Kelly Maher
Hitzewellen hingen flirrend über dem pechschwarzen Asphalt, der sich endlos vor ihr erstreckte. Die heiße Sonne New Englands buk Ettas blasse Haut so sehr, dass sie die zarte, rosige Farbe von frisch geschlachtetem Lamm annahm. Dunkle Brillengläser schützten ihre Augen, als sie den Horizont nach dem Hinweisschild absuchte, von dem in ihrem Willkommenspaket die Rede war.
Seit sie vor zehn Meilen durch das kleine Dorf gefahren war, hatte sie keine anderen Autos mehr gesehen. Langsam fragte sie sich, ob sie wirklich an einem so abgelegenen Ort arbeiten wollte. Aber die Erinnerung daran, wie Randall ihre Maklerin auf ihrem Küchentresen vögelte, hatte sich ihr eingebrannt, und ihr fiel sofort wieder ein, warum die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch als Chefköchin einer Pension mit angeschlossenem Restaurant sie angezogen hatte wie Nektar die Bienen. Außerdem war das Restaurant nicht irgendein Rattenloch. Jeffrey Steingarten hatte darüber geschrieben, als es eröffnet wurde. Wenn einer der strengsten Kritiker im Iron Chef das Essen so sehr genoss, dass er darüber schrieb, dann strömten die Feinschmecker dorthin.
Dieser verschissene Mistkerl Randall. Sie hatte sich auf ein perfektes Leben mit ihm eingerichtet, und das neue Apartment gehörte ebenso dazu wie das eigene Restaurant. Es war ja nicht so, als hätten beide noch nie mit anderen geschlafen, aber seit sie ihn kannte, hatte es höchstens hin und wieder mal ein Techtelmechtel im Nachtleben gegeben. Sie so zu hintergehen, das war einfach ...
Hinter einem alten Ahornbaum tauchte das Schild für die Abzweigung auf. Sie lenkte den alten Sebring an den Straßenrand und bewunderte das auffällige Schild. In Granit war ein Schriftzug eingemeißelt, der besagte, hier gehe es zu The Cavern – seit 1796. Vögelchen schnellten aus einem Höhleneingang. Die Sonne verschwand hinter einer Wolke und sorgte wenigstens für einen Moment für Abkühlung.
Etta blickte zum Himmel auf und lächelte. »Na, ob das ein gutes Zeichen ist oder eher ein schlechtes?«
Sie schüttelte den Kälteschauer ab, der ihre Haut überzog. Statt weiter über diesen ersten Schatten nachzudenken, der heute auf sie fiel, setzte sie ihren Weg zu ihrem neuen Arbeitgeber fort. Als sie von der Straße abbog, fühlte es sich ein bisschen so an, als lasse sie die moderne Welt hinter sich.
Das bayrisch inspirierte Chalet tauchte etwa eine Meile später auf. Zwischen Ahornbäumen und Kiefern tauchten die Gebäude auf; sie fühlte sich ein bisschen wie Gretel oder Rotkäppchen, die in den verbotenen Wald eindringt. Hinter jeder Kurve erwartete sie ein neuer, überraschender Ausblick.
Etwas Braunweißes blitzte hinter den Bäumen hervor, und sie trat mit voller Wucht auf die Bremse. Der weiße Spiegel des Rotwilds verschwand im Grün auf der anderen Straßenseite, während sie noch versuchte, den schleudernden Wagen in den Griff zu bekommen. Nur mit Mut und dank ihres Vaters, der ihr immer wieder unermüdlich gezeigt hatte, wie man im Mittleren Westen im Winter Auto fuhr, brachte sie den Wagen wenige Zoll vor einem Baum zum Stehen, in den sie sonst hineingekracht wäre. Zitternd atmete sie aus, und ihr Herz flatterte wie die Flügel eines Kolibris.
Sie schloss die Augen und versuchte, sich allein darauf zu konzentrieren, dass ihr Körper sich von dem Adrenalinrausch erholte. Als sie endlich das Gefühl hatte, sich wieder unter Kontrolle zu haben, lenkte sie den Wagen zurück auf die Straße und hielt praktisch sofort wieder an. Das, was vorhin schon so vielversprechend durch die Bäume geblitzt hatte, breitete sich jetzt vor ihr aus. Das Anwesen war im Fachwerkstil gehalten, und das Sonnenlicht spiegelte sich in den Fenstern. Schon in diesem Moment verliebte sich Etta ein klein wenig in diesen Ort.
Das Paket, das man ihr geschickt hatte, enthielt die Anweisung, auf dem Besucherparkplatz zu parken. Sie folgte den Schildern und fand sich in einem alten, kopfsteingepflasterten Hof wieder. Nur die schnurgeraden, weißen Linien passten nicht so recht hierher.
Das melodiöse Rauschen von Wasser, das über Steine plätscherte, erfüllte die Luft. Hinter einem Zaun entdeckte sie einen kleinen Bach.
Etta stieg aus dem Wagen.
»Henrietta Johannsen?«
Sie machte einen Satz und drehte sich um. Direkt hinter ihr stand der Besitzer dieser samtigen, dunklen Stimme. Ihr blieb der Mund offen stehen. Er streckte ihr die Hand entgegen.
»Ich bin David James, der Manager von The Cavern.«
»Oh, hallo. Freut mich, Sie kennenzulernen. Nennen Sie mich bitte Etta.« Sie schüttelte die dargebotene Hand und versuchte, sich nicht von dem festen Händedruck beeindrucken zu lassen. Sie sagte sich, dass es bestimmt keine so gute Idee war, den potentiellen Chef anzufallen und ihm den Verstand rauszuficken. Zumindest nicht während der ersten fünf Minuten eines Vorstellungsgesprächs. Etta nahm ihre Handtasche vom Beifahrersitz.
Sex als Lückenbüßer hinterließ immer einen schlechten Geschmack in ihrem Mund. Aber meine Güte, verführte David James sie tatsächlich dazu, ihre erste Regel als ausrangierte Freundin zu brechen?
»Es freut mich sehr, dass Sie unsere Einladung angenommen haben. Randall schien bisher immer sehr darauf bedacht zu sein, den heimlichen Star in seiner Küche zu verstecken. Weiß er, dass Sie hier sind?«
Etta spürte die Muskeln ihrer Hand zucken, als wollte sie nach ihrem besten Küchenmesser greifen. »Randall hat sich entschieden, seine Energien anderen Höhepunkten zu widmen. Unsere Wege haben sich getrennt.« Tatsächlich war die Einladung genau richtig eingetroffen: einen Tag nachdem sie Randall dabei ertappt hatte, wie er der achso erotischen Maklerin zeigte, wie man »das Fleisch richtig zubereitet«.
Sein Lächeln war fast so blendend wie die Mittagssonne. »Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass mir das leidtut, aber sein Verlust ist definitiv ein Gewinn für uns.« Er zeigte auf den Kofferraum ihres Wagens. »Darf ich Ihr Gepäck übernehmen?«
Sie öffnete den Kofferraum und schüttelte den Kopf. »Kein Bedarf. Ich trage es lieber selbst.«
»Aber nein, da muss ich einschreiten. Mr Schwarz wäre höchst ungehalten, wenn er hörte, dass ein weiblicher Gast von uns so im Stich gelassen würde.«
»Mr Schwarz?«
Nahezu mühelos hob David ihre beiden Koffer aus dem Kofferraum. Etta wusste nur zu gut, dass beide Koffer das Gewichtslimit von Fluglinien überschritten hätten, wenn sie hergeflogen wäre. Sie nahm ihre Messertasche an sich; dieses Gepäckstück vertraute sie niemandem an.
»Er ist der Besitzer von The Cavern. Seiner Familie gehört das Hotel, seit es erstmals eröffnet wurde.«
»Ist Schwarz nicht ein deutscher Name?« Ihre Absätze klackerten auf dem Kopfsteinpflaster. Für ein Hotel in der Hauptsaison war es erstaunlich ruhig hier. Aber vielleicht war ja die Hauptsaison erst im Herbst und Winter. Sie konnte sich lebhaft vorstellen, wie herbstliche Spaziergänger und Skihäschen diese romantische Atmosphäre für sich zu nutzen wussten.
»Ja, sein, Urur-irgendwas war einer der hessischen Soldaten, über die man so viel in den Geschichtsbüchern liest.«
»Das ist ja interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass sie auch so weit im Norden waren.«
Erneut lächelte er breit. »Er ist anscheinend desertiert und wollte nicht nach Deutschland zurück.«
Durch eine niedrige Tür betraten sie das Haus. Etta war zuerst blind, weil es im Innern so dunkel war. Sie schob die Sonnenbrille hoch und blinzelte. Schatten wurden zu Formen. Eine Küche tauchte aus dem Dunkel auf, die jeden Traum eines Liebhabers von Kulinaria erfüllte.
Sie schlug die Hand vor den Mund, um das zufriedene Seufzen zu unterdrücken. Dann stellte sie ihre Tasche auf den Boden. Ihre Finger fuhren über die Edelstahltür der Gefriereinheit, über den kühlen Marmor der Arbeitsfläche und die gusseisernen Töpfe und Pfannen, die neben Kupfersaucentöpfen an der Wand hingen.
»Genügt das Ihren Ansprüchen?«
Sie schnupperte, dann trat sie zu einer Nische, in der sie eine kleines Gewächshaus für frische Kräuter entdeckte. Sie wirbelte auf den Zehenspitzen herum und war so übermütig wie ein kleines Mädchen, dem man die Schlüssel zu Cinderellas Palast überlassen hatte. »Ich hätte mir in meinen wildesten Träumen keine so tolle Küche ausmalen können. Ich habe fast Angst, irgendwo hinzuschauen, weil das, was dort sein sollte, gar nicht mehr da ist. Aber dann stelle ich fest: alles da. Alles ... perfekt.«
David lehnte sich gegen den alten, eichenen Schlachtblock und legte die Hände darauf. Ihre Augen folgten seinen Bewegungen. Er sah ziemlich gut aus. Und die Beule, die sich unter seiner Jeans abzeichnete, bemerkte sie auch. Eine hübsch geformte Beule.
Etta blinzelte und blickte zu ihm auf. Seine Mundwinkel hoben sich, und sie hätte schwören können, etwas Hitziges in seinen Augen funkeln zu sehen. In ihrem Innern entflammte eine Wärme, die sie nur allzu gut kannte. Nur weil sie ihren Blick auf sein Gesicht gerichtet hielt, fiel ihr auf, wie er die Nasenflügel blähte.
Ettas Zunge fuhr über die Lippen. Sie maß seine breiten Schultern mit Blicken. Alles an diesem Mann erregte sie, und sie konnte es sich nicht leisten, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. »Wann beginnt das Vorstellungsgespräch?«
»Was lässt Sie glauben, es habe nicht schon längst begonnen?«
Sie bemerkte den hämischen Tonfall und blickte auf. Er hatte eine Augenbraue gehoben.
»In der Nachricht stand, ich solle eine Mahlzeit zubereiten. Sind denn heute Gäste im Haus?«
»Alle Hotelzimmer bis auf Ihres sind heute Abend leer. Sie sollen vier Portionen eines Drei-Gänge-Menüs zubereiten. Dafür haben Sie bis heute Abend um neun Zeit. Wenn Sie damit fertig sind, lassen Sie die Mahlzeiten hier unten stehen, und das Personal wird Mr Schwarz und seinen Gästen das Essen servieren. Morgen früh wird man Ihnen mitteilen, ob Sie Ihr Probekochen erfolgreich bestanden haben oder nicht.«
Etta blickte ihn ausdruckslos an. Er sollte bloß nicht merken, wie sehr es ihr widerstrebte, ihr Können zeigen zu müssen. »Leidet Mr Schwarz oder einer seiner Gäste an irgendeiner Allergie?«
»Nein, es liegen keine Lebensmittelallergien vor. Die eiweißhaltigen Speisen sollten jedoch so roh wie möglich serviert werden.«
Jetzt runzelte sie die Stirn. »Allein schon wegen des gesundheitlichen Aspekts muss ich die Eiweiße kochen.«
David streckte die Hand nach ihr aus und fuhr mit einem Finger über ihre Stirn und die Wange hinab zum Kinn, ehe er an ihrem Hals verharrte. »Ich bin sicher, Sie finden eine kreative Möglichkeit, Mr Schwarz’ Wünsche zu erfüllen.«
Ihre Sinne zuckten unter der Berührung zusammen. Sie wollte sich jedem Wunsch hingeben, den er äußerte, wollte sich ganz seinem Willen beugen. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich vorbeugte und den leisen Kiefernduft einsog, der einen würzigeren, unbekannten Geruch überlagerte. Er zog sich von ihr zurück, doch der Zauber blieb.
Sie sammelte sich und ging zum Kühlschrank. Sie schaute hinein und überlegte, was sie mit den zur Verfügung stehenden Zutaten kochen konnte. »Ich ... ich werde mein Bestes geben.«
»Da vorne links gibt’s ein Wandtelefon. Sie müssen nur die 1 wählen, wenn Sie eine Frage an mich haben.«
Sie nickte. »Danke, das werde ich tun. Soll ich auch anrufen, wenn das Essen fertig ist?«
»Nein. Sie müssen nur um neun fertig sein. Dann gehen Sie in Ihr Zimmer. Im zweiten Stock, Zimmer 213. Ich bringe Ihr Gepäck schon mal nach oben.«
»Danke.«
Obwohl er so groß war, bewegte er sich geräuschlos. Er hob ihre Koffer hoch und eilte die kleine Treppe zur Haupthalle hinauf. Etta schüttelte die Gedanken ab, die ihr unablässig durch den Kopf gingen. Ihr Blick fiel auf die Uhr, die an der Wand hing. Kurz nach fünf. Sie blies ihren Pony hoch und rieb sich die Hände. »Dann wollen wir mal.«
Etta wischte mit dem Ärmel über die Stirn und platzierte drei Schnittlauchhalme im mit Knoblauch versetzten Kohlrabipüree. Sie schaute ein letztes Mal auf die Uhr. Noch eine Minute. Den Saft von der Schweinelende tröpfelte sie über die Fleischscheiben und stellte die Sauciere beiseite. Ein letztes Mal über den Tellerrand gewischt. Sie warf das Handtuch in Richtung Spüle und verließ die Küche wie befohlen.
Die Stufen quietschten, als sie nach oben eilte. Schimmernde Messingziffern leuchteten ihr am oberen Ende der Treppe entgegen. Zimmer 200. Sie folgte dem schwach beleuchteten Korridor linker Hand. Dort fand sie den für sie bestimmten Raum auf halber Strecke.
»Mist!« David hatte ihr keinen Schlüssel gegeben. Sie umfasste den Türknauf und drehte. Nahezu lautlos öffnete sich die Tür. Sie spähte hinein, schaltete das Licht an und schaute sich um. Niemand war hier. Auf dem breiten Bett lagen ihre Koffer.
Sie schloss die Tür hinter sich und verriegelte sie. Sie wusste nicht, ob sie glücklich sein sollte oder nicht, dass so wenig Gäste zugegen waren. Einerseits müsste sie sich während ihres Vorstellungsgesprächs nur mit dem Management und dem Personal herumschlagen. Andererseits war niemand da, der sie von ihren Gedanken ablenkte. Ein Klopfen hallte durch den Raum. Ihr Herz machte einen Satz.
Sie legte die Hand auf die Brust. »Du meine Güte!«
Sie durchquerte den Raum und schaute durch das Guckloch. Vor der Tür stand ihr attraktiver hoffentlich-bald-Chef. Sein Hemd war am Kragen geöffnet. Etta entriegelte die Tür und öffnete. »Hi David. Alles okay?«
»Soweit ich weiß, ja. Hast du Lust auf einen Spaziergang? Zu dieser Jahreszeit ist es hier herrlich.«
Sie lächelte. »Sehr gerne. Ich suche nur gerade nach einem Pullover.«
Seine Augen funkelten. »Mach dir darum keine Sorgen, es ist draußen noch angenehm warm. Ich verspreche dir, dass du dich nicht erkälten wirst.«
»Lass mir wenigstens Zeit, mich frischzumachen. Ich bin erst vor wenigen Minuten raufgekommen.« Sie zupfte am Saum ihrer Shorts. Nach dem Küchenmarathon fühlte sie sich irgendwie schmutzig.
»Reichen zehn Minuten?«
Etta konnte sich nur mühsam beherrschen, darauf keine zweideutige Antwort zu geben. »Klar.«
»Großartig. Ich warte hier draußen auf dich. Ich wollte ohnehin noch nach einem Zimmer sehen, da war wohl etwas nicht in Ordnung.«
»Dann bis in zehn Minuten.« Sie schloss die Tür.
Mondlicht tauchte die Baumwipfel in silbriges Licht. Sie folgten einem Wanderweg über die Rasenfläche hinter dem Gebäude und in den Wald hinein. Mit jedem Schritt hatte Etta deutlicher das Gefühl, sie würde in eine frühere Zeit eintreten. Eine Zeit, in der all ihre Taten von jeglichen Konsequenzen in dieser Welt befreit waren.
Das Rascheln der Tiere im Unterholz und das Wispern des Laubes unter ihren Füßen erfüllte die Luft. Als der Pfad schmaler wurde, legte David einen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich. Etta kuschelte sich an ihn und ließ sich von der Wärme seines Körpers und dem Geruch seines frischgewaschenen Hemds einlullen.
»Es ist einfach herrlich hier.«
»Es ist auf jeden Fall ein Vorteil, hier arbeiten zu dürfen. Wenn wir zurückgehen, werden Sie schon bald erfahren, ob Schwarz Sie einstellen möchte.«
Etta lachte und neigte den Kopf zur Seite, sodass sie ihn ansehen konnte. »Sie wollen mich also mit der Schönheit des Walds bei Nacht ködern, falls ich versucht bin, das Angebot abzulehnen?«
»Ich bezweifle, dass Sie das Angebot ablehnen würden. Warum wären Sie sonst den ganzen Weg hergekommen, wenn Sie nicht Ihr Leben ändern wollten?«
Sie verzog den Mund und neigte den Kopf. Ja, tatsächlich: warum? Sie hatte das Gefühl, eine unsichtbare Kraft habe sie zu dem geführt, was sie wirklich wollte und brauchte. Und sie war bereit, sich diesem neuen Lebensabschnitt zu widmen. »Das ist ein aufschlussreicher Gedanke und hört sich recht nett an, ja. Erzählen Sie mal. Was sind die anderen Vorteile dieses Jobs?«
Er nahm den Arm von ihren Schultern, hielt aber eine ihrer Hände fest, als sie jetzt eine Lichtung betraten. »Drei Wochen Urlaub im Jahr, drei Wochen bezahlte Krankentage, ein sehr großzügiger Rentenplan und ...« Er blieb stehen. Seine andere Hand streichelte ihr Kinn. Seine Finger fuhren über die empfindliche Haut an ihrem Hals.
Sie schluckte schwer und musste sich räuspern. Die in der Luft liegende Spannung ließ ihre Muskeln träge werden. »Und was?«
»Ich. Und ich vögle dich, wann immer du willst.«
Sie bekam kaum mehr Luft. Sein Blick bohrte sich in ihren. »Das ... Das ist aber verlockend. Was wäre, wenn ich diesen Vorteil schon jetzt nutzen wollte?«
»Ich könnte nicht anders, als dir zu gehorchen.«
David drehte sie um. Seine Finger streichelten ihren Nacken und malten kleine Kreise auf ihre Haut. Die feinen Härchen stellten sich auf. Er schob ihr Haar über die Schulter und legte die Lippen auf ihre nackte Haut. Sie stöhnte und verlor sich vollends in seiner Umarmung. Seine Zähne kratzten über ihren Hals, und sie genoss das Beben, das durch ihren Körper rann. Hart drückten ihre Nippel gegen ihr T-Shirt.
Eine seiner Hände glitt nach vorne und umschloss ihre Brust. Mit Daumen und Zeigefinger zwirbelte und kniff er ihren Nippel.
»Unglaublich, wie heftig dein Körper reagiert. Ich will dich vögeln.«
In ihr zog sich etwas schmerzhaft zusammen. Der Klang seiner Stimme erregte sie ungemein. »Oh ja.«
»Hier, im Dämmerlicht dieses Tages und noch bevor der Mond aufgeht, wirst du mein.«
Etta zog seine Hand, die mit ihrer Brust spielte, dorthin hinab, wo sie ihn am meisten brauchte. Seine Finger tauchten unter den Bund ihrer Shorts und ihres Slips ein. Er rammte sie in sie hinein. Ihre Augen funkelten, der Atem stockte ihr. Helle Lichter flackerten am Rand ihres Gesichtsfelds. Stumm flehte sie, dass sie seinen Ansprüchen genügte und er sie nahm.
David drehte sie herum und zog sie aus. Schon bald stand sie splitterfasernackt mitten auf der Waldlichtung. Seine Hände umschlossen ihr Gesicht, und sie versank in der unendlichen Nacht seines Blicks.
»Ich beanspruche dich vor allen, die hier sind, als mein.« Sein Mund verschlang ihren.
Sie gab sich ihm hin, unterwarf sich und genoss, wie er von ihr Besitz ergriff. Sie umfasste seine Hoden und massierte sie. Seine Lenden rieben sich an ihr. Das Verlangen, ihm dieselbe Lust zu schenken, wie er sie ihr gab, wurde übermächtig. Sie ging in die Knie. Mit den Fingern der freien Hand fuhr sie über die hervortretenden Venen seines riesigen Schwengels.
David fuhr mit der Hand durch ihr Haar. Erst streichelte er sie, dann zog er sie zu sich heran, damit sie genau das machte, was sie tun wollte. Sie streckte die Zunge raus und leckte über die Spitze seiner tiefroten Eichel. Sein Schwanz wippte auf und ab, als würde er zufrieden nicken. Sie leckte ihn von der Wurzel bis zur Spitze und widmete dabei der winzigen Öffnung besondere Aufmerksamkeit. Sein Lusttröpfchen schmeckte herrlich.
»Oh ja, genau so.«
Jetzt schloss sie Finger und Daumen um seinen Schwanz und machte ermutigt weiter. Sie blickte aus halb gesenkten Lidern zu ihm auf. Die Lust verzerrte seine Gesichtszüge und verwandelte ihn zusehends. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Sie genoss die Macht, die sie über ihn hatte.
»Mach schon. Jetzt.«
Gehorsam nahm sie ihn wieder in den Mund. Einen Zoll. Zwei. Bis sie ihn zur Hälfte in ihren Mund und tief in die Kehle aufgenommen hatte. Den Rest melkte sie mit der Hand. Langsam fand sie in ihren Rhythmus.
Eine Hand ruhte an ihrem Hinterkopf, und er bewegte die Hüften im Rhythmus ihrer Bewegungen. Dann änderte sich der Rhythmus plötzlich. In dem Moment, als sie spürte, wie die Muskeln an seiner Schwanzwurzel zuckten und seine Hoden sich zusammenzogen, zog er sich aus ihr zurück.
Er drehte sie herum, zwang sie nieder, bis ihr Kopf den Boden berührte und ihr Arsch in die Luft ragte. Seine Hände strichen über ihren Rücken und zwangen sie, sich ihm vollends zu unterwerfen. Eine Hand ruhte in ihrem Kreuz, die andere lag auf ihrem Hals und drückte sie nieder.
»Du akzeptierst mich als deinen Meister, englische Wikingerrose.« Seine Stimme klang rau und hallte durch die kühle Nachtluft.
»Ja.« Sie vergrub die Finger im Erdreich und wappnete sich für das, was nun kam.
Sein Schwanz drang tief in sie ein. Sobald er vollständig in ihr ruhte, klammerte er sich an sie. Sein Kopf näherte sich ihrem Hals, und die Zähne drückten sich in ihre empfindliche Haut.
Er begann, sie zu ficken. Seine Hand glitt nach vorne, die Finger zupften an ihrer Klitoris.
Etta stöhnte und kam ihm entgegen. Er bremste sie, verweigerte ihr den Orgasmus. Bis er seine Reißzähne tief in ihrem Hals vergrub.
Etta blinzelte. Der Geruch nach verbranntem Salbei flutete ihre Nasenlöcher. Sie kräuselte die Nase und hob eine Hand zu ihrem wunden Hals. David musste da einen verflucht großen Knutschfleck hinterlassen haben. Ihre Finger berührten etwas Nasses.
Sie hob die Hand und erkannte in dem dämmrigen Licht etwas Rotes, Dickflüssiges. Blut. Ihr Blut.
Kein Knutschfleck.
»Mhh. Unsere kleine Taube wacht auf. Wie hast du sie genannt, David? Eine englische Wikingerrose? Das ist eine recht passende Beschreibung.«
»Danke, mein Lord.«
Etta drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme mit dem deutschen Akzent kam. Kerzenlicht und ein Feuer im Kamin ließen sie ein kantiges Gesicht erkennen. Er war gertenschlank und saß bequem in einem Lehnsessel. Zu seinen Füßen kniete David. Seine Hände umschlossen den Schwengel des Sitzenden.
»Wer sind Sie? Und wo bin ich?«
»Ach, so ein kluges Mädchen. Selbst knapp eine Stunde nach ihrer Zeichnung hat sie die Sinne beisammen. Ich bin Anton Schwarz, und du befindest dich in meinem Salon. Hast du noch mehr Fragen?«
Er legte die Finger dachförmig aneinander und drückte sie unter sein Kinn. Sein erigierter Schwanz ragte geschwungen auf und war der einzige Hinweis darauf, dass ihm Davids Liebkosungen gefielen.
Sie hatte das Gefühl, in Gelatine zu schwimmen. Ihre Sinne waren benebelt, und sie konnte sich nur auf das erotische Tableau konzentrieren, das die beiden Männer ihr boten. »Was bist du?«
»Nosferatu.«
Er sagte es so beiläufig, als müsse sie dann automatisch Bescheid wissen. »Ich weiß nicht, was das ist.«
»Noch nie von Max Schreck gehört? Bram Stoker? Dracula?«
»Vampire?« Etta wich zurück. Sie spürte eine Wand in ihrem Rücken. Auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit huschte ihr Blick durch den Raum. Sie musste träumen, schließlich gab es keine Vampire. David hatte sie nicht mit in den Wald genommen, ihr den Verstand rausgevögelt und sie dann gebissen. Das musste sie sich einbilden. Die Erschöpfung nach der Kocherei, genau! Mr Schwarz war ein freundlicher, alter Mann, der gerade das Abendessen genoss, das sie für ihn zubereitet hatte. Richtig?
Schwarz wedelte mit der Hand. Aus dem Schatten tauchten Gestalten auf und umringen die drei. Alle waren nackt, ihre Körper waren muskulös und glänzten im Feuerschein wie eingeölt. Die Erektionen der Männer ragten aus dem Schamhaar hervor, das in den unterschiedlichsten Farben daherkam. Auch bei den Frauen gab es jede nur erdenkliche Haar- und Hautfarbe. Jeder von ihnen hatte in den Mundwinkeln hervorragende, spitze Zähne, die über die Unterlippe ragten. Sie kamen näher, formierten sich zu einem Spalier, an dessen anderem Ende Schwarz saß.
Er kippte etwas Pudriges in das Kohlenbecken, das neben ihm auf dem Tisch stand. Rauchschwaden stiegen auf, drangen ihr in die Nase und erfüllten sie mit einem heißen, würzigen Aroma. Etwas Ähnliches wie Anis war unterschwellig dabei, aber sie konnte nicht genau sagen, wonach dieser Weihrauch vordergründig roch. Nachdem sie den Rauch eine Minute eingeatmet hatte, begann ihr Körper jedoch, sich zu entspannen, und war für Schwarz, David und alle anderen Männer bereit. Die natürliche Angst vor diesen raubtierhaften Wesen schwand. Ihre Nippel pochten, und an ihren Oberschenkeln rann ihr Saft hinab.
»Dir wird eine große Ehre zuteil. Der Zutritt zu meinem Harem ist streng limitiert. David zum Beispiel durfte erst eintreten, nachdem er mir fast zehn Jahre lang gedient hatte.«
Die dunkle Stimme wob einen Zauber und brachte das winzige bisschen Widerspruch zum Schweigen, das sich in ihr noch regte, weil das alles so unnatürlich war. Sie war so fügsam wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde. Nicht mal der Anblick von David, der gehorsam den Schwanz dieses Monsters schluckte und ihn bearbeitete, wie sie es vorhin bei ihm gemacht hatte, konnte sie aus ihrer Trance erlösen. Sie wollte nur noch eines: von ihm beansprucht werden. Sie wollte Teil von ihm werden, wie er bereits ein Teil von ihr geworden war.
»Als Braut meines getreuen Anhängers gehörst du nun auch mir. Komm her.«
Es wäre ihr unmöglich gewesen, diesem Befehl nicht zu gehorchen – genauso gut hätte sie sich dem Atmen verweigern können. Sie erhob sich und schritt durch das Spalier. Hände griffen nach ihr, streichelten ihre Hüften, ihre Brüste, die Arme, den Rücken, die Pobacken.
Schwarz’ Finger fuhren durch Davids Haar. Er riss den Kopf seines Liebhabers zurück. Zwei Blutstropfen rannen an seinem Schwengel hinab. Mit einer Hand umfasste Schwarz ihr Kinn und beugte sich zu ihr hinunter. Sein dunkler Blick bohrte sich in ihre Augen. Ettas Herz flatterte. Hitze flutete ihren Körper, und zwischen ihren Schenkeln sammelte sich Nässe.
»David hat im Wald seinen Anspruch auf dich angemeldet. Und jetzt melde ich meinen Anspruch vor meinem ganzen Harem an. Unterwirfst du dich ihm, unterwirfst du dich auch mir.«
»Ja.«
Seine Lippen legten sich mit schmerzlicher Wucht auf ihre. Zuerst fühlte sie seine Zunge, die rau wie Sandpapier war, und dann erst die tödlich scharfen Zähne, die ihre zarte Haut zerschnitten. Keuchend öffnete sie sich ihm.
Er stieß die Zunge in ihren Mund. Seine Zunge fuhr in ihr hin und her. Wie ein Schraubstock umklammerten seine Hände ihren Kopf und zogen sie zu sich heran. Sie brach vor ihm zusammen. Ihre Brüste ruhten auf seinen harten Oberschenkelmuskeln. Sie suchte Halt auf dem glatten Marmorfußboden. Ihre Augen weiteten sich, als von hinten ein Schwanz in ihre schmerzende Möse eindrang.
Schwarz hielt ihrem Blick stand. Sie gab sich hin. Verzweifelt versuchte sie, demjenigen entgegenzukommen, der sie fickte, weil sie sich danach sehnte, selbst den Gipfel zu erreichen. Schwarz jedoch hielt sie unnachgiebig fest. Die schnellen, heftigen Stöße brachten den Mann hinter ihr rasch zum Orgasmus. Nur wenige Sekunden nachdem der erschlaffte Schwanz aus ihr herausglitt, wurde er durch den nächsten ersetzt.
Etta stöhnte. Dieser hier war dicker als der erste. Sie zuckte, ihre Möse liebkoste den neuen Eindringling. Schwarz unterbrach den Kuss, aber er hielt sie noch immer fest umklammert. Seine Lippen strichen über ihr Ohr. Heiß glitt sein Atem über ihre Haut.
»Sag mir, wie sich das anfühlt? Wie ist es, Männern Lust zu schenken, ohne selbst kommen zu dürfen?«
Er knabberte an ihrem Ohrläppchen. In ihren Adern tobte ein Feuer. Sie strengte sich an, doch der Höhepunkt blieb ihr weiter verwehrt.
»Sag schon.«
»Ich will kommen.« Ihre Finger gruben sich in seinen Oberschenkel.
»Das wirst du, kleine Taube. Wenn du es dir verdient hast.«
Tränen quollen aus ihren Augenwinkeln. Sie wimmerte. Nur eine zarte Berührung ihrer Klit, ihrer Brüste oder ihrer Lippen, und sie käme – doch sie bekam nur dieses leidenschaftliche Stoßen in ihrer Muschi. Sobald einer mit ihr fertig war, kam der Nächste.
Nach dem fünften Mann zählte sie nicht mehr mit. Ihre Nerven wurden von herrlichen Empfindungen überflutet. Erst viel später, als ihre Möse nichts als die dicke Sahne unzähliger Männer enthielt, kam sie wieder zur Besinnung.
Hände streichelten ihren Rücken, die Arme und ihre Flanken. Noch immer mieden sie die erogenen Zonen und streichelten zugleich die Betäubung fort. Sie hoben ihren erschlafften Körper hoch und trugen sie zu einer gepolsterten Plattform. Dort wurde sie ausgestreckt hingelegt. Mit Fell besetzte Handschellen schlossen sich um ihre Handgelenke und Füße. Schwarz schob sich zwischen ihre Beine. Er packte ihre Hüften und hob sie hoch. Jemand schob ihr ein Seidenkissen unter. So lag sie mit geöffneten Beinen vor ihm, nur zu gern bereit, jeden seiner Stöße zu empfangen.
Ihr Blick blieb auf seinen Schwanz gerichtet, der in der Mitte seines Körpers aufragte. Im dämmrigen Licht konnte sie nicht genau sagen, welche Farbe er hatte, aber wenn sie sich nicht täuschte, war er der größte Mann, den sie je in sich aufgenommen hatte.
Sein Kopf drehte sich in alle Richtungen. Er pumpte seinen Schwengel mit der Hand. »Heute Nacht wird unser Harem vollständig. Die eine, auf die wir noch gewartet haben, schließt sich uns an. Durch ihre Verwandlung sind wir alle an sie gebunden und verneigen uns vor ihr.«
»Heil, heil, heil.« Die Rufe vibrierten in ihrem Körper. Ein Zittern erfasste ihren Körper. Sie konnte nur noch daran denken, wie Schwarz sie fickte. Wie er sie für sich beanspruchte und ihre Verwandlung vollzog. Sie wiegte sich in den Hüften. Ihre Schenkelinnenseiten berührten das Haar seiner Oberschenkel.
Er schaute auf sie nieder und knurrte. Sie zeigte ihm die Zähne und fauchte, woraufhin er den Kopf in den Nacken legte und lachte.
»Fick mich!«
Er beugte sich zu ihr hinab und drehte ihren Kopf zur Seite. Ihr Hals lag verletzlich und bloß vor ihm. »Es ist mir ein Vergnügen, kleine Taube.«
Sein Schwanz fuhr in sie, und zugleich grub er die Zähne tief in ihren Hals. Der Orgasmus, der die ganze Nacht unerreichbar gewesen war, überkam sie jetzt und überschwemmte sie mit einer Flutwelle aus Leidenschaft, Blut, Macht und Leben.