20.


Die Ermittlungen bezüglich der Ermordung von Präsident Sal-Solo dauern weiterhin an, doch wir haben Grund zu der Annahme, dass diese Gräueltat das Werk von Agenten der Allianz war. Dies wird unsere Entschlossenheit, Corellias Unabhängigkeitsarmee aufrechtzuerhalten, nicht schwächen. Gemäß einer Übereinkunft zwischen allen Parteien wird Corellia jetzt von einer Koalition der Demokratischen Allianz und der Liberalen Front von Corellia regiert, die die größten Abgeordnetenblöcke stellen, wobei der Centerpoint-Partei eine Beraterrolle zukommt.

Verlautbarung der neuen Koalitionsregierung von Corellia

Leia stand zwischen Mirta Gev und Boba Fett. Mirta stürzte schwer nach hinten gegen die Wand, als wäre sie dagegengeschleudert worden. Leia beugte sich über sie, doch das Mädchen starrte einfach nur an ihr vorbei zu Fett, trotzig, aber von der Macht völlig gebannt.

Der Ozongeruch eines abgefeuerten Blasters lag in der Luft. Fett hatte seinen EE-3 auf Mirta gerichtet, aber Han sah, dass er die Waffe wieder langsam an seine Seite sinken ließ.

»Ich will wissen, worum es bei alldem ging«, sagte Leia, als wäre Mirta bloß ein unartiges Kind, das seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte, statt eine Kopfgeldjägerin, die versucht hatte, Boba Fett zu erschießen.

Mirtas Augen füllten sich mit Tränen. Han hätte sie nicht für eine von der heulenden Fraktion gehalten. Vielleicht war es eine sehr große Prämie, die ihr gerade durch die Lappen gegangen war.

»Ich habe ihn zu ihr gebracht.« Sie deutete mit einem verächtlichen Ruck ihres Kinns auf Fett. »Diesmal wollte sie sichergehen, dass sie ihn auch wirklich tötet.«

Fett sagte kein Wort. Er schlang sein Blastergewehr mit einer langsamen, bedächtigen Bewegung hinter seine Schulter und stand so da, wie er es häufig tat, die Hände ein Stück von seinen Seiten weg, das Gewicht auf einen Fuß verlagert, als wäre er drauf und dran, eine Waffe aus seinem erstaunlichen Arsenal zu zücken.

»Aber warum wolltest du ihn erschießen, jetzt, da sie dich nicht mehr bezahlen kann? Was hat er getan?«

»Er hat seine Frau und sein Baby im Stich gelassen - das hat er getan. Ja, der große Boba Fett hatte nicht den Mumm, bei seiner Familie zu bleiben. Er verließ sie, und sie musste Ailyn allein großziehen, und sie starb, weil er nicht da war, um ein anständiger Ehemann und Vater zu sein. Da sie ihn nicht mehr töten kann, werde ich es tun.«

Leia beugte sich über sie. Dem Mädchen liefen Tränen übers Gesicht, und Fett war vollkommen still. »Warum? Was hat er dir je getan?«

Mirta holte keuchend Luft, würgte Schluchzer herunter. Han widerstand dem Drang, Vater zu spielen und sie zu trösten.

»Ailyn war meine Mutter, und ich habe ihr versprochen, dass er sterben wird, darum. Er ist also mein Großvater -jedenfalls dem Namen nach.« Sie starrte ihn an und mühte sich auf die Füße. »Das hast du nicht gewusst, oder? Du hast es nicht gewusst, weil es dir egal ist. Du hast bis jetzt nicht einmal versucht rauszufinden, was mit Ailyn passiert ist, und jetzt ist es für uns alle verdammt noch mal zu spät. Fünfzig Jahre -fünfzig Jahre!«

Han würde sich noch jahrelang hieran erinnern und es trotzdem nicht glauben. Fetts Schultern hoben sich, als würde er einen tiefen Atemzug nehmen. Er sagte immer noch nichts. Das war eine lausige Art und Weise, mit seiner Familie wiedervereint zu werden. Fast tat er Han leid.

Mirta stand da und starrte auf die Maske seines Helms, als könne sie den Mann dahinter sehen. Dann schlug sie mit beiden Fäusten so hart auf seine Brustplatte ein, wie sie konnte, das Gesicht vor Kummer und Zorn verzerrt, und stieß ihn ein paar Schritte nach hinten. Er nahm es einfach hin. Sie schlug so fest zu, wie sie konnte, und Fett ließ sie, bis Han sah, dass ihre Knöchel bluteten und er entschied, dass sie genug hatte. Er packte ihre Schultern und zog sie zurück.

Fett hatte noch immer kein Wort gesagt.

»He, komm schon, komm schon.« Han hielt Mirta fest, bis sie aufhörte, sich zu wehren. »Es ist okay, Mädchen. Es ist okay. Beruhig dich.« Ihre Mutter war tot. In Ordnung, sie war eine Profikillerin, aber das war nicht die Schuld des Mädchens. Er suchte Leias Blick und konnte sehen, dass sie entsetzt war. Was auch immer Jacen gesagt hatte, das er nicht gehört hatte, verstörte sie. Vielleicht waren die Einzelheiten zu drastisch, um darüber zu sprechen. »Fett, hast du diesem Mädchen nicht irgendwas zu sagen? Sie ist deine Familie.«

»Nein, bin ich nicht!«, knurrte Mirta.

Fett wandte sich einfach an Han. Seine Stimme war so ruhig und unemotional wie immer. »Ich will Ailyn wiederhaben. Ich will ihre Leiche.«

»Überlass das mir«, sagte Leia. »Wir kümmern uns darum.«

Han konnte das alles nicht begreifen. In seinem Leben hatte es schon einige skurrile Tage gegeben, aber das hier toppte so ziemlich alles. »Liebling, du tröstest hier Boba Fett.«

»Seine Tochter ist gerade gestorben.«

»Er kannte sie nicht mal.«

»Han. «

»Sie wurde geschickt, um uns zu töten. Hast du diese kleine Einzelheit vergessen?«

»Han, weißt du noch, wie es war, als Anakin starb?«

Die Erinnerung an den Tod seines Sohnes ließ ihn einen Moment lang mitten in der Bewegung erstarren. Der Schmerz war so lebendig wie eh und je. »Aber wir haben Anakin geliebt] Wir haben ihn großgezogen! Fett hat nicht mal.«

Leia hielt ihre Hand hoch, um ihn zum Schweigen zu bringen. »Nicht, Han. Niemand weiß, was Fett fühlt oder nicht fühlt. Und keiner von uns würde jetzt hier stehen, wenn er uns nicht vor den Yuuzhan Vong gerettet hätte. In Ordnung?«

Leias Mitgefühl sorgte stets dafür, dass Han sich klein vorkam, aber nun fand er, dass sie es an Fett verschwendete. In gewisser Weise hatte sie recht, aber sie war viel zu nett zu einem Mann, der ihn mehr als einmal fast umgebracht hätte.

Aber Fett hatte sein Wort gehalten. Thrackan war tot, selbst wenn das Mädchen vermutlich den tödlichen Schuss abgefeuert hatte. Und es waren keine Kopfgelder mehr auf die Familie Solo ausgesetzt - zumindest nicht, soweit Fett wusste.

Han tätschelte Mirta den Rücken. Jetzt zitterte sie. Sie tat ihm leid, nicht Fett. »Ihr zwei solltet besser miteinander ins Reine kommen. Zügig.«

»Er ist alles, was du noch hast, Mirta«, sagte Leia leise. »Glaub mir, wie schlimm die Dinge auch immer sein mögen, am Ende ist deine Familie alles, was du hast.«

Verlass dich nicht zu sehr auf deine diplomatischen Fähigkeiten, Liebling, dachte Han. Mirta wurde zwar von Tränen geschüttelt, aber sie sah dennoch mordgierig aus. Sie hatte heute Nacht einen Mann getötet, und sie machte nicht den Eindruck, als hätte sie irgendwelche Probleme damit, zwei daraus zumachen.

Han fand, dass es höchste Zeit wurde, dass Leia und er sich Gedanken um ihre eigene Haut machten. Konnten sie jetzt offen auf Corellia leben? Er nahm sein Komlink, um Dur Gejjen anzurufen, hielt jedoch inne, als Fett mit einem Mal seine Panzerplatten ablegte, Brust und Rücken, und sie zu Boden fallen ließ. Er hielt seine Arme an seine Seiten.

»Heb deinen Blaster auf, Mirta Gev«, sagte er. Leia rührte sich, wie um sie aufzuhalten. »Nein, lass sie.«

Und das Mädchen kam der Aufforderung nach. Sie beugte sich vor, nahm den Blaster, die rechte Hand um den Griff geklammert, die Linke darunter gewölbt, um die Waffe ruhig zu halten, und zielte auf Fett.

Fett griff mit beiden Händen langsam nach oben und nahm den Helm ab.

Er war grauhaarig und vernarbt und hart. Es war das erste Mal überhaupt, dass Han das Gesicht seines Feindes sah. Es war ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte, und genau deshalb umso schockierender. Es war ein Gesicht, das so gefühllos war wie eine Steinplatte. Es hieß, dass einem das eigene Leben irgendwann ins Gesicht geschrieben stand, und Fetts Leben musste äußerst kalt, brutal und einsam gewesen sein.

»Nur zu«, sagte Fett. Er sah seine Enkelin geradewegs an. »Tu es.«

Verflucht, sie wird es tun... Jetzt weinte Mirta nicht mehr. »Ich sagte, tu es.«

Sie zielte fünf Sekunden lang auf ihn und - senkte dann den Blaster. Han fragte sich, ob Leia ihrem Verstand einen kleinen, sanften Schubs in die richtige Richtung gegeben hatte, beschloss jedoch, nicht danach zu fragen, jetzt noch nicht. Dann setzte sich Mirta auf das abgewetzte Sofa, den Blaster auf einem Knie, die Finger noch immer um den Griff gekrampft. Falls Han eine tränenreiche Versöhnung erwartet hatte, hatte er hier die falsche Familie vor sich. Fetts Eiswasserblut floss definitiv auch durch ihre Adern.

Leia musterte sie argwöhnisch, als würde sie erwarten, dass Mirta ihre Meinung änderte. Fett legte seine Rüstung wieder an und stand jetzt am Fenster, um die Polizeiaktivitäten in der Stadt dahinter zu verfolgen, seinen Blaster an seiner Seite.

Leia brach das Schweigen. »Jetzt, da sich alle wieder beruhigt haben, werde ich noch mal mit Jacen reden. Wir werden dafür sorgen, dass wir die Leiche abholen können, und dann könnt ihr gehen.«

Sie ging in die Küche hinaus, und Han folgte ihr, während er halb damit rechnete, dass er nun, da er Fett und Mirta den Rücken zudrehte, Blasterfeuer hören würde.

»Wann ist Fett eigentlich dein bester Freund geworden?«, flüsterte er. »Erinnerst du dich noch an diesen kleinen Urlaub, den ich dank ihm in Karbonit eingeschlossen verbracht habe? Okay, er hat uns gerettet, als die Vong.«

»Han, ich weiß nicht, wie ich dir das sagen soll, aber ich glaube, es ist Fett, der allen Grund hat, einen Groll gegen uns hegen.« Sie starrte auf das Komlink, als hätte sie Angst davor, erneut mit ihrem Sohn zu sprechen. »Ich bin mir nicht einmal sicher, ob du mir überhaupt glauben wirst.«

»Ich bin kein Gedankenleser. Was weißt du, was ich nicht weiß?«

»Jacen hat Fetts Tochter umgebracht. Persönlich.«

»Ja?« Han senkte seine Stimme noch weiter. »Das war Sinn und Zweck der Sache. Sie hatte vor, uns umzubringen.«

»Fr hat sie getötet, während er sie verhört hat.«

Han musste ein paar Sekunden lang darüber nachdenken. Mit jedem Tag, der verging, wurde Jacen mehr und mehr zu einem Fremden. Er wurde immer mehr zum Schlägertyp der Allianz, der Anführer ihrer Geheimpolizei, auch wenn das Ganze nichts sonderliches Geheimes an sich hatte.

Aber er brachte keine Gefangenen um. Das konnte er nicht. Bloß Monster machten solche Dinge. Jacen konnte kein Monster sein. Er war sein Sohn, sein süßer Junge.

»Nein.«

»Ich glaube, er hat sie gefoltert, Han.«

»Nein.«

»Siehst du jetzt ein, dass wir ein Problem haben?«

»Ich weigere mich, das zu glauben.«

»Denkst du, ich will das glauben? Wie kann irgendjemand hinnehmen, dass sich sein Kind in etwas Schreckliches verwandelt?«

»Es muss ein Einfall gewesen sein.«

»Das will ich auch glauben. Doch jetzt warte ich bloß darauf, dass Fett fragt, wer es getan hat, denn das wird er früher oder später wissen wollen. Du würdest es wissen wollen. Wir würden es beide wissen wollen.«

»Er hat die Frau das letzte Mal gesehen, als sie ein Baby war. Glaubst du. das kümmert ihn?«

»Ich gehe davon aus, dass es das tut. Familienmitglieder haben ihre Fehden untereinander, aber sobald sich ein Außenstehender einmischt, raufen sie sich zusammen. Was glaubst du wohl, was Fett tun wird? Dir die Hand schütteln und sagen: In Ordnung, Han, ich habe dich damals an Jabba den Hutten übergeben, und dein Sohn hat meine Tochter zu Tode gefoltert. Damit sind wir quitt... Glaubst du, dass er das sagen

wird?«

Hans kurze Erleichterung darüber zu wissen, dass Thrackan ihm und seiner Familie keine Schwierigkeiten mehr bereiten würde, wurde zusehends von der Angst ersetzt, dass Boba Fett ihn ganz oben auf seine Racheliste setzen würde. Fett stand in dem Ruf, niemals aufzugeben. Das hatte er noch nie getan.

Han lehnte sich gegen die Wand zurück, nicht sicher, was ihm mehr Angst machte: Boba Fett zum persönlichen Feind zu haben oder zu wissen, dass sich sein eigener Sohn in einen Killer verwandelt hatte. Er entschied sich für Letzteres.

»Jacen?« Leias Stimme war jetzt ganz ruhige Vernunft. Han fragte sich, wie sie das machte, aber sie war wesentlich zäher und gefasster, als er je hätte sein können. »Jacen, du musst etwas für mich tun. Es ist wichtig.«


BÜRO DES STAATSCHEFS, SENATSGEBÄUDE, CORUSCANT


»Nun«, sagte Cal Omas. »Und wohin führt uns das?«

Senator G'Sil rieb sich mit einer Hand die Stirn, und Jacen studierte ihn sorgsam. Luke seinerseits musterte Jacen. Er konnte die Aufmerksamkeit seines Onkels spüren, die auf ihm ruhte, seinen Argwohn, seine Furcht, sein Kalkül.

Es gibt nichts, was du dagegen tun kannst, Onkel Luke. Du hattest deine Chance. Jetzt werden wir die Dinge auf Sith-Art angehen.

»Das waren nicht wir«, beharrte G'Sil. »Der Geheimdienst hatte seine Finger bei der Ermordung von Sal-Solo definitiv nicht mit im Spiel. Dieser Mann hatte so viele politische Feinde, dass der corellianische Staatsschutz Verdächtige verhören wird, bis sich Mustafar in ein Wintersportgebiet verwandelt.«

»Aber wir haben immer noch Agenten in Coronet?«

»Natürlich haben wir das. Aber es ist trotzdem nicht unser Werk - wir wären nicht so dumm gewesen, den Corellianern auf diese Weise neue Verbündete zu verschaffen.«

»Man wird uns aber nicht glauben«, sagte Luke langsam.

Omas wirkte erschöpft. »Die Leute glauben, was sie glauben wollen. Also, mit wem müssen wir uns jetzt rumschlagen? Wer hat bei diesem mehrköpfigen Ungetüm von einem Koalitionskabinett wirklich das Sagen?«

»Dur Gejjen«, sagte Jacen. Also hat Dad es tatsächlich getan. Ich kann es nicht glauben. Er hat Thrackan umgebracht. »Bevor Sal-Solo getötet wurde, kam er zu meinen Eltern, mit einem Hinweis darauf, dass womöglich ein Regierungswechsel bevorstünde.«

Omas sah Luke an, als würde er von ihm irgendeinen Beitrag erwarten. »Was kann uns der Geheimdienst dann über ihn sagen? Ich kenne seinen Vater noch aus den Tagen der Menschenliga.«

»Gehen Sie nicht davon aus, dass er schneller die Waffen strecken wird als Sal-Solo«, sagte G'Sil. »Vergessen Sie das Attentat. Das Einzige, was sich dadurch ändert, ist, dass Corellia jetzt noch schneller weitere Verbündete findet. An der Gesamtsituation hat sich hingegen nichts geändert.«

»Wo steckt übrigens Niathal?«

Jacen sah auf. »Sie ist unterwegs hierher. Sie wird von den Kommandanten unterrichtet.«

Die Blockade zeigte Wirkung. Corellia konnte sich selbst ernähren, aber für alles, was hergestellt wurde, war es auf seine Industrieanlagen in der Umlaufbahn angewiesen, von denen es durch die Sperrlinien der Allianz nun größtenteils abgeschnitten war. Außerdem kostete sie das Raumjäger und

Schiffe: ohne die Reparatur- und Betankungsstationen in den Orbitalwerften, die ebenfalls erfolgreich isoliert worden waren, war Corellias Flotte ernsthaft geschwächt.

Jacen dachte darüber nach, wie er Ailyn Habuurs Leiche nach Corellia schaffen würde. Alleine konnte er die Blockade überwinden. Nein, sie war Ailyn Vel. Also hast du Fetts Tochter umgebracht. Er befehligt eine ganze Armee von Mandalorianern, die es mit den Yuuzhan Vong aufnehmen konnte. Geh ihm so lange aus dem Weg, wie du nur kannst. Wenn Fett beschwichtigt war, konnten seine Eltern zumindest auf Corellia leben, ohne die ganze Zeit über ihre Schulter schauen zu müssen. Er erwog, Fett zu erklären, dass er nicht die Absicht gehabt hatte, Ailyn umzubringen, aber wahrscheinlich wusste Fett gar nicht genau, wer sie getötet hatte, und es war besser für alle, es dabei zu belassen. Es gab keinen Grund, sich noch mehr Feinde zu machen.

Vergiss nicht, er ist Mandalorianer. Jähzornig und mit gutem Gedächtnis.

»Kannst du uns folgen, Jacen?«, fragte Luke.

Jacen kehrte ruckartig ins Hier und Jetzt zurück, ausnahmsweise einmal überrumpelt. »Verzeihung. Bloß ein logistisches Problem.«

»Der Jedi-Rat ist der Ansicht, dass wir formelle Gespräche mit der neuen corellianischen Regierung suchen und ihnen einen Ausweg anbieten sollten.«

»Das werden sie ablehnen.«

»Fragen kostet nichts«, sagte Luke. »Brauchen wir dafür die Zustimmung des Senats?«

»Technisch gesehen, ja«, antwortete Omas. »Aber im Hinblick darauf, dass mittlerweile über hundert Planeten ihre Abgeordneten aus Protest abgezogen haben, denke ich, dass die, die noch übrig sind, nichts dagegen einzuwenden haben, wenn wir es tun.«

Selbst wenn seine Miene grimmig war, schien Luke zuversichtlich zu sein, dass sie einen Durchbruch erzielen können würden. »Warum sollten Gejjen und seine Mitverschwörer Thrackan aus dem Verkehr ziehen, wenn sie keinen Kurswechsel wollen?«

»Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um einen Rivalen aus dem Weg zu räumen, als unter dem Deckmantel des Krieges«, sagte Jacen. »Vermutlich hat es gar nichts mit der Abrüstung zu tun, sondern allein mit alten, seit langem schwelenden Ressentiments.«

»Manchmal bin ich froh, dass ich bloß ein einfacher Farmersjunge bin«, murmelte Luke.

»Und offiziell befindet sich die Allianz mit niemandem im Krieg, Onkel.«

»Oh, das ändert natürlich alles. Denn offenbar denkt eine zunehmende Zahl von Planeten, sie befände sich im Krieg mit der Allianz.«

Omas unterbrach Luke. »Meine Herren, wenn sich die neue corellianische Führung weigert abzurüsten, dann bleibt uns keine andere Wahl, als den Kriegszustand auszurufen. Das würde die Rechtmäßigkeit der Situation ändern und uns andere gesetzliche Möglichkeiten an die Hand geben, um mit der Angelegenheit fertig zu werden.«

»Mehr Befugnisse.« Lukes Stimme war beinahe ein Flüstern.

»Mehr Notfallbefugnisse«, sagte Omas.

G'Sil sah Luke mit einem freundlichen Lächeln an, doch das konnte vor Jacen nicht im Geringsten verbergen, was der Senator dachte. Schwächling.

»Ich bin kein Geschichtsexperte«, sagte Luke. »Aber ich glaube, irgendwie waren wir schon einmal an diesem Punkt. Bevor ich geboren wurde, natürlich.«

»Wisst Ihr eine Alternative?«, fragte Omas. »Ich würde es wirklich begrüßen, würden mir die Jedi einen anderen Kurs aufzeigen. Im Augenblick sehe ich nämlich lediglich drei Optionen: zu erlauben, dass Allianzplaneten ihre eigenen unabhängigen Verteidigungsarmeen aufstellen,

weiterzumachen wie bisher oder wesentlich aggressivere Maßnahmen anzuordnen, um die Entwaffnung von Corellia zu erzwingen. Falls Ihr noch andere Möglichkeiten seht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie zur Sprache zu bringen.«

Luke schüttelte den Kopf. »Ihr wisst, dass ich das nicht tue. Aber ich kann auch nicht hier sitzen und meine Besorgnis für mich behalten.«

Jacen wandte den Kopf und fing für den Bruchteil einer Sekunde G'Sils Blick auf, und er wusste, dass sie genau dasselbe dachten. Nun, dein Gewissen ist rein, Onkel. Jetzt trägt jemand anders die Verantwortung dafür, nicht wahr?

Omas erhob sich und sammelte die Notizzettel auf seinem Schreibtisch ein. Das war die diplomatische Methode, mit der er bei jedem Treffen darauf hinwies, dass die Unterredung beendet war und er jetzt arbeiten musste. Jacen fragte sich, ob Omas jemals seine Faust auf diesen wunderschön intarsierten Schreibtisch donnerte. Er bezweifelte es.

»Ich werde formell an die neue corellianische Führung herantreten und ihnen Abrüstungsgespräche anbieten«, verkündete Omas. »Vielleicht erwartet uns alle eine Überraschung. Vielleicht hat die Blockade sie zur Vernunft gebracht.«

Jacen hoffte aufrichtig, dass es so war. Er wollte, dass die Ordnung wiederhergestellt wurde, und er mochte es nicht, von seinem Onkel verachtet zu werden. Er wandte sich an Luke, um sich zumindest höflich von ihm zu verabschieden, aber Luke marschierte mit einem formellen Kopfnicken an ihm vorbei und verschwand.

Ja, es tat weh. Aber ihm würden noch viele Dinge wehtun. Jacen akzeptierte das als Teil des Preises, den er zu zahlen hatte. Er aktivierte sein Komlink und rief O3P0 an.

»Dreipeo?« Wenigstens der Droide begrüßte ihn immer so, als wäre er erfreut, von ihm zu hören. »Hat Erzwo die Reparaturarbeiten am Falken abgeschlossen? Dann sag ihm, dass er sich beeilen soll. Ich fliege das Schiff zu Dad zurück.«