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Kurz nach dem Telefonat mit Paula war seine Schicht zu Ende. Er hatte sich geschworen, nie wieder nach Schmargendorf zu fahren. Er tat es trotzdem.

Als er den Antiquitätenladen passierte und langsam die Straße entlangfuhr, registrierte er mehrere geparkte Autos. Aber Paula war nirgendwo zu entdecken. Mark stellte seinen Roller am Kiosk ab und schlenderte zu Fuß und mit scheinbarer Gemütsruhe die Straße auf und wieder ab. Die Angst saß wie ein giftiger Zwerg in seinem Bauch. Mark hörte nicht auf sein feiges Gekreische. Er versuchte es zumindest.

Ein kleiner Renault stand sehr günstig, um das Geschäft im Auge zu behalten. Mark erkannte den Wagen - es musste der von Tessy sein. Das Seitenfenster war geöffnet. Merkwürdig. Mark warf einen Blick in den Innenraum. Nichts Auffälliges. Er ging um den Wagen herum, bückte sich. Dort lag etwas. Er angelte danach. Scheiße, dachte er, ein Handy. Er überprüfte die Kontakte des Geräts. Es war eindeutig Paulas Mobiltelefon. Hier ist was schief gegangen. Der Giftzwerg geiferte.

Mark lief mit zitternden Händen die Straße ein ganzes Stück in die andere Richtung. Am Ende fiel ihm Simons BMW auf. Er ging langsam näher und fasste auf die Motorhaube. Sie war noch mäßig warm. Das hieß gar nichts Gutes.

Mark nahm Paulas Handy und versuchte Tessy zu erreichen. Fehlanzeige. Dort meldete sich nur die Mobilbox. Das gleiche Ergebnis erzielte er, als er Charlottes Nummer anwählte.

Er grübelte eine volle Minute. Dann rief er die Polizei an.

 

Die Beamten trafen erstaunlich zügig ein. Nachdem er in Kurzform von seinen Befürchtungen berichtet hatte, verschafften die Polizisten sich unverzüglich Zutritt zum Haus.

Mark atmete tief durch und sah eine Weile dem beherzten Agieren der Beamten zu. Aus reiner Neugierde schlenderte er schließlich noch einmal zu Simons BMW. Ein wunderschöner Wagen – mindestens zwanzig Jahre alt – auf Hochglanz polierte Felgen, Mahagonilenkrad, noch keine Zentralverriegelung. Mark schluckte und fasste nach der Kofferraumhaube. Sie war nicht abgeschlossen. Simon musste es sehr eilig gehabt haben.

Mark warf einen schnellen Blick in den Kofferraum. Der lederne Werkzeugkoffer gefiel ihm. Notfalls konnte man ihn bei eBay verticken.

Mark spazierte mit dem Koffer langsam zum Kiosk zurück, setzte sich auf seinen Roller und wartete, bis er von weitem Tessy, Paula und Charlotte erkennen konnte, die von Polizisten aus dem Haus begleitet wurden. Bleich und zittrig, aber äußerst lebendig. Als kurz darauf Simon und zwei weitere Typen, einer davon ziemlich groß gewachsen, in Handschellen abgeführt wurden, stülpte er seinen Helm über und brauste davon.

Zum ersten Mal seit langer Zeit leichten Herzens.