12.


Mirta Gev an Ailyn Habuur Kehre nach Coruscant zurück.

Habe von ihnen keine Antworten auf vorige Nachrichten erhalten

Bitte Treffpunkt bestätigen Habe das Feuerherz

Mirta Gevs Komlinktext an die Verdächtige Ailyn Habuur, abgefangen von der Signaleinheit der Garde der Galaktischen Allianz, zur Einschätzung weitergegeben an Colonel Solo


JACEN SOLOS APARTMENT, ROTUNDA-ZONE


Das Einzige, worauf man sich bei Corellianern verlassen konnte, war, dass sie sich, wenn man sie niederschlug, wieder und wieder und wieder aufrappelten.

Jacen war zu sehr mit den Antiterroroperationen beschäftigt gewesen, um zu spüren, was Thrackan Sal-Solo von einem strategischen Standpunkt aus unternehmen würde. Außerdem schien der Flottengeheimdienst die Sache unter Kontrolle zu haben. Aber er wusste, dass Centerpoint so lange ein Thema bleiben würde, wie die Station nicht vollkommen zerstört war, und an diesem Morgen enttäuschte sein Onkel ihn nicht.

Jacen hatte sich den Milliarden Coruscanti angeschlossen, deren Morgen jetzt damit begann, noch vor dem ersten Becher Kaff die HNE-Nachrichten einzuschalten, um zu sehen, wie dicht der Krieg bereits bevorstand.

HNE brachte gerade ein Interview mit Sal-Solo aus den corellianischen Holonachrichten, in dem der Staatschef verkündete, dass die Arbeiten, um die Centerpoint-Station wieder einsatzfähig zu machen, in Kürze anfangen würden.

Jacen war sich nicht sicher, ob Sal-Solo die Mittel hierfür besaß oder wie lange er brauchen würde, um sie zu beschaffen, aber der Zeitpunkt war perfekt gewählt. Wenn das die Allianz nicht davon überzeugte, die Corellia-Blockade zu autorisieren, dann würde es gar nichts tun. Einen Schlag gegen die corellianischen Industrieorbiter zu führen hätte wesentlich schneller wesentlich mehr gebracht, aber er wusste, dass eine Blockade mit der Zeit dieselben Resultate erbringen konnte.

Zeit bedeutet Leben. Zeit bedeutet noch mehr Chaos. Wir denken immer, dass die Zeit die Dinge klären wird, aber das hat sie nie getan.

Er vergaß den Gedanken an Kaff und Frühstück, ließ Ben nach der Operation von letzter Nacht weiterschlafen und begab sich geradewegs zum Senat. Niathal - seit jeher eine Frühaufsteherin - war noch vor ihm da. Er fand sie in Omas' Büro, und er wusste, dass die Admiralin und er dasselbe im Sinn hatten.

Omas betrachtete den Holoschirm, der jetzt permanent in seinem Privatbüro lief.

»Diplomatie durch die Holonachrichten«, sagte er gereizt.

Niathal bedeutete Jacen mit einem Nicken, sich neben sie zu setzen, ein wenig psychologische Zurschaustellung von Einigkeit vor ihrem unwilligen Staatschef. »Haben Sie vielleicht gedacht, Sal-Solo würde zum Komlink greifen und uns fragen, ob es in Ordnung ist, die Arbeit an Centerpoint wiederaufzunehmen?«

Jacen warf ihr einen diskreten Blick zu. Ihr Gesichtsausdruck ließ sich allmählich ebenso leicht lesen wie ihre Emotionen. Sie

war zufrieden.

»Ich glaube nicht, dass uns eine andere Wahl bleibt«, sagte er. »Wir können das nicht ignorieren.«

»Ich hasse diese Redensart.« Omas fuhr die Lautstärke herunter. »Weil sie dieser Tage für gewöhnlich zutreffend ist.«

»Wir werden zwei Flotten brauchen, um Corellia zu isolieren«, sagte Niathal. »Ich bitte Sie um die Erlaubnis, die dritte und vierte Flotte von ihren Manövern im Outer zurückbeordern zu dürfen.«

Omas' Miene spiegelte erschöpfte Resignation wider, doch die Schärfe in seiner Stimme sagte etwas anderes. »Dazu brauche ich zuerst die Genehmigung des Senats.«

»Es kostet Zeit, zwei Flotten in Position zu bringen, um mit einer Blockade zu beginnen. Sie kümmern sich um die erforderlichen Senatsverfahren, und wir nehmen uns der Logistik an. Dann sind wir bereit, uns in Marsch zu setzen, sobald die Genehmigung erteilt wurde.«

»Wir?«, fragte Omas betont und sah Jacen an.

»Die Streitkräfte«, sagte Niathal steif.

Nun, endlich habt Ihr es kapiert, Staatschef, dachte Jacen. Ja, wir haben uns für eine Seite entschieden, und sie ist nicht die Eure.

»Nicht so vorschnell«, sagte Omas. »Ich muss diese Angelegenheit mit einem Dringlichkeitsantrag einbringen. Wir müssen den Rest der Allianz hinter uns haben.«

Aber soweit es Niathal betraf, war das Ganze eine ausgemachte Sache. Jacen folgte der Admiralin nach draußen in den Korridor und in ihr Büro am hinteren Ende des Flurs. Sie sprachen nicht, bis sich die Türen hinter ihnen geschlossen hatten und sie eine Tastenfolge in ihrem Schreibtisch gedrückt hatte.

»Bloß zur Sicherheit«, sagte sie. »Diese Leitung geht nicht über das Flotten-Kommunikationszentrum.«

»Sie rufen diese beiden Flottenverbände zurück, nicht wahr?«

»Ich brauche die Erlaubnis des Senats nicht, um Truppenkontingente in Marsch zu setzen, die bereits für Manöver bewilligt wurden.«

»Also holen Sie sie nur zu Übungszwecken zurück nach Hause - hierher.«

»Fast.« Sie drückte einige weitere Tasten. »Ich will dem Feind keine Gelegenheit geben, sich auf eine Blockade vorzubereiten. Das würde das Ganze bloß in die Länge ziehen. Ich habe bereits Pläne für die Blockade entworfen.«

»Totale Exklusionszone?«

Jacen dachte an die Unmengen von Industrieorbitern, die um den Planeten kreisten.

»Das heißt, wir müssen zwei Blockadefronten einrichten.«

»Deshalb brauche ich beide Flotten. Ich werde die Flottenkommandanten über den Plan in Kenntnis setzen. Dann halten sie sich ein paar Sprungstunden von Corellia fern und sind bereit, in dem Moment auszurücken, in dem der Senat uns die Erlaubnis erteilt.«

»Sind Sie sicher, dass sie denen trauen können?«

»Die Kommandanten sind beide Mon Calamari. Ja, ich vertraue ihnen.«

»Omas bekommt kalte Füße.«

»Die können so kalt werden, wie sie wollen, aber Sal-Solo weigert sich nicht bloß, die Waffen abzugeben, er rüstet auf.

Ich denke, das wird ihm die Aufmerksamkeit der Allianz einbringen.«

Jacen vernahm Lumiyas Stimme in seinem Innern, die ihn an die Unvermeidlichkeit all dessen erinnerte, und dass er imstande war, der Galaxis Ordnung zu bringen, wenn er sich in seine Rolle fügte - seiner Verantwortung gerecht wurde.

Er dachte an die fünf Jahre, in denen er jede erdenkliche arkane Lehre der Macht-Philosophie studiert hatte, und fragte sich, was Lumiya ihm noch beibringen konnte, um ihm den Status eines Sith-Meisters einzubringen. Er konnte sich nichts vorstellen. Also erwog er einfach nur die dürftigen Ideen und Gedanken, die in seinem Verstand aufwallten, ohne ihren Ursprung oder ihre Richtigkeit zu kennen, aber willens zu akzeptieren, dass seine Intuition womöglich der Schlüssel war.

Er ließ sich von seinem Instinkt leiten, nicht von seinem Intellekt.

Fühlen, nicht denken.

Das hatten ihn sogar die Jedi gelehrt.

Siehst du, du betrachtest dich selbst nicht länger als Jedi.

Jacen wusste nicht, wessen Stimme das war - seine, Lumiyas, die von jemand vollkommen anderem -, aber er gab ihr nach.

»Ich würde gern meinen Beitrag zu der Blockade leisten«, sagte er.

Niathal projizierte eine Holokarte des corellianischen Systems an die Wand und trat zurück, um sie zu betrachten. »Sie sind Kampfpilot, nicht wahr? Wie Ihre Schwester.«

»Ich möchte ein Kommando übernehmen.«

»Über ein Schiff?«

»Über ein Geschwader. Ich verwirre Sie, oder?«

»Ich dachte, Sie hätten bereits ein ziemlich beachtliches Kommando als Leiter der Garde der Galaktischen Allianz.«

»Ich würde gern zeigen, dass ich bereit bin, an der Front zu kämpfen«, sagte Jacen.

»Nun, aufgrund Ihrer Kampfbilanz weiß das jeder.«

»Dabei ging es nicht gegen den Heimatplaneten meines Vaters.«

»Abi, die ultimative Loyalitätsprüfung«, sagte Niathal. »Wenn Sie so wollen.«

»Nun gut. Sie können vorübergehend das Kommando über eine Einheit übernehmen. Hierzu wird auch das Geschwader gehören, das Ihre Schwester befehligt. Es ist zwar ungewöhnlich, dass ein Colonel unter einem anderen dient, aber dergleichen kommt vor. Wenn das nicht zeigt, dass die Nation für die Solos vor ihrer Familie kommt, dann weiß ich nicht, was sonst.«

Es ist mehr als das. Ich brauche die Anerkennung und Unterstützung von mehr als einem Admiral. Außerdem brauche ich eine Basis dafür, dass sie mich als einen der ihren betrachten, nur für den Fall, dass Sie nicht auf ihre Loyalität zählen können - oder Ihre Meinung in Bezug auf mich ändern.

»Vielen Dank, Admiralin.«

Admiralin Niathal schenkte ihm ein zugeknöpftes Lächeln und schob mit der Bewegung eines Fingers SchlachtschiffSymbole auf ihrer Karte umher.

»Dann ist es an der Zeit, die Manöver zu beenden.« Die Symbole waren zu einem dreidimensionalen Netz um Corellia geworden, um den Planeten von seinen Industrieanlagen zu trennen, die sich komplett auf Stationen in der Umlaufbahn hoch über der angenehm ländlichen Welt befanden. Der Wunsch der Corellianer, die unberührte Landschaft frei von Industriegebieten zu halten, machte sie jetzt sehr angreifbar. »Ich breche die Manöver fünf Tage früher als geplant ab. Dann wissen die Kommandanten, was ich im Sinn habe.«

Niathal ging zu ihrem Komtisch, und die Nachricht, die den

Krieg letztlich ausbrechen ließ, war ironischerweise eine, die normalerweise dazu benutzt wurde, um Militärmanöver zu beenden.

Jacen behielt den kleinen Schirm im Auge, als das Verschlüsselungsprogramm den Reintext in einen sicheren Algorithmus umwandelte.

MANÖVERENDE MANÖVERENDE MANÖVERENDE.

»Manöverende«, sagte Niathal. »Und der Beginn des echten Krieges.«


Slave I, MIT KURS AUF CORELLIA


»Was geht dir durch den Kopf?«, fragte Fett.

Mirta kaute weiter auf ihrer Unterlippe. Es war eine eher unauffällige Angewohnheit, aber Fett war wachsam, was Kleinigkeiten betraf. Das mussten Jäger sein. »Wo fliegen wir hin?« »Nach Corellia.« »Sie sagten Coruscant.«

»Nein, du hast Coruscant gesagt.« Fett schaltete den Navigationsschirm auf eine 3D-Holokarte um, sodass sie über der Konsole vor dem Sichtfenster schwebte. »Ich muss zuerst etwas Geschäftliches auf Corellia erledigen.«

Sie verstummte, und da sie auf dem Flug ohnehin nicht viel gesagt hatte, kümmerte ihn das nicht weiter. Aber irgendetwas hatte sie durcheinandergebracht.

Vielleicht waren es die Nachrichten, die sie weiterhin nach Coruscant schickte. Ailyn antwortete nicht. Fett fragte sich, wann Mirta dahinterkommen würde, dass es Teil des

Sicherheitssystems des Schiffs war, Mitteilungen von und an die Slave l - selbst jene, die über private Komlinks gingen - zu überwachen. Möglicherweise war es an der Zeit, Mirta ein wenig aufzurütteln.

»Ich habe den Kontakt zu meiner Klientin verloren«, sagte Mirta schließlich.

Ein Punkt für ihre Ehrlichkeit. »Vielleicht will sie nicht bezahlen. Geht es nur um die Halskette, oder hast du auch noch Informationen für sie?«

»Auch Informationen.«

»Du warst doch nicht so dumm, ihr diese Daten per Komlink zu übermitteln, oder?«

»Nein.«

»Dann wird sie bezahlen.«

»Ich - ich mache mir mehr Sorgen um ihre Sicherheit. Sie war wegen eines Auftrags unterwegs.«

Ich weiß. »Ja, tote Klienten zahlen nicht.«

»Exakt.« Aber ausnahmsweise klang Mirtas Stimme kleinlaut und ängstlich. Vielleicht war sie doch nicht ganz die erfahrene Kopfgeldjägerin, als die sie sich gab.

Fett gelangte zu dem Schluss, dass Ailyn zu gerissen war. um Übertragungen zu riskieren, wenn sie auf jemanden wie Han Solo Jagd machte. Immerhin war sie seine Tochter. Und nur wenige Kopfgeldjäger verdienten genug Credits, um sich Fetts Standard an gesicherter Kommunikationsausrüstung leisten zu können. Sie war dort draußen, irgendwo.

Er aktivierte sein eigenes Komlink. Es spielte keine Rolle, ob Mirta es hörte. »Beviin«, sagte er. »Beviin, ich habe einen Auftrag, über den ich mit dir reden will.«

Es dauerte eine Weile, bis Beviin antwortete. »Mand'alor?«

»Beviin, Thrackan Sal-Solo will, dass wir für ihn kämpfen. Die

Centerpoint-Station verteidigen.«

»Ja, es ist überall in den Nachrichten. Er war heute Morgen auf HNE und hat verkündet, dass sie die Station schon wieder neu aufbauen. Bald wird ein Krieg ausbrechen. Solos Sohn ist der Leiter der Geheimpolizei der Allianz, und die Corellianer sind darüber wirklich a'denla...«

»Trommel so viele Kommandotruppen zusammen, wie du kannst. Wir treffen uns in zwei Tagen auf Drall, in Halins Bar.«

»Die wurde vor fünf Jahren dichtgemacht. Wie war's mit dem Zerria? In derselben Straße.«

Ich bin nicht mehr auf dem Laufenden. Zu lange auf Taris. »In Ordnung, dann im Zerria.«

»Bis dahin bekomme ich ein halbes Dutzend zusammen. Fast alle anderen sind nach Mandalore zurückgekehrt.«

Sechs? Sechs! Zu beschäftigt, um ihre Pflicht zu erfüllen? »Warum?«

»Es ist Erntezeit. Ziemlich viele von uns haben Farmen.«

»Sollen sich darum nicht eigentlich die Frauen kümmern?« Beviin hatte eine Adoptivtochter. Fett konnte sich nicht an ihren Namen erinnern, aber er war sicher, dass sie alt genug war, um eine Farm zu betreiben. »Was ist aus der schnellen Eingreiftruppe geworden?«

Beviins Tonfall wurde merklich kühler. »Wenn ein richtiger Krieg im Gange wäre, wären wir verdammt schnell.«

Die Vorstellung, dass seine mandalorianischen Truppen mit etwas so Banalem wie Farmarbeit beschäftigt waren, verwirrte Fett beinahe. Er hatte nie groß darüber nachgedacht, was sie taten, wenn sie nicht im Einsatz waren. Aber sie hatten Ehefrauen und Kinder und Leben.

»Dann komm mit allem, was auch immer du in zwei Tagen auftreiben kannst.«

Fett unterbrach die Verbindung. Mirta starrte ihn an, sichtlich erschrocken.

»Also bist du nicht damit einverstanden, für Corellia zu kämpfen?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich dachte nur, dass Sie nicht viel darüber wissen, was auf Ihrem eigenen Planeten vorgeht, wenn man bedenkt, dass Sie der Mandalore sind.«

»Ich lebe nicht einmal dort.«

»Die Yuuzhan Vong haben dem Mandalore-Sektor genauso übel mitgespielt wie jedem anderen, Fett.« Es war das erste Mal, dass sie ihn mit seinem Namen ansprach. »Alle sind immer noch mit den Wiederaufbauarbeiten beschäftigt. Wissen Sie, was Ihr Name bedeutet? >Farmer<. Vhett. Das ist Mando'a für >Farmer<.«

»Das weiß ich.« Dad stammte von Concord Dawn. Er sagte, seine Familie lebte als Grenzfarmer. Wie ist er dann an einen mandalorianischen Namen gekommen? »Ich selbst bin allerdings eher der Blaster-und-Raketenrucksack-Typ.«

»Wie können Sie ein Volk führen, wenn Sie nicht das Geringste darüber wissen?«

»Es ist kein Volk, und ich führe es nicht. Ich bin ein Repräsentant, wenn sie mich nicht zum Kämpfen brauchen, und ein Heerführer, wenn sie es tun.«

»Ein Söldner für Ihre eigenen Leute.«

»Die Ironie dabei ist mir nicht entgangen.«

»Sie sind nicht auf dem Laufenden. Viele Mandalorianer kehren nach Hause zurück.«

Nach Hause. »So viele sind es nicht. Und was ist schon ein Zuhause?«

»Sie haben keine Ahnung, wie viele Mando'ade es gibt, oder? Jede Menge. Nicht bloß Ihre Truppen und Kopfgeldjäger.

Leute, die ihre Kultur überall in der Galaxis am Leben erhalten haben. Genau, wie Ihr Vater von Jaster Mereel adoptiert wurde, wird die Kultur weitergegeben.«

»Du weißt eine Menge über mich.«

»Offensichtlich mehr, als Sie über sich selbst wissen.« Mirta war tatsächlich wütend. Ihre Stimme war schroffer und um eine Tonlage höher geworden. »Mein Dad hat gesagt, ein Mandalor sollte wie ein Vater für sein Volk sein.«

»Ich habe es nicht nötig, mir von einem Kind eine Lektion in Sachen Verantwortung erteilen zu lassen.«

»Nun, Ihre Tochter wollte Sie umbringen, weil Sie sie und ihre Mutter im Stich gelassen haben, also nehme ich an, dass Verantwortung nicht gerade Ihre starke Seite ist.«

Fett war es gewohnt, dass die Leute Angst, Hochachtung oder Ehrfurcht vor ihm hatten. In seinem Erwachsenenleben hatte er nicht viel Missachtung erlebt - nicht lange jedenfalls. Mirta schien es nicht zu kümmern, ob er sie aus der Luftschleuse warf oder nicht.

Mein eigenes Kind. Ich hatte das, was sich Dad so sehnlich wünschte, und ich habe es weggeworfen.

»Ich war sechzehn«, sagte er, »Sintas war achtzehn. Die einzigen Frauen, die ich als Kind kannte, waren eine Kaminoanerin und eine Formwandler-Kopfgeldjägerin. Das prädestiniert einen nicht gerade zum Familienmenschen. Ich hab's versucht.«

»Sicher.«

Fett ließ nie zu, dass er wütend wurde. Um wütend zu sein, musste einem etwas wichtig sein, und die einzige Person, die ihm jemals wichtig gewesen war, war sein Vater.

Aber dieses Mädchen hatte einen Nerv getroffen. »Vielleicht wäre aus mir ein netter Kerl geworden, wenn ein Jedi meinem

Vater nicht vor meinen Augen den Kopf abgeschnitten hätte.«

»Es ist schwer, ein Elternteil zu verlieren.«

»Wo sind deine?«

»Mein Vater ist tot.«

»Deine Mutter?«

»Hab sie seit einer ganzen Weile nicht gesehen.«

»Du wirst später genauso verbittert sein wie ich, Mädchen.«

»Das bin ich schon«, sagte Mirta. »Das bin ich schon.«

Es gab nicht mehr zu sagen. Er hatte bereits zu viel gesagt. Und er musste Beviin warnen, nicht zu erwähnen, dass sie alle wussten, dass Ailyn Jagd auf Han Solo machte. Er setzte Kurs auf Drall und fragte sich, was er zu Ailyn sagen sollte, wenn er sie schließlich einholte.

Zum ersten Mal in seinem Leben nahm er an, dass es »Es tut mir leid« sein würde.


KAMMER DES HOHEN RATES, JEDI-TEMPEL, CORUSCANT


Luke wusste, dass die Ereignisse den Punkt erreicht hatten, an dem er nichts mehr tun konnte, um die Allianz von einer Konfrontation mit Corellia abzubringen. Jetzt ging es bloß noch um Schadensbegrenzung. Eine Blockade war dabei die am wenigsten zerstörerische Option.

Er hatte sich bereits entschieden, keinen Druck auf Cal Omas auszuüben, um ihn dazu zu bringen, einen Rückzieher zu machen. Er war sich nicht einmal sicher, dass Omas dazu in der Lage war, selbst wenn er es wollte. Der Jedi-Rat saß in grimmiger Runde beisammen, wie er es im Laufe der Jahrtausende im Angesicht des Krieges so viele Male hatte tun müssen, und schien eine Antwort von ihm zu erwarten.

Anwesend war auch Corran Horn, Corellianer, starrköpfig, aber mit einer sehr gelassen wirkenden Art. Zumindest hatte Jacen den Anstand besessen, bei seinen Internierungsaktionen keinen ranghohen Jedi-Meister festzunehmen.

»Ich denke, wir haben die diplomatischen Möglichkeiten ausgeschöpft«, sagte Luke.

»Eine Blockade wird nur dafür sorgen, dass andere Welten Sympathien für Corellia zeigen«, sagte Horn. »Und glaubt nicht, dass ich das aus reinem Wunschdenken heraus sage, weil ich Corellianer bin. Ich deute bloß die Stimmung wie alle anderen auch.«

»Corellia direkt anzugreifen wird nicht das Geringste ändern. Und Corellia seinen Willen zu lassen, wird jede andere Regierung darin bestärken, ihrem Beispiel zu folgen.«

»Dann ist die einzige Frage, die bleibt, welche Rolle dem Jedi-Rat bei alldem zufällt.«

»Dieselbe wie immer«, sagte Kyle Katarn. »Nach einer friedlichen Lösung zu suchen, aber bereit, für die Allianz zu kämpfen, wenn es nötig ist.«

Cilghal unterbrach ihn. »Mit allem Respekt, Meister Skywalker, es gibt da eine Frage, die wir alle offenbar nur ungern zur Sprache bringen möchten.«

»Die da wäre?«

»Die Taten von Jacen Solo.«

Luke wich Maras Blick aus. Sie saß auf einer Seite, schaute konzentriert auf ihr Datenpad auf dem Tisch vor ihr und machte keinen Gebrauch von ihrer Funktion als Schriftführerin des Rates, um Cilghal zu bitten, die Frage formell zur Diskussion zu stellen. Mara war noch nie jemand gewesen, der das Protokoll sklavisch befolgte.

»Wenn Ihr das zur Sprache bringen wollt, lasst uns genauer werden.« Luke kämpfte den Reflex nieder, sich zu Mara umzudrehen und zu sagen: Siehst du? Ihnen ist es ebenfalls nicht entgangen! Er wusste genau, was er gesehen hatte. Der einzige Grund, warum er nichts dagegen unternahm, waren seine eigenen familiären Interessen, sein persönliches Verlangen nach Eintracht mit Ben und Mara. Und das genügt nicht. »Ich denke, wir alle wissen, dass Jacen an Razzien in der corellianischen Gemeinde beteiligt war.«

»Da Ihr so frei seid, das zu erwähnen, darf ich vielleicht fragen, ob Ihr keine Bedenken habt wegen eines Jedi, der in dieser Weise gegen Zivilisten vorgeht?« Cilghal wand sich sichtlich, aber Luke bewunderte ihre Courage, ihm die Stirn zu bieten, obwohl niemand sonst gewillt zu sein schien, anzumerken, dass sich sein Neffe nach Jedi-Normen - nach jedermanns Normen - unangemessen verhielt. »Und deswegen nicht, dass Ihr eigener Sohn ihn begleitet?«

Ich bin der Großmeister. Ich habe meine Pflicht zu erfüllen. Es tut mir leid, Mara.

»Ich bin darüber zutiefst besorgt.«

Es folgte ein kollektives Einatmen.

»Ist das so?«, sagte Kyp Durron.

»Ich habe keine Kontrolle über Jacen. Er bewegt sich außerhalb des Jedi-Ordens, und er ist nicht Bens Meister, und Ben ist nicht sein Schüler.«

Luke konnte fühlen - und sehen -, wie sich elf Augenpaare auf Mara richteten. Luke wusste, dass es unfair war, eine Familienstreitigkeit vor dem Hohen Rat auszufechten, aber dies hier war nicht länger eine simple Meinungsverschiedenheit über die Erziehung ihrer Kinder. Jacen wendet sich der Dunklen Seite zu. Ich muss den Mut haben, zu meinen Überzeugungen zu stehen.

Mara schaute auf, und ihr Gesichtsausdruck war wie

Permabeton in neutraler Ruhe erstarrt. »Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an dieser Diskussion beteiligen sollte. Ich bin persönlich davon betroffen.«

»Dann formuliere ich es anders«, sagte Katarn. »Es ist eine Schande für den Jedi-Orden zu sehen, wie der Sohn und der Neffe des Großmeisters zusammen mit schwarz gerüsteten Troopern Türen eintreten.«

»Aber Ihr erkennt an, dass die Garde der Galaktischen Allianz rechtmäßig handelt?«

»Unangebracht, aber rechtmäßig, ja.« Katarn und Cilghal hatten sich jetzt offenbar zusammengetan, wohl erleichtert darüber, dass sie sich das Ganze nicht bloß einbildeten. »Es ist die Beteiligung von Jedi daran, die uns am meisten Unbehagen bereitet.«

Ah. Uns. In diesem Moment war Luke hin und her gerissen: Entweder musste er seine Frau demütigen oder aufgrund seiner persönlichen Ängste den Hohen Rat täuschen. Es spielte keine Rolle, dass sein Wort hier Gesetz war. Er wusste, dass er sich auf dünnem Eis bewegte.

»Mir auch«, sagte er schließlich. »Ich werde Ben bitten, sich von Einsätzen der Garde fernzuhalten.«

»Er ist dreizehn«, sagte Durron. »Ihr solltet es ihm verbieten.«

Mara sagte nichts, aber Luke konnte spüren, wie es in ihr brodelte. Er wusste, was passieren würde, wenn die Zusammenkunft vorüber war. Aber sie hatte die Gnade, nicht vor dem Hohen Rat mit ihm zu streiten.

»Jacen ist in der Öffentlichkeit eindeutig sehr beliebt«, fügte Durron vorsichtig hinzu. »Und mehr als einer von uns in dieser Kammer war er einigen Extremen ausgesetzt und ist unbeschadet daraus hervorgegangen. Also sollten wir uns vielleicht bemühen, ihm dabei zu helfen, sich mehr mit dem Orden zu identifizieren.«

»Was bedeutet?«, fragte Luke.

»Es ist an der Zeit, dass er zum Meister wird. Wir alle wissen, wozu er in der Lage ist.«

Mit einem Mal hatte Luke ein Bild seines Vaters vor Augen.

Sein Gefühl eines Deja-vu-Erlebnisses war sowohl tröstlich, weil sein Vater erlöst worden war, als auch erschreckend -erschreckend deshalb, weil auch Vader einst ein Jedi-Wunder-kind gewesen war, ein bescheidener junger Mann, und dennoch hatte die Dunkle Seite ihn für sich gefordert. Und es war gut möglich, dass sie auch Anspruch auf Jacen erheben würde. Luke konnte es spüren.

Es ist nicht die Frustration darüber, kein Meister zu sein. Er wendet sich der Dunklen Seite zu. Und die Dunkelheit, die ich spüre, geht nicht allein von ihm aus.

Luke fragte sich, warum Lumiya zurückgekehrt war. Bestimmt nicht um zu sehen, wie sehr sich ihr alter Heimatplanet verändert hatte, seit sie fortgegangen war.

Aber dies war nicht der richtige Zeitpunkt, Lumiya zur Sprache zu bringen. Er wandte seine Gedanken wieder Jacen und seinem Status innerhalb des Ordens zu.

»Lasst mich darüber nachdenken«, sagte er.

Kurz darauf endete das Treffen. Mara sagte nichts zu Luke, bis sie in ihrem Speeder saßen, auf dem Rückweg zu ihrem Apartment.

»Ich will, dass Ben sich von Jacen fernhält«, sagte Luke.

»Liebling, darüber haben wir bereits gesprochen.«

»Es tut mir leid, dass das Thema bei der Versammlung zur Sprache kam, aber ich kann das einfach nicht länger ignorieren. Das muss jetzt ein Ende haben. Kein Dreizehnjähriger sollte

zusammen mit Jacens Geheimpolizei an Razzien teilnehmen.«

»Oder überhaupt mit Jacen zusammen sein, stimmt's?«

»Mara, jeder sieht es.«

»Er hat eine unglückliche Liebesbeziehung.«

»Eine unglückliche Liebesbeziehung? Er interniert Corellianer! Du hast Cilghal gehört. Ich habe mir das nicht eingebildet. Hast du mit Leia gesprochen? Oder mit Han?« Erwähn Jaina nicht. »Seit Tagen habe ich von meiner Schwester und meinem besten Freund kein einziges Wort mehr gehört. Wenn du wirklich allen Ernstes glaubst, dass mit Jacen derzeit nichts Seltsames oder Besorgniserregendes vorgeht, dann aktivier das Komlink und ruf Leia an und frag sie, was sie darüber denkt.«

»In Ordnung, und wenn sie sagt, ja, ihr Sohn verwandelt sich in Palpatine, was tun wir dann? Sollen wir Ben unter Treten und Schreien von ihm wegzerren?«

»Wenn das nötig ist, ja.«

»Wann hast du das letzte Mal mit Ben geredet?« Vor zu langer Zeit.

»Nun, ich spreche fast jeden Tag mit ihm, und er ist ein anderes Kind geworden. Er ist glücklich, er ist respektvoll, er ist ruhig. Er ist erwachsen geworden, Luke. Das ist Jacens Werk.«

»Nun, gut gemacht. Jacen. Ich will trotzdem nicht, dass unser Junge von ihm ausgebildet wird.«

»Dann kannst du Ben sagen, dass er wieder ganz am Anfang steht.«

»Das mache ich.«

»Und dann kannst du dir überlegen, wer ihn dann unter seine Fittiche nimmt.«

»Vielleicht werde ich das für eine Weile übernehmen.«

»Oh, das wird sicher prächtig funktionieren.«

Und das war genau der Grund, der sie zu diesem Punkt gebracht hatte: Weil es niemanden anderen gab, der mit Ben so umgehen konnte wie Jacen. Luke war keinen Schritt weitergekommen. Aber er konnte Jacen bitten, ihn nicht mehr zu Razzien mitzunehmen.

Aber was Jacen anging. Er konnte ihm nichts anhaben. Sein hartes Durchgreifen beruhigte die Bürger. Und selbst, wenn ihn der Orden der Jedi rauswarf - ihnen standen in einem solchen Fall entsprechende Möglichkeiten zur Verfügung -, wäre Jacen noch immer ungemein stark in der Macht, und das konnte ihm niemand nehmen.

Vermutlich war es in diesem Fall besser, wenn er im Glashaus saß und mit Steinen warf, als draußen. Jedenfalls fürs Erste.

Mara war nicht dumm. Also warum wollte sie nicht zugeben, dass Jacen gefährlich war?

»Es gibt da noch etwas anderes, das du wissen musst, Liebling«, sagte Luke. »Und es ist nichts Gutes.«

»Schlimmer als das hier kann's nicht sein.«

»Vielleicht doch.« Die Zeit war gekommen. Luke konnte damit nicht länger hinterm Berg halten. Er war dankbar für die Autonavigationsstraßen von Coruscant, da er bezweifelte, dass er in diesem Moment ohne Hilfe auch nur geradeaus hätte fliegen können. »Lumiya ist zurück. Ich weiß nicht, wo sie ist oder wie das sein kann, aber sie ist zurück.«