11.


Heute hat Staatschef Cal Omas neue Notfallmaßnahmen autorisiert, um der weiterhin anhaltenden Unruhen in Galactic City Herr zu werden. Inhaber corellianischer Pässe haben jetzt 48 Stunden Zeit, um sich bei ihrer lokalen CS-Polizeiwache einzufinden und sich entweder für die Rückführung nach Corellia zu entscheiden oder interniert zu werden. Senatsrepräsentanten von Altyr 5, Obreedan und Katraasü haben dieses Vorgehen verurteilt. Unterdessen haben in der Nacht Antiterroreinheiten Wohnhäuser im Adur-Viertel durchsucht und dabei Sprengstoffe und Blaster sichergestellt. Zehn Männer und drei Frauen sind der Verschwörung zum Zwecke von Bombenanschlägen angeklagt worden.

HNE-Mittagsnachrichten


HAUPTQUARTIER VON ARKANIAN MICROTECHNOLOGIES, VOHAI


Wenn irgendeine Außenabschirmung eine Schwachstelle aufwies, dann würde Boba Fett sie finden. Und er fand sie.

Er beobachtete einen kleinen Vogel - einen Kolibri von hellem Scharlachrot -, der oben auf der Spitze des vier Meter hohen Begrenzungszauns saß, der in einer Länge von sechs Kilometern um das Hauptquartier von Arkanian Micro herum verlief, und ihm fiel auf, dass die Wachen im Pförtnerhaus keinerlei Reaktion darauf zeigten.

Offenbar gab es keinen Bedarf für ein Sicherheitssystem, das so sensibel war, dass Vögel es auslösen konnten. Und wenn ein Vogel über diesen Zaun gelangen konnte, dann

konnte Fett das ebenfalls.

Die Sicherheitskameras deckten nicht viel mehr ab als hundert Meter rings um jedes bewachte Tor. Es hing alles von den Sensoren ab, die ein Eindringen über jeden unbeaufsichtigten Punkt entlang des Zauns oder darüber hinweg registrierten, und das war ein Schwachpunkt für einen Mann mit einem modifizierten Disruptor.

Die Sensoren bildeten eine schmale, bewegungsempfindliche Ellipse an der gesamten Länge des Zauns entlang, die in Bodenhöhe generiert wurde und sich jeweils zwei Meter nach vorn und hinten erstreckte sowie -falls die Daten, die die Scanner der Slave / beim Vorbeiflug im Orbit aufgefangen hatten, korrekt waren - zweihundert Meter nach oben, um Überfälle aus der Luft zu verhindern.

Oder um Eindringlinge mit Raketenrucksäcken aufzuhalten natürlich. Fett nahm das nicht persönlich.

Allerdings reagierten die Sensoren nicht auf kleinere Objekte. Fett hielt sich von der Zweimeterlinie fern und holte zwei lange Drähte mit Griptionsklemmen hervor. Einen davon warf er aus wie ein Angler; aus Schulterhöhe ließ er den Draht davonschnellen, genau wie er es getan hatte, als er als Kind vom Landefeld seines Zuhauses in Tipoca-Stadt aus Deeves geangelt hatte. Die Klemme schnappte am Maschendraht des Zauns fest, klein wie eine Garnele. Dann warf Fett den anderen Draht zwei Meter den Zaun entlang, um eine zweite Griptionsklemme anzubringen.

Jetzt verfügte er über zwei leistungsfähige Leitungen, die es ihm ermöglichten, seinen Disruptor anzuschließen, ohne das Sensorfeld zu durchbrechen. In der von den Drähten geschaffenen Bucht stehend, stöpselte er sie in die Verkleidung des Disruptors ein und drückte den Knopf. Jetzt war er schon so gut wie drinnen. Soweit es das Aufspürsystem anging, war dies ein unangetasteter Außenbereich; tatsächlich wirkten die Drähte wie eine Schleife im Zaun, und der überbrückte Zaunbereich selbst existierte sozusagen gar nicht mehr.

Fett justierte die Steuerungselemente an seinem Raketenrucksack und sauste über den Zaun, um vorsichtig innerhalb des überbrückten Gebiets zu landen. Er prägte sich den Bereich ein, den man nur ausmachen konnte, wenn man nach den Griptionsklemmen Ausschau hielt. Der handflächengroße Disruptor selbst ruhte unauffällig im Gras dahinter.

Fett sprintete zur Deckung der Mauer und flog hoch auf das Flachdach. Normalerweise hätte er seinen Enterhaken abgefeuert und wäre geklettert, aber jetzt kam es auf Tempo an, und das war den zusätzlichen Treibstoff für den Raketenrucksack wert. Dann lag er flach auf seinem Bauch und robbte über das Dach; sein Visier berührte fast die raue Oberfläche, während das Wände durchdringende Radar drinnen nach Leuten suchte.

Das Gebiet, das er überprüfen musste, war groß. Er drückte einen medizinischen Luftschallsensor - wesentlich empfindlicher als die militärischen - gegen das Dach, um so viele Signale aufzufangen, wie er nur konnte. Den Geräuschen der Unterhaltung unmittelbar unter ihm nach zu urteilen -eine Frau zeichnete die Ausbildungsdaten von jemanden auf-, war er über der Personalabteilung gelandet. Und er krabbelte noch immer über Büros, die Außenfenster hatten. Taun We würde irgendwo weitab vom Tageslicht sein, genau in der Mitte.

Er brauchte mehr als zwei Stunden, um zu dieser Stelle zu gelangen. Er lauschte dabei nach Hinweisen, was unter ihm lag, und verfolgte die Radarschemen von sich bewegenden Körpern. Er hoffte, dass der Disruptor noch da sein würde, wenn es Zeit wurde zu verschwinden, aber falls nicht, würde es wesentlich einfacher sein, rasch von der Anlage zu fliehen, als sich hineinzuschleichen.

Das hier tut mir in den Hüften weh. Und in meiner Brust.

Fett hob seinen Körper ein wenig an und nahm sein Gewicht von seinen Knien und Ellbogen. Er hörte das Klirren von Glasgeschirr und die Laute von Kühlschränken, die geöffnet und geschlossen wurden. Er sah sitzende Leute, vermutlich an einer langen Werkbank, und andere, die sich um einen Tisch drängten. Es war beinahe unmöglich, die Umrisse der anorganischen Gegenstände auszumachen, aber er war daran gewöhnt, anhand der knappen Hinweise, die die Bewegungen und Formen der Körper lieferten, ein geistiges Bild zusammenzusetzen.

Im Laufe seines Lebens hatte er schon einige Labore gesehen. Er wusste, wie Taun We ihres angelegt hätte. Als sie vor einigen Jahren ein Bein für ihn geklont hatte, war ihr Tipoca-Laboratorium noch immer ganz genauso gewesen wie damals, als er ein Kind gewesen war und sie ihn das erste Mal herumgeführt hatte.

Zufällig schnappte er etwas auf, das wie eine Unterhaltung über ein Scannermikroskop klang. Könnte alles bedeuten. Aber ich bin über den Labors, das ist mal sicher. Bei der nächsten Öffnung, die ich finde, beim nächsten Zugangspunkt gehe ich dort runter.

Er überprüfte die Uhrenanzeige in seinem Helm. Drei Stunden. Zu langsam. Je länger er brauchte, desto größer war das Risiko, dass er entdeckt wurde.

Du gibst jetzt nicht auf, Fett.

Und dann hörte er es - bloß ein paar Worte. Es war nicht einmal etwas, aus dem er eine Bedeutung hätte ableiten können. Aber er kannte diesen Tonfall, diese Tonlage so verdammt gut, dass es war, als würde er in einem dicht bevölkerten, lauten Raum seinen eigenen Namen geflüstert hören.

Es war Taun Wes flötende, sanfte Stimme. Er vergaß den rauen Schmerz in seinem Brustbein und fühlte das Adrenalin, das durch seinen Körper zirkulierte, um jede Pein auszulöschen.

Hab dich...

Er speicherte die Koordinaten in seinem HUD, kam auf die Knie und hielt nach einer Entlüftungsöffnung Ausschau. Fünfzig Meter von ihm entfernt befand sich auf dem Dach eine Zugangsluke für biologische Notfälle, die Art von Luke, wie sie ein Gefahrenschutzteam benutzen würde, um das Gebäude zu betreten, falls es jemals kontaminiert und abgeriegelt werden sollte. Und er wusste, dass er die Verriegelung mit den Schlossüberbrückern in seinem Armband knacken konnte. Ihm war noch kein Schloss, keine Verriegelung oder Schalttafel untergekommen, die ihm getrotzt hätte.

Und die Luke war so ausgelegt, dass sie jemandem Platz bot, der einen kompletten Gefahrenschutzanzug trug. Ausnahmsweise einmal war sein Raketenrucksack keine Behinderung. Er zog eine Sicherheitsklinge aus seiner Schienbeintasche, um die Einbruchsalarme kurzzuschließen und die Luke zu öffnen.

Er rutschte die Röhre hinunter und fand sich in einer Kammer stehend wieder, von der zwei Türen wegführten. Beide waren verriegelt. Als er sein HUD wieder auf normale Sicht umschaltete, nahm er um sich herum das matt bernsteinfarbene Glühen der Notbeleuchtung wahr, und ein Sicherheitshinweis an der Wand verkündete: LETZTE INSPEKTION 6/8/1/36.

Er regulierte die Geräuschsensoren seines Helms und lauschte. Der Korridor draußen war sauber. Ein schnelles Zurückschalten zum Terahertz-Radarscan bestätigte das. Er bahnte sich seinen Weg den Gang hinunter, hielt dabei die Augen offen und folgte dem zeitweiligen Klang von Taun Wes Stimme, bis er sich draußen vor einem Büro befand, in dem durch seinen Helmscanner zwei Gestalten zu erkennen waren: ein menschlicher Körper mit hoher Dichte und der eines Kaminoaners mit den charakteristischen abdominellen Leerräumen.

Fett duckte sich in die nächstgelegene Nische - eine Brandschutzstation - und wartete darauf, dass der Mensch ging. Schließlich öffneten sich die Türen, und eine Frau kam heraus. Der Schließmechanismus neben den Türen leuchtete wieder auf, aber Fett schob schnell eine Klinge seines Überbrückungssystems in den Schlitz, und die Türen glitten mit einem Flüstern auseinander.

Vorsichtshalber verriegelte er die Türen hinter sich. Eine große Kreatur mit einem langen, anmutigen Hals und einem kleinen, runden grauen Kopf war über den Schreibtisch gebeugt und in die Arbeit auf einem Datenschirm vertieft.

Taun We drehte sich nicht um. »Bitte legen Sie die Akte in die Ablage.«

»Hübsch hast düs hier.«

Kaminoaner zeigten niemals Emotionen, aber die Geschwindigkeit, mit der Taun We herumwirbelte, und die Art, wie ihr Kopf nach hinten schnellte, als sie ihn sah, verriet ihm, dass sie überrascht war.

»Boba?«

»Seltsamerweise gibt's nur den einen.«

»Wie. hast du mich gefunden?«

»Das ist mein Job, schon vergessen?« Fett ging langsam durch den Raum, lehnte seine Hüfte gegen den Rand ihres Schreibtischs und nahm den Helm ab. »Sagen wir einfach, ich bin dem Geld gefolgt.«

»Koa Ne hat dich geschickt, um.«

»Nein. Er will die Daten zurückhaben, aber deshalb bin ich nicht hier.«

Taun We blickte ihm ins Gesicht, blinzelte langsam. Sie kannte ihn besser als jeder andere, der noch am Leben war, und das war keine lange Liste. Sie sah. alt aus, sehr alt.

»Geht es dir gut, Boba? Funktioniert dein Bein ordnungsgemäß?«

»Nein. Um ehrlich zu sein, bereitet mir mein ganzer Körper einige Probleme.«

»Kann ich dir irgendwie helfen?«

»Ich leide unter Zelldegeneration. Leberproblemen. Autoimmunerkrankungen. Tu moren. Mein Arzt sagt, wenn ich Glück habe, hab ich noch ein Jahr oder so zu leben.« Er griff in seinen Gürtel und holte einen Datenchip hervor. »Wirf einen Blick auf die Untersuchungsergebnisse.«

Taun We nahm den Chip mit langen, dünnen Fingern entgegen und schob ihn in ihren Datenanschluss. »Ah«, sagte sie. »Ich verstehe.«

Sie stand auf und ging zu einem Schrank hinüber, und Fetts natürlicher Argwohn gegen die Galaxis meldete sich zu Wort. Wenn sie vor ihrer eigenen Regierung weglaufen konnte, konnte sie ihn ebenso gut reinlegen. Er entsicherte seinen Blaster, nur so zur Warnung.

Taun We drehte sich langsam um und richtete den Blick auf die Waffe. »Glaubst du, es wäre mir angenehm, die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Umstand zu lenken, dass du mich aufgespürt und dir Zutritt zu meinem gesicherten Büro verschafft hast?«

»Du hast Daten gestohlen und bist abtrünnig geworden. Aber deswegen habe ich dich nicht aufgesucht.«

Hat mich je interessiert, was mit Taun We geschieht? Ich glaube, schon.

Fett dachte, dass es seltsam war, dass man sich nie wirklich daran erinnerte, wie man sich als Kind gefühlt hatte, abgesehen von den Augenblicken, die einen prägten, und er war von der Liebe seines Vaters geprägt worden, und das wusste er, und er war stolz darauf. Als ihm der Gedanke kam, dass das alles war, was er war, schüttelte er ihn ab.

Ich vermisse Dad, jeden einzelnen Tag jede einzelne Minute. Ich will seinem Namen alle Ehre machen.

Fett bedeutete Taun We mit dem Lauf seines Blasters, sich zu setzen. Sie nahm auf einem Stuhl Platz, die Hände gefaltet, und zeigte keinerlei Reaktion: keine Furcht, keine Überraschung, keine Zuneigung. Sie war Eis, Kontrolle, Gleichgültigkeit.

Du hast mich großgezogen - mehr oder weniger.

»Boba«, sagte sie. Sie hatte immer noch diese beruhigende, melodische Stimme. Er war sich nicht sicher, wie lange Kaminoaner lebten, aber sie musste sich dem Ende ihres Lebens nähern. »Ich bedaure, dass ich dir nicht helfen kann.«

Wenn ich je so etwas wie eine Mutter hatte, dann kommst du dem am nächsten. Und manchmal macht mir das Angst.

»Das hatte ich mir schon gedacht«, sagte Fett. »Ich will bloß deine Daten. Und einige Informationen.«

Sie ist vollkommen kalt. Ich war bloß ein weiteres Experiment, mit dem sie zufrieden war.

»Meine Daten gehören Arkanian Micro.«

»Die Daten gehören der kaminoanischen Regierung, aber da sie mich nicht bezahlen werden, werde ich damit meine Ausgaben decken.«

»Ich kann sie dir nicht geben.«

»Dann werde ich sie mir nehmen.« Fett zog den Datenknacker aus einer Tasche an seinem Gürtel und streifte ihn über seinen linken Arm. Er wählte die Verbindungsschnittstelle aus. die zum Computersystem von Arkanian Micro passte; das Gerät verfügte über ein Dutzend verschiedener Stöpsel, die sich an einem Rad in Position drehten. »Oder jedenfalls kopiere ich sie. Ich habe nicht vor, sie zu verkaufen - noch nicht.«

Taun We blinzelte langsam. Sie hatte die Augen der kaminoanischen Herrschaftsklasse: grau, nicht gelb, und auch nicht das Blau niederer Kasten. »Das wird Arkanian Micro ruinieren.«

»Pech gehabt.«

»Und es wird mich ruinieren. Empfindest du kein Mitgefühl für mich, Boba?«

»Nein. Ich glaube, das tue ich nicht. Nicht jetzt.«

Taun We schien über diese Enthüllung nachzudenken, während sich ihr Kopf auf ihrem langen, schlanken Hals langsam von einer Seite zur anderen neigte, wie ein Ast, der sich in einer Brise wiegte. Er fragte sich, ob diese Reaktion lediglich darauf zurückzuführen war, dass ihr Fachwissen in menschlicher Psychologie einen Dämpfer erfahren hatte: Sie kannte seinen Verstand doch nicht so gut, wie sie gedacht hatte. Sie erinnerte ihn nach wie vor an eine Nahra-Künstlerin, eine kaminoanische Pantominentänzerin. Als Kind hatten ihn die Nahra stets verblüfft, weil Kaminoaner nicht das Geringste empfanden und dennoch eine Art von Ballett liebten, das auf pantomimische Weise Gefühle darstellte, die sie selbst nicht zu haben schienen.

Das beschrieb Taun Wes ganzes Leben - und seines, wurde ihm klar.

Später ist noch genug Zeit für Analysen. Mach dich an die Arbeit.

Seinen Blaster noch immer auf die Wissenschaftlerin gerichtet, tat Fett drei große Schritte zur Computerkonsole und schob den Datenknacker in die Buchse. An dem Gerät leuchteten blaue und grüne Statuslampen auf, um zu zeigen, dass es suchte und herunterlud, und er ließ es wesentlich mehr Daten sammeln, als er brauchte. Er war kein Dieb, aber andere Daten von Arkanian Micro konnten sich als nützlich erweisen -und sogar sein Leben retten. Er verschaffte sich lediglich eine Sicherheitskopie davon.

»Ich mache keine Deals«, sagte er. Die Statusanzeige wies darauf hin, dass 5000 Exabytes Daten zur Gänze übertragen worden waren. Das komplette Erbgut nahm eine Menge Speicherplatz ein. »Aber ich verspreche dir eins: Wenn du mir alles erzählst, was du über Ko Sai weißt, werde ich diese Daten nicht dem Meistbietenden aushändigen. Dann wirst du für Arkanian Micro nach wie vor von Nutzen sein.«

»Sie ist tot.«

»Ich will trotzdem alles wissen.«

Taun We hielt einen Moment lang inne und blinzelte langsam in Richtung des Blasters. »Wirst du mich mit Gewalt nach Kamino zurückbringen?«

»Nein. Ich brauche die Credits nicht.«

»Aber würdest du mich töten, Boba?«

Er zögerte. Hierfür würde ich es tun. »Ja.«

Sie wirkte noch immer ratlos, nicht verletzt oder verängstigt oder betrogen. »Nun gut. Ko Sai dachte, das Klonprogramm würde vernichtet werden, also ist sie während der Schlacht um Kamino zu den Separatisten übergelaufen, um ihr Lebenswerk zu retten.«

»Und ihre eigene Haut.«

»Wir sind nicht materialistisch. Boba. Es ging nicht um die Bezahlung. Es ging um Stolz. Um vorzügliche Leistungen.«

Fett schob den Datenknacker in seinen Gürtel zurück. »Erzähl weiter. Wo ist sie hingegangen?«

»Ich habe keine Ahnung, wohin ihre Reise sie als Nächstes geführt hat.«

»Was ist mit ihr geschehen?«

»Sie wurde. aufgespürt.«

»Von wem?«

Eine weitere Pause. Was auch immer es war, es bereitete Taun We Probleme. »Von Klon-Geheimdiensteinheiten. Und von einem der Kommandotruppenausbilder deines Vaters.«

Fett schluckte schwer. Das hatte er nicht erwartet. »Und?«

Sie deutete auf die geflochtenen Wookiee-Felle, die von seiner rechten Schulterplatte baumelten. »Sie ist der Vorliebe der Mandalorianer nach Erinnerungsstücken zum Opfer gefallen.«

»Interessant«, sagte Fett. Nein, das ist erstaunlich, das ist entsetzlich, das ist Hoffnung, das ist alles. »Also haben die Klone ihre Vergeltung bekommen.«

»Das nahmen wir an. Pakete trafen ein. Teile eines kaminoanischen Körpers, deren genetisches Profil mit dem von Ko Sai übereinstimmte.«

Fett fand das unnötig brutal. Töte einen Gefangenen, wenn du dafür bezahlt wirst. Töte ihn, wenn du es tun musst. Selbst das Abtrennen von Körperteilen war in Ordnung, wenn man dazu gezwungen war. Das alles war akzeptabel. Aber Ko Sai Stück für Stück nach Hause zurückzuschicken, klang nach einer rachsüchtigen, sorgfältig durchdachten Nachricht. »Und ihre Daten?«

»Man hat sie nie wiedergefunden.«

»Was war so besonders daran?«

»Ko Sais großes Ziel war es, den Alterungsprozess zu kontrollieren. Sie wusste besser als jeder andere Biologe, wie man ihn manipulieren kann. Wir waren bloß daran interessiert, den Prozess zu beschleunigen, um Klone schneller zu voller Reife zu bringen, aber mir ist bewusst, dass viele im Verlangsamen des Prozesses und in dem therapeutischen Potential, das darin steckt, eine reizvolle Ware sehen. Sie sagte, sie sei imstande, das im Labor zu erreichen.«

Mirta hatte behauptet, sie hätte einen originären Kamino-Klon getroffen. Einen Klon, der heute nicht mehr am Leben sein dürfte, nicht mehr am Leben sein sollte. Fett stellte fest, dass ihm gerade eine Menge Puzzleteile in den Schoß gefallen waren, und alle passten zusammen. Klone, die es nicht mehr geben durfte, ein kaminoanischer Wissenschaftler, der brutal verstümmelt wurde, fehlende Klondaten. »Hast du irgendwelche Namen?«

Taun We versteifte sich. »Erinnerst du dich an diesen aggressiven kleinen Menschen namens Skirata? Den, der. meine Kollegen so häufig mit einem Messer bedroht hat?«

Ja, er erinnerte sich an Kai Skirata. Manchmal hatte sein Vater geschworen, er wäre der Beste vom ganzen Haufen; manchmal hatte er ihn einfach verflucht und seinerseits ausgeteilt. Jango Fett hatte selten die Beherrschung verloren, aber Skirata hatte ein Talent dafür gehabt, dass genau das passierte. Er war ein grausamer und kompromissloser Mandalorianer.

Als einziges Kind auf Kamino war Fett knapp davon verschont geblieben, dass ihm Skiratas wilde, unberechenbare Spezialkräfterekruten - sechs geklonten ARC-Soldaten, die ihm allein unterstanden - Mando'a beibrachten. Das waren Geheimdiensteinheiten, die Nuller, wie jeder sie nannte, der erste Schwung Klone, und sie hatten sich als verrückt, hyperintelligent und gefährlich erwiesen. Als der Krieg zu Ende ging, waren sie verschwunden.

Skirata lebte für seine Klone. Er würde wollen, dass sie ein komplettes Leben führten, wie gewöhnliche Männer. Er hätte alles getan, um sich Ko Sais Daten und ihr Fachwissen zu sichern. Sie abzuschlachten, hätte ihm nichts gebracht, es sei denn, es wäre bloß Mittel zum Zweck gewesen.

Und falls einer von Skiratas Klon-Soldaten heute noch am Leben und voll aktiv war, obwohl er das Äquivalent eines Hundertvierzigjährigen hätte sein sollen, dann bedeutete das. dass sie eine Methode gefunden hatten, den beschleunigten Alterungsprozess zu stoppen - Ko Sais Methode.

Das ist es, was ich brauche. Das wird mir das Leben retten.

Mit einem Mal war Fett von einem lebhaften Gefühl erfüllt, wie nach einer angenehm kalten Dusche an einem heißen Tag. Die Farben um ihn herum wirkten schlagartig kräftiger, die Geräusche kristallklar, die Gerüche deutlicher. Adrenalin jagte durch seinen Leib. Er hatte gefunden, wonach er gesucht hatte - oder zumindest den Weg, der ihn dorthin brachte.

Er hatte noch nie bei der Jagd nach seiner Beute versagt. Niemals. Selbst, wenn ihm ein paar entkommen waren, am

Ende hatte er sie immer aufgestöbert.

Dich werde ich auch finden.

»Nützlich«, sagte Fett. Den Blaster ruhig zu halten, ließ seinen Unterarm schmerzen. Das war ihm noch nie zuvor passiert. »Du hältst wegen dem hier den Mund, und ich behalte diese Daten für mich. Kapiert?«

»Einverstanden«, sagte Taun We. »Und falls du Ko Sais Daten findest, würden wir dir ein großzügiges Honorar für die Wiederbeschaffung zahlen.«

Plötzlich dachte er an Sintas und daran, wie ihr Freudentränen in den Augen standen, als sie Ailyn als Baby im Arm gehalten hatte. Nein, wahrscheinlich konnte sich Taun We nicht so um ihn sorgen wie eine richtige Mutter.

Taun Wes erster Gedanke galt stets ihrer Forschung. »Vielleicht will ich sie gar nicht verkaufen«, sagte Fett. »Was beabsichtigst du in Bezug auf dein Vermächtnis zu unternehmen?«

»Was?«

»Du stirbst. Aber selbst wenn es dir gelingt, Ko Sais Daten zu finden, und dir das irgendwie hilft, dann siehst du dich nach wie vor mit der Frage konfrontiert, was für ein Vermächtnis du eines Tages zurücklassen wirst.«

»Was kümmert dich das?«

»Ich glaube, das war deinem Vater sehr wichtig. Er hat Graf Dooku gesagt, dass er keinen Sohn wolle - er wollte einen Schüler, der Jasters Vermächtnis antritt.«

Das tat weh. Vielleicht meinte es Taun We nicht so, wie es sich anhörte. Er blieb vollkommen reglos und wünschte, er hätte seinen Helm aufbehalten. »Jaster Mereel war mehr als Dads Mentor. Er war wie ein Vater für ihn.«

Das schien Taun We nichts zu bedeuten. »Und was für ein

Vermächtnis ist das?«

»Der Mandalore zu sein. Dafür zu sorgen, dass die Mandalorianer überleben, ganz gleich, was geschieht. Und ich werde den Schwur meines Vaters halten, genau wie er es vor mir getan hat.«

Taun We blieb eisig. »Wir werden jedes andere Angebot überbieten.«

Dad hat immer zu Jaster Mereel aufgeschaut. Er hatte das Gefühl, seine Werte aufrechterhalten zu müssen. Vielleicht war ich für ihn so etwas wie eine zweite Chance dazu.

»Ich halte dich auf dem Laufenden.«

Jasters Vermächtnis. Beviin hat recht. Mehr Mandalore, weniger Geschäft.

Vielleicht hatte sie es gesagt, um ihn zu verletzen. Nein, Kaminoaner scherten sich nicht um Emotionen, selbst dann nicht, wenn sie beinahe so etwas wie deine Mutter waren.

Er setzte seinen Helm auf und drehte sich um, um zu gehen. Würde sie den Alarm auslösen? Sie würde nicht wollen, dass irgendjemand erfuhr, dass ihre Daten kopiert worden waren. Alles, was ihr wichtig war, war ihre Arbeit, genau wie es immer gewesen war, und das würde ihr Schweigen gewährleisten. Falls Arkanian Micro irgendwelche Sicherheitsüberprüfungen durchführte, würden sie nichts entdecken. Nichts fehlte, und es hatte sich auch niemand in ihr System gehackt. Das Ganze war eine Sache zwischen ihm und Taun We.

»Ich würde gern wissen, wenn du Ko Sais Forschungsunterlagen findest und ob sie dich heilen können«, sagte sie.

Fett widerstand dem Drang zu fragen, ob das persönliches oder professionelles Interesse war. »Wenn ich in ein paar Jahren noch am Leben bin, sage ich's dir.«

Er verschwand auf demselben Weg, auf dem er gekommen war, krabbelte mit Hilfe seines Kletterhakens den Schacht für biologische Notfälle hoch und brachte rasch kriechend die Distanz zum Dachrand hinter sich. Die Griptionsklemmen waren noch an Ort und Stelle. Nachdem er sich umgeschaut hatte, flog er mit dem Raketenrucksack über den Zaun, löste die Klemmen - und soweit es die Zaunsensoren betraf, war es. als wäre er nie da gewesen.

Er senkte die Rampe der Slave l mittels seiner Helmfernbedienung und fragte sich, warum er sich so beharrlich am Raumschiff seines Vaters festklammerte. Es war ein wundervolles Schiff, aber es bedeutete ihm mehr als das Beste, was er sich von seinem Reichtum hätte kaufen können.

Ich bin jetzt in den Siebzigern, und ich habe gerade erst angefangen, mehr zu sein als der Sohn von irgendjemandem. Das bedeutet nicht, dass ich dich auch nur im Geringsten weniger liebe, Dad, aber ich kann nicht ewig zurückblicken.

Boba Fett war nicht sicher, was diese Leere füllen und ihm den Sinn seines Lebens zeigen würde, aber er wusste jetzt, dass diese Erkenntnis noch vor ihm lag und nicht hinter ihm, erstarrt in Erinnerungen.

Er stand vor der Slave I, einem Symbol seiner Kindheit, und fragte sich, wo die Linie zwischen Mahnmal und Falle gezogen werden musste.

»Also hast du das Cockpit nicht demoliert«, sagte er und begann zum ersten Mal eine Unterhaltung mit Mirta.

Mirta war gerade dabei gewesen, die Konsole abzuwischen. Fett sorgte dafür, dass das Schiff sauber und gut gewartet war, doch diesmal wirkte die Steuerung wie poliert. »Haben Sie bekommen, weswegen Sie hergekommen sind?«, fragte sie.

Er fuhr die Slave / hoch und hob ab, um unter der

Einschienenbahn zu wenden, die sich zwei Kilometer über der Oberfläche von Vohai dahinschlängelte. »Das habe ich.«

»Was jetzt?«

Fett suchte Zuflucht hinter seinem Visier. Er war hin und her gerissen. Er musste diesen unmöglich alten Klon finden, und er wollte Ailyn sehen, und er wollte wissen, wie Sintas gestorben war.

Mirta kannte alle drei Antworten - oder behauptete, sie zu kennen. Etwas über Sintas' Schicksal zu erfahren, das drängte nicht, und Ailyn konnte er auf eigene Faust aufspüren, denn Han Solo zu finden wäre für ihn ein Kinderspiel, und dort, wo Solo war, würde er auch Ailyn antreffen.

Also musste er diesen Klon von Skirata ausfindig machen. Selbst, wenn er Ko Sais Daten nicht hatte, hatte er vielleicht eine Zellprobe, die ein Kaminoaner untersuchen und »nachbauen« konnte.

Immer noch zu viele Ungewissheiten. Immer noch zu viele Variablen.

Fett beschloss, dass es an der Zeit war, sein Interesse zu bekunden, aber vorsichtig. »Wo bist du über diesen Klon gestolpert?«

»Auf Coruscant. Schien für ihn eine regelmäßige Reise zu sein.« Wie üblich schaute Mirta direkt nach vorn. »Also, wo wollen wir jetzt hin?«

Dorthin, wo Han Solo ist, weil mich das zu Ailyn führen wird.

Er wechselte die Richtung des Themas. »Du hast die Halskette. Sag du mir, wo wir hinwollen.«

Mirta hob die Lederschnur, die um ihrem Hals lag, und blickte auf den schimmernden Stein in ihrer Handfläche. »Versuchen wir's auf Coruscant.«

Aha. Fett hatte Ailyn nie irgendetwas über Kopfgeldjagd beigebracht, aber offensichtlich hatte sie gelernt, dass man sich häufig besser auf einem Planeten verstecken konnte, der aus einer gewaltigen Stadt mit Milliarden Bewohnern bestand, als in einer Höhe irgendwo in den Bergen eines Planeten im Outer Rim.

Fett setzte Kurs auf das Galaktische Zentrum: null, null, null. Die Slave l stand kurz vor dem Sprung in den Hyperraum, als die Komlinkkonsole vor ihm ungeduldig zu blinken begann.

Als Ursprung des Anrufs wurde CORELLIA angezeigt, selbst wenn der Absender versuchte, die Quelle über mehrere Relais zu verschleiern. Fett bekam nicht besonders viele Anrufe von Corellia, und wenn doch, gehörten sie für gewöhnlich nicht zu der Art, dass er sie vor Mirta Gev annehmen wollte.

»Essenszeit«, sagte er. »Geh nach achtern und schau nach, was du in den Schränken für uns findest.«

Mirta gehorchte schweigend, ohne einen Hinweis auf Widerspruch in Gesicht. Es war die Reaktion von jemandem, der es gewohnt war, Befehle zu befolgen, nicht die einer Frau, die ihre Zeit in der Küche verbrachte. »In Ordnung.«

»Du bist doch nicht beleidigt deswegen, oder?«

Mirta sah ihn an, als wäre er verrückt. »Mein Vater war Mandalorianer. Ich kann also kämpfen und kochen.«

Fett wurde klar, wie wenig er über die kleinen Eigenheiten seiner eigenen Kultur wusste. Das nächste Mal, wenn er Beviin sah, würde er den Mann bitten, ihm das alles zu erklären. Er wartete, bis Mirta die Innenluke hinter sich geschlossen hatte, dann schaltete er den Anruf auf eine sichere Leitung.

»Fett hier. Schießen Sie los.«

Es folgte eine kurze Pause. »Und hier ist Thrackan Sal-Solo, Staatschef von Corellia. Ich habe einen Auftrag für Sie.«


LUFTRAUM DES GESCHWADERTRAININGSGELÄNDES, CENTAX2


Der XJ7 unter Luke wich plötzlich nach backbord aus und sank mit erstaunlicher Geschwindigkeit abwärts. Selbst für ihn stellte Jaina Solo im Luftkampf eine ernstzunehmende Herausforderung dar.

Oder vielleicht lasse ich nach.

Luke gab Gas und ging mit seinem eigenen XI7 zum Sinkflug über, um in die Schluchten des Mondes abzutauchen und Jaina auf den Fersen zu bleiben. Er hatte eigentlich gedacht, dass sie in letzter Zeit genügend Flugstunden absolviert hatte, sodass keine Notwendigkeit bestand, ihre Fähigkeiten noch weiter zu trainieren, aber als Jaina sagte, sie würde in den aktiven Dienst zurückkehren, hatte sie das genau so gemeint: Colonel oder nicht, sie ging mit dem Geschwader auf Manöver wie jeder andere Neuzugang auch.

Außerdem war es eine Echtfeuerübung. Auf einige der Piloten war noch nie richtig geschossen worden. Dieses Manöver sorgte normalerweise dafür, dass sich ihre Perspektive des Krieges änderte.

Unter ihnen am Boden der Schlucht ballerte ein Droiden-Luftabwehrgeschütz mit Ionenkanonen los. Die roten Energiesalven, die zu ihm heraufschossen, schienen mit dem roten Glühen der Xj7-Triebwerke zu einem einzigen Feld zu verschmelzen, als Jaina zwischen den Bolzen hin und her zuckte und umgehend um 180 Grad zur Seite rollte, um das Profil des Jägers zu schmälern und ihrerseits einen Strahl von Geschossen in die Ionenkanonen zu schicken.

Hinter dem Geschütz, am Grund der Schlucht, pendelte sich der XJ7 ein, und Luke ging hinter Jaina runter, um so dicht über den Schluchtboden zu fegen, dass die Abwinde des Jägers eine Wolke winziger Kieselsteine aufwirbelten, die von unten gegen den Rumpf prasselten.

Luke sandte ihr eine Geschosssalve hinterher, wobei er ein paar Grad neben ihre Steuerbordflügel zielte. Die Wände der Schlucht schleuderten Fahnen pulverisierten Gesteins in ihren Weg, und sie glitt darüber hinweg.

Sie brach das Komschweigen, was ihr gar nicht ähnlich sah. »Spiel keine Spielchen mit mir, Onkel. Das wird mir nicht helfen.«

Ihm wurde klar, dass einer seiner Schüsse durchaus schlimme Folgen haben könnte, auch wenn er sie selbst nicht traf. Und erst recht konnte er nicht wirklich auf seine Nichte feuern, selbst wenn er wusste, dass sie seinem Beschuss mit Leichtigkeit ausweichen konnte, denn ein Restrisiko blieb.

»Ich drehe ab«, sagte er und ging zu einem steilen Steigflug über, um in normale Reiseflughöhe zu gelangen und sich dort einzupendeln. »Wir sehen uns später in der Messe.«

Centax 2 war ein steriler Mond mit der üblichen Ansammlung von Militärfabriken, nebeneinander angeordnet wie Kisten auf dem Boden eines Lagerhauses. Die Basis würde keine Architekturpreise gewinnen. Falls tatsächlich Krieg ausbrach, würde sie sich über Nacht von einem Ausbildungsgeschwader in einen einsatzbereiten Raumkampfstützpunkt verwandeln müssen. Diese Umstellung schien dicht bevorzustehen. Luke führ die Kuppel des XJ7 hoch und kletterte aus dem Cockpit, um die Leiter hinunterzurutschen, die von der Bodenmannschaft in Position gerollt wurde.

Das habe ich früher auch wesentlich schneller gekonnt.

Er wartete am Eingang der Messe, bis Jainas Jäger mit

Repulsorenergie in den Hangar fegte und in der Landebucht neben seinem runterging. Als sie herausglitt und ihren Helm abnahm, war ihre Miene angespannt und unruhig.

»Du bist auf Zack«, sagte Luke und ging auf die Türen zu, in dem Wissen, dass sie ihm folgte. »Ist es uns erlaubt, in der Messe Fluganzüge zu tragen?«

Jaina brachte ein Lächeln zustande und deutete auf ihren eigenen orangefarbenen Overall. »Keine Sorge, ich bin der Colonel. Ich werde für die bestmögliche Deckung sorgen.«

Dies war die erste Gelegenheit, die sich Luke seit der Internierungswelle auf Coruscant bot, um allein mit Jaina zu reden. Sie strahlte Trübsal aus. Sie äußerte Besorgnis über ihre »nachlassenden Fähigkeiten« und ob sie »fit für den Einsatz« sei. Das waren die üblichen Phrasen, die innerhalb eines Geschwaders gedroschen wurden, nichts weiter. Sie sollten Luke beruhigen und von ihren eigentlichen Sorgen ablenken. Sie war Jacens Zwillingsschwester. Was auch immer vorging, es betraf sie unmittelbarer als den Rest der Familie.

»Nach dir«, sagte Luke.

Die Offiziersmesse war ein Gewirr von abgeschlossenen Nischen mit einem großen Areal, wo Essen serviert und verzehrt wurde, und einem Aufenthaltsbereich von beinahe der gleichen Größe, in dem bequeme Sitzmöglichkeiten und einige Unterhaltungsgeräte verstreut standen, deren Mittelpunkt ein großer Holoschirm an einer Wand bildete. Der Bildschirm war breit genug, dass man ihn auch vom Speisesaal aus gut sehen konnte, wenn Piloten und Bodenpersonal dort auf die Essensausgabe warteten.

Die meisten der Piloten in dem Aufenthaltsbereich hatten dem Speisesaal den Rücken zugewandt und betrachteten den Schirm. Die mittäglichen HNE-Nachrichten hatten gerade begonnen, und das bedeutete, dass sich vollkommene Stille ausbreitete: Jedermann schaute zu und wartete auf die kleinen Bemerkungen der Politiker, die besagen würden, dass sich der Bereitschaftsstatus des Geschwaders ab sofort zu Mobilmachung änderte.

Jaina griff über den Tresen, um Früchte auf ihren Teller zu füllen.

»Und die heutige Topmeldung: Die Internierung corellianischer Staatsbürger geht weiter, während Tausende Galactic City im Zuge eines freiwilligen Rücksiedelungsprogramms verlassen.«

Den Bildschirm füllte eine Aufnahme von Kommandosoldaten des g67sten, die auf den Laufstegen zu beiden Seiten einer Wohnstraße von Coruscant vorrückten, eine Einheit angeführt von der mittlerweile vertrauten Gestalt von Jacen Solo in einem schlichten schwarzen Kampfanzug von der Art, wie sie von Sondereinsatzkräften bevorzugt wurde. Das allein wäre schon schlimm genug gewesen, doch die einzige andere Person in Uniform, deren Gesicht zu erkennen war, war Ben.

In der Offiziersmesse war es jetzt sehr, sehr still.

Mein Sohn. Wie konnte ich jemals zulassen, dass Jacen ihn da mit reinzieht?

Die Einsatzkräfte trugen alle komplett geschlossene Helme. Diese Ausrüstung zu tragen war für einen Soldaten zweckmäßig, aber das ließ es kein bisschen weniger bedrohlich wirken. In Lukes Ohren dröhnte nicht der Kommentar, sondern Hans Stimme, die sagte, dass sich die Allianz zusehends in das Imperium verwandelte.

»Colonel Jacen Solo sagte in einem früheren Gespräch, dass.«

Luke gelang es, Jaina anzusehen, deren Gesicht gequält aussah. Es gab kein anderes Wort dafür.

Und es war offensichtlich, dass die meisten von denen, die den Bildschirm betrachteten, keine Ahnung hatten, wer in der Mensa hinter ihnen stand.

»Das ist bei denen eine alte Familientradition: die Bevölkerung zu terrorisieren«, sagte ein Captain, die Füße auf einen niedrigen Tisch gelegt. »Genau wie sein Großvater, von Anfang bis Ende. Wann wird er sich einen hübschen schwarzen Umhang nebst passendem Helm zulegen? Und jede Menge Truppler in schicken weißen Rüstungen?«

Einige der Offiziere in der Messe lachten, aber die meisten sahen aus, als würden sie sich wünschen, irgendwo anders zu sein. Mittlerweile war Luke geübt darin, die Ebbe und Flut von bevorstehendem Ärger, der nur darauf wartete zu explodieren, zu deuten, und einmal mehr überraschte es ihn, wie schmal der Grat zwischen sinkender Stimmung und einer plötzlichen Explosion aufgestauter Gefühle war.

Diesmal war es Jaina, die explodierte. Ihre Fäuste waren geballt. Luke, den das Ganze angesichts seiner eigenen Scham über Bens Auftreten unvorbereitet traf, gelang es nicht, Jainas Macht-Stoß abzublocken, und schon krachte der Captain gegen die Wand der Messe. Taina machte einen Satz nach vorn. Luke schaffte es, sich vor sie zu schieben. Zwei andere Offizierspiloten gingen dazwischen und kippten Stühle um bei dem Versuch, ihren Kameraden davon abzuhalten, noch weitere Dummheiten zu begehen.

»Er hat's nicht so gemeint«, sagte einer. Er schien Luke nicht zu sehen. »Tut mir leid, Colonel.«

Jainas Gesicht war rot, ihre Augen groß. Colonels gingen nicht auf andere Offiziere los, ob nun mittels der Macht oder nicht. Das war schlechtes Betragen. Luke wollte sie nach draußen bringen, aber sie versicherte ihm, dass sie sich wieder unter Kontrolle hatte. Niemand diente gern unter einer Offizierin, die außerstande war, ihr Temperament im Zaum zu halten.

Der Captain wurde auf die Füße gezogen. Er sah mehr außer Atem als verletzt aus. »Na, los«, sagte einer der Offiziere. »Entschuldigen Sie sich beim Colonel. Sie sind aus dem Rahmen gefallen.«

Der Gesichtsausdruck des Captains verriet, dass er der Ansicht war, er hätte die Dinge so, wie sie lagen, lediglich beim Namen genannt, doch sein Mund tat, was ihm gesagt wurde. »Ich bitte um Verzeihung, Colonel Solo.«

»Wir sind alle ein bisschen angespannt«, sagte Jaina. »Ich hätte einen weniger nachdrücklichen Weg wählen sollen, Sie darum zu bitten, das zurückzunehmen, was Sie über meine Familie gesagt haben.«

Und jetzt schien dem Captain klar zu werden, dass er sich ebenfalls Luke Skywalker gegenübersah. »Tut mir leid, Sir.«

Es tut weh, weil jeder das sagt, dachte Luke. Du bist bloß der Bote.

»Vergessen Sie's«, sagte Luke. »Jaina, gehen wir ein Stück.« Auf Centax gab es keine natürliche Vegetation. Sie suchten sich ein Plätzchen im Schatten eines Hangars und setzten sich auf ein paar Kisten.

»Wir können um den heißen Brei herumscharwenzeln oder Klartext reden«, sagte Luke. »Ich persönlich ziehe Klartext vor.«

»Spart Zeit.«

»Ich weiß nicht, was in Jacen vorgeht.«

»Ich auch nicht, Onkel.«

»Dann versuch zu raten.«

»Ich erkenne ihn nicht wieder.«

»Wenn das ein Zwilling sagt, ist das eine ziemlich erschreckende Sache.«

»Er hat jetzt irgendetwas Dunkles an sich. Er schließt mich aus. Er hat mich sogar manipuliert, als es gegen die Chiss ging.«

»Ich weiß.« Ja, darin ist er wirklich gut. »Das ist. besorgniserregend.«

»Ich kann ihm nicht länger trauen.«

Luke wollte nicht, dass es laut ausgesprochen wurde, aber er wusste, dass er darauf hören musste. Mara spürte es ebenfalls, gab sich jedoch damit zufrieden, dass es die widerstreitenden Emotionen einer unglücklichen Liebesaffäre waren, die die Dunkelheit hervorbrachten. Luke dachte an die Bilder, die er in den letzten Tagen gesehen hatte, und wusste, dass die Dunkelheit nichts mit irgendwelchen Problemen in Jacens Liebesleben zu tun hatte. Das war so offensichtlich, dass man es mit einer Holokamera hätte aufzeichnen können.

Ich will, dass mein Sohn sich von ihm fernhält.

Luke dachte an Lumiya und an seine Träume von der Gestalt mit der Kapuze, bei der es sich mit Sicherheit um sie handelte. Aber diese Anzeichen einer drohenden Katastrophe waren neu; Jacen hatte dafür gesorgt, dass sich zwischen Jaina und ihm eine Kluft aufgetan hatte, als er Jaina mehrere Jahre zuvor mit List und Tücke dazu gebracht hatte, die Chiss anzugreifen.

Jedi waren es gewöhnt zu sehen, was gewöhnlichen Leuten verborgen blieb. Getäuscht zu werden - etwas, womit das normale Volk von Kindesbeinen an zu leben lernte - wirkte auf sie besonders bedrohlich.

Aber mich täuschst du nicht, Jacen. Du wendest dich der Dunklen Seite zu.

»Onkel Luke, das alles ist nicht meine Sache«, sagte Jaina. »Aber wenn ich du wäre, würde ich für Ben einen neuen Lehrer suchen.«

Luke wusste, dass sie recht hatte, und er wusste ebenfalls, dass Mara sich mit Händen und Füßen dagegen wehren würde.

Genau wie Ben.


BRAVO-KOMPANIE, 967STE SPEZIALEINHEIT,

FAHRZEUGKONTROLLPUNKT:

GALACTIC CITY, UNTERE EBENEN, 23.30 UHR


»Das Beste haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben«, sagte Korporal Lekauf.

Ben vertraute auf seine Fähigkeiten im Umgang mit dem Lichtschwert, doch in den unteren Ebenen von Galactic City beneidete er die Soldaten um ihre Körperpanzer. Es war das erste Mal, dass es ihn in das grimmige Herz der Stadt verschlagen hatte, und es war überhaupt nicht so wie in den Senatssektoren.

Tatsächlich war es nicht einmal wie in den etwas heruntergekommenen corellianischen Vierteln, die den angenehmen Eindruck vermittelt hatten, dass dort normales Familienleben stattfand - zumindest, bevor die Razzien begannen. Nachts waren die unteren Ebenen wirklich bedrohlich. Ben behielt eine Hand auf dem Griff seines Lichtschwerts.

Ein Soldat der Bravo-Kompanie stellte an diesem Ende der Straße eine Fahrzeugsperre auf, eine Reihe kleiner, kugelförmiger Droiden, deren Bewaffnung und Elektroketten ein Schiff aufhalten konnten, das in einer Höhe von bis zu dreißig Metern an ihnen vorbeizukommen versuchten. Am hinteren Ende der Straße gab es eine weitere Barriere; die einzige Ebene, die noch unter dieser lag, bestand aus Versorgungstunneln.

Ich hoffe wirklich, dass wir da am Ende nicht runtergehen müssen.

Ein gutes Stück hinter den Barrieren standen kleine Gruppen von Leuten - Menschen und andere Spezies -, die aussahen, als wären sie bereit, Ben nur so aus Neugierde die Kehle durchzuschneiden.

»Das ist voll gruselig«, sagte er.

»Schlimmer war's, das hier in hellem Tageslicht durchziehen zu müssen, mit dem Atem von HNE im Nacken«, sagte Lekauf. Vielleicht hatte er recht: Die Medien scherte es generell nicht, was den Bewohnern der unteren Ebenen widerfuhr. »Wir können einfach reingehen und hier Klarschiff machen.«

»Das hier ist kein corellianisches Viertel.«

»Nicht nur Corellianer sind eine Bedrohung.« Beim Geräusch von laufenden Stiefeln drehte sich Lekauf um, und Ben folgte seinem Blick, um zu sehen, wie sich Captain Shevu näherte. Die einzige Möglichkeit, wie Ben die 967er auseinanderhalten konnte, wenn sie in voller Rüstung waren, war anhand der Namensschilder auf ihren Brustplatten und ihrer unterschiedlichen Größe und Statur. Shevu hatte als Einziger einen unaufdringlichen goldenen Stern auf seinem Helm, Lekauf zwei schmale goldene Streifen und Witur, einer der Feldwebel, drei. Abgesehen davon waren sie eine anonyme Mengt' schwarzer Plastoidplatten über schwarzen Kampfanzügen.

Das CSK - von dem sich einige Mannschaften freiwillig um die Versetzung zum 967sten beworben hatten - hatte ihnen bereits den Spitznamen »Trooper« gegeben. Jeder schien

Parallelen zu den Tagen von Bens Großvater zu sehen. Ben schämte sich seiner Abstammung nicht, und er schämte sich auch nicht wegen der Arbeit, die er zu erledigen hatte. Er verstand bloß nicht, wie alles so schnell so schlimm hatte werden können.

Aber zumindest war bislang niemand erschossen oder wirklich verletzt worden. Jeder Corellianer, der interniert worden war, war am Leben und wohlauf - oder man hatte ihn deportiert. Ben ging durch den Kopf, dass es hart sein musste, nach Hause geschickt zu werden, wenn Coruscant das einzige Zuhause war, das man je gekannt hatte. In diesem Fall musste man sich allerdings fragen, warum sie sich dem Planeten gegenüber, auf dem sie geboren worden waren, dann nicht loyal verhielten.

Gerade als er glaubte, er würde erwachsen werden, fühlte sich Ben mit einem Mal wieder wie ein Kind - wie ein Kind, das etwas Wichtiges verpasst hatte, über das alle Erwachsenen Bescheid wussten, ohne ihm jedoch etwas darüber zu verraten.

»Okay, hergehört!« Shevu versammelte zwei Einheiten um sich und bezog auch Ben und Lekauf mit ein. »Der Zoll und die Einwanderungsbehörde haben einen Wink bezüglich dreier corellianischer Agenten und eines Kopfgeldjägers bekommen, und das CSK hat sie bis hier unten verfolgt.« Der Ort des Geschehens war ein Apartmentblock mit einigen mit Brettern vernagelten Fenstern, der sich zwischen eine schäbige Kneipe und ein hell erleuchtetes Gebäude zwängte; Ben war sich nicht sicher, welchen Geschäften man dort drinnen nachging, aber die Belegschaft schien komplett aus Frauen zu bestehen. »Wegen dieser Typen sind wir hergekommen - ihre Namen lauten Cotin, Abadaner, Boll'und Habuur.«

Shevu reichte Ben ein Datenpad mit Bildern darauf; die Einheiten empfingen die Bilder über die HUDs in ihren Helmen.

»Sie wissen, dass wir hier sind«, sagte Ben.

»Dann gibt es nicht viel, was sie tun können, außer rauszukommen, wenn wir sie nett darum bitten«, sagte Lekauf.

Shevu klopfte auf die Ladeanzeige seines Blastergewehrs. »Überprüft sie sicherheitshalber auch noch mit eurer Personenerkennungssoftware, weil sie schwer bewaffnet sein werden und ihr vielleicht gezwungen seid, sie dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen. Colonel Solo sichert mit zwei Einheiten die hinteren Ausgänge, für den Fall, dass die Dinge nicht nach Plan laufen.«

Es war eher eine Belagerung als eine Razzia. Ben hatte in sehr kurzer Zeit erschreckend viel über das Stürmen von Gebäuden gelernt. Er hatte nicht das Gefühl, dass er dabei von großem Nutzen war, aber Lekauf hatte ihm versichert, dass er Dinge tun konnte, die kein gewöhnlicher Soldat zu tun vermochte, wenn es darauf ankam.

»Okay, gehen wir die Sache hier wie gute Jungs an«, sagte Shevu. Er wandte sich der Fassade des Apartmentblocks zu, und ein vernehmliches Klicken drang aus seiner Stimmenverstärkungseinheit. Er hatte die Megafonfunktion eingeschaltet.

Ben machte sich auf schmerzhaft lauten Lärm gefasst.

»Hier sind die Sondereinsatzkräfte.« Shevus Stimme hallte von den Gebäuden wider, sorgfältig artikuliert. Die Leute, die sich noch immer auf den Straßen hinter den Barrikaden aufhielten, verteilten sich und liefen in Deckung. »Cotin -Abadaner - Bolf - Habuur! Legen Sie Ihre Waffen nieder. Verlassen Sie das Gebäude und halten Sie Ihre Hände über Ihre Köpfe. Sie können jetzt rauskommen, oder wir kommen rein

und nehmen Sie fest.«

Vielleicht sollte ich es mit Gedankenbeeinflussung versuchen. dachte Ben.

Eine Salve Blasterfeuer schoss aus einem Fenster, und die Einheit erwiderte das Feuer wie aus einem Reflex heraus.

Okay, vielleicht wird das hier nichtfunktionieren.

»Wir haben's versucht«, sagte Shevu. »Nur Laser-, keine Projektilwaffen. Benutzt nichts, das Wände durchschlägt - da drin sind Zivilisten.« Er aktivierte erneut das Megafon. »Bewohner! Bleiben Sie in Ihren Wohnungen, und halten Sie die Türen geschlossen. Bewaffnete Sicherheitskräfte betreten das Gebäude. Ich wiederhole: Bleiben Sie in Ihren Wohnungen!«

Er schüttelte den Kopf, murmelte etwas darüber, dass das CSK es versäumt hatte, den Apartmentblock im Vorfeld zu evakuieren, und signalisierte den Einheiten einzudringen. Ben konnte mindestens zwei Gruppen auf dem Dach ausmachen, die durch die Luke eines Wartungsschachts kletterten. In einigen dieser Wohnblöcke gab es keine Treppenhäuser, was bedeutete, dass jeder Korridor mit einem Turbolift ein potentieller Schauplatz für ein Gemetzel war. Es erforderte Mut, aus einem Lift ins Unbekannte hinauszutreten. Aber genau dafür, hatte Lekauf Ben erzählt, war die Rüstung gedacht.

»Wirut«, befahl Shevu. »Werfen Sie auf mein Zeichen hin eine Blendgranate durch das Fenster, in Ordnung?«

»Ja, Sir«, sagte der Sergeant und schob eine Ladung in den Ladeschacht seines Granatwerfers.

»Einheiten, wenn ihr in den vierten Stock vordringt, werden wir sie von hier aus blenden. Zählt den Countdown für uns runter.«

Ben konnte die Erwiderung nicht hören. Er wellte wirklich einen Helm mit voller Komlinkausstattung. Gleichwohl, was ihm an Technik fehlte, machte er mit seinen eigenen MachtSinnen fast wieder wett. Jetzt, da er sich auf das zertrümmerte und gähnende Fenster konzentrierte, aus dem das Blasterfeuer gekommen war. konnte er die Furcht und Feindseligkeit drinnen spüren. In dem Gebäude gab es eine Menge allgemeiner Angst, das gesammelte Entsetzen der anderen Bewohner, die im Inneren des Blocks festsaßen.

»Sobald wir die Hauptziele neutralisiert haben, durchsuchen wir alle anderen Wohnungen, bloß, um auf Nummer Sicher zu gehen«, erklärte Shevu. »Wir können uns nicht darauf verlassen, dass das CSK jeden identifiziert hat. Ben, bist du bereit, den Spürhund für uns zu spielen?«

»Ja, Sir!« Es war kein Spiel mehr, aber er war verzweifelt bemüht, seine Rolle zu spielen.

»Wen wollen wir dann hopsnehmen, Sir?«, fragte Lekauf. »Jeden mit einem Vorstrafenregister? Das ist so ziemlich das ganze Viertel.«

»Nein, bloß die, von denen wir glauben, dass sie für uns vielleicht von Interesse sind«, sagte Shevu. »Andernfalls sind wir die ganze Nacht hier.«

Die Razzia ging überraschend leise über die Bühne. Gelegentlich konnte Ben das Aufflackern von Licht hinter den Fenstern sehen, als Laserwaffen abgefeuert wurden, und daraufhin hörte er jedes Mal das Krachen von Projektilwaffen. Es war, als würde das gesamte Viertel den Atem anhalten, darauf wartend, dass der Kampf vorüberging. Ohne Komlink-Verbindung zum Rest der Bravo-Kompanie vermochte er nicht zu sagen, wie weit sie bereits in das Gebäude vorgedrungen waren, und Jacen schwieg nicht nur, sondern hatte sich auch aus der Macht ausgeklinkt. Ben konnte ihn überhaupt nicht spüren. Er fragte sich, ob sein Meister - und Jacen war sein Meister, was auch immer der Jedi-Rat sagen mochte - seine Präsenz inzwischen instinktiv verbarg, wie eine Art Verteidigungsmechanismus.

Dann hob Wirut seinen Granatwerfer und schoss eine Blendgranate in das Gebäude. Selbst zwanzig Meter entfernt bekam Ben die Folgen des ohrenbetäubenden Krachs und des blendenden Lichts zu spüren, und seine Ohren brauchten ein paar Sekunden, bevor er die Rufe und das Geräusch von Blasterschüssen vernahm, als Soldaten die Wohnung stürmten.

Stille breitete sich aus. Shevu neigte den Kopf, als würde er horchen, und das ferne Weinen eines Kindes irgendwo im Innern sorgte dafür, dass sich Ben die Haare sträubten.

»In Ordnung«, sagte Shevu. »Zwei Ziele erledigt, zwei nicht auffindbar. Ben, du kommst mit mir. Arbeiten wir uns von oben nach unten vor.«

Jedes Apartment, zu dem ihnen freiwillig die Tür geöffnet wurde, war voller Verdächtiger, feindselige Gesichter, für die der Besuch von Polizeibeamten eindeutig nichts Fremdes war. Aber Ben spürte keinen Vorsatz oder unmittelbare Gefahr. Er hielt sich dicht bei Shevu, und als sie in das nächste Stockwerk kamen, kauerte Jacen bereits draußen vor einem der Apartments. Er sprach ernst mit ein paar Männern des 9Ö7sten, dann winkte er Ben zu sich.

»Was spürst du dort drinnen, Ben?«

Ben schloss die Augen. Er hatte das Innere von genügend Wohnungen in diesem Block gesehen, um sich den Grundriss dort drinnen ausmalen zu können. Als er sich konzentrierte, fühlte er das Kribbeln in seiner Kehle, das auf eine unmittelbare Gefahr hinwies, und sein Verstand wurde zu einer Seite des Raums gezogen, wo ein Mann und eine Frau -das wusste er, aber er war sich nicht ganz sicher, warum - mit düsteren Absichten lauerten.

»Mir gefällt es auch nicht, wie sich das Ganze anfühlt«, sagte Jacen. Er schien deswegen besonders besorgt zu sein. Ben dachte, dass er sich inzwischen eigentlich an diese Art von Gewaltbereitschaft gewöhnt haben sollte. »Ich denke, das sind unsere beiden vermissten Zielpersonen.«

»Auf die altmodische Art, Sir?« Einer der 967er hielt eine Rolle Sprengband hoch.

Jacen schüttelte den Kopf und zog sein Lichtschwert. Die Einheit bei ihm drängte sich zu beiden Seiten der Tür. Jacen hielt seine linke Hand hoch und senkte sie entlang des Spalts, wo sich die beiden Türhälften trafen, ohne sie zu berühren. Er war einen guten Meter entfernt. Die Türhälften schossen auseinander, krachten auf beiden Seiten hinten gegen den Rahmen, und Jacens Lichtschwert schien ein Eigenleben zu haben, als er damit rote Blasterbolzen abblockte, die aus dem Innern der Wohnung heranzuckten. Ben hätte es besser wissen müssen, als hinter ihm zu stehen, und Shevu setzte sich in Bewegung, um ihn zur Seite zu ziehen, aber aus blindem Instinkt heraus wehrte er einen verirrten Blasterschuss ab und ging hinter Jacen in Position.

Drinnen zielten zwei Leute - ja, ein Mann und eine Frau, er hatte recht gehabt - auf Jacen, aber die Blaster flogen ihnen aus den Fingern, als wären sie von einer unsichtbaren Hand geschnappt worden.

Die Frau - ungefähr so alt wie Bens Mutter, dunkles Haar und mit einer Tätowierung über einem Auge - wollte nach irgendetwas greifen, vermutlich nach einem weiteren Blaster, aber Jacen schleuderte sie mit der Macht gegen die Wand und nagelte sie dort fest. Der Mann lag zusammengesackt neben einem Stuhl und stöhnte. Die Einheit strömte hinein, und die beiden Gefangenen wurden mit Handschellen gefesselt und nach draußen geschleift.

Shevu nahm seinen Helm ab und fuhr sich mit dem Rücken seines Handschuhs über die Stirn. »Sie sollten uns eine Liste über Ihr Können geben, Sir«, sagte er mit einem matten Lächeln. »Ich verliere so langsam den Überblick darüber, was Sie alles in Ihrer Trickkiste haben.«

»Das geht mir manchmal genauso«, sagte Jacen. Er wandte sich an Ben. »Bist du in Ordnung?«

»Mir geht's gut.« Fürs Erste war es vorbei. Sie konnten in die Kaserne zurückkehren. Ben konnte das Zittern in seinen Beinen spüren, das stets auf einen Adrenalinschub folgte, und die Erleichterung sorgte dafür, dass er sich beinahe weinerlich fühlte. Er biss sich diskret auf die Lippen.

»Vor einigen Tagen wolltest du mir etwas erzählen.« Jacen schien immer zu wissen, wie Ben sich gerade fühlte. Er wusste genau, wann er eine Frage stellen musste und es Ben schwerfallen würde, nicht darauf zu antworten. »Erinnerst du dich?«

»Worüber?«

»Irgendetwas darüber, jemanden zu melden.«

Ah, Barit. Wieder wurde Ben von Unentschlossenheit gequält. Barit hatte zwar niemanden erschossen, aber er hatte es mit ziemlichem Ernst versucht. War es rechtens, ihn anzuzeigen? Möglicherweise war er bereits interniert oder deportiert worden. Möglicherweise aber auch nicht. Und welches Mitgefühl Ben auch immer für ihn empfunden haben mochte, vielleicht versuchte er es erneut.

Du steckst jetzt in dieser Sache drin. Du weißt, was auf dem

Spiel steht. Du bist nicht hier, damit man dich mag.

Und Jacen braucht dich. Er braucht dich, und er braucht deine Loyalität.

»Die Familie heißt Saiy«, sagte Ben. »Sie haben eine Werkstatt.«