Gesicht größtenteils faltenfrei, da es, seit er sich zurückerinnern konnte, vor Sonnenlicht geschützt gewesen war.
Selbst die Narben aus der Zeit, als er dem ätzenden Magen des Sarlaccs entkommen war, waren nicht mehr sonderlich verräterisch. Er ging problemlos als ganz gewöhnlicher, körperlich fitter Mann in den frühen Siebzigern durch.
In einem Anzug würde, ich sogar wie ein Gentleman aussehen.
Und genau darauf kam es ihm jetzt an.
Wenn er herausfinden wollte, wo die Wissenschaftler von AruMed lebten, musste er so wenig wie ein Kopfgeldjäger wirken, wie er nur konnte.
Boba Fett marschierte aus der Toilette und trat zum ersten Mal in seinem Erwachsenenleben ohne seinen Helm in die Öffentlichkeit.