26. KAPITEL
Drei Wochen später ging Charlotte ungeduldig in ihrem Krankenzimmer auf und ab und wartete auf Dr. Harmon, der die Bandagen lösen wollte. Die Implantate waren entfernt, die Operation war gut gelaufen, und jetzt war nur noch das Ergebnis zu betrachten. Sie hatte die Situation schon einmal erlebt.
„Charlotte, entspann dich“, bat Michael. „Er wird jeden Moment hier sein.“
„Ich kann mich nicht entspannen. Verstehst du das nicht?“
„Ich verstehe, dass du dir Sorgen machst, wie du jetzt aussiehst. Das würde jeder. Aber was kann denn schlimmstenfalls passieren?“
„Dass ich so aussehe wie vor meiner ersten Operation.“
„Dr. Harmon hat dir versichert, dass das nicht der Fall sein wird. Der Knochenaufbau ist erhalten geblieben, es wurden nur die künstlichen Implantate entfernt. Schlimmstenfalls hast du eine leicht zurückweichende Kinnlinie. Das ist keine große Sache. Du hast Glück.“
Trotzdem machte sie sich Sorgen, wie Michael auf ihr neues Aussehen reagieren würde.
„Oh, ich verstehe, es geht um mich.“
„Ja“, flüsterte sie. „Ich werde es in jedem Fall überleben. Aber ich mache mir Sorgen, ob du mich noch magst.“
Er schüttelte seufzend den Kopf. „Komm her.“ Er streckte die Arme aus. Anstatt sie zu umarmen, führte er sie jedoch ins Bad vor den Spiegel über dem Waschbecken und stellte sich hinter sie. „Charlotte, betrachte dich im Spiegel.“
Ihr Kopf war unter Bandagen verborgen mit Ausnahme der Öffnungen für Augen, Mund und Nase. „Ich kann mich nicht sehen.“
„Falsch. Wenn du magst, was du jetzt sehen kannst, ist der Rest fast gleichgültig. Ich mag es jedenfalls.“ Er ließ sie vor dem Spiegel allein.
Irgendwie hatte er Recht. Gegen das Weiß der Bandagen schienen ihre Augen besonders ausdrucksvoll zu strahlen. Sie zeigten die wahre Charlotte. Lange genug hatte sie Rollen gespielt. Es war Zeit, zu sich zu stehen.
Als sie sich umdrehte, gaben sich Michael und Dr. Harmon an der Tür zu ihrem Zimmer die Hand. Sie trat vom Spiegel zurück, wandte sich ihnen zu und lächelte unter den Bandagen.