Chris und Kyra hetzten von der Terrasse auf den Rasen.
Der Erdschatten war weitergewandert und gab die helle Scheibe am Himmel allmählich wieder frei.
Aber auch der Mond hatte sich verändert. Es gab keine dunklen Stellen mehr auf seiner Oberfläche, keine Schatten. Er war jetzt eine Kugel aus reinem, fleckenlosem Weiß. Etwas fehlte.
Kyra erkannte im selben Augenblick, was es war, als Chris sie mit dem Ellbogen anstieß und über den Rasen zur nächsten Baumzeile deutete.
»Da vorne!«, flüsterte er.
Eine dunkle Gestalt hob sich von der mondbeschienenen Tanne ab. Ein pechschwarzer Umriss, als wäre die Finsternis zu etwas Festem geronnen. Nur Kontur, keine Tiefe.
Ein Mann, spindeldürr wie eine Heuschrecke.
Auf seinem Rücken trug er etwas, das aussah wie ein Rucksack.
Tatsächlich aber war es ein Bündel von Zweigen. Dornenzweigen! Und ihre Enden zuckten und bebten wie elastische Fangarme.
Kyra schaute erneut zum Mond empor. Ungläubig. Fassungslos.
Die Zweige auf dem Rücken des Mannes zuckten schneller, wurden länger, fächerten auseinander wie ein Netz.
»Wer, zum Teufel, ist denn das?«, entfuhr es Chris.
Kyra konnte den Blick nicht von der unheimlichen Gestalt nehmen, schwarz und gesichtslos, wie sie dastand.
»Du wirst es mir ja doch nicht glauben«, wisperte sie atemlos.
»Nun sag’s schon.«
Kyra lachte plötzlich, aber es klang alles andere als fröhlich. Ein Ausdruck purer Panik.
»Das da vorn«, sagte sie, und ihre Stimme war nur ein Hauch, »ist der Mann im Mond.«