16
Ich erwischte Lonnies Sekretärin Ida Ruth, als sie gerade mit einer Kaffeekanne in der Hand aus der Küche kam. Ich zeigte mit dem Daumen auf Lonnies Tür. »Ist er da drin?«
»Er frühstückt gerade. Geh ruhig rein.«
Ich klopfte an die Tür, machte sie vorsichtig auf und äugte hinein. Lonnie saß an seinem Schreibtisch, vor sich einen überdimensionalen Plastikbecher mit irgendeinem kalkig aussehenden Proteindrink. Ich konnte Blasen getrockneten Pulvers auf der Oberfläche schwimmen sehen, und über Lonnies Oberlippe hing noch die Andeutung eines Milchbarts. Er hatte einen Hügel aus Vitamintabletten und anderen Nahrungsergänzungen aus verschiedensten Fläschchen vor sich aufgehäuft und nahm zwischen einzelnen Schlucken von einem Gebräu, das so dickflüssig wai; daß es geschmolzenes Speiseeis hätte sein können, seine Pillen ein. Eine der Kapseln sah aus wie der Stein in einem protzigen Topasring. Er schluckte sie, als vollführte er einen Zaubertrick.
Lonnie sieht mehr wie ein Rausschmeißer aus als wie ein Anwalt. Er ist klein und stämmig — einszweiundsechzig, zweiundneunzig Kilo — und strotzt dank zwanzig Jahren eifrigen Krafttrainings vor Muskeln. Er ist einer von diesen Menschen mit einem hochtourigen Stoffwechsel, die wie verrückt Kalorien verbrennen, und er strahlt geballte Energie aus. Er spricht staccato und ist meist durch Kaffee oder zuwenig Schlaf aufgeputscht. Ich habe schon mehrere Leute behaupten hören, er sei auf Drogen und würde sich Anabolika spritzen. Ich persönlich bezweifle das. Er war die ganzen neun Jahre, seit wir uns kennen, stets überaktiv gewesen, aber ich habe ihn nie die Wut oder Aggressivität an den Tag legen sehen, die angeblich von dauerhafter Anabolikaeinnahme ausgelöst wird. Er ist mit einer Frau verheiratet, die einen schwarzen Gürtel in Karate hat, und sie hat sich nicht ein einziges Mal über auf Rosinengröße zusammengeschrumpfte Hoden beschwert, eine weitere unselige Nebenwirkung von Anabolikamißbrauch.
Sein meist zottiges Haar war an diesem Tag gestutzt und gebändigt worden. Das Hemd spannte sich straff über Schultern und Bizeps. Ich kenne seinen Halsumfang nicht, aber er behauptet, von einer Krawatte bekäme er das Gefühl, gleich gehenkt zu werden. Diejenige, die er trug, hing locker an ihm herunter, sein Hemdkragen war aufgeknöpft, und die Anzugjacke hatte er abgelegt. Er hatte sie ordentlich über einen Kleiderbügel drapiert, der vom Griff einer Schublade des Aktenschranks hing. Sein Hemd war blütenweiß, aber stark zerknittert, und er hatte die Ärmel hochgerollt. Manchmal trägt er eine Weste, um seine Erscheinung aufzumöbeln, aber heute nicht. Er schluckte die letzte Handvoll Pillen und hielt die Hand in die Höhe, um zu zeigen, daß er sich meiner Anwesenheit bewußt war. Glucksend kippte er den Rest seines Proteindrinks und schüttelte zufrieden den Kopf. »Huh, das ist gut.«
»Bist du im Moment beschäftigt?«
»Überhaupt nicht. Komm rein.«
Ich betrat das Büro und machte die Tür hinter mir zu. »Ich habe gerade einen Anruf von Christie Malek bekommen. Hast du die Geschichte verfolgt?«
»Den Mord? Ja, natürlich. Setz dich, setz dich. Ich muß erst um zwei im Gericht sein. Was ist denn los?«
»Jack Malek ist verhaftet worden und muß mit einem Anwalt sprechen. Ich habe Christie versprochen, dich zu fragen, ob du Interesse an dem Fall hast.« Ich nahm auf einem der beiden schwarzen Ledersessel Platz, die für Klienten bestimmt waren.
»Wann ist er denn abgeholt worden?«
»Vor fünfzehn oder zwanzig Minuten, schätze ich.«
Lonnie begann die Deckel der bunten Sammlung von Fläschchen auf seinem Schreibtisch wieder zuzuschrauben. »Was ist eigentlich genau passiert? Klär mich mal auf.«
Ich unterrichtete ihn so knapp wie möglich über den Fall. Es war unser erstes Gespräch über den Mord, und ich wollte, daß er so umfassend informiert wurde, wie ich es in der Kürze der Zeit bewerkstelligen konnte. Noch während ich sprach, merkte ich, wie Lonnie in Gang kam und die Räder zu rotieren begannen. Ich sagte: »Soweit ich zuletzt gehört habe — und zwar von der Haushälterin — , haben Guy und Jack nach einigen Stunden massiven Alkoholkonsums zu streiten angefangen, und Jack ist dann zu einer Golfer-Party in den Country Club gegangen.«
»Ich frage mich, wie die Polizei das entkräften will. Es müssen ihn dort doch mindestens ein halbes Dutzend Leute gesehen haben.« Lonnie warf einen Blick auf die Uhr und begann seine Ärmel herabzurollen. »Ich gehe mal rüber zum Polizeirevier und erkundige mich nach dem Stand der Dinge. Ich hoffe, Jack ist schlau genug, den Mund zu halten, bis ich dort ankomme.«
Er stieß sich von seinem Schreibtisch ab und nahm die Anzugjacke energisch vom Bügel. Er wand sich hinein, schloß seinen Kragenknopf und zog die Krawatte zurecht. Nun sah er schon eher wie ein Anwalt aus. »Übrigens, welcher ist Jack? Der älteste oder der jüngste?«
»Der jüngste. Donovan ist der älteste. Er leitet die Firma. Bennet ist dazwischen. Ich würde ihn nicht ausschließen, falls du den Verdacht von Jack ablenken willst. Er hat sich am lautesten gegen Guys Anspruch auf einen Teil des Nachlasses gewehrt. Soll ich irgend etwas tun, bis du zurückkommst?«
»Sag Christie, ich melde mich, sobald ich mit Jack gesprochen habe. Fahr in der Zwischenzeit zum Haus hinaus. Laß uns eine Liste der Personen zusammenstellen, die den Ablauf des Dienstag abend bestätigen können. Haben die Polizisten die Mordwaffe gefunden?«
»Das müssen sie wohl. Ich weiß, daß sie das ganze Anwesen bis ins kleinste durchsucht haben, weil ich sie dabei gesehen habe. Und Christie sagt, daß sie alles mögliche mitgenommen hätten.«
»Wenn ich mit Jack fertig bin, werde ich mal ein bißchen mit den Gesetzeshütern plaudern und versuchen zu ergründen, warum sie glauben, daß er es war. Es wäre schön, zumindest eine Vorstellung davon zu haben, wogegen wir angehen müssen.«
»Bin ich offiziell engagiert?«
Er sah auf die Uhr. »Zeit läuft.«
»Das übliche Honorar?«
»Klar. Es sei denn, du möchtest gratis arbeiten. Natürlich ist auch immer noch möglich, daß Jack mich nicht engagiert.«
»Sei nicht albern. Der Mann ist verzweifelt«, sagte ich. Ich bemerkte Lonnies Blick und korrigierte meine Äußerung. »Ach, du weißt schon, was ich meine. Er engagiert dich nicht deshalb, weil er verzweifelt ist —«
»Raus hier«, sagte Lonnie grinsend.
Mit der Aktentasche in der Hand marschierte ich zum öffentlichen Parkplatz zurück, wo ich mein Auto holte. Meine Einstellung zu Jack Malek hatte sich bereits gewandelt. Ob Jack nun schuldig oder unschuldig war, Lonnie würde jeden Fetzen entlastenden Materials aufspüren und zum Aufbau seiner Verteidigung Tricks, Manöver und Strategien entwickeln. Ich war kein besonderer Fan von Jack, aber wenn ich für Lonnie Kingman arbeitete, bliebe ich wenigstens am Ball.
Als ich auf das Maleksche Anwesen zufuhr, sah ich mit Erleichterung, daß die Straße davor praktisch leer war. Das Bankett war von Reifenspuren aufgewühlt, die Erde mit Zigarettenstummeln, leeren Bechern, zerknüllten Papierservietten und Fast-Food-Behältern übersät. Die Fläche vor dem Tor sah verlassen aus, als hätte ein Wanderzirkus zusammengepackt und sich im Morgengrauen davongemacht. Die Presseleute waren auch verschwunden, weil sie dem Streifenwagen gefolgt waren, mit dem Jack ins Bezirksgefängnis gebracht worden war. Für Jack bedeutete das den Beginn eines Verfahrens, im Verlauf dessen er fotografiert, durchsucht, registriert, in eine Zelle gesperrt und ihm die Fingerabdrücke abgenommen werden würden. Ich hatte die Prozedur selbst vor etwa einem Jahr mitgemacht, und das Gefühl, verseucht worden zu sein, war noch immer präsent. Das Gefängnisgebäude ist sauber und frisch gestrichen, hat aber trotzdem Anstaltscharakter: nüchternes Linoleum und karges Mobiliar, dafür gebaut, massiver Beanspruchung standzuhalten. Bei meinem Zusammenstoß mit der Polizei waren die Gefängniswärterinnen höflich, freundlich und sachlich gewesen, aber ich hatte mich durch jede Einzelheit des Vorgangs erniedrigt gefühlt, von der Abgabe meiner persönlichen Habe bis hin zum Arrest in der Ausnüchterungszelle. Ich kann mich noch an den moschusartigen Geruch erinnern, der in der Luft hing und sich mit dem abgenutzter Matratzen, ungewaschener Achselhöhlen und Bourbonausdünstungen vermischte. Soweit ich wußte, war Jack noch nie festgenommen worden, und ich vermutete, daß er sich ebenso demoralisiert fühlen würde wie ich damals.
Als ich meinen VW aufs Tor zulenkte, trat ein privater Wachmann hervor und forderte mich auf, mich auszuweisen. Dann winkte er mich durch, und ich fuhr die Einfahrt hinauf bis zu dem gepflasterten Vorplatz. Das Haus war von Sonnenlicht überflutet, und auf der Erde tanzten schattige Flecken. Die alten, ausladenden Eichen reckten ihre Äste in alle Richtungen — wie mit Aquarellfarben gemalt, dachte ich bei mir. Grün- und Grauschattierungen schienen nahtlos ineinander überzugehen, während immer wieder ein einzelner Baum in scharfem Kontrast hervorstach. Ich sah zwei Gärtner bei der Arbeit, einen mit einem Laubblasgerät und den anderen mit einem Rechen. Motorgeräusche ließen vermuten, daß irgendwo außer Sichtweite Zweige gestutzt wurden. Die Luft roch nach Mulch und Eukalyptus. Es war weder jemand von der Durchsuchungsmannschaft zu sehen, noch stand ein uniformierter Polizist vor der Haustür. Im Grunde war also der Alltag wieder eingekehrt.
Christie mußte zum Fenster hinausgesehen haben, womöglich in der Hoffnung, daß Donovan käme. Noch bevor ich ausgestiegen war, stand sie schon auf der Veranda. Nun kam sie die Stufen herunter und eilte auf mich zu. Sie trug ein weißes T-Shirt und einen dunkelblauen Wickelrock und hatte die Arme wie zum Schutz vor der Brust verschränkt. Der Glanz ihrer dunklen Haare war zu einer stumpfen Patina verblaßt wie billiges Bohnerwachs auf einem Hartholzboden. Ihr Gesicht zeigte wenig von ihren Gefühlen, bis auf eine dünne Falte, die zwischen ihren Augen erschienen war. »Ich habe den Wagen kommen hören und gedacht, es könnte Bennet oder Donovan sein. Mein Gott, ich bin ja so froh, Sie zu sehen. Allein werde ich hier langsam wahnsinnig.«
»Haben Sie Donovan immer noch nicht erreicht?«
»Ich habe ihm eine Nachricht im Büro hinterlassen und gesagt, daß es dringend ist. Ich wollte aber seiner Sekretärin nicht unsere ganzen Geschichten erzählen. Ich habe die ganze Zeit neben dem Telefon gesessen, aber bis jetzt kein Wort von ihm gehört. Und wer weiß, wo Bennet ist. Was ist mit Lonnie Kingman? Haben Sie ihn gesprochen?«
Ich berichtete ihr von Lonnies Plänen. »Hat die Polizei die Versiegelung des Zimmers aufgehoben?«
»Noch nicht. Ich wollte sie danach fragen, als sie heute morgen aufgetaucht sind. Ich dachte, sie kämen, um hier irgend etwas zu erledigen. Fotos machen oder Möbelstücke ausmessen oder sonst etwas. Ich hätte nie gedacht, daß sie gekommen wären, um jemanden zu verhaften. Ich wünschte, Sie hätten Jack sehen können. Er ist fast gestorben vor Angst.«
»Das kann ich mir vorstellen. Und Sie? Wie halten Sie sich aufrecht?«
»Ich bin total zappelig. Und fassen Sie mal meine Finger an. Sie sind eiskalt. Ich ertappe mich dabei, wie ich hin und her laufe und immer wieder Selbstgespräche führe. Es ist alles so unwirklich. Wir mögen ja Probleme haben, aber wir bringen uns nicht gegenseitig um. Das ist doch lächerlich. Ich begreife überhaupt nicht, was los ist. Es war alles in Ordnung, und jetzt das.« Sie schien zu erschauern, nicht von der Kälte, sondern aus Anspannung und Angst. In Anbetracht von Jacks Verhaftung hatte sie offenkundig all ihre früheren Probleme verdrängt.
Ich folgte ihr ins Haus. Die Eingangshalle wirkte frostig, und erneut mußte ich mich über ihre Schäbigkeit wundern. Ein Wandleuchter hing schief. Im Deckenlüster fehlten einige der flammenförmigen Birnen, während andere sich zur Seite neigten wie krumme Zähne. Die Wandbehänge, die Szenen von Grausamkeit und Ausschweifung darstellten, waren zwar echt, aber ausgebleicht und zerschlissen. Ich merkte, wie mein Blick unwiderstehlich von der Treppe angezogen wurde, doch der Treppenabsatz oben war leer, und ich vernahm kein ungewöhnliches Geräusch, das mir die Haare zu Berge hätte stehen lassen. Angesichts der Ereignisse der vergangenen Tage war das Haus merkwürdig still. Diese Leute schienen keine Freunde zu haben, die mit Hilfsangeboten herbeieilten. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, daß irgend jemand gekommen wäre oder angerufen hätte, um zu fragen, ob er oder sie irgend etwas tun könnte. Vielleicht luden die Maleks nicht gerade zu solchen Vertraulichkeiten ein. Was auch immer der Grund dafür war, es hatte jedenfalls den Anschein, als müßten sie ohne den Trost von Freunden auskommen.
Christie redete immer noch und berichtete von Jacks Verhaftung. Mir ist aufgefallen, daß Menschen dazu neigen, unaufhörlich zu schwatzen, wenn sie verstört sind. »Als ich Detective Robb vor der Tür stehen sah, dachte ich, sie wollten uns lediglich etwas Neues mitteilen, und dann haben sie gefragt, ob Jack zu Hause sei, und ich habe mir immer noch nichts dabei gedacht. Ich weiß nicht einmal, was als nächstes passieren soll.«
Wir gingen in die Bibliothek, wo ich mich in einen Clubsessel sinken ließ, während Christie unruhig auf und ab ging. Ich sagte: »Das wird wohl davon abhängen, was man ihm vorwirft und ob eine Freilassung gegen Kaution möglich ist. Wenn er erst einmal registriert ist, hat der Bezirksstaatsanwalt vierundzwanzig Stunden Zeit, seinen Fall zu bearbeiten. Jack muß innerhalb von achtundvierzig Stunden — Sonn- und Feiertage natürlich ausgenommen — zur Anklage vernommen werden. Heute haben wir was, Donnerstag? Sie werden ihn vermutlich heute oder morgen dem Haftrichter vorführen.«
»Zur Anklage vernommen werden? Was soll das heißen? Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der schon einmal verhaftet wurde, und erst recht nicht unter Mordverdacht.«
»Die Vernehmung zur Anklage ist der Vorgang, bei dem ihm offiziell erklärt wird, was man ihm zur Last legt. Sie bringen ihn ins Gericht und identifizieren ihn als die Person, die im Haftbefehl genannt ist. Dann erläutert man ihm, welche Beschuldigungen gegen ihn erhoben werden, und zum Schluß fragen sie ihn, ob er sich schuldig oder nicht schuldig bekennt oder die Aussage verweigert.«
»Und was dann?«
»Das ist Lonnies Sache. Wenn er die Beweislage für schwach hält, verlangt er eine Voruntersuchung ohne weiteren Aufschub. Das heißt, daß sie Jack innerhalb von zehn Gerichtstagen — also zwei Wochen — zu einer Voruntersuchung holen müssen. Dabei sind der Staatsanwalt, der Angeklagte und sein Rechtsbeistand, der Gerichtsschreiber und der Leiter der polizeilichen Ermittlungen und so weiter anwesend. Die Zeugen werden vereidigt und ihre Aussagen zu Protokoll genommen. Am Ende stellt sich entweder heraus, daß gar kein Verbrechen begangen wurde oder es keinen hinlänglichen Grund zu der Annahme gibt, den Angeklagten für den Schuldigen zu halten, und dann wird er auf freien Fuß gesetzt. Wenn sich jedoch ausreichend Beweise dafür finden, daß das Verbrechen begangen wurde und genug darauf hinweist, daß der Angeklagte schuldig ist, bleibt er in Haft. Dann wird beim Superior Court formell Anklage gegen ihn erhoben, er reicht eine Klageerwiderung ein, und die Sache kommt zur Verhandlung. Meistens kommt noch eine ganze Menge Mist dazwischen, aber im großen und ganzen läuft es so ab.«
Sie unterbrach ihre rastlose Wanderung und wandte sich um, um mich entsetzt anzusehen. »Und Jack bleibt die ganze Zeit im Gefängnis?«
»In einem Mordfall darf er nicht gegen Kaution freikommen.«
»O mein Gott.«
»Christie, ich bin selbst schon im Gefängnis gewesen. Es ist nicht das Ende der Welt. Die Gesellschaft ist zwar nicht so toll, und das Essen ist, was den Fettgehalt angeht, unter aller Kritik — he, kein Wunder, daß es mir geschmeckt hat«, fügte ich nebenbei hinzu.
»Es ist nicht witzig.«
»Wer macht denn Witze? Das ist die Wahrheit«, entgegnete ich. »Es gibt Schlimmeres. Jack mag es nicht gefallen, aber er wird’s überleben.«
Sie streckte den Arm aus und legte eine Hand auf den Kaminsims, um sich zu stützen. »Tut mir leid. Tut mir ehrlich leid. Ich wollte Sie nicht anschnauzen.«
»Setzen Sie sich lieber hin.«
Sie befolgte meinen Vorschlag und hockte sich auf die Kante des Sessels neben meinem. »Sie sind sicher aus einem bestimmten Grund gekommen. Ich habe nicht einmal gefragt, aus welchem.«
»Lonnie hoffte, Sie wüßten, wer an diesem Abend im Club war. Wir brauchen jemanden, der Jacks Anwesenheit auf der Golfer-Party bezeugen kann.«
»Das dürfte nicht allzu schwierig sein. Ich nehme an, die Polizei ist bereits dabei, die Leute vom Country Club zu befragen. Ich weiß nicht, was dabei herausgekommen ist. Heute morgen habe ich zwei Anrufe bekommen, darunter einen von Paul Trasatti, der meinte, er müsse mit Jack sprechen, und zwar möglichst rasch.«
»Waren sie am Dienstag abend zusammen?«
»Ja. Jack hat ihn abgeholt und ist mit ihm in den Club gefahren. Ich bin sicher, sie saßen am selben Tisch. Paul kann Ihnen die Namen der anderen acht Personen sagen, die mit ihnen am selben Tisch waren. Das ist alles so verrückt. Wie können sie im Ernst annehmen, daß Jack ein Verbrechen begangen hat? An diesem Abend müssen Unmengen von Leuten dort gewesen sein.«
»Was hat Paul für eine Nummer?«
»Ich weiß es nicht. Aber sie muß im Telefonbuch stehen. Ich gehe mal nachsehen.«
»Nur keine Umstände. Das kann ich gleich selbst tun. Wenn er Jacks Alibi erst einmal bestätigt, sind wir schon wesentlich weiter.«
Christie verzog das Gesicht. »>Alibi<. Mein Gott, ich hasse dieses Wort. >Alibi< legt doch den Schluß nahe, daß man schuldig ist und ein Märchen zusammengebastelt hat, um seinen Arsch zu retten.«
»Kann ich Ihr Telefon benutzen?«
»Es wäre mir lieber, Sie würden warten, bis Donovan oder Bennet anrufen. Ich möchte die Leitung freihalten, bis sie sich melden. Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus.«
»Überhaupt nichts«, sagte ich. »Sie haben erwähnt, daß die Polizei mehrere Gegenstände mitgenommen hat. Erinnern Sie sich daran, was das war?«
Sie stützte die Ellbogen auf die Knie und legte sich die Hände über die Augen. »Sie haben eine Kopie des Haftbefehls und eine Liste der mitgenommenen Gegenstände dagelassen. Ich weiß, daß sie hier irgendwo hegen muß, aber ich habe sie noch nicht gesehen. Donovan ist zur Schwimmhalle gegangen, sobald sie weg waren. Er sagt, sie hätten eine Menge Sportgeräte mitgenommen — Golf- und Baseballschläger.«
Ich zuckte zusammen, weil ich daran dachte, welche Wirkung ein Schlag mit solchen Gegenständen auf den menschlichen Schädel hat. Ich wechselte das Thema und sagte: »Was ist mit Bennet? Wo war er an diesem Abend?«
»Er ist noch einmal zu diesem Restaurant gefahren, das er umbaut, um sich anzusehen, wie weit die Arbeiter tagsüber gekommen sind. Die Bauarbeiten sind ein Alptraum, und er verhängt eine Menge Zeit dort unten.«
»Hat ihn irgend jemand gesehen?«
»Das müßten Sie ihn selbst fragen«, erwiderte sie. »Donovan und ich waren hier. Wir haben zum Essen ziemlich viel getrunken, und ich bin schnurstracks ins Bett gegangen.« Die Hand, mit der sich Christie durchs Haar fuhr, zitterte merklich.
»Haben Sie schon etwas gegessen?«
»Ich könnte keinen Bissen runterbringen. Ich bin zu aufgewühlt.«
»Tja, irgendwas müssen Sie aber essen. Ist Enid schon da?«
»Ich glaube schon.«
»Ich gehe mal in die Küche und lasse Ihnen eine Tasse Tee machen. Sie sollten einen Keks oder etwas Obst essen. Sie sehen entsetzlich aus.«
»Ich fühle mich auch entsetzlich«, sagte sie.
Ich ließ sie in der Bibliothek zurück und ging den Flur hinunter. Ich konnte es nicht fassen, daß ich mich schon wieder um die Teezubereitung kümmerte, aber der bloße Aufenthalt in diesem Haus machte mich nervös. Jede Art von Tätigkeit half. Außerdem wollte ich nicht die Gelegenheit verpassen, mit Enid zu sprechen, wenn sie schon im Haus war.
»Ich bin’s schon wieder«, sagte ich, als ich die Küche betrat.
Enid stand neben dem Herd, ein Schneidbrett vor sich, und zerdrückte mit der Klinge eines chinesischen Hackmessers Knoblauch. Sie trug eine lange weiße Schürze und ein weißes Baumwolltuch um den Kopf, der damit so rund und bauschig aussah wie eine Rolle Toilettenpapier. Während ich ihr zusah, legte sie ungeschälte Knoblauchzehen in verschiedenen Größen vor sich hin, bedeckte sie mit der breiten Klinge und schlug einmal mit der Faust darauf. Ich merkte, wie ich zusammenzuckte. Falls die Klinge im falschen Winkel stand, träfe sie mit der Außenkante ihrer Hand darauf und schlitzte sich bis zum Knochen auf. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Mit höflich mir zugewandtem Blick wiederholte sie den Vorgang und schlug heftig mit der Faust auf das Hackmesser. Dann hob sie die Klinge an. Die glücklosen Knoblauchzehen darunter waren zerquetscht worden wie Kakerlaken, und die Schale ließ sich mit einem Schnippen der Messerspitze entfernen.
»Ich wollte Christie eine Tasse Tee machen«, sagte ich. »Sie muß irgend etwas zu sich nehmen — haben Sie Obst da?«
Enid zeigte auf den Kühlschrank. »Da sind Trauben drin. Die Teebeutel sind oben im Schrank. Ich würde es ja selbst machen, aber ich bin gerade dabei, eine Soße zuzubereiten. Wenn Sie ein Tablett zusammenstellen, bringe ich es ihr.«
»Kein Problem. Machen Sie ruhig weiter.«
Sie beugte sich nach links, öffnete ein Fach, in dem Tabletts standen, und zog eines aus Teakholz mit einer Umrandung heraus. Sie legte es auf die marmorne Arbeitsfläche neben sechs große Dosen passierte Tomaten, zwei Dosen Tomatenmark, einen Korb gelbe Zwiebeln und eine Büchse Olivenöl. Auf dem Herd stand bereits ein Soßentopf aus Edelstahl.
Ich ging zum Küchenschrank hinüber und holte einen Becher heraus. Dann füllte ich den Wasserkocher, wie ich es Myrna hatte tun sehen. Beiläufig sah ich zu Enid hinüber. »Haben Sie irgendwo Papierservietten?«
»Dritte Schublade rechts.«
Ich fand die Servietten und legte eine davon zusammen mit einem Teelöffel auf das Tablett. »Ich nehme an, Sie haben von Jacks Verhaftung gehört.«
Sie nickte. »Ich kam gerade durchs Tor, als sie ihn wegbrachten. Ich wünschte, Sie hätten sein Gesicht gesehen.«
Ich schüttelte bedauernd den Kopf, als ob es mich allen Ernstes kümmerte. »Der arme Kerl«, sagte ich. »Es kommt einem so ungerecht vor.« Ich hoffte, ich hatte nicht zu dick aufgetragen, aber ich hätte mir keine Sorgen zu machen brauchen.
»Die Polizei hat nach seinen Joggingschuhen gefragt«, berichtete sie. »Irgend etwas wegen des Musters auf den Sohlen — also müssen in dem Zimmer, in dem Guy ermordet wurde, blutige Fußspuren gewesen sein.«
»Tatsächlich«, erwiderte ich und versuchte mein Erstaunen zu verbergen. Offenbar hatte sie keinerlei Hemmungen, die Angelegenheiten der Familie auszuplaudern. Ich hatte geglaubt, es schlau anstellen zu müssen, aber sie schien Myrnas Zurückhaltung nicht zu teilen. »Haben sie die Schuhe gestern geholt?«
»Nein. Sie haben mich heute morgen zu Hause angerufen. Bevor ich zur Arbeit ging.«
»Lieutenant Robb?«
»Nein. Die Frau. Sie ist ein kalter Fisch, muß ich sagen. Hoffentlich ist sie keine Freundin von Ihnen?«
»Ich habe sie erst heute morgen kennengelernt, als ich zum Verhör dort war.«
Sie warf mir einen Blick zu, als wollte sie mich taxieren. »Myrna hat mir erzählt, daß Sie Detektivin sind. Ich habe natürlich schon welche im Fernsehen gesehen, aber noch nie im richtigen Leben.«
»Jetzt schon«, sagte ich. »Ich arbeite sogar im gleichen Büro wie Jacks Anwalt, Lonnie Kingman. Er ist gerade auf dem Weg zum Polizeirevier, um mit Jack zu sprechen.« Ich wollte sie unbedingt über die Sache mit den Schuhen ausfragen, fürchtete aber, daß sie zuklappte wie eine Auster, wenn ich mich zu neugierig zeigte.
Sie senkte den Blick wieder auf ihre Arbeit. Sie ließ das chinesische Hackmesser in einem hurtigen Tanz herumhüpfen, der den ganzen Knoblauch auf die Größe von Reiskörnern reduzierte. »Sie haben gestern den ganzen Tag nach den Schuhen gesucht. So was haben Sie noch nicht gesehen. Sie haben sämtliche Schränke und Mülltonnen durchwühlt und sogar in den Blumenbeeten herumgegraben.«
Ich stieß einen kleinen Laut des Erstaunens aus. Es war offensichtlich, daß Enid an sämtlichen Einzelheiten der Polizeiarbeit brennend interessiert war.
»Sie haben mir gesagt, daß ich es war, die sie schließlich auf die richtige Spur gebracht hat«, fuhr sie fort. »Natürlich hatte ich keine Ahnung, daß sich herausstellen würde, daß die Schuhe Jack gehörten. Es ist mir schrecklich unangenehm. Myrna ist ganz außer sich. Sie hat ja solche Schuldgefühle, weil sie den Streit erwähnt hat.«
»Das mit den Schuhen muß ein Schock gewesen sein«, bohrte ich weiter.
»Jack ist mir von den Jungen der liebste. Ich habe vor fünfundzwanzig Jahren hier angefangen. Es war meine erste Stelle, und ich habe nicht damit gerechnet, lange zu bleiben.«
»Wurden Sie als Kindermädchen eingestellt?«
»Dafür waren die Jungen schon zu alt. Ich war eher eine Gesellschafterin für Mrs. Malek«, sagte sie. »Ich habe gar keine Ausbildung als Köchin. Ich habe es einfach nebenbei gelernt. Mrs. Malek — Rona — wurde zusehends schwächer, und damals war sie andauernd im Krankenhaus. Mr. Malek brauchte jemanden, der in ihrer Abwesenheit den Haushalt führte. Jack war auf der Junior High School und wußte nichts Rechtes mit sich anzufangen. Er saß dauernd bei mir in der Küche und sagte kaum ein Wort. Wenn ich ein Blech Plätzchen buk, verputzte er in Windeseile einen ganzen Teller voll. Er war im Grunde wie ein kleines Kind. Ich wußte, daß er eigentlich hungrig nach dem Lob und der Aufmerksamkeit seiner Mutter war, aber sie war viel zu krank. Ich tat, was ich konnte, aber es brach mir fast das Herz.«
»Und wie alt war Guy damals?«
Sie zuckte die Achseln. »Achtzehn, neunzehn. Er hatte ihnen bereits seit Jahren Kummer und Sorgen bereitet. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der soviel Ärger machte. Eine Schandtat folgte der nächsten.«
»Wie sind Guy und Jack miteinander ausgekommen?«
»Ich glaube, Jack hat ihn bewundert und verklärt. Sie waren nicht wie Freunde, sondern es steckte immer ein gewisses Maß an Heldenverehrung dahinter. Jack fand, Guy sei wie James Dean, rebellisch und tragisch, wissen Sie, und unverstanden. Sie hatten nie so besonders viel miteinander zu tun, aber ich weiß noch, wie Jack ihn immer ansah. Bennet und Jack, die standen sich nahe. Die beiden Jüngeren fühlten sich stets zueinander hingezogen. Ich konnte allerdings nie viel mit Bennet anfangen. Er hat etwas Hinterlistiges an sich.«
»Und Donovan?«
»Er war der klügste von den vieren. Er hatte schon damals einen guten Kopf fürs Geschäft und hat ständig Kalkulationen angestellt. Als ich hier zu arbeiten anfing, war er schon auf dem College und hatte vor, nach seiner Rückkehr ganz für seinen Vater zu arbeiten. Donovan liebte die Firma mehr als jeder andere. Guy dagegen war der Unruhestifter. Das war offenbar seine Rolle.«
»Glauben Sie wirklich, daß Jack etwas mit Guys Tod zu tun haben könnte?«
»Eigentlich will ich es nicht glauben, aber ich weiß, daß er sich von Guy im Stich gelassen fühlte. Jack ist ein Loyalitätsfanatiker. Das war er schon immer.«
»Tja, das ist aber interessant«, sagte ich. »Denn als ich zum ersten Mal hier war, hat er in etwa das gleiche gesagt. Er war auf dem College, als Guy wegging, stimmt’s?«
Enid schüttelte den Kopf. »Das hätte keine Rolle gespielt. Nicht für ihn. Jack fand irgendwie, daß Guy ihn hätte mitnehmen sollen, als er zu seinem großen Abenteuer aufbrach.«
»Er betrachtete also Guys Verschwinden als Verrat.«
»Ja, natürlich. Jack ist schrecklich abhängig. Er hat noch nie einen Job gehabt. Er hat ja noch nicht einmal eine Freundin gehabt. Er hat so gut wie überhaupt kein Selbstwertgefühl, und das laste ich seinem Vater an. Bader hat sich nie die Mühe gemacht, ihnen beizubringen, daß sie etwas wert sind. Ich meine, sehen Sie sich doch die Tatsachen an. Keiner von ihnen ist je von zu Hause weggegangen.«
»Das kann nicht gesund sein.«
»Es ist eine Schande. Erwachsene Männer?« Sie machte die Büchse Olivenöl auf und goß einen Schuß davon in den Soßentopf, während sie die Flamme aufdrehte. Dann nahm sie das Schneidbrett von der Arbeitsfläche, stützte es mit der Kante auf den Topf und strich den Knoblauch hinein. Aus dem Topf ertönte ein Zischen, gefolgt von einer Dampfwolke mit Knoblauchgeruch.
»Was ist denn nun mit den Schuhen passiert? Wo sind sie aufgetaucht?«
Sie hielt inne, um die Flamme zu regulieren, und legte das Brett wieder auf die Arbeitsfläche, wo sie sich eine Zwiebel nahm. Die Schale war dünn wie Papier und knisterte leise, als Enid sich ans Werk machte. »Ganz unten in einer Schachtel. Können Sie sich noch an die Kisten mit Baders Kleidung erinnern, die Christie gepackt hat? Sie standen vorne auf der Veranda. Der Lastwagen von der Altkleiderverwertung ist gestern in aller Herrgottsfrühe zum Abholen gekommen.«
»Noch bevor die Leiche entdeckt wurde?«
»Bevor überhaupt irgend jemand aufgestanden war. Ich weiß nicht, wie ich auf den Zusammenhang gekommen bin. Irgendwie kam mir der Gedanke — wenn die Schuhe nicht hier auf dem Grundstück waren, mußten sie woanders sein.«
»Wie ist Ihnen eingefallen, wo sie genau waren?«
»Tja, einfach so. Ich habe gerade die Spülmaschine beladen und dabei ein bißchen vor mich hin gesummt, wissen Sie, und peng, auf einmal wußte ich es.«
»Das ist mir auch schon passiert. Es ist fast, als würde das Gehirn von selbst einen Sprung machen.«
Enid warf mir einen Blick zu. »Genau. Er muß gemerkt haben, daß er auf dem Teppich oben einen Schuhabdruck hinterlassen hat.«
»Haben Sie ihn selbst gesehen?«
»Nein, aber Myrna sagt, sie hat ihn gesehen, als sie in Guys Zimmer gegangen ist.« Enid hielt inne und schüttelte den Kopf. »Ich weigere mich zu glauben, daß er es getan hat.«
»Es ist auch schwer zu glauben«, sagte ich. »Ich meine, theoretisch muß er Guy umgebracht, den Fußabdruck gesehen, die Schuhe ausgezogen und sie auf dem Weg aus dem Haus in die Kiste gestopft haben. Er hat Glück gehabt — zumindest bildete er sich das ein.«
»Sie klingen nicht überzeugt.«
»Ich habe nur Schwierigkeiten, es mir vorzustellen. Jack kommt mir nicht so vor, als würde er über Leichen gehen. Stört Sie das nicht auch?«
Sie überlegte kurz und tat es dann mit einem Achselzucken ab. »Ein Mörder muß sich eben auf sein Glück verlassen, nehme ich an. Man kann nicht alles planen. Man muß improvisieren.«
»Tja, in diesem Fall hat es nicht geklappt.«
»Wenn er es gewesen ist«, sagte sie. Sie nahm eine Dose in die Hand und hielt sie unter den elektrischen Dosenöffner. Sie drückte einen Hebel und sah zu, wie die Dose sich drehte, während die rotierenden Klingen fein säuberlich den Deckel abtrennten. Küchen sind gefährlich, dachte ich beim Zusehen beiläufig. Was für ein Arsenal — Messer und Flammen und all die Spieße, Fleischklopfer und Nudelhölzer. Die durchschnittliche Hausfrau verbringt gewiß ein Gutteil ihrer Zeit damit, zufrieden die zu ihrer Aufgabe gehörenden Werkzeuge zu betrachten: Geräte, die zerquetschen, pulverisieren, mahlen und pürieren; Utensilien, die stechen, schneiden, zerteilen und entbeinen.
Enid wandte mir wieder den Blick zu. »Glauben Sie an Geister?«
»Nein, natürlich nicht. Warum fragen Sie?«
Sie sah in eine Ecke der Küche, wo ich nun zum ersten Mal eine Treppe bemerkte. »Gestern bin ich nach oben gegangen, um Wäsche zu verstauen. Da war ein Wesen im Flur. Ich wollte nur wissen, ob Sie an so etwas glauben.«
Ich schüttelte heftig den Kopf und dachte dabei an die Kälte in der Luft und das Klingeln in meinen Ohren.
»Es riecht jedenfalls nach Tier, irgendwie feucht und unsauber. Es ist sehr seltsam«, sagte sie.