Im selben Augenblick lösten sich die Gestalten rund um sie in Luft auf. Die Tänzer verblassten wie Nebelschwaden. Und dann war der Ballsaal wieder menschenleer. Verlassen.
Bis auf den Storch.
Das grässliche Tier stand immer noch da und starrte Lisa aus leeren Augen an. Sie hatte noch nie etwas gesehen, das ihr größere Abscheu eingeflößt hätte. Die Angst verwandelte ihren Körper in eine Eissäule.
Mit einem Mal riss der Riesenstorch seinen Kopf in den Nacken. Sein Schnabel klappte auseinander wie eine Schere aus rotem Horn, und aus seinem Rachen stieg ein Kreischen empor, wie Lisa es noch nie zuvor vernommen hatte. Ein Schrei aus den Schlünden der Hölle.
Sie ließ sich einfach nach hinten fallen. Stolperte durch die Schwingtür, warf sich herum und rannte.
Das Kreischen brach ab. Lisa hörte klappernde Geräusche aus dem Inneren des Ballsaals. Schritte, die ihr folgten, ein Schaben und Kratzen, als Vogelkrallen, groß wie Menschenköpfe, das Parkett aufrissen und Furchen in das Holz gruben.
Der schwarze Storch war dicht hinter ihr her.
Lisa stürmte durch den leeren Speisesaal, durch die Eingangshalle und die Treppe hinauf. Die Korridore schienen sich vor ihr wie Gummischläuche ins Endlose zu dehnen.
Endlich erreichte sie ihr Zimmer. Sprang hinein. Warf die Tür hinter sich zu und drehte den Schlüssel herum.
Draußen auf dem Flur herrschte Stille.
Kein Kreischen mehr, keine klappernden Schritte.
Einmal noch war Lisa, als höre sie vor ihrem Fenster mächtigen Flügelschlag. Doch als sie angstvoll hinaussah, war vor der Scheibe nur Finsternis.
Und falls aus der Schwärze zwei leere Augen hereinstarrten, so verbarg die Nacht sie gnädig unter einer Decke aus Dunkelheit.