10.
Zu sehen, wie ein Jedi sein Lichtschwert gegen Zivilisten erhebt, ist schockierend. Aber zu sehen, wie der Sohn und der Neffe des Oberhaupts des Jedi-Rates derlei tun, bricht einem das Herz.
Meister Cilghal, Hoher Rat der Jedi
EINZÄUNUNG, ARKANIAN MICROTECHNOLOGIES; VOHAI, PARMEL-SEKTOR: 16.00 UHR
Je größer Unternehmen wurden, desto selbstgefälliger wurden ihre Sicherheitsvorkehrungen. Fett kniete in der Deckung einiger Büsche auf einem Bein und betrachtete durch das Zielfernrohr seines EE-3-Blasters, wie Angesellte von Arkanian Micro das Sicherheitstor durchquerten.
»Ich könnte von Nutzen sein«, sagte die Stimme über seinen Helm-Komlink.
»Raus aus diesem Kanal!«
Mirta war beharrlich. »Häufig haben Frauen Zutritt zu Orten, an die Männer nicht so leicht gelangen.«
Fett sträubte sich. »Wenn du nicht die Klappe hältst, wirst du die Rückreise hinten in den Zellen verbringen.«
Sie war noch immer in der Slave I eingeschlossen, die versteckt hinter der Deckung eines stillgelegten Silos lag, einen Kilometer entfernt. Diesmal war sie im Mannschaftsbereich eingesperrt. Sie konnte die Triebwerke des Schiffs nicht aktivieren, aber Fett hatte ein paar Komlinkkanäle ungesichert gelassen. Wenn sie auch nur halbwegs gut war, würde Mitra sie finden - und wenn sie ein doppeltes Spiel mit ihm trieb, würde Mitra sie benutzen, und dann würde er wissen, mit wem sie zusammenarbeitete. Bislang hatte sie nichts weiter getan, als sich mit ihm in Verbindung zu setzen.
»Okay«, sagte sie, offenbar unbeeindruckt. »Ich werde mich bereithalten.«
Die einzige Person, der Fett jemals vertraut hatte, war sein Vater gewesen. Keiner von ihnen war von Natur aus ein Teamspieler. Er konnte zwar jederzeit das Kommando übernehmen, wenn er musste, aber er arbeitete lieber allein, und die gegenwärtige Aufgabe war ein typisches Beispiel dafür. Er konnte sich seinen Weg in Arkanian Micro entweder freiquatschen, oder er tat, was er am besten konnte, nämlich observieren, eine Schwachstelle ausfindig machen, sich gewaltsam Zutritt verschaffen - und sich das nehmen, was er brauchte.
Reden war nicht seine große Stärke.
Die Belegschaft ging ein und aus. Ein Sicherheitsmann am Tor und zwei Wachdroiden überprüften jede Person, die hineinging und herauskam, fuhren mit Sensoren an ihnen auf und ab.
Einst hatte Arkanian Micro seine heikelsten Laboratorien in das Polareis des Planeten gegraben, doch inzwischen schien das Unternehmen die angenehmeren Vororte und landschaftlich verschönerten Gewerbegebiete vorzuziehen. Fett und träge. Es war billiger, an der Oberfläche zu bauen. Vohai hatte nicht unter der Knute der Yuuzhan Vong gelitten und war selbstgefällig geworden.
Das war genau das, was Fett brauchte.
Ihm waren Firmen mit strengen Sicherheitsvorkehrungen am liebsten, weil sie einen nützlichen Wegweiser zum Ziel boten. Man schützte nichts, was einem nicht teuer war. Halten
wir Ausschau nach ein paar Hinweisen.
Die Kaminoaner würden nicht mit einer Brotdose unter dem Arm durch die Tore spazieren. Kaminoaner mochten kalte, feuchte Düsternis, doch den Großteil des Jahres über war Vohai angenehm sonnig. Fett rief das Luftbild des Komplexes in seinem HUD auf und überlegte sich, wo er am ehesten ein Büro platzieren würde, wo es kein natürliches Licht gab. Der Grundriss, den die Scanner der Slave l vor der Landung aufgenommen hatten, zeigte ein weitläufiges Gebäude, bei dem es sich im Wesentlichen um einen quadratischen Kern handelte, von dem jede Menge schmaler Arme ausgingen, und viele Innenhöfe. Menschen - und auch die meisten anderen Spezies - mochten es, in hellem, natürlichem Licht zu arbeiten.
Aber du würdest keins dieser netten Innenhofbüros wollen, nicht wahr, Taun We?
Also befand sich irgendwo im quadratischen Herzen des Komplexes, nicht im Außenbereich oder in den Gebäudeflügeln, die davon abzweigten, ein Labor oder ein Büro, in dem sich ein Kaminoaner wie zu Hause fühlen würde. Ich auch. Nicht so sehr wegen der Dunkelheit, sondern wegen der schmucklosen Wände und dem Mangel an Ablenkung. Fr dachte an die einfachen Spielsachen und das karge Zuhause seiner Kindheit und wusste, warum Besitztümer eine Bürde waren, die zu schleppen er immer abgelehnt hatte.
Vermutlich ist sie genau jetzt dort drinnen und erschafft weitere Klone. Wenn sie den Alarm auslöst, wenn sie dich sieht, würdest du sie dann erschießen? Jemanden erschießen, der alt und schwach ist?
Er stellte sein Visier auf maximale Reichweitenvergrößerung, indem er die Kontrolltafel an seinem linken Unterarm antippte - er zog diese Art der
Bedienung dem durch Blinzeln zu aktivierenden HUD-System vor -, und versuchte, ein besseres Blickfeld auf die Sicherheitshütte am Tor zu bekommen. Sie mussten irgendeine Art Gegensprechanlage haben. Jede Sicherheitsstation musste mit den anderen kommunizieren können. Das bedeutete, dass es dort möglicherweise Hinweise hinsichtlich unterirdischer Stockwerke gab.
Aus der Luft waren lediglich eingeschossige Gebäude sichtbar gewesen. Er musste wissen, ob er es mit einem komplexeren Grundriss zu tun hatte, sobald er drinnen war. War nicht gut, wenn man ihn unter der Erdoberfläche festnagelte.
Fett brauchte einen besseren Beobachtungspunkt.
Er sah sich um und schätzte den Höhenwinkel ab, den er brauchte, um freie Sicht durch das Transparistahlfenster zu haben. Wenn er eine Sonde dichter ranschickte, würde man sie entdecken. Er musste diese Angelegenheit auf die altmodische Art und Weise angehen. Er ging hundert Meter zum nächsten Grundstück und überprüfte die Dächer. Großartig - jede Menge Lagerhäuser mit Flachdach, von denen er sich eins aussuchen konnte. Er schlüpfte zwischen zwei Gebäude, holte seine Abseilschnur hervor und gelangte dann zu dem Schluss, dass eine schlichte Zündung des Raketenrucksacks seinen Schultern eine Menge Verschleißerscheinungen ersparen würde. In weniger als drei Sekunden war er oben auf dem Dach, lag flach da und spähte durch das Zielfernrohr seines Blasters nach unten, um einen besseren Blick ins Innere der Wachhütte zu erhaschen.
Da war tatsächlich ein Statusbildschirm auf dem Schreibtisch der Wache. Er robbte auf dem Bauch am Außenrand des Dachs entlang und schaltete die Vergrößerung des Zielfernrohrs höher. Das Bild schimmerte, unbeständig auf diese Entfernung, aber er konnte ein Gitternetz weißer Linien auf blauem Hintergrund ausmachen, mit grünen Lampen, die an Stellen entlang des Gitters blinkten - vermutlich Einbruchssensoren. Da war nichts, was auf mehrere Stockwerke hinwies.
Eine Etage. So weit, so gut.
Der nächste Schritt bestand darin herauszufinden, wie das Gebäude organisiert war, und alles, was es dafür brauchte, war ein bisschen Rätselraten, unterstützt von Informationen, die normalerweise frei zugänglich waren. Fett ließ sich an seiner Abseilschnur vom Dach herunter, ließ die Seilrolle die Arbeit machen, hakte die Schnur los und ließ sich im Schutz eines Schuppens nieder, in dem Abfall gelagert wurde. Dort durchforstete er mit seinem Datenpad das örtliche Komlinkverzeichnis.
Es war faszinierend, wie viele Informationen man allein dadurch zusammentragen konnte, indem man sich die Auflistung der Abteilungskomlinknummern eines Unternehmens anschaute. Namen und Nummern rollten über den Schirm seines Pads.
ARKANIAN MICROTECHNOLOGIES.
Vertrieb
Personalwesen
Öffentlichkeitsarbeit
Er scrollte weiter nach unten. Was war Taun Wes Spezialgebiet?
Entwicklungswissenschaften und Pädagogik
Taun We war Expertin für menschliche Psychologie. Sie wusste genug über Menschen, um sicherzustellen, dass aus denen, die die Kaminoaner unter den unnatürlichsten Bedingungen herangezüchteten, keine Psychos wurden.
Sie würde keine DNA verwenden. Wenn, dann hatte sie ihre kleine Tasche mit Datenchips mitgebracht, eine Art Anstellungsmitgift für Arkanian Micros, aber ihre tägliche Arbeit - die Arbeit, die sie am liebsten verrichtete - war, dafür zu sorgen, dass Klone nicht durchdrehten. Persönlichkeitsprofile erstellen, herumexperimentieren, Blitzausbildung, beschleunigte Sozialisierung, den Klonen die richtige Einstellung vermitteln, um nützliche Werkzeuge zu sein.
Hi, Taun We. Ich hoffe, deine neue Arbeit gefällt dir.
Fett hätte warten können, bis sie herauskam - vermutlich in einem Fahrzeug, um vor neugierigen Blicken geschützt zu sein -, um ihr dann dorthin zu folgen, was auch immer sie ihr Zuhause nannte. Aber es war nicht übermäßig schwieriger, hinzugehen und sie zu suchen. Wenn er nah genug an das Gebäude herankam, konnte er den durchdringenden Terahertz-Funkmesssensor im Visier seines Helms benutzen, um nach einem langen Körper voller Zellen mit niedriger Dichte Ausschau zu halten, ziemlich leicht von einem menschlichen Funkmessprofil zu unterscheiden. Mit dem Gerät konnte man durch Wände sehen. Infrarot war dazu nicht in der Lage.
Außerdem war es schon eine ganze Weile her, seit er das letzte Mal in ein Labor eingebrochen war, um Daten zu beschaffen, und ein Kopfgeldjäger musste seine Fähigkeiten auf Zack halten.
HAUPTQUARTIER DER GARDE DER GALAKTISCHEN ALLIANZ, QUADRANT 1-89, GALACTIC CITY: 08.30 UHR
Jacen kam aus dem GGA-Einsatzbesprechungsraum und Stiels auf Mara, die mit den Händen in den Hüften dastand, als hätte er sie ein bisschen zu lange warten lassen. Ihr Gesichtsausdruck war bedächtig-neutral, aber er konnte die Furcht in ihr spüren und die dunklen Ringe unter ihren Augen sehen.
Sie betrachtete ihn. »Wann hast du angefangen, eine Uniform zu tragen?«
Jacen blickte an seiner schwarzen Arbeitskleidung hinunter, die Arme leicht gespreizt. »Ich hätte mich umziehen sollen, bevor wir die Razzien durchführten. Jedi-Gewänder und Polizeieinsätze passen nicht zusammen.«
»Wem sagst du das. Luke steht kurz davor durchzudrehen. Tatsächlich findet just in diesem Augenblick eine Notfallversammlung des Hohen Rats statt.«
»Ich meinte eigentlich, dass all dieser lose Stoff. Vergiss es.« Lukes Reaktion war vorhersehbar gewesen. Man durfte Jedi nicht dabei zuschauen, wie sie sich die Hände schmutzig machten, und mit Sicherheit nicht seinen eigenen Sohn. »Weißt du, warum wir ursprünglich anfingen, Roben zu tragen? Um zu den gewöhnlichen Leuten zu passen. Also kleide ich mich jetzt so, dass ich zu meinen Leuten passe.«
»Tut mir leid, Jacen. Es ist bloß eine Überraschung, dich in dieser Uniform zu sehen.«
»Ich bin jetzt Colonel.«
»Ich will mich nicht streiten. Ich wollte bloß mit dir reden, bevor Luke dich findet. Ist Ben in Ordnung?«
»Er hat sich sehr gut geschlagen. Möchtest du ihn sehen? Er ist im Einsatzraum. Wir haben gerade eine Nachbesprechung mit den Gruppenführern, um auszuknobeln, was wir beim nächsten Mal anders machen. Und natürlich sehen wir uns die aktuellen Nachrichten an.«
»Dann wird es ein nächstes Mal geben?«
»Du hast den Posten abgelehnt. Was hast du dir dabei gedacht?«
»Dass die Sache schmutzig werden würde.«
»Das ist sie. Aber einen Krieg nach dem anderen durchzustehen, weil wir Unruheherde nie wirklich bereinigen, ist auch nicht besser.«
Die Türen des Einsatzraums glitten auf, und ein Korporal der 967. Spezialeinheit namens Lekauf steckte seinen Kopf heraus. »Sir, Sie sind schon wieder drauf!«, sagte er mit einem Grinsen. »Tut mir leid, Ma'am. Die HNE-Nachrichten.«
»Lasst euch von mir nicht stören«, sagte Mara. »Ich bin nur so vorbeigekommen.«
Jacen ergriff ihren Arm. »Komm rein und lern meine Männer kennen.« Er wollte sie in Bezug auf Ben beruhigen. Im Gegensatz zu Luke schien sie nicht zu wollen, dass ihr Sohn eine kleine Kopie von ihr war. Sie wusste, dass man loslassen musste.
Beim Anblick von Ben in schwarzer Uniform schreckte sie dennoch sichtlich zusammen. Er saß mit Shevu und den Feldwebeln am Tisch, eine Tasse Kaff in einer Hand und ein Datenpad in der anderen, und sogar seine Körpersprache war mit einem Mal erwachsen geworden. Seine Haltung spiegelte die der Männer rings um ihn herum wider, ohne dass er sich dessen bewusst gewesen wäre. Als er sich erhob, um Mara zu begrüßen, fiel Jacen auf, dass Ben bald genauso groß sein
würde wie er.
»Ma'am«, sagte Ben, ganz ernste Konzentration. Nicht Mom, sondern Ma'am. »Ich habe dich nicht kommen gespürt.«
»Ich bin bloß vorbeigekommen, um zu sagen, dass ich die Holonachrichten gesehen habe und. Ich wollte sehen, wie du dich fühlst«, sagte Mara. »Bist du in Ordnung. Sohn?«
Ja, er ist nicht dein Liebling, wenn er in Uniform ist, ob nun dreizehn oder nicht. Jacen verfolgte die wortlose Interaktion zwischen den beiden und bemerkte die Besorgnis, die in beide Richtungen wehte wie eine schwache Brise.
»Abgesehen davon, dass ich um null-zweihundert aufstehen musste, geht es mir gut.«
»Du wirkst so militärisch.« Mara brachte ein Grinsen zustande. »Bist du sicher, dass du okay bist?«
»Warum sollte ich das nicht sein? Es war nicht annähernd so gefährlich wie die Mission auf Centerpoint. Captain Shevu hat auf meinen Hintern aufpasst.«
Jacen fand die Art Bindung, die Ben zum g67Sten entwickelt hatte, anrührend. Das war ein gutes Zeichen. Shevu gelang es hervorragend, ein Lächeln zu unterdrücken, und seine Emotionen - erschöpfte Erleichterung am Ende einer Operation und eine freundliche Zuneigung zu Ben - waren vermutlich bloß für Jacens fein abgestimmte Macht-Sinne zu erkennen.
»Los geht's«, sagte Lekaui und drehte die Lautstärke des Holoschirms im Einsatzraum hoch. Das Bild flammte mit dem Kurztitel RAZZIA am unteren Bildschirmrand auf, und die HNE-Nachrichtensprecher begannen mit einer Zusammenfassung der morgendlichen Aktion in Jabi-Town. Vier Stunden nach den Durchsuchungen hatte sich der Nachrichtenschwertpunkt vom Schauspiel schwebender Angriffsschiffe und
Sondereinsatzkräfte, die Türen aufbrachen, auf die Reaktionen der Öffentlichkeit verlagert.
Admiralin Niathal steuerte eine dreißigsekündige Verteidigung der GGA-Aktionen bei - schließlich war die 967. Kommandotruppe jetzt Teil ihrer Sondereinsatzkräfte -, aber es hatte nicht den Anschein, als wäre diese Verteidigung notwendig.
Jacen, gegen Schmähungen gewappnet, war von den Reaktionen der Coruscanti, die auf den Straßen und Gehsteigen von Galactic City nach ihrer Meinung gefragt wurden, zutiefst verblüfft.
»Das wurde auch Zeit«, sagte ein Mann in einem Geschäftsanzug. »Ich denke, Colonel Solo hat getan, was wir schon längst hätten tun sollen. Wir haben zu viel Angst davor, andere Regierungen zu verärgern. Nun, Corellia, jetzt nicht mehr.«
Mara murmelte mit mildem Sarkasmus: »Oooh, ihr habt Fans.«
»Hatte ich nicht beabsichtigt.«
»Ich weiß.«
»Ich hoffe, dass Luke das auch so sieht«, sagte Jacen in dem Wissen, dass er das nicht tun würde. »Und Admiralin Niathal.«
»Ich werde versuchen, ihn davon zu überzeugen.«
Jacen winkte sie von den Soldaten weg, die sich wie gebannt die Nachrichtenreportage ansahen, mit der Aura von Männern, die wussten, dass die öffentliche Meinung ebenso Teil des Krieges war wie jede Waffe, die sie bei sich trugen.
»Sag's mir geradeheraus, Mara - bist du immer noch froh darüber, dass ich Ben ausbilde?«
Sie strich sich eine verirrte Haarsträhne aus den Augen, so als ob sie sich dadurch ein paar Sekunden Bedenkzeit verschaffen wollte. Sogar Mara ist auf der Hut davor, dass ich ihre Gefühle lese.
»Ich glaube, es ist schwierig zu akzeptieren, dass sich mein kleiner Junge über Nacht in einen Soldaten verwandelt hat. Aber das hätten wir kommen sehen müssen, als wir uns entschlossen haben, dass er zum Jedi ausgebildet wird.«
Jacen fühlte noch immer ein Flattern des Zögerns um sie herum. »Ich weiß, dass dir all dies hier nach wie vor Sorge bereitet.«
»In Ordnung, lass mich deine Frage stellen.«
»Nur zu.«
Maras Augen waren jetzt starr auf die seinen gerichtet. »Gibt es irgendjemanden in deinem Leben, der dir in irgendeiner Form Kummer bereitet?«
»Ich verstehe nicht ganz.« Das tat er wirklich nicht.
»Eine Frau. Jacen, ich bin nicht neugierig. Ich will einfach bloß wissen, ob du gerade eine schwierige Zeit durchmachst.«
Er dachte an Tenel Ka und Allana. In diesen Tagen wagte er das kaum zu tun, damit Lumiya sein Geheimnis nicht erspürte und er die beiden dadurch in Gefahr brachte - in noch größere Gefahr als die, in der sie sich bereits befanden.
»Ja.« Es war so wahr, dass es wehtat. »Es gibt da jemanden, mit dem ich gern zusammen wäre, was mir aber nicht möglich ist.«
Mara strahlte schiere Erleichterung aus, und sie lächelte fast. »Das ist alles, was ich wissen musste, Jacen. Es tut mir leid, dass du Probleme hast. Ich werde es nicht noch einmal zur Sprache bringen, aber falls ich irgendetwas tun kann, lässt du es mich wissen, in Ordnung?«
Jacen nickte. Er konnte sich nichts vorstellen, was Mara tun konnte, aber es war tröstlich zu wissen, dass sie dazu bereit
war.
»Danke, Mara«, sagte er. »Du bist momentan wahrscheinlich meine einzige Freundin.«
Sie zuckte mit den Schultern und winkte Ben diskret zu, bevor sie durch die Türen verschwand. Auch ohne seine Macht-Sinne einzusetzen, konnte sich Jacen ausmalen. was in der Ratskammer vor sich ging. Jedi durchsuchten nicht zusammen mit schwarz gekleideten Einsatzkräften die Wohnungen von Bürgern.
Die Aufgabe eines Jedi besteht darin, ein Problem zu lösen, ohne Leben zu nehmen. Ich glaube, das habe ich heute getan. Sich zurückzulehnen und stillzuhalten, während Leute in einem endlosen Kreislauf von Kriegen getötet werden, berechtigt einen nicht dazu zu behaupten, man habe kein Blut an den Händen.
Jacen wurde von einem Becher Kaff aus seinen Gedanken gerissen, der ihm unter die Nase gehalten wurde. »Ich glaube nicht, dass die Lage ganz so schlimm ist, Sir.«
Es war Korporal Lekauf - jung, sandfarbenes Haar und unerschütterlich optimistisch. Jacen nahm den Kaff entgegen, und sie standen beide da und sahen sich erneut den HNE-Bericht über die Razzia an, mit den aufgebrachten Reaktionen des corellianischen Botschafters und der Senatoren von Corellia, die damit drohten, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen.
»Ich bin mir nie sicher, ob das alles an Coruscant oder an die Allianz gerichtet ist«, sagte Lekauf.
»Beides voneinander zu trennen ist ein echter politischer Zaubertrick.«
»Ich würde lieber mehr Einheit als Trennung sehen, Sir.«
»Ich auch.« Jacen stellte fest, dass er die Gesellschaft des 967sten genoss. Alle Mitglieder der Einheit hatten den gleichen grundsätzlichen Optimismus wie der Korporal. »Wie lange sind Sie schon bei der Armee?«
»Seit ich promoviert habe, Sir. Vier Jahre.«
»Was hat Sie dazu gebracht einzutreten?«
Lekauf lächelte, beinahe verlegen. »Mein Großvater hat unter Ihrem Großvater in der Imperialen Armee gedient, Sir. Er hat ständig davon gesprochen, wie Lord Vader selbst stets an vorderster Front stand. Hat ihm eine Menge bedeutet. Hat es wirklich.«
Jacen klopfte Lekauf auf die Schulter. Es erfüllte einen mit Demut, dass Loyalität über Generationen hinweg Bestand haben konnte. Was für Sünden Anakin Skywalker als Vader auch begangen hatte, es gab noch immer welche, die seine Qualitäten als inspirierender Kommandant zu schätzen wussten. Jacen gelangte zu dem Schluss, dass es möglicherweise ungefährlich war, in der Zeit zurückzugehen und ihn erneut zu beobachten.
Er würde seine Fehler nicht wiederholen. Er baute schlichtweg auf Anakin Skywalkers verpassten Gelegenheiten auf. »Dann lassen Sie uns unsere Großväter stolz machen.«
DUR GEJJENS HAUS, CORONET, CORELLIA
Diesmal schien dieser Gejjen-Bengel nicht ganz so erfreut. Han zu sehen.
»Willst du uns nicht reinbitten?« Han füllte den Türrahmen aus, den Blaster an seine Seite haltend, und Gejjen starrte ihn mit großen Augen an. »Hier draußen fühlen wir uns irgendwie unerwünscht.«
Gejjen trat zurück, die Augen noch immer auf den Blaster gerichtet, als Han und Leia in den Flur schlüpften. Han sicherte die Waffe.
»Wo sind Sie gewesen?«, fragte Gejjen.
»Wir sind über einen allzu wohlwollenden Gönner gestolpert und mussten uns aus dem Staub machen«, sagte Leia. »Und bevor du fragst: Ja, wir wissen, was auf Coruscant passiert.«
»Sal-Solo hat heute seinen großen Tag.« Zwei kleine Kinder tauchten hinter Gejjen auf, doch er scheuchte sie in den Raum zurück. »Der Sohn der Solos sperrt unschuldige Corellianer ein. Erbauliche Schlagzeilen.«
Han schnaubte. »Ich bin froh, dass mich nichts so leicht schockieren kann. Soll das bedeuten, er hat den Kontrakt auf mich dahingehend geändert, dass es jetzt heißt: am liebsten tot?«
»Auf uns«, murmelte Leia.
Gejjen führte sie in sein Wohnzimmer, und Han fiel auf, dass die Fensterläden geschlossen waren. »Wo wohnen Sie?«
Trotz der stummen Aufforderung setzte sich Han nicht hin. »Das ist unser kleines Geheimnis.«
»In Ordnung.« Gejjen schien nicht beleidigt. Offenbar war Paranoia ein normaler Bestandteil des politischen Lebens. »Meine Quellen besagen, dass es mehr als einen Interessenten für den Auftrag gibt.«
»Fett verträgt sich nicht besonders gut mit anderen.«
»Ich hab dir gesagt, es ist nicht Fett«, sagte Leia.
»Ob nun Fett oder nicht, Captain Solo, die Gefahr ist real. Und während wir entsetzt über das sind, was Ihr Sohn zu tun scheint, verfolgt Thrackan Sal-Solo seine eigenen Ziele, nicht die von Corellia. Soweit es uns betrifft, sind unsere Interessen also nach wie vor dieselben.«
»Wer ist uns?«
»Die Demokratische Allianz. Wir verstehen, wie schwer das alles für Sie ist.«
»Glaubst du?«
»Sie sind hier, oder nicht? Wir wissen, dass Corellia bei Ihnen an erster Stelle steht.«
»Mit Thrackan werde ich schon selbst fertig, danke.«
»Natürlich dürfen wir nicht dabei erwischt werden, aber wahrscheinlich können wir Ihnen bei der Lösung dieses Problems nützliche Unterstützung zuteilwerden lassen.«
Du lädst den Blaster, und ich/euer ihn ab. Ja, ich hab's kapiert. »Ich brauche bloß Zeit, Ort und Zugangscodes.«
Han war sich bewusst, dass Leia auf seinen Rücken starrte, eine Art sechster Sinn, der nichts mit der Macht zu tun hatte, sondern mit mehr als dreißig Jahren Ehe. Er drehte sich langsam um, in der Erwartung, einen abgespannten, finsteren Blick der Missbilligung zu ernten, und sah nur großäugige Resignation. Manchmal sah sie genau so aus, wie sie es getan hatte, als er ihr zum ersten Mal begegnet war.
»Beschaff mir einfach Informationen über Thrackans Aufenthaltsort«, sagte Han. »Deine Partei-Obleute haben Zugriff darauf, richtig?«
»Wenn es sich um Regierungsgeschäfte handelt, an denen er teilhat, dann ja. Reisepläne, Treffen, solche Dinge.«
»Gut.«
»Also, wie sieht Ihr Plan aus?«
Han schenkte ihm ein träges, argwöhnisches Lächeln. »Würde ich dir das erzählen, wärst du nicht in der Lage, deine Beteiligung an der Sache zu leugnen, nicht wahr?«
Gejjen ging zu einem Tisch in der Ecke des Raums und nahm einen Datenchip aus einer Schublade. »Grundrisse«, sagte er.
»Regierungsgebäude. Sie sind nicht illegal, aber lediglich für die Überprüfung von Bibliotheken und Gemeindebüros gedacht. Vielleicht sind sie von Nutzen.«
»Betrachtet mich ab sofort als Bibliothekar.«
»Momentchen mal«, sagte Leia. »Falls Thrackan Sal-Solo tatsächlich die Macht verlieren sollte, wäre deine Partei dann in der Lage, eine Notfallregierung zu bilden?«
Gejjen konzentrierte sich ganz auf Leia; das war es, was ihn wirklich interessierte, die Machtergreifung. Han beschloss, deswegen nicht beleidigt zu sein.
»Mit meinen Parteigenossen, mit der Liberalen Front von Corellia und jenen in der Centerpoint-Partei, die einen Führungswechsel wollen, ja.«
Also so nimmt ein Putsch Gestalt an. Im Wohnzimmer irgendeines Kerls, während seine Kinder im Raum nebenan spielen. »He, hast du irgendwem erzählt, dass die Tage meines Cousins gezählt sind?«
»Falls Sie glauben, Sie wären der Erste in diesem Jahr, dem die Idee gekommen wäre, ihn auszuschalten, dann liegen Sie gründlich daneben«, erklärte Gejjen. »Corellia will nicht länger sein persönlicher Spielplatz sein.«
»Wir werden den Kontakt auf ein Minimum beschränken«, unterbrach Leia. »Und wir werden weiterhin unsere Komlinkcodes ändern. Ich hoffe, wenn wir uns das nächste Mal treffen, ist die Krise vorüber.«
Leia trieb Han auf die Straße hinaus, und sie bahnten sich quälend langsam ihren Weg ins Zentrum von Coronet, wobei sie sich gegenseitig den Rücken freihielten, um sicherzugehen, dass ihnen niemand folgte. Eine Menge Flugverkehr war zum Raumhafen unterwegs, und die Stadt selbst schien vor Anspannung zu vibrieren. Man hatte das Gefühl, sich auf einer
Welt zu befinden, die sich auf das Schlimmste gefasst machte.
Sie gelangten zur Hauptstraße, an der sich das ApartmentMietbüro befand. Sie würden irgendetwas Kleines und Anonymes in Stadtmitte mieten, beschloss Han. Etwas, von dem niemand erwarten würde, dass die Solos dort lebten.
Es ist wieder genau wie in alten Zeiten. Der Tanz auf dem Vulkan.
»Glaubst du, Gejjens Kumpane treiben ein doppeltes Spiel mit mir, damit ich die Drecksarbeit für sie erledige?«, fragte er.
»Du meinst, dass die Sache mit dem Mordauftrag nur irgendein Trick ist?« Leia schüttelte den Kopf. »Du hast Jacen gehört, du hast die Holonachrichten gesehen, und dann ist da noch diese Kleinigkeit mit dem Kerl, den wir aus der Luftschleuse geschoben haben.«
»O ja, der.«
»Ich habe dich nicht dazu ermutigt, es zu machen.«
»Aber du hast auch nicht gesagt, dass ich es nicht tun soll.«
»Ich treffe keine Entscheidungen für dich, Han. Ich bin deine Frau, nicht deine Mutter.«
»Aber du bist außerdem eine Jedi.«
»Für mich klingt das nach einem Fall von Selbstverteidigung.«
»Nicht nach einem Putsch?«
»Das ist ein anderes Thema.«
»Diplomatie ist ein faszinierender Zuschauersport«, meinte Han.
»Es geht darum, das Unvermeidliche mit minimalen Verlusten von Leben zu erreichen.«
»Ja, unseren.«
Han sorgte sich auf die abstrakte Art und Weise um Corellia, wie Leute es taten, wenn ihre Heimat - selbst ihre ungeliebte
Heimat - von Fremden angegriffen wurde. Er hatte sich selbst nie als Patrioten angesehen, aber er war durch und durch Corellianer. Dennoch gab es da eine Sache, die ihn noch mehr antrieb als alles andere, und das waren Leia und die Kinder.
»Thrackan hat keine Chance, es mit drei Jedi aufzunehmen«, sagte Leia, als hätte sie sich nebenbei ein wenig in Telepathie geübt. »Du bist es, um den ich mir Sorgen mache.«
»Es ist allgemein bekannt, dass schon mal ein Jedi getötet wurde.«
»Das ist nicht besonders nett von mir, aber irgendwie wünschte ich, Jacen hätte ihn doch erschossen.«
»Du - und ich ebenfalls.«
Als Han und Leia das Büro der Mietagentur erreichten, stand vor ihnen war eine Schlange von Leuten, einige mit kleinen Kindern, einige Ältere, die mit Taschen und Koffern verschiedener Größe darauf werteten, dass sie drankamen.
»Sind Sie auch gerade aus Coruscant eingetroffen?«, sagte die gehetzt aussehende Frau am Hauptschalter.
»Nun.« Han hatte nicht den Eindruck, dass sie ihn als den Staatsfeind Nummer eins erkannte. »Ja, wir sind eben angekommen.«
»Dann sind Sie dem Ansturm vorausgeeilt.« Sie reichte ihm ein Datenpad. »Tragen Sie Ihre persönlichen Angaben ein. Wir haben bloß noch Einzimmerapartments. Ist das in Ordnung?«
Han blickte Leia an.
»Wir wollen einfach bloß ein Dach über den Köpfen«, erklärte sie der Frau.
»Wir sind alle schockiert über das, was auf Coruscant vorgeht, Ma'a m. Aber jetzt sind Sie sicher. Wer hätte das gedacht? Han Solos Sohn also auch.«
»Ja, wir sind auch schockiert«, sagte Han, und er meinte es so.
Sie unterschrieben einen Mietvertrag als Jac und Lora Kabadi und erhielten so rein zufällig eine Tarnung als ein weiteres Paar in der ersten Welle von Corellianern, das von Coruscant geflohen war, um der Internierung zu entgehen. Die Ironie daran entging ihnen nicht.
»Nettes Timing, Sohn«, murmelte Han.
SENATSKAMMER, CORUSCANT, NOTFALLDEBATTE ÜBER DIE INHAFTIERUNGSPOLITIK
Jacen saß neben Niathal auf der Plattform der Mon-Calamari-Delegierten und hörte zu, wie der corellianische Senator Charr Staatschef Omas wegen der Menschenrechtsverletzungen auf Coruscant und der fehlenden Rücksprache mit dem Senat eine Standpauke hielt.
»Uns bleibt keine andere Möglichkeit, als unseren Botschafter abzuziehen«, schloss Charr.
»Sprechen wir hier über Coruscant oder über die Allianz?«, fragte Omas.
Charr zögerte. »Ist das nicht ein und dasselbe, Staatschef?«
»Ich glaube, der ehrwürdige Abgeordnete von Corellia versteht, dass die Maßnahmen, die ich ergriffen habe, notwendig waren, um die Sicherheit der Bürger von Coruscant zu gewährleisten. Damit werde ich der Verantwortung gerecht, die mir von der Kommunalbehörde von Coruscant übertragen wurde, weshalb keine Bestätigung durch den Senat erforderlich ist. Also, von welcher Instanz wollen Sie gleich noch mal Ihre Vertretung abziehen?«
Es folgte ein allgemeines Gemurmel der Zustimmung, nur einige der Outer-Rim-Delegierten waren empört. Omas blieb standhaft. Im Augenblick waren die Verbündeten Corellias eine Minderheit, aber das konnte sich ändern, wenn es ihm nicht gelang, sein Handeln überzeugend zu rechtfertigen.
»Was für ein Gefühl haben Sie wegen dieser Blockade, Admiral?«, fragte Jacen leise. Senatsplattformen lösten sich von den Wänden der gewaltigen Kammer und schwebten in den leeren Raum zwischen ihnen, damit Abgeordnete pathetische, jedoch keine Stellung beziehenden Reden gegen Terrorismus und für die Notwendigkeit von Einheit schwingen konnten.
»Wollen Sie damit fragen, ob ich jetzt eine in Kraft setzen könnte?«
»Das nehme ich an. Favorisieren Sie diese Möglichkeit nach wie vor?«
»Ja, weil das die solideste Haltung ist, die zu billigen ich den Senat überzeugen kann. Und Blockaden sind ausgesprochen flexible Reaktionen«, sagte Niathal.
»Wenn sie im Auftrag der Allianz durchgeführt werden.«
»Wir leben in einer Welt verschwommener Grenzen.«
Alles in allem verlief die Debatte bemerkenswert ruhig. Jacen fragte sich, ob er tatsächlich nur Angst vor den Gegenreaktionen des Jedi-Rates gehabt hatte. Jedenfalls schien er auf einmal. populär zu sein.
Er fühlte sich dabei nicht wohl. Er wollte weiterhin Distanz zu allem wahren, das ihn vielleicht ins Wanken bringen konnte, und selbst ein Jedi konnte ein bisschen zu viel Gefallen daran finden, gemocht zu werden.
Jacen und Niathal gesellten sich im Kabinettsraum des Staatschefs, wo Senator G'Sil bereits wartete, zu Omas. Omas sah nicht besonders glücklich aus und nahm mit langsamer Bedächtigkeit am Kopf des mit Lapis-Intarsien verzierten
Tisches Platz.
»Nun, seien wir dankbar dafür, dass die heutigen Ereignisse so gut gelaufen sind.«
G'Sil schaute auf. »Wo bringen wir die Internierten unter?«
»Etwas mehr als die Hälfte von ihnen hatten am Ende corellianische Pässe, also haben wir sie bis auf weiteres in einem alten Kasernenblock einquartiert«, erklärte Niathal. »Den Übrigen wurde erlaubt, in ihre Häuser zurückzukehren. Die Frage ist, wie weit wir damit gehen wollen, weil hier eine Menge corellianischer Bürger leben, und wenn wir die alle mit Gewalt internieren müssen, wird das eine arbeitsreiche Angelegenheit.«
»Die Einwanderungsbehörde berichtet von immer mehr Leuten, die Coruscant verlassen.«
»Ich fange an, mich wegen dieser ganzen Sache ziemlich unbehaglich zu fühlen, Admiralin«, sagte Omas. »Die Bilder auf HNE haben vielleicht die gewünschte Wirkung auf die hurrapatriotischen Elemente auf Coruscant gehabt, aber viele von uns hat es an die Exzesse des Imperiums erinnert.«
»Sie haben das Vorgehen autorisiert.« Niathal fixierte Omas mit schiefgelegtem Kopf. »Was haben Sie erwartet, woran es Sie erinnert?«
Jacen unterbrach sie. In dem Moment, in dem Niathal zur Oberkommandierenden ernannt worden war, hatte sie ihre Maske abgelegt, hinter der sie ihr Interesse an Omas' Posten verborgen hatte. Sie hatte vor, alles auf eine Karte zu setzen.
»Wir machen einfach genau das Gleiche wie die Terroristen, abgesehen davon, dass wir keine ernsten Verluste verursacht haben«, erklärte Jacen. »Eine kleine Aktion, die eine unverhältnismäßig große Wirkung hat. Dies hier ist genauso sehr ein Propagandakrieg wie alles andere auch.«
»Hatten Sie vor, die Corellianer so zu erschrecken, dass sie von sich aus ausreisen?«
Niathal senkte ihre Stimme. »Nein, wir wollten deutlich machen, wie wir mit Bedrohungen für die Bevölkerung von Coruscant umgehen.«
»Und deshalb gehen Sie hin und führen Ihre kleinen Taschenspielertricks auf, oder wie?« Omas richtete seine Bemerkungen an Niathal, auch wenn es Jacens Operation gewesen war. »Eine gewaltige Überreaktion lässt es so aussehen, als hätten Sie die gesamte Situation unter Kontrolle?«
»Wenn Sie es so sehen wollen, Staatschef Omas, dann ja«, antwortete Jacen. Du musst dich in dieser Sache mit mir auseinandersetzen, nicht mit Niathal. »Keine Toten. Eine beruhigte Öffentlichkeit. Eine klare Aussage an alle, die Zivilisten umbringen und verstümmeln wollen, die besagt, dass wir so etwas nicht tolerieren. Wir entfernen wirklich gefährliche Individuen von unseren Straßen. Und außerdem vermitteln wir die Nachricht, dass wir nicht nur Corellia daran gehindert haben, auf Kosten des Allgemeinwohls einen zerstörerischen Weg einzuschlagen, sondern jede Welt. Oder wäre es Ihnen lieber, wenn die Feinde im Innern unsere Gesellschaft aushöhlen? Das sind Leute, die bereitwillig die Vorzüge akzeptieren, die es mit sich bringt, ein Bewohner von Coruscant zu sein, ein Bürger der Allianz, jedoch nicht bereit sind, im Gegenzug Loyalität gegenüber Coruscant oder der Allianz aufzubringen. Wenn das mein Taschenspielertrick ist, dann werde ich heute Nacht ruhig schlafen.«
Omas sah aus, als wollte er etwas sagen, doch dann blickte er einfach nur auf seine Hände hinunter, als würde er eine bewusste Anstrengung unternehmen, nicht zu antworten. Er war ein zu gerissener Politiker, als dass er sich vor G'Sil sowohl mit Jacen als auch mit Niathal angelegt hätte. Wenn er dabei unterlag, würde G'Sil Blut wittern.
»Wenn Sie mich entschuldigen, ich muss mit der corellianischen Botschaft sprechen.« Omas stand auf und ging zu den Türen. »Ich würde es zu schätzen wissen, im Voraus einen Zeitplan Ihrer nächsten Operationen zu erhalten.«
G'Sil sah zu, wie er hinausging. »Es ist immer eine Schande, wenn HNE nicht da ist, um eine wirklich gute Ansprache aufzuzeichnen.«
Nein, Senator, das ist nicht das Spiel, das ich spiele. Sie haben keine Ahnung, nicht wahr? Absolut keine Ahnung. »Es überrascht Sie vielleicht zu erfahren, dass ich jedes Wort ernst gemeint habe«, sagte Jacen. »Ich weiß, wie ein Krieg aussieht, und ich will, dass dieser hier der letzte ist.«
G'Sil schien seine Bemerkung als jugendliche Aufrichtigkeit zu deuten. »Nun, lassen Sie mich gehen und Omas beruhigen. Es fällt ihm schwer, mit Jedi zu reden, die keine netten, anständigen Mitglieder des Hohen Rates sind. Schon komisch, wie wir corellianisches Territorium angreifen können, ohne mit der Wimper zu zucken, dass wir aber die Nerven verlieren, wenn wir ein paar Türen auf unserem eigenen Grund und Boden eintreten müssen.«
Ich wollte mich nie mit dem Rat der Jedi anlegen. Aber jeder hier scheint nur seinem eigenen persönlichen Ehrgeiz zu folgen.
»Haben wir es beide auf denselben Posten abgesehen?«, fragte ihn Niathal. Es war immer schwierig zu sagen, ob ein Mon Calamari scherzte. Jacen fühlte, dass da ein Anflug von Belustigung in ihrem Verstand war, aber nicht viel.
»Ich will kein Politiker sein«, sagte er. »Sie würden einen großartigen Staatschef abgeben, aber ich nicht.«
Niathals Bewusstsein veränderte sich, als würde die Sonne rauskommen, und Jacen spürte entspanntes Wohlwollen und. Respekt. Er hatte das, was er gesagt hatte, ernst gemeint, und sie hatte es als feste Abmachung zwischen ihnen aufgefasst.
»Was für einen Posten wollen Sie dann? Einen im Jedi-Rat?«
Oh, nicht doch. Sie sah in ihm bereits einen Konkurrenten von Luke. Von einem politischen Standpunkt aus betrachtet hatte das Ganze seine eigene Unvermeidlichkeit, und wie hätte sie wissen können, dass die Jedi bei seinen Plänen nicht die geringste Rolle spielten?
»Was ich will, ist, dass die Billionen gewöhnlicher Leute in der Galaxis ihr Leben in dem Wissen fortführen können, dass die Galaxis von einer stabilen Regierungsform geführt wird. Der Großteil des Volkes leidet unter den negativen Konsequenzen der Machtkämpfe einiger weniger. Ich will, dass das ein Ende hat. Ich will, dass Macht Verpflichtung bedeutet und Einsatz, nicht dass sie zur Beute verkommt.«
Niathal richtete ihre Tunika, zog den verzierten Verschluss zu. »Wohl gesprochen. Für jemanden, dessen gesamte Familie zur Elite gehört, haben Sie eine erfrischend militärische Auffassung von Machtausübung.«
Jacen hatte sich von dem Bedürfnis befreit, als Held verehrt zu werden, aber es war beruhigend, die Rückversicherung zu erhalten, dass er sich nicht selbst etwas vormachte. Er genoss einen kurzen Augenblick der Erleichterung und träumte von einer sicheren Galaxis für Tenel Ka und Allana.