Montags geschlossen!

Kristina Lloyd

»Ich finde einfach, es ist nicht moralisch einwandfrei. Das ist alles«, sagte Simeon. »Ich weiß schon, ich bin ein krankes Arschloch. Aber sogar ich habe meine Grenzen.«

»Ach, das ist so süß, Liebster«, murmelte Suzanne. »Grenzen. Das klingt echt reizend.«

»Und ich will nicht mit Vampiren rumhängen, die glauben, dass es in Ordnung ist, so an ihr Blut zu kommen. Es ist einfach widerlich.«

Suzanne gab keine Antwort darauf. Im halbdunklen Licht, das am späten Nachmittag dieses Halloweens herrschte, war sie damit beschäftigt, einem Plastikskelett eine Krawatte anzulegen.

»Findest du nicht auch, Suze?«, hakte Simeon nach.

Suzanne zuckte mit den Schultern. »Blut ist Blut«, bemerkte sie bloß und drehte sich zu ihm um. »Mein Problem ist vor allem der Mangel an Schwänzen.«

»Das kommt erschwerend hinzu«, raunzte Simeon. Er klang reichlich ungehalten. Während Suzanne sich um die Dekoration kümmerte, hing er lasziv und breit in einem elektrischen Wagen und hatte die Beine über die Tür gelegt. Seine schwarzen Haare umrahmten das elfenbeinblasse Gesicht. Die veilchenblauen Augen blitzten wie böse, kleine Edelsteine.

Für ein Paar Schneevampire war Coney Island im Herbst kaum der richtige Ort. Dennoch hatten sie in einer baufälligen, verlassenen Geisterbahn Quartier bezogen, die nie wieder auf große Fahrt gehen würde. Und irgendwie passte das zu Simeon und Suzanne. Tagsüber schliefen sie unter einem aufgemalten Mond in ihrem fensterlosen Theater, während draußen das Laub von den Bäumen geweht wurde und der Müll durch eine kitschige Brache aus verlassenen Karussells, Riesenrädern, Achterbahnen und einstürzenden Spielbuden fegte. Nachts schlüpften die beiden aus ihrem Versteck und machten sich blass, dürr und sterbenselend auf die Suche. Wesen aus dem Geisterhaus, die zu Leben erwachten, um bei Nacht durch New York zu schleichen.

»Christophe hat sich verändert«, bemerkte Suzanne.

»Alles hat sich verändert«, murrte Simeon. »Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ...«

»Ja, ja«, unterbrach ihn Suzanne. »Die gute, alte Zeit, als die Straßen noch mit Spritzen gepflastert waren. Aber das ist normal, Sim. Orte ändern sich. Aber die Vampire? Diejenigen, die du liebst? Sollten die nicht etwas ausgeglichener sein?« Mit ausgestreckten Armen balancierte Suzanne über einen schmalen Balken und beugte sich rasch über eine Grube, in der ein Leichnam in seinem Sarg ruhte. Haut und Klamotten hingen in Fetzen von seinem Leib, während seine Augen aus den Höhlen traten.

»Christophe macht halt gerade eine seiner Charles-Manson-Phasen durch«, erklärte Simeon. »Das hab ich schon mal erlebt. Ich hoffe, er lässt die Phase bald hinter sich, aber du weißt ja, er ist und bleibt ein Vampir. Emotionale Reife ist etwas schwierig für ihn.«

»So viele Frauen«, jammerte Suzanne. Sie hockte sich neben Simeons Wagen. »Das ist ungerecht.«

»Das brauchst du mir nicht zu sagen«, bemerkte Simeon schmollend. Er warf den Kopf zurück, und sein Haar flog nach hinten wie ein seidiger, schwarzer Mantel. »Weißt du, was er letzte Nacht gemacht hat? Er hat ihnen befohlen, sich im Kreis um ihn zu knien, und dann hat er sie nacheinander in den Mund gefickt. Er nennt das seine Schwanzlutscheruhr.«

»Mein Gott«, sagte Suzanne.

»Und es wird noch schlimmer. Offenbar hat er die Angewohnheit, sie zu zwingen, sich nach vorne zu beugen. Du weißt schon, über einen Balken oder sowas? Er zieht ihnen die Klamotten bis zu den Knöcheln herunter, stellt sie in einer Reihe auf und überlegt sich dann, welche von ihnen er ficken will. Er entscheidet danach, wie nass sie sind.«

»Das ist so erniedrigend«, sagte Suzanne.

»Nicht wahr? Ich hab gehört, er marschiert hinter den Frauen auf und ab und schiebt ihnen die Finger in die Möse. Manchmal schreibt er eine kleine Zahl auf ihre Hintern, um sie zu benoten.«

»Ich verachte den Kerl«, sagte Suzanne. »Er benutzt die Frauen doch nur für seine eigene verdrehte, gierige Lust.«

»Ich weiß«, antwortete Simeon. »Er sieht die Frauen nicht als Individuen. Für ihn sind sie nur Öffnungen für seinen Schwengel. Es ist ihm sogar egal, wie sie heißen. Kannst du dir das vorstellen? Er nennt sie alle Schlampe. Komm her, Schlampe. Spreiz deine Beine, Schlampe.«

»Mensch! Ehrlich?«, fragte Suzanne.

»Ja.«

»Das ist so erniedrigend und widerlich.«

»Er sollte sich schämen«, stimmte Simeon ihr zu.

»Richtig geschmacklos.«

»Abscheulich und demütigend.«

Suzanne warf ihm einen schnellen Blick zu. »Aber es ist auch verflucht geil und heiß«, fand sie. »Ich meine: wirklich!«

»Ich weiß schon«, sagte Simeon. »Mir geht’s nicht anders.«

Suzanne wickelte ihr honigblondes Haar um ihre Faust und zog ihren Kopf nach hinten. Als sie den Kopf zur Seite neigte, schob sie die andere Faust zwischen ihre Beine und ließ ihre Hüften kreisen.

»Hey, wollen wir ein kleines Spiel spielen?«, fragte sie mit ihrer verführerisch leisen Stimme. »Du könntest Christophe sein, und ich wäre eine seiner Schlampen, und dann ...«

»Suze«, unterbrach Simeon sie. »Du bist im Moment ständig die Schlampe von irgendwem. Ich hab nichts dagegen, dich hin und wieder zu dominieren, aber findest du nicht auch, wir könnten hin und wieder die Rollen tauschen? Darf ich nicht auch mal die Schlampe sein?«

Suzanne seufzte und ließ ihre Haare los. Sie warf die seidige Fülle nach hinten, als ob sie in einer Shampoowerbung für Untote mitspielte. »Ach, ich glaube, das ginge schon. Das Problem ist nur, dass ich im Augenblick überhaupt keine Lust habe, die Rollen zu tauschen, Süßer. Vielleicht liegt es daran, dass wir wieder in Brooklyn sind, keine Ahnung. Tut mir leid. Ich habe mich beobachtet, weißt du? Hab geschaut, was ich mache, hab meine Sexualität entdeckt und damit auch den größeren Zusammenhang, welche Wirkung diese Sexualität auf die Gesellschaft hat. Na ja, und irgendwie fände ich es eklig, es so zu nennen, aber es war in gewisser Weise schon sowas wie eine ›Reise zu mir selbst‹. Aber eher so in mir drin, verstehst du? Und da habe ich eben auch gemerkt, dass ich die Leute nur beherrschen will, wenn ich sie anschließend töte.«

Simeon schnaubte. »Also gut!« Er schien sichtlich verletzt. »Das ist nun mal der Idealzustand. Aber du könntest mir wenigstens den Gefallen tun, mich zu dominieren, auch wenn am Ende keiner stirbt.«

»Ich glaube, dann fehlt es mir an Glaubwürdigkeit.«

»Pah!«, schrie Simeon. »Glaubwürdigkeit! Verfluchte Scheißglaubwürdigkeit!« Er warf seine schlaksigen Beine nach vorne und sprang aus dem kleinen Geisterbahnwagen auf. Wie ein mechanischer Gruftivampir begann er, auf und ab zu marschieren, allerdings wie ein cooler Gruftivampir, immerhin. »Seit wann machst du dir Gedanken um deine Glaubwürdigkeit?«, wollte er wissen. »Du bist eine Vampirin. Du solltest keine Skrupel haben oder sowas Verrücktes wie Glaubwürdigkeit! Ehrlich, du solltest dich mal hören, Suze. Das klingt echt scheiße, so gefühlsduselig! Du klingst schon fast wie ein Mensch!«

Er blieb stehen und starrte sie an. Sein aschfahles Gesicht hob sich von der Dunkelheit ab wie ein vom Mond beschienenes Blütenblatt.

»Wie ein Mensch?«, rief Suzanne. »Entschuldige mal, aber wer hat denn vor zwei Monaten über die Ethik des Bluttrinkens referiert? Jetzt mal im Ernst, was soll daran ethisch sein?«

»Aber das ist was völlig anderes!«

»Was ist daran anders?«, spottete Suzanne. »Das musst du mir erklären.«

»Weil ... Weil ...« Hilflos schlug Simeon um sich, da ihm die richtige Antwort nicht einfiel.

»Siehst du? Und bei meiner Glaubwürdigkeit geht es darum, dass ich mich meiner Vampirsexualität richtig öffnen möchte«, sagte Suzanne. »Während du dir schon fast in die Hose machst und total verweichlichst, sobald du über die Ethik des Bluttrinkens nachdenkst. Wer von uns beiden klingt jetzt menschlich?«

Simeons Miene heiterte sich auf. »Aber nein!«, rief er und stieß mit einem knochigen Finger in die Luft. »Da liegst du absolut falsch, wirklich! Mein Problem mit dem Blut, also: mein richtiges Problem ist ja, dass man am Ende eines Tages, wenn alles gesagt und getan ist ... Ich finde, es ist einfach nicht besonders vampirgemäß, oder? Es mangelt uns an ... wie lautet das Wort noch mal? Genau, Glaubwürdigkeit. Da gibt’s diesen Sterblichen, der an lebenserhaltende Maschinen gefesselt ist, und dem nehmen sie das Blut ab, und ...«

»Ja, und?«, fragte Suzanne. »Was ist da schon dran?«

Simeon seufzte schwer. »Das machen auch Ameisen mit Blattläusen, Suze. Sie melken sie. Halten die Läuse wie auf einer Farm und melken sie. Wir sind doch keine Ameisen, wir sind Vampire! Ungeheuer! Wir sind böse. Statt die Leute zu melken, sollten wir da draußen herumlaufen und töten.«

Suzanne dachte kurz darüber nach. Dann lachte sie vergnügt. »Weißt du was, Sim? Du hast recht!« Sie streckte die Hand nach oben, und sie klatschten einander ab.

Simeon grinste. »Und dieses arme Schwein«, fuhr er fort. »Was ist das denn für ein Leben für ihn? Er ist ans Bett gefesselt, in allen Körperöffnungen steckt irgendwas, und zudem noch in seinen Adern. Ist ja nicht so, als hätte er einen Hirnschaden oder würde im Koma liegen. Wenn’s so wäre, hätte ich kein Problem damit. Aber der Kerl ist jung und gesund. So eine Verschwendung! Wenn du mich fragst, wäre er tot besser dran.«

Suzannes Blick verengte sich. »Ich dachte, du findest das schick?«

Simeon zuckte mit den Achseln. »Also, du musst zumindest zugeben, dass das Kerlchen lecker ist.«

»Stimmt«, sagte Suzanne. »Also wollen wir ihn dominieren und danach umbringen?«

Simeon lachte heftig. »Du bist verrückt«, gab er zurück, doch in seinen Worten schwang Bewunderung mit. »Der Typ gehört Christophe. Es gibt keine Möglichkeit ...«

»Wir könnten ihn befreien.«

Simeon dachte darüber nach. Während die Idee langsam in ihm Gestalt annahm, wurde sein Blick finster. »Du meinst«, sagte er langsam und gespielt entsetzt, »wir brechen in das Gruselkabinett ein und wagen einen Rettungsversuch?«

»Wieso nicht? Wir könnten tagsüber hingehen, wenn alle anderen schlafen.«

Simeon nickte. »Der Gedanke gefällt mir richtig gut, Baby.«

»Super!«

»Aber stell dir vor, Christophe erwischt uns dabei«, wandte Simeon ein. »Wenn er uns nämlich erwischt, sind wir tot. Zumindest bildlich gesprochen.«

»Dann erzählen wir ihm einfach, wir wären auf der Suche nach mehr Schwanz hergekommen«, schlug Suzanne vor. »Das wird er jedenfalls kaum verdächtig finden.«

Coney Islands verlassene Festwiese, die irgendwo zwischen endgültiger Schließung und Neuaufbau dahindümpelte, erstreckte sich wie ein toter Rummelplatz direkt an der Küste. Im schwachen Sonnenlicht marschierten Simeon und Suzanne in ihren Mänteln und mit Hüten und Sonnenbrillen zwischen den mit Graffiti verunzierten Buden und rostigen Fahrgeschäften hindurch. Sie sahen verlassene Tattoostudios, verrammelte Muschelrestaurants und Fahrgeschäfte, die früher bis in den Himmel gereicht hatten. Irgendwie fühlten sie sich wie die Überlebenden einer nuklearen Katastrophe. Ratten, Kakerlaken und Vampire – mehr hatte nicht überlebt.

»Ich wünschte, wir wären in den Fünfzigern mal hergekommen«, sagte Suzanne. »Stell dir doch mal vor, wie wir hier reiche Ernte hätten halten können.«

»Oh Mann«, seufzte Simeon sehnsüchtig. »Jeder wäre so glücklich und unaufmerksam ... Aber um ehrlich zu sein, ich hadere ein bisschen mit den Fünfzigern. Ich habe nie meinen inneren Teddy Boy gefunden.«

»Ja stimmt, das passte überhaupt nicht zu dir«, gab Suzanne ihm recht.

Die Nervosität drückte die Stimmung der beiden Vampire. Ungewöhnlich schweigsam liefen sie durch die Leere dieser einst so prachtvollen Welt. Christophe, dieser breit gebaute, schöne und schwarze Vampir (nun, eigentlich wirkte er eher gräulich – es war so ein Nichtschwarz), war niemand, mit dem man es sich verscherzen wollte. Er gebot über einen ganzen Harem aus Speichelleckern und Schlampen – Frauen, die ihn begehrten, und Männer, die ihn bewunderten. Sein zunehmender Größenwahnsinn hatte dazu geführt, dass er eine Menge Freunde von sich stieß und nach Coney Island zog, wo er ein verlassenes Gruselkabinett übernahm und dort seine Kommune einrichtete, in der er seine dunklen, blutigen Perversionen auslebte.

Simeon und Suzanne waren zu ihrem großen Missfallen nicht eingeladen worden. Sie bewohnten eine Geisterbahn in der Nähe, aber anscheinend war das die größtmögliche Nähe, die sie zu Christophes Kreisen fanden. Christophe wagte sich selten nach draußen. Er hatte seine Kumpane, die zum Abendessen das eine oder andere Opfer mitbrachten oder – das erzählte man sich zumindest – die ihm lebenserhaltende Maschinen besorgten, als er den Wunsch danach äußerte. Die beiden Vampire, die diese Maschinen besorgten und den Elektrogenerator in Ordnung brachten, hatten sofort Zugang zu Christophes innerem Kreis gefunden. Das war so ungerecht!

»Ich kann mich nicht erinnern, das Schild da vorne schon mal gesehen zu haben, oder?«, fragte Suzanne.

Vor der Holzbude, an der früher die Eintrittskarten verkauft worden waren, stand ein gemaltes Schild. Gruselkabinett montags geschlossen.

Simeon zuckte mit den Schultern. »Welchen Tag haben wir heute?«

Suzanne lachte. »Ach komm, ich glaube, das Gruselkabinett ist seit Jahren jeden Tag geschlossen.«

»Mann, Mann, Mann, Coney Island macht mir echt Angst. Ich weiß überhaupt nicht mehr, was real ist und was nicht.«

»Weiß das irgendwer?«, fragte Suzanne. »Komm, wir gehen hinten rein.«

Sie hatten das Gruselkabinett schon oft genug besucht, um die verschiedenen Schleichwege ins Innere zu kennen. Sobald sie erst mal drin waren und ihre Mäntel und Hüte abgelegt hatten, orientierten sie sich. Es war gar nicht so leicht, sich in dem Durcheinander aus Fluren, Hindernissen und Zerrspiegeln zurechtzufinden. Ein bisschen fühlte es sich so an, als würde das Gebäude ständig seine Struktur ändern und sich drehen. Die Wände schienen näher zu kommen, und ein Gewirbel aus Farben und Formen verwirrte die beiden Vampire.

»Ich sehne mich direkt zurück in die Arktis«, gestand Suzanne. »Da gab es nichts als eine weiße Fläche.«

»Und es gab nichts zu essen«, konterte Simeon. »Wenn ich erst nach Ewigkeiten wieder einen Eisbären sehen müsste, wäre es noch zu früh.«

Simeon durchschritt einen hohen Raum mit Spiegeln und betrachtete das silbrige Glas, das sein Spiegelbild verzerrt zurückwarf. Er glaubte, sich vielhundertfach gegenüberzustehen. »Ich fürchte, mir entgeht, was daran lustig sein soll«, bemerkte er. Gerade stand er vor einem Spiegel, der seine schlanke, elegante Gestalt überhaupt nicht zeigte.

Suzanne ging weiter.

»Wir dürfen einander nicht verlieren!«, zischte Simeon. Er machte einen Schritt zur Seite und stand vor dem nächsten Spiegel. Die Nutzlosigkeit seines Unterfangens amüsierte ihn.

Kurze Zeit später hörte er, wie Suzanne nach ihm rief. »Hier entlang!«

»Wo denn, Baby? Wo muss ich lang?«

»Hier!«

Simeon folgte ihrer Stimme, die in der Ferne verhallte. Er betrat einen düsteren Raum, dessen Wände, Boden und Decke wie geometrische Zebras mit Streifen und Zickzacklinien bedeckt waren. Der Raum wirkte sechseckig. Oder achteckig? Nein, noch schlimmer. Es war ein Dodekaeder, ein Raum mit zwölf Flächen. Oder? An jeder Wand befanden sich dunkle Durchgänge, und Simeon begann leise zu zählen. Aber der Raum schien sich zur Seite zu neigen. War das eine optische Täuschung? Hing die Decke wirklich zur Seite? Und war diese Wand hier tatsächlich geschwungen?

Irgendwo in einiger Entfernung hörte er Suzanne schmerzerfüllt aufschreien.

»Scheiße! Was war das?« Simeon wirbelte herum und bereute es sofort. In gestreiften Räumen sollte man sich besser nicht umdrehen. »Suze? Wo bist du?« Er schlich sich an der Wand entlang und hielt sich mit einer Hand fest, bis das Schwindelgefühl nachließ. »Suze?«

»Schon in Ordnung«, sagte Suzanne. Sie stand links von ihm in einem Durchgang. »Mir geht’s gut, Baby.«

Simeon drehte sich zu ihr um. Ihre Schönheit überrumpelte ihn. Sie wurde von der Dunkelheit hinter ihr umrahmt und wirkte auf ihn wie ein nordisches Schneemädchen in voller weiblicher Pracht. Das Saphirblau ihrer Augen glänzte im Halbdunkel, und ihr Haar strömte in goldenen Wellen über ihre Schultern. Sie trug ein mädchenhaftes Sommerkleid, das mit Kornblumen bedruckt war. Obwohl Simeon das alles schon unzählige Male gesehen hatte, wollte er in diesem Augenblick einfach nur das Kleid nach oben schieben und sie bis in die Hölle und zurück ficken.

»Was ist passiert, Süße?«, fragte er.

»Wir müssen vorsichtig sein. Komm.«

»Sollte ich nicht vorgehen?«, schlug Simeon vor. »Du weißt schon, um dich zu beschützen?«

Suzanne warf ihm einen finsteren Blick zu.

Simeon zuckte die Achseln. »War bloß ein Vorschlag.«

Suzanne ging voran. Die beiden Vampire krochen einen schwarzen Korridor entlang, der rot beleuchtet wurde. Am anderen Ende öffnete sich eine Tür, die in einen Raum führte. Dieser war so grellorange, dass beide zusammenzuckten. Rund um den Raum führte links und rechts ein hölzerner Steg mit Handlauf. Der Steg wurde immer wieder von Stahlwalzen unterbrochen, auf denen man übel wegrutschen konnte.

»Autsch!«, schrie Simeon. Er stolperte über eine der Walzen und klammerte sich an den Handlauf. »Verdammt!«

»Pass bloß mit den Handläufen auf«, warnte ihn Suzanne. »Die sind scharf, und man kriegt einen elektrischen Schock. Tut mir leid, das hätte ich dir sagen sollen.«

Simeon schüttelte seine Hand. »Heilige Scheiße, das ist ja ein Paradies für Sadisten«, sagte er anerkennend. Er schaute sich das Geländer genauer an. Jetzt entdeckte er auch den Metallstreifen, der daran entlanglief. Unwillkürlich stellte er sich vor, wie Suzanne das Gesicht vor Schmerz verzog. Er liebte es, sie leiden zu sehen und zu beobachten, wie sie die Beherrschung verlor, wenn er sie erniedrigte und ihr Schmerzen zufügte. Bei dem Gedanken, wie er sie bedrohte, zuckte sein Schwanz. Er wollte sie zwingen, entweder seinen Schwanz zu lutschen oder den elektrischen Schlag zu spüren, der in ihren Fingerspitzen aufstieg. »Komm her, Suze«, befahl er ihr. »Ich will dich küssen.«

Suzanne drehte sich zu ihm um. Ihre Lippen verzogen sich zu einem wissenden Lächeln, und sie kämpfte sich so schnell wie möglich zu ihm vor. Die Metallwalzen klickten und drehten sich, während Suzanne darüberlief.

»Du bist ja so gehorsam«, flüsterte Simeon. Er zog ihren Körper an seinen. »Nicht wahr?«

Suzanne näherte sich ihm. Sie wollte ihn küssen, aber sie waren beide unsicher auf den Beinen. Simeon packte ihre Haare und hielt sie fest. Er zog ihren Kopf nach hinten und zwang sie, den Hals zu recken. Sie sah fast wie eine Sterbliche aus, die sich ihm darbot. Suzanne verzog das Gesicht und maunzte übertrieben.

»Du kleine Schlampe«, hauchte Simeon. »Kommst Hals über Kopf her, weil du einen Kuss willst.« Sie schwankten auf den Rollen und hielten sich aneinander fest. Ganz langsam leckte Simeon über Suzannes Wange. Die Nässe schimmerte auf ihrer fahlen Haut. »So ein schmutziges, schamloses Mädchen.«

»Nein«, flüsterte Suzanne. »Ich bin ein braves Mädchen, ich schwör’s!«

Simeon leckte ihren Hals und ihre Lippen. Er genoss es, sie zu necken, genoss ihre leisen, frustrierten Laute und das Gefühl ihres Körpers, der in seinen Armen bebte. Sie kämpfte um Haltung, wollte nicht wegrutschen, aber das war gar nicht so leicht. Sie fielen immer wieder gegeneinander, bis Simeon schließlich Suzannes Handgelenk packte und ihre schmale Hand nur wenige Zentimeter über den Metallstreifen hielt.

»Nein!«, jammerte sie und versuchte, gegen seine Umklammerung anzukämpfen. »Das tut weh! Mach das nicht, bitte, du darfst mich nicht durch einen Stromschlag töten!«

»Halt’s Maul«, bellte Simeon und packte fester zu. »Ich tue, was ich will. Du gehörst mir, hast du verstanden?«

»Nein!«, widersprach Suzanne. »Ich flehe dich an, tu mir nicht weh! Bitte! Ich tue alles, was du von mir verlangst.«

»Das weiß ich«, gab Simeon zurück. »Weil du keine andere Wahl hast, stimmt’s? Und jetzt auf die Knie mit dir. Ich will dich mit offenem Mund sehen, wie du für meinen Schwanz bereit bist.«

»Nein!«, heulte Suzanne.

»Willst du lieber unter Strom gesetzt werden, du süßes Ding?«, fragte Simeon. Er zog ihre Hand näher zum Geländer.

»Nein, bitte nicht!«, rief Suzanne und wand sich in seinen Armen. »Keinen Schwanz! Keine Hinrichtung!«

In Wahrheit hatte Suzanne einen unersättlichen Appetit und würde ihn nur allzu gerne so lange tief in ihren Mund nehmen, bis ihre Mandeln wund gescheuert waren. Es machte aber einfach mehr Spaß, wenn sie so tat, als wäre es anders. Besonders dann, wenn sonst keine Unschuldigen zur Hand waren, die man erniedrigen konnte.

»Auf die Knie«, wiederholte Simeon. Er drängte sie zurück, bis beide auf einem hölzernen Teil des Stegs standen. »Sofort!«

Suzanne fiel vor ihm auf die Knie. Sie gab ihr Bestes, auf ihn einen verzweifelten Eindruck zu machen. Mit einem selbstgefälligen Grinsen öffnete Simeon seine Hose. Sein Schwanz sprang hervor. Er war dick und hart.

»Mach den Mund auf«, befahl er ihr in einem beinahe verführerischen Singsang.

Suzanne gehorchte. Sie öffnete sich ihm, und Simeon wollte seinen Schwengel gerade zwischen ihre hübschen, rosigen Lippen stecken, als aus einem Lautsprecher eine Stimme schnarrte: »Das Gruselkabinett ist montags geschlossen!«

Die beiden Vampire sprangen auf.

»Christophe!«, zischte Simeon und steckte seinen Schwanz wieder in die Hose.

»Da liegst du richtig!«, dröhnte die Stimme.

»Ach du Scheiße«, murmelte Suzanne. Sie blickte sich suchend um. Irgendwie schien Christophe sie zu beobachten. »Wo ist er? Ich habe irgendwie ganz vergessen, dass wir eine Mission hatten.«

Simeon runzelte die Stirn. »Was für eine Mission?«

»Na, der Kerl an den lebenserhaltenden Maschinen!«, erinnerte Suzanne ihn mit möglichst leiser Stimme.

»Ach ja, stimmt. Scheiße.«

»Ihr wollt ihn sehen?«, kam Christophes Stimme aus dem Off. Über ihnen öffnete sich eine Falltür, und eine limonengrüne Strickleiter fiel zu ihnen herunter. »Dann kommt hier rauf.«

»Mist«, murmelte Suzanne. »Ich glaube, wir sind aufgeflogen.«

Die grüne Leiter baumelte in einiger Entfernung von der Decke. »Und das ist übrigens keine Einladung«, donnerte Christophe. »Es ist ein Befehl.«

Suzanne blickte Simeon an. »Du zuerst«, sagte sie knapp. »Du weißt schon, um mich zu beschützen.«

»Touché«, gab Simeon sich geschlagen. Rasch setzte er den ersten Fuß auf die unterste Sprosse und hielt sich an der Strickleiter fest, die hin- und herschwankte. Du jagst mir keine Angst ein, Christophe, dachte er. Dann kletterte er nach oben. Aber als er die nächste Ebene erreichte, änderte er rasch seine Meinung. Er kletterte in einen riesigen Raum, der wie das Labor eines verrückten Wissenschaftlers eingerichtet war. Die Beleuchtung erinnerte an eine düstere Disco, überall leuchteten blaue, grüne und rote Lämpchen an geheimnisvollen Apparaturen. Es gab Erlenmeyerkolben, Reagenzgläser und merkwürdige Experimente, die aufgebaut waren und in denen bunte Flüssigkeiten beständig blubberten und rauchten. Ein kleiner, halb sezierter Alien lag in einem Glaszylinder in einer merkwürdigen Flüssigkeit, und neben Simeons Fuß tropfte eine gelbliche Flüssigkeit aus einem Fass, die sich langsam in den Fußboden fraß. Auf dem Fass war ein Aufkleber angebracht: Vorsicht! Giftmüll!

»Hallo!«, rief Simeon ins Leere, weil er niemanden sah.

Stille.

»Hey, hilf mir mal hoch«, hörte er Suzanne hinter sich, die inzwischen auch den Kopf durch die Falltür streckte.

Simeon reichte ihr die Hand. Er entdeckte einen zweiten Raum, der durch eine Glaswand vom Labor abgeteilt war. In diesem dunklen Raum war das Ziel ihrer Mission: der süße Sterbliche, der an die lebenserhaltenden Maschinen angeschlossen war. Simeon hatte vorhin bei seiner Suche nach Christophe bereits einen kurzen Blick in den Glaskasten geworfen. Er vermutete, dass Christophe normalerweise den Blick auf dieses besondere Experiment durch einen Vorhang versperrte.

»Cool!«, meinte Suzanne, nachdem Simeon ihr nach oben geholfen hatte. »Er macht hier Experimente und lebt seine medizinischen Fantasien aus! Ich liebe ...«

»Es sind nicht bloß Fantasien, Suze«, warnte Simeon sie und zeigte zu dem Glaskasten.

»Doch, wenn ihr das wollt, können es Fantasien bleiben«, kam Christophes Stimme aus dem Nirgendwo. Jetzt sprach er nicht mehr durch den Lautsprecher. »Denn wer bestimmt, wo die Wirklichkeit aufhört und die Fantasie beginnt? Vielleicht ist mein ganzes Dasein nur eine Fantasie. Und vielleicht trifft das auch auf euch zu.«

»Oh, um Himmels willen!«, hauchte Simeon atemlos.

Etwas traf mit einem Knall auf den Fußboden. Sie fuhren herum. Am anderen Ende des Raums hockte Christophe, gerade so, als wäre er eben erst aus großer Höhe gesprungen. Grinsend kam er auf die beiden zu. Er erinnerte Suzanne merkwürdigerweise an einen brutalen, schwarzen Kosaken mit seiner nackten Brust und den fellbesetzten Stiefeln, die er zu der kurzen Hose trug. Sein Haar war kurz geschnitten und wirkte wie ein Schatten auf dem Schädel, wohingegen der kleine Ziegenbart sauber gestutzt war. Seine Haut hatte die Farbe von verdorbener Schokolade, und die dunklen Muskeln, die sich unter der blutlosen, gräulichen Haut bewegten, kündeten von seiner Kraft. Auf einen bräunlichen Arm waren Flammen tätowiert, die zur Schulter hinaufzüngelten. Seine Brust war dicht behaart, sein Bauch war ein richtiges Waschbrett. Um den Hals trug er geradezu trotzig ein großes Silberkreuz.

Simeons Schwanz wurde hart.

»Schön, euch zu sehen, Freunde«, begrüßte Christophe sie. Er klatschte Simeon ab, ehe er sich an Suzanne wandte. Es herrschte diffuses, beinahe rötliches Licht im Labor, und ein wilder, violetter Glanz umgab Christophes Körper.

Ehe Simeon etwas erwidern konnte, packte Christophe sein Haar und schob ihm seine dicke, unnachgiebige Zunge in den Mund. Sein Kuss war innig, seine dicken Lippen schienen zu pulsieren, und sein Bart kratzte Simeons empfindliche Haut. Die ganze Zeit hielt er Simeon fest und ließ seine Kopfhaut kribbeln, als würde jemand ihn mit tausend spitzen Nadeln quälen.

Als sie sich voneinander lösten, grinste Christophe, wohingegen Simeon wie erstarrt war. Suzanne glotzte bloß. »O Gott«, sagte sie schwach. »Ich liebe es, Männern beim Ficken zuzusehen. Macht weiter, bitte!«

Christophe lachte auf. »Das hier ist kein Wunschkonzert, Süße«, sagte er und ging zu ihr herüber. »Und es ist auch kein Lustschloss. Wir sind hier nicht in einem verdammten Film! Es geht hier nur um mich, hörst du? Um mich! Mich und meinen Schwanz, um genau zu ein. Mich interessiert es nicht, ob du gerne zuguckst. Du interessierst mich einen Scheiß. Verstanden, Süße?«

Christophe öffnete seine Hose.

Suzanne lächelte nervös und leckte sich die Lippen.

»Und jetzt lutsch meinen Schwanz, du Schlampe. Zeig mir, dass du mich verstanden hast.«

Simeon wäre jetzt eingeschritten, um Suzannes Ehre zu verteidigen. Allerdings wusste er genau, dass sie keine hatte. Außerdem: Wenn er sich jetzt Christophe in den Weg stellte, war es gut möglich, dass er den nächsten Morgen nicht mehr erlebte. Der Typ war doppelt so groß wie er, doppelt so breit und hatte eine Ausstrahlung, die so heiß war, dass es schmerzte.

Suzanne sank vor Christophe auf die Knie. »Laut und deutlich verstanden.«

Simeon pochte vor Lust, während er beobachtete, wie Christophe seine Hände in Suzannes Haar vergrub. Seine Oberarme spannten sich an, als er sie festhielt. Langsam und effekthascherisch schob er seinen Schwanz in ihren Mund. Er genoss sichtlich die Macht, die er über sie erlangt hatte. Suzanne legte den Kopf in den Nacken und nahm ihn tief in sich auf. Sie blickte zu ihm hoch, als wollte sie von ihm darin bestätigt werden, wie gut sie es machte. Aber Christophe reagierte nicht darauf.

»Das gefällt dir, stimmt’s?«, fragte er, gerade so, als würde er ihr einen Gefallen tun.

Suzanne nahm ihn immer tiefer in ihren Mund und bewegte sich schneller, bis Christophe sie schließlich bremste. Er umklammerte ihren Kopf mit beiden Händen und begann nun, seinerseits in sie zu stoßen. Immer heftiger wurden seine Stöße, seine schmalen Hüften stießen in ihr Gesicht, und das silberne Kreuz auf seiner Brust funkelte im schwachen Licht. Suzanne prustete und verschluckte sich einmal, sie hob in einer verzweifelten Geste die Hände, als wollte sie sich ergeben. Aber sie kniete vor ihm, und Simeon wusste genau, wie sehr sie es genoss, hart rangenommen zu werden.

Er stand derweil etwas verloren neben den beiden und hatte einen knochenharten Schwengel in der Hose. Simeon war unglaublich neidisch.

»Willst du auch meinen Schwanz schlucken?«, fragte Christophe und wandte sich halb zu ihm um, ohne seine Bewegungen zu unterbrechen. »Hm? Willst du auch meinen Schwengel schmecken, Kleiner?«

Bei der Bezeichnung »Kleiner« stutzte Simeon – er war immerhin schon fast dreihundert Jahre alt! –, aber inzwischen war er so geil, dass er sich nicht in seiner Würde verletzt fühlte, solange er nur seine Lust stillen durfte.

»Ich heiße Simeon«, sagte er bloß kalt und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. »Du kennst mich, Christophe. Und du weißt genau, dass ich immer einen Schwengel schmecken will.« Er warf seine schwarzen Locken nach hinten und lächelte gequält. »Ein Glück für dich, weil ich nicht besonders wählerisch bin.«

»Dann knie dich hin, du Schlampe«, knurrte Christophe.

»Und was passiert, wenn ich’s nicht tue?«, forderte Simeon ihn heraus.

Christophe bewegte sich – wie es für Vampire typisch war – unglaublich schnell. Sein Arm verschwamm sogar vor Simeons Augen, und ehe er sich versah, lag er am Boden.

»Nichts passiert dann«, meinte Christophe bloß.

»Scheißkerl«, blaffte Simeon. Seine derangierten Haare hingen halb über sein Gesicht, und als er sich wieder auf Hände und Knie erhob, wirkte er urtümlich und wild. Wie ein Wesen, das aus dem Dunkel des Waldes aufstieg.

»Hier ist mein Wort Gesetz«, sagte Christophe. »Hast du das verstanden?«

Simeon blickte zu ihm auf. Verflucht, war dieser Mann geil. Sein Körper war so groß und kräftig, dass er wie eine Maschine wirkte, die in allem auf Leistung ausgelegt war. Seine graubraune Haut bedeckte stählerne Muskeln und Schaltkreise statt des abscheulichen Verlangens, das die Untoten immer wieder übermannte. Sein Schwengel, der von Suzannes Mund feucht glänzte, ragte aus seiner Hose hervor und war von einem violetten Hauch überzogen. Ein riesiger Schwanz. In dem Halbdunkel glitzerten Christophes Augen gefährlich.

Simeon kroch neben Suzanne. Er war erregt und hatte Angst. »Ich bin bereit, es mal zu versuchen«, sagte er leichthin, wie ein Mann, der von Christophes Worten unbeeindruckt war.

Christophe kicherte leise und tätschelte Simeons Wange. Es war kaum mehr als ein züchtigender Klaps, aber die Hand klatschte laut vernehmlich.

»Autsch! Was soll denn das?«, beschwerte sich Simeon und befühlte seine Wange.

»Schlag mich!«, rief Suzanne und hielt ihm ihr Gesicht hin. »Schlag richtig heftig zu, ja?«

Christophe ignorierte ihre Bitte. Stattdessen befahl er: »Macht eure Münder auf, ihr Schlampen. Ich will mal sehen, wie gut ihr Schwänze lutschen könnt. Wer ist wohl der Bessere von euch beiden, hm? Wer von euch kleinen Schneehündchen darf wohl meinen Saft schlucken?«

»Ich habe ihm alles beigebracht, was er kann«, sagte Suzanne eilig und warf Simeon einen Seitenblick zu.

»Halt die Klappe und schluck ihn«, knurrte Christophe. »Beide. Und macht die Augen zu. Ich habe noch eine Überraschung für euch.«

»Auf keinen Fall«, widersprach Simeon. »Ich mach die Augen nicht zu. Suze, du auch nicht. Ich trau dem Idioten nur, so weit ich ihn werfen ...«

»Mach. Deine. Blöden. Augen. Zu«, befahl Christophe. Die beiden Vampire gehorchten. »So ist’s schon besser. Und jetzt streckt ihr die Zungen raus wie kleine, brave Hündchen. Hände nach oben! Höher! Bettelt mich ruhig ein bisschen an.«

Simeon und Suzanne bettelten.

»Wirklich süß«, befand Christophe. Er streichelte Simeons Kinn.

Simeon verkrampfte sich. Er war verzweifelt, er wollte einen Blick auf das erhaschen, was Christophe mit ihnen vorhatte, oder wenigstens die Zunge wieder in den Mund ziehen. Er wollte irgendwas tun, um sich nicht mehr so verletzlich, dumm und verängstigt zu fühlen. Zugleich wollte er aber genau so verharren, weil es sich so verdammt geil anfühlte, verletzlich, dumm und verängstigt zu sein. Es war ein zerbrechliches Gleichgewicht, in dem er balancierte. Je realer die Angst wurde, umso mehr erregte ihn das Spiel. Aber wenn man es zu weit trieb, wurde die Lust von der Angst geradezu erstickt.

Aber um ehrlich zu sein, kam es auch darauf an, auf welcher Seite man stand. Simeon wusste nur zu gut, wie herrlich es sich anfühlte, jemanden vor sich zu haben, der einen um sein Leben anflehte. Verdammt, er konnte stundenlang dabei zusehen, wie jemand um Gnade flehte. Und er hatte keinen Zweifel, dass es Christophe ebenso ging. Es war eine Schande, dass sie es sich mit Christophe verdorben hatten, zumal Simeon nicht wusste, wie das passiert war. »Haben wir was Falsches gesagt?«, hatte er Suzanne gefragt. Aber ihnen war nichts eingefallen. Es kam ihm so vor, als wären sie völlig grundlos in Ungnade gefallen. Christophe konnte ganz schön launisch sein.

»Ein kleiner Leckerbissen für euch«, sagte Christophe.

Simeon hörte, wie ein Reißverschluss geöffnet wurde, und spürte Christophe, der an irgendwas herumfummelte. Dann spürte er überrascht eine Flüssigkeit, die auf seine Zunge traf. Nachdem er den Bruchteil einer Sekunde ängstlich zurückzucken wollte, schmeckte er, was es war. Blut! Herrliches Blut! Er hatte es kaum schmecken dürfen, als es ihm schon wieder entzogen wurde und er neben sich Suzanne lustvoll seufzen hörte. Dann rann die Flüssigkeit wieder in seinen eigenen Mund, floss über seine Zunge, und der vertraute, kupfrige Geschmack erfüllte seine Kehle. Christophes Schwanz tippte gegen seine Lippen, und gehorsam nahm Simeon seine Spitze in den Mund. Er leckte das Blut ab, das offenbar aus seinem Schwengel floss. Es war kälter als das Blut von einem frisch erlegten Opfer, aber: Es war Blut. Und es schmeckte süßer, besser und weicher als alles, was er je geschmeckt hatte.

Als Suzanne erneut aufkeuchte, riskierte Simeon aus einem halb geöffneten Auge einen Blick. Christophe hielt seinen Schwengel gegen ihren geöffneten Mund. An seinem Unterleib war ein Plastikbeutel befestigt, und durch einen kleinen Schlauch ließ er das Blut über seinen Schwengel rinnen. Es tropfte von seinen Fingern. Als er in Suzannes Mund eindrang, rannen blutrote Bäche über ihr Gesicht und versickerten in ihrem Haar.

Dann drehte Christophe sich wieder zu Simeon um. Es war, als würde er sie mit Blut anpinkeln. Simeon kniff die Augen fest zu und schluckte gierig.

»Das ist ein geiles Zeug«, hörte er Suzanne sagen. »Es schmeckt so intensiv, dass ich davon geradezu berauscht werde.«

Sie hatte recht. Was war so besonders an diesem Zeug? War es Menschenblut? Maschinell hergestelltes? Hatte man das faulig schmeckende künstliche Bluod weiterentwickelt, das sie während ihrer Zeit in der Arktis hatten trinken müssen? Aber im Moment war es Simeon herzlich egal, woher das Zeug kam, solange es nur weiter in seinen Mund floss. In seinen Adern breitete sich ein so herrliches Gefühl aus, dass es nicht schlecht sein konnte.

»Das gefällt euch, hm?«, fragte Christophe und schwang wieder zu Suzanne herum.

»Oh Mann«, zischte Simeon. »Ich liebe es, verdammt! Ich fühl mich high, so verdammt high. Heilige Scheiße, ich fühle mich, als könnte ich die Welt erobern. Ich könnte ... ja, ich könnte jedes Lebewesen ficken. Mein Schwengel ist so hart, ich könnte mich direkt in eine Orgie stürzen und ...«

»Das ist der letzte Tropfen«, unterbrach ihn Christophe.

Simeon schluckte hart. »Mehr«, bettelte er.

»Ja, mehr«, flehte Suzanne. »Bitte, gib uns mehr.«

»Ihr könnt es an euch schmecken«, sagte Christophe. »Da ist noch eine Menge zu holen.«

Simeon blickte Suzanne an. Ihr Mund und ihr Kinn waren blutverschmiert, ihr goldenes Haar von einem dunklen Violett und dunklem Rot übergossen. Sie erwiderte den Blick, und in ihren Augen lag etwas Gieriges. Dabei waren ihre Augen so unnatürlich hell, wie sie es nur wurden, wenn sie kurz davor stand, jemanden umzubringen. Und es stimmte tatsächlich. Da war noch mehr Blut.

Die beiden Vampire stürzten sich aufeinander und küssten sich mit animalischer Wut. Sie klammerten sich an die Haare des anderen, ihre Zungen fuhren haltlos über die Gesichter und erforschten einander, bis sie auch die letzten Spuren des Blutes aufgeleckt hatten. Als ihre Münder gereinigt waren, kämpften und jaulten sie, weil sie die Blutflecke vom Gesicht des anderen lecken und aus den Haaren lutschen wollten.

»Ihr habt da etwas vergessen«, meinte Christophe gelangweilt und zeigte mit dem Stiefel auf den Fußboden.

»He, das gehört mir!« Suzanne ging in die Knie und fuhr mit der Zunge über die zersplitterten Fußbodenbohlen. Um noch den letzten Tropfen zu erwischen.

»Du Schlampe!«, schrie Simeon und versuchte, sie am Haar wegzuziehen. »Gib mir was ab!«

»Braver Junge«, unterbrach Christophe ihn. »Halt sie genauso fest wie jetzt. Höchste Zeit, dass sie’s mal ordentlich besorgt kriegt.«

»Geh von mir runter!«, keuchte Suzanne und kämpfte gegen Simeons Griff. »Ich seh da noch was. Da vorne neben dem ...«

»Du gierige ...«

»Wenn ihr macht, was ich euch sage«, fuhr Christophe ungerührt an Simeon gewandt fort, »werde ich euch mit mehr Blut belohnen.«

»Ich mach’s!«, rief Simeon. »Ein Wort von dir, und ich mache alles, was du willst.«

»Dann hilf mir, sie aufzuspießen«, befahl Christophe. »Schieb ihr den Schwanz in den Mund, während ich ihre Möse ficke. Wir können ...«

»Und dann bekomme ich noch mehr Blut?«, fragte Simeon.

»Aber sicher«, versprach Christophe.

»Und was kriege ich?«, jammerte Suzanne.

»Du wirst gevögelt«, erwiderte Christophe ungerührt.

»Aber das ist ungerecht. Er bekommt Blut und meinen Körper, und ich werde bloß ...«

»Klappe«, fuhr Christophe dazwischen. »Stopf ihr das Maul, Bruder. Sie redet für meinen Geschmack zu viel.«

Mit einem hämischen Grinsen öffnete Simeon seine Hose und holte seinen Schwanz heraus, den er zwischen Suzannes Lippen schob. Noch immer hielt er ihre Haare fest und rammte ihn ihr tief in den Mund. Das kam für sie so plötzlich, dass Suzannes Augen leicht hervortraten.

»Das gefällt dir, was?«, neckte er sie und schob sich tief in ihren warmen, feuchten Hals.

»Guter Junge«, wiederholte Christophe. »Jetzt wollen wir mal sehen, wie sie sich windet, wenn ich ihr meinen Schwengel in die Möse ramme.«

Simeon drehte Suzanne so, dass Christophe leicht in sie eindringen konnte. Sie hob ihm ihr Hinterteil entgegen und stöhnte bereitwillig. Ihr Seufzen rann zittrig über Simeons Schwengel.

»Oh Mann«, sagte er, und noch einmal: »Oh Mann!«, weil er jetzt beobachten konnte, wie Christophe sich hinter Suzanne kniete, ihren Kornblumenrock hob und das Höschen nach unten zog, ehe er seinen riesigen, steifen Schwanz zwischen ihre Schenkel schob. Einen Moment schienen sie in ihren Bewegungen zu erstarren. Das rötliche Dämmerlicht ließ Christophes Oberkörper aufflammen. Er sah aus wie eine in Zinn getauchte Statue, das Sinnbild der Perfektion. Ein aus Metall erschaffenes Ungeheuer.

Dann trieb Christophe seinen Penis in Suzanne, und mit dieser Bewegung erwachte sein Körper zu Leben. Das silberne Kreuz baumelte an der Kette um seinen Hals. Mit dem ersten Stoß wurde Suzanne nach vorne gestoßen, und Simeons Schwanz wurde tiefer in ihren Hals gerammt. Sie stöhnte laut und gedehnt, und das Beben ihrer Halsmuskeln umschmiegte Simeons Schwanzspitze.

»Los geht’s!«, rief Christophe.

Die Männer fanden schnell in einen gemeinsamen Rhythmus. Christophes Fick drängte Suzanne, Simeon immer tiefer in sich aufzunehmen. Sie stöhnten allesamt, während sich die Lust allmählich steigerte.

»Besorgt sie’s dir ordentlich?«, fragte Christophe. Er vergrub die Hand in Suzannes Haaren. »Du besorgst es meinem Bruder richtig gut, oder?«

Simeon und Suzanne stöhnten gleichzeitig auf. Oh ja, das hier war richtig gut. Alles war gut, so verdammt gut.

»Dann nimm das.« Christophes Hand legte sich von vorne auf Suzannes Scham, und er begann, ihre Klit zu massieren.

Erneut stöhnten die beiden Schneevampire mit einer Stimme auf. Suzannes Erregung befeuerte Simeons. Das merkwürdig süße Blut, das noch immer durch seinen Körper kreiste, schien jede seiner Empfindungen zu verstärken und löste in ihm ein Beben aus, das er nicht verstand. Der Klang von Christophes Stimme wurde von Suzannes leisen Schreien umschlossen, ein herrlicher Bass, der von dem Hauch eines Engels umschlossen wurde und in seinem Kopf wie in einer hohen Kathedrale widerhallte und sich zu einer Hymne vermischte. Sein geschwollener Penis wurde von diesem herrlich nassen und kräftigen Mund massiert, und er drohte, vollends in diesem Gefühl zu versinken. Im Gegenzug war der Anblick von Christophe, wie er im roten Licht hinter Suzanne kniete und sie fickte, ein Bild der absoluten Perfektion. Seine Muskeln spannten sich unter der dunklen Haut an und trieben seinen Schwengel heftig in Suzanne hinein.

Oh Mann, war das gut. Simeon spürte, wie er nicht nur der Vollendung seiner Lust entgegenstrebte, sondern zugleich zusehen durfte, wie die beiden anderen sich immer schneller in diese lustvollen Höhen begaben. Schon nach wenigen Minuten, als er Suzannes Orgasmus spürte, wurde sein Stöhnen immer lauter, und seine Lust wurde durch ihre verstärkt. Um seinen Schwanz wurde ihr Atem abgehackt und kam in Stößen, und sie war mit dem Mund nicht mehr so geschickt, was sie aber für ihn nur begehrenswerter und das Erlebnis umso lustvoller machte.

»Du heiße, kleine Schlampe!«, keuchte Simeon. »Mit zwei Schwänzen ordentlich vollgestopft, du gieriges, kleines Mädchen.«

Sogar während er sprach, wusste Simeon, was er in Wahrheit sagen wollte. Mann, aber ich liebe dich so sehr, Suze. Es war nichts Besonderes. Er hatte ihr schon oft gesagt, wie sehr er sie liebte. Er liebte sie, weil sie ihn nahm, weil sie ihm viel gab und weil sie es immer wollte. Suzanne war untrennbar mit Sex, Perversion und großem Hunger auf beides verbunden. Wenn man selbst dieses Verlangen tief in sich spürte und dann seinem Seelengefährten begegnete, dann sorgte man gefälligst dafür, dass man zusammen blieb. Vor allem, wenn beide ewig lebten. Man glaubt gerne, dass Sex einfach etwas ist, das man einfach tut – wie man ein Hobby betreibt. Aber Simeon und Suzanne wussten es besser. Sex war etwas, das man lebte.

»Billige, kleine Hure«, knurrte Simeon und vergrub sich noch tiefer in ihr.

»Mach weiter so«, forderte Christophe ihn auf. »Komm schon, Süße, komm für deine Männer. Komm, du Schlampe.«

Suzannes eifriges Stöhnen bebte um Simeons Schwanz. Dann heulte sie plötzlich laut auf, sie zuckte und buckelte, während sie kam. Simeon stand selbst kurz vorm Abspritzen, und er wäre ihr bestimmt innerhalb weniger Sekunden gefolgt, wenn Christophe sich nicht in diesem Moment aus Suzanne herausgezogen hätte.

»Nimm mich schon, Bruder«, forderte er ihn auf.

Christophe stand jetzt breitbeinig über Suzanne und schob sich näher an Simeon heran, der nach unten ging und bereitwillig den Mund öffnete, um Christophes harten, wunderschönen Schwanz zu schlucken.

»Das ist geil«, befand Christophe. Er stand stolz vor ihm, hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt und fuhr in Simeons Mund. Simeon glaubte, er sei gestorben und befände sich im Himmel. Er hatte nicht nur einen Schwanz im Mund, sondern zugleich wurde auch sein Schwanz gelutscht. Zu diesem Zeitpunkt glaubte er nicht, vom Leben noch irgendwas zu wollen. Als Christophe sich seinem Höhepunkt näherte, stand auch Simeon kurz davor, und nur Sekunden nachdem Christophe stöhnte und seinen salzigen Saft in Simeons Mund verströmte, gab er Suzanne dasselbe. Die Erleichterung durchströmte ihn und quetschte das letzte Bisschen seines Spermas aus seinen Eiern, während er, Christophes Schwengel immer noch im Mund, stöhnte. Er schmeckte nach Torf, verbrannten Reifen und dunklen, verlassenen Schiffswracks.

Als Christophe sich zurückzog, hob er die Hand, damit Simeon einschlug. »Erste Sahne, Alter!«

»Absolut!«, bestätigte Simeon und schlug ein.

Suzanne sank zu Boden und rollte sich auf den Rücken. Sie streckte die Arme zur Seite. »Meine Güte, seid ihr heiß! Ehrlich!«

Simeon hockte sich neben sie und strich ihr das verschwitzte Haar aus dem geröteten Gesicht, ehe er sie dankbar auf den Mund küsste.

»Und dieses Blut ...«, fing Suzanne an.

»Ja, was zum Teufel ist das für ein Zeug?«, wollte Simeon wissen. »Ich würde uns gerne was davon besorgen.«

»Nicht mal ein Cracksüchtiger gibt mir so einen Kick«, fügte Suzanne hinzu. Ihre Finger spielten verträumt mit Simeons Hand.

Christophe streichelte seine Erektion, die langsam zusammenfiel. »Das Blut kommt von unserem Freund da drüben«, sagte er und zeigte auf den zweiten Raum, wo der süße Junge zwischen den Maschinen lag. »Mr. Tube.«

»Wow. Hast du ihn unter Drogen gesetzt?«, fragte Suzanne.

Christophe schüttelte den Kopf. »In seinem Blutkreislauf ist nichts, das wir ihm nicht geben. Salze, Essen, einfach alles, um ihn am Leben zu erhalten. Er ist nur ein verdammt heißer, ethnischer Mix. Ist was Typisches hier in New York.«

»Du meinst, die Stadt ist voll mit Typen, die so lecker schmecken?«

»Nee«, widersprach Christophe. Er schloss seine Hose und lehnte sich gegen ein Fass. In aller Ruhe begann er, sich einen Joint zu drehen. »Der Geschmack ist echt selten, und keiner weiß so genau, was in dem Typen drin ist. Zwei Teile armenisch, ein Teil kubanisch, zwölf Teile schottisch, sowas in der Art.«

»Lecker. Hat das Kerlchen Geschwister?«, wollte Simeon wissen.

Christophe zuckte die Achseln. »Glaub mir, wir suchen ja nach anderen, und echt, das ist nicht leicht. Wir haben eine Cousine gefunden, aber sie war nicht annähernd so gut, weshalb wir sie einfach nur ausgeblutet haben. Ich behalte ihn derweil hier. Wir haben einen Krankenpfleger hier, der die Tropfgeschwindigkeit richtig einstellt. Hat eine Weile gedauert, bis wir das richtige Gleichgewicht gefunden haben, wenn ihr versteht, was ich meine. Man kann nur so viel abzapfen, wie er produziert. Aber inzwischen melken wir ihn regelmäßig, nehmen kleine Blutmengen, die aber von guter Qualität sind. Er wird dadurch trotzdem geschwächt. Und er ist inzwischen schier verrückt und total sauer auf uns.« Christophe lachte. »Montags gönnen wir ihm immer eine Pause, dann wird er von der Maschine genommen, wir versorgen seine Wunden und erteilen ihm eine kleine Lektion. Ihr wisst schon, wir gucken, ob alles noch funktioniert, und quälen ihn ein bisschen.«

»Cool«, bemerkte Suzanne. »Ich glaube, ein paar Leute sind einfach zu gut, um sie umzubringen. Folter ist da viel eleganter.«

»Mann, das würde ich gerne mal miterleben«, seufzte Simeon.

Christophe leckte über die gummierte Lasche seines Zigarettenpapiers und verschloss den Joint. »Hab gedacht, ihr Typen fahrt voll auf den synthetischen Scheiß ab«, bemerkte er leicht angewidert. »Hab gehört, das habt ihr da draußen im Norden gemacht.«

»Bäh! Ekliges Bluod«, sagte Suzanne. »Das Zeug schmeckt ranzig. Ich musste meins mit Zucker strecken.«

»Ja, und das nur, weil wir sonst verhungert wären«, wandte Simeon ein. »Gib mir jeden Tag einen Sterblichen, und ich bin glücklich. Bluod ist der letzte Scheiß.«

Christophe grinste zufrieden. Bläulicher Rauch stieg von seinen Lippen auf, ehe er eine große Rauchwolke ausstieß. »Dann willkommen daheim, Freunde! Verdammt, ich habe echt gedacht, ihr wärt richtige Weicheier geworden. Ich hab schlicht keine Zeit für diese neue Sorte Vampire, die ständig über Moral und Ethik schwadronieren. Alter, kümmer dich selbst um dein Blut, denke ich dann immer. Du bist schließlich Vampir! Daran wirste nix ändern können, also geh da raus, und bring einen um.«

»Genau!«, stimmten Simeon und Suzanne ihm zu.

»Ihr wollt also gern bleiben und mit meinem kleinen Haustier spielen?«, fragte Christophe.

»Oh ja, lass mich mit ihm spielen.« Simeon nahm den Joint von Christophe entgegen.

»Fleht er um Gnade?«, fragte Suzanne.

»Aber sicher«, versprach Christophe ihr. »Er bettelt und fleht und jammert. Und eins sage ich dir, er ist auf jeden Fall richtig heiß. Sein Schwanz ist steinhart, und er macht total erregende Geräusche. Aber ihr wisst ja: Im Gruselkabinett hört niemand deine Schreie. Besonders dann nicht, wenn es geschlossen ist.«