Madeline Moore
Er erinnerte sich, dass er träumte.
Oder träumte er, dass er sich erinnerte?
Sie war klein und hatte einen wunderbaren Körper. Ihre Augen waren leuchtend wie die eines Neunauges. Sie betrauerte den Tod von zwei heldenhaften Liebhabern. Er war einfach nur erschöpft – alles wurde ihm zu viel. Sie trösteten einander mit Lust und Liebe. Sie versprachen einander süßes Vergessen.
Als ihr Körper erkaltete, brachte er eine Schlange in ihr Bett, die ihr schlangengleiche Lügen erzählte. Ihre Zofe und zwei Diener, denen sie vertraute, schafften ihren Leichnam fort, damit sich niemand daran verging. Er nahm die Schuld auf sich und wurde aufs Grausamste bestraft. So fand er den Tod.
So fanden sie beide Ruhe, und jeder heilte auf seine Weise. Aber es dauerte unendlich lange.
Als Charles Lomax sieben war, schloss sein Geschichtslehrer das Kapitel Steinzeit und öffnete das Kapitel Altes Ägypten. Der junge Charles lernte viel über die jährlichen Fluten des Nils und darüber, wie man den Shaduff für die Bewässerung einsetzte. Das alles fand er sehr interessant. Aber dann blätterte er eine Seite weiter in seinem Geschichtsbuch und war auf der Stelle fasziniert.
Hieroglyphen! Sie ergaben so viel Sinn ... Zuerst dachte er, dass er nicht mal die Sprache lernen müsse, um die Bildersprache lesen zu können. Später erst fand er heraus, dass es wohl ein bisschen komplizierter war.
Es blieb jedoch faszinierend.
Mit seinen Englischstudien war er den anderen bereits voraus und machte sich auch in Französisch und Deutsch recht gut. Aber von diesem Tag an war er geradezu besessen – von den Sprachen und der Archäologie. Ein Lehrer bemerkte, es sei nicht so, dass Charles das Altgriechische lernen würde, er würde sich eher daran erinnern. Mit sechzehn sprach Charles außerdem Aramäisch, Lateinisch, Hebräisch und Altägyptisch – allesamt fließend. Sprachen wie Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch flogen ihm zu. Seine Lehrer hielten ihn für ein Wunderkind und befreiten ihn vom Lehrplan – er durfte lernen, was er wollte, das Tempo bestimmte er selbst. Mit achtzehn machte er seinen Bachelor, den Master mit neunzehn, und mit 22 promovierte er. Das British Museum konsultierte ihn und gewährte ihm freien Zugang zur Ägyptischen Abteilung. So konnte er auch mit den Relikten arbeiten, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren.
Ein älterer Professor, der sich danach sehnte, sich Charles unsittlich zu nähern, lud ihn zu einer Ausgrabung in der Normandie ein. Charles interessierte sich nicht für die Hügelgräber der Wikinger, aber auch das waren Erfahrungen, die er gerne sammelte. Der Professor brachte nie den Mut auf, seinem Herzen zu folgen und sich Charles zu offenbaren. Seine Frau kannte diese Scheu nicht. Charles wurde von einer unersättlichen Fünfzigjährigen in die körperlichen Freuden eingeweiht. Sie brachte ihm alles bei, was sie über Sex wusste – nicht nur ihre eigenen, praktischen Erfahrungen, sondern auch das, was sie durchs Studium antiker, pornographischer Schriften in verschiedenen Sprachen gelernt hatte.
Das neu erwachte Interesse gewährte Charles einen ganz neuen Blick auf manche antike Schriftrollen. Ihm war es nicht anders ergangen als vielen Gelehrten vor ihm, die diese Schriften als Erotika in Hieroglyphen verschmäht hatten. Er las, was Bastet mit der Sphinx getan hat und wie Horus sich mit den siebzehn Jungfrauen vereinigte. Ihn langweilten die Schriften, aber dann erwischte er eine Schriftrolle, die angeblich die Perversionen von Cleopatra VII., der letzten Pharaonin, beschrieben. Einen Monat später war er überzeugt, dass die Schriftrolle authentisch war und Hinweise auf die letzte Ruhestätte Kleopatras enthielt.
Seine Universität war hocherfreut über diese Entdeckung und gewährte ihm eine großzügige Unterstützung. Wenn seine Suche erfolgreich war, wäre es ein weit bedeutenderer Fund als die Grabkammer Tutanchamuns durch Lord Carnavon. Das Einzige, was Charles noch tun musste, war, einen Studenten auszuwählen, der ihn bei dieser Expedition begleitete. Viele bewarben sich um den Job. Unter ihnen war auch Sarah, die schmollende Blondine, auf die er seit einem Jahr ein Auge geworfen hatte. Man lässt sich nicht auf die Studentinnen ein, so lautete ein Grundsatz der Universität. Zumindest nicht auf dem Campus. Was auf Exkursionen passierte, gehorchte ganz anderen Regeln.
(Es war irgendwie lustig zu sehen, wie die Lippen des Professors zuerst das zischende »S« für »Sarah« formten, dem sich ein verlegenes »ähm« anschloss, ehe er ihren Namen hervorstieß. Miriam. Sie hatte vorher gewusst, dass er sie aussuchen würde, obwohl sie keine Ahnung hatte, woher sie das wusste. Das Gefühl war aber nicht neu für sie. Es schien, als hätte sie ihr Leben lang – und sogar vorher – manches gewusst, ohne diese Dinge erst lernen oder sehen zu müssen. Nun, sie war nicht gerade seine klügste Studentin und bestimmt nicht die Hübscheste. Obwohl ihre Augen dunkel wie Schwarzdorn waren und sie eine olivfarbene Haut hatte. Männer, die auf diesen Typ Frau standen, umschwärmten sie. Für diese Exkursion war sie die Richtige. Auch wenn Charles das vielleicht selbst nicht so genau wusste. Sarah wirkte ehrlich überrascht, aber vor allem Charles sah aus, als könnte er nicht so recht glauben, was er gerade gesagt hatte. Miriam nickte leise mit dem Kopf und dankte ihm, ehe sie sich daranmachte, die Vorbereitungen für die Reise zu treffen.)
Um drei Uhr nachmittags trafen sie in Heathrow ein. Ihr Flug sollte um 4:35 gehen, aber schon bald wurden sie über eine Verspätung informiert. Da sie in der ersten Klasse reisten, wurden sie zu der luxuriösen Lounge gebracht, wo man Hummerbällchen und trockene Martinis servierte.
»War sie wirklich so schlimm, wie man sich immer erzählt?«, fragte Miriam Charles.
»Kleopatra? Was meinst du mit ›schlimm‹?«
»Sie hat ihren jüngeren Bruder geheiratet, oder?«
»Das war während der Zeit der Pharaonen im alten Ägypten durchaus üblich. So hielt man das Blut rein und verhinderte Bürgerkriege.«
»Wie meinst du das?«
»Nun ja, es war wohl besser, den Thron zu teilen, statt darum zu kämpfen.«
»Dann wurden die Ehen nur auf dem Papier geschlossen?«
»Nein, sie wurden auch vollzogen, und es gab Nachkommen.«
»Und die anderen Dinge, die man sich über sie erzählt? Hat man sie nicht die ›Verschlingerin‹ genannt?«
Charles lächelte nicht, obwohl ihm gefiel, wie sich die Dinge entwickelten. Wenn Miriam gerne über Kleopatras Liebesleben reden wollte, bevor die Expedition überhaupt begonnen hatte, wollte sie vor Ende der Exkursion bestimmt selbst Hand anlegen. Vielleicht war er naiv, aber so unschuldig war er nicht, dass er glaubte, eine Frau sende mit ihrem Gesprächsthema keine Signale aus.
»Man sagte von ihr, sie sei unbeschreiblich geschickt darin, Männern einen zu blasen. Angeblich konnte sie einen Mann in Sekunden zum Höhepunkt bringen oder ihn die ganze Nacht an der Schwelle zum Orgasmus halten. Manche behaupten, dass die Geschichte, wie sie in Eselsmilch badet, eher als Euphemismus zu verstehen sei.«
Miriams Augen weiteten sich. »Du meinst ...?«
»Sie hielt sich eine persönliche Leibwache, in die nur große und wollüstige Männer aufgenommen wurden. Das hat auch Katharina die Große gemacht, und ich denke, die beiden hatten ähnliche Gründe für dieses Vorgehen.«
»Sie war eine faszinierende Frau, findest du nicht?«
»Geschickt mit der Zunge, eine großartige Diplomatin, Politikerin und Verführerin? Ich denke schon.«
»Du bewunderst sie, oder?«, fragte Miriam.
»Ich habe Jahre meines Lebens dem Studium Kleopatras und ihrer Zeit gewidmet.«
»Ich muss noch so viel lernen ...« Sie schaute ihn unter den halbgesenkten Lidern an.
Gott, wie sehr er sich wünschte, diese Augen von Tränen verdunkelt zu sehen. Oder von Lust verschleiert. Tränen der Lust. Er schüttelte den Kopf. »Über das alte Ägypten?«
»Ich muss über alles viel lernen.«
Erst um viertel nach zehn wurde ihr Flug aufgerufen. Eine Stewardess brachte ihnen Champagner und die Speisekarten. Aber sie hatten keinen Hunger mehr.
Miriam bat um eine Decke und ein Kissen. Man brachte ihr das Gewünschte, und sie klappte ihren Sitz nach hinten.
Charles tat es ihr gleich. Miriam breitete die Decke über seinen und ihren Schoß aus. Das war nett, und es wurde sogar noch angenehmer, als sie die Augen schloss und sich einkuschelte. Ihr Kopf sank zur Seite. Die Wange ruhte nun auf seinem Oberarm. Sie hatte schwere Lider, und ihre Unterlippe war so voll, dass sie beinahe nach außen gestülpt schien. In einer blassblauen Vene an ihrem Hals pochte ihr Puls. Charles hatte das Gefühl, er müsse sie beschützen. Zugleich aber war er der Jäger, der diesem herrlichen Beutetier nachstellte. Das war alles andere als logisch, weshalb er beide Gedanken rasch vertrieb. Er war durstig und fragte die Stewardess, als sie an ihnen vorbeiglitt, nach Rotwein.
Einige Zeit später murmelte Miriam im Schlaf und bewegte sich. Unter der Decke kam ihre Hand auf Charles’ Oberschenkel zur Ruhe. Er spürte ihre Wärme durch den Stoff seiner Jeans. Wenn es eine andere Frau gewesen wäre – Sarah zum Beispiel –, hätte er gedacht, es handle sich um eine bewusste Bewegung. Aber diese Frau wirkte so unschuldig, dass er, der seine Eroberungen bisher noch an einer Hand abzählen konnte, sich schuldig fühlte, weil er ihre Fingerspitzen auf seiner wachsenden Erektion ruhen ließ. Er hatte aber ebenso viel Angst, ihre Hand zu berühren, weil er fürchtete, sie dann in seine Jeans schieben zu wollen und die Finger auf seinem Schritt zu spüren. Himmel! Er bewegte sich abrupt und drehte sich von ihr weg. Charles starrte aus dem Fenster. Diese Leidenschaft hatte ihn bestimmt nur erfasst, weil die Suche endlich begonnen hatte. Es ging um den Schatz und nicht um dieses Mädchen. Er war Kleopatra inzwischen näher als je zuvor, aber er wollte trotzdem am liebsten Miriam packen und ihr Gesicht in seinen Schoß stoßen, damit sie es ihm mit dem Mund besorgte. Er wollte schreien, wenn sie ihn trockenlutschte, bis er wie eine getrocknete Feige zusammensank. Charles seufzte und schloss frustriert die Augen.
(Tatsächlich hatte sie geschlafen; sie träumte. Im Traum war sie eine Studentin, die es nicht wagte, auch nur einen Fehler zu machen. Sie träumte, sie beuge sich der Leidenschaft eines anderen, die so einnehmend war, dass aus Leidenschaft rasch Zorn wurde. Ein Zorn, der über sie hinwegspülte. Dieser Teil des Traums machte sie irgendwie traurig. Ausgerechnet der Teil, in dem sie sich der Macht und dem Schmerz unterwarf.
Als er sich von ihr abwandte, wachte sie auf. Noch nicht! Sie spürte seinen Körper, von dem ein verlangendes Summen ausging, obwohl sie einander unter der Decke nicht mal mehr berührten. Sein Verlangen war ihre Pflicht. Miriams Hand bewegte sich erneut auf ihn zu. Sie zupfte an den Knöpfen seiner Hose.)
Charles schniefte, um sein Seufzen und das leise Kratzen seines Reißverschlusses zu kaschieren. Die Spitzen dieser neugierigen, kleinen Finger verschafften sich Zugang in seine Jeans. Er wandte sich ihr wieder zu und öffnete die Augen einen winzigen Spalt. Miriams Gesicht war ernst, die Augen hielt sie geschlossen. Aber er sah das leise Lächeln, das ihre Mundwinkel umspielte. Diese kleine Schlampe! Er hielt still, aber sein Bauch zog sich erwartungsvoll zusammen.
Ihre Finger schlossen sich um seinen Schwengel. Mit ein paar vorsichtigen Bewegungen schob sie seinen steifen Schwanz aus der Jeans. Charles lag still da und ließ zu, dass ihre schlanken Finger seine Länge erkundeten. Hinter seinen geschlossenen Lidern sah er ein geradezu psychedelisches, rotes Licht aufwallen, das sich grell von der tiefen Schwärze abhob.
Die Empfindungen waren schrecklich. Und herrlich. Ein Finger und der Daumen umschlossen ihn direkt unterhalb der Eichel. Sie bewegten sich langsam hinauf, kaum mehr als einen Zentimeter, dann glitten sie wieder nach unten, auf und ab, auf und ...
Sie musste wissen, dass er nur so tat, als würde er schlafen. Es war ihr gemeinsames Geheimnis. Eine Möglichkeit, sich von den Konventionen zu befreien und doch miteinander zusammen zu sein, bis sie wirklich allein waren. Bei der Vorstellung, wie sie sich vereinigten, ballten sich seine Hoden schmerzlich zusammen. Noch stand es ihm frei, freundlich auf ihre Liebkosungen zu reagieren und sie unter der Decke zu streicheln oder seine Hand auf ihre zu legen und ihr zu zeigen, wie sie ihn zu dem Höhepunkt bringen konnte, den er ersehnte. Aber das würde seine Schwäche zeigen. Oder Schlimmeres, es käme ihm fast vor, als betrüge er sie damit. Seine Rolle war, das zu nehmen, was sie ihm anbot. Ihre Aufgabe hingegen, ihm Lust zu bereiten und sein Stehvermögen auf die Probe zu stellen.
Seine Augen öffneten sich einen Spalt, und er blickte hinab. Die Bewegung von Miriams Hand unter der schützenden Decke war zu subtil, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie packte zu, ließ locker, umschloss ihn wieder. Ihre Zärtlichkeiten erstreckten sich auf höchstens einen halben Zoll seines Schwengels. Es war eine Qual. Er liebte es. Das Ringen um Selbstbeherrschung machte mehr als die Hälfte seiner Lust aus. Langsam stieg in ihm ein Orgasmus auf, der besonders heftig sein würde, weil er seine Kraft aus seiner Zurückhaltung zog.
Das Verlangen, irgendwo hineinzustoßen, war nahezu überwältigend. Aber er widerstand erneut dem Impuls und hatte das Gefühl, sein Verstand sei nicht länger mit seinem Körper verknüpft. Er beobachtete seine Lust, während er sie zugleich erfuhr. Dadurch verdoppelten sich die Empfindungen. Ehe er noch denken konnte Wie um alles in der Welt ...? – kam er schon.
Miriams Kopf tauchte unter der Decke unter. Ihr offener Mund schnappte nach ihm. Charles explodierte. Die Zuckungen dauerten fünf, zehn, sogar fünfzehn Sekunden. Sein Samen floss in einem scheinbar endlosen Strom in ihren Mund. Er starrte aus dem kleinen Fenster und biss die Zähne zusammen, um nicht laut aufzuheulen. Seine Augen wurden feucht, so sehr strengte es ihn an.
Miriam setzte sich auf, ohne die Decke beiseitezuschieben. Mit einem rätselhaften Lächeln und geschlossenen Augen schob sie seine Männlichkeit zurück in seine Hose und schloss leise den Reißverschluss. »Die Verschlingerin«, sagte sie und nickte zufrieden.
Sie erreichten das ägyptische Hotel in den frühen Morgenstunden. Charles fragte sich, ob er sie in sein Zimmer einladen sollte. Schließlich hatte sie getan, was sie getan hatte, und er hatte sich dafür nicht revanchiert. Die Frau des Professors hatte ihm damals beigebracht, das sei geradezu eine Todsünde. Aber zugleich hatte der Professor ihn mit einer puritanischen Arbeitsmoral vertraut gemacht. Er war hergekommen, um Kleopatra zu finden. Wenn er zuließ, dass eine Studentin ihn davon abhielt, wollte er sich lieber mit einem silbernen Schwert aufspießen – oder so ähnlich.
»Wir sind beide sehr müde«, murmelte Miriam. »Gute Nacht.« Mit diesen Worten ließ sie ihn allein.
Am nächsten Morgen rief er in ihrem Zimmer an. Sie sagte ihm, sie könnten sich jederzeit nach zehn Uhr in der Tiefgarage treffen. Er genoss ein ausgiebiges, englisches Frühstück, das vermutlich für die nächste Zeit seine letzte richtig gute Mahlzeit sein würde. Um viertel nach zehn betrat er die Tiefgarage.
Wie er trug sie jetzt eine Khakihose und ein passendes Hemd, aber ihre Hose war, anders als seine, kurz. Sie warf ein Klemmbrett auf die Ladefläche des Range Rover Sport, den die Universität für ihre Exkursion besorgt hatte. Das Dach war mit sicher verzurrten Kisten und Bündeln beladen.
»Es ist alles da, Charles. Sogar der Reservetreibstoff, Wasser und alle Lebensmittel, die du bestellt hast. Und einige Extras, an die ich gedacht habe.«
Charles räusperte sich. »Du arbeitest sehr effizient, Miriam.«
Sie senkte ihre unbeschreiblich langen Wimpern. »Danke, Charles. Ich verspreche, mein Bestes zu geben, um dir zu dienen.«
Charles schluckte. Er spürte bereits, wie er sich wieder regte. Dieses Luder war einfach ... unbeschreiblich. Ehe sie seine Erregung bemerken konnte, sprang er in die Fahrerkabine und rief: »Los geht’s!«
Er lenkte den Wagen aus der Tiefgarage. Trotz der dunkel getönten Windschutzscheibe blendete ihn die Sonne. Charles bremste und wartete, bis seine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten. Miriam nahm eine Sonnenbrille aus dem Handschuhfach und drehte sich nach hinten um, wo auf dem Berg Ausrüstung ein Hut lag.
»Du scheinst an alles gedacht zu haben.«
»Seit dem Tag, an dem du mich erwählt hast, Charles. Ich habe seitdem an nichts anderes mehr gedacht.«
Er grunzte. Eigentlich hätte er sich geschmeichelt fühlen sollen, aber das war nicht der Fall. Er wollte sie packen und hinter eine Sanddüne zerren. Wenn er sie so nicht nehmen durfte, wollte er sie überhaupt nicht. Es war also besser, wenn er sich einfach aufs Fahren konzentrierte.
Sie brauchten eine Stunde, um die Stadt zu verlassen. Aber dann waren sie auf einer gut ausgebauten, sechsspurigen Schnellstraße nach Westen unterwegs.
Miriam fragte: »Wie wär’s mit Musik?«
»Klar.« Musik würde der Stille zwischen ihnen etwas Natürliches verleihen. Er hatte sich vorgestellt, sie könnten über die Ausgrabung reden und ihre Aufregung darüber teilen. Aber in Gedanken stockte er, ähnlich wie nachts im Flugzeug, als er weder geredet noch sich bewegt hatte, als sie ihn verwöhnte. Es war ein Gefühl großer Langeweile, das ihn sprachlos machte. Auch das im Grunde wieder höchst paradox.
Miriam schob eine CD in den CD-Spieler. Maria Muldaurs süße Stimme sang »Midnight at the Oasis«. Er bemerkte erst beim nächsten Lied – Eartha Kitts »Arabian Song« –, dass Miriam die CD allein zu dem Zweck gebrannt hatte, ihn zu verführen.
Und es funktionierte.
Er wandte sich ihr zu. »Also gut«, sagte er, als hätte sie ihm eine Frage gestellt. Er ließ die Bemerkung eine Weile zwischen ihnen stehen, während sie genau so wartete, wie man es von einem braven Mädchen erwartete. »Du bist ... was? Submissiv?«
»Ja«, hauchte sie.
Seine Augen wurden von dem zitternden, bläulichen Schmetterling unter der Haut an ihrem Hals zu ihren Augen gelenkt, die so dunkel waren wie türkischer Mokka. Ja. Nass. Unbeschreiblich. Und was war mit der Vorstellung, ihre Kehle zusammenzudrücken, während er mit der anderen Hand durch ihr Haar fuhr? Damit befasste er sich besser später. »Erzähl mir mehr. Wirst du alles tun, was ich dir sage?«
»Absolut alles.«
»Egal was?«
»Egal was.« Sie biss sich auf die Unterlippe. »Es erregt mich immer sehr, zu gehorchen. Aber Jungs in meinem Alter wissen einfach nicht, wie sie Befehle erteilen sollen. Und keiner von denen, die ich bisher getroffen habe, wissen, wie sie mit meiner ...«
»Willfährigkeit?«
Sie nickte. »Wie sie damit umgehen sollen. Aber ein Mädchen muss ja irgendwas machen, während es wartet. Oder?«
»Du glaubst, du hast auf mich gewartet?«
»Ja.« Ihre Augen wurden groß. »Aber nicht ... also, nicht so. Es ist keine Liebe oder so. Also, nicht für immer.«
»Vielleicht hast du ja auch hierauf gewartet.« Er deutete nach draußen auf die Landschaft.
»Ja, Charles. Das ist es. Wir sind auf dieser Reise nicht allein, stimmt’s? Sie ist bei uns.«
Das klang im Grunde verrückt. Aber für einen Mann, der alles über die Macht der Pharaonin gelernt hatte, was er finden konnte, war nichts zu verrückt, um es dieser Schönheit zuzuschreiben. »Du hast recht. Wir werden Kleopatra finden, Miriam.« Er grinste. »Verdammt!« Seine Hand schlug auf das Lenkrad. »Also los, ich will, dass du mich unterhältst.«
»Danke, Charles.« Sie drehte sich im Beifahrersitz um, aber auf der Straße war kein Verkehr. Dann legte sie ihre Hand auf sein Knie.
»Nein.« Er sah sie nicht an. Ihre Hand zuckte zurück. »Du hast es mir schon gestern besorgt. Jetzt will ich sehen, wie du es dir selbst besorgst. Und heute Abend werde ich dich dafür belohnen.«
»Ja, Charles.«
(Sie wandte sich ihm halb zu. Einen Fuß setzte Miriam auf das Armaturenbrett, das andere Bein streckte sie aus. Mit der Hand schob sie den Schritt ihrer Baggypants beiseite.
An der Innenseite ihres Oberschenkels gab es eine Mulde. Die Haut war an der Stelle heller und fast durchsichtig. Mit dem Fingernagel folgte sie der Linie einer sich windenden Ader hinauf zu ihrem üppigen Geschlecht.
Miriam umschloss ihr Geschlecht und drückte so fest zu, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. »Autsch«, hauchte sie, doch sie malträtierte sich weiter, drückte und drehte ihr eigenes Fleisch.
»Ich mag es, wenn ich ein bisschen wund bin«, sagte sie erklärend. »Du weißt schon, wenn ich anschwelle und das Blut hineinströmt.«
Ihre Hand glitt zur Seite, und sie zeigte ihm, was sie meinte. Sein Gesichtsausdruck war fast entsetzt. Sicher, er fand es genauso erotisch wie sie, aber für ihn schien diese Vorstellung neu zu sein.
Miriam spielte an ihren Schamlippen herum, kitzelte sie und hielt sie offen, um ihm das dunkle, rosige Innere zu zeigen. Ihr Duft erfüllte den Rover. Sie konnte im nächsten Augenblick kommen. Das wäre gut, aber dann würde er sie nicht mehr beachten. Und dabei wollte sie, dass Charles sich nur auf sie konzentrierte. Zumindest noch eine Weile.
»In a Persian Market« wurde im CD-Spieler von »Cleo and Meo« abgelöst.
Miriam beugte sich vor und stellte die Klimaanlage kalt ein. Sie richtete den kalten Luftstrom so aus, dass er direkt auf ihr Geschlecht gerichtet war. Ihre geschwollenen Schamlippen flatterten leicht. Ihr nahender Höhepunkt verebbte in genau dem Augenblick, als die Kälte sich in ihre Enge grub. Sie zitterte, rieb sich langsamer und begann von vorne.
Ganze neunzig Minuten spielte sie mit sich selbst. Manchmal schob sie ihre Hand unter das T-Shirt und drückte und zwirbelte ihre Nippel. Sie lutschte ihren eigenen Saft mit einem Eifer von den Fingern, der nicht bloß Show war. Sie brachte sich immer wieder bis kurz vor den Höhepunkt, ohne sich Erleichterung zu verschaffen, obwohl das Verlangen allmählich grauenhaft wurde. Aber noch besser als jeder Orgasmus war der Blick in seine Augen, wenn er zwischen der Straße und ihr hin- und herschaute. Sie hatte das Gefühl, eine Prinzessin der Lust zu sein.
»Es sind nur noch zehn Minuten, bis wir da sind«, sagte er ihr irgendwann.
»Danke für die Warnung.« Ihre Schenkel öffneten sich weit. Drei Finger vergruben sich in ihrer Möse. Ihr Daumen kreiste um ihr Knöpfchen. Sie hob einen Fuß, um den Luftstrom von der Klimaanlage abzulenken. »Es tut weh«, keuchte sie, obwohl das nicht ganz richtig war. »Vielleicht habe ich zu lange gewartet?« Sie hatte sich dem Orgasmus so lange verweigert, dass dieser sich jetzt vermutlich zierte und nicht so einfach kam, nachdem sie ihn so oft ausgebremst hatte.
»Unsinn. Zeig mir schon, wie du kommst.«
O Gott. Seine Stimme, diese Augen! Sie drückte ihr Geschlecht in ihre Hand, rammte ihre Finger tief in sich hinein und bearbeitete ihre Klit mit einer Grobheit, die nur deshalb zum Erfolg führte, weil es ihre eigene Hand war, die ihre Klit kniff und bearbeitete. »Sch ...«, grunzte sie. Eigentlich wollte sie »scheiße« sagen, aber sie hielt sich lieber zurück, weil sie nicht wusste, ob er ihr erlaubte, zu fluchen. Ihr Stiefel drückte gegen die Lamellen des Gebläses. Ihr Kopf knallte an die Kopfstütze. Jetzt erwachte der Orgasmus zu neuem Leben und zerriss sie förmlich. Sie wurde förmlich zerschmettert von dem, was sie so lange hatte zurückhalten wollen. »Sch ...!«
Das erste krampfhafte Zusammenziehen war beinahe schmerzhaft; ebenso das zweite. Beim dritten spürte sie die Wellen, die wie ein Tsunami aufstiegen und über sie hinwegfegten, bis sie zusammenbrach.)
Sie verließen die Schnellstraße und wandten sich in Richtung Süden. Die Schotterpiste, auf der sie jetzt unterwegs waren, hob sich als weißes Band vom Wüstensand ab. Zu Kleopatras Zeiten war Abu D’bara ein blühender, lebendiger Marktflecken gewesen. Jetzt bestand es nur noch aus drei bröckelnden Mauern aus Lehm und einer Tankstelle, die von ein paar verrosteten Coca-Cola-Schildern zusammengehalten wurde.
Miriam tankte, während Charles bei einem alten, zahnlosen Mann mit verhutzeltem Gesicht zwei eiskalte Flaschen Cola und zwei Orangen erwarb.
Von dort wandten sie sich wieder nach Westen, bis sie zu einer trockenen Schlucht gelangten, in die sie hineinfuhren, bis sie den Flusslauf erreichten. Dort lenkte Charles den Wagen wieder nach Süden. Nach einer Stunde Durchrütteln gelangten sie zu einer rötlichen Sandsteinklippe, der sie bis zu einer Felsspalte folgten, die kaum zwei Fuß breiter als der Rover war. Wenn sie nicht danach Ausschau gehalten hätten, wären sie daran vorbeigefahren, da die Spalte aus zwanzig Metern Entfernung praktisch unsichtbar war.
Die schmale Spalte hob und senkte sich, führte um eine enge Kurve und ging immer wieder auf und ab. Eine weitere, quälend langsam vergehende Stunde fuhren sie so, bis sie endlich eine Anhöhe erreichten. Und da war sie, erstreckte sich vor ihnen – die Oase.
»Das ist es!«, keuchte Miriam. »Du hattest recht. Ich wusste einfach, dass du recht hattest.«
»Dann wusstest du mehr als ich«, gab Charles zu. »Die Oase ist größer, als ich gedacht habe, aber hier muss es sein.«
Das Gewässer war ungefähr hundert Meter lang und zwischen zehn und zwanzig Meter breit. Auf ihrer Seite gab es einen Sandstreifen, aber am anderen Ende schlug das Wasser gegen eine massive Felswand. Es gab mindestens fünfzig Dattelpalmen, die leise im Wind raschelten. Es gab Dornbüsche und hin und wieder ein paar Büschel karges Gras.
Sie parkten den Rover und stiegen aus. In der Luft hing der Geruch von vergorenen Datteln.
»Hier!« Miriam gab Charles eine Edelstahlsonde. »Ich kann das Camp aufbauen, wenn du dich in der Zwischenzeit schon mal umschauen willst.«
Charles blickte zum Himmel hinauf. Ihnen blieb nur noch eine halbe Stunde, ehe die Sonne unterging. Deshalb nickte er bloß und machte sich auf den Weg.
Dreißig unproduktive Minuten später kam er zurück. Neben dem Rover war in der Zwischenzeit ein zweieinhalb Meter hohes Zelt aufgebaut worden. Auf einem tragbaren Grill brutzelten Steaks, und daneben stand ein Campingtisch mit zwei Segeltuchstühlen. Miriam servierte ihm einen Bloody Caesar.
»Magie?«, fragte er.
»Wir haben noch ein Dutzend vakuumverpackte Steaks und zwei Fresskörbe, die von Harrod’s und von Fortnum & Mason kommen. Dann gibt es noch getrocknete Lebensmittel, falls wir die brauchen sollten. Auf dem Dach des Rovers ist eine Solaranlage, die eine Batterie auflädt, damit wir den kleinen Kühlschrank permanent in Betrieb halten können. Für die Klimaanlage reicht’s wohl nicht, die können wir eine Stunde am Tag einschalten, wenn’s sein muss.«
»Du bist unglaublich.«
Sie machte einen Knicks. »Ich brauche jetzt nur noch einen Moment, um meine Hose auszuwringen, bevor die Steaks fertig sind.«
»Ich behalte das Essen im Auge.«
Er hatte das Fleisch zweimal umgedreht, als Miriam zurückkam. Sie wedelte mit ihrer tropfnassen Hose. Sie trug eine recht lange Khakijacke, aber sie hatte die Jacke nicht zugeknöpft oder mit dem Gürtel verschlossen. Miriam schaute auf ihre hübschen Brüste herunter und zuckte mit den Schultern. »So ist’s einfach angenehmer.«
Fast hätte Charles ihr gesagt, dass sie bei ihm keine Tricks anwenden musste. Aber er schluckte die Bemerkung herunter. Ja, diese Tricks brauchte sie wirklich nicht, aber es war nur eins ihrer zahlreichen Spiele, wie sie schon »tu so, als würdest du schlafen, während ich dich verwöhne« gespielt hatte. Diese Spiele machten Charles’ Leben – er fand einfach kein passenderes Wort dafür – exquisit.
Dennoch fehlte irgendwie noch etwas, und ihm fiel beim besten Willen nicht ein, was das sein könnte. Aber in ihm spürte er eine Leere, obwohl er sich im Paradies wähnte und diese Huri bei ihm war, die jedem seiner Befehle bereitwillig nachkam. Es war wirklich ein irritierendes Gefühl, weil sein Verlangen stets von einem Schatten begleitet wurde.
Sie aßen rasch, ohne miteinander zu reden. Wie frisch Verheiratete, die es eilig hatten. Charles badete in dem lauwarmen See und eilte mit einem Handtuch um die Hüften zurück zum Zelt. Es war ihm egal – nein, wenn er ehrlich war, war er sogar stolz darauf –, dass sein Handtuch sich vor ihm beulte.
Eine gedimmte LED-Lampe hing in ihrem Zelt. Miriam hatte zwei Schlafsäcke mit Hilfe der Reißverschlüsse miteinander verbunden und auf der Schaumstoffmatratze ausgebreitet. Sie würden gut schlafen können – wenn sie überhaupt Schlaf fanden. Sie hatte sich nackt auf dem Bett ausgestreckt und stützte sich auf einen Ellbogen. Sie schälte eine Orange und hielt ihm eine Orangenspalte hin.
»Wie wär’s mit Nachtisch?«
»Nein, danke.«
»Bist du sicher?« Ihre Finger drückten die Orangenspalte über ihrem linken Nippel zusammen. Der Saft spritzte auf ihren kaffeedunklen Brusthof.
»Du bist wirklich überzeugend, Miriam.« Er sank neben ihr auf die Matratze. Sein Handtuch glitt herunter, als er an ihrem klebrigen Nippel saugte.
»Härter«, flehte sie. »Bitte, Charles. Beiß mich.«
Seine Augen waren auf derselben Höhe wie ihr Hals, wo die verlockende Ader sich blau unter ihrer Haut abzeichnete. Seine Zähne schlossen sich sanft um ihren zarten Nippel und gruben sich hinein. Wenn er heftiger zubiss, würde er die Haut durchstoßen und Blut schmecken. Aber vielleicht wollte sie genau das. Ja, tatsächlich. Er war sicher, dass sie spüren wollte, wie seine Zähne ihre Haut durchbohrten. Doch dazu war Charles nicht bereit. Noch nicht ...
Als spüre Miriam seine innere Zurückhaltung, drückte sie noch eine Orangenspalte über ihrem rechten Nippel aus. Charles saugte an beiden Nippeln, wechselte hin und her. Sie hob sich ihm entgegen. Jetzt bestand für ihn kein Zweifel mehr. Je tiefer sich seine Zähne in sie gruben, umso heftiger wand sie sich unter ihm.
Miriam löste noch eine Spalte von der Orange. Sie ließ das Fruchtstück über ihre Haut gleiten, zwischen ihren jungen Brüsten hindurch, über ihren schlanken Leib und den leicht gewölbten Bauch bis zu ihrem Schamhügel. Sie spreizte die Beine. Mit den Fingern der anderen Hand spreizte sie ihre Schamlippen und schob die Orangenspalte in sich hinein.
»Lass mich das machen«, sagte Charles. Er legte die Orangenspalte auf seinen leicht gekrümmten Mittelfinger und versuchte es. Er zog den Finger zurück und liebkoste Miriam an diesem geheimen Ort, der direkt unter ihrem Schambein hervorlugte. Vorsichtig rieb er ihr Knöpfchen und verstärkte mit jeder Liebkosung den Druck. Saft spritzte auf und bedeckte Miriams Vagina.
Charles schob sich nach unten. Er schmeckte die Orange auf ihrem Geschlecht, bis er die letzten Reste aufgeleckt hatte und nur noch ihr Aroma seine Zunge flutete. So nah waren ihre inneren Schamlippen ein tiefroter, herrlicher Anblick. Unter der Haut pulsierte eine Ader so heftig, dass er ihre Herzschläge zählen konnte. Er sog eine zarte Schamlippe in den Mund. Er spürte sie zwischen seinen Lippen und konnte spüren, wie das Blut darunter pulsierte.
Das war so erregend ... Er grub seine Schneidezähne in ihr Fleisch. Nur ein bisschen. Zwischen ihm und ihrem pochenden Blut war nur noch eine dünne Hautbarriere. Sie stöhnte, darum machte er es noch einmal, ehe er von ihr abließ wie ein Raubtier, das seiner Beute eine letzte Möglichkeit zur Flucht ließ.
»Ich könnt dich fressen, kleines Vögelchen«, sagte er und stützte sich auf die Ellbogen. Charles schob sich zu ihr hinauf. »Irgendwann mache ich das bestimmt. Aber nicht heute Nacht.«
»Aber diese Nacht ist alles, was wir haben, Charles«, flüsterte sie.
»Ich brauche dich noch«, raunte er zurück.
Dann drang er grob in sie ein. Mit einem heftigen Stoß rammte er sich tief in ihre enge Passage. Nach sechs Stößen hatte er genug von ihr. Diese Spalte war zu weich, zu nachgiebig.
Er zog seinen Schwanz heraus, drehte sie auf den Bauch und riss ihren Körper hoch, damit sie vor ihm kniete. Ehe sie überhaupt protestieren konnte, drang er in ihren Arsch ein.
Das hatte er erst einmal gemacht, damals mit der Frau des Professors. Aber die Selbstsicherheit, mit der er ihr Loch mit einem geradezu nachlässigen Spucken befeuchtete und dann seinen wild zuckenden Schwengel gegen ihre pochende Öffnung drückte, erinnerte eher an einen Mann, der es gewohnt war, Frauen durch den Hintereingang zu nehmen. Gerade so, als habe er auch Männer so genommen und sie seinem Willen unterworfen.
Je wilder er wurde, desto lauter waren ihre Schreie. Er vergrub die Faust in ihrem Haar und riss ihren Kopf nach hinten. Ihr Mund klaffte auf, und sie kreischte. Er lachte. Er konnte den Puls an ihrem Hals nicht mehr erkennen, aber das war jetzt ohnehin nicht mehr wichtig, denn er konnte ihn hören. Oder war das sein eigener Puls? Sein eigener, rasender Herzschlag, der das wilde Ungetüm zwischen seinen Beinen antrieb?
Seine Hand glitt von ihrer Taille, wo er sie bisher festgehalten hatte, damit er sich besser in ihr bewegen konnte, zu ihrem Schamhaar. Er hielt sie dort fest, er spürte geradezu ihren Höhepunkt in seinen Fingern, als er mit einem halben Dutzend Stößen ebenso oft seinen Samen tief in ihr abspritzte.
Ihre Stimmen vermischten sich und wurden vom heißen Wüstenwind davongetragen und stiegen zu den Sternen auf.
(Träumt er so wie ich? Sieht er in diesen Träumen das Gesicht eines Jungen, das ganz ruhig ist? Das Gesicht eines Schülers. Miriam löste sich von ihm und legte sich neben Charles. War das der Grund, warum es ihr manchmal so vorkam, als würde sie mehr von dem Geheimnis spüren als er? Hatte sie sich diesen Tagträumen hingeben können, während er ständig hatte studieren müssen?
Und träumte sie jetzt auch?
Nein. Er schlief.
Es war nicht mal besonders viel Blut geflossen. Ein paar Tropfen fand sie dort, wo ihr Geschlecht, nun, etwas gerötet war. »Eine königliche Farbe«, flüsterte sie, ehe sie sich vollständig befriedigt neben ihm einrollte. Sie schmiegte sich an ihn. Miriam. Die Königin für eine Nacht.)
Er wachte auf, weil jemand eiskaltes Wasser in sein Gesicht spritzte. Charles blickte auf. Über ihm stand Miriam in ihrer ganzen Nacktheit. Ihr Körper war von Tau benetzt, und sie trug nur ein Messer, das in einer Scheide aus Gummi steckte und an ihrem Oberschenkel befestigt war. Sie sah aus, als wäre sie direkt einem nicht jugendfreien Actionfilm entstiegen.
»Ich glaube, ich habe etwas gefunden«, verkündete sie.
»Etwas gefunden?«
»Es könnte eine Höhle oder ein Tunnel sein. Vielleicht ist es auch gar nichts.« Sie nahm die Laterne vom Haken und steckte sie in einen großen Plastikbeutel, den sie verschloss.
»Etwas genauer?«, bat er. War das dieselbe Frau, die er letzte Nacht noch wie eine Todesfee anal gefickt hatte? Er schüttelte den Kopf. Die letzte Nacht musste er ausblenden. Jetzt zählte nur die Arbeit.
»Ich bin heute früh schwimmen gegangen. Drüben bei der Felswand bin ich untergetaucht. Das Wasser dort ist verdammt kalt. Da unten gibt es einen Felsbrocken, der aussieht, als wäre er von der Klippe heruntergeschmissen worden. Dahinter ist der Tunnel. Ich habe versucht, hineinzusehen, aber es war zu dunkel. Trotzdem bin ich sicher, dass da etwas ist.«
Charles sprang auf. »Dann los!«
Miriam schaltete die Lampe ein, die durch das durchsichtige Plastik ihr Licht verbreitete.
»Kluges Mädchen«, lobte er sie und folgte ihr zum Teich. Sie sprangen gemeinsam ins Wasser, und er folgte dem hellen Licht, das sie festhielt. Kurz verschwand das Licht. Charles schob sich hinter den großen Felsbrocken und sah das Licht wieder. Jetzt war es nicht mehr so gut zu erkennen, denn Miriam schwamm in dem Tunnel, der zu ebenmäßig war, um natürlichen Ursprungs zu sein. Erneut verschwand sie und ließ ihn in der Dunkelheit zurück. Er stützte sich mit einer Hand an der Tunnelwand ab und arbeitete sich vorwärts. Ein Teil des Tunnels war irgendwann eingestürzt, weshalb wenig Platz blieb, um ans andere Ende zu gelangen. Charles zwängte sich durch die Lücke. Erst dann wurde ihm bewusst, dass ihm nicht genug Luft blieb, um umzudrehen und zurückzuschwimmen.
Waren sie in eine Sackgasse geraten? Entweder es gab am anderen Ende des Tunnels Luft zum Atmen – oder sie waren verloren. Ihm blieb keine Zeit, in Panik zu geraten. Der Druck in seinen Lungen wurde langsam unerträglich, und das Verlangen, tief durchzuatmen, war bald so heftig wie der Höhepunkt letzte Nacht. Aber dann sah er über sich die Wasseroberfläche schimmern. Er schoss direkt nach oben und durchbrach das Wasser. Charles holte so heftig Luft, dass sie in seinem Hals kratzte.
Sie waren in einem kleinen Teich in einer Kammer aufgetaucht. Miriam keuchte. »Ich habe gedacht, ich schaff es nicht.«
»Mir ging’s genauso.«
»Was denn?« Miriam lachte. »Um dich habe ich nicht einen Moment lang Angst gehabt. Du warst nie in Gefahr. Schließlich bis du so ... mächtig. Unzerstörbar, Charles.«
»Komm, wir schauen lieber, was wir gefunden haben.«
Miriam hob die Lampe. In der Mitte der Kammer stand ein hüfthoher Steinblock. Ein goldenes Diadem mit einer dreiköpfigen Schlange blitzte ihnen aus Smaragdaugen entgegen.
»Das ist ihr Zeichen«, stellte Charles fest. »Wir haben den Ort gefunden.«
Ihre Blicke trafen sich. Selbst im dämmrigen Licht strahlten sie voller Freude.
Auf dem Steinblock ruhte ein mit Zedernholz ausgekleidetes und reich mit Lapislazuli verziertes Kästchen. Woher wusste er bloß, dass die Schatulle mit Zedernholz ausgelegt war? Hatte er irgendwo etwas darüber gelesen? Man wusste nicht viel über den Schmuck, den Kleopatra getragen hatte. Trotzdem stellte er sich jetzt sehr deutlich vor, einen Dolch mit silberner Schneide und einem aus Gold gefertigten Griff, der die katzenartige Form von Bastet hatte, in der Kiste zu finden.
Miriam stieg aus dem Wasser. Sie hielt die Lampe höher. Charles folgte ihr. Er öffnete die Kiste und sah obenauf den Dolch liegen. Etwas erstaunlich Erotisches ging von dieser Waffe aus, obwohl er das nicht so recht begreifen konnte.
In der Mitte der Kammer stand ein aus grobem Stein gehauener Sarkophag.
»Das ist sie!«, rief Miriam atemlos.
»Ja, das ist sie«, bestätigte Charles.
Sie hielten die Luft an, als sie sich langsam dem Sarg Kleopatras näherten, obwohl kein Geräusch durch den dicken Stein nach innen dringen konnte.
»Was machen wir jetzt, Charles?«
Wenn ein unmöglicher Traum endlich Wirklichkeit wird, kann diese Erfüllung geradezu lähmend sein. Charles fühlte sich merkwürdig. »Man sollte ein Team herbringen, das ihren Sarkophag birgt«, sagte er.
»Dann haben wir unsere Arbeit wohl getan, nehme ich an?«, fragte Miriam.
»Ja, ein Forscherteam sollte sie bergen«, wiederholte er. »Natürlich muss die ägyptische Regierung darüber informiert werden.« Er machte drei Schritte, bis er direkt neben dem kniehohen Sarkophag stand.
»Wir dürfen nichts anfassen«, erinnerte Miriam ihn.
»Du hast recht.« Charles’ Finger schoben sich ohne sein Zutun unter den Steindeckel. Er hob ihn an und schob ihn beiseite. Miriam half ihm. Mit einem ohrenbetäubenden Kreischen ließ sich der Deckel verschieben, ehe er zur Seite kippte und am Boden zerschellte.
Charles und Miriam starrten einander über den offenen Sarkophag hinweg an. Bis sie hinabblickten, war noch alles möglich.
Er nickte, und sie senkten gleichzeitig die Köpfe.
Da war sie!
Kleopatra war nicht mumifiziert. Sie war auch nicht verwest. Ihr reinweißer Kalasiris hatte inzwischen die Farbe von versengtem Papyrus angenommen. Aber ihr göttliches Gesicht, ihre perfekte Gestalt – all das war genau so, wie Charles es in Erinnerung hatte.
Charles erinnerte sich wieder.
Ein Kaleidoskop aus verschwommenen Bildern huschte und taumelte durch seinen verwirrten Verstand. Er sah ... er erhaschte einen Blick auf sie ... Nichts von dem, was er erblickte, ergab einen Sinn. Er schüttelte den Kopf. Vielleicht litt er unter Halluzinationen? Und wie konnte das sein, wenn das alles keinen Sinn ergab, er aber trotzdem gerade eine Antwort gefunden zu haben glaubte?
Miriams Fingerspitzen berührten Kleopatras Kleid, das unter ihren Fingern zu Staub verfiel und die Pharaonin bloßlegte.
»Sie schläft«, sagte Miriam.
»Ja. Seit über zweitausend Jahren.«
»Dann wecken wir sie jetzt auf.«
(Miriam zog ihr Messer aus der Scheide und zog es über ihren Handballen. Dann beugte sie sich über das dezent geschminkte, porzellanblasse Gesicht der Königin des Nils und ließ die rote Flut zwischen ihre leicht geöffneten Lippen rinnen.
Die Flut wurde zu einem Tröpfeln. Charles nahm Miriam das Messer ab. »Nein«, widersprach sie. »Dein Blut will sie nicht. Noch nicht.«
»Woher willst du das wissen?« Charles packte ihre verwundete Hand und hob sie an seinen Mund. »Ich weiß es einfach. Du nicht?« Miriam entriss ihm ihre Hand und machte einen Schritt nach hinten. Sie verschmolz mit der Dunkelheit.)
Kleopatras mit Khol umrandete Augen öffneten sich. Sie lächelte. Es war ein leises, schwaches Lächeln. Dann atmete sie ein. »Du bist ein Mensch geworden«, sagte sie zu Charles im makedonischen Griechisch ihrer Zeit.
Die Erinnerungen und Bilder verschmolzen miteinander. »Ja, mein Liebling. Das war meine Strafe, weil ich dir geholfen habe. Ich bin viele Male gestorben und wiedergeboren worden.«
»Menschlich.« Langsam hob die große Königin eine Hand und strich ihm das Haar aus den Augen. Ihr Lachen klang heiser und leise. »Und ich bin der Vampir. Das ist lustig, findest du nicht?«
»Da ich dich einst vor dem Tod errettet habe, wird es jetzt in deiner Macht stehen, mir dasselbe zu gewähren.« Charles grinste. »Keiner wird uns aufhalten können.«
Kleopatra seufzte seinen Namen. »Imenand Khaldun.«
Miriam wiederholte ihn aus dem Dunkel auf Englisch: »Der verborgene Unsterbliche.«
Charles richtete sich auf und streckte sich, als wäre er für Jahrhunderte im Stein gefangen gewesen. Er hatte sich eine Ewigkeit vor allen versteckt. Vor allem vor sich selbst.
»Miriam?« Die Königin winkte ihre Dienerin heran.
»Sie hat dir in dieser Inkarnation gut gedient«, sagte er.
Miriam neigte in stummem Dank den Kopf.
»Ich ... ich brauche ...« Kleopatras Stimme, die so süß klang wie eine Harfe, war ganz leise.
»Ich weiß«, sagten Miriam und der Mann, der bisher Charles Lomax gewesen war, wie aus einem Mund.
Er stieg in den Sarkophag und kniete sich über die Schultern seiner Königin. Miriams kalte Finger schlossen sich um seinen Schaft. Endlich kehrten all die sinnlichen Empfindungen zurück, die ihm seit seiner letzten Liebesnacht mit Kleopatra abhandengekommen waren. Er verspürte große Lust. Aber zugleich war da auch die Liebe, ein wenig Mitleid und Verwunderung. Magie oder etwas, das dunkler war als das Dunkel des Todes. »Ich liebe dich. Ich nähre dich durch meinen Körper.«
Miriam streichelte ihn ehrfürchtig.
Kleopatra erwartete ihn mit offenem Mund.
Imenand Khaldun flüsterte: »Ich schenke dir Leben.«
Dann kam er.