2. Kapitel

 
 

Einige von ihnen verkehren gern und in menschlicher Weise mit den Frauen, weil sie kräftige Gefäße und heftig brennendes Mark besitzen. Trotzdem hassen sie die Frauen.

 

»Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum. Benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui, Jesus.«

Schwester Lioba sprach das Gebet halblaut, so hatte sie das Gefühl, Gott könne ihre Worte genauso hören wie sie selber.

Trotzdem fiel es ihr diesmal schwer, mit den Gedanken dabei zu bleiben. Sie war erst gestern in ihr neues Amt als Äbtissin eingesetzt worden. Und schon heute wurde ihr eine schwere Bürde auferlegt.

Wie hätte ihre Vorgängerin gehandelt, Hildegard von Bingen? Sie war noch einige Jahre jünger gewesen, als sie die Leitung ihres Konvents übernahm. In ihrem 39. Lebensjahr war Hildegards Lehrerin und Mentorin, Jutta von Sponheim, gestorben. Im selben Jahr, 1136, wurde sie zur Magistra gewählt. Das allein war schon eine schwere Aufgabe. Damals wie heute.

Doch Schwester Lioba musste nun, nur einen Tag nach ihrer Weihe, mit dem Tod einer Freundin fertig werden, die sie in ihrem eigenen Kloster ermordet aufgefunden hatte.

Ein leises Klopfen unterbrach ihre Gedanken. Schwester Lioba beendete den Rosenkranz.

»O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.«

Ihre Knie schmerzten, als sie sich von ihrer schmalen Gebetbank hochdrückte. Ob Hildegard von Bingen sich auch so alt gefühlt hatte, als sie zur Oberin gewählt worden war? Kaum denkbar. Sie hatte erst Jahre später begonnen, ihre berühmten Werke zu schreiben.

»Ehrwürdige Mutter, ich bedaure es sehr, Sie stören zu müssen, aber Kommissar Grieser möchte Sie sprechen.«

Schwester Beatrix blieb neben der Tür stehen. Ihr Schleier saß leicht schief, und ihre Stirn war in sorgenvolle Falten gelegt. Schwester Lioba fuhr mit beiden Händen über ihr Habit und vergewisserte sich, dass sie dem Polizisten in Würde gegenübertreten konnte. Dann nickte sie Schwester Beatrix zu.

Schwester Lioba trat an ihren Schreibtisch, den sie von ihrer Vorgängerin übernommen hatte. Es war ein schweres Stück mit Metallfüßen und dunkel beschichteter Holzfaserplatte. Sie setzte sich auf den noch ungewohnten Platz dahinter.

Schwester Beatrix führte den Kommissar herein und ließ sie mit einem Nicken allein. Schwester Lioba blickte ihm ruhig entgegen. Grieser hatte sich ihr vor zehn Minuten als Kriminalhauptkommissar von der Zentralen Kriminalinspektion der Kripo Mainz vorgestellt. Er war vielleicht Anfang dreißig, mit dunklen Haaren, moderner Kurzhaarfrisur und einem angenehmen Gesicht. Er hielt ein schwarzes Notizbuch in seinen Händen und wirkte sehr entschieden. Eigentlich hatte sie sich den ersten Besucher, den sie im Arbeitszimmer der Äbtissin empfangen würde, anders vorgestellt.

»Es tut mir leid wegen vorhin«, begann er. Der Kommissar wirkte bekümmert. Schwester Lioba lächelte beruhigend. Früher begegneten die Menschen dem Habit mit Ehrfurcht, heute ließen sich viele davon verunsichern.

»Sie konnten ja nicht wissen, dass ich Miriam Schürmann gut gekannt habe«, erwiderte sie.

Grieser setzte sich auf den Besucherstuhl ihr gegenüber und startete erneut das Aufnahmegerät. Der Fund heute Morgen in der Kirche hatte Schwester Lioba sehr erschüttert. Fast wäre sie in Tränen ausgebrochen, als sie die Tote identifizieren musste. Als dann der Kommissar in ihrem Büro aufgetaucht war, um weitere Einzelheiten zu erfahren, da kämpfte sie sehr um ihre Fassung. Er hatte ihr eine Pause gegönnt, damit sie sich wieder fangen konnte. Sie fragte sich, ob er anderen Zeugen auch diese Besorgnis angedeihen ließ.

»Wir sind vor zwanzig Jahren in dieselbe Klasse gegangen«, fuhr sie fort.

»Welche Schule war das?«, fragte Grieser. Er öffnete das Notizbuch und zog einen schwarz gemusterten Stift aus seiner Halterung.

»Die Internatsschule des Benediktinerklosters Altdorf bei Heidelberg«, sagte Schwester Lioba. »Wir haben dort Abitur gemacht. Später haben wir lose Kontakt gehalten. Miriam war ein paarmal hier und hat mich besucht.«

Grieser sah von seinem Notizbuch auf.

»Wann war sie das letzte Mal da?«, fragte er.

»Gestern«, sagte Schwester Lioba und hielt inne.

Nach dem Geheiß deines Wortes / Ertöne ich wie eine Zither. / Nur was von dir stammt, o Gott, / berühre, mag und erstrebe ich. / Denn von dir bin ich ausgegangen, / bin erwachsen aus dir / und will keinen anderen Gott. / Dir gehorchen, das gibt mir Halt.

Das Gebet Hildegards von Bingen hatte ihr schon oft Trost gegeben. Es war albern, aber sie fand, es entsprach nicht der Würde ihres neuen Amtes, wenn sie gleich beim ersten Besucher in Tränen ausbrach.

Schwester Lioba atmete tief durch. Sie roch die Osterglocken, die Schwester Beatrix gestern Abend auf ihren Schreibtisch gestellt hatte, und den abgestandenen Kaffee, den sie vorhin nicht hatte anrühren können.

»Ich wurde gestern Morgen bei einem Gottesdienst zur Äbtissin geweiht«, begann sie. »Zu einer solchen Feier können wir Freunde und Verwandte einladen. Ich habe einige ehemalige Schulkameraden hergebeten. Und zu ihnen gehörte auch Miriam.«

»Sie blieb über Nacht?«, fragte Grieser.

»Sie kam am Freitagnachmittag, da die Feier gestern Morgen recht früh anfing.« Schwester Lioba hielt einen Moment inne, bis sie weitersprechen konnte. »Eigentlich hatte sie in unserem Gästehaus noch bis heute bleiben wollen. Aber dann ist sie doch schon gestern abgereist.«

»Sie ist gestern überraschend abgereist?«, fragte er und musterte sie eindringlich. »Wissen Sie, warum?«

»Nein, das weiß ich nicht«, sagte Schwester Lioba. Der Kommissar starrte ihr unverwandt ins Gesicht. Sie kämpfte gegen den Impuls aufzustehen.

»Es waren noch andere Gäste von Ihnen im Gästehaus, hat mir Schwester Beatrix erzählt«, sagte er.

»Ja, das stimmt«, erwiderte Schwester Lioba bedächtig. Ihr Herz pochte, am liebsten hätte sie sich die Augen gerieben. Doch sie hielt sich weiterhin aufrecht und ließ beide Hände gefaltet vor sich auf dem Schreibtisch liegen.

»Ich sagte ja bereits, dass ich einige Schulkameraden von früher eingeladen habe. Wir kennen uns von der Internatsschule. Miriam gehörte auch dazu. Im Gästehaus sind derzeit noch Josef Windisch, Markus Hertl und Thomas Kern untergebracht, alle drei sind auch ehemalige Schulkameraden. Zu Markus Hertl und Thomas Kern hatte ich viele Jahre keinen Kontakt mehr. Miriam hat mich, wie ich schon sagte, einige Male besucht, und mit Josef Windisch unterhalte ich seit Jahren einen losen Briefkontakt.«

Grieser achtete nicht mehr auf ihre Worte. Ein Geräusch aus seiner Jackentasche hatte ihn veranlasst, sein Handy herauszunehmen und ein Gespräch entgegenzunehmen.

Schwester Lioba zog verärgert die Augenbrauen zusammen. Sie mochte diese moderne Form der Respektlosigkeit nicht. Doch sie war froh, eine Pause zu haben.

Griesers Stirn hatte sich in breite Querfalten gelegt, als er das Handy in sein Jackett zurückschob.

»Entschuldigen Sie mich bitte, Mutter Oberin«, sagte er zerstreut und erhob sich. »Meine Leute brauchen mich.«

Zögernd blieb er neben ihrem Schreibtisch stehen.

»Eine Frage habe ich noch«, sagte er nachdenklich.

Schwester Lioba blickte zu ihm hoch.

»Ja?«, sagte sie abwehrend. Sie hörte hinter ihrem Rücken Motorengeräusch und das Knirschen des Schotters im Hof. Fahrzeugen war es verboten, bis in den Klosterhof zu fahren, es musste also eines der Einsatzfahrzeuge der Polizei sein.

»Eine Tätowierung in der Form eines Eselskopfes, sagt Ihnen das was?« Grieser blickte an ihr vorbei nach draußen.

Hinter ihren Augen klopfte es. Die Mahnung ihres alten Lehrers schien alle anderen Gedanken zu ersticken. Beim Verkehr mit Frauen sind sie ohne Maß und verhalten sich wie die Esel.

Schwester Lioba spürte, dass sie ihre Mimik nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ganz allmählich senkte sie den Kopf, so dass der Schatten ihres Schleiers sich über ihr Gesicht legte. Sie spürte, wie seine Aufmerksamkeit wieder zu ihr zurückkehrte. Der Kommissar wartete noch auf eine Antwort. Sie war froh, dass er ihre Augen nicht sehen konnte. Was für ein Segen, dass ihre Novizenmeisterin so großen Wert auf Haltung gelegt hatte.

»Tut mir leid«, hörte sie sich sagen, und ihre eigene Stimme klang fremd in ihren Ohren, »so schnell fällt mir dazu nichts ein.«

Die Lüge war eine lässliche Sünde, fand sie. Doch die Schuldgefühle rollten heran wie eine Sturmwelle und drohten sie mitzureißen.

Grieser hatte bereits das Aufnahmegerät an sich genommen und war zur Tür gegangen.

»Die Kollegin wird später das Protokoll Ihrer Vernehmung zur Unterschrift vorbeibringen«, sagte er. »Doch ich fürchte, ich werde Sie noch einige Male belästigen müssen.«

Schwester Lioba hatte den Eindruck, dass er es wirklich bedauerte. Er warf einen Blick zurück, als spürte er, was in ihr vorging. Prüfend wanderten seine Augen über ihr Gesicht. Schwester Lioba faltete bedächtig die Hände. Sie nickte förmlich und wartete mit gesenktem Kopf darauf, dass die Tür sich hinter ihm schloss.

 

»Gibt es im Kloster viele Ordensschwestern?«, fragte Emma. Sie saß in einem Café nahe dem Kloster. Die Bedienung, ein arrogant wirkender Teenager mit Lippenpiercing, zuckte gelangweilt die Achseln.

»Ich weiß nicht«, bequemte sich die junge Frau mit näselnder Stimme dann doch noch zu einer Antwort. »Ich komme eigentlich nie ins Kloster, und die Schwestern sind selten im Ort.«

Sie griff nach der leeren Kaffeetasse und drehte sich weg. Dann blickte sie noch mal über die Schulter zurück und sah Emma fragend an. Emma schüttelte den Kopf. Hier hatte niemand was erzählen können, es lohnte sich nicht, sitzen zu bleiben. Sie griff nach ihrer Tasche und trat auf die Straße. Die blasse Sonne stand im Zenit und schaffte es kaum, die aufgeplusterten Spatzen im Park gegenüber zu wärmen. Eine Gruppe kreuzte ihren Weg, drei Erwachsene und fünf Kinder, die kichernd und lachend durcheinanderliefen. Zwei der Kinder trugen aufwändige Gestecke mit bunten Bändern und Holzstangen. Die anderen hatten kleine Sträuße aus Palmzweigen in den Händen.

Das Kloster lag auf der Höhe von Bingen am linken Naheufer und gehörte zum Bingener Stadtteil Bingerbrück. Wenige Geschäfte säumten die Durchgangsstraße, ein Hotel drängte sich mit pfeifender Klimaanlage neben einer Volksbank in den Schatten einer alten Eiche. Überall standen Menschen in Gruppen zusammen, die neugierig zum Kloster sahen und wahrscheinlich darüber sprachen, was passiert war.

Emma sah die Straße hinunter und überlegte, wie sie an weitere Informationen kommen könnte. Ihr Blick fiel auf einen Kiosk am Ende der Straße. Emma setzte sich in Bewegung und steuerte auf das flache Gebäude zu. Von weitem sah sie eine Frau mit Strickjacke und bunt gestreiftem Schal, die zwei Jugendlichen Pappschalen mit Pommes in die Hand drückte. Die Stehtische neben dem Kiosk waren verwaist.

Emma trat an das Brett heran, das in Hüfthöhe rund um den Kiosk verlief.

»Eine Currywurst«, sagte sie.

»Pommes oder Brötchen?«, fragte die Frau hinter dem Tresen und musterte Emma interessiert. Sie hatte eine ungesunde Gesichtsfarbe und ein offenes, freundliches Lächeln.

»Brötchen«, erwiderte Emma.

Die Kioskbesitzerin schob eine Pappschale unter die Öffnung einer Maschine und holte mit einer Zange eine der Würste vom Grill. Geschickt fädelte sie diese in den Einfüllstutzen der Maschine. Die Wurst fiel, in Stücke zerlegt, in die Schale.

»Machen Sie Urlaub hier?«, fragte die Frau beiläufig. Sie hob den Deckel von einem verbeulten Alutopf, in dem eine rote Flüssigkeit simmerte.

Emma schüttelte den Kopf. Sie beobachtete, wie die Kioskbesitzerin Currysoße in die Pappschale löffelte.

»Ein paar Touristen sind schon hier«, plapperte die Frau munter weiter. »Zu Ostern kommt immer schon der erste Schwung und eröffnet die Saison.«

»Essen die Schwestern vom Rupertsberg auch manchmal bei Ihnen?«, unterbrach Emma den Redefluss und nahm die gefüllte Schale entgegen. Sie fühlte sich in ihrer Hand angenehm warm an.

»Schwester Angelika holt sich ab und zu mal eine Portion Pommes«, sagte die Frau und warf Emma einen neugierigen Blick zu.

Emma lächelte. Sie stellte die Schale auf die Ablage vor sich und nahm einen Bissen. Die Wurst war gut. Emma beobachtete kauend zwei Kollegen mit Kamera und Mikrofon. Sie waren auf der anderen Straßenseite auf der Jagd nach einem Statement. Doch keiner der vorbeihastenden Fußgänger mochte stehen bleiben.

»Im Moment kommt man nicht rein ins Kloster«, bemerkte Emma.

»Ins Kloster kommt man immer rein«, erwiderte die Frau und stellte den Topf mit Currysoße zur Seite. »Man muss nur wissen, wie.«

Emma musterte sie interessiert. Die Frau mochte etwa ihr Alter haben, Anfang dreißig, und sah aus, als hätte sie ihren Kiosk und die Gäste gut im Griff.

»Wie denn?«, fragte Emma beiläufig.

Ihr Blick blieb an einem Foto hängen, das am Kühlschrank hinter dem Tresen klebte. Darauf waren zwei Kinder zu sehen, ein Junge von etwa drei Jahren und ein etwas älteres Mädchen. Ein Gefühl von Neid stieg in ihr hoch. Die Kioskbesitzerin wischte gemächlich über den Tresen und warf Emma einen fragenden Blick zu.

»Es muss was passiert sein«, sagte sie statt einer Antwort. »Seit heute Morgen ist überall Polizei unterwegs.«

»In der Klosterkirche wurde eine Tote gefunden«, erklärte Emma. Die Imbissbudenbesitzerin hielt inne. Ihre Augen glitzerten, und sie beugte sich über den Tresen Emma entgegen.

»Sogar das Fernsehen ist da«, sagte Emma und zeigte kauend mit dem Kinn zu den Kollegen, die sich auf der Suche nach einem meinungsstarken Passanten inzwischen die Hälfte der Straße vorgearbeitet hatten. Die Kioskbesitzerin folgte ihrem Blick und schmunzelte.

»Es soll einen Tunnel unter der Nahe geben«, erklärte sie, »der von Bingen direkt in die Abteikirche führt. So konnten früher die Schwestern entkommen, wenn das Kloster belagert wurde. Ein Tourist hat mir vor zwei Tagen erzählt, dass Bauarbeiter neulich auf den alten Tunneleingang gestoßen sind.«

Sie lachte und beobachtete neugierig die Journalisten, die gerade einen alten Mann dazu bewegen konnten, etwas in die Kamera zu sagen.

»Klingt nicht sehr vielversprechend«, antwortete Emma und erwiderte ihr Lachen.

Die Frau warf ihr einen verschwörerischen Blick zu.

»Die Friedhofskapelle ist tagsüber immer offen«, sagte sie bedächtig. Ihre Hand begann erneut, mit dem Lappen konzentrische Kreise über den Tresen zu ziehen. »Sie hat eine Tür zum Friedhof hin, der außerhalb des Klosters liegt. Und eine Tür nach innen zum Klosterhof.«

Emma erwiderte ihr Lächeln und warf die leere Pappschale in den offenstehenden Mülleimer neben sich.

»Jetzt nehme ich doch noch eine Portion Pommes«, sagte sie. Als sie zehn Minuten später ging, hatte sie genug erfahren, um sich ein Bild vom Kloster und den Schwestern machen zu können.

Emma steuerte auf das Hotel zu, das unmittelbar neben dem Kloster lag. Im Foyer entdeckte Emma ein Faltblatt vom Kloster Rupertsberg. Darin fand sie die Friedhofskapelle, von der die Frau gesprochen hatte. Im Prospekt war zu lesen, dass sie die ehemalige rupertinische Kirche gewesen war. Halb verfallen vermutlich, als Hildegard von Bingen Mitte des 12. Jahrhunderts einen passenden Platz suchte, um ihr neues Kloster zu gründen.

»Kann ich etwas für Sie tun?« Ein Angestellter des Hotels mit Aknenarben und einem lächerlich taubenblauen Anzug hatte sich unbemerkt neben sie gestellt. Trotz seines freundlichen Tons musterte er sie ungehalten. Emma schüttelte lächelnd den Kopf und verabschiedete sich mit einem Nicken.

Draußen war der graue Frühlingstag in einem leichten Nieselregen versunken. Emma überquerte die Straße und stellte sich in ein Bushäuschen. Der Wind wehte ab und zu eine feuchte Böe herein. Emma faltete den Prospekt auseinander und studierte den Grundriss der Klosteranlage. Sie sah hinüber zum Kloster, zu dem noch immer die ehemalige rupertinische Kirche gehörte. Als Friedhofskapelle waren zwei ihrer Außenwände Teil der südwestlichen Klostermauern.

Paul hatte ihr vorhin erzählt, dass die gesamte Klosteranlage zur inneren Absperrung gehörte. Die Polizei richtete immer zwei Sperrzonen ein. Die innere Absperrung rund um den Tatort war nur für die Polizei zugänglich. Dann folgte ein weiterer Gürtel als Puffer, die äußere Absperrung. Sie hielt Neugierige und Passanten auf Abstand. Dort durften sich Journalisten noch aufhalten. Doch die Klosteranlage selber war auch für sie tabu.

Ein Bus hielt unmittelbar vor Emma. Ein übergewichtiger Mann quälte sich mit zwei Krücken mühsam die Stufen hinunter, warf ihr einen neugierigen Blick zu und verschwand im Regen. Emma sah noch mal auf den Plan der Klosteranlage. Wenn sie tatsächlich über die Friedhofskapelle in den Klosterhof gelangte, musste sie am Kreuzgang entlang und die gesamte Klosterkirche umrunden, um dort über einen Seitengang in den Altarraum der Kirche zu gelangen. Sollte die Polizei sie aufgreifen, flog sie sofort raus. Emma strich sich das feuchte Haar aus der Stirn, steckte das Faltblatt ein und überquerte die Straße.

Die Glut des Bösen: Kriminalroman
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