Ein verzweifelter Plan
Über den Hügeln zuckte ein Blitz aus der Schwärze des Himmels herab, und bald darauf ertönte ein ohrenbetäubender Donnerschlag.
»Ein Gewitter«, stöhnte Kyra, ohne ihr Tempo zu verlangsamen. »Wir müssen uns beeilen, sonst ist es zu spät.«
Keiner der anderen wusste, was sie vorhatte. Doch sie alle waren viel zu sehr außer Atem, um lange Diskussionen zu führen. Allen war klar, dass Kyra irgendetwas plante, und das war immerhin besser als überhaupt keine Aussicht, den Mann im Mond abzuschütteln.
Er war immer noch hinter ihnen, sie konnten das geisterhafte Knirschen seiner Dornententakel in der Weite des Hügellandes hören. Ihr Vorsprung war größer geworden, doch diesmal schien sich ihr Gegner davon nicht abschrecken zu lassen. Er folgte ihren Spuren, und früher oder später würde er sie einholen.
Lisa schätzte, dass er ungefähr zweihundert Meter hinter ihnen war, die Länge seiner Fangarme nicht mit eingerechnet. Sie konnte ihn sehen, wenn sie sich umwandte, schemenhaft erkennen, obwohl seine Gestalt manchmal durch Hecken und Büsche verdeckt wurde. Und sie spürte, dass er näher kam, unaufhaltsam wie eine Naturgewalt. Wie das Gewitter.
Lisa hatte keinen Schimmer, welcher Geistesblitz Kyra gekommen war, als sie mit der Hexe gesprochen hatte. Die Freunde waren zu weit weg gewesen, um zu verstehen, was vor der Bühne geredet wurde.
Aber es gab keine Alternativen – sie mussten Kyra vertrauen.
Sie liefen wieder nach Norden. Die Stadtmauer hatten sie schon vor mehreren Minuten hinter sich gelassen. Keuchend folgten sie dem Verlauf einiger Feldwege, zwängten sich unter Stacheldraht hindurch und erklommen knarrende Holzgatter.
