Mathilde Madden
Ich hab echt keine Aktien in diesem Vampirgeschäft drin.
Ich töte Werwölfe. Und ich mag diese Arbeit. Lykaner sind einfach. Du bringst sie zur Strecke – eine tödliche Wunde durch eine Silberwaffe genügt –, und die Wichser bleiben auch liegen, wie es sich gehört.
Bei Vampiren sieht die Sache anders aus. Man macht keine Karriere, indem man Vampire tötet. Die sind nämlich schon tot.
Aber bei der Jagd nach Werwölfen hab ich mir den Arm zerschmettert. Mein Chef wollte kein Geld für den Zauber ausgeben, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Er wollte sowieso nicht, dass ich weiter auf die Jagd ging, sondern sah mich lieber an einen Schreibtisch gekettet. Dass ich meinen Arm ruiniert hatte, lieferte ihm genau die richtige Ausrede, um mich dorthin zu versetzen.
Aber ich würde mich auf keinen Fall darauf einlassen. Dann würde ich meiner Frau gegenüber, die mich gerade für ein riesiges Biest von Superwerwolf verlassen hat, wie ein nutzloser, abgehalfterter Bürohengst aussehen. Darum habe ich mich auf die Suche nach der einzigen Person gemacht, von der ich wusste, dass sie genug Macht hat, die Sache wieder in Ordnung zu bringen.
Lilith.
Natürlich würde ich unter normalen Umständen keine Hexe darum bitten, mir zu helfen. Hexen lieben es, Leute mit schlechten Manieren zu häuten, die sie eigentlich nur um einen Gefallen bitten wollen. Aber Lilith ... Na ja, sie mag mich irgendwie. Sie mag mich so sehr, dass sie mich mit einigen Sachen durchkommen lässt.
Und so endete ich in ihrem Bett. Das war nun keine Strafe für mich, sie ist schließlich eine sehr attraktive Frau. Viele Hexen sind einfach nur unglaublich heiß. Weil sie es sein können. Weil sie so sind, wie sie wollen. Aber Lilith spielt diese Spiele nicht bloß. Sie ist darin Großmeister.
Oder Großmeisterin? Nein, das klingt merkwürdig.
Sie hat dieses ganz besondere Funkeln in den Augen, das meinen Schwanz allein beim Gedanken an sie zucken lässt. Zudem trägt sie immer diese hübschen Kostüme, Bleistiftröcke, Jäckchen mit Schößen und diese Nahtstrümpfe. Wenn man das mit einer etwas zu langen, etwas zu großen Nase und einem Kinn, das einen Tick zu männlich wirkt, kombiniert, hat man eine Frau, die heißer als die Hölle ist und bei der ich allein beim Gedanken an sie abspritzen könnte.
Und ja, sie mag mich auch. Sie mag mich, weil ich weiß, was sie möchte. Ich kenne sie inzwischen lange genug, um das zu tun, was sie will, ohne um mein Leben zu fürchten. Da bin ich anders als die meisten Männer, die wissen, wie viel Macht sie besitzt (glaub mir, sie könnte den Lauf der Erde anhalten), und fürchten, sie könnten ihr Leben in einem höllischen Blutstrom und überwältigenden Schmerzen aushauchen.
Lilith mag es, wenn man sie fesselt. Und ja, mir gibt es einen richtigen Kick, wenn ich so eine Hexe fesseln darf. Ich trage immer Handschellen mit mir herum. Und nicht nur deshalb – es gibt genug Gründe, sie immer griffbereit zu haben.
Sie braucht mich also kaum zu überreden, als sie sich aus ihrem Kostüm schält und die Tweedklamotten von sich wirft. Sie steigt nur mit ihren durchsichtigen, hautfarbenen Strümpfen mit der schwarzen Naht (Gott, wie sehr ich diese Strümpfe liebe!) und ihren Schuhen bekleidet (mit denen nur eine Hexe unfallfrei laufen kann) ins Bett. Ich binde ihre Handgelenke an das Kopfteil des Betts. Als sich die Handschellen mit einem leisen Klicken schließen, seufzt sie, als wäre sie tatsächlich gefangen.
Zuerst lecke ich sie. Mit meinem zerschmetterten Arm kann ich sie nicht so heftig ficken, wie sie es gerne hätte. Aber ich kann ihr trotzdem etwas geben, indem ich ihre Beine spreize und meinen Mund auf ihre heiße Hexenmöse lege, bis sie sich unter mir windet und an den Handschellen zerrt. Als ich das Gefühl habe, dass sie kurz vor ihrem Höhepunkt steht, mache ich eine Pause.
»Verdammt, Blake, mach schon!«, schnauzt sie mich an und hebt ihre Hüften. Ihre vernachlässigte Muschi kommt meinem Gesicht gefährlich nahe, als sie unter mir buckelt.
»Bring meinen Arm wieder in Ordnung«, sage ich dreist. »Bring die Sache in Ordnung, und ich geb’s dir.«
»Leck mich, Blake.« Etwas in ihrem Gesicht lässt mich an Donner denken, an ein plötzliches Gewitter, das seine zuckenden Blitze direkt in mein Herz fahren lässt.
Ich halte ihrem Blick stand. »Na ja, kann ich natürlich machen. Aber wo bleibt dann der Spaß?«
Lilith keucht und zerrt an den Handschellen. Sie ist wütend und erregt. »Man bekommt diesen Zauber nicht so einfach hinterhergeworfen. Er kostet mehr als einen guten Fick. Vielleicht können wir einen Deal machen, aber wenn du willst, dass ich auch nur einen Gedanken daran verschwende, solltest du schleunigst deine Zunge, nein, besser noch deinen Schwanz in meine Möse schieben und mich ficken.«
»Ich weiß nicht, ob ich das kann.« Ich hebe meinen linken Arm, der in der Schlinge steckt, mit einem Anflug von Reue.
Lilith verdreht die Augen. »Gott, vergiss doch mal für eine Sekunde deinen Arm.«
Mit diesen Worten ist der stechende Schmerz plötzlich weg. Ein kleines Wunder dieser Hexe. Ich kann meinen Arm aus der Schlinge ziehen und mich mit beiden – jawohl, mit beiden! – Armen auf dem Bett abstützen, als ich in ihren nassen Tiefen versinke. O Gott! Also, ich liebe mein untreues Weib, ich werde es immer lieben. Und ich werde ihr erzählen, dass ich sie nie betrogen habe – außer ein paar Mal mit einer Hexe, und mit einer Hexe zählt’s doch gar nicht. Aber keine Frau fühlt sich so herrlich an wie Lilith. Nichts ist wie das Geschlecht einer Hexe, das sich um deinen Schwanz schließt, sobald du in sie eindringst.
»Gib’s mir härter, Baby«, stöhnt Lilith. Sie zerrt an ihren Handschellen, aber sie tut immer noch so, als könne sie sich nicht aus eigener Kraft befreien, obwohl sie gerade höchst eindrucksvoll bewiesen hat, wozu ihre Magie fähig ist – und das hatte sie kaum mehr als ein Naserümpfen gekostet.
»Du willst es härter?«, frage ich. Meine Stimme klingt heiser.
»Gott, ja!«
»Dann sag ›bitte‹.« Lilith stöhnt, nicht nur Erregung, sondern auch Verärgerung schwingt in diesem Stöhnen mit. Sie sagt nämlich nie »Bitte«. Niemand befiehlt einer Hexe, ihn um etwas zu bitten.
»Leck mich.«
Ich ziehe mich aus ihr zurück. Nur meine Schwanzspitze verharrt in ihrer Möse. Ich spüre ihr Pulsieren, das dem gierigen Schlund eines Jungvogels gleicht. »Sag ›Bitte‹. Sag: ›Bitte, Blake. Fick mich.‹«
»Ich könnte dir deine verfluchten Arme ausreißen.«
»Du könntest auch einfach sagen: ›Bitte fick mich, Blake.‹« Mein Schwanz wandert in ihrer Spalte auf und ab. Ich lasse ihn um ihre Klit kreisen.
Sie blickt zu mir auf. »Bitte, Blake. Bitte fick mich.«
Und schon geht’s los. Hinein mit mir.
»Bitte, Blake. Gib’s mir härter. Richtig hart.«
Ich tue, was sie verlangt. Es fühlt sich herrlich an. Ich weiß später nicht, ob es die Ekstase ist oder mein rechter Arm, der zum ersten Mal seit langem schmerzfrei ist und mein Gewicht mühelos trägt. Aber mein Gott, mein Gott!
»Bitte, Blake. Mehr, gib’s mir härter! Fick mich härter, bitte. Bitte!«
Ich vögle sie, und mit jedem Stoß scheint sie mich um mehr anzuflehen, und ich werde in ihr noch härter.
Als ich komme, erreicht auch sie den Höhepunkt. Sie schreit und zerrt an den Handschellen. Mit Handschellen und Strümpfen ist sie einfach ein herrlicher Anblick. Und wie ihr Geschlecht pulsiert und sich um mich klammert ...
»Also ...« Ich drehe mich zu ihr herum und blicke Lilith an, die sich in der Zwischenzeit von den Handschellen befreit hat. »Danke, dass du den Zauber an meinem Arm gewirkt hast.«
»Welchen Zauber?«
»Den hier.« Ich hebe meinen rechten Arm und bewege die Finger.
»Ach, Süßer!« Lilith wirkt für einen Moment geradezu mild. »Ich kann für dich doch keine Ausnahme machen. Wenn du diesen Zauber willst, musst du wie jeder andere auch dafür bezahlen.«
»Aber du hast doch bereits ...« Ich sehe etwas in ihrem Blick, das mir überhaupt nicht gefällt. »Oh nein. Nicht ...« Ich kann nicht weitersprechen, weil mein Arm sich in Schmerzen auflöst.
Lilith beugt sich zu mir herüber. Sie umfasst meinen rechten Arm, der wieder nutzlos an meiner Seite baumelt, und schiebt ihn behutsam zurück in die Schlinge. Trotzdem muss ich vor Schmerz aufschreien.
Ungläubig wende ich mich von ihr ab. Aus der Tasche meines weißen Kittels, der auf dem Boden liegt, ziehe ich ein Pillenfläschchen. Die Medikamente, die ich nehmen muss, um den Schmerz zu betäuben, den dieser komplizierte, paranormale Bruch hervorruft, sind ziemlich stark. Ich habe in der Unterwelt recht gute Kontakte. Wenn man wach sein will, schlafen will – oder wenn man einfach nichts mehr spüren will, gibt es da draußen auf jeden Fall eine Pille dafür, wenn man weiß, an wen man sich wenden muss. Ich nehme zwei Pillen, ohne Lilith noch eines Blicks zu würdigen.
»Ach, komm schon, Blake. Du weißt doch, wie die Sache läuft.«
Tränen brennen in meinen Augen. Es ist mehr der Frust und nicht der plötzlich zurückgekehrte Schmerz, der mich weinen lässt. »Ihr Hexen verlangt ein Vermögen für eure medizinischen Dienste. Wie kann ich je so viel Geld aufbringen?«
»Ich an deiner Stelle würde es bei Leuten wie den Un-Armageddonern probieren.«
Das ist gar keine so schlechte Idee. Ich habe schließlich einige Fähigkeiten, die auf dem Markt eine Menge wert sind. Na gut, mit dem rechten Arm in der Schlinge bin ich nicht gerade das Sinnbild eines paranormalen Kopfgeldjägers. Aber ich bin mir sicher, dass ich zumindest einen Job finde, den ein Mann mit meinen Talenten bewältigen kann. Lilith nennt mir einen Preis. Ich nicke. »Und für das Geld bringst du die Sache wieder in Ordnung.«
Lilith lächelt. »Sobald du das Geld verdient hast, werde ich deinen Arm heilen.«
Ich schalte eine Anzeige auf einer Website. Es ist sowas wie der Kleinanzeigenteil der Tageszeitung, nur dass sich hier die Verrückten herumtreiben. Ich meine damit die richtig verrückten Leute. Leute wie ich oder die Un-Armageddon-Gesellschaft.
Die Un-Armageddoner existieren, weil jeden Augenblick, jeden Tag einfach Dinge passieren, die das Ende der Welt bringen könnten. Verrückter, übernatürlicher Scheiß, der das Meer zum Kochen bringen oder die Sonne für immer verdunkeln könnte.
Die UnAs verbringen ihre Zeit damit, uralte Texte zu durchkämmen und nach möglichen Weltuntergangsszenarien zu suchen. Und wenn sie so ein Szenario finden, halten sie den Weltuntergang auf. Es ist ein riesiges, geldverschlingendes Projekt. Aber sie sind finanziell recht gut aufgestellt. Vertrau mir, niemandem gefällt der Gedanke, dass die Welt untergehen könnte, weniger als den Superreichen. Sie wollen einfach nicht auf ihre diamantenversetzten Frühstücksflocken und die Jachten verzichten, weshalb sie gerne einen Teil ihres Gelds hergeben, bevor jemand das Ende des Universums ausruft.
Die Leute, die mich als Erste kontaktieren und mir Arbeit anbieten, sind höchstwahrscheinlich UnAs, obwohl sie mir das natürlich nicht sagen.
Wir verabreden ein Treffen in einer Kneipe. Zwei exzentrisch wirkende Männer und eine ältere Frau namens Mira warten dort auf mich. Ich will nicht, dass sie von meinem zerschmetterten Arm erfahren, und hoffe einfach, dass es genügt, wenn ich ohne Schlinge komme und sie nicht bemerken, wie der rechte Arm schlaff im Ärmel meines weißen Arztkittels hängt, den ich so gerne trage.
Mira tut höchst geschäftig und legt eine dicke Akte zwischen uns auf den Tisch. Ich ziehe mit der ungeschickten Linken meine Brille aus der Brusttasche des Kittels und setze sie auf.
»Das hier«, sagt Mira und zieht einige Papiere aus der Akte, »ist etwas, das wir uns näher angeschaut haben. Es geht um einen ...«
»Vampir.« Ich kneife die Augen zusammen und versuche, die winzigen Schnörkel zu übersetzen. »O Gott! Ein fruchtbarer Vampir? Wie konnte das passieren?«
»Eine menschliche Frau und ein gieriger Mann. Sie war, wie nennt man das ... eine Konkubine, eine Kurtisane ...?«
»Eine Hure?«
»Ja, also sowas. Die Lieblingshure eines sehr, sehr reichen Mannes. Er wusste aus einer Prophezeiung, dass ihm seine liebste Gefährtin von den Nachtgestalten genommen werden würde.«
»Von Vampiren also?«
»Genau. Und weil er so reich war, kaufte er einen Zauber, um das zu verhindern.«
»Er kaufte einen Schutzzauber?«
»Tja, leider nicht. Reiche Männer werden nicht dadurch reich, dass sie ihr Geld damit verschwenden, sich vollständig vor Vampiren zu schützen. Dieser Mann wünschte sich vor allem, die Hure zu heiraten und mit ihr eine Familie zu gründen. Das war vielleicht nur ein Hirngespinst oder etwas, womit er sie davon überzeugte, weiterhin lieb zu ihm zu sein und die Beine zu öffnen. Wer weiß? Aber letztlich kaufte er bei den Hexen keinen vollständigen Schutzzauber, sondern nur einen, der ihre Fruchtbarkeit beschützte.«
»Und das war billiger als der vollständige Schutz?«
»Viel, viel billiger. Und höchst dumm, wenn man bedenkt, wozu sie verdammt war. Natürlich haben die Vampire sie erwischt. Sie haben sie ausgesaugt und zu einer der Ihren gemacht. Das war der Anfang der Probleme, weil sie ...«
»Ein fruchtbarer Vampir.«
»Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Als sie verwandelt wurde, begannen die Vampire gerade, sich aus der Welt der Menschen zurückzuziehen. Es ist wohl so, dass es sich bei ihr um einen der letzten Vampire handelt, die erschaffen wurden. Das ist auch kein Problem, solange sie nicht ...«
»Solange sie keinen Sex mit einem Menschen hat.«
»Genau.«
»Und wenn sie Sex hat?«
»Wenn das passiert ... Und wenn sie schwanger wird ...« Mira verzog das Gesicht.
»Ein Hybrid aus einem lebenden Elternteil und einem toten Elternteil würde vermutlich das Universum implodieren lassen?«, frage ich. »Das wäre das Ende.«
Unter dem Tisch reibt einer der tuntigen Männer meinen Oberschenkel. Ich würde seine Hand gerne beiseiteschieben, aber es handelt sich um meinen rechten Oberschenkel, und ich habe rechts nun mal keinen funktionierenden Arm. Darum ignoriere ich die Berührung. »Aber das wird nicht passieren, oder? Vampire verbrüdern sich nie mit Menschen.«
»Die Dinge ändern sich, und die Ordnung zerbricht. Jetzt ist der Clan des Schwarzen Smaragds verschwunden, und Darius Cole ist zurück. Er ist durchaus dafür bekannt, sich mit Menschenfrauen zu ›verbrüdern‹.« Mira kann kaum ihre Abscheu verhehlen. Was irgendwie nicht überrascht. Vampire sind einfach nur ekelhaft.
»Also? Was genau soll ich für euch tun?«
»Finde diesen fruchtbaren Vampir. Sie heißt Constance.«
»Und dann?«
»Bring sie um.«
»Ist sie nicht schon tot?« Unter dem Tisch schiebt sich die Hand auf meinem Oberschenkel weiter nach oben und schließt sich um meinen Schritt. O Gott.
Mira ist für einen Moment verwirrt, ehe sie sagt: »Steck einfach einen Holzpflock in sie hinein. Den Rest erledigen wir.«
»Um das noch mal deutlich zu sagen: Das Geld bekomme ich für den Pflock. Ich pfähle diese Vampirin namens Constance und werde dafür bezahlt, richtig?«
»Genau«, sagt sie und streckt mir die rechte Hand entgegen, damit ich einschlage.
Ich starre kurz auf die Hand. »Ach, ich glaube nicht, dass wir das mit einem Handschlag besiegeln müssen«, sage ich schwach.
Mira blickt mich an. »Möchtest du den Deal lieber mit Puck besiegeln?« Sie wirft dem Typen, der mich begrapscht, einen anzüglichen Blick zu.
Ich nicke. Mir bleibt schließlich keine andere Wahl.
Also ende ich in der Gasse hinter der Kneipe, und das nur, damit sie nicht bemerken, dass sie sich auf einen versehrten Kopfgeldjäger eingelassen haben. Puck kniet vor mir und schluckt meinen Schwanz. So besiegeln wir unseren Vertrag. Mira und ihr anderer UnA-Lakai beobachten mich, wie ich aufkeuche, mich verkrampfe und anschließend in Pucks herrlichen Mund abspritze.
Und so bin ich hergekommen: Ich habe auf die Spiegel geschossen. Normalerweise sind Spiegel so ein Werwolfding, weil sie ja eine symbolische Parallele zum Mond aufweisen. Und wie wir alle wissen, lieben die Lykaner ihren Mond. Außerdem glaube ich, dass sie Spiegel auch deshalb benutzen, weil Vampire sich nicht im Spiegel sehen können. Du weißt schon: kein Spiegelbild und das alles. Lykaner hassen Vampire schließlich.
Aber es gibt eine Sache, für die selbst Vampire Spiegel verwenden. Und das wiederum hängt mit ihrer Knauserigkeit zusammen.
Ich habe ja bereits gesagt, dass Werwölfe Vampire hassen. Und das stimmt auch. Vampire hingegen erwidern diesen Hass nicht. Tatsächlich sind ihnen die Lykaner sogar ziemlich egal. Vor allen anderen hassen die Vampire nämlich Hexen. Und Hexen hassen Vampire.
Hier kommen die Spiegel ins Spiel.
Heutzutage verbergen die Vampire sich vor den Menschen. Das liegt daran, dass Vampire zwar schwer zur Strecke zu bringen sind, aber dennoch einige Schwächen haben. Tageslicht zum Beispiel. Das ist schon blöd, denn kann man sich eine leichter zugängliche Waffe vorstellen als Tageslicht? Nun gut, technisch betrachtet bringt es sie nicht um, aber es ist für sie sehr schmerzhaft und nimmt ihnen jede Kraft. Es ist vielleicht kein Kinderspiel, Vampire zur Strecke zu bringen, aber sie sind leichte Beute, wenn sie nicht nach draußen können. Wenn man die Burg findet, in der sie sich verschanzen, und bei Sonnenaufgang beginnt, diese mit einer Abrissbirne zu bearbeiten, werden sie bald handzahm. Und was die Unmöglichkeit betrifft, sie umzubringen, weil sie bereits tot sind ... Das kann sich ganz schnell als Nachteil erweisen, wenn die Leute, die einen Vampir in die Finger kriegen, ihn nicht auslöschen wollen, sondern zusehen möchten, wie er leidet.
Man kann echt viel Geld verdienen, wenn man einen Vampir zur Verfügung stellt, den man einfach quälen darf. Das ist ein Extremsport für richtig kaputte Idioten. Natürlich gibt’s dabei immer ein Risiko. Aber wenn man dem Vampir lange genug kein Blut gibt, wird er irgendwann ziemlich schwach. Aber ich darf das nicht zu laut verurteilen, schließlich ist es nicht so, als hätte ich noch nie einen Werwolf gefoltert. Aber ich habe das immer gemacht, um an Informationen zu gelangen, nicht weil es mir Spaß gemacht hat. Obwohl das nicht heißen soll, dass ich es nicht genossen habe. Und wenn mir dieser verlauste Köter in die Hände fällt, in den sich meine Frau verknallt hat, könnte ich mich ja plötzlich wieder an ein paar überlebenswichtige Informationen erinnern, die ich im Krieg gegen die Werwölfe brauchen kann und die er vermutlich zurückhält.
Aber jetzt genug von meinen häuslichen Problemen. Das grundlegende Problem zwischen Vampiren und Menschen ist nun mal, dass bei ihnen nie eine Seite gewinnt, immer viele Leute verletzt werden und eine Menge Geld dafür zum Fenster rausgeworfen wird, genau gar nichts zu erreichen. Eins jedenfalls verstehen die Vampire: wann es genug ist. Darum haben sie den Menschen vor gut hundert Jahren einfach Lebewohl gesagt und sich versteckt. Kluger Schachzug. Sie haben alle Verbindungen gekappt und verbergen sich. Außer den Leuten, deren Geschäft es ist, über die Welt des Übersinnlichen Bescheid zu wissen, haben die meisten Menschen längst vergessen, dass Vampire je real waren.
Es ist aber nicht so leicht, sich zu verstecken, vor allem nicht in einem dicht besiedelten Land wie diesem. Es gibt nicht viele einsam gelegene Burgen, die lange unbemerkt bleiben. Darum brauchen die Vampire richtig gute Zauber, die ihre Burgen verbergen. Und die Einzigen, bei denen man diese Zauber bekommt, sind die Hexen.
Darum müssen die Vampire vor den Hexen im Staub kriechen und sie um diese Zauber geradezu anflehen. Die Hexen verlangen dafür ein Vermögen. Vampire sind jahrhunderte alt, weshalb die meisten auch unvorstellbar reich sind. Das schafft die Inflation, gepaart mit klugen Investments. Wenn man langfristig mitspielt, ist das kein Problem. Aber sie hassen es einfach, den Hexen Geld zu zahlen. Darum knausern sie, wo’s nur geht. Sie tricksen. Sie strecken die Zauber mit Hilfe von Spiegeln.
Und hier kommt meine Pistole ins Spiel. Mira wusste immerhin, dass Constance sich beim Blauspitzclan herumtreibt. Die Information, wo die Blauen hausen, habe ich leicht bekommen. Es gibt Leute, die sich im Internet tummeln und alle möglichen geisterhaften Erscheinungen verfolgen. Man muss sich nur eine Art Google für Mittelerde vorstellen, schon weiß man Bescheid. Ich weiß also, warum ich hier bin. Und das Einzige, was ich jetzt noch schaffen muss, ist eine Lücke in ihrem Verteidigungssystem finden, was kein Problem sein sollte, weil diese Geizhälse bestimmt überall Spiegel aufgestellt haben.
Darum mache ich gerade das, was kein Schisser tun sollte, dem sein Leben lieb ist. Ich schieße in die Bäume um mich herum, weil ich in dieser Gegend ein Vampirschloss vermute. Vor anderen Menschen bin ich sicher, weil ich mir selbst einen kleinen Schutzzauber gegönnt habe. Trotzdem ist es nicht so einfach, und bisher habe ich alle Spiegel verfehlt. Es ist schwierig, etwas Unsichtbares zu treffen, wenn der rechte Arm in der Schlinge hängt und ich nur mit links schießen kann – die linke Hand ist nicht halb so geschickt.
Fünf oder sechs weitere Kugeln verschwende ich, ehe ich ein leises Geräusch höre, das eine Mischung aus Krachen und Klimpern ist. Spiegelscherben regnen um mich herum nieder. Ich blicke nach oben und sehe einen zerschossenen Spiegel oben in den Bäumen. Dahinter erkenne ich in der Ferne das steinerne Schloss.
Hölle und Verdammnis! Wörtlich gemeint.
Ich läute die große Glocke neben der imposanten Eingangstür zum Schloss. Aber nichts passiert. Ich blicke an den beeindruckend hohen und glatten Mauern hinauf. Es sieht aus, als wären sie unüberwindlich. Aber so soll es bei diesen Burgen ja auch sein, oder?
Riesige Burgmauern zu erklimmen, wenn man nur einen Arm hat und keine Erfahrung als Einbrecher vorweisen kann, ist etwas, das ich mal keinen guten Plan nennen würde. Zum Glück habe ich Fähigkeiten, die um einiges hilfreicher sind als zwei gesunde Arme und ein sportlicher Körper. Ich ziehe einen Schlüsselbund aus der Tasche, an dem einige Dietriche baumeln, und mache mich an die Arbeit. Obwohl ich natürlich auch hier wieder laut fluche, weil das Schloss linkshändig kaum zu bewältigen ist, schaffe ich es in weniger als einer Minute. Das ist so typisch! Sowas erlebt man doch ständig. Sie richten all ihre Aufmerksamkeit auf dreißig Meter hohe Mauern, die zu glatt sind, um an ihnen hinaufzuklettern, und installieren eine dicke, unzerstörbare Tür mit armdicken Eisenbeschlägen. Aber dann lassen sie ein Schloss einbauen, das ein kleiner Einbrecher mühelos knacken kann. Manche Leute wissen einfach nicht, wie man für Sicherheit sorgt.
In diesem Fall ist das mein Glück.
Ich brauche nur noch eine Sache, ehe ich mich fröhlich in meinen Untergang stürze. Es ist bloß eine Idee, aber ich bete zu Gott, dass es funktioniert. Aus der Brusttasche meines weißen Kittels (ah, ich liebe es, Arztkittel zu tragen, sie geben einem etwas Autoritäres!) ziehe ich eine Sonnenbrille mit verspiegelten Gläsern und setze sie auf.
In der riesigen Eingangshalle der Burg, in der die Vampire des Blauspitzclans leben, spähe ich durch die dunklen Gläser meiner Sonnenbrille. Bis die Sonne untergeht, vergehen noch einige Stunden, und im Augenblick sieht man niemanden. So ist es zwar sicherer, aber es ist dennoch kein angenehmer Gedanke, dass sich einige dieser blutsaugenden Monster vor der Zeit aus ihren Kisten erheben könnten. Aber während ich durch die Burg laufe, habe ich irgendwie den Eindruck, sie ist fast zu verlassen.
Aber dann höre ich hinter einer Tür endlich einige unverwechselbare Geräusche. Die Tür ist nur angelehnt, und ich schiebe sie etwas weiter auf, um ins Innere zu sehen. Im Schlafzimmer dahinter ist es düster – durch meine getönten Gläser wirkt es sogar noch dunkler. Nur eine einzelne Kerze auf dem Nachttischchen spendet schummriges Licht. Die Vorhänge sind fest verschlossen. Ein nackter Vampir liegt auf dem Bett und küsst eine Frau – bei der es sich vielleicht auch um eine Vampirin handelt.
Der Typ ist sehr blass. Sein dunkles Haar steht nach allen Seiten ab. Er ist groß und schlank. Unter seiner Haut zeichnen sich deutlich die bläulichen Adern ab.
Gewöhnlich sind sich Vampire durchaus der Leute bewusst, die sie beobachten. Aber diese beiden machen auf mich einen untypisch selbstvergessenen Eindruck. Als der Mann sich dem Hals der Frau widmet, sehe ich ihr dichtes, rotgoldenes Haar, ihre blassen, von langen Wimpern beschatteten Augen und den von den Küssen geschwollenen Mund. Sie ist sehr schön und eindeutig ebenfalls ein Vampir. Die Bewegungen des Vampirs sind ruckartig wie die eines Aliens. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass Vampire sich so linkisch bewegen. Vielleicht ist das eine Eigenart von ihm.
Jetzt sehe ich auch die Titten der Vampirin. Sie ist so blass wie ihr Liebhaber, und die Brüste ragen wie zwei perfekte Vanilleeiskugeln vor. Sie fühlen sich vermutlich genauso eisig an. Aber ein verräterischer Teil meines Verstands kann nicht anders, er denkt bloß darüber nach, dass ihre strahlende Schönheit mich wärmen würde. Und wenn ich »Verstand« sage, sollte ich lieber »Erektion« sagen.
Ich beschließe, dass es höchste Zeit ist, mich meiner Aufgabe zu widmen. (Entweder das, oder ich lasse meinen Schwanz aus der Hose springen und genieße die Vorstellung.)
Ich drücke mit der Schulter die Tür auf, schlüpfe ins Schlafzimmer und rufe: »Stehen bleiben!«, während ich meine Waffe auf sie richte.
Der männliche Vampir hebt den Kopf und zeigt mir seine Fangzähne. Er sieht wirklich monströs aus. Ich mache einen Schritt zurück. Meine verfluchte Waffe zittert in der Hand.
Diese verfickte, blöde linke Hand!
»Ist das eine Waffe?«, fragt der Vampir sichtlich amüsiert. »Zeigst du mit einer Pistole auf mich?«
Ganz leise höre ich die Frau. »Oh, scheiße«, sagt sie. Scheint eher von der scharfsinnigen Sorte zu sein.
»Ja, das ist eine Pistole«, sage ich. »Aber die Kugeln sind aus Holz, und ich halte sie nicht auf dich gerichtet, sondern auf das Herz deiner Freundin. Also Hände hoch!«
Der männliche Vampir wendet sich mir zu und hebt die Hände. »Und was willst du?« Er klingt so genervt, als wünschte er, ich würde mich einfach verpissen und ihm seinen Spaß lassen. Als wäre ich ein Dummkopf und als gäbe es tatsächlich die Möglichkeit, dass wir diesen Raum beide lebend verlassen könnten.
Ich halte die Waffe weiter auf die Frau gerichtet und versuche, ebenso gelangweilt zu klingen. Wie ein Klempner, der halt seinen Job machen muss. »Ich suche nach jemandem. Eine Vampirin namens Constance. Schon mal von ihr gehört?«
»Keine Ahnung, von wem du sprichst.«
Ich kann durch die Sonnenbrille erkennen, wie er eine merkwürdige, dümmliche Miene aufsetzt. Ich glaube, er versucht, mich mit diesem Blick seinem Willen zu unterwerfen. Aber die Brillengläser mindern diesen Effekt. Eine Pattsituation also, in der es nur noch einen möglichen Schachzug gibt.
Ich springe vor und überwinde die Distanz zwischen mir und dem männlichen Vampir, ehe er überhaupt reagieren kann. Mit beiden Füßen springe ich in seinen Unterleib. Er bricht zusammen. Das ist ein Trick, die ich von meiner Frau gelernt habe. Sie kämpft gerne hinterhältig.
O Gott. Ich vermisse sie so sehr.
Im nächsten Moment ramme ich meine Waffe in den Mund des Vampirs und blicke zu der Frau hinüber. Sie beobachtet mich wie eine Kinobesucherin, reibt mit den Fingern über eine Wunde an ihrem Hals und leckt das Blut ab. Das vampirische Äquivalent zum Popcorn, will mir scheinen. »Also, Süße. Wie sieht’s aus? Wollen wir mal miteinander reden?«
»Klar. Was willst du von Constance?«
»Ich bin hier, um sie umzubringen.«
»Ach ja?« Die Augen der Vampirin funkeln. »Also, wenn das so ist ... Was willst du wissen?«
Unter meiner Pistole gibt der Vampir ein würgendes Geräusch von sich, als wollte er protestieren. Ich ziehe einen Pflock aus meinem Gürtel und erledige ihn.
Einen Vampir zu pfählen ist erstaunlich einfach. Ich habe immer gedacht, es wäre Schwerstarbeit. Die Pflöcke sind ja irgendwie stumpf, und man sollte meinen, dass es einer Menge Druck bedarf. Aber ich habe die Rechnung ohne die zerbröckelnde Brust eines Untoten gemacht. Es fühlt sich an wie ein Stöckchen, das man in den Sand steckt.
Im nächsten Augenblick knie ich über einem tot-toten Vampirleichnam. Aber ich bemerke gar nicht, wie ekelhaft das ist. Denn als ich den Pflock zurück in meinen Gürtel stecke, berühre ich dabei zufällig meinen verletzten Arm, und verdammt, ich wünsche mir, ich wäre vorsichtiger gewesen. Plötzlich ist in meinem rechten Arm der stechende Schmerz wieder erwacht.
Ich hole das Pillenfläschchen aus der Innentasche meines Laborkittels und nehme zwei Stück. Dann warte ich einen Moment und nehme eine dritte.
»Tut’s jetzt weniger weh?«
Ich schaue zu der Vampirin auf dem Bett. Mir ist der Gedanke verhasst, aber ja, ich finde sie richtig heiß. Sie hat das Gesicht einer Frau, die schon alles gesehen hat. In diesem Mund haben schon Tausende Schwänze gesteckt. Und bei Gott, ich hoffe wirklich, dass sie mir hilft, Constance zu finden, und nicht plötzlich beschließt, mich zu töten, während ich mit meinem nutzlos herunterbaumelnden Arm beschäftigt bin. Aber sie lächelt bloß. Offensichtlich gehört sie zu den Vampiren, die es mögen, wenn Menschen Schmerzen haben. Das trifft nicht auf alle Vampire zu, aber einige von ihnen fahren voll drauf ab, weshalb sie einen Ruf als sadistische Scheißkerle genießen. Aber man sollte nicht vergessen, dass man das auch über mich sagt, und das nicht ohne Grund. Das ist ein weiterer Grund, weshalb ich jetzt alleine lebe.
Aber anstatt mich der Fantasie hinzugeben, wie verflucht geil sie aussehen würde, wenn man ihr das Grinsen mit einem Leuchtkasten vor dem Gesicht und einem mit Kruzifixen gespickten Knebelball im Mund austreiben würde, wie es die Vampirfolterer Charles und Erin Cobalt so gerne tun, zucke ich bloß mit den Schultern.
»Du willst was Besseres?«, fragt sie und hält mir eine ziemlich schmutzige Glasflasche hin. »Ist ein Opiat, sowas Ähnliches wie Laudanum.«
Ich krieche über das Bett und nehme die Flasche. »Wie hoch darf man es dosieren?«
Sie blickt mich irgendwie verwirrt an. »Zu viel Liebe könnte dich umbringen« ist alles, was sie dazu sagt. Ich trinke die Flasche halb aus.
Als ich sie absetze, schnellt einer ihrer knochigen, toten Arme hoch und legt sich um meinen Hals. Sie zieht mich an sich. Ihr Geruch ist süßlich und widerlich. Ihre Lippen legen sich an mein Ohr. »Du hast uns bei etwas unterbrochen.«
Der Stoff, den ich gerade in mich reingekippt habe, rauscht durch mein Hirn. »Hm?«
»Du hast meinen Lover umgebracht.« Sie wirft mich um und küsst mich. Ich lande auf dem Bett und versinke in einem Durcheinander aus Leinen und Spitze, in dem ich geradezu ertrinke. Die Kerze flackert im Luftzug, dann geht sie plötzlich aus.
Ich muss mich auf meinen Tastsinn verlassen. Ich spüre sie und rieche ihren süßlichen, toten Geruch. Die Knöpfe meines Laborkittels springen ab, als sie den Kittel aufreißt. Sie küsst mich weiter und öffnet meine Jeans. Schon umschließt ihre Hand meinen Schwengel. Ihre kalte, kalte Haut raubt mir den Atem, als sich die Finger um meinen heißen, verlangenden Schwanz legen.
Dadurch fühlt sich mein Verstand noch schwammiger an und scheint nur noch schleichend zu arbeiten. Ich lege meine linke Hand auf ihre und will sie wegziehen, aber schließlich halte ich bloß still und genieße es. »Ich bin nicht sicher, ob ich dafür Zeit habe. Außerdem hat mich meine Frau vor kurzem verlassen. Ich fühle mich emotional ziemlich angeschlagen.«
»Blut«, flüstert sie. »Die Leute denken, den Vampiren geht’s beim Sex mit Menschen immer nur um den Spaß. Es geht nicht, ohne sie zu beißen, heißt es. Aber ich sehe das anders. Wir sind Vampire, und wir brauchen nun mal Blut zum Überleben.« Ihre Faust schließt sich fest um meinen steinharten Schwengel. »Und welche bessere Kombination aus Sex und Blut gibt es? Warum denkt nie jemand darüber nach, dass eine Vampirin dieses Stück Männlichkeit – diesen Pfahl aus Holz und Blut, diese Mischung aus Sex, Tod und Essen, dieses Ding, das die Menschenmänner mit sich herumtragen – einfach nur köstlich findet?«
Ihr Mund ist kalt. Sie nimmt mich mit einer einzigen Bewegung tief in sich auf. Ich dringe bis in ihren Hals vor und komme ihr in der Finsternis mit jeder Bewegung entgegen. O Gott. Mein heißer, harter Schwanz in ihrem kalten, feuchten Mund. Das ist, als würde man gefrierenden Nebel ficken, der sich zusammenballt – flüssigen Stickstoff! Es fühlt sich an, als könnte mein Schwanz daran zerbrechen.
Ich ficke ihren eisigen Hals, hebe meine Lenden. Sie saugt so heftig an mir, während ihre Hände meine Hoden bearbeiten. Es ist nass, glitschig und kalt. Sie streichelt und schluckt mich. Und dann, als ich kurz vor dem Höhepunkt bin, lässt sie mich aus dem Mund gleiten. Meine Bewegungen verpuffen in der Leere.
Sie lacht leise und bewegt sich. Ihr Mund legt sich auf meinen, und dann ist sie rittlings auf mir und rammt sich meinen Schwanz tief in die Möse. Sie ist gut. Es fühlt sich so an, als würde sie mich verschlingen. Auch wenn sie sich eisig anfühlt, ist es für mich, als würde ich hinter meiner Sonnenbrille im Dunkel verbrennen.
Ich bin noch nicht mal eine Stunde in dieser Vampirburg, und schon vögle ich eine untote Schlampe. Was ist bloß los mit mir? Klar, ich habe meine Frau verloren, die mir untreu war. Aber das ist wohl kaum der Grund, weshalb ich mich so aufführe. Ich sollte nicht hier sein. Ich treib’s nicht mit Vampiren. Aber ich bin mit Drogen vollgepumpt, stimmt’s? Dann ist der Fall klar, die Drogen bringen mich dazu. Ich keuche. Sie stützt sich auf meiner Brust ab, ihre Hände gleiten unter meine Schlinge und liebkosen meine Brustwarzen. Ihr Geschlecht bearbeitet meinen Schwanz so gut, wie ich es noch nie erlebt habe. In diesem Moment habe ich eine Erleuchtung. Sie ist viel zu gut darin. Vampire ficken nicht wie Menschen. Jedenfalls nicht so, wie sie es gerade macht, das hat sie selbst gesagt. Sie beißen einander. Wo hat sie also gelernt, so gut zu vögeln? Ich denke an ihren Mund. Wie ich gedacht habe, dass sie so schon Tausende Schwänze bearbeitet hat ...
Es gab früher mal eine Zeit, als Vampire vor allem Huren gebissen haben. Sie waren nachts allein draußen und leicht zu erlegen. Sie waren schwach und freundlich, und die Leute kümmerte es nicht, wenn sie verschwanden. Das ergab Sinn, und Serienmörder machen es heute nicht anders, wenn sie sich eine Hure als Opfer suchen. Darum sind viele Vampirinnen, denen man heutzutage begegnet, ehemalige Huren. (Sie haben also Münder, die zweierlei Saugtechniken beherrschen.) Aber selbst dann ...
Ich wurde von einer Vampirin gevögelt, die früher, als sie noch Frau war, von einem reichen Mann bestimmt fürstlich entlohnt worden wäre. Sie wäre seine Favoritin gewesen, eine Frau, für deren Schutz er Hexen ein Vermögen gezahlt hätte ...
»O Gott!«, rufe ich. »Du bist es!« Sie umklammert mich in diesem Moment so fest mit ihrer Möse, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.
Scheiße! Ich kann nicht kämpfen, wenn sie meinen Schwanz so bearbeitet. Außerdem sind da noch die Tabletten und ihre Droge – was für ein Zeug das auch gewesen sein mag. Gott! Warum habe ich bloß diese merkwürdige Schwäche, unbekannte Substanzen zu mir zu nehmen, wenn ich Schmerzen haben?
Sie ist der fruchtbare Vampir. Ich darf nicht, kann nicht, nein, ich darf nicht kommen. Aber sie melkt mich so heftig ...
»Ich weiß, wer du bist.«
Sie lacht, und erneut zuckt ihr Geschlecht und bringt mich dem Untergang näher.
Ich versuche, von ihr wegzukriechen und wenigstens meinen Schwengel aus ihrer Umklammerung zu befreien. Aber ihre Arme drücken meine Schultern nieder. Sie ist so verflucht stark! Im Liegen und mit meinem zerschmetterten Arm habe ich keine Chance. Ich bin ihr hilflos ausgeliefert.
Sie umklammert mich. Es ist zu spät, ich erreiche meinen Höhepunkt.
Ich komme.
Ich wache auf und bin an einen Altar gefesselt. Das ist nie ein gutes Zeichen.
Ich vermute, dass ich das Bewusstsein verloren habe. Schwer zu sagen. Dass ich mich bis zum Anschlag ausgerechnet in der Frau vergraben hatte, die ich pfählen sollte, bevor ein Mann seinen Samen in sie abschießen konnte, oder einfach der Drogencocktail, den sie mir verabreicht hat – eins von beidem hat mir die Lichter ausgepustet, als ich kam.
Meine drei noch tadellos arbeitenden Gliedmaßen sind an die Ecken dieses verfluchten, Satan gewidmeten Tisches gefesselt. Ich trage nichts mehr, außer mein Hemd, das noch offen steht. Sie haben nicht mal meine Sonnenbrille abgenommen. Der Raum ist dunkel und nur von einigen tropfenden Kerzen beleuchtet, obwohl es für Vampire keinen Grund gibt, auf Elektrizität zu verzichten. Verdammt! Sogar Lykaner können mit Lichtschaltern umgehen!
Vier Gesichter, die mir schrecklich vertraut sind, ragen über mir auf. Eins gehört Constance. Und die anderen drei sind die angeblichen UnAs, die mich angeheuert haben. Also sind sie gar keine UnAs. Sie sind nicht mal Menschen. Inzwischen haben sie auch ihr tuntiges Verhalten abgelegt, und ich sehe, dass auch sie verfluchte Vampire sind.
O Gott. Bin ich wirklich so naiv gewesen? »Ihr habt mich ausgetrickst! Ihr wolltet gar nicht, dass ich sie umbringe. Ihr habt herausgefunden, was sie ist, und deshalb wolltet ihr, dass sie von einem Menschen geschwängert wird. Scheiße ...«
Mira ist auch jetzt Wortführerin. »Scheiße, allerdings. Ihr Menschen seid so schwach. Es ist so leicht, mit euch zu spielen.«
»Scheint so. Obwohl ich nicht sicher bin, warum ihr mich nicht einfach zum Kaffee eingeladen habt. Offenbar gehörte es zu eurem Plan, den armen Mistkerl zu pfählen.«
»Ach, mach dir um den keine Sorgen«, sagt Mira. »Ihm geht’s gut. Mit dem richtigen Zauberspruch können wir ihn wieder zu Leben erwecken.«
»Und was ist mit mir?«, frage ich. Meine Stimme klingt irgendwie heiser. »Wird es mir auch wieder gut gehen? Ich nehme an, ihr fesselt die Leute nicht an den Altar, um ihnen für irgendwas zu danken?«
»Wir müssen dich noch hierbehalten«, antwortet Mira. »Für den Fall, dass dein Samen nicht wirkt. Du bist ja auch nicht Superman, deshalb könnten noch ein paar Paarungen nötig sein.«
Entsetzt winde ich mich. In meinem Arm beginnt der stechende Schmerz wieder. Offenbar lässt die Wirkung meiner Drogen nach. Und mit dem Schmerz kann ich auch wieder klar denken. Es muss doch einen Ausweg geben, nicht länger als Deckhengst für diese Vampirstute gehalten zu werden, zumal Puck mich schon wieder so anschaut, als wolle er sich mir als persönlicher Vorbläser anbieten, bevor sie mich zwingen, die tote Schlampe zu ficken.
Es gäbe eine Möglichkeit ... Ich denke noch mal darüber nach, was Lilith mir gesagt hat. Dann schaue ich Constance an. »Hast du noch was von diesem herrlichen Opiat?«
»Hm?«
»Bitte. Mein Arm tut so sehr weh.« Bei Gott, ich kann nur hoffen, dass die Vampire meine Gedanken dank der Sonnenbrille wirklich nicht lesen können und sie bloß einen verwundeten Mann vor sich sieht, der an einen Altar gefesselt ist.
Constance holt aus einer Tasche ihres zarten, spitzenbesetzen Kleids das Fläschchen. Sie tritt zu mir und lässt mich aus der Flasche trinken.
Ich schlucke. Die Droge verlangsamt mein Denken, aber sie dämpft auch den Schmerz. Ich habe das Gefühl, mein rechter Arm wird immer leichter. Der Schmerz ist inzwischen nur noch ein Prickeln und kein brennendes Feuer. In der Schlinge zwinge ich die Finger meiner rechten Hand, sich um den Pflock zu schließen, den ich darin verborgen habe.
Lilith hat versprochen, sobald ich das Geld verdient habe, kommt mein Arm wieder in Ordnung. Mira hat gesagt, ich bekomme das Geld, wenn ich Constance pfähle. Ich kann nur hoffen, dass ich beides wörtlich nehmen kann.
Jede zerfetzte, ausgefranste Nervenfaser in meinem Arm kreischt auf, als ich ihn zu dieser Bewegung zwinge. Ich reiße den Pflock aus der Schlinge und ramme ihn direkt in Constance’ Brust. Natürlich braucht man nicht viel Kraft, um einen Vampir zu pfählen. Aber ich habe das Gefühl, ich muss mich gleich übergeben, so sehr schmerzt die Bewegung. Aber dann – Gott sei Dank! – beginnt Constance zu schreien. Sie ist entsetzt, und in diesem Moment spüre ich Liliths Zauber, der sich entwickelt. Ich hab es doch gewusst! Da sie schon einmal meinen Arm mit einem Zauber geheilt hat, wurde dieser Zauber von ihr nur verschleiert, statt ihn rückgängig zu machen. Der Zauber, der mich heilte, ist die ganze Zeit da gewesen.
»Das ist richtig.« Und als Constance zu Boden fällt und nun vollends tot ist, taucht Lilith direkt hinter ihr auf.
»Was tust du hier?« Ich versuche mich aufzurichten, aber noch bin ich an den Altar gefesselt. Außerdem werde ich etwas abgelenkt, weil Mira und ihre Vampirjungs schreien und versuchen, mich umzubringen. Eine Sekunde lang werde ich von aufblitzenden, langen Zähnen geblendet, und dann ...
Nichts.
Verwirrt löse ich die Fessel um meine linke Hand und setze mich auf. Die anderen drei Vampire liegen auf dem Boden. Zwischen ihnen steht Lilith und grinst mich zufrieden an.
»Du hast sie alle umgebracht?«
»Gewissermaßen. Schließlich waren sie schon tot, ich habe nur dafür gesorgt, dass sie die etwas geräuschlosere Variante erreichen. Sie waren ziemlich nervig. Aber was ist los, du siehst so verärgert aus?«
»Was tust du überhaupt hier?«
»Gewisse Zauber ziehen mich an. Es ist wie ein umgekehrter Rückstoß. Als dein Spruch aktiviert wurde, hat es mich hergezogen. Tut mir leid. Habe ich gestört?«
»O Gott, also weißt du. Da betreibe ich einen geradezu übermenschlichen Aufwand, um lebend hier rauszukommen. Ich wollte mich in die Freiheit kämpfen oder beim Versuch sterben. Ich habe gebetet, dass die Pfählung dieser Verrückten mich wieder soweit in Ordnung bringt, dass ich eine Chance habe. Und dann tauchst du auf, und kawumm, sind alle tot. Ich weiß, das verstehst du wahrscheinlich nicht, aber wenn man sich mit einer Hexe abgibt, hat man manchmal das Gefühl, irgendwie impotent zu sein.«
»Impotent?« Lilith grinst. »Also, wenn ich ehrlich bin, wäre die Sache dann viel leichter gewesen.«