22. Kapitel
Ich weiß nicht, was vorgeht, Mand'alor, doch nach dem Ausmaß an aufgeschnapptem GA-Kommverkehr, der derzeit im Hapes-Sternenhaufen stattfindet, tobt dort richtiggehend Panik. Bleib in Bereitschaft.
- Goran Beviin, Überwachungsexperte, erstattet Bericht vor dem Start der Bes'uliik vom Roche-Asteroidengürtel
GGA-STEALTHX, AUF ZIOST
GELANDET
Jacen hätte wirklich nicht gewusst, wo er sonst hingehen sollte.
Er starrte die Instrumententafel des Cockpits vor sich an, in dem Wissen, dass er bereits vor mindestens zwanzig Stunden wieder zurück auf Coruscant hätte sein sollen und dass Niathal ihn zweifellos verfluchen würde.
Er war allein, in einem zerschundenen schwarzen Pilotenoverall, mit quälenden Schmerzen und - hungrig.
Das hier war nicht der Aufstieg zum Lord der Sith, den er sich vorgestellt hatte. Was wohl gewöhnliche Leute glaubten, wie es war, wenn der Verlauf der Geschichte durch eine einzige ausschlaggebende Tat verändert wurde? Vermutlich konnten sie sich nicht vorstellen, dass ihre Zukunft jetzt in den Händen eines erschöpften, verschwitzten Mannes lag, der wieder und immer wieder dachte, dass er eine Rasur brauchte, und nahezu außerstande war, zu glauben, dass er ...
Mara Jade Skywalker getötet hatte!
Das Töten wurde nicht einfacher. Er wurde bloß immer besser darin.
Doch es ergab immer noch keinen Sinn. Er rieb sich die Wange, und die Stoppeln raspelten hörbar unter seinen Fingern. Mara war nicht das Kostbarste in seinem Leben gewesen. In den vergangenen Wochen hatte sie sich von seiner einzigen Freundin in jemand völlig anderen verwandelt, der ihm nicht traute und ihm im Weg war.
Sie war seine Tante. Sie gehörte zur Familie. Sobald bekannt wurde, welche Rolle er bei ihrem Tod gespielt hatte - das war bloß eine Frage der Zeit, aber es würde nicht in diesem Moment geschehen und auch nicht so bald -, würden Entsetzen und Hass das auseinanderreißen, was von den Familien Skywalker und Solo noch übrig war. Womöglich wären selbst Niathal und all die anderen, die wussten, was für ein schmutziges Geschäft es war, den Frieden zu sichern, angewidert.
Ich habe gerade meine Tante umgebracht. Ich bin mit ihr auf gewachsen. Sie war für mich da. Wir haben im Krieg Seite an Seiten gekämpft.
Ich muss ihrem Sohn gegenübertreten. Ich muss Ben gegenübertreten.
Was habe ich getan?
Sein Magen grollte. Wie war es möglich, dass er in einem Moment wie diesem hungrig war?
Er wird seine Liebe unsterblich machen.
Dämliche geknotete Quasten. Alle möglichen uralten Sith Prophezeiungen würden sich erfüllen, wenn der neue Dunkle Lord bereit war, sich seiner Verantwortung zu stellen und die Galaxis in ein goldenes Zeitalter von Gerechtigkeit, Ordnung und Frieden zu führen. Der Stein war ins Rollen geraten - und das war es, was die Prophezeiung wohl tatsächlich bedeuten musste indem Jacen getötet hatte, was er am meisten liebte.
Er hatte Mara umgebracht und Nelani und Fetts Tochter und in gewisser Weise auch eine chaotische, ungerechte Demokratie. und er hatte nichts davon geliebt. Er hatte mehr als einmal versucht, Lumiya zu töten. Sie schien zu denken, das wäre Teil der Aufgabe von Sith-Gefolgsleuten.
Aber Jacen glaubte nicht daran. Und hätte Mara nicht zuerst versucht, ihn zu töten, hätte er ihren Tod sogar noch mehr als gedankenlos vergeudetes Leben betrachtet.
Das Gefüge der Existenz schien sich auch nicht grundlegend verändert zu haben. Dieser Wechsel hätte tiefgreifend sein sollen, und obwohl er nicht angenommen hatte, er könne die Fäuste gen Himmel erheben und Blitze herabzucken lassen, um seine mächtige Seele mit neuer Energie zu füllen, hatte er zumindest gedacht, die spirituelle und existenzielle Wandlung wahrzunehmen.
Er hatte Angst. Wie sicher er sich vor einigen Stunden auch gewesen sein mochte, dass Mara diejenige war, die dazu bestimmt gewesen war zu sterben, ergab das Ganze im Kontext der Prophezeiung keinen Sinn. Auch fühlte er sich nicht anders als zuvor. Bedeutete das, dass er noch jemand anderen töten musste? Er war so davon überzeugt gewesen, dass jetzt alles vorbei war. Das Gefühl der Enttäuschung war so gewaltig, dass es ihn fast schluchzen ließ.
Dann nahm er eine Präsenz wahr. Er lehnte den Kopf gegen die Seite der Cockpitkanzel, und draußen, auf diesem alptraumhaften Planeten, auf dem er gelandet war, sah er Lumiya, die zu ihm hochschaute.
Jacen entriegelte die Versiegelung. »Ich bin überrascht, dass du dir nach allem, was passiert ist, die Mühe gemacht hast, herzukommen und mich zu suchen.«
»Ihr müsst jetzt gesehen werden.« Lumiya haftete ein neuer Gleichmut an. Wie immer schien sie keinen Anstoß daran zu nehmen, dass er einmal mehr versucht hatte, sie zu töten. »Eure neue Existenz hat begonnen, Dunkler Herrscher.« »Wirklich?« Der Schmerz in seiner Schulter nagte an ihm wie ein Tier, das an seinem Fleisch riss. »Ich fühle mich nicht besonders herrschaftlich.«
»Ich versichere Euch, es ist vollbracht. Ich habe es gespürt.«
Vielleicht versuchte sie bloß, ihn aufzumuntern. Er bewegte sich in seinem Sitz, um den Druck auf die Ansammlung seiner Prellungen zu lindern. »Ich werde nach weiteren Beweisen dafür Ausschau halten.«
»Hört auf, die Macht in Frage zu stellen, und widmet Eure Aufmerksamkeit dem, was Ihr als Nächstes zu tun habt. Luke Skywalker ist vor wenigen Stunden auf Hapes eingetroffen, und Niathal beklagt sich bitterlich über Eure Abwesenheit.«
»Sie werden mich nicht finden.«
»Das meinte ich nicht. Eure Reise zum Königshof - übrigens ein Geheimnis, das ich mit ins Grab nehmen werde - muss glaubhaft erklärt werden. Früher oder später wird ans Licht kommen, dass Ihr im Hapes-Sternenhaufen wart und dass Mara dies wusste.«
»Wie?«
»Darf ich Euch beunruhigen?«
»Kannst du mich denn noch mehr beunruhigen? Ist das möglich?«
»Während sie sich im hapanischen Raum aufhielt, hatte Mara mit dem hapanischen Flottenkommando eine Unterredung über Eure Anwesenheit auf Hapes. Ich habe sie mitgehört, und deshalb war ich in der Lage, Euch zu Hilfe zu kommen.«
»Großartig.«
»Und sie hat ihnen sogar eine Besehreibung der Sith-Sphäre gegeben, als mögliche Bedrohung. Ich denke, all das summiert sich zu einem Szenario, das eine einleuchtende Erklärung erfordert.«
Lumiya hatte recht. Jacen brauchte eine Tarngeschichte, und wenn auch nur für Tenel Ka.
»Das wird sogar meinen Einfallsreichtum auf die Probe stellen«, sagte er. »Wer weiß bereits alles darüber Bescheid?«
»In der Galaxis gibt es keine Geheimnisse, Jacen, bloß unterschiedlich umfangreiche Empfängerlisten. Die Bothaner werden es erfahren, die Mandalorianer werden es erfahren ... und der Allianz-Geheimdienst wird es erfahren, und keiner davon bringt Euch in diesen Tagen die geringste Zuneigung entgegen.«
»Nun, wäre ich als Sith-Lord nicht noch grün hinter den Ohren, wäre ich jetzt beleidigt.«
»Macht keine Scherze. Macht darüber niemals Scherze.«
»Ich könnte ganz legitim behaupten, dass ich Tenel Ka in meiner Funktion als Staatschef aufgrund der anhaltenden Verwirrung über meine Eltern einen Besuch abgestattet habe.«
»Und was ist mit Eurer angeschlagenen körperlichen Verfassung?«
»Ah. Ich beschleunige die Heiltrance, so gut ich kann.«
»Was ist mit Maras Leiche?«
»Ich habe sie dagelassen, wo sie war.«
»Sie hat sich nicht in Luft aufgelöst? Sie hat ihre sterbliche Hülle zurückgelassen?«
»Ich glaube schon. Überrascht dich das?«
Lumiya schien über etwas nachzudenken und senkte ihren zuvor so durchdringenden Blick. »Ich habe immer gedacht, sie würde irgendwie eins mit der Macht werden.«
»Nun, wer weiß das schon. Und ich kann dir versichern, dass es ihnen niemals gelingen wird, das Gift zu mir zurückzuverfolgen. Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft werden sie es ohnehin alle erfahren.«
»Und bis dahin wird es für sie zu spät sein, irgendetwas gegen Euch zu unternehmen.« Lumiya drehte sich um und wollte gehen, doch dann überlegte sie es sich noch einmal anders. »Mein Schiff wurde bemerkt. Ben hat Euch auf Kavan nicht gesehen, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bin ich die Hauptver-dächtige hinsichtlich Maras Tod. All das versetzt mich in die Lage, Euch den letzten Dienst zu erweisen, der mir möglich ist.«
»Der da wäre?«
Lumiya war am nervtötendsten, wenn sie versuchte, gütig zu sein. Das verriet Jacen, dass sie etwas wusste, das er nicht wusste.
»Ich werde Euch Zeit verschaffen, die Galaxis noch fester in Euren Griff zu bekommen«, sagt e sie, »indem ich Luke glauben mache, das alles wäre mein Werk.«
»Denkst du nicht, dass du dich lieber vor ihm verstecken soll test?«
»Nein. Man könnte sagen, das ist mein Schicksal.«
»Das hört sich wie ein Todeswunsch an.«
»Mein Werk und mein Leben sind vorüber, Jacen. Ich würde eine Ruhepause wirklich begrüßen.«
Der Tod schien in letzter Zeit ein sehr alltägliches Gut. zu sein. Das behagte Jacen nicht. Ihn überkam der plötzliche Drang, das Leben zu umarmen. Tief in ihm und ungeachtet des Jungen in seinem Innern, der nach wie vor damit rechnete, dass ein Blitzschlag seinen Wandel zur Sith-Reife markieren würde, schlummerte ein Gefühl von Zuversicht, grün und frisch. Das erstaunte ihn.
»Übrigens treibt sich Alema immer noch irgendwo herum«.
sagte Lumiya. »Falls Ihr sie entdeckt, wird sie vermutlich nach dem Sith-Schiff verlangen, um ihre Blutfehde gegen Eure Eltern fortzusetzen. Ich hege keinen Zweifel daran, dass Ihr ihr in Kürze begegnen werdet.«
Jacen fragte sich, ob Sith Testamente hinterließen; Lumiya schien sich jedenfalls ihre Gedanken gemacht zu haben, was nach ihrem Tod geschehen sollte. Sie musterte ihn eine Weile lang mit zur Seite gelegtem Kopf, ihre Augen verstörend grün und denen von Mara nicht unähnlich, und dann ging sie in den eisigen Nebel davon.
Er meditierte ungefähr eine Stunde, um den Heilungsprozess zu beschleunigen, dann hob er ab, um Kurs auf Coruscant zu setzen - ein Kurs, der direkt an Hapes vorbeiführte.
BRUNNENPALAST, HAPES
»Luke ... Luke? Luke.«
Tenel Ka musste seinen Namen dreimal wiederholen, bevor er es schaffte, seinen Kopf zu heben, um sie anzusehen. Es war, als wollte ihn das elegante Brokatsofa verschlingen, und vielleicht wäre das für ihn am besten gewesen.
Ein Flor der Benommenheit schottete Luke von allen anderen ab, und es erforderte dreimaliges Wiederholen, um zu ihm durchzudringen - ein erstes Mal, damit er nicht weiter daran dachte, dass er Mara nicht einmal Lebewohl gesagt und geschlafen hatte, als sie ging; ein zweites Mal, damit er aufhörte, sich den Kopf darüber zu zermartern, was die letzten Worte gewesen waren, die er zu ihr gesagt hatte; und ein drittes Mal, damit er nicht länger ihre hingekritzelte Notiz vor seinem geistigen Auge sah, die er zusammengeknüllt und dazu benutzt hatte, ein Loch in seiner Cockpitkonsole zu stopfen, und die er nun liebevoll glatt gestrichen hatte und für den Rest seines Lebens bei sich tragen würde.
Bin für ein paar Tage jagen! Sei nicht sauer auf mich, Bauernbursche!
»Luke, Jaina ist hier.«
»Vielen Dank, Tenel Ka ...« Solange er derart benommen war. hatte Luke das Gefühl, funktionieren zu können. Er würde seine Gedanken sammeln, sich vergewissern, dass der Rest der Familie zurechtkam, und dann würde er handeln - sobald er wusste, was er tun sollte. »Ich kann dir gar nicht genug danken.«
»Luke, ich habe all meine Wachen ausgeschickt, um den Sternenhaufen zu durchkämmen.«
Jaina kam schnell herein, mit grimmigem Gesicht und etwas geschwollenen Augen. Sie ließ sich auf die Knie fallen und drängte sich in Lukes Schoß, um ihn schweigend zu umarmen. Er hatte sie nicht anzufunken brauchen; sie hatten es alle gespürt.
»Immernoch keine Spur von Ben«, sagte Luke und streichelte Jaina übers Haar. »Und ich kann nicht einmal raten, wo er ist.«
Jaina wippte auf ihren Fersen nach hinten. »Ich kann ihn auch nicht wahrnehmen, Onkel Luke.«
»Es geht ihm gut, Schatz. Ich wüsste, wenn ...«
Luke brachte den Satz nicht zu Ende. Er wusste jetzt genau, wie sich Bens Tod für ihn in der Macht anfühlen würde. Ben war nicht tot.
Luke wartete auf einen Rückruf von Leia und Han. Er wusste, dass Leia Maras Tod gespürt hatte. Sie würde sich melden.
Tenel Kas majestätische Haltung geriet für einen Moment ins Wanken. »Jacen war kürzlich hier.«
»Wie bitte?« Mit einem Mal kehrte diese Schärfe in Jainas Stimme zurück. »Was meinst du damit, er war hier?«
»Er hat uns gestern einen Besuch abgestattet«, sagte Tenel Ka. »Ich weiß nicht, wo er jetzt ist, aber...« »Kann es sein, dass das hapanische Flottenkommando die Bewegungen seines Schiffs aufgezeichnet hat?«, fragte Jaina. »Jeder Fitzel Informationen könnte helfen.«
Jacen musste Maras Tod genauso gespürt haben wie jeder andere, und es bestand die reelle Möglichkeit, dass er hier gewesen war, zu dem Zeitpunkt, als sie Lumiya in genau diesem System nachgestellt hatte. Doch er war ja mit GGA-Angelegenheiten »beschäftigt«. Luke kochte schweigend.
Tenel Ka nickte, wieder ganz anmutige Ruhe. »Ich werde alle verfügbaren Informationen für euch beschaffen lassen.«
Tenel Ka ging mit großen Schritten hinaus. Jainas Miene drückte Blutdurst aus.
»Sag es nicht«, sagte Luke.
»Er ist ein vollkommen Fremder«, sagte Jaina. »Da. Ich musste es sagen, andernfalls hätte ich mir ein Aneurysma zugezogen bei dem Versuch, ihm keine reinzuhauen, wenn er irgendwann hier aufzutauchen gedenkt.«
Luke drückte Jaina an sich. Das prunkvolle Herrschaftszimmer hemmte ihn. Dann summte sein Kommlink. Es war Leia.
»Hey«, sagte sie. Leia berührte ihn nicht bloß in der Macht, sie umschloss ihn. »Wir kommen zurück, so schnell wir können. Es tut mir so leid. Es tut mir so schrecklich leid.«
Es klang, als würde Han mit ihr um das Kommlink ringen. »Jungchen, bleib einfach, wo du bist. Unternimm nichts. Überlass das alles uns. Ist Ben in Ordnung?«
»Wird wieder vermisst.«
»Ihm geht's bestimmt gut. Mach dir wegen ihm keine Sorgen. Wir kommen.«
Es gab nicht viel, was Han sonst noch sagen konnte, und er erwähnte Jacen mit keiner Silbe. Luke schob das Kommlink in seine Tasche zurück.
Das Schweigen lastete schwer auf Lukes Schultern und schien sogar auf seine Trommelfelle Druck auszuüben. Sein Atmen schien den Raum zu füllen. Was war das Letzte, das ich zu Ungesagt habe?
»Weißt du, dass ich mich genau daran erinnere, worüber Mara und ich als Letztes geredet haben?«, fragte Jaina plötzlich. Sie tat genau das Gleiche wie er: die letzten Unterhaltungen wiederholen. Ihr kamen die Tränen. »Nichts Wichtiges, nur wie sehr ich sie liebe und was sie alles für mich getan hat. Dass ich zu viel Energie für dämliche Streitereien mit Zekk und Jag vergeude, wie eine doofe, zickige Teenagerin.«
»Tu dir das nicht an.«
»Vielleicht war ... das nötig, damit ich erwachsen werde.« Jaina schien außerstande, die Worte auszusprechen: Maras Tod. »Jetzt ist alles anders.«
»Ich weiß. Ich weiß ...«
»Es war Lumiya.«
»Das wissen wir nicht.«
»Du bist vernünftig bis zuletzt, nicht wahr, Onkel Luke?«
»Keiner von uns kann im Moment einen klaren Gedanken fassen.« Er wollte verhindern, dass sich Jaina allein auf den Kriegspfad machte, um Rache zu üben. Er musste sich konzentrieren - irgendwie. »Warum rufst du nicht ... Zekk an? Oder Jag?« Er hatte keine Ahnung, welchem der beiden sie sich in dieser Situation am liebsten zuwenden wollte. »Sie müssen es auch wissen.«
Jaina wischte sich ihre Nasenspitze diskret mit ihrem Handrücken ab und schien ein unnatürlich starkes Interesse an den kunstvollen Schnitzarbeiten eines Stuhlbeins zu entwickeln. »Ich werde sie informieren, aber ich habe genug von diesem ganzen persönlichen Zeug. Ich werde mich jetzt auf eine Sache konzentrieren, und die ist, Lumiya bezahlen zu lassen. Wenn ich schon das Schwert der Jedi sein soll, ist es an der Zeit, dass ich das ernst nehme, und es gibt nichts, was meine Zeit mehr wert wäre als das.«
Später kam der diensthabende Hauptmann der Wache mit einem Datenpad auf einem Bronziumtablett herein und hielt es Luke hin. Als er zögerte, nahm Jaina es an sich und studierte es. Der Ich-hab's-dir-doch-gesagt—Ausdruck auf ihrem Gesicht verriet Luke, dass es keine angenehmen Neuigkeiten waren.
»Willst du die Kurzfassung, Onkel Luke?«
»Das überlasse ich dir.«
»Mara taucht nach Jacen auf und bittet das Flottenkommando, die Augen nach einem orangefarbenen, kugelförmigen Schiff mit kreuzförmigen Masten offen zu halten, weil unser neuer Staatschef möglicherweise in Gefahr sein könnte.«
Luke versuchte stets, sich nicht von unwesentlichen Dingen beeinflussen zu lassen, weil sich regelmäßig zeigte, dass beim Zusammenrechnen von zwei und zwei alles andere herauskam als vier. Doch er wusste nicht, ob sie irgendwelche anderen Anhaltspunkte finden würden. Ob sie überhaupt jemals Maras Leiche Finden würden, wenn sie ihre sterblichen Überreste zurückgelassen hatte.
»Jaina«, sagte er. »Ich denke, diese Sache solltest du mir überlassen.«
»Wie war das, als du sagtest, dass momentan keiner von uns einen klaren Gedanken fassen kann?«
»Ich will nicht, dass irgendjemand etwas unternimmt, solange wir nur die Hälfte der Fakten kennen.«
»Wie sollen wir die Angelegenheit dann handhaben?«
»Sie ist... sie war meine Frau. Ich habe das Recht, mich persönlich darum zu kümmern.«
»Das müsstest du nicht.«
»Ich will es aber. Das darfst du mir nicht nehmen.«
Jaina zuckte tatsächlich zurück. Luke glaubte nicht, dass er sie angeschnauzt hatte. Vielleicht war sein Kummer so gewaltig, dass dieser plötzliche Ausbruch sie in der Macht erreicht hatte.
»In Ordnung, Onkel«, sagte sie leise. »Aber du musst bloß ein Wort sagen, und ich bin da.«
Auch nachdem Luke ohne Erfolg sechs Stunden lang zu schlafen versucht hatte, gab es immer noch kein Zeichen von Jacen. Er war jenseits von Gut und Böse, wie Jaina anmerkte. Und Ben war auch nicht wieder aufgetaucht. Zumindest hatte Ben gute Gründe dafür.
Die Suche nach Fünf-Alpha wurde am frühen Morgen wieder aufgenommen.
KELDABE, MANDALORE
Die vierte Bes'uliik der Bandproduktion rollte aus dem Hangar, um sich dem prüfenden Blick einer kleinen Gruppe schweigsamer, gepanzerter Männer zu stellen. Sie hatten ihre Arme auf diese typische Mando-Na-los-verblüff-mich-Weise verschränkt, aber sobald der Raumjäger zum Leben erwachte lind mit seinem Abwind Staubwolken in die Luft wirbelte, applaudierten sie alle und riefen: »Oya!«
Ja, sie fänden, dass das Schiff in Ordnung war. Fett registrierte es mit einem gewissen Stolz. Die höheren Schwingungen der Triebwerke ließen seine Nebenhöhlen kribbeln.
»Wer behauptet, unsere Verteidigungsmaßnahmen würden schleppend vorangehen?«, sagte Medrit. Selbst ohne Helm ließ er sich von dem Lärm nicht stören, doch andererseits waren schon viele Schmiede von ihrem Handwerk taub geworden. »Das war Rekordzeit.«
»Bloß noch eine halbe Millionen von denen«, sagte Fett, »und wir sind im Geschäft.«
»Es geht nie um die Anzahl, Mand'alor. Ging es noch nie.«
Der Raumjäger hatte etwas an sich - seine mühelose Art, in der Luft zu schweben und sich zu neigen, kombiniert mit dem ausge-prägten puckernden Klang seines Antriebs -, das ihn außerordentlich anziehend machte. Fett bezweifelte, dass das Schiff auch nur halb so ansehnlich wirken würde, wenn es jemandes Stadt in geschmolzene Schlacke verwandelte. Er hatte vor, einen Testflug für sich zu beanspruchen.
Mandalore erlebte ein Wiederauferstehen, wie Beviin gerne sagte, und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Ein steter Strom von Mandalorianern kehrte aus der Diaspora zurück. Ein paar Hundert-tausend in einer Woche waren nichts, verglichen mit einem Billionen-Seelen-Stadtplaneten wie Coruscant, aber Mandalore barst jetzt schier vor dem Zuwachs.
»Man würde doch annehmen, dass ein großer leerer Planet wie dieser mit ein paar Einwanderern fertig wird«, sagte Fett.
»Schlechte Infrastruktur.« Medrit reckte den Hals, um zuzusehen, wie ein weiterer Bes'uliik abhob. »Das müssen wir in Ordnung bringen. Vier Millionen war immer eine hübsche stabile Bevölker-ungszahl, bis die Krabbenbengel alles vermurkst haben.«
»Wie viele Neuankömmlinge, im schlimmsten Fall?«
»Unmöglich zu sagen. Aber du hast darum gebeten, dass zwei Millionen zurückkehren, und ich wage zu sagen, dass wir die bereits haben.«
Fett staunte immer noch über die Fähigkeit der Leute, ihr Zuhause einfach so aufzugeben, aber andererseits waren Mando'ade traditionell Nomaden - und selbst er war zufriedener an Bord der Slave I, also mit einem Dach über dem Kopf. »Ich bin stets gerührt, wenn Leute Dinge tun, ohne dass ich gezwungen bin, sie aus dem Fenster hängen zu lassen.«
»Manchmal«, sagte Medrit. »braucht man bloß zu fragen.
Lies mal das Resol'narc. Die sechs Grundregeln darüber, was es ausmacht, ein Mando zu sein. Eine ist, zum Mandalore zu eilen, wenn man gerufen wird.«
»Praktisch«, sagte Fett. »Aber das passiert nicht immer.«
Fett hatte begonnen, die wiederkehrenden Parallelen zwischen der Welt Mandalore und dem Anführer Mandalore zu sehen, und erkannte allmählich, warum die beiden Begriffe in der Außenwelt gleichbedeutend geworden waren. Er hatte sich stets als Aushänge-schild betrachtet, als eine Erinnerung daran, wie die Mandalorianer sein wollten, eine Art Vorbild für die Gesellschaft und jemand, dem man die Schuld anhängen konnte. Aber es bewahrheitete sich: Er erholte sich, genau wie die Nation. Mandalore schien sich umgekehrt proportional zum Rest der Galaxis zu entwickeln, die gerade den Bach runterging und dabei war, sich einmal mehr selbst zu zerreißen. Aber das war gut fürs Geschäft, wenn man Waffen und militärische Fähigkeiten verkaufte, von daher war diese Wechsel-wirkung zu erwarten.
»Zeit zu feiern«, sagte Medrit. »Jedenfalls ein bisschen. Kommt schon, alle ins Tapcafe. Die erste Runde geht auf dich.«
Während er ging, überlegte Fett, dass er so dicht davor war. mit seinem Lieben zufrieden zu sein, wie schon seit langer Zeit nicht mehr, abgesehen von den paar nagenden losen Enden. Die hatten sich in der Zeit, als er langsam gestorben war, zu richtigen Problemen aufgetürmt und waren noch immer da.
Eins davon war Jacen Solo.
Am Ende lief es immer auf Jedi und ihre Schismen hinaus.
»Es stimmt. Ich sag's dir. Sie wurde ermordet.« Beviin hielt im Oyu'baat Hof, einem Tapcafé, das einen süßen, klebrigen net 'ra gal braute und dem nie das Narkoleth ausging. »Im Hapes-Sternen-haufen läuft eine groß angelegte Suche. Da gibt's ernsthafte Schwierigkeiten.«
Fett stattete dem Café einmal in der Woche einen Besuch ab, teilweise, weil Mirta sagte, dass das gut für die Moral sei, aber hauptsächlich, weil Beviin ihn darum bat. Fett wollte, dass Beviin sein Nachfolger wurde, selbst wenn die meisten erwarteten, dass Mirta es werden würde.
»Dann tagt also gerade das Kabinett?«
Die Clanführer und Anwohner, die hier tranken, waren zu Fetts Kabinett geworden, und falls es überhaupt so etwas wie einen ernsthaften Versuch einer Regierung gab - was Mandoade als zutiefst ungesunde und aruetyc Sache betrachteten -, dann würde das im Tapcafe über einem buy'ce gal am ehesten toleriert werden.
»Willkommen beim Ausschuss für außenpolitische Angelegenheiten«, sagte Beviin. »Mara Skywalker wird vermisst und ist vermutlich tot.«
»Woher wollen die wissen, dass sie tot ist, wenn der Leichnam in einer Rauchwolke verschwindet?«, murmelte Carid. Er spielte ein Viererbrettspiel mit Medrit, Dinua und Mirta, bei dem kurze Stoßklingen zum Einsatz kamen. Fett schaute vom Rand aus zu, ohne dass es ihm gelang, die Spielregeln zu erkennen. »Das tun sie doch, oder nicht?«
Fett dachte an seine Lichtschwertsammlung. »Manchmal.«
Carid, der seinen Helm auf dem Boden als Fußbank benutzte, blinzelte. »Und was machen dann die Spurensicherer?«
Dinua stieß ihre Klinge in das Brett. »Sie spüren das alles in der Macht.«
»Erst dachte ich, das wäre ein Scherz, aber ihr Sohn wird ebenfalls vermisst«, sagte Carid laut. »Was für Eltern sind diese Jedi eigentlich?«
Fett hätte mit keinem der Solos oder Skywalkers getauscht. Sie waren eine tragische, unglückliche Dynastie, und selbst wenn ihn niemand dafür bezahlte, Mitgefühl zu haben, verstand er, was der Verlust eines Elternteils und eines Kindes bedeutete.
»Irgendeine Erwähnung von Jacen Solo?«, fragte er.
»Dieser Name ist gefallen.«
»Was für eine Überraschung.«
»Außerdem wurde eine Lumiya erwähnt. Alias Shira Brie.«
Ein Name aus Fetts Vergangenheit. Einige Dinge wurde man einfach nie los. »Unter Vader ist alles besser gelaufen.«
»Ich warte immer noch darauf, dass meiner Mama Gerechtigkeit widerfährt«, sagte Mirta leise. »Denn falls sich niemand anderes die Mühe macht, Jacen Solo die Kehle aufzuschlitzen, mache ich das.«
Sie hatte das schon eine Weile nicht mehr zur Sprache gebracht. Jeder wartete darauf, zu erfahren, was für eine Vergeltungs-maßnahme Fett für den Solo-Balg im petto hatte, und je länger sie warteten, desto sadistischer wurde sie in ihrer Vorstellung. Doch Fett konnte in Mirtas Augen etwas anderes sehen: Wenn ihr Großvater der effizienteste, brutalste Kopfgeldjäger der Galaxis war, warum hatte er ihr dann nicht Jacen Solos Skalp gebracht?
Mit einer Sache hatten die Jedi recht: Kochende Wut war eine schlechte Basis. Er würde sie kalte Geduld lehren, das beste Vermächtnis, das er ihr hinterlassen konnte.
»Medrit«, sagte Fett. »Ich möchte Han Solo ein Geschenk schicken.«
»Einen hübschen Karbonittisch?«
»Ordentliche Beskar—Crushgaunts, damit er das Leben aus seiner Ungezieferbrut quetschen kann. Und vielleicht ein paar Rüstungsplatten und eine kleine Klinge.«
»In Geschenkpapier gewickelt, mit einer Karte, auf der steht: Bitte töte deinen Sohn, bevor wir es tun müssen?«
»Bloß Mit tiefstem Mitgefühl«
Jedenfalls so tief, wie Fett in der Lage war, so etwas wie Mitgefühl zu empfinden. Es musste schrecklich sein, eine solche Enttäuschung von einem Sohn zu haben.
HAPES-STERNENHAUFEN
Luke fand es sehr umsichtig von Corran Horn, dass er in seiner Abwesenheit die Leitung des Jedi-Rats übernommen hatte. Er war sich nicht sicher, ob er sich selbst trauen konnte. Selbst an einem guten Tag fühlte sich das alles sehr theoretisch an, und dies war alles andere als ein guter Tag.
Doch abgesehen von der Tatsache, dass er mit Ausnahme von Ben nichts Gutes mehr in seinem Herzen trug, fühlte Luke zum ersten Mal seit Jahren wieder sein altes Selbst. Er fühlte Klarheit. Er wusste, was er zu tun hatte, und da gab es keine Grauzonen oder Unklarheiten darüber, wer recht hatte und wer falsch lag. Trotz all seines Kummers verschaffte ihm dieses Gefühl etwas, an das er sich klammern konnte.
Und alte Stimmen riefen nach ihm.
Er kreuzte in dem StealthX in den Vergänglichen Nebeln und fragte sich, ob es ein Phantomeffekt der Ionisation und der sensorstören-den Phänomene in dieser Region gewesen war, der ihn hierhergeführt hatte. Erneut verstärkte er seine Präsenz in der Macht.
Einen Moment lang durchbrach das Kommkanalsignal seine Konzentration.
»Luke«, sagte Corrans Stimme. »Es ist ziemlich schwer, das zu übersehen. Alle sind erpicht darauf, aufzusatteln und dir zur Hand zu gehen.«
»Es gibt bloß eine einzige Person, von der ich will, dass sie darauf reagiert, mein Freund. Und sie kommt. Aber ... danke.«
»Was meinst du damit, sie kommt?«
»Lumiya. Ich kann sie jetzt deutlich spüren.«
»Das ist eine Falle. Luke.«
»Ja, für sie.«
»Sie macht es dir zu einfach.«
»Corran, mach dir um mich keine Sorgen ...«
»Du weißt, dass jeder von uns dir das mit Freuden abnehmen würde.«
»Das weiß ich. Und genau deshalb muss ich es tun.«
Lumiya war hier; Luke konnte sie wahrnehmen, weil sie wollte, dass er das tat, das wusste er. Er fragte sich, wie viele Male sie ihn unbemerkt und unerkannt passiert haben mochte, um sich selbst für ihre Verstohlenheit zu beglückwünschen. Er dachte an die Hand, die sie ihm nach ihrem letzten Kampf gereicht hatte, und dass er dabei keinerlei Böswilligkeit registriert hatte. Dieses Maß an geschickter Täuschung wäre beeindruckend gewesen, hätte er sich davon nicht so unerträglich betrogen gefühlt - betrogen von seiner eigenen Leichtgläubigkeit.
Mara hatte immer gesagt, er würde sich verbiegen, nur um das Gute in jedermann zu sehen.
»In dieser Hinsicht werde ich mich heute nicht anstrengen«, flüsterte er.
Just in diesem Moment vermisste er Mara nicht einmal. Um jemanden zu vermissen, musste man erst einmal akzeptieren, dass er fort war, damit man sich nach ihm sehnen konnte. Mara war immer noch da, bloß frustrierend stumm und unsichtbar, und ihm graute vor dem Augenblick, wenn er sich schließlich sagen würde: Ja, sie ist tot, sie ist wirklich tot, und sie wird nie wieder durch die Tür kommen und sich darüber beschweren, wie viel Verkehr heute auf den Skylanes herrscht.
Die Vergänglichen Nebel waren Banditengebiet, voller Piraten. doch Luke kümmerte es nicht. Er behielt einen steten Rundkurs um Terephon bei. Schließlich verstärkte sich das Gefühl, dass jemand im Augenwinkel an ihm vorbeischoss, wurde zu dem Gefühl, mit jemandem im selben Raum zu sein. Er drehte den Raumjäger um 360 Grad in jede Richtung und ignorierte seine Sensoren und seine Machtsinne einen Moment lang, weil er dieses Ding kommen sehen wollte, ihm ins Auge blicken und es in seiner Gesamtheit erfassen wollte, auf die elementare Art eines trauernden Ehemannes, nicht eines Jedi-Meisters.
»Ich wusste, dass du Zeit für mich erübrigen würdest«, funkte er.
Hatte sie ihn gehört?
Sein Komm knackte. Lumiyas Stimme war überhaupt nicht gealtert; das war ihm zuvor nie aufgefallen. »Ich sehe keinen Grund wegzulaufen, Luke. Bringen wir es zu Ende.«
Das Schiff war genau so, wie er es sich vorgestellt hatte: mit rauer Außenhaut, rotorange, von einem so organischen Aussehen, dass es gut zu den Yuuzhan Vong gepasst hätte. Die kantigen Masten und schwimmhautartigen Steuerfahnen in allen vier Himmelsrichtungen verliehen ihm einen Hauch raubtierhafter Anmut.
»Ich musste sicherstellen, dass sie stirbt«, sagte Lumiya. »Aber du wirst das verstehen, früher oder später.«
Sie eröffnete nicht das Feuer, und die Sphäre rührte sich nicht. Luke erwog, sie mit einer einzigen massiven Salve zu erledigen, aber das hatte er schon einmal versucht, und eine Pilotin namens Shira Brie hatte die fürchterlichen Verletzungen überlebt, die er ihr zugefügt hatte, um zu dem Cyborg zu werden, der ihm nun die Stirn bot. Nein, diesmal musste sie endgültig sterben.
Die Sphäre rotierte, um sich Terephon zuzuwenden, und gewann an Tempo, mit direktem Kurs auf den Planeten. Luke nahm die Verfolgung auf, und die beiden Schiffe beschleunigten.
um ihre Sublichttriebwerke hei dem, was sich für Luke wie ein Sturzflug anfühlte, an die Belastungsgrenzen zu treiben.
O nein. Lumiya. mit Selbstmord kommst du mir nicht davon. Du gehörst mir.
Er behielt seine Gedanken für sich; es gab praktisch nichts, was er ihr noch zu sagen hatte. Die Sphäre schoss vor ihm dahin, zog davon. Er blieb ihr auf den Fersen, überbrückte die Distanz, kalkulierte, wie viel Zeit er hatte, um sie abzufangen, bevor sie in die obere Atmosphäre eintrat und zur Oberfläche stürzte, um ihm jede Möglichkeit zu nehmen, die Sache selbst zum Abschluss zu bringen.
Und für Gerechtigkeit zu sorgen. Vergiss das nicht. Es geht darum, dass sie den Preis für Maras Tod bezahlt.
Der StealthX näherte sich allmählich der Grenze der im Handbuch empfohlenen sicheren Höchstgeschwindigkeit. Luke brachte den Jäger neben die Sphäre und kippte warnend ein Flügelpaar, um deutlich zu machen, dass er sie abfangen würde. Vielleicht war ihr nicht klar, dass er Traktortechnik an Bord hatte - aber das würde sie erfahren. Luke ließ sich hinter sie zurückfallen und setzte genügend Traktionskraft ein, um sie zu verlangsamen und ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Er hätte schwören können, dass irgendetwas protestierte. Es war das Schiff, das sich tief in seinem Verstand über diese grobe Behandlung beschwerte.
Lumiya schien zu begreifen, was er wollte, und bremste ab. Luke unterbrach den Kontakt, bevor sie in die Umlaufbahn ein traten, und folgte ihr nach unten, traktierte sie, um sie zu zwingen, auf einem abgeflachten Tafelberg zu landen, der eine weiträumige Stadt in typisch hapanischem Stil überblickte, die sich zwischen Bäume und riesige Gärten schmiegte.
Er sprang aus dem Cockpit und wartete darauf, dass sie die Sicherheit ihres Schiffs verließ, während er mit seinem Lichtschwert in beiden Händen dastand. Schließlich bildete sich in der Seite der Sphäre eine Öffnung, und sie kam heraus.
Würde das Schiff ihn genauso angreifen wie Mara? Es regte sich nicht. Er konnte es nicht einmal mehr fühlen.
»Komm schon, Luke. Versuch, die Sache zu Ende zu bringen. Mara hätte das so gewollt, oder nicht?« Lumiya hob die Hand zu ihrem Gesicht und riss den Schleier fort, der alles außer ihren Augen bedeckte. Dann griff sie hinter ihren Rücken und holte langsam ihre Lichtpeitsche hervor. »Und das ist nicht, damit du dich für das Ausmaß meiner Verletzungen schämst. Ich will bloß, dass du siehst, gegen wen du kämpfst.«
»Ich sehe es.« Luke hob sein Lichtschwert, und für einen Moment durchströmte ihn Trost. »Und es endet hier.«
Mittlerweile kannte er die Lichtpeitsche. In der Vergangenheit hatte er sich auf das Shoto als Extrawaffe verlassen, um die Zwillingselemente der Peitsche aus Materie und Energie zu kontern, doch ihn durchflutete eine neue Zuversicht, dass er ihr allein mit dem Lichtschwert die Stirn bieten konnte, das stets zwischen ihm und der Dunkelheit gestanden hatte. Er hielt es mit beiden Händen über seinen Kopf und drehte es langsam, während er um sie herumschlich.
Lumiya hob den Arm, um die Peitsche schnalzen zu lassen und Schwung für den frontalen Schlag zu gewinnen. Und dann hieb sie zu, um Gabeln knisternder dunkler Energie in den Boden zu seinen Füßen zu schicken und ihn nach hinten springen zu lassen, ehe er wieder einen Satz nach vorn machte und das Lichtschwert in einem Bogen von rechts nach links herum-riss. den sie mit dem Griff der Peitsche parierte. Wieder und wieder sprang er außer Reichweite der wirbelnden Schwänze, dann hielt sie inne, und er ging vorsichtig näher heran.
»Hasst du mich so sehr?«, fragte er.
»Ich hasse dich überhaupt nicht.«
»Du hast sie umgebracht. Du hast meine Mara umgebracht.«
»Nichts Persönliches.« Sie sah aus, als würde sie lächeln, doch der Ausdruck zeigte sich eher um ihre Augen statt auf ihrem cyberne-tischen Mund. »Ich tue bloß das, was ich dem Imperator zu tun geschworen habe: der Dunklen Seite zu dienen. Schwüre zählen, Luke. Am Ende sind sie alles, was man noch hat.«
Sie zog den Arm zurück und ließ die Lichtpeitsche durch die Luft schnellen, verfehlte Luke um Zentimeter. Er stürzte sich wieder und wieder auf sie, um jedes Mal zurückgetrieben zu werden. Früher oder später würde sie langsamer werden.
Aber er genauso.
Dann, als sie erneut ihren Arm heben wollte, rannte er auf sie zu, kam ihr so nahe, dass sie die Peitsche nicht mit ihrer maximalen, tödlichen Geschwindigkeit schwingen konnte. Er zwang sie zurück, Schritt für Schritt, während sie die Distanz zu wahren versuchte, die sie brauchte.
Eins - zwei - drei - vier ... Sie blockte ihn ab, hielt das Heft in diese Richtung, dann in jene, setzte die Peitsche wie ein kurzes Lichtschwert ein, um seine Attacken abzuwehren, doch Luke hielt nicht inne oder änderte die Richtung, um sie auf dem falschen Fuß zu erwischen. Wie ein Rammbock trieb er sie auf den Rand des Plateaus zu, um sie bis auf wenige Meter und dann bis auf einen Schritt an die Kante zu drängen.
Lumiya hielt den Peitschengriff wie einen Stab in beiden Händen und blockte seinen Abwärtshieb ab. Einen Moment lang waren sie in einer Pattsituation gefangen, drängten sich gegeneinander und keuchten angestrengt, und bloß die Laute ihrer Kraftanstrengung waren zu vernehmen, weil es nichts mehr gab, was sie einander zu sagen hatten.
Ihr hinterer Fuß rutschte weiter zurück, während sie um Halt kämpfte. Der Rand des Plateaus war rissig und zerklüftet. Das glatte, schimmernde Gestein bröckelte.
Luke griff nach ihr und bekam ihre Hand zu packen, als sie fiel. Die Peitsche trudelte in die Tiefe und prallte von der steilen Felswand ab. um dem Vergessen anheimzufallen. Er lehnte sich nach hinten, stemmte sein ganzes Gewicht auf die Fersen, und seine Knöchel traten weiß hervor, während er sie hielt. Eine Sekunde lang überkam ihn der Gedanke, dass er sehen wollte, wie ihr Gesicht kleiner wurde, wenn sie in den Tod stürzte, den Mund zu einem Schrei geöffnet, doch das war nicht der richtige Weg, dem hier ein Ende zu setzen.
»Ich würde dich nicht abstürzen lassen«, sagte Luke und zog sie zurück in Sicherheit. Als sie sich aufrichtete, blickte er ihr in die Augen - ruhig, unheimlich ruhig - und schwang sein Lichtschwert in einem Bogen, der sie enthauptete.
Dann konnte er wieder atmen.
KAVAN: ABWASSERTUNNEL
Ben saß lange Zeit im Tunnel bei seiner Mutter. Zuerst machte er sich vor, dass sie sich in einer tiefen Heiltrance befand, auch wenn die Macht niemals log und jeder Jedi die Leere, die sich darin aufgetan hatte, fühlen konnte und wusste, was sie bedeutete.
Er war zu ihr geeilt, durch ein Gebiet, das er nicht kannte, und hatte sie gefunden. Er wollte glauben, dass sie nicht tot war, weil sie immer noch da war, fast genauso, wie er sie das letzte Mal gesehen hatte, abgesehen von dem Blut und den Kratzern eines neuen Kampfes.
Also saß er bei ihr und wartete.
Er wollte ihr Gesicht säubern und sie wieder schön machen, doch bei der GGA hatten sie ihm beigebracht, keine Beweismittel zu vernichten, am Tatort nichts zu verändern.
Ben, der vierzehn Jahre alte Sohn, verloren und gebeutelt vor Kummer, wollte sich einreden, dass seine Mutter bloß in einer tiefen Trance war. Ben. der Leutnant, wusste es besser, ohne es jedoch seinem Kindselbst gegenüber zu erwähnen, und war sorgsam bemüht, alles um sich herum zu beachten, Holobilder aufzunehmen, Notizen über Gerüche, Geräusche und andere vergängliche Daten anzufertigen und eine logische Abfolge der Umstände zu erarbeiten, die ihm verraten würde, wie seine Mutter zu Tode gekommen war.
Er saß noch immer da. nahm jede Pore ihrer Haut und jedes Körnchen Ziegelstaub auf ihrer Jacke in sich auf, als er hörte, wie sich jemand über die Trümmer seinen Weg zu ihm bahnte.
Er konnte die Person in der Macht nicht wahrnehmen.
»Hallo, Jacen«, sagte er und drehte sich um, um ihn anzusehen.
Jacens Mund öffnete sich leicht, während er zuerst Mara ansah - ein langer, verwirrter Blick - und dann Ben. Er streckte die Hand nach ihm aus.
»Ist in Ordnung, Ben. Ist in Ordnung. Wir werden denjenigen kriegen, wer immer das getan hat. Ich schwöre dir, dass wir das tun werden.«
Ben verbarg immer noch seine Machtpräsenz, aber Jacen hatte ihn gefunden. Es war an der Zeit, zu seinem Vater zu gehen. Er wollte jetzt bei ihm sein.
Vielleicht hatte der Mord an seiner Mutter ein Zeichen in der Macht hinterlassen, dem Jacen gefolgt war. Ben erwog die Möglichkeit, dass er zu durcheinander war, um es selbst zu bemerken.
Dennoch prägte er sich diesen Umstand gewissenhaft ein.