Der Dämon hatte schon die halbe Strecke bis zu seinem Nest zurückgelegt. Noch ein paar Sekunden, dann würden Lisa und Chris seine rasiermesserscharfen Krallen zu spüren bekommen. Die Zeit lief ihnen weg, sie mussten schneller sein, entschlossener … Die beiden glitten gleichzeitig über den Kamm hinweg, hinunter zum Nest.
Sie erstarrten.
Das Nest ruhte unverändert in der Senke. Teerfarbene Zweige glitzerten wie Stahl im grellen Sonnenlicht. Dornen stachen wie Schwerter empor.
Doch etwas anderes hatte sich verändert.
Die Eier waren aufgebrochen. Die schwarzen Schalen lagen zersplittert im Zentrum des Nests.
Die Brut des Dämons war geschlüpft.Aber wo steckte sie? Nichts rührte sich, keine Spur von Leben. Die Jungen mussten bereits ausgeschwärmt sein, trieben sich vielleicht irgendwo im Haus herum.
Das Kreischen des Storchs wurde ohrenbetäubend, als er vor Lisa und Chris seine Schwingen öffnete. Sein Schnabel war hoch erhoben, eine Waffe vor dem Todesstoß.
Chris packte Lisas Hand. Sie drängte sich an ihn.
Die weißen Pupillen des Storches schienen noch heller zu werden. Sein Zorn schlug um in Triumph.
So nah bei Chris, dachte Lisa wie betäubt. Und so gut wie tot.
War das vielleicht Gerechtigkeit?