Der Pendler
Der Montag fing schlecht an.
Charles Monroe hatte wie üblich den Zug genommen, der um 8.11 Uhr von Greenwich abfuhr. Er balancierte seine Aktentasche und den Kaffee – der heute lauwarm war und verbrannt schmeckte – auf den Knien, während er sein Handy herauszog, um einige seiner morgendlichen Telefonate vorneweg zu erledigen. Im selben Moment plärrte das Gerät lautstark los. Das Geräusch erschreckte ihn, und er goss sich ein großes Komma aus Kaffee über seine braune Anzughose.
»Verdammt«, flüsterte er, klappte das Handy auf und knurrte: »Hallo?«
»Schatz.«
Seine Frau. Er hatte ihr eingeschärft, ihn nur in Notfällen auf seinem Handy anzurufen.
»Was gibt es?«, fragte er und rieb wütend an dem Fleck, als könnte ihn sein Zorn allein zum Verschwinden bringen.
»Gott sei Dank habe ich dich erwischt, Charlie.«
Hatte er eine zweite Hose im Büro, Himmel noch mal? – Nein. Aber er wusste, woher er eine bekam. Er vergaß die Hose, als ihm bewusst wurde, dass seine Frau zu weinen begonnen hatte.
»Na, nun beruhige dich mal, Cathy. Was ist los?« Sie ärgerte ihn auf vielerlei Weise – mit ihrer endlosen Freiwilligenarbeit für wohltätige Einrichtungen und Schulen, weil sie Billigklamotten für sich selbst kaufte und ihm ständig zusetzte, er solle zum Abendessen nach Hause kommen – aber Weinen gehörte nicht zu ihren üblichen Lastern.
»Sie haben noch eine gefunden«, sagte Cathy und schniefte.
Was sie allerdings oft tat, war, so unvermittelt loszulegen, als müsste er genau wissen, wovon sie sprach.
»Wer hat noch eine von was gefunden?«
»Noch eine Leiche.«
Ach, das. In den letzten Monaten waren zwei Bewohner ihres Wohnortes ermordet worden. Der South Shore Killer, wie ihn eine der Boulevardzeitungen getauft hatte, erstach seine Opfer und weidete sie dann mit einem Jagdmesser aus. Sie wurden aus völlig nichtigem Anlass getötet. Eines offenbar im Anschluss an eine kleine Auseinandersetzung im Straßenverkehr. Das andere, weil sein Hund nicht zu bellen aufhörte, wie die Polizei vermutete.
»Und?«
»Schatz«, sagte Cathy und hielt den Atem an, »es war in Loudon.«
»Das ist meilenweit entfernt von uns.«
Obwohl er es auf diese Weise abtat, spürte Monroe ein leichtes Frösteln. Er fuhr jeden Morgen auf dem Weg zum Bahnhof in Greenwich durch Loudon. Vielleicht war er direkt an der Leiche vorbeigefahren.
»Aber damit sind es jetzt drei!«
Ich kann selbst zählen, dachte er, sagte aber: »Cathy, Schatz, die Chance, dass er sich an dich heranmacht, ist eins zu einer Million. Vergiss es einfach. Ich verstehe nicht, weshalb du dir Sorgen machst.«
»Du verstehst nicht, weshalb ich mir Sorgen mache?«, fragte sie.
Natürlich wusste er es nicht. Als Monroe nicht antwortete, fuhr sie fort: »Deinetwegen. Was glaubst du denn?«
»Meinetwegen?«
»Die Opfer waren alle Männer in den Dreißigern und wohnten in der Nähe von Greenwich.«
»Ich kann schon auf mich aufpassen«, sagte er geistesabwesend und blickte aus dem Fenster auf Schulkinder, die aufgereiht an einem Bahnsteig warteten. Sie sahen mürrisch aus. Warum freuten sie sich nicht auf ihren Ausflug in die Stadt?
»Du kommst immer so spät heim, Schatz. Ich mache mir Sorgen, wenn du vom Bahnhof zum Wagen gehst. Ich...«
»Cathy, ich habe wirklich viel zu tun. Sieh es mal so: Er scheint sich einmal im Monat ein Opfer zu schnappen, oder?«
»Was...?«
Monroe ließ sich nicht unterbrechen. »Und jetzt hat er gerade jemanden getötet. Also können wir eine Weile beruhigt sein.«
»Ist das... Machst du Witze, Charlie?«
Er hob die Stimme. »Cathy, ich muss wirklich Schluss machen. Ich habe keine Zeit für so was.«
Eine Geschäftsfrau im Sitz vor ihm drehte sich um und sah ihn wütend an.
Was hatte sie für ein Problem?
Dann hörte er eine Stimme. »Entschuldigen Sie, Sir.« Der Mann, der neben ihm saß – ein Wirtschaftsprüfer oder Anwalt, vermutete Monroe -, lächelte ihn trübselig an.
»Ja?«, fragte Monroe.
»Es tut mir leid«, sagte der Mann, »aber Sie sprechen sehr laut. Manche von uns würden gern lesen.«
Monroe blickte mehrere andere Pendler an. Ihre gereizten Mienen verrieten ihm, dass sie genauso dachten.
Er war nicht in der Stimmung, sich belehren zu lassen. Alle Welt telefonierte im Zug mit dem Handy. Wenn eins läutete, gingen immer ein Dutzend Hände zum eigenen Gerät.
»Tja«, knurrte Monroe, »ich war zuerst hier. Sie haben mich telefonieren sehen und sich trotzdem gesetzt. Wenn Sie jetzt erlauben...«
Der Mann blinzelte überrascht. »Oh, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Ich habe mir nur gedacht, Sie könnten vielleicht ein wenig leiser sprechen.«
Monroe seufzte frustriert und wandte sich wieder seinem Gespräch zu. »Cathy, mach dir keine Sorgen, okay? Und jetzt hör zu, ich brauche für morgen das Hemd mit dem Monogramm.«
Der Mann sah ihn pikiert an, dann seufzte er, sammelte Zeitung und Aktentasche ein und zog auf den Sitz hinter Monroe um. Nicht schade um ihn.
»Morgen?«, fragte Cathy.
Monroe brauchte das Hemd eigentlich gar nicht, aber er ärgerte sich über Cathy, weil sie angerufen hatte, und er ärgerte sich über den Mann neben ihm, weil er so unhöflich war. Deshalb sagte er lauter als nötig: »Ich sagte doch gerade, ich muss es morgen haben.«
»Heute ist nur ziemlich viel zu tun. Wenn du gestern Abend etwas gesagt hättest...«
Stille.
»Also gut«, fuhr sie fort, »ich mache es. Aber Charlie, versprich, dass du vorsichtig bist, wenn du heute Abend nach Hause fährst.«
»Ja, in Ordnung. Ich muss Schluss machen.«
»Bye...«
Er trennte die Verbindung.
Großartig, wenn der Tag so anfängt, dachte er. Und tippte eine andere Nummer ein.
»Carmen Foret, bitte«, sagte er zu der jungen Frau, die sich meldete.
Weitere Pendler stiegen zu. Monroe warf seine Aktentasche auf den Sitz neben sich, um mögliche Interessenten für den Platz abzuschrecken.
Einen Augenblick später meldete sich die Stimme der Frau.
»Ja, bitte?«
»Hallo, Baby, ich bin’s.«
Kurzes Schweigen.
»Du wolltest mich gestern Abend anrufen«, sagte die Frau kühl.
Er kannte Carmen seit acht Monaten. Sie war, dem Vernehmen nach, eine talentierte Immobilienmaklerin und wahrscheinlich in vielerlei Hinsicht eine wunderbare, großzügige Frau. Was er aber von ihr wusste – und was alles war, was er wissen wollte -, war, dass sie einen weichen, geschmeidigen Körper besaß und langes, zimtfarbenes Haar, das sich wie warmer Samt auf dem Kissen ausbreitete.
»Tut mir leid, Häschen, die Besprechung ging sehr viel länger, als ich dachte.«
»Deine Sekretärin dachte nicht, dass es so spät werden würde.«
Himmel, sie hatte in seinem Büro angerufen. Das tat sie fast nie. Wieso gestern Abend?
»Wir gingen noch auf ein paar Drinks, nachdem wir den Vertragstext durchgesehen hatten. Dann sind wir im Four Seasons hängen geblieben. Du weißt, wie das ist.«
»Ich weiß«, sagte sie säuerlich.
»Was machst du heute Mittag?«, fragte er.
»Ich mache ein Thunfischsalatsandwich, Charlie. Was machst du
»Wir könnten uns bei dir treffen.«
»Nein, Charlie, nicht heute. Ich bin sauer auf dich.«
»Sauer auf mich? Weil ich einen Anruf versäumt habe?«
»Nein, weil du ungefähr dreihundert Anrufe versäumt hast, seit wir zusammen sind.«
Zusammen sind? Wie kam sie denn auf die Idee? Sie war seine Geliebte. Sie schliefen miteinander. Sie waren nicht zusammen, sie gingen nicht miteinander aus, sie machten sich nicht den Hof.
»Du weißt, wie viel Geld ich bei diesem Geschäft verdienen kann. Ich durfte es nicht verpfuschen, Schatz.«
Falsch, verdammt.
Carmen wusste, dass er Cathy »Schatz« nannte. Sie mochte es nicht, wenn er diesen Kosenamen bei ihr verwendete.
»Ich bin heute Mittag jedenfalls beschäftigt«, sagte sie frostig. »Kann sein, dass ich in nächster Zeit sehr oft mittags beschäftigt bin. Vielleicht für den Rest meines Lebens.«
»Komm schon, Baby.«
Ihr Lachen sagte: Netter Versuch. Aber sein Ausrutscher mit dem »Schatz« wurde ihm noch nicht verziehen.
»Kann ich rasch rüberkommen und etwas abholen?«
»Etwas abholen?«, fragte Carmen.
»Eine Hose.«
»Du meinst, du hast mich gerade angerufen, weil du Wäsche abholen wolltest?«
»Nein, nein, Baby, ich wollte dich sehen. Wirklich. Ich habe nur gerade Kaffee auf meine Hose verschüttet. Während wir gesprochen haben.«
»Ich muss Schluss machen, Charlie.«
»Baby...«
Klick.
Verdammt.
Montage, dachte Monroe. Ich hasse Montage.
Er rief die Auskunft an und bat um die Nummer eines Juwelierladens nicht weit von Carmens Büro. Er bestellte ein Paar Diamantohrringe für fünfhundert Dollar und arrangierte, dass sie ihr so schnell wie möglich geliefert wurden. Die Nachricht, die er diktierte, lautete: »Für meine Erste-Klasse-Geliebte: eine kleine Beilage zu deinem Thunfischsalat. Charlie.«
Dann blickte er aus dem Fenster. Der Zug war nun beinahe in der City. Statt der großen Villen und der kleinen Möchtegern-Villen flogen nun Reihenhäuser und niedrige Bungalows vorbei, die in hoffnungsvollen Pastelltönen gestrichen waren. Blaues und rotes Plastikspielzeug und Spielzeugteile lagen in den schütteren Gärten. Eine schwergewichtige Frau hielt beim Wäscheaufhängen inne und sah stirnrunzelnd dem vorbeibrausenden Zug nach, als verfolgte sie die Bilder einer Flugschaukatastrophe auf CNN.
Er machte noch einen Anruf.
»Geben Sie mir Hank Shapiro.«
Einen Augenblick später war eine barsche Stimme in der Leitung. »Ja?«
»Hallo, Hank. Hier ist Charlie. Monroe.«
»Charlie. Sagen Sie, wie kommt unser Projekt voran?«
Monroe hatte die Frage nicht zu diesem frühen Zeitpunkt des Gesprächs erwartet. »Großartig«, antwortete er nach kurzem Zögern. »Es läuft großartig.«
»Aber?«
»Aber was?«
»Es klingt, als versuchten Sie mir etwas mitzuteilen«, sagte Shapiro.
»Nein... Es ist nur so, dass alles ein bisschen langsamer geht, als ich dachte. Ich wollte...«
»Langsamer?«, fragte Shapiro.
»Sie speisen einen Teil der Informationen in ein neues Computersystem. Dort sind sie ein bisschen schwerer zu finden als bisher.« Er versuchte zu scherzen. »Erinnern Sie sich noch an diese alten Disketten? Man nannte sie...«
»Ich höre ›ein bisschen langsamer‹. Ich höre ›ein bisschen schwerer‹«, bellte Shapiro. »Das ist alles nicht mein Problem. Ich brauche diese Informationen, und ich brauche sie bald.«
Die gesammelten Ärgernisse des Vormittags wurden Monroe zu viel, und er flüsterte wütend: »Hören Sie, Hank, ich bin seit Jahren bei Johnson, Levine. Niemand außer Foxworth selbst verfügt über solches Insiderwissen. Also setzen Sie mir nicht zu, okay? Ich besorge Ihnen, was ich versprochen habe.«
Shapiro seufzte. Nach einem Augenblick fragte er: »Sind Sie sicher, dass er keine Ahnung hat?«
»Wer, Foxworth? Der tappt völlig im Dunkeln.«
In Monroes Kopf tauchte blitzschnell ein irritierendes Bild von seinem Boss auf. Todd Foxworth war ein massiger, schrulliger Mann. Er hatte aus einer kleinen Graphic-Design-Firma in SoHo eine riesige Werbeagentur aufgebaut. Monroe war dort Leiter der Kundenbetreuung und stellvertretender Geschäftsführer. Er war so weit in der Firma aufgestiegen, wie er es als Betriebswirt konnte, aber Foxworth hatte sich seinen wiederholten Vorschlägen widersetzt, einen besonderen Titel für ihn zu kreieren. Spannungen vergifteten die Atmosphäre zwischen den beiden Männern, und im Lauf des letzten Jahres war Monroe zu der Überzeugung gelangt, dass ihn Foxworth verfolgte – er beschwerte sich ständig wegen seines Spesenkontos, seiner nachlässigen Aktenführung, seiner unerklärten Fehlzeiten. Als er dann schließlich nach seiner jährlichen Beurteilung nur eine siebenprozentige Gehaltserhöhung bekam, hatte Monroe beschlossen, zurückzuschlagen. Er war zu Hunter, Shapiro, Stein & Arthur gegangen und hatte ihnen Insiderinformationen über Kunden zum Kauf angeboten. Erst störte ihn die Vorstellung, aber dann dachte er sich, dass es nur ein anderer Weg war, sich die zwanzig Prozent Gehaltserhöhung zu sichern, die ihm seiner Ansicht nach zustanden.
»Ich kann nicht mehr viel länger warten, Charlie«, sagte Shapiro. »Wenn ich nicht bald etwas sehe, muss ich das Angebot vielleicht zurückziehen.«
Verrückte Ehefrauen, rüde Pendler... und jetzt das noch. Himmel, was für ein Morgen!
»Diese Info wird erstklassig, reines Gold, Hank.«
»Hoffentlich. Denn ich bleche auf jeden Fall wie für Gold.«
»Bis zum Wochenende habe ich gutes Material beisammen. Was halten Sie davon, wenn Sie zu meinem Landhaus hinaufkommen und es sich ansehen? Dort haben wir es nett und ungestört.«
»Sie haben ein Landhaus?«
»Ich posaune es nicht herum. Tatsache ist, dass Cathy nichts davon weiß. Eine Freundin und ich fahren manchmal hinauf.«
»Eine Freundin?«
»Ja. Und sie hat ein, zwei Freundinnen, die sie einladen könnte, falls Sie mitkommen wollen.«
»Zwei?«
Oder drei, dachte Monroe, aber er sagte nichts.
Ein langes Schweigen. Dann kicherte Shapiro. »Ich denke, sie sollte nur eine Freundin mitbringen, Charlie. Ich bin kein junger Mann mehr. Wo ist das Haus?«
Monroe beschrieb ihm den Weg. Dann sagte er: »Wie wäre es heute Abend mit Dinner? Ich lade Sie ins Chez Antibes ein.«
Erneutes Kichern. »Damit könnte ich leben.«
»Gut. Gegen acht.«
Monroe war versucht, Shapiro zu bitten, Jill mitzubringen, eine junge Kundenbetreuerin, die in Shapiros Agentur arbeitete – und zufällig auch die Frau, mit der er den gestrigen Abend im Holiday Inn verbracht hatte, als Carmen ihn zu erreichen versuchte. Aber er fand, er sollte sein Glück nicht überstrapazieren. Er und Shapiro legten auf.
Monroe schloss die Augen und begann wegzudösen. Er hoffte, noch ein paar Minuten Schlaf abzubekommen, aber der Zug ruckte seitwärts und rüttelte ihn wach. Er sah aus dem Fenster. Man blickte auf keine Einfamilienhäuser mehr. Nur rußige Wohnblocks aus Ziegeln. Monroe verschränkte die Arme und legte den restlichen Weg bis zur Grand Central Station in aufgewühltem Schweigen zurück.
 
Der Tag besserte sich umgehend.
Carmen gefielen die Ohrringe sehr, und sie war nahe dran, ihm zu vergeben (zu einer vollständigen Wiedergutmachung würden allerdings ein teures Dinner und eine Nacht im Sherry Netherland gehören, wie er wusste).
Im Büro war Foxworth überraschend fröhlich gelaunt. Monroe hatte sich Sorgen gemacht, der Alte könnte ihn wegen seines in letzter Zeit stark aufgeblähten Spesenkontos zur Rede stellen. Aber Foxworth genehmigte es nicht nur, er lobte Monroe außerdem für die gute Arbeit, die er bei der Werbekampagne für Brady Pharmaceutical geleistet hatte. Er bot ihm sogar für das kommende Wochenende einen Golfnachmittag in Foxworths exklusivem Country Club auf Long Island an. Monroe verabscheute Golf, und besonders verabscheute er North Shore Country Clubs. Aber ihm gefiel die Vorstellung, Hank Shapiro auf Foxworths Kosten zum Golfen einzuladen. Zwar verwarf er diesen Einfall als zu riskant, aber der Gedanke daran amüsierte ihn über weite Strecken des Nachmittags.
Um neunzehn Uhr, kurz bevor er aufbrechen musste, um Shapiro zu treffen, fiel ihm plötzlich Cathy ein. Er rief zu Hause an. Niemand ging ans Telefon. Dann wählte er die Nummer der Schule, in der sie zuletzt freiwillig gearbeitet hatte, und erfuhr, dass sie heute nicht dort gewesen war. Er rief wieder zu Hause an. Sie ging immer noch nicht ran.
Für einen kurzen Moment war er beunruhigt. Nicht, dass er sich Sorgen wegen des South Shore Killers gemacht hätte; ihm war nur instinktiv unwohl, wenn seine Frau nicht zu Hause war – er fürchtete, sie könnte die Sache mit Carmen oder wem auch immer herausgefunden haben. Außerdem wollte er nicht, dass sie von seinem Deal mit Shapiro erfuhr. Je besser sie über seine Einkünfte Bescheid wusste, desto mehr würde sie haben wollen. Er rief noch einmal an und sprach auf ihren Anrufbeantworter.
Doch inzwischen war es Zeit, zum Abendessen aufzubrechen, und da Foxworth bereits gegangen war, bestellte er sich eine Limousine und setzte sie auf die Rechnung für allgemeinen Geschäftsbedarf. Er ließ sich durch Downtown chauffieren und genoss ein gutes Abendessen mit Hank Shapiro. Um dreiundzwanzig Uhr setzte er Shapiro an der Penn Station ab und fuhr mit der Limousine zur Grand Central. Er erwischte den Zug eine halbe Stunde vor Mitternacht, schaffte es bis zu seinem Wagen, ohne von einem Verrückten mit einem Messer abgestochen zu werden, und fuhr nach Hause, zu Ruhe und Frieden. Cathy hatte zwei Martinis getrunken und schlief fest. Monroe schaute noch ein wenig fern, schlief auf der Couch ein und wachte am nächsten Morgen spät auf; er erwischte den Zug um 8.11 Uhr, dreißig Sekunden vor der Abfahrt.
Um halb zehn marschierte Monroe ins Büro und dachte: Den Montag hätten wir hinter uns, heute ist ein neuer Tag. Bringen wir wieder Schwung ins Leben. Er beschloss, den Vormittag dazu zu nutzen, in das neue Computersystem zu gelangen und Listen angehender Klienten für Shapiro auszudrucken. Dann würde er mit Carmen ein romantisches Mittagessen einnehmen. Außerdem würde er Jill anrufen und sie zu ein paar Drinks am Abend überreden.
Monroe betrat gerade sein Büro, als ihn Foxworth, der noch fröhlicher als gestern zu sein schien, zu sich winkte und fragte, ob sie sich kurz unterhalten könnten. Monroe kam ein ironischer Gedanke: Dass Foxworth es sich anders überlegt hatte und ihm doch noch eine anständige Gehaltserhöhung gewähren wollte. Würde er die vertraulichen Informationen trotzdem verkaufen? Es war ein Dilemma. Doch dann entschied er, zum Teufel, ja, er würde es tun. Und zwar als Entschädigung für die beleidigenden fünf Prozent Erhöhung vom Vorjahr.
Monroe nahm in Foxworths vollgestopftem Büro Platz.
Man machte sich in der Agentur darüber lustig, dass Foxworth keine zusammenhängenden Unterhaltungen zustande brachte. Er polterte los, er schweifte ab, er erfand sogar Worte. Die Kunden fanden es entzückend. Monroe hatte nicht die Geduld für die weitschweifige Persönlichkeit des Mannes. Aber heute war er großzügiger Stimmung und lächelte höflich, als der zerknitterte Alte drauflosplapperte.
»Ein paar Dinge, Charlie. Leider hat sich da etwas ergeben, und diese Einladung zum Golf am Wochenende … Ich weiß, Sie hätten wahrscheinlich gern ein paar Bälle geschlagen, haben sich schon darauf gefreut, aber ich fürchte, ich kann das Angebot nicht aufrechterhalten. Tut mir sehr leid.«
»Schon in Ordnung. Ich...«
»Ein guter Club, dieser Hunter’s. Haben Sie mal dort gespielt? Nein? Sie haben keinen Pool, keine Tennisplätze. Man geht hin, um Golf zu spielen. Punkt, Ende der Geschichte. Wenn man dort nicht Golf spielt, verschwendet man nur seine Zeit. Es gibt natürlich dieses Dogleg am siebzehnten... scheußlich, scheußlich. Bin noch nie auch nur einem Par nahe gekommen. Wie lange spielen Sie schon?«
»Seit dem College. Ich weiß es wirklich zu schätzen...«
»Jetzt zu der anderen Sache, Charlie. Patty Kline und Sam Egglestone von der Rechtsabteilung, Sie kennen die beiden ja, waren gestern Abend im Chez Antibes. Zum Abendessen. Sie haben noch länger gearbeitet und gingen dann essen.«
Monroe erstarrte.
»Nun war ich selbst zwar nie dort, aber wie ich höre, ist das Lokal lustig eingerichtet. Sie haben diese Raumteiler, so ähnlich wie die Papierschirme in japanischen Restaurants, nur eben keine japanischen, weil es ja ein französisches Restaurant ist. Langer Rede kurzer Sinn, die beiden konnten jedes Wort verstehen, das Sie und Hank Shapiro gewechselt haben. So. Da haben Sie es. Der Sicherheitsdienst räumt in diesem Augenblick Ihren Schreibtisch aus, ein paar Wachen sind auf dem Weg, um Sie aus dem Gebäude zu eskortieren, und Sie sollten sich lieber einen guten Anwalt nehmen, denn Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen ist eine verdammt ernste Angelegenheit – sagen Patty und Sam; ich kenn mich mit so was nicht aus, ich bin nur ein kleiner Wortschmied. So. Ich werde Ihnen wohl nicht viel Glück wünschen, Charlie. Sondern einfach sagen: Machen Sie, dass Sie aus meiner Agentur verschwinden. Ach ja, und ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, dass Sie in dieser Branche kein Bein mehr auf die Erde kriegen.«
Fünf Minuten später stand er auf der Straße, seine Aktentasche in der einen Hand, das Handy in der anderen, und sah zu, wie Kartons mit seiner persönlichen Habe in einen Lieferwagen mit Bestimmungsort Connecticut verladen wurden.
Er verstand nicht, wie es dazu hatte kommen können. Niemand aus der Agentur ging jemals ins Chez Antibes. Es gehörte einem Unternehmen, das mit einem von Foxworths großen Kunden konkurrierte, und war deshalb verbotenes Terrain. Patty und Sam wären nicht hingegangen, wenn es ihnen Foxworth nicht befohlen hätte – um Monroe zu belauschen. Irgendwer musste ihn verpfiffen haben. Seine Sekretärin? Falls Eileen es war, entschied Monroe, würde er es ihr gewaltig heimzahlen.
Er ging mehrere Blocks zu Fuß und überlegte, was er tun sollte, und als ihm nichts einfiel, nahm er ein Taxi zur Grand Central Station.
Dann saß er in einem Zug, der nach Norden ratterte, fort von der grauen Stadt, und trank in kleinen Schlucken Gin aus der winzigen Flasche, die er im Speisewagen gekauft hatte. Benommen starrte er auf die schmutzigen Wohnblocks, dann auf die blassen Bungalows, die Mini-Landhäuser und schließlich die richtigen Landhäuser, während der Zug in Richtung Nordosten raste. Irgendetwas würde er aus der Situation schon machen. Darin war er gut. Er war der Beste. Ein Wühler, ein geborener Verkäufer... Er war erste Klasse.
Er brach den Verschluss einer zweiten Flasche auf, und dann fiel es ihm ein: Cathy würde wieder arbeiten gehen. Sie würde es nicht wollen, aber er würde sie überreden. Je mehr er darüber nachdachte, desto besser gefiel ihm die Idee. Verdammt noch mal, sie hing seit Jahren zu Hause herum. Jetzt war er mal an der Reihe. Sollte sie zur Abwechslung mit dem Druck eines Vollzeitjobs zurechtkommen. Wieso musste er sich immer mit dem ganzen Mist herumschlagen?
Monroe parkte in der Einfahrt, holte ein paar Mal tief Luft und ging dann ins Haus.
Seine Frau saß mit einer Tasse Tee in einem Schaukelstuhl im Wohnzimmer.
»Du kommst früh nach Hause.«
»Ich muss dir etwas sagen«, begann er und lehnte sich an den Kaminrand. Er legte eine Pause ein, um sie nervös zu machen, um ihr Mitgefühl zu wecken. »Es hat eine große Entlassungswelle in der Agentur gegeben. Foxworth wollte, dass ich bleibe, aber sie haben das Geld einfach nicht. Die meisten anderen leitenden Angestellten gehen ebenfalls. Du brauchst keine Angst zu haben, Schatz. Wir stehen das zusammen durch. Es ist eigentlich sogar eine Chance für uns beide. Du hättest die Möglichkeit, wieder zu unterrichten. Nur eine Zeit lang. Ich habe mir gedacht...«
»Setz dich, Charles.«
Charles? Seine Mutter nannte ihn Charles.
»Ich sagte, es wäre eine...«
»Setz dich. Und sei still.«
Er setzte sich.
Sie trank mit ruhiger Hand ihren Tee, ihre Augen wanderten über sein Gesicht wie Suchscheinwerfer. »Ich hatte heute Morgen eine Unterhaltung mit Carmen.«
Seine Nackenhaare tanzten. Er setzte ein schlaues Lächeln auf und fragte: »Carmen?«
»Deine Freundin.«
»Ich...«
»Was?«, fuhr sie ihn an.
»Nichts.«
»Sie machte einen netten Eindruck. Es war ein Jammer, dass ich sie so aufregen musste.«
Monroe knetete die Lehne seines Kunstledersessels.
»Ich hatte es gar nicht vor«, fuhr Cathy fort. »Sie aufzuregen, meine ich. Es ist nur so, dass sie irgendwie zu glauben schien, wir beide seien gerade dabei, uns scheiden zu lassen.« Sie lachte kurz auf. »Weil ich mich in den Pooljungen verliebt hätte. Wie um alles in der Welt kommt sie wohl auf so etwas?«
»Ich kann dir erklären...«
»Wir haben keinen Pool, Charles. Ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass das eine ziemlich dumme Lüge ist?«
Monroe legte die Hände zusammen und begann an einem Fingernagel zu zupfen. Beinahe hätte er Carmen erzählt, dass Cathy eine Affäre mit einem Nachbarn oder einem Handwerker hätte. Aber Pooljunge war das Erste, was ihm einfiel. Doch, ja, im Nachhinein fand er es auch ziemlich dumm.
»Nur falls du dich wunderst«, fuhr Cathy fort. »Es war so, dass jemand vom Juwelierladen anrief. Sie wollten wissen, ob sie die Quittung hierher oder an Carmens Adresse schicken sollten. Sie meinte übrigens, die Ohrringe seien wirklich geschmacklos, aber sie würde sie trotzdem behalten. Ich sagte, das solle sie ruhig tun.«
Wieso um alles in der Welt hatte der Angestellte das getan? Als er die Bestellung aufgab, hatte er ausdrücklich die Anweisung gegeben, die Quittung an sein Büro zu schicken.
»Es ist nicht, wie du denkst«, sagte er.
»Da hast du Recht, Charlie. Es ist wahrscheinlich noch viel schlimmer.«
Monroe ging zur Bar und goss sich noch einen Gin ein. Sein Kopf tat weh, und er fühlte sich benebelt von dem vielen Alkohol. Er trank einen Schluck und setzte das Glas ab. Er erinnerte sich daran, wie sie diesen Satz Kristallgläser gekauft hatten. Eine Sonderaktion bei Saks. Er hätte die Verkäuferin gern nach ihrer Telefonnummer gefragt, aber Cathy hatte in der Nähe gestanden.
Seine Frau holte tief Luft. »Ich habe drei Stunden mit einem Anwalt telefoniert. Er denkt offenbar, dass es nicht sehr viel länger dauern wird, dich zu einem sehr armen Mann zu machen. Nun, Charlie, wir haben nicht mehr viel zu besprechen. Du solltest also einen Koffer packen, um woanders zu bleiben.«
»Cathy, das ist gerade eine wirklich schlimme Zeit für mich...«
»Nein, Charles, es wird schlimm werden. Aber noch ist es nicht schlimm. Leb wohl.«
Eine halbe Stunde später hatte er gepackt. Als er sich mit einem großen Koffer die Treppe hinunterschleppte, betrachtete ihn Cathy aufmerksam. Es war der Blick, mit dem sie die Blattläuse musterte, die sie mit Insektenspray einsprühte, worauf sie sich zu kleinen, toten Kugeln einrollten.
»Ich...«
»Leb wohl, Charles.«
Monroe war halb durch die Eingangshalle, als es an der Tür läutete.
Er stellte den Koffer ab und öffnete. Zwei große Deputys des Sheriffs standen vor ihm. In der Einfahrt parkten zwei Streifenwagen, und zwei weitere Deputys warteten auf dem Rasen. Sie hatten die Hände sehr nahe an ihren Pistolen.
Oh, nein. Foxworth wollte ihn vor Gericht bringen! Großer Gott. Was für ein Albtraum.
»Mr. Monroe?«, fragte der größere der Deputys und beäugte seinen Koffer. »Charles Monroe?«
»Ja. Was gibt es?«
»Könnten wir Sie wohl kurz sprechen?«
»Sicher. Ich... was ist denn los?«
»Dürfen wir hereinkommen?«
»Ich, ähm, natürlich.«
»Wohin gehen Sie, Sir?«
Monroe wurde plötzlich bewusst, dass er keine Ahnung hatte.
»Ich... ich weiß es nicht.«
»Sie gehen weg, aber Sie wissen nicht, wohin?«
»Ein kleines häusliches Problem... Sie wissen, wie das ist.«
Sie starrten ihn mit versteinertem Gesicht an.
»Ich denke, ich fahre in die City«, erklärte Monroe. »Manhattan.«
Warum nicht? Es war so gut wie jeder Ort.
»Ich verstehe«, sagte der kleinere Deputy und sah seinen hünenhaften Kollegen an. »Er verlässt den Staat«, sagte er bedeutungsvoll.
Was meinte er damit?
»Ist das Ihre Mastercard-Nummer, Mr. Monroe?«, fragte der zweite Deputy nun.
Er besah sich den Zettel, den ihm der Beamte hinhielt. »Ähm, ja. Worum geht es denn eigentlich?«
»Haben Sie gestern bei Great Northern Outdoor Supplies eine Versandbestellung aufgegeben?«
Great Northern? Monroe hatte noch nie davon gehört. Er sagte es den Beamten.
»Verstehe«, sagte der große Polizist und glaubte ihm nicht.
»Aber Sie besitzen ein Haus am Harguson Lake nahe Hartford, nicht wahr?«
Wieder spürte er die kribbelnde Kälte in seinem Rückgrat. Cathy sah ihn an – mit einem Blick, der ausdrückte, dass sie nichts mehr überraschen konnte.
»Ich...«
»Nichts leichter nachzuprüfen als das, Sir. Sie können ebenso gut die Wahrheit sagen.«
»Ja, es gehört mir.«
»Wann hast du es gekauft, Charles?«, fragte Cathy mit müder Stimme.
Es sollte eine Überraschung sein... Unser Hochzeitstag... Ich wollte es dir gerade sagen...
»Vor drei Jahren«, antwortete er.
Der kleinere der Deputys ließ nicht locker. »Und Sie haben sich von Great Northern nicht per Express eine Bestellung an dieses Haus schicken lassen?«
»Eine Bestellung? Nein. Was für eine Bestellung?«
»Ein Jagdmesser.«
»Ein Messer? Nein, natürlich nicht.«
»Mr. Monroe, das Messer, das Sie bestellt haben...«
»Ich habe kein Messer bestellt.«
»... das Messer, das jemand bestellt hat, der sich als Charles Monroe ausgab, Ihre Kreditkarte benutzte und es in Ihr Landhaus schicken ließ, ähnelt den Messern, die bei den Morden in dieser Gegend benutzt wurden.«
Der South Shore Killer …
»Charlie!«, entfuhr es Cathy.
»Ich weiß nichts von irgendwelchen Messern!«, schrie er. »Absolut nichts!«
»Die Staatspolizei hat einen anonymen Hinweis auf blutige Kleidungsstücke am Ufer des Lake Harguson erhalten. Wie sich herausstellte, handelt es sich um Ihr Grundstück. Dort lag ein T-Shirt von dem Opfer von vor zwei Tagen. Wir fanden außerdem ein weiteres Messer bei dem T-Shirt. Das Blut daran stimmt mit dem Blut des Opfers überein, das vor zwei Tagen an der Route 15 getötet wurde.«
Großer Gott, was ging hier vor sich?
»Nein! Das ist ein Irrtum! Ich habe niemanden getötet!«
»Oh, Charlie, wie konntest du nur?«
»Mr. Monroe, Sie haben das Recht zu schweigen...« Der große Deputy las ihm seine übrigen Rechte vor, während der andere ihm Handschellen überstreifte.
Sie nahmen ihm die Geldbörse aus der Tasche. Das Handy ebenfalls.
»Nein, nein, lassen Sie mir das Handy! Ich darf einen Anruf machen, das weiß ich.«
»Stimmt, aber Sie müssen unser Telefon benutzen, Sir, nicht Ihr eigenes.«
Sie packten ihn schmerzhaft an den Oberarmen und führten ihn nach draußen. Er wehrte sich und war einer Panik nahe. Kurz vor dem Streifenwagen hob Monroe zufällig den Blick. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand ein Mann mit sandfarbenem Haar. Freundlich lächelnd lehnte er an einem Baum und beobachtete die aufregende Szene.
Er kam Monroe sehr bekannt vor...
»Moment mal«, schrie Monroe, »warten Sie...«
Aber die Deputys warteten nicht. Sie verfrachteten ihn mit festem Griff auf die Rückbank ihres Wagens und fuhren aus der Einfahrt.
Als sie dann an dem Mann vorbeikamen und Monroe ihn aus einem anderen Blickwinkel sah, da erkannte er ihn. Es war der Pendler – der unfreundliche, der gestern Morgen neben ihm gesessen und ihn aufgefordert hatte, leise zu sein.
Moment mal... oh, nein. Nein!
Monroe begann zu verstehen. Der Mann hatte alle seine Gespräche mitgehört – mit Shapiro, mit Carmen, mit dem Schmuckgeschäft. Er hatte sich alle Namen und Monroes Kreditkartennummer notiert; den Namen und die Adresse seiner Geliebten und die Einzelheiten seiner Besprechung mit Hank Shapiro... und die Lage seines Hauses auf dem Land! Er hatte Foxworth angerufen, er hatte Cathy angerufen, er hatte das Jagdmesser bestellt …
Und er hatte auch die Polizei angerufen.
Denn er war der South Shore Killer …
Der Mann, der wegen der geringsten Kränkung mordete – wegen einer Delle in der Stoßstange, wegen eines bellenden Hundes …
Monroe drehte sich gewaltsam auf dem Sitz herum und sah, wie der Mann dem Streifenwagen nachblickte.
»Wir müssen zurückfahren!«, schrie Monroe. »Wir müssen! Er ist da hinten! Der Mörder ist da hinten!«
»Jaja, schon gut, wir würden es sehr begrüßen, wenn Sie jetzt einfach den Mund halten könnten. Wir sind in null Komma nichts auf dem Revier.«
»Nein!«, heulte er. »Nein, nein, nein!«
Als er ein letztes Mal zurückblickte, sah er, wie der Mann die Hand zum Kopf hob. Was tat er da? Winken? Monroe kniff die Augen zusammen. Nein, er... er tat, als würde er ein Telefon ans Ohr halten.
»Halt! Er ist da! Er ist dort hinten!«
»Sir, das reicht nun aber«, sagte der große Deputy.
Einen Block hinter ihnen ließ der Pendler schließlich die Hand sinken, wandte sich von der Straße ab und begann in forschem Tempo und federnden Schrittes den Gehsteig entlangzulaufen.