8.
Corellianische Militante haben die Verantwortung für die Kontaminierung der Wasserversorgung von Galactic City mit Fex-M3 übernommen. Der Angriff, der 465 Tote und mehr als 5000 Opfer mit Nervenschäden forderte, war Auslöser für die gestrigen Ausschreitungen vor der corellianischen Botschaft. Die CSK hat die Polizeipräsenz in Galactic City verdoppelt, um eine Eskalation der Unruhen zu verhindern. Die Behörden von Galactic City haben Terroralarm ausgelöst und fordern die Bevölkerung auf, wachsam zu sein, während Admiralin Cha Niathal scharfe Maßnahmen fordert, um den Terroristen das Handwerk zu legen.
HNE-Morgenbericht
BÜROS VON STAATSCHEF OMAS, SENATSGEBÄUDE, CORUSCANT
Die HNE-Holokamera schwebte geduldig in der Luft, während Staatschef Omas ein erstes Interview über die Sicherheit der Wasserversorgung von Galactic City gab. Jacen hielt sich im Hintergrund und sah von dem Sofa in der Ecke des ausgedehnten Büros aus zu.
Auf Omas' Tisch stand ein Kristallkrug, und während er sprach, goss er sich - ungezwungen, aber dennoch durchaus mit Bedacht - ein Glas Wasser ein und nippte gelegentlich daran. Es gab nichts Besseres als einen Politiker, der persönlich sein Vertrauen in das coruscantische Wasser demonstrierte. Er bot sogar dem Reporter ein Glas an, der seinem Gesichtausdruck nach wusste, dass er genötigt wurde, sich an einer gewissen Meinungsmache zu beteiligen. Der Mann trank dennoch, Er und Omas sahen aus wie Kinder, die eine Mutprobe absolvierten.
»Bei sämtlichen Stationen der Wasserwerke sind mittlerweile zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden«, sagte Omas und wog sein Glas. Jacen hatte schnell gelernt, dass es einen höchst beruhigenden Eindruck vermittelte, etwa die Hände auf dem Tisch zu falten. Auch der Trick mit dem Wasserglas würde bei den HNE-Zuschauern Wirkung haben. »Ich bin zuversichtlich, dass sich ein Sabotageakt, wie er in dieser Woche stattgefunden hat, nicht wiederholen wird.«
»Glauben Sie, dass wir es mit einer ernsten terroristischen Bedrohung zu tun haben, oder war das ein willkürlicher Akt?«, sagte der Reporter.
»Es ist eine ernste Bedrohung, und sie scheint zu eskalieren«, antwortete Omas. »Auch wenn wir es nicht mit einer identifizierbaren, formellen Terrororganisation zu tun haben.«
»Wenn Sie bereits festgestellt haben, dass wir uns einer Bedrohung dieses Ausmaßes gegenübersehen, haben Sie dann das Gefühl, dass Sie genug tun, um die Bürger von Coruscant zu schützen?«
Diesmal zögerte Omas, um durchzuatmen. Jacen sah, dass er überlegte, und er wusste, dass der Politiker eine Gelegenheit witterte. »Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Sicherheitsdienste jede mögliche Anstrengung unternehmen.«
»Dennoch wurden Sie von einigen Politikern kritisiert, Sie würden nicht weit genug gehen.«
»Wir sind so weit gegangen, wie es die gegenwärtige Gesetzeslage zulässt.«
»Einige Ihrer Kollegen verlangen die Internierung
corellianischer Bürger.«
»Das ist eine sehr schwerwiegende Maßnahme. Wir befinden uns nicht im Krieg.«
»Wenn das schließlich der Fall ist, wird es dann nicht zu spät dafür sein?«
Omas brachte ein bedauerndes Lächeln zustande. »Lassen Sie uns nichts überstürzen.«
Internierung. Du sprichst da über meinen Vater. Jacen ertappte sich dabei, wie sich alles in ihm sträubte, und dann fühlte er sich schuldig, weil er zuerst an seine eigene Familie dachte. Irgendwer muss diese Situation unter Kontrolle bringen, und das bin ich.
Bewegungen draußen im Foyer, sichtbar durch ein Transparistahlfenster, zogen seine Aufmerksamkeit auf sich. Der Umriss wurde von den geätzten Mustern auf dem Stahl verzerrt, doch er erkannte Senator G'Sil, den Vorsitzenden des Sicherheits- und Geheimdienstausschusses. Sobald der HNE-Reporter sein Interview beendet hatte und gegangen war, schlüpfte G'Sil in Omas' Büro.
»Mein Job steht hier zwar nicht auf dem Spiel«, sagte er und zog sich einen Stuhl heran. »Aber ich glaube, unser Freund von der Presse hat recht. Tut mir leid. Bloß ein bisschen harmloses Lauschen.«
Jacen wusste, warum man ihn gerufen hatte, doch er war neugierig, wie sie das Thema ihm gegenüber zur Sprache bringen würden. Sich an politische Spielchen zu beteiligen weckte in ihm die Sorge, dass ihn persönlicher Ehrgeiz antrieb, doch andererseits hatte er es hier mit Leuten zu tun, bei denen Manipulation zum Handwerkszeug gehörte. Wenn er sich ihre Rückendeckung sichern wollte, musste er also ebenfalls manipulieren. Wenn ein Jedi eins war, dann pragmatisch.
»Es gefällt mir nicht, die Angelegenheit auf die harte Tour anzugehen«, sagte Omas. »Und womöglich ist das gar keine Entscheidung, die bei mir liegt.«
G'Sil deutete über die Schulter auf die Stadt jenseits der raumbreiten Fenster. »Schauen Sie dort hinaus. Auf diesem Planeten leben eine Billion Leute. Ein paar Tausend - ein winziger Prozentsatz - sind unmittelbar von Terroranschlägen betroffen. Doch der Rest glaubt, dass ihnen etwas Ähnliches zustoßen wird, und genau darum geht es hier: um die Sichtweise dieser Bürger, um das Vertrauen der Öffentlichkeit.«
Omas hob eine Augenbraue. »Meinungsmache.«
»Beschwichtigung.«
Jacen hatte genug gehört, um G'Sil zusammen mit Niathal seiner Liste von Verbündeten hinzuzufügen.
»Furcht gebiert ihre eigenen Probleme«, sagte Jacen. »Dem müssen wir etwas entgegensetzen.«
Einen Moment lang herrschte Schweigen. Omas' Schultern sackten nach unten, und seine Präsenz in der Macht war wie ein kleines Stück Eiscreme, das zu nichts dahinschmolz. Sein Widerwillen war spürbar.
»Mara Skywalker ist nicht gewillt, einen Sicherheitsposten zu übernehmen«, sagte er. »Sie indes scheinen gleichermaßen fähig und wesentlich bereiter, sich einer solchen undankbaren Aufgabe anzunehmen.«
»Definiert die Aufgabe«, sagte Jacen.
»Die Lücke zwischen der Armee und den Sicherheitskräften von Coruscant zu füllen.«
»Warum wendet Ihr Euch damit direkt an mich und umgeht den Rat der Jedi?«, fragte Jacen. »Ich gehöre nicht einmal dem Militär an.«
»Weil wir Sie nicht als Jedi hierum gebeten haben«, sagte G'Sil. »Wir bitten Sie als Jacen Solo darum, diese Aufgabe zu übernehmen, und man wird Ihnen einen Posten und einen Rang geben. Als Colonel. Ich würde darauf wetten, dass der Rat von einer unschönen Sache wie dieser nicht besudelt werden will.«
»Sie wird ihm nicht gefallen.«
»Sparen wir uns das PR-Gerede. Als Demokratie waren wir nie sonderlich geübt darin, eine Geheimpolizei zu unterhalten. Sie wissen schon, die Art von Einsatztruppen, die Ihr Vater hatte, als.« G'Sil verstummte. »Tut mir leid, Jacen. Sollte keine Beleidigung sein.«
»Ist schon in Ordnung.« Jacen meinte es so, wie er es sagte. Er hatte sich damit arrangiert, in die Fußstapfen seines Großvaters zu treten, auch wenn er dem Weg, den dieser gegangen war, nicht zur Gänze folgen würde. »Ich schäme mich nicht wegen Anakin Skywalker. Und es gibt positive Dinge, die ich aus seinem Beispiel lernen kann.«
Mit einem Mal war es in dem Büro vollkommen still, als würden sowohl G'Sil als auch Omas den Atem anhalten.
»Können wir das als Ja verstehen?«, fragte G'Sil schließlich.
Ich komme hier als Zivilist rein, und als Colonel werde ich wieder gehen. Das wird Jaina ganz und gar nicht gefallen. Jacen schluckte. »Ich werde eine Sicherheitstruppe brauchen, die unter meinem Kommando steht.«
Omas schaute zu G'Sil und dann wieder zurück zu Jacen. »Die Antiterroreinheit der corellianischen Sicherheitskräfte steht Ihnen zur Verfügung.«
»Nein, ich brauche mein eigenes Team aus Mitgliedern des Militärs und einigen anderen Gruppen, ein Team, das eindeutig vom CSK getrennt ist. Wenn Zivilisten sehen, wie die Polizei
Wohnungen durchsucht und Bürger in die Mangel nimmt, wird das die reguläre Polizeiarbeit merklich erschweren. Aus politischen Gründen muss die Einheit unabhängig sein - eine spezielle Garde der Galaktischen Allianz, wenn Ihr so wollt.«
G'Sil nickte. »Dem stimme ich zu. Man muss die Geheimpolizei von den netten, freundlichen Beamten trennen, die auf den Straßen patrouillieren. Das vermittelt die Botschaft, dass normale, gesetzestreue Coruscanti nichts zu befürchten haben, während wir dem Feind gegenüber ein Maximum an Stärke demonstrieren.«
Omas saß auf der Kante seines Sessels, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, eine Faust umklammerte die andere, während er mit vagem Blick nach unten sah. »Sie haben in die Mangel nehmen gesagt.«
»Internierung«, verbesserte G'Sil. »Und das ist nicht bloß Meinungsmache. Die Corellianer haben ziemlich problemlos auf unsere Wasserversorgung zugreifen können. Eine relativ kleine Bombe hat zehn Skylanes einen halben Tag lang lahmgelegt. Es braucht nur sehr wenig Leute, um auf einem dicht bevölkerten Planeten wie diesem eine Menge Schaden zu verursachen, und lassen Sie mich Sie daran erinnern, dass dies hier außerdem ein Planet ist, der sich noch nicht ganz von einem anderen Krieg erholt hat. Das Volk ist paranoid.«
Jacen konnte den Weg sehen, der vor ihm lag, den Weg, der speziell für ihn bestimmt war, die Unvermeidbarkeit seines Schicksals, das Lumiya ihm aufgezeigt hatte. Die Ereignisse entwickelten sich, und er war Teil von ihnen, ohne eine andere Möglichkeit zu haben, als seine Verantwortung zu akzeptieren.
»Und wir müssen allen anderen Welten, die Corellia womöglich unterstützen wollen, demonstrieren, dass die Galaktische Allianz kein Haufen von Schwächlingen ist«, fuhr
G'Sil fort.
Jacen bemerkte die Einbeziehung. Wer ist dieses wir? Ich bin nicht gewählt. Ich bin kein Mitglied des Rates der Jedi. Ich bin nicht einmal ein Meister.
»Internierungen werden die Zustimmung des Sicherheitsund Geheimdienstausschusses erfordern.« Omas wirkte resigniert, beruhigte sein eigenes Gewissen aber weiterhin damit, dass er die Dinge demokratisch handhabte. Er warf Jacen einen seltsamen vagen Blick zu, die Stirn in Falten gelegt und tief in Gedanken versunken, als würde er sich an etwas erinnern, und schaute ein Stück an ihm vorbei. Dann schien er sich wieder zu konzentrieren. »Ich werde die Rückendeckung Ihres Komitees brauchen.«
»Gehen Sie davon aus, dass Sie die haben«, sagte G'Sil.
Jacen machte sich mehr Gedanken darüber, wen er brauchen würde, um diese Aufgabe zu erfüllen. Sein Instinkt sagte ihm, sich loyale, zuverlässige Fußsoldaten zu suchen. »Ich würde gern Captain Chevu und ein Team seiner Wahl rekrutieren«, sagte er. Er mochte Shevu. Der Captain war kompromisslos ehrlich und vermittelte in der Macht das Gefühl eines Mannes, der vor Drecksarbeit nicht zurückschreckte. »Ich hätte außerdem gern eine Kompanie Soldaten von den Spezialeinsatzkräften. Und ich brauche Zugriff auf die Geheimdienstdaten der Allianz.« Einen Moment lang fühlte sich Jacen, als würde er außerhalb seines eigenen Körpers stehen. Wie bin ich nur hier reingerutscht?
»Dann wollen Sie NRI-Offiziere.«
»Nein. Ich will mich mit dem Problem auf ganz neue Weise befassen.«
Omas strahlte Unbehagen aus. »Wir haben gerade einen Schritt in Richtung Kriegsrecht gemacht und.«
G'Sil unterbrach ihn. »Aber technisch gesehen ist das hier eine Coruscanti-Angelegenheit, kein Thema für den Senat. Sie haben die Befugnisse, eine entsprechende Vorschrift für den Planeten vorübergehend in Kraft zu setzen.«
»Aber Coruscant ist nicht einfach bloß ein Planet. Das hier ist auch die Galaktische Allianz. Deshalb will ich für diese Sache volle Unterstützung, oder die Dinge werden auseinanderfallen, sobald wir anfangen, diese. Sondermaßnahmen in die Tat umzusetzen.«
»Eine Mehrheit des SIC wird die Legitimation diese Maßnahmen erteilen. Ich werde sofort eine Sondersitzung einberufen. Geben Sie mir vierundzwanzig Stunden.«
G'Sil klopfte Jacen mit offenkundiger Erleichterung auf die Schulter und ging hinaus. Omas, der mit der Aura eines Mannes hinter dem Schreibtisch saß, als befände er sich in einem hart umkämpften Schützengraben, musterte Jacen, als würde der ihm jeden Moment mit schlechten Neuigkeiten überschütten.
»Dürfte ich damit beginnen, das Personal, das ich brauche, zusammenzustellen?«, fragte Jacen. »Dann sind wir bereit loszulegen, sobald die Befugnis dafür erteilt sind.«
»Nur zu. Lassen Sie mich mit Admiral Pellaeon sprechen.« Omas aktivierte das Komlink, das in seinen Schreibtisch eingelassen war; das Gerät hatte dieselbe Pleekholz- und Lapisoptik wie der Tisch selbst. »Ich werde dafür sorgen, dass Ihnen Shevu zugeteilt wird.«
»Könnt Ihr das alles dem Oberkommandierenden und dem CSK vermitteln?«
»Ich kann sehr glaubwürdig sein, wenn ich muss«, sagte Omas. »Aber ich bezweifle, dass das CSK irgendwelche Einwände erheben wird.«
Omas sah aus, als wollte er noch etwas hinzufügen, und Jacen war sich beinahe sicher, worum es sich dabei handeln würde: Pellaeon würde abdanken, wenn ihm das hier aufgezwungen wurde.
Dieser Meinung war auch Jacen. Wenn Niathal den Verteidigungsposten übernahm - und das würde sie, daran zweifelte niemand -, würde ihre Unterstützung das möglich machen, was noch kommen würde, was noch kommen musste.
Doch in der Zwischenzeit musste Jacen Coruscant und einer auf sie blickenden Galaxis nicht bloß beweisen, dass dem Chaos Ordnung aufgezwungen werden konnte, sondern dass dies zudem zum Wohle der Mehrheit geschah.
Er verbeugte sich leicht vor Omas und ging hinaus, um sich zu den Räumen des strategischen Einsatzzentrums zu begeben, wo Captain Shevu - wie er gleichermaßen spürte wie wusste -nach wie vor seinen Dienst tat, obwohl seine Schicht eigentlich vor drei Stunden geendet war.
Shevu war engagiert und direkt, und er würde die besten Geheimdienstdaten darüber besitzen, wo sich die corellianischen Unruhestifter möglicherweise aufhielten. Jacen konnte ihm dabei helfen, sie mit den ungenauen, jedoch hoch verlässlichen Sinnen festzunageln, mit denen die Macht ihn gesegnet hatte.
Sie würden ein beeindruckendes Team abgeben: er, Ben und Shevu.
Genau wie der Verkäufer gesagt hatte, war das Uferviertel schick und voll von gut betuchten Fachkräften. Das Taxi flog
ihn an dem künstlichen Fluss entlang, einem Kanal mit sorgsam konstruierten Stromschnellen und einer maschinell erzeugten Strömung. Es gab sogar saftiges Grün entlang der Ufer, und Grünland erstreckte sich bis nach hinten zu den Reihen der Geschäfte und Schickimicki-Restaurants.
Fett, einen schwarzen Umhang über der Rüstung, fühlte sich ohne seinen Helm sonderbar nackt und konzentrierte sich auf die Tatsache, dass niemand ihn an seinem Gesicht erkennen würde. Er gelangte zu dem Schluss, dass er sich in Distrikten, in denen die Bars schlecht beleuchtet und ein Blaster eine Notwendigkeit war, wesentlich mehr zu Hause fühlte.
»Ich werde bei AruMed arbeiten«, sagte Fett. »Wo sollte man sich da am besten eine Wohnung kaufen?«
Der Taxipilot schaute in den Rückspiegel, und sein Blick traf den von Fett. Es war das erste Mal seit Jahren, dass ihm jemand wirklich in die Augen sah und nicht bloß versucht hatte, durch sein Visier zu starren.
»Alle Wissenschaftler kaufen sich irgendwas am Oberen Parkweg. Sind Sie Wissenschaftler?«
»Ich bin Anatom.« Ja, ich weiß genau, wo ich jeder einzelnen von tausend verschiedenen Spezies hinschießen muss, damit es die größtmögliche Wirkung hat.
»Dann wollen Sie definitiv was am Oberen Parkweg.«
»Nachtleben?«
»Teure Bars. Hauptsächlich Skayan-Bistros und Weinstuben.« Der Pilot rümpfte missbilligend die Nase. »Ich selbst bin eher Biertrinker.«
»Wie weit bis zu den AruMed-Labors?«
»Fünf Minuten. Angenehme kleine Gemeinde.«
»Alles Menschen?«
»Haben Sie irgendwas gegen Nichtmenschen?«
»Frag bloß aus Neugier.« Kaminoaner hassten Sonnenlicht. Sie waren an Wolken, Regen und endlose Ozeane gewöhnt.
Fett bezweifelte, dass ein Zierfluss Taun We genügend Wasser bot. »Ich weiß gern, wer meine Nachbarn sind.«
»Hab da oben immer nur Menschen gesehen.«
Vielleicht weil du nicht richtig hinschaust. »Setzen Sie mich hier ab. Ich will sehen, ob es mir hier gefällt.«
Der Obere Parkweg war in jeder Hinsicht so adrett, wie der Taxipilot gesagt hatte. Zwischen die Apartmenttürme waren Stadthäuser eingestreut - ein echter Luxus auf einem dicht bevölkerten Planeten -, und Droiden bauten noch immer Anwesen am Rande des Parks, dem dieses Viertel offenbar seinen Namen verdankte. Vom Ende der Straße aus konnte Fett das monolithische graue Gebäude der AruMed-Laboratorien mit seinem rot erleuchteten Schild ausmachen, ein kurzer Spaziergang für jeden, der am Oberen Parkweg lebte. Und wie der Pilot gesagt hatte, gab es in der Gegend mehrere ansprechende Bistros.
Wenn es darum ging, sich von einem Dach abzuseilen, um einen Häftling einzufangen, oder mit einem Blaster in der Hand in ein Gebäude zu stürmen, war Fett ganz in seinem Element. In eine Bar zu spazieren und umsichtig zu plaudern, war nicht ganz sein Stil.
Aber es musste getan werden. Bring es hinter dich, Fett.
In dem Bistro war alles lupenrein sauber, gesittet und ruhig. Er ging vor zur Theke, setzte sich und überflog die Speisekarte. Ohne seinen Helm konnte er tatsächlich etwas essen. Das Novum dieses Gedankens wirkte erstaunlich und erinnerte ihn daran, wie viele Dinge er nie getan hatte und jetzt vielleicht auch niemals mehr tun würde, wenn er diese Daten nicht finden konnte.
»Kann ich Ihnen irgendetwas bringen?«
Erneut fand Fett sich dabei wieder, dass er in das Gesicht eines Barkeepers schaute, doch dieser hier schaute ihn an wie einer, der bloß einen normalen Mann sah, keinen Kopfgeldjäger. Auch sonst schien niemand in der Bar Notiz von ihm zu nehmen. Für gewöhnlich sorgte er allein schon dadurch dafür, dass in einer Kneipe nervöse Stille einkehrte, dass er eintrat.
»Ein Bier«, sagte er. Es ist so einfach. Genau so machen das alle anderen. »Ein corellianisches.«
Vor ihm erschien ein schäumendes Glas. »Auf Besuch hier?«
Er ist ein Mann, der sich fremde Gesichter merkt. Ein vorsichtiger Mann. »Ich denke darüber nach, mir hier eine Wohnung zu kaufen.«
»Ist echt eine gute Zeit dafür.« Der Barmann schob ihm eine Glasschüssel mit irgendwelchen unidentifizierbaren Snacks zu. »Jetzt, da AruMed expandiert, werden die Preise verrücktspielen.«
Fett nippte an dem Bier, fast gefangen von der schlichten Freiheit, in der Öffentlichkeit etwas zu trinken. Außerdem probierte er die Snacks, die salzig-süß und knusprig wie gebratene Nüsse waren. »Die Aktien entwickeln sich gut.«
»Das liegt an diesen Wissenschaftlern, die sie von SanTech abgeworben haben. Sie sagen, dass sie sich ein großes Stück vom Gentherapiemarkt abschneiden werden.«
SanTech. Fierfek. Ich habe falsch geraten. »Also keine Kaminoaner?«
Der Barkeeper lachte. Ein Mann ein Stück entfernt an der Theke drehte sich um, um ihn anzuschauen. »Je einen gesehen?«
Ruhig. »Ja. Um ehrlich zu sein, kenne ich einen sehr gut.«
Das Schweigen vertiefte sich. Es gab Stille, und dann gab es dieses Schweigen von Leuten, die angestrengt über etwas nachdachten, und diese beiden Arten von Stille klangen nicht gleich.
»Ein Gast hier hat neulich erzählt, dass einer bei Arkanian Micro aufgetaucht ist, aber ich glaube, er hat bloß einen Scherz gemacht«, sagte der Barmann.
Arkanian Micro. Nun, wenn man Geschäfte mit dem Klonen macht, ist das eine weitere Adresse, die man in Betracht ziehen muss. Das war ein drastischer Wendepunkt in der Unterhaltung. Fetts Magen rumorte, und das passierte nur selten. Falscher Planet. Aber vielleicht die richtige Spur.
»Ich kenne eine Pathologin bei Arkanian Micro«, sagte ein Mann, der ein Stück von ihm entfernt an der Theke saß. »Sie hat einige interessante Dinge über die Kaminoaner gesagt.«
Ah, du stellst mich auf die Probe. Arbeite ich in der Industrie? Bluffe ich, um an Insiderinformationen heranzukommen? »Was denn? Dass sie nie nach draußen in den Sonnenschein gehen? Dass sie besessen sind von Perfektion?«
Der Mann musterte ihn eingehend. »Dass sie grau sind, mit langen Hälsen, und unglaublich arrogant, ihr freundliches Auftreten mal außer Acht gelassen.«
Nun, das bestätigt, dass du einen getroffen hast, du oder deine Freundin. Danke. Fett beschäftigte sich mit seinem Bier. Nicht viele wussten so viel über Kaminoaner. Über die Jahrhunderte hinweg hatten bloß eine Handvoll Leute überhaupt gewusst, dass sie existierten, ganz zu schweigen davon, dass irgendwer sie gesehen oder genügend Kontakt mit ihnen gehabt hätte, um auf einer nichtkaminoanischen Welt ihr Aussehen zu beschreiben. »Hat Micro ihnen ein hübsches, dunkles Loch gegeben, in dem sie leben können?«
»Das war ein Streitpunkt«, sagte der Mann. Er sah zufrieden aus.
Also waren wahrscheinlich Kaminoaner zu Arkanian Micro auf Vohai übergelaufen. Die Information an sich war dürftig, doch der Umstand, dass es normalerweise überhaupt keine Informationen über Kaminoaner gab, verschaffte ihr um einiges mehr Glaubwürdigkeit.
Bis er sein Bier ausgetrunken, seine Credits auf den Tresen gelegte und sich erhoben hatte, um zu gehen, hatte Fett bereits seine Route ins Outer Rim ausgeknobelt.
»Dieses Viertel gefällt mir«, sagte er.
Auf dem Rückweg zur Slave I tat er, was er schon so viele Male getan hatte: Er benutzte sein Datenpad, um den automatisierten Kauf von Vermögenswerten durchzuführen. Er erwarb ein halbes Dutzend Apartments im Oberen Parkweg und übertrug sie einer seiner Beteiligungsgesellschaften; innerhalb eines Jahres würde sich der Wert der Immobilien verdoppeln. Er selbst würde wohl niemals in einer dieser Wohnungen leben. Sie waren eine Investition.
Er zockte nie. Er spekulierte.
Wofür investierst du denn? Warum hast du überhaupt jemals in irgendetwas investiert? Wann hast du dir Gedanken darüber gemacht, was du mit alldem anfangen sollst?
Das hatte er nicht getan. Er machte das alles, um Erfolg zu haben, um zu zeigen, wie gut er war. Und die einzige Person, die es gekümmert hätte, wie gut er sich machte, was für ein gescheiter Junge er war, war schon lange tot.
Fett bog diskret seine Finger durch, als er sich auf den Rücksitz des Taxis setzte, und spürte, wie seine Gelenke und Sehnen brannten. Der Schmerz war noch immer nur gelegentlich, aber er wusste, dass es schlimmer werden würde, wenn sich sein Zustand verschlechterte. Ein paar Schmerzmittel, wenn die Pein schließlich seine Leistungsfähigkeit minderte, würden ihn bei der Stange halten. Nein, noch war er nicht tot.
Aber wenn Ko Sai eine der Kaminoanerinnen gewesen war -der Plural war ihm nicht entgangen -, die zu Arkanian Micro geflohen waren, dann hatte sie ihre Forschungsunterlagen hinsichtlich des Themas Alterung nicht mitgenommen, denn in diesem Fall hätte die Firma die Daten inzwischen bis zum Letzten ausgebeutet. Maßnahmen gegen Alterserscheinungen zu treffen war seit jeher die Hauptbeschäftigung wohlhabender Zivilisationen. Damit ließen sich jede Menge Credits machen.
Vielleicht handelte es sich bei dem Gerede aus der Bar bloß um Gerüchte. Nein, es waren genügend handfeste Fakten auf dem Tisch gelegt worden, und für gewöhnlich haftete Industrieklatsch stets etwas Wahres an.
Aber vielleicht war es Ko Sai nie gelungen, den Alterungsprozess zu stoppen oder umzukehren.
Dann bist du wirklich tot, Fett. Also halt dich in Form.
Sobald er aus dem Taxi ausgestiegen war, streifte er den Umhang und das Gewand ab, knüllte beides in die Reisetasche und setzte mit aufrichtiger Erleichterung seinen Helm wieder auf; er war nicht bloß eine Barriere gegen eine Welt, in die er nicht wirklich gehörte: Er war ein Ausrüstungsgegenstand, für sich allein genommen schon eine Waffe. Er entspannte sich, als der vertraute Ansturm von Text und Symbolen das HUDFenster füllte und ihm verriet, dass mit der Slave I alles in Ordnung war. Er überprüfte ferngesteuert die verschiedenen Überwachungskameras und blickte durch Bilder von leeren Laderäumen und Sicherheitsluken auf den Permabetonstreifen vor sich. Noch bevor die Slave I in einer der Landebuchten in Sicht kam, verharrte er bei einem Bild von Mirta Gev. Noch immer in der Gefangenenkammer eingesperrt, lag sie auf dem Fußboden, die Beine über das Querfries eines Schotts gehakt, die Hände hinter ihrem Kopf verschränkt, und machte Sit-ups.
Er war noch keiner Frau wie ihr über den Weg gelaufen. Er hatte auch noch nicht viele Männer getroffen, die so waren wie sie. Was auch immer sie antrieb, sie nahm die Sache ernst.
Disziplin war eine großartige Eigenschaft. Wieder war er gefährlich nah davor, sie zu mögen. Narr. Sie ist Ballast.
Er öffnete die vordere Einstiegsluke der Slave / mittels seiner HUD-Verbindung, als er noch dreißig Meter von dem Schiff entfernt war, kletterte ins Cockpit und aktivierte den internen Kommunikationskanal.
»Planänderung«, sagte er. »Wir reisen in den Parmel-Sek-tor im Outer Rim.«
Er wartete auf Protestlaute. Nichts. Er überprüfte wieder die Kamera, um sicherzugehe n, dass Mirta noch da war.
»Hast du mich gehört?«
»Ja.« Sie klang ein wenig außer Atem und stand da, um in die Linse der Kamera zu schauen. »Früher oder später werden Sie mich bezahlen. Ich bin jung. Ich habe Zeit. Ich kann warten.«
Ihre Worte trafen ihn hart. Er fragte sich, ob sie wusste, dass er krank war. Aber sie konnte unmöglich wissen, dass er starb.
»Vohai«, sagte er und fragte sich, warum er freiwillig ihr Ziel verriet. Sie brachte ihn dazu, seine Deckung fallen zu lassen. Das hatte noch niemand geschafft. Er unternahm eine bewusste Anstrengung, wieder er selbst zu sein, unberührt von irgendetwas, das über seine eigenen Bedürfnisse hinausging. »Setz dich hier vorne hin, wo ich dich im Auge behalten kann.«
Er öffnete die Sicherheitsschlösser an den Heckabteilen und zündete die Sublichttriebwerke der Slave I. Als das Schiff abhob, sch nallte sich Mirta auf dem Copilotensitz an, und die Beschleunigung traf sie wie ein Schlag.
Fett zögerte. »Ich mache mir nicht viel aus den Andruckdämpfern beim Start.«
Warum habe ich das gesagt? Im Laufe der Jahre hatte er sich angewöhnt, Unterhaltungen auf das Nötigste zu beschränken.
Seine Passagiere befanden sich niemals freiwillig an Bord. So lief die Sache normalerweise: Sie winselten, und er brachte sie zum Schweigen, entweder mit einem harten Wort oder manchmal mit einem harten Gegenstand.
Mirta winselte nicht. Dennoch verspürte er den Drang, sie zum Schweigen zu bringen.
Sie blickte durch das Sichtfenster nach draußen. »Ich habe nicht für eine Fahrkarte bezahlt, also kann ich mich nicht beschweren.«
Darauf fiel ihm keine Erwiderung ein. Fett schaltete die Slave I auf manuell um, um zu überprüfen, dass er noch immer ohne Computerunterstützung fliegen konnte. So weit, so gut. Die Krankheit zeigte sich nach wie vor bloß als Schmerz, noch nicht in Gebrechen. Roonadan verwandelte sich unter ihnen nach und nach in eine rostrote Münze, und das Sichtfenster füllte sich mit sternegesprenkelter Leere, als die Slave I den Planeten hinter sich ließ. Dann ging er das Risiko ein, sein wichtigstes psychologisches Hilfsmittel, um weiterhin reserviert zu wirken, abzulegen, indem er den Helm abnahm. Er ging davon aus, dass Mirta irgendwie darauf reagieren würde, doch sie sah ihn nur an und schaute dann wieder weg, offenbar mehr an dem Sternenfeld weiter vorn interessiert.
»Sie sind ein Klon, nicht wahr?«, fragte sie schließlich.
Sie kommt gleich zur Sache. »Hast du ein Problem damit?«
»Nein. Ich habe schon mal einen Klon getroffen.«
»Genau wie Ailyn. Sie hat ihn getötet.«
»Bloß, weil sie dachte, er wäre Sie.«
Ich will mich nicht unterhalten. Er antwortete nicht.
Mirta blieb beim Thema. »Aber dieser Klon hat gesagt, er hätte auf Geonosis gekämpft.«
»Kann nicht sein.«
»Warum nicht?«
»Diese Klone waren so entworfen, dass sie schnell alterten.« In Gedanken führte Fett eine rasche Berechnung durch und verdoppelte die Jahre. »Dann wäre er jetzt klapprige 140 Jahre alt.«
»Er war in guter Verfassung.«
Die Klonarmee war so entwickelt worden, dass sie in zehn Standardjahren erwachsen wurde, und dann alterten sie mit der zwei- oder mehrfachen Geschwindigkeit gewöhnlicher Menschen weiter. Fett konnte sich daran erinnern, dass sie ihm leidgetan hatten, als er noch ein Kind gewesen war, doch sein Vater hatte ihm gesagt, er solle stolz auf sie sein, weil sie perfekte Krieger waren. Manchmal erinnerte er sich daran, dass sie außerdem seine Brüder gewesen waren. Wann immer er einem Sturmtruppler begegnet war, der unter Vaders Befehlt stand, hatte er sich stets gefragt, ob sich hinter diesem weißen Visier irgendein Überbleibsel der Matrix seines Vaters - von ihm selbst - befand. Aber er hatte sich nie danach erkundigt.
»Wann hast du ihn getroffen?«, fragte Fett vorsichtig.
»Letztes Jahr. Ich bin ihm bei einem Job in die Quere gekommen.«
»Kopfgeldjagd?« Wo? Dräng sie nicht.
»Ja.«
»Ein 140 Jahre alter Klon?«
Mirta studierte einen Moment lang teilnahmslos sein Gesicht. »Er sah Ihnen ziemlich ähnlich, abgesehen von den Narben.«
»Er müsste zu alt sein, um auch nur gehen zu können.«
»Oh, er konnte ausgezeichnet gehen. Und mit einer Waffe umgehen. Ein großer, Furcht einflößender Kerl mit einem modifizierten Verpinen-Gewehr und diesem langen, dünnen, dreischneidigen Messer.«
Es war unmöglich, dass ein Klon der Großen Armee der Republik überlebt hatte, ganz zu schweigen davon, dass er den Dienst quittiert hatte. Ihr ganzes Leben war dem Kampf gewidmet. Wie hätten sie gegen ihr eigenes Naturell handeln können? Doch Klone waren Menschen, und im Krieg waren sie über die ganze Galaxis verstreut worden, deshalb war es unvermeidlich, dass einige Kinder gezeugt hatten. Dies musste eins davon sein. Er war beinahe erleichtert festzustellen, dass die Klon-Blutlinie nicht vollends ausgelöscht worden war, aber er war sich nicht ganz klar, warum er so empfand. »Bist du sicher?«
»Ja. Er sagte, sein Clan-Name sei Skirata.« Skirata.
Fett riss den Kopf herum und wusste augenblicklich, dass er zu großes Interesse gezeigt hatte. Aber er kannte diesen Namen. Damals auf Kamino, in den Jahren, bevor der Krieg gegen die Separatisten begann, hatte sein Vater einen Freund namens Skirata gehabt, einen kleinen, zähen, fanatischen Mann, der Klonkommandotruppen ausgebildet und - laut seinem Vater - der schmutzigste Kämpfer gewesen war, der ihm je untergekommen war. Er schien das an ihm gemocht zu
haben.
»Was hat er sonst noch gesagt?«
»Dass er und einige seiner Brüder die Armee verlassen haben, nachdem Palpatine an die Macht kam. Er war nicht sehr gesprächig. In dieser Hinsicht sind Sie definitiv mit ihm verwandt.«
Das sorgte dafür, dass Fett ihr noch mehr Aufmerksamkeit schenkte.
Kein Klon aus den Kamino-Labors konnte so lange überlebt haben - mit Ausnahme von Unveränderten, wie er selbst.
Oder. einer, dessen beschleunigter Alterungsprozess unterbrochen worden war. Nur Ko Sai hatte das Wissen, um das zustande zu bringen.
»Ich bin interessiert«, sagte er. »Warum?«
Er hatte nur selten lügen müssen, aber jetzt log er. »In diesem Fall wären es auch meine Brüder, oder nicht?« Und dann war er sich mit einem Mal nicht sicher, wie viel davon tatsächlich gelogen war. Er war immer allein gewesen, genau wie er es mochte, und jetzt war er plötzlich neugierig darauf, wie es wohl wäre, wenn sich das änderte.
Mirta lehnte sich in dem Sessel zurück und schaute zur Decke empor. Sie trug das Feuerherz um ihren Hals. Es kam ihm sonderbar vor, dass eine Kopfgeldjägerin das mit einem Gegenstand, den sie wiederbeschafft hatte, machte. Andererseits war sie ein junges Mädchen, und Mädchen mochten Kinkerlitzchen. Doch sie wirkte so gar nicht wie der Typ Mädchen, der sich für Schmuck interessierte.
»Er sah aus wie Sie, mehr oder weniger«, sagte sie schließlich. »Er trug eine komplette Mando-Rüstung. Hellgrau. Und diese blassgrauen Lederhandschuhe, mit diesem ungewöhnlichen Fadenlauf.« Sie hielt beide Hände über ihren
Schoß, die Handflächen nach unten, die Finger gespreizt, als würde sie sich diese Handschuhe an ihren eigenen Händen vorstellen. »Wirklich makellose Handschuhe.«
Fett dachte an Taun We. Falls Mirta ihm kein Märchen erzählte, dann war es jemandem gelungen, sich Ko Sais Daten zu verschaffen. Und dieser Jemand hatte sie sich zunutze gemacht.
Aber vielleicht wusste Mirta mehr, als sie preisgab. Sein Vater hatte ihm beigebracht, immer wachsam zu sein. Das hier war so nah an dem dran, was er hören wollte, dass jeder argwöhnische Nerv in seinem Körper zuckte, und das bedeutete alle.
Wenn diese Klone überlebt haben, warum habe ich dann nicht schon früher von ihnen gehört? falls dieses Kind versucht, mich irgendwie reinzulegen, muss sie noch eine Menge lernen.
Selbst Ailyn hatte einst versucht, ihn zu töten. Er warf Mirta einen Seitenblick zu.
»Fierfek, wenn Sie das machen, sehen Sie genauso aus wie er.« Sie wirkte verunsichert. »Ich mein die Art, wie Sie Ihren Kopf neigen.«
Wer auch immer der Mann mit den grauen Handschuhen war, er schien Eindruck gemacht zu haben. Entweder das, oder sie war eine klasse Schauspielerin. Sie hielt das Feuerherz mit festem Griff umklammert, wie um es zu beschützen.
Fett beschloss, dass sie im Achterbereich eingeschlossen sein würde, wenn er schlafen musste. Sie schien noch immer zu denken, dass die Ware, die sie zu verkaufen hatte, Ailyns Aufenthaltsort war. Vielleicht begriff sie nicht, dass sie noch zwei Dinge hatte, die er wollte, und das waren Informationen sowohl über seine tote Frau als auch - unmöglich, aber er konnte es nicht einfach ignorieren - über seine lebenden
Brüder.
Hätte sie es gewusst, hätte sie dafür bezahlt werden wollen.
Aber Mirta hatte das Feuerherz. Irgendwie war das in diesem Augenblick alles, woran er sich in Bezug auf Sintas Vel erinnern konnte.
Mit einem Mal vermisste er sie, denn er wusste, dass er kein Recht dazu hatte.
SENATSEMPFANGSRAUM 513, SENATSGEBÄUDE, CORUSCANT: 08.35 UHR
Um acht Uhr trat Admiral Pellaeon als Oberbefehlshabender der Verteidigungsarmee der Galaktischen Allianz zurück, ein bisschen zu spät für die Hauptausgabe der morgendlichen Holonachrichtensendung, aber früh genug, um das nachfolgende Programm für ein paar Sekunden zu unterbrechen. Unter vier Augen hatte er sich mit aller Entschiedenheit gegen die Befugnisse ausgesprochen, die der Garde der Galaktischen Allianz zugebilligt worden waren, doch in der Öffentlichkeit ließ er nichts davon verlauten. Er war ein alter Mann. Niemand außerhalb von Omas' Kabinett - und vermutlich noch nicht einmal das Militär - hielt es für ungewöhnlich, dass er einen jüngeren Offizier seinen Platz einnehmen ließ.
Jacen verfolgte die Nachrichten auf dem Holoschirm des Zimmers, den Ton stummgeschaltet.
Obwohl er nicht überrascht darüber war, dass Pellaeon schließlich abgedankt hatte, war er dennoch nicht auf das Tempo vorbereitet, mit dem sich die Ereignisse entwickelten. Er fragte sich, ob Lumiya die Dinge irgendwie beeinflusst hatte. Aber sie bestritt es. Sie saß neben ihm in dem verwaisten
Empfangsraum, eine Dokumententasche auf ihrem Schoß, das Gesicht unsichtbar unter dieser dunkelroten Kutte samt Schleier. In der Regel wimmelte es in der Kammer vor Lobbyisten und Pressevertretern, die auf eine Audienz bei einem der Senatoren hofften, doch für den Großteil der Strommakler war es noch zu früh, ihren Geschäften nachzugehen. Der Rat der Jedi indes traf sich in den Räumlichkeiten des Oberkommandierenden mit Niathal, und es war interessant, dass nicht sie zu den Jedi gegangen war, sondern sie zu ihr.
Fang an, sobald du bereit bist weiterzumachen.
Jacen fragte sich, wie sich Onkel Luke gegenüber der Mon-Calamari-Offizierin verhalten würde. Eines Tages würde sie Omas ersetzen. Er hoffte, dass Luke das kommen sah und sie unterstützen würde, damit der Krieg kurz und knapp wurde und sich Jacen nicht in die Rolle fügen musste, zu der Lumiya ihn drängte.
Da hast du es wieder. Du weißt, dass es vorherbestimmt ist, du kannst dem nicht entgehen. Lumiya ist Teil des Unvermeidlichen, genau wie du selbst. Finde dich damit ab.
»Sag mir, dass du Admiral Pellaeon nicht beeinflusst hast«, sagte Jacen leise.
»Das musste ich gar nicht. Er ist außer sich über Eure Ernennung, und er ist alt.« Lumiyas Stimme war so leise, dass Jacen sie in seinem Verstand beinahe mit der Macht verstärken musste. »Bis er zu dem Schluss gelangt, dass er zurückkommen will, wird es für ihn zu spät sein, Euch aufzuhalten.«
Der Rücktritt eines betagten Verteidigungsministers war für HNE keine schockierende Nachricht, lediglich eine Gelegenheit, Pellaeons erstklassige Laufbahn Revue passieren zu lassen. Doch dass Admiralin Niathal seine Nachfolge antrat, war bedeutend. Sie war als Vertreterin der harten Linie bekannt. Jacen schaltete den an der Wand angebrachten Holoschirm auf einen corellianischen Nachrichtensender um. Staatschef Thrackan Sal-Solo sprach dort von einer anhaltenden Bedrohung für Corellia. Da der Ton ausgeschaltet war, musste Jacen lippenlesen.
Sal-Solo verkündete, dass die Centerpoint-Station zur Verteidigung von Corellia innerhalb von drei Monaten wieder einsatzbereit sein würde.
»Ihr habt eine interessante Auswahl an Verwandten«, sagte Lumiya.
»Umso mehr Grund für mich, das Vernünftige zu tun und die Probleme aus der Welt zu schaffen, die verschiedene Zweige meiner Familie der Galaxis bescheren.«
»Ihr seid Eurem Großvater ähnlicher, als Ihr glaubt.«
Lumiya kannte Anakin Skywalker als ihren Lord Vader. Er hatte sie als Geheimdienstagentin ausgewählt.
»Die Parallelen sind mir nicht entgangen«, sagte Jacen.
»Und das bereitet Kuch Sorgen.«
»Ich habe gesehen, welchen Weg er gegangen ist.« Im wahrsten Sinne des Wortes, Großvater. Ich stand hinter dir und habe gesehen, wie du Kinder umgebracht hast. »Ich werde die Dinge ein bisschen anders handhaben.«
»Und Ihr wollt Ben Skywalker immer noch als Euren Schüler?«
»Ja.«
Lumiya strahlte Zufriedenheit aus, als wäre das eine Art zusätzlicher Rache an Luke, aber er wusste, dass sie diesen Punkt längst hinter sich gelassen hatte. »Das ist eine Wahl, die nur Ihr allein treffen könnt.«
»Mir fällt kein anderer Kandidat ein.«
»Verfolgt Ihr diese Sache mit der Garde der Galaktischen Allianz weiterhin?«
»Warum sollte ich nicht?«
»In der Oberkommandierenden habt Ihr jetzt eine Verbündete«, sagte sie. »Ihr könntet Euch ohne Umschweife der militärischen Lösung zuwenden.«
»Es ist nach wie vor eine wichtige Aufgabe, die Sicherheit hier wiederherzustellen. Und Niathal braucht Zeit, um der GAVA ihren Führungsstempel aufzudrücken. Und Staatschef Omas.«
»Vorbildliche, pragmatische Analyse.«
Jacen fragte sich, ob er ein Risiko einging, indem er diese Unterhaltung im Senatsgebäude führte. Aber falls irgendwelche Mitglieder des Jedi-Rats so geübt darin waren wie er, in die Macht hineinzuhorchen, würde sie, so nahm er an, zu sehr in ihre Diskussion mit Niathal vertieft sein, um sie zu hören. Was sagten sie wohl zu ihr?
Er konnte lauschen. Er hätte die Laute, die durch die geschlossenen Türen am anderen Ende des Flurs drangen, aus der Luft schnappen und sich selbst davon überzeugen können, aber es war irrelevant.
Er wusste, dass sie Niathal zur Vorsicht drängen würden.
Er wusste auch, dass Niathal auf ihre schmallippige Art höflich lächeln und den Kopf zur Seite legen würde, um sie in Grund und Boden zu starren, und dann würde sie sagen, dass sie ihnen für ihren Rat dankte.
Dann würde sie diesen Rat in den Wind schlagen.
Einen kurzen Moment vergaß Jacen seine unmittelbaren Aufgaben, und er ertappte sich dabei, dass er sich fragte, warum der Jedi-Rat seinem Großvater nicht die Führung und Anleitung hatte zuteilwerden lassen, die er als Padawan gebraucht hätte. Wenn sie wussten, dass er der Auserwählte war, warum hatte es dann kein Meister des Rates übernommen, ihn auszubilden?
Armer Obi-Wan. Sie haben gezaudert und diese Aufgabe dir überlassen. Jetzt zaudern sie wegen eines anderen galaktischen Krieges.
Auf dem Holoschirm hatten sich corellianische Politkommentatoren aufgrund Niathals Ernennung in schäumende Entrüstung hineingesteigert. Jacen schaltete just in dem Moment wieder auf HNE um, als Schritte den langen Korridor zu seiner Rechten hinabhallten. Das Treffen im Büro des Oberbefehlshabers war zu Ende gegangen.
»Entspann dich«, sagte Jacen. Er sammelte sich und projiziert eine Macht-Illusion um Lumiya herum, um ihren eigenen Tarnmantel ihrer Identität erneut zu verstärken. Er hatte das Gefühl eines Hitzeballs, der sich in seiner Brust bildete, und er stieß sie leicht mit dem Ellbogen an. »Mach weiter. Unterrichte mich über die Stärke der corellianischen Flotte und reagier auf niemanden, der vorbeigeht.«
Jacen und Lumiya warteten. Der Empfangsraum und der Korridor, der davon wegführte, waren leer. Schließlich hörten sie Stiefel schnell auf dem Marmorfußboden dröhnen - mit Sicherheit die von Luke -, als hätte er nicht sonderlich viel Freude an dem Treffen gehabt und wollte schnellstens raus.
In Ordnung, Lumiya, sehen wir mal, wie du diesmal auf Luke reagierst - und wie er auf dich reagiert.
Luke näherte sich ihnen, den Blick nach unten gerichtet, unaufmerksam und düster vor sich hin starrend. Fast wäre er an Jacen vorbeigegangen, dann blieb er stehen, um ihn zu begrüßen, als würde es ihm Mühe bereiten.
»Wartest du auf Niathal?«, fragte Luke.
»Als Leiter der Garde der Galaktischen Allianz erweise ich ihr meinen Respekt.« Jacen deutete auf Lumiya. »Dies ist eine Kollegin von der Abteilung für Verteidigungsstudien an der Universität.«
Luke nickte Lumiya höflich zu und wandte sich dann wieder Jacen zu. »Bist du sicher, dass das die richtige Entscheidung ist?«
»Wenn ich es nicht tue, wer dann?«
»Vielleicht sollte es niemand machen«, sagte Luke.
»Wenn Staatchef Omas jemanden braucht, der die Aufgabe erledigt, dann werde ich tun, was in meiner Macht steht.«
Luke fixierte Jacen einige Sekunden lang mit traurigem Blick, aber er sah Lumiya nicht noch einmal an, und - was noch wichtiger war - Lumiya schaute ihn ebenfalls nicht an.
»Überleg dir gut, wie du es tust«, sagte Luke, noch immer die Stirn gerunzelt. Dann ging er davon. Jacen wartete volle zehn Minuten, trotzte weiter der Hitze in seiner Brust, um die Illusion aufrechtzuerhalten, ehe er sich entspannte.
»Ich bin beeindruckt von Eurer Fähigkeit, Luke zu täuschen«, sagte Lumiya. »Und Ihr scheint keine Zweifel oder Bedenken deswegen zu haben.«
Jacen stand auf. Lumiya hatte sich soeben die beste Chance seit Jahrzehnten geboten, Luke Skywalker zu töten, und sie hatte nicht die geringste Neigung gezeigt, sie zu nutzen.
»Keine Zweifel«, sagte Jacen. »Aber auch keine Begeisterung.«
»Genau so sollte es sein«, sagte sie. »Verratet mir, was Ihr als Nächstes zu tun gedenkt.«
Es schadete nichts, es ihr zu erzählen. In ein paar Tagen würde es ohnehin überall auf HNE sein.
»Internierungen«, sagte Jacen. »Wir nehmen Corellianer in
Haft, bis diese gegenwärtige Terrorwelle eingedämmt wurde. Komm mit. Ich möchte dich mit der Offizierin bekannt machen, die binnen Jahresfrist im Büro des Staatschefs sitzen wird.«
Internierungen. Extrem, gefährlich - und unvermeidlich.
Wenn man sein eigenes Bedürfnis, der Held zu sein, der Bewunderte, der Respektierte, zurückstellen konnte und bereit war, dafür verunglimpft zu werden, dass man eine notwendige Aufgabe erledigte, dann hatte man am Ende die verderblichste Bindung überhaupt überwunden: das eigene selbstverliebte Ego.
Jacen war bereit, zugunsten des übergeordneten Wohls gehasst zu werden.