9.
Als ich ein Junge war, habe ich Geschichten über seinen Großvater gehört, und ich hatte den Eindruck, als würde Jacen Solo denselben Weg einschlagen. Auch Vader wusste gern eine loyale militärische Elite in seinem Rücken. Und manchmal rechtfertigt der Zweck die Mittel. Der Protest der Medien und der Bürgerrechtsgruppen auf unsere Ankündigung hin, dass eine Garde der Galaktischen Allianz gebildet wurde, um mit der neuen Gefahr für die öffentliche Sicherheit fertig zu werden, war zu erwarten gewesen. Schlimm war aber, dass man behauptete, ich wäre ein neuer Palpatine.
Staatschef Omas, Memoiren
CORELLIANISCHES VIERTEL, CORUSCANT
Ben wusste, dass er ein aberwitziges Risiko einging, indem er in das corellianische Viertel zurückkehrte, aber er musste Bant finden.
Diesmal trug er normale Kleidung, keine Jedi-Gewänder. Er fragte sich, ob er ein Feigling war, weil er seinen Stand verheimlichte, doch die Stimme der Vernunft sagte ihm, dass es keinen Grund gab, aufgemischt zu werden, bevor er irgendetwas Nützliches in Erfahrung gebracht hatte. Das war Pragmatismus, wie Jacen es nannte.
Die Corellianer führten keinen Krieg gegen die Jedi, bloß gegen die Allianz. Allerdings war der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen nicht immer offensichtlich.
Er schlenderte die Bürgersteige entlang, blieb stehen, um sich Dinge anzuschauen, die ihn neugierig machten, was ihn daran erinnerte, dass er diesmal ein dreizehnjähriger Junge war und kein Soldat. Niemand schien Notiz von ihm zu nehmen.
Alles, was er wollte, war, Barit ins Gesicht zu schauen und ihm eine einfache Frage zu stellen: Was brachte ihn dazu, die Coruscanti als Feind anzusehen?
Der Umstand, dass sich zwei Regierungen wie Idioten aufführten, schien Ben als Rechtfertigung dafür nicht auszureichen. Er würde keine Corellianer angreifen, bloß weil die Regierung ein Problem mit Corellia hatte. Sogar der Anschlag auf die Centerpoint-Station war nicht gegen Personen gerichtet gewesen. Er verspürte keinerlei Hass gegen die Corellianer.
Aber Barit, der nicht sonderlich viel älter war als er, hatte versucht, einen CSK-Beamten zu erschießen. Er hatte nicht auf die Meute gezielt, die die corellianische Botschaft mit Steinen bewarf. Er hatte versucht, einen ihm vollkommen Fremden zu töten, der versucht hatte, den Ausschreitungen Einhalt zu gebieten.
Ben verstand das nicht, aber das musste er.
Das corellianische Viertel war an diesem Tag ruhiger, als würden die Leute darauf warten, dass irgendetwas passierte. Einige der Geschäfte waren geschlossen. Bei einem Lebensmittelmarkt blieb Ben stehen, um sich eine Flasche Fizzad zu kaufen und danach zu fragen, wie er zur Werkstatt der Saiys gelangte. Während er den knappen Kilometer zum Unternehmen von Barits Familie ging, trank er seine Erfrischung.
Ben stieß auf zwei Männer, die ungefähr im Alter seines Vaters und mit Hydroschraubenschlüsseln über einen Repulsorantrieb gebeugt waren. Sie schauten auf, entspannten sich jedoch, als sie ihn sahen. Bloß ein Kind.
»Wo ist Barit?«, fragte er beiläufig.
Einer der Männer straffte sich und rief dann: »Barit? Barit? Hier ist jemand, der dich sehen will.«
Barit tauchte aus einem Lagerraum auf und wischte sich die Hände an einem Lappen ab. Er starrte Ben einige Sekunden lang an und schien nicht erfreut, ihn zu sehen. Er ging in die frische Luft hinaus, und Ben folgte ihm ein kleines Stück von der Werkstatt weg. Aus einer offen stehenden Tür drang der appetitliche Duft von Braten und Gewürzen.
»Habt ihr eure fehlenden Diamanten gefunden?«, fragte Ben. Damit meinte er die aus der Asche von Corellianern gepressten Edelsteine aus dem Heiligtum. »Hat sie irgendwer zurückgegeben?«
»Nein«, sagte Barit. »Leute, die Gedenkstätten schänden, haben kein Gewissen.«
Das war kein guter Anfang. Ben kam gleich zur Sache. »Ich habe dich neulich draußen vor der Botschaft gesehen.«
»Was hast du dort gemacht?«
»Mir ein Gesicht voll Gas eingefangen.«
»Ja, ich auch.«
Ben fragte sich, was Barit mit seinem Blaster angestellt hatte. Er selbst konnte sein Lichtschwert augenblicklich ziehen, wenn er gezwungen war, sich zu verteidigen. »Wenn ich sage, ich habe dich gesehen, dann meine ich damit, dass ich dich mit einer Waffe gesehen habe.«
»Jeder trägt so was mit sich rum. Sogar du.«
Ich muss es wissen. »Aber warum hast du auf einen Polizisten geschossen?«
»Hast du vor, mich anzuzeigen?« Also hatte er nicht gesehen, wie Ben den Blasterschuss abgewehrt hatte. Er hatte geschossen und war geflohen. »Ich glaube nicht, dass ich
irgendwen getroffen habe. Sie haben nie gesagt.«
»Ich will einfach bloß wissen, warum du das gemacht hast.« Du hast angelegt, um zu töten, oder es war dir egal, wen du triffst? »Der Beamte hat dir nie irgendwas getan. Er hat bloß versucht, einen Kampf zu schlichten.«
»Coruscant ist gegen uns. Die Allianz versucht, uns umzubringen. Wir müssen uns verteidigen.«
»Aber nicht gegen andere Bürger. Das CSK hat nicht versucht, dir irgendetwas anzutun. Wie kannst du auf jemanden schießen, der dir gar nichts will?«
»Das kannst du nicht verstehen.«
»Das will ich aber.«
»Kannst du aber nicht.«
»Wenn du solche Angst vor uns allen hast, warum lebst du dann immer noch hier?«
»Das würde dir so passen, oder? Uns mit einem Tritt hier wegzubefördern, uns zurückzuschicken.«
Ben wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. »Glaubst du, ihr seid mit uns im Krieg?«
»Das sind wir. Vielleicht nicht richtig, aber das sind wir.«
»Wie kannst du so was denken, wenn du hier lebst? Wenn du das wirklich glaubst, wie kannst du dann auch nur hier leben wollen?«
Ben stand da und starrte Barit mit völligem Unverständnis an. Er hatte keine Ahnung, was im Kopf des Corellianers vorging, dass er sich mit einem Mal wie ein Fremdweltler auf dem Planeten fühlte, auf dem seine Familie geboren worden war. Aber er war Barit gegenüber misstrauisch und auf der Hut, auf eine Art und Weise, die nichts damit zu tun hatte, dass dieser einen Blaster ziehen könnte.
»Komm jetzt, Barit!«, rief einer der Männer. »Willst du da den ganzen Tag lang rumquatschen? Du hast Aufgaben zu erledigen. Komm gefälligst zurück!«
Barit sah Ben an, als würde er sich sein Gesicht einprägen wollen. »Ich muss gehen. Danke, dass du mich nicht anzeigst.«
Er ging zur Werkstatt zurück. Ben wanderte davon, die halbvolle Flasche Fizzad noch immer mit einer Hand umklammernd, und fragte sich, ob er Barit dem CSK melden sollte.
JABI-TOWN, CORELLIANISCHES VIERTEL, CORUSCANT: 04:00 UHR
Dieses Viertel hasste den Planeten, auf dem es sich befand. Und das war keine politische oder militärische Einschätzung der Gefahr, sondern Jacen Solos persönliche Gewissheit auf Grundlage dessen, was er in der Macht registrierte.
Das allein genügte für einen Jedi schon, um zu handeln. Wenn das, was ich jetzt bin, noch immer ein Jedi ist.
Jacen konnte die Feindseligkeit, den Zorn und die Gefahr spüren, die in dem corellianischen Distrikt von Galactic City schwelten, und das war der Grund, warum er beschlossen hatte, seine Einsätze als neuer Kommandant der Garde der Galaktischen Allianz mit Razzien in Jabi-Town zu beginnen.
Es war schwierig, an einem Ort wie Coruscant ein ganzes Viertel abzuriegeln. Die Wegekreuzungen waren dreidimensional und erforderten sechs Repulsorschiffe der CSK-Verkehrs-division für jeden Skylane-Knotenpunkt, den Jacen dichtgemacht haben wollte. Er stand auf der Plattform eines militärischen Angriffsschiffs, einem mattgrauen Kanonenboot, das seinem CSK-Gegenstück nicht unähnlich war, und verfolgte, wie zwei der CSK-Schiffe in Position schwebten. Es war noch immer dunkel; die CSK-Schiffe hatten ihre Navigationslichter ausgeschaltet. Jacen konnte sie bloß sehen, weil die Lichtkuppel über Coruscant dafür sorgte, dass es in Galactic City niemals wirklich pechschwarz war. Außerdem konnte er den Umriss der Außenhülle ausmachen, wenn sich die Schiffe bewegten.
»Bist du in Ordnung, Ben?«
Ben trat vor. Er hatte noch kein Wort gesagt. Mit einer Hand hielt er den Griff seines Lichtschwerts umklammert, und Jacen spürte, dass er eher aufgewühlt als aufgeregt war. Er hatte sich unwiderruflich von einem Jungen, der Missionen als Abenteuer empfand, zu einem jungen Mann entwickelt, der ein gesundes Maß an Furcht in sich barg.
»Mir geht es gut, Jacen.«
»Funktioniert das Komlink?«
Ben fummelte an seinem rechten Ohr herum. »Muss ich das wirklich tragen?«
»Du musst hören, was zwischen den Einheiten vorgeht. Das kannst du nicht mithilfe der Macht.« Manchmal war die Nicht-Jedi-Lösung eines Problems tatsächlich die einfachste. »Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich selbst schon mit so viel Stimmenverkehr zurechtkomme.«
Jacen wandte sich zu den fünf Soldatenteams im Truppenabteil um, Elite-Einsatzkräfte von der 967sten, deren Spezialität Personenwiederbeschaffung und das Durchbrechen von Belagerungslinien war, alle von ihnen handverlesen, weil sie auf Coruscant geboren und aufgewachsen waren, und alle menschlich, um die Möglichkeit heimlicher Sympathien für andere Welten auszuschließen. Darunter waren Freiwillige von der Antiterroreinheit des CSK, die Shevu ausgesucht hatte und für die er bürgte. Sie würden loyal sein. In letzter Zeit hatte
Jacen Loyalität sehr zu schätzen gelernt.
Er konnte ihre Gesichter hinter ihren Schutzvisieren und den versiegelten schwarzen Helmen nicht ausmachen. Aber alles, was sie ausstrahlten, war ein Gefühl von Konzentration und ein wenig Besorgnis, in einem Maße, das normal für Soldaten war, die in die Schlacht zogen. Sie wussten nicht genau, was hinter den Türen des corellianischen Viertels auf sie wartete, aber sie wussten, dass das Risiko bestand, dass sie auf bewaffneten Widerstand und sogar Sprengfallen stießen.
Auf der anderen Seite des corellianischen Distrikts wartete Shevu mit weiteren Einheiten, bereit Gebäude zu stürmen, Durchsuchungen durchzuführen, Widerstand zu brechen und Festnahmen zu tätigen. An den Enden der Bürgersteige schlüpften weitere Soldaten der 967. Kommandotruppe in Position und richteten Gewehre auf Türen, um jeden aufzuhalten, der zu fliehen versuchte. Die Scharfschützen hatten auf den Dächern rings um den Block Position bezogen.
Jacen aktivierte das Komlink, das über sein Ohr gestülpt war. »Teamkommandanten - kein Waffeneinsatz, es sei denn, auf Sie wird zuerst geschossen.«
Shevus Stimme fiel ihm ins Wort. »Dürfte ich vorschlagen, dass wir daraus >Es sei denn, wir sehen uns einer echten und unmittelbaren Bedrohung gegenüber machen, Sir? Das schließt Granaten und andere Waffen mit ein.«
Ich denke wie ein Pilot, wie ein Jedi, nicht wie ein Infanterieoffizier. »Gute Idee, Captain. Bestätigen Sie das.«
Es folgte ein gedämpftes Murmeln im Netz, als hätten die Soldaten ihre Komlinks einen Moment lang auf stumm geschaltet und sie dann wieder aktiviert. Sie hatten Bemerkungen ausgetauscht, möglicherweise darüber, dass ihr Kommandant ein Schwachkopf war, weil er zu Beginn der
Missionsplanung keine besseren Einsatzregeln ausgab, doch es fühlte sich mein nach Zustimmung an, weil er Ratschläge von Profis annahm. Die Macht war vielleicht im Hinblick auf die Feinheiten der Kommunikationsroutine nicht von großem Nutzen, doch um Stimmungen zu erkennen, eignete sie sich perfekt.
Jacen hatte das Gefühl, dass es Zeit war, loszuschlagen. Die meisten würden schlafen: Vier Uhr nachts war eine gute Zeit, um Menschen zu überraschen, sodass es nur minimalen Widerstand geben würde.
»Bereithalten«, sagte Jacen.
Bens Lichtschwert erwachte zum Leben, und das blaue Licht erhellte das Truppenabteil. Ein knackendes Geräusch drang durch die öffentliche Lautsprecheranlage, als die Rüstungssysteme des Feldwebels des g67sten für Rückkopplungen sorgten. Er stellte etwas an der Seite seines Helms ein, und es wurde wieder still um ihn herum.
Ungefähr zweitausend Leute lebten in diesem Gebäudeblock, und Jacen hatte fünfhundert Soldaten im Einsatz. Kein gutes Verhältnis, aber es genügte, um die Aufgabe zu erledigen. Das Angriffsschiff schwebte auf gleicher Höhe mit den Laufstegen, und er sprang aus dem Truppenabteil nach unten, gefolgt von der 96ysten, die sich unverzüglich auf die Türen zu beiden Seiten des Laufstegs verteilten. Über ihnen konnte Jacen die Dachteams und Scharfschützen spüren.
Es folgte eine weitere Sekunde tiefer Stille, wie bei der Pause eines Pendels, bevor es zurückschwang.
»Los los los.'«, sagte Jacen.
Die Angriffsschiffe scherten in die Skylanes zu beiden Seiten des Blocks ein, und die Lichtkegel ihrer Zweihundert-Millionen-
Lumen-Suchscheinwerfer tauchten das Gebiet in blendende Helligkeit. Durch die Lautsprecher des Angriffsschiffs dröhnte die Stimme des Feldwebels des 9&7Sten.
»Hier spricht die Nationale Sicherheit von Coruscant. Bleiben Sie, wo Sie sind. Ich wiederhole, bleiben Sie, wo Sie sind.« Jacen fühlte die Vibration in seinen Zähnen und Nebenhöhlen. Die Schlucht aus Mauern zu beiden Seiten verdichtete die Lautsprecherakustik. »Beamte werden die Gebäude betreten. Bitte kooperieren Sie. Seien Sie darauf eingestellt, dass man Ihre Identikarten überprüfen wird.«
Eine oder zwei Türen hatten sich bereits geöffnet, und einige Leute standen in Bademänteln auf Balkonen, die Augen mit den Händen gegen die weißen Suchscheinwerfer abgeschirmt. Überall entlang der Laufstege herrschte ein Durcheinander aus gebrüllten Befehlen und dem Hämmern gegen Türen. Es gab kein freies Gelände, um Gefangene zusammenzutreiben und die Corellianer von den anderen Passinhabern zu trennen, die sich zufällig in dem Block aufhielten, also gingen die Einsatzkräfte in die Gebäude und stellten die Bewohner da, wo sie sie antrafen, oder brachten sie nach draußen, damit sie sich an die Mauern stellten, während ihre Wohnungen nach allem durchsucht wurde, das mittlerweile nur noch mit dem wenig konkreten Begriff »Bedrohung« umschrieben wurde.
Leute, Gerätschaften, schlechte Gesinnungen. Das waren alles Bedrohungen.
Jacen und Ben rannten mit aktivierten Lichtschwertern den Hauptlaufsteg entlang und hielten Ausschau danach, ob sie vielleicht gebraucht wurden. Rings um sie herum wurden bereits Anwohner aus ihren Häusern geführt, einige schweigend und schockiert, andere fluchend und sich wehrend. Jacen warf Ben einen Blick zu. Dessen Gesicht war in angespannter Konzentration erstarrt, die Augen groß und in dem intensiven Licht auf schockierende Weise noch weißer wirkend. Als Jacen sich umsah, konnte er Aktivitäten auf der anderen Seite der Skylane ausmachen, wo sich Bewohner aus dem nächsten Block zu versammeln begannen, um das Drama zu verfolgen.
Das hier wird innerhalb von Minuten auf HNE sein. Heutzutage hat jeder einen Holoaufzeichner.
Halb so wild. Ich habe nichts zu verbergen.
»Galaktische Garde! Zurückziehen! Sofort!«
Vor ihnen sah sich eine Einheit von vier 9Ö7er-Soldaten einer verschlossenen Tür gegenüber. Sie sprangen von dem Durchgang zurück, drückten sich zu beiden Seiten des Eingangs gegen die Wand. Jacen eilte zu ihnen.
»Artillerie, Sir«, sagte einer von ihnen. Die Stimme war weiblich. Sie hielt eine Sensoranzeige hoch - »Nase« nannten sie das Gerät -, die am Rücken ihres linken Handschuhs angebracht war; sie blinkte rot und orange. »Die Nase hat etwas gewittert, und die Bewohner kooperieren nicht. Von der Tür wegbleiben.«
»Drei drinnen.« Auf der anderen Seite der Tür hielt ein Elitesoldat mit Feldwebelabzeichen und dem mit Schablone auf seine Brustplatte gemalten Namen WIRUT einen Thermalbildscanner gegen die Wand. Sein Kamerad stand ein paar Schritte hinter ihm und steckte eine Gasgranate auf die Mündung seines Gewehrs. »Falls da drin irgendwas hochgeht, Sir, wird das auf HNE nicht besonders hübsch aussehen. Gehen Sie besser in Deckung.«
»Feldwebel, ich würde niemals jemanden bitten, etwas zu tun, was ich nicht auch selbst tun würde«, sagte Jacen. »Zeigen
Sie mir das Bild.«
Der Feldwebel - Wirut - drehte das Gerät herum, sodass Jacen einen Blick darauf werfen konnte. Der Scanner hatte einen Pistolengriff wie ein Megafon; das eine Ende des Geräts bestand aus einer Linse, und auf der anderen Seite war die Anzeige, die Rot auf Schwarz drei menschliche Silhouetten anzeigte, die sich in einem Gebiet bewegten, das der Entfernungsanzeige auf dem Gitternetz zufolge vermutlich einen Raum von der Fassade zurückgesetzt lag.
»Ben, spürst du irgendwas?«, fragte Jacen. »Wie fühlt es sich für dich an?«
Bens Gespür für Gefahr wurde allmählich sehr scharf. Er hielt seine Augen vor Konzentration halb geschlossen. »Gefährlich, aber jetzt noch nicht. Bald.«
»Sprengstoff, aber nicht scharf gemacht?«
»Ist es das, was du fühlst?«
»Ja«, sagte Jacen. Er winkte Wirut zurück. »Weg mit dem Gas, Soldat. Wollen Sie sie bewegungsunfähig machen?«
»Das ist die Grundidee dabei, Sir, damit sie nichts zur Explosion bringen können.«
»Schön.« Jacen stellte sich das Innere des Erdgeschosses und die Tür vor und konzentrierte sich auf die drei Personen drinnen.
»Sir.«
Den Rest hörte Jacen nicht mehr. Er schickte einen MachtSchock durch alle drei Ziele gleichzeitig, um sie zu lähmen, und eine Sekunde später flogen die Türen nicht wegen der harten Schockwelle einer konventionellen Explosion auf, sondern dank der kontrollierten Wucht der Macht.
Die Einheit aus Elitesoldaten warf sich flach auf den Boden. Das war das Klügste, was man bei einer Explosion machen konnte, durch hartes Training eindeutig tief in ihnen verwurzelt.
Sie erstarrten, warteten auf eine Schockwelle, die allerdings nicht kam. Wirut richtete sich auf die Knie auf, und obwohl Jacen sein Gesicht nicht sehen konnte, wusste er, dass der Mann grinste.
»Netter Trick, Sir«, sagte er und stand auf, das Gewehr im Anschlag, um sich durch das Loch zu schieben, wo eben noch die Vordertüren gewesen waren. Jacen schlüpfte hinter ihm hinein, gefolgt von Ben und dem Rest der Einheit. Die drei Bewohner des Hauses - ein Mann in den Dreißigern und zwei jüngere Frauen - lagen bewusstlos auf dem Fußboden des Hinterzimmers.
Wirut beugte sich nach unten und überprüfte ihren Puls. »Kommen die wieder in Ordnung?«
»Die Wirkung ist nur vorübergehend.«
»Sie machen uns ja arbeitslos, Sir«, sagte die Soldatin. »SZDJ.«
»Ich wünschte, das würde stimmen, aber ich vermute, Sie werden demnächst mehr zu tun haben als je zuvor.« Jacen verfolgte, wie einer von der Einheit seinen linken Handschuh ausstreckte; er suchte nach dem Sprengstoff.
Die drei Gefangenen wurden auf provisorischen Tragen nach draußen gebracht. Rings um sie herum auf dem Laufsteg drängten sich halb angezogene Zivilisten und schwarz gepanzerte Soldaten, die weitere Angriffsschiffe »beluden«, die runtergingen oder auf gleicher Höhe mit dem Fußgängerzugang schwebten.
»Hab gerade einen HNE-Speeder zurückgeschickt, Sir«, rief einer der Soldaten Jacen zu. »Gehen Sie davon aus, dass diese Operation zur besten Sendezeit über alle Schirme flimmert.«
Die Nacht war hell genug erleuchtet für Nachrichtenkameras, und Jacen wusste, dass so etwas wie eine verdeckte Operation dieser Größenordnung in einer dicht bevölkerten Stadt wie dieser ein Ding der Unmöglichkeit war. Man hörte Permaglas bersten, als die 96yste bei einem Wohnblock in der Nähe Fenster sprengte, um sich Zutritt zu verschaffen.
»Soll das bedeuten, Dad wird sehen, was hier passiert?«, fragte Ben.
»Ich glaube schon«, antwortete Jacen. »Oh.«
»Schämst du dich für irgendetwas, das du getan hast?« Ben hielt inne. Er dachte angestrengt über etwas nach. »Nur für Dinge, die ich nicht getan habe.«
»Was zum Beispiel?«
»Dass ich dir nichts über jemanden erzählt habe, der versucht hat, einen CSK-Beamten zu erschießen.«
Jacen konnte aus Bens Stimme schließen, dass wesentlich mehr dahintersteckte als das. Er machte sich im Geiste eine Notiz. »Wir können uns später darüber unterhalten. Jetzt geh und schau, ob eine Einheit Unterstützung braucht.«
Ben eilte davon, noch immer sein Lichtschwert umklammernd. Jenseits des Abgrunds der Skylane konnte Jacen den verräterischen Lichtschein von Holorekordern ausmachen, als die Nachbarn gegenüber die Razzia für die Nachwelt und -daran hatte er keinen Zweifel - für HNE festhielten.
Er erwog, jede einzelne Holokamera mit einem mehrfachen Macht-Griff Hunderte von Metern zu Boden fallen zu lassen, aber dann gelangte er zu einem anderen Schluss. Wenn du nicht bereit bist, etwas in der Öffentlichkeit zu tun, dann tu es überhaupt nicht.
Und die Razzia diente immerhin auch als Abschreckung. Potentielle Terroristen sollten dies hier sehen, damit sie sich die Sache noch einmal überlegten.
Jacen schaltete sein Lichtschwert ganz bewusst nicht aus. Selbst unter dem schonungslosen Lichtkegel der Scheinwerfer war es ein grünes Signalfeuer, ein Zeichen dafür, dass Jedi an etwas beteiligt waren, das die meisten Coruscanti seit zwei Generationen nicht mehr erlebt hatten. Das hier ist eine Aufgabe für uns Jedi, Bürger. Wir handeln zu eurem Besten. Wir sitzen nicht einfach bloß herum und schwingen Reden in unserem hübschen neuen Tempel, den ihr bezahlt habt.
Ben führte eine ernste und kurze Unterhaltung mit einem Einheitsfeldwebel und trat dann zurück, um mithilfe der Macht ein weiteres Paar Türen auseinanderzureißen. Türen mittels der Macht aufzubrechen verursachte wesentlich weniger Schaden als eine Detonitladung. Ben hielt sich im Hintergrund, damit die Soldaten ihren Job erledigen konnten.
Jacen aktivierte seinen sicheren Komlinkkanal. »Shevu, wie machen wir uns?«
»Bislang keine Todesfälle, Sir.« Das Poltern und Krachen von etwas Schwerem, mit dem herumhantiert wurde, unterbrach den Captain. »Noch immer mehr als fünfzehnhundert Individuen abzuwickeln, aber der vereinzelte Widerstand wurde neutralisiert, und der Rest scheint bereit zu kooperieren.«
Im Geiste übersetzte Jacen: Wir haben ein paar Türen eingetreten, und die Übrigen haben sich ergeben. »Gut gemacht, Captain.«
Jacen vermutete, dass der Anblick von Lichtschwertern, die beim Ausräuchern von Corellianern geschwungen wurden, dem Rat der Jedi gar nicht gefallen würden.
Doch das hier war nur der Anfang. Einen verlockenden Moment lang fragte er sich, wie sich sein Großvater gefühlt hatte, als man angefangen hatte, ihn zu verabscheuen. Doch um mittels der Macht bis zu diesem Zeitpunkt zurückzugehen, hätte Jacen wissen müssen, wo genau sich das zugetragen hatte, und das tat er nicht.
Er wusste ebenfalls nicht, ob er schon weitere Enthüllungen wie die letzte ertragen konnte. Gleichwohl, Schmerz musste man sich immer stellen - früher oder später.
FLOTTENÜBERSCHUSSVERKAUFSDEPOT. GALACTIC CITY, CORUSCANT
»Captain Solo, sind Sie sicher, dass wir Sie nicht zurück nach Corellia begleiten können?«
C-3PO schien nicht gewillt, Han die Tasche mit der Kleidung zu überlassen, als würde das Festhalten des Riemens sicherstellen, dass Han ihn ebenfalls mitnahm.
»Genau, da würde ein goldener Droide ja auch niemandem auffallen. Du wärst praktisch unsichtbar.« Han mochte den Geruch der kleinen Raumfähre nicht, die er beim Regierungsverkaufsdepot erworben hatte. Es war sonderbar: Ihm war nicht klar gewesen, wie viele dieser kleinen Einzelheiten des Falken etwas zu seinem Gefühl von Behaglichkeit beitrugen. Er schaltete durch die Kontrollen auf der Konsole und verzweifelte angesichts der Höchstgeschwindigkeit, die auf der Anzeige stand. »Du bleibst hier. Abgesehen davon kannst du für uns zusammen mit Erzwo Jaina im Auge behalten.«
»Han.« Leias Stimme drang von dem kleinen Frachtraum herüber.
»Liebling, niemand hat mehr Protokolldroiden wie ihn. Er wäre ein.«
»Han, du musst dir das hier ansehen.«
Han dachte, sie hätte irgendeinen mechanischen Fehler gefunden, den er nicht entdeckt hatte, als er die Credits bezahlt hatte. Er bahnte sich seinen Weg nach achtern, um zu sehen, wie sie wie gelähmt auf den Holoschirm in einer der sarggroßen Kabinen starrte.
»Noch eine Bombe?« Es war ein beengter Raum, und er konnte den Schirm kaum sehen, ohne sich an ihr vorbeizuquetschen und seinen Rücken gegen das Achterschott zu pressen.
»Könnte man fast sagen.«
Han brauchte ein paar Augenblicke, um dahinterzukommen, was er sich da ansah. Bereitschaftspolizei - nein, Soldaten in schwarzen Rüstungen stürmten Gebäude, und am unteren Rand wurde als Text eingeblendet: JABITOWN -FRÜHMORGENDLICHE RAZZIA DER CORELLIANISCHEN GEMEINDE. Das war genau das, was er von der Allianz erwartet hatte. Sie ahmten das Imperium in jeder Hinsicht nach, fast bis hin zu den Rüstungen.
»Oh, hast du angenommen, das würde mich schockieren?«
Leias Mund stand ein wenig offen, und ihre Miene wirkte, als wäre sie den Tränen nahe. Sie hielt ihre Hand hoch, um ihn zum Schweigen zu bringen, und er sah, dass sie leicht zitterte.
»Jacen«, sagte sie heiser.
Han sah wieder auf den Bildschirm, in der Erwartung, Jacen verletzt zu sehen oder wie er angegriffen wurde, und dann sah er seinen Sohn, seinen kleinen Jungen, der immer ein weiches Herz und Mitgefühl für andere gehabt hatte, wie er Soldaten in die Gebäude dirigierte, um Corellianer herauszuzerren.
Und das geschah auf eine so schreckliche und unvorstellbare Art, dass Hans Verstand ihm sofort sagte, dass dies ein niederträchtiges Stück gefälschter Propaganda war. Es war Thrackans Werk. Es war eine Lüge.
Aber das war es nicht. Leia legte sich die Hand vor den Mund.
Jacen hatte sogar sein Lichtschwert gezogen. Und er hatte Ben bei sich. Ben beteiligte sich an der Razzia. Han konnte nicht sprechen.
»Liebling, was passiert mit ihm?« Leias Stimme war ein Flüstern. »Wie kann er so was tun?«
Sie drehte die Lautstärke hoch.». Notfallmaßnahmen wurden bewilligt, um corellianische Bürger, die in Galactic City wohnen, zu internieren.«
Alles, woran Han denken konnte, war, dass sie möglicherweise auf der Flucht vor ihrem eigenen Sohn waren -und dass sie in Coronet sogar noch weniger willkommen sein würden als ohnehin schon, wenn ihre Identitäten aufgedeckt wurden.
»Dreipeo?«, rief er. »Dreipeo. Wenn der Falke startbereit ist, flieg ihn hier zu uns rüber, ganz gleich, wie du das anstellst. Kehr sofort in das Apartment zurück und kontaktier Jaina. Sag ihr, dass wir später mit ihr reden werden. Wir müssen verschwinden, kapiert?«
»Ich habe in der Tat kapiert, Captain Solo.«
Leia sagte nichts. Sie schob sich an Han vorbei und setzte sich ins Cockpit. Wenn die Dinge schlecht liefen, wurde sie für gewöhnlich sehr ruhig und entschlossen. Das war ein Gradmesser dafür, wie ernst eine Krise war.
»Bereit zum Abheben«, sagte sie leise und überprüfte die Statusanzeigen, als hätte sie nicht gerade erst zugesehen, wie sich ihr Sohn auf HNE vor den Augen der gesamten Galaxis in ein Monster verwandelt hatte. »Lass uns starten.«