15
Als ich wieder in meinem Viertel ankam, waren Parkplätze Mangelware, und ich mußte meinen VW fast einen Häuserblock weit weg abstellen. Ich schloß den Wagen ab und trottete zu meiner Wohnung. Mittlerweile war es völlig dunkel, und ein kaltes Frösteln bebte in den Bäumen wie Wind. Ich verschränkte die Arme, um es wärmer zu haben, und umfaßte den Riemen meiner Tasche, die mir gegen die Seite schlug. Früher trug ich immer eine Schußwaffe bei mir, aber diese Gewohnheit habe ich abgelegt. Ich trat durch das Tor, das mich mit seinem gewohnten Quietschen willkommen hieß. Meine Wohnung war dunkel, aber ich konnte in Henrys Küche Licht brennen sehen. Ich wollte nicht allein sein. Ich ging zu seiner Hintertür und klopfte an die Glasscheibe.
Kurz darauf trat er aus dem Wohnzimmer. Er winkte kurz, als er mich sah, und kam dann herüber, um mich einzulassen. »Ich habe gerade die Nachrichten gesehen. Der Mord kommt auf allen Kanälen. Klingt übel.«
»Grauenhaft. Es ist scheußlich.«
»Setz dich und wärm dich auf. Draußen ist es ganz schön frisch geworden.«
Ich sagte: »Laß dich nicht stören. Ich setze mich einfach hierhin.«
»Sei doch nicht albern. Du siehst verfroren aus.«
»Ich friere wie ein Schneider.«
»Dann wickeln wir dich jetzt ein.«
Ich stellte meine Tasche ab und packte mir seine Wolldecke, die ich um mich legte wie eine Stola, während ich mich auf seinem Schaukelstuhl niederließ. »Danke. So ist es wunderbar. Gleich wird mir wärmer sein. Es ist vor allem die Anspannung.«
»Das wundert mich nicht. Hast du schon zu Abend gegessen?«
»Ich glaube, ich habe etwas zu Mittag gegessen, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, was es war.«
»Ich habe Rindfleischeintopf da, wenn du möchtest. Ich wollte selbst gerade einen Teller davon essen.«
»Gern.« Ich sah Henry dabei zu, wie er die Flamme unter dem Eintopf regulierte. Er holte einen Laib selbstgebackenes Brot heraus, schnitt es in dicke Scheiben und legte diese in einen Korb mit einer zusammengelegten Serviette darüber. Er verteilte Teller und Löffel, Servietten und Weingläser und hantierte so mühelos und geschickt in der Küche, wie ich es von ihm gewohnt war. Nach wenigen Momenten stellte er zwei Teller voller Eintopf auf den Tisch. Ich stand von seinem Schaukelstuhl auf und schlurfte, immer noch in die Wolldecke gehüllt, zum Küchentisch hinüber. Er schob mir die Butter hin und setzte sich auf seinen Stuhl. »Jetzt erzähl mir mal die Geschichte. Die offiziellen Tatsachen kenne ich schon. Die haben sie den ganzen Nachmittag lautstark im Fernsehen verkündet.«
Ich begann zu essen, während ich redete, und merkte erst jetzt, wie hungrig ich war. »Womöglich weißt du mehr als ich. Ich bin nicht so dumm, daß ich meine Nase in Ermittlungen in einem Mordfall stecken würde. Heutzutage ist es schon, ohne daß sich Außenstehende einmischen, schwer genug, ausreichend Beweise zusammenzutragen.«
»Du bist ja nicht gerade eine Amateurin.«
»Ich bin auch keine Expertin. Zuerst müssen Techniker und Spurensicherung ihre Arbeit tun. Ich halte mich zurück, solange ich keine anderen Anweisungen bekomme. Mein Interesse ist persönlich, aber im Grunde geht mich die Sache nichts an. Ich hatte Guy gern. Er war nett. Seine Brüder widern mich an. Das ist ein prima Eintopf.«
»Hast du eine Theorie über den Mord?«
»Sagen wir mal so: Guy ist nicht das Opfer eines Raubüberfalls durch einen Wildfremden. Der arme Kerl hat geschlafen. Soweit ich gehört habe, haben sie alle getrunken, also war er wahrscheinlich völlig weggetreten. Er war keine harten Sachen mehr gewöhnt, erst recht nicht in großen Mengen, wie es bei den Maleks Usus ist. Der Täter wußte, wo sein Zimmer liegt, und wahrscheinlich auch, daß er in seinem Zustand nicht mehr in der Lage wäre, sich zur Wehr zu setzen. Ich sage dir, mit Ausnahme von Christie habe ich eine derartige Abneigung gegen diese schreckliche Familie entwickelt, daß ich es kaum unter einem Dach mit ihnen aushalte. Und ich fühle mich schuldig wegen Guy. Ich fühle mich schuldig, weil ich ihn gefunden habe, und schuldig, weil er zurückgekommen ist. Ich weiß zwar nicht, was ich sonst hätte tun können, aber ich wünschte, ich hätte ihn in Marcella gelassen, wo er in Sicherheit war.«
»Du hast ihn nicht dazu ermuntert zurückzukommen.«
»Nein, aber ich habe auch nicht massiv dagegen argumentiert. Ich hätte mich deutlicher ausdrücken sollen. Ich hätte ihm die Einstellung seiner Brüder darlegen müssen. Ich habe die Gefahr für rein emotional gehalten. Ich hätte nicht gedacht, daß allendErnstes jemand auf ihn losgehen würde.«
»Glaubst du, daß es einer seiner Brüder war?«
»Der Gedanke hat etwas für sich«, sagte ich zögernd. »Es ist eine gefährliche Vermutung, und ich weiß, daß ich keine vorschnellen Schlüsse ziehen sollte, aber es ist immer leichter, jemandem einen Verdacht anzuhängen, den man nicht leiden kann.«
Um halb neun am selben Abend befand ich mich wieder in meiner Wohnung und hatte die Tür abgeschlossen. Ich saß eine Zeitlang, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, an meinem Küchentresen, bevor ich genug Mut gefaßt hatte, Peter und Winnie Antle anzurufen, die die Geschichte auf dem Nachrichtensender Santa Maria verfolgt hatten. Die gesamte Kirchengemeinde hatte sich am frühen Abend versammelt, entsetzt und tief betrübt über den Mord. Ich hätte ihnen den Verlust gern leichter gemacht, obwohl ihr Glauben ihnen wohl mehr Trost spendete, als ich ihnen je vermitteln konnte. Ich erklärte ihnen, daß ich so eng wie möglich mit ihnen in Verbindung bleiben würde, und beendete das Gespräch, ohne mich meinerseits nennenswert getröstet zu fühlen. Nachdem ich alle Lichter ausgeschaltet hatte, lag ich unter einem Stapel Federbetten im Bett und versuchte, den Ereignissen des heutigen Tages einen Sinn abzugewinnen. Das Grauen lastete schwer auf mir. Guys Tod hatte etwas weitaus Schlimmeres als Trauer ausgelöst. Was ich empfand, war kein Kummer, sondern eine drückende Reue, die sich in meiner Brust verkeilt hatte wie ein Klumpen heißes Fleisch. Ich fand keine Ruhe. Meine Augen schienen sich alle zwanzig Minuten von selbst zu öffnen. Ich wechselte die Stellung und zog die Decken zurecht. Zuerst war es mir zu heiß, dann zu kalt. Immer hoffte ich, daß die nächste Anordnung meiner Gliedmaßen bequem genug sein müßte, um mich einschlafen zu lassen. Ich lag mit unters Kopfkissen geschobenen Armen auf dem Bauch, dann mit aufgedeckten Schultern auf dem Rücken. Ich versuchte es auf der linken Seite, mit hochgezogenen Knien und den Armen unter der Decke, dann wieder auf der rechten und mit einem Fuß im Freien. Ich mußte den Wecker ohne nachzudenken gestellt haben, denn auf einmal lärmte das verdammte Ding an meinem Ohr los und riß mich aus dem wenigen Schlaf, der mir die ganze Nacht über vergönnt gewesen war. Ich stellte den Wecker aus. Völlig ausgeschlossen, jetzt den Kokon wärmender Federbetten zu verlassen. Als ich das nächste Mal aufwachte, war es Viertel nach neun, und ich war gezwungen, mich aus dem Bett zu quälen. Ich hatte eine Verabredung mit Jonah Robb auf dem Polizeirevier. Im Badezimmerspiegel musterte ich mein Ebenbild. Hübsch. Meine Gesichtsfarbe war gräßlich, und ich hatte Tränensäcke unter den Augen.
Wie sich herausstellte, sprach ich nicht mit Jonah, sondern mit Lieutenant Bower. Sie ließ mich fünfzehn Minuten lang warten, während deren ich auf einer kleinen Zweipersonenbank in einem Raum saß, den man vermutlich als Foyer des Polizeireviers bezeichnen könnte. Unter dem wachsamen Blick des Beamten hinter dem Tresen rutschte ich auf meinem Sitz hin und her und musterte den Ständer mit den Plakaten über Vorbeugemaßnahmen gegen Verbrechen. Außerdem lauschte ich schamlos, während sechs jammernde Autofahrer hereinkamen und sich über ihre Strafzettel beschwerten. Endlich steckte Lieutenant Bower aus dem Ermittlungsdezernat den Kopf zur Tür herein. »Miss Millhone?«
Ich hatte Betsy Bower noch nie gesehen, war aber neugierig auf sie gewesen. Der Name ließ eine kecke, blonde Person vermuten, eine ehemalige College-Cheerleaderin mit umwerfenden Schenkeln und ohne Hirn. Zu meiner Enttäuschung war Lieutenant Bower die am wenigsten kecke Frau, die ich je kennengelernt hatte. Sie war das polizeiliche Ebenbild einer Amazone: statuenhaft, zwanzig Zentimeter größer und vermutlich fünfundzwanzig Kilo schwerer als ich. Sie hatte dunkles Haar, das sie glatt nach hinten gekämmt trug, und eine kleine runde Brille mit Goldrand. Ihr Teint war makellos. Falls sie überhaupt Make-up trug, so war es äußerst gekonnt aufgetragen. Als sie sprach, fiel mein Blick auf liebenswert schiefe Zähne, was — wie mir später klarwurde — vielleicht erklärte, warum sie so ungern lächelte. Es war aber auch möglich, daß sie mich nicht mochte und am liebsten wie einen Käfer zertreten hätte.
Ich folgte ihr in eine kleine Kammer mit zwei hölzernen Stühlen und einem zerkratzten Tisch, der zum Wackeln neigte, wenn man versuchte, seinen Arm darauf zu stützen und so zu tun, als sei man ganz locker. Sie hatte nichts bei sich — keinen Stift, keinen Block, keinen Ordner, keine Notizen. Sie sah mir direkt in die Augen und sprach ein paar kurze Sätze, nach denen ich an der Reihe war. Irgendwie hatte ich das Gefühl, sie würde sich an jedes Wort erinnern, das ich sagte. Wahrscheinlicher war allerdings, daß unser Gespräch heimlich aufgezeichnet wurde. Ich hätte ja gern verstohlen die Unterseite der Tischplatte nach Kabeln befühlt, fürchtete jedoch die Klumpen alten Kaugummis und die getrockneten Popel, die dort unten klebten.
Sie sagte: »Wir sind froh, daß Sie sich herbemüht haben. Soweit ich weiß, wurden Sie von der Nachlaßverwaltung damit beauftragt, Guy Malek zu finden. Können Sie mir sagen, wie Sie das angestellt haben?« Ihr Blick war wachsam und ihre Art zurückhaltend.
Die Frage traf mich unvorbereitet. Plötzlich durchzuckte mich ein Anflug von Angst, und die Farbe stieg mir in die Wangen, als käme ich gerade von der Sonnenbank. Ich stotterte wie ein Kleinflugzeug mit einem Tank voll minderwertigem Treibstoff. Zu spät wurde mir klar, daß ich darauf hätte vorbereitet sein sollen. Normalerweise lüge ich keine Polizisten an, das wäre ja schließlich nicht korrekt. Im Grunde meines Herzens bin ich für Recht und Ordnung. Ich glaube an mein Land, die Flagge, ans Steuernzahlen und an Strafzettel für falsches Parken, daran, die Bücher rechtzeitig in die Bücherei zurückzubringen und die Straße bei Grün zu überqueren. Außerdem steigen mir jedesmal die Tränen in die Augen, wenn ich die Nationalhymne von jemandem gesungen höre, der wirklich weiß, wie man sie schmettern muß. In diesem Moment wußte ich allerdings, daß ich ein bißchen um den heißen Brei herumreden mußte, da es nicht gerade legal gewesen war, wie ich »es angestellt« hatte, Guy Malek zu finden. Weder Darcy noch ich waren dazu berechtigt, in die EDV der California Fidelity einzudringen, um bei der Kfz-Zulassungsstelle in einer Angelegenheit nachzuforschen, die rein gar nichts mit einem Versicherungsfall zu tun hatte. Vielleicht hatten wir uns alle beide einer gravierenden Zuwiderhandlung gegen die Firmenpolitik, die abteilungsinternen Vorschriften, den allgemeinen Anstand und die guten Sitten schuldig gemacht. Womöglich wurde das in mein allgemeines Führungszeugnis aufgenommen, etwas, womit mir mein Volksschuldirektor jedesmal gedroht hatte, wenn ich in der fünften und sechsten Klasse mit Jimmy Tait den Unterricht schwänzte. Ich glaubte zwar nicht, daß das, was ich getan hatte, mich ins Gefängnis bringen würde, aber immerhin saß ich hier auf dem Polizeirevier, und ich mußte auf meine Lizenz als Privatdetektivin achtgeben. Da ich inzwischen fünf verdächtige Sekunden lang gezögert hatte, hielt ich es für klug, irgend etwas zu berichten.
»Ah«, sagte ich. »Nun ja. Ich habe mich letzten Mittwoch mit Donovan, Bennet und Jack Malek getroffen. Im Laufe unserer Gespräche wurden mir Guy Maleks Geburtsdatum und seine Sozialversicherungsnummer genannt. Am Donnerstag nachmittag bin ich zur Kfz-Zulassungsstelle gegangen und habe gefragt, ob auf Guy Maleks Namen ein Führerschein ausgestellt ist. Ich erhielt die Auskunft, daß seine Fahrerlaubnis 1968 eingezogen wurde, er aber einen kalifornischen Personalausweis hätte. Seine Postanschrift in Marcella befand sich in den Unterlagen. Das habe ich Tasha Howard, der Nachlaßanwältin, und Donovan Malek berichtet, der mich beauftragte, nach Marcella zu fahren und die Adresse zu überprüfen. Marcella ist ein kleiner Ort. Ich war noch keine zehn Minuten dort, als ich erfuhr, wo Guy Malek wohnte. Offen gestanden war ich nicht dafür, daß er hierherkam.«
»Weshalb denn?«
He, solange meine Haut nicht auf dem Spiel stand, kümmerte es mich nicht, wen ich hier verpfiff. »Seine Brüder waren verärgert darüber, daß sie ihm einen Anteil vom Nachlaß ihres Vaters abgeben sollten. Sie waren der Ansicht, er hätte sämtliches Geld, auf das er einen Anspruch hatte, bereits erhalten. Es ging um die Frage nach dem zweiten Testament, das verschwunden war, als der alte Herr starb. Bennet war überzeugt davon, daß sein Vater Guy enterbt hatte, aber da dieses Testament nie aufgetaucht ist, wurde das ursprüngliche in die Nachlaßakten aufgenommen.« Ich machte an diesem Punkt einen kleinen Umweg und erzählte Lieutenant Bower in groben Zügen die Geschichte über Max Outhwaite, dessen Brief an den Dispatch den ganzen unerfreulichen Medienwirbel ins Rollen gebracht hatte. Sie sprang zwar vor Begeisterung nicht gerade in die Luft, aber es erfüllte jedenfalls den Zweck (hoffte ich), sie von dem Thema meiner illegalen Computerrecherche abzulenken.
Sie erkundigte sich eingehend nach der Haltung der Maleks gegenüber Guy, die ich als feindselig beschrieb. Ich erzählte ihr von dem Ausbruch zwischen Donovan und Bennet, bei dem ich Zeuge geworden war. Dann bombardierte sie mich mit einer Reihe gezielter Fragen nach Jacks Äußerungen über Guy, aber mir fiel beim besten Willen nichts ein, das einen Mordplan hätte vermuten lassen. In unserem ersten Gespräch hatte er sich mit Bitterkeit über Guys Verschwinden geäußert, aber das war beinahe achtzehn Jahre her, und so war ich nicht davon überzeugt, daß es eine Rolle spielte. Obwohl ich es ihr gegenüber nicht aussprach, hatte ich Jack als das Familienmaskottchen eingestuft, eine Art harmloses Haustier, darauf trainiert, die anderen mit seinen Mätzchen abzulenken. Für mich war er kein bedeutender Faktor in dem aktuellen Familiendrama.
»Wann haben Sie das letzte Mal mit Guy gesprochen?«
»Er hat mich am Montag abend angerufen. Er brauchte eine Verschnaufpause, also bin ich zum Haus hinübergefahren und habe mich an der Seitenpforte mit ihm getroffen. Ich habe mich gefreut, von ihm zu hören. Ich hatte mir nämlich schon Sorgen gemacht, weil ich wußte, daß sich die Medien auf die Geschichte gestürzt hatten. Peter Antle, der Pfarrer von Guys Kirche oben im Norden, hatte auch versucht, ihn zu erreichen. Das Haus wurde buchstäblich belagert, und es war unmöglich, per Telefon durchzukommen. Ich war vorher schon einmal hingefahren, um Verbindung aufzunehmen, aber ich habe es wieder aufgegeben.«
»Warum waren Sie so daran interessiert, mit ihm zu sprechen?«
»In erster Linie, weil Peter und seine Frau Winnie besorgt waren.«
»Davon abgesehen.«
Ich starrte sie an und fragte mich, woran sie wohl dachte. Glaubte sie, ich sei in ihn verliebt gewesen? »Sie haben Guy nie kennengelernt«, sagte ich und ließ es wie eine Feststellung klingen, nicht wie eine Frage.
»Nein.« Ihr Gesicht zeigte keine Regung. Ihre Neugier war berufsbedingt und neigte zum Analytischen. Sicher, das war ihr Job, aber ich merkte, wie ich darum rang, Guys Anziehungskraft zu vermitteln.
»Guy Malek war ein hinreißender Mann«, sagte ich mit brüchiger Stimme. Unerklärlicherweise wurde ich auf einmal von Kummer überschwemmt. In meinen Augen brannten Tränen. Ich spürte, wie der Kloß in meiner Kehle dicker wurde. Es kam mir merkwürdig vor, daß ich in Henrys Gegenwart nichts gefühlt hatte, aber gegenüber Betsy Bowers kalter Autorität mein ganzer unverarbeiteter Schmerz an die Oberfläche drang. Ich holte tief Luft und versuchte, meine Gefühle zu verbergen. Ich wich ihrem Blick aus, aber sie mußte meine Pein bemerkt haben, da sie aus dem Nichts ein Taschentuch herbeizauberte, das plötzlich vor meinen Augen auftauchte. Dankbar nahm ich es entgegen. Ich fühlte mich verletzlich und bloßgestellt.
Aber ich erholte mich rasch. Ich verfüge über eine starke Selbstdisziplin, und so schaffte ich es, meine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. »Tut mir leid. Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Ich habe eigentlich nicht viel Trauer verspürt, seit ich von seinem Tod erfahren habe. Aber ich hätte wissen müssen, daß sie in mir steckt. Er war ein guter Kerl, und ich bin wirklich traurig darüber, daß er tot ist.«
»Das kann ich verstehen«, meinte sie. »Möchten Sie ein Glas Wasser?«
»Nein, schon gut«, sagte ich. »Es ist komisch — ich habe ihn im Grunde nur dreimal gesehen. Wir haben ein paarmal telefoniert, aber wir waren nicht dicke Freunde. Er wirkte jugendlich, eine junge Seele. Ich muß eine Schwäche für Männer haben, die nie richtig erwachsen werden. Ich hatte Donovan bereits die Rechnung gegeben und hielt meinen Auftrag für erledigt. Dann hat Guy mich am Samstag angerufen. Donovan hatte ihn telefonisch bedrängt herzukommen, damit sie über das Testament sprechen könnten. Ich persönlich war der Meinung, daß der Besuch keine so tolle Idee war, aber Guy war fest dazu entschlossen.«
»Hat er gesagt, warum?«
»Er wollte emotionale Schulden begleichen. Zu der Zeit, als er von zu Hause verschwunden ist, war er von Drogen völlig benebelt. Er hatte eine Menge Ärger gehabt und es sich mit fast jedem verdorben. Nachdem er sich in Marcella niedergelassen hatte, kam er zur Vernunft, aber er hatte eine Menge offene Rechnungen hinterlassen. Er sagte, er wolle seinen Frieden machen.«
»Als Sie das letzte Mal mit ihm sprachen, hat er da Kontakte zu anderen Personen aus seiner Vergangenheit erwähnt?«
»Nein. Ich weiß, daß er einen Brief erhalten hat — das hat Christie gestern abend erwähnt — , aber der ist am Montag gekommen, und Guy hat ihn mit keinem Wort erwähnt, als ich ihn sah. Soweit ich weiß, war weiter nichts. War der Brief wichtig?«
»Wir möchten seinen Inhalt lieber nicht diskutieren, bevor wir das überprüft haben.«
»Wer hat ihn denn geschrieben? Oder möchten Sie das lieber auch nicht diskutieren?«
»Genau.«
»War er mit der Maschine geschrieben?«
»Warum fragen Sie?«
»Wegen des Briefs an den Dispatch, der den ganzen Zirkus verursacht hat. Wenn die Zeitungen keinen Hinweis bekommen hätten, hätte kein Mensch gewußt, daß er wieder in der Stadt ist.«
»Ich verstehe, was Sie meinen. Wir werden der Sache nachgehen.«
»Darf ich etwas zur Autopsie fragen?«
»Dr. Yee ist noch nicht fertig. Lieutenant Robb ist jetzt dort. Wenn er wiederkommt, erfahren wir mehr.«
»Was ist mit der Mordwaffe?«
Ihre Miene wurde wieder ausdruckslos. Ich verschwendete meine Atemluft, aber irgendwie konnte ich es einfach nicht lassen. »Haben Sie einen Verdächtigen?«
»Wir verfolgen mehrere Möglichkeiten. Wir untersuchen den Hintergrund mehrerer Personen, die mit der Familie zu tun haben. Außerdem prüfen wir die Alibis sämtlicher Beteiligten, um festzustellen, ob alle Aussagen stichhaltig sind.«
»Anders ausgedrückt, Sie wollen es mir nicht sagen.«
Frostiges Lächeln. »Stimmt.«
»Na gut. Ich werde Ihnen auf jeden Fall helfen, so gut ich kann.«
»Das würde uns freuen.«
Sie machte keinerlei Anstalten, das Gespräch zu beenden, was mich aus dem Konzept brachte. In meinen Augen war unsere Unterhaltung beendet. Sie hatte alle ihre Fragen gestellt, und ich hatte ihr gesagt, was ich wußte. Hier hatte Detective Bo wer das Sagen, und ich mußte nach ihrer Pfeife tanzen. In der unerwarteten Pause merkte ich, daß nun sie es war, die ins Stottern geriet.
Sie sagte: »Ich habe gehört, daß Sie eine Beziehung mit Lieutenant Robb haben.«
Ich blinzelte sie ungläubig an. »Hat er Ihnen das erzählt?«
»Jemand anders. Wir leben leider in einer kleinen Stadt, die noch kleiner wird, wenn es sich um Polizeibeamte dreht. Es stimmt also nicht?«
»Tja, ich hatte eine Beziehung mit ihm, aber das ist vorbei«, antwortete ich. »Warum fragen Sie?«
Ihr Gesichtsausdruck erfuhr abrupt eine deutliche Wandlung. Die sorgfältig gewahrte Neutralität verschwand, und binnen eines Sekundenbruchteils wechselte ihre Miene von nichtssagend zu feuerrot.
Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück. »Sind Sie in ihn verschossen?«
»Ich bin zweimal mit ihm ausgegangen«, sagte sie vorsichtig.
»Ohhh, verstehe. Jetzt kapiere ich«, sagte ich. »Hören Sie, ich mag Jonah gern, aber zwischen uns ist es ein für allemal vorbei. Ich bin die geringste Ihrer Sorgen. Zerbrechen Sie sich lieber den Kopf über diese gräßliche Camilla.«
Detective Betsy Bower hatte jede berufsbedingte Pose aufgegeben. »Aber sie lebt mit einem anderen Mann zusammen, und sie ist schwanger.«
Ich hob die Hand. »Glauben Sie mir. In der unendlichen Geschichte von Jonah und Camilla hat die bloße Existenz dieses Kindes keinerlei Auswirkungen auf ihre Beziehung. Auch wenn er so tut, als wäre er geheilt, er ist es nicht, glauben Sie mir. Camilla und Jonah sind dermaßen ineinander verstrickt, daß ich gar nicht weiß, was es bräuchte, um ihre Verbindung zu sprengen. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, muß ich allerdings sagen, daß Sie vielleicht doch recht gute Chancen haben.«
»Glauben Sie wirklich?«
»Warum nicht? Ich war immer viel zu sehr mit meinen eigenen Verlassensängsten beschäftigt. Es war mir zuwider, in ihrem kleinen Theaterstück eine Nebenrolle zu spielen. Das ist ein Fall von Klammern seit der siebten Klasse. Liebe seit der Mittelstufe. Ich kam dagegen nicht an. Mir fehlt die emotionale Kraft. Sie sehen aus, als könnten Sie damit fertig werden. Haben Sie Probleme mit Ihrem Selbstbewußtsein? Kauen Sie an den Nägeln? Sind Sie Bettnässerin? Eifersüchtig oder unsicher?«
Sie schüttelte den Kopf. »Nicht im geringsten.«
»Wie steht’s mit Ihrer Konfliktfähigkeit?«
»Ich streite gern«, sagte sie.
»Tja, dann machen Sie sich schon mal bereit, denn meiner Erfahrung nach ist er ihr so lange egal, bis eine andere auf der Bildfläche erscheint. Und spielen Sie um Gottes willen nicht nach den Regeln. Camilla geht aufs Ganze.«
»Danke. Ich werd’s mir merken. Wir hören voneinander.«
»Ich kann es gar nicht erwarten.«
Draußen auf der Straße hatte ich das Gefühl, als wäre ich aus einem finsteren Tunnel aufgetaucht. Das Sonnenlicht war grell und alle Farben von ungeheurer Intensität. Neun schwarzweiße Streifenwagen standen hintereinander am Bordstein. Auf der anderen Straßenseite zog sich eine Reihe kleiner kalifornischer Bungalows entlang, die in nicht zusammenpassenden Pastellfarben gestrichen waren. Blühende Pflanzen in Fuchsienrot, Orange und Magenta hoben sich schrill vom lebhaften Grün der jungen Blätter ab. Ich ließ mein Auto auf dem öffentlichen Parkplatz stehen und ging die restlichen Blocks zur Arbeit zu Fuß.
Ich betrat die Räume von Kingman und Ives durch die nicht gekennzeichnete Seitentür. Dann schloß ich die Tür zu meinem Büro auf und ging hinein, den Blick auf den Fußboden gerichtet. Auf dem Teppich lag ein einfacher weißer Umschlag in Normgröße, auf dessen Vorderseite mit Schreibmaschine mein Name und meine Adresse geschrieben waren. Der Poststempel stammte aus Santa Teresa und war vom Montag nachmittag. Beunruhigt stellte ich meine Tasche auf den Tisch, holte Baders Akte heraus und legte sie oben auf den Büroschrank. Ich ging zu dem Brief zurück und hob ihn vorsichtig auf. Ich legte ihn mitten auf meinen Tisch, wobei ich ihn nur an den Ecken berührte, nahm den Telefonhörer ab und wählte Alison an der Rezejfiion an.
»Hi, Alison. Hier ist Kinsey. Weißt du irgend etwas über diesen Brief, der unter meiner Tür durchgeschoben wurde?«
»Er ist gestern nachmittag gekommen. Ich habe ihn erst hier vorne behalten, da ich dachte, du kämst noch mal, aber dann habe ich ihn dir doch lieber unter der Tür durchgeschoben. Warum, habe ich etwas falsch gemacht?«
»Nein, alles bestens. Ich war nur neugierig.«
Ich legte den Hörer auf und starrte den Umschlag an. Kürzlich hatte ich auf einer Fachmesse ein Set zum Abnehmen von Fingerabdrücken erstanden, und einen Augenblick lang überlegte ich, ob ich ihn einpudern und untersuchen sollte. Offen gestanden erschien es mir sinnlos. Alison hatte ihn zweifellos in der Hand gehalten, und selbst wenn ich auf brauchbare Abdrücke stieß, was würde ich dann mit ihnen anfangen? Ich konnte mir nicht vorstellen, daß die Polizei sie allein aufgrund meines Drängens überprüfen würde. Trotzdem wollte ich vorsichtig sein. Ich nahm den Brieföffner zur Hand, schlitzte den Umschlag auf und zog dann mit der Spitze den Brief heraus. Das Papier war billiges Standardpapier, zweimal gefaltet, ohne Datum und Unterschrift. Ich benutzte einen Radiergummi, um es aufzufalten, und beschwerte die gegenüberliegenden Ecken mit dem Brieföffner und der Kante meines Terminkalenders.
Sehr geehrte Miss Milhone,
ich finde, ich sollte Sie kurz zum Tema Guy Malek aufklären, ich frage mich, oh Sie wirklich wissen, mit wem Sie es zu Tun haben. Sr ist ein lügner und Dieb. Ich finde es wiederlich, das er durch den Erwerb plötzlichen Reichtums, eine zweite Chance im leben bekommen hat. warum sollen ihm fünf Milionen Dollar zufallen, wo er doch nie auch nur einen Roten Heller verdient hat? Ich glaube nicht, das wir uns darauf verlassen können, das er seine früheren Verbrechen wieder gut macht und seine Gläubigen entschädigt. Passen Sie blos auf, das Sie nicht genauso schlecht sind.
Ich nahm eine Klarsichthülle und schob den Brief hinein. Dann zog ich die Schreibtischschublade auf und holte den Brief heraus, den Max Outhwaite an Jeffrey Katzenbach geschrieben hatte, und legte die beiden zum Vergleich nebeneinander. Oberflächlich betrachtet sahen die Schrifttypen gleich aus. Wie zuvor war auch diesmal mein Name falsch geschrieben. Vielen Dank, es müssen bitte zwei l sein. Der Absender schien ein Problem mit der Unterscheidung von das und daß zu haben und schrieb es regelmäßig falsch. Milionen beziehungsweise Milionär war in beiden Briefen gleich geschrieben, aber da waren noch andere Merkwürdigkeiten. Mein Brief war nicht einmal halb so lang wie der an Katzenbach, und doch enthielt er mehr Fehler. Meinem ungeschulten Auge schienen die beiden Fehlergruppen auffällig voneinander abzuweichen. Wenn sich der Verfasser streng nach der Aussprache richtete, warum schrieb er dann Wörter wie Chance und Inspiration richtig? Außerdem befanden sich in meinem Brief deutlich weniger Kommas, Ausrufezeichen und falsche Großschreibungen. Es war zwar möglich, daß ein gewisses Ausmaß an Nachlässigkeit am Werk war, aber ich mußte mich doch fragen, ob der Autor nicht einfach nur so tat, als könne er nicht besser mit der Sprache umgehen. Die Verwendung des Wortes Gläubigen anstelle von Gläubiger war zudem nicht ohne Witz, vor allem im Zusammenhang mit einem Wiedergeborenen.
Ich fragte mich auch, weshalb er den ersten Brief mit dem Namen Max Outhwaite und mit einer erfundenen Adresse versehen hatte, meinen aber ohne Unterschrift abschickte. Ich mußte annehmen, daß Outhwaite dachte (zutreffenderweise, wie sich herausstellte), daß ein anonymer Brief an den Dispatch sofort im Papierkorb landen würde. Wahrscheinlich war außerdem, daß der Absender nicht ahnte, daß ich alle beide vorliegen hätte. Ich begriff zwar, was hinter dem Brief an den Dispatch steckte, aber nicht, was der an mich sollte. Was bezweckte Outhwaite?
Ich holte mein Vergrößerungsglas hervor und stellte die Dreifachlampe so ein, daß sie das stärkste Licht gab. Unter der Vergrößerung zeigten sich noch mehr Ähnlichkeiten. In beiden Dokumenten war der Buchstabe a leicht verdreht und neigte sich ein wenig nach links, und am kleinen i war ein Teil der unteren Serife weggebrochen. Außerdem waren die Kleinbuchstaben e, o, a und d allesamt verschmutzt und kamen eher als volle Tupfen heraus statt als Kreise, was auf ein altmodisches Farbband aus Stoff schließen ließ. Bei meiner Smith-Corona-Reiseschreibmaschine hatte ich immer eine einfache Nadel dazu benutzt, die verklebten Typen zu säubern.
Ich ließ die Briefe auf meinem Schreibtisch liegen und ging im Zimmer auf und ab. Dann setzte ich mich auf meinen Drehstuhl, zog die Schublade auf und entnahm ihr einen Packen Karteikarten. Ich brauchte eine Viertelstunde, um sämtliche Fakten so aufzunotieren, wie ich sie in Erinnerung hatte, eine Information pro Karte, bis meine Vorräte erschöpft waren. Ich breitete die Karten auf meinem Schreibtisch aus, ordnete sie neu, verschob sie zu Spalten und suchte nach Zusammenhängen, die ich zuvor nicht gesehen hatte. Aus meiner Sicht kam nicht viel dabei heraus, aber schon bald würde ich mehr Informationen zur Verfügung haben. Die Autopsie war inzwischen beendet, und der Gerichtsmediziner hatte sich eine konkrete Meinung über Tathergang und Todesursache gebildet. Wir gingen alle davon aus, daß Guy an einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf gestorben war, aber es konnten ja noch andere pathologische Erkenntnisse zutage treten. Vielleicht war er an einem Herzinfarkt gestorben, vielleicht war er vergiftet worden und im Schlaf gestorben, noch bevor ihn der erste Schlag traf. Aber welche Rolle spielte das jetzt eigentlich noch? Guy würde zur letzten Ruhe gebettet, seine Leiche vermutlich zum Begräbnis nach Marcella gebracht werden. Die verschiedenen Kriminalexperten würden die Indizien durchforsten, bis der Fall aufgeklärt war. Am Schluß würde die Geschichte sich zu einer Gesamtheit fügen, und dann würde ich vielleicht begreifen, wie alles zusammenpaßte. Bis dahin saß ich mit all den unzusammenhängenden Bruchstücken und einem flauen Gefühl in der Magengrube da.
Ich trug die Briefe den Flur hinunter und ließ den einen dabei in seiner Klarsichthülle. Am Kopiergerät machte ich von jedem eine Kopie, so daß ich nun je zwei Exemplare besaß. Die Kopien legte ich zusammen mit den Notizen, die ich mir auf die Karteikarten gemacht hatte, in meine Aktentasche. Die Originale schloß ich sorgsam in der untersten Schreibtischschublade ein. Als das Telefon klingelte, ließ ich den Anrufbeantworter übernehmen. »Kinsey, hier ist Christie Malek. Hören Sie, die Polizei war gerade mit einem Haftbefehl für Jack hier und —«
Hastig griff ich nach dem Hörer. »Christie? Ich bin’s. Was ist los?«
»Oh, Kinsey. Gott sei Dank. Entschuldigen Sie, daß ich Sie störe, aber ich wußte nicht, was ich sonst tun sollte. Ich habe versucht, Donovan zu erreichen, aber er ist draußen im Gelände. Wo Bennet ist, weiß ich nicht. Er hat gegen neun das Haus verlassen, ohne irgend jemandem ein Wort zu sagen. Kennen Sie einen guten Kautionssteller? Jack hat mich gebeten, ihm einen zu besorgen, aber ich habe in den Gelben Seiten nachgesehen, und für mich sieht einer wie der andere aus.«
»Sind Sie sicher, daß er in Haft ist? Sie haben ihn nicht nur aufs Revier mitgenommen, um ihn noch einmal zu verhören?«
»Kinsey, sie haben ihm Handschellen angelegt. Sie haben ihm seine Rechte vorgelesen und ihn dann auf dem Rücksitz eines Zivilwagens weggebracht. Wir waren beide völlig schockiert. Ich habe überhaupt kein Geld — weniger als hundert Dollar in bar — , aber wenn ich wüßte, wen ich anrufen soll...«
»Vergessen Sie das mit dem Kautionssteller. Wenn Jack unter Mordverdacht steht, wird keine Kaution akzeptiert. Was er braucht, ist ein guter Strafverteidiger, und zwar je schneller, desto besser.«
»Aber ich kenne keine Anwälte außer Tasha!« kreischte sie. »Was soll ich denn tun, mir etwa einen Namen aus dem Ärmel schütteln?«
»Warten Sie mal, Christie. Beruhigen Sie sich.«
»Ich kann mich nicht beruhigen. Ich habe Angst. Ich will Hilfe.«
»Ich weiß. Ich weiß. Nur einen Moment bitte«, sagte ich. »Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Lonnie Kingmans Büro liegt gleich neben meinem. Soll ich nachsehen, ob er da ist? Einen besseren als Lonnie können Sie gar nicht bekommen. Er ist der Größte.«
Sie schwieg einen Augenblick lang. »In Ordnung, einverstanden. Ich habe schon von ihm gehört. Das klingt gut.«
»Lassen Sie mir ein paar Minuten Zeit, dann werden wir sehen, was wir tun können.«