18. Kapitel

Die Roche-Regierung hat Murkhana 24 Stunden Zeit gegeben, um die Produktion von Waffensteuerungssystemen einzustellen, die angeblich gegen das Patentrecht verstoßen, oder sich auf eine - so wörtlich - »sofortige Zwangsdurchsetzung« dieser Forderung gefasst zu machen. Die Oberbefehlshaberin der GA-Streitkräfte Niathal hat Roche heute Abend vor militärischen Aktionen gewarnt und sagte, GA-Raumjäger würden im System patrouillieren, um den Frieden dort aufrechtzuerhalten.

- HNE: Aktuelle Nachrichten

HAPES

Mara verließ den Hyperraum und bastelte sich dabei immer noch Szenarien zusammen, warum Lumiya die perlemianische Handelsstraße zum Hapes-Sternenhaufen genommen hatte, kurz nachdem Colonel Jacen Solo einen GGA-StealthX aus dem GA-Flottenhangar gestartet hatte.

Von einem StealthX war nichts zu sehen. Selbst, wenn Jacen nicht dafür sorgte, dass man ihn nicht in der Macht wahrnahm, konnte Mara den Tarnjäger nicht besser lokalisieren, als ein Feind dazu in der Lage gewesen wäre. Allerdings kamen ihr all mählich gewisse Gedanken.

Entweder schürte Lumiya Weiteren Ärger, um die Allianz zu zerreißen - in welchem Fall sie sich die Reise nach Hapes hätte sparen können oder sie traf sich hier mit jemandem wie Alema - Tut mir leid, Jaina. Ich werde versuchen, sie dir lebendig zu bringen, aber ich kann nichts versprechen, nicht in der Stimmung, in der ich mich befinde!-, oder ... sie verfolgte Jacen.

Oder ... vielleicht hatte sie den Peilsender entdeckt und spielte wieder Fangen mit ihr.

Mara fand es seltsam, dass das Schiff das winzige Gerät nicht ausgespuckt hatte, wenn es andererseits schlau genug war. ihr ein Seil um den Hals zu schlingen, um Lumiyas dürren Hintern zu retten.

Es hätte mich auch einfach töten können. Aber das hat es nicht getan.

Mara mochte es nicht, ohne konkrete Anhaltspunkte Spekulationen anstellen zu müssen. Aber vielleicht betrachtete das Schiff sie ja nach wie vor als Dunkelseiterin. Ob das zutraf oder nicht, würde in Kürze keine Rolle mehr spielen, doch der Gedanke daran, dass sie womöglich noch immer diese Aura der Dunkelheit an sich hatte, weckte gemischte Gefühle in ihr.

Ja, ich werde den Sohn meiner Schwägerin umbringen. Auf einer Zehner-Dunkelheitsskala ist das eine zwölf.

Ihr Zorn verrauchte, und sie konnte darüber nachdenken, was sie hier eigentlich machte. Die Hapaner würden sich das ebenfalls fragen, wenn sie einen StealthX entdeckten, der sich unangemeldet in ihrem System herumtrieb. Lumiyas Transponder zeigte, dass sich ihr Schiff in einer Asteroidenansammlung befand, doch auf den Scannern tauchte sie nicht auf.

Worauf wartete sie?

Mara führte eine Überprüfung ihrer Instrumente durch.

Wenn Sensoren sie erfassten, würde das ihre Position verraten, darum musste sie dafür sorgen, dass sie nicht zu orten war.

Lumiya beobachtete - oder wartete -, und warum die Hapaner kein Interesse an der Sphäre gezeigt hatten, darüber konnte Mara nur Vermutungen anstellen. Aber andererseits hatte Lumiya ein Talent dafür, dergleichen zu entgehen.

Es heißt: Folge den Credits. In diesem Fall jedoch: Folge der Sith!

Mara schaltete die Systeme aus. die sie nicht zwangsläufig brauchte, und wartete. Der Versuchung zu widerstehen, eine Garbe Protonentorpedos abzufeuern, war nicht ganz einfach, doch bis Mara dahintergekommen war, worauf Lumiya wartete, war die Hinrichtung der Sith aufgeschoben.

Es musste Jacen sein, den Lumiya verfolgte, auch wenn Mara nicht wusste, was der hier wollte. Vielleicht hatte Tenel Ka ihn hergerufen, um zu vermitteln und ihn dazu zu bringen, diesen dämlichen Haftbefehl für seine Eltern aufzuheben. Das erklärte allerdings nicht Lumiyas »Begleitschutz« oder warum sie ihn ganze 18 Stunden lang beschattet hatte.

Was auch immer es war, es war direkt vor ihrer Nase, das wusste sie. Nur fehlte ihr noch ein entscheidendes Teil des Puzzles. Um das zu erhalten, musste sie Jacen lokalisieren.

Ich könnte mich einfach mit Tenel Ka in Verbindung setzen und fragen.

Wie sorgsam die Hapaner ihren Raum auch kontrollierten, das 13 Meter lange Stück Tarntechnologie, das zwischen den Planeten dahintrieb, war lediglich ein Staubkorn. Mara war vor Entdeckung sicher, genau wie Jacen. Falls er sich auf der Planetenoberfläche aufhielt, entdeckte sie ihn vielleicht - nur vielleicht - in dem Moment, Wenn er abhob, doch das bedeutete, dass sie aktiv werden musste und Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.

Denk nach. Denk nach.

Sie konnte warten, bis er wieder in die perlemianische Handelsstraße eintrat, doch das setzte voraus, dass er auf demselben Weg nach Coruscant zurückkehrte, auf dem er gekommen war. Außerdem habe ich nicht unbegrenzt Sauerstoff...

Es gab eine einfache Lösung dieses Problems, doch die würde ihre Tarnung auffliegen lassen.

Eine Stunde später war sie bereit, das Risiko einzugehen. Sie aktivierte das abhörsichere Kommlink.

»Hapanisches Flottenkommando, hier ist GA-StealthX-5-Alpha mit der Bitte um Unterstützung.« Das würde zwar für einigen Wirbel sorgen, aber es musste sein.

»Fünf-Alpha, hier spricht das hapanische Flottenkommando. Wir mögen keine Überraschungen, nicht einmal von Verbündeten.«

Uups. Die Hapaner waren wirklich ein paranoides Völkchen. »Verzeihen Sie, Flotte. Ich würde mich gern bedeckt halten, aber können Sie bestätigen, dass Staatschef Solo wohlbehalten eingetroffen und sein Schiff unbeschädigt ist?«

Es folgte kurzes Schweigen. Wie sie das hapanische Flottenkommando kannte, überprüften sie sie gerade, um sicherzugehen, dass sie tatsächlich eine GA-Pilotin war und dass ihr Transponder - jetzt pflichtgemäß aktiv - in ihrer Sicherheitscodeliste auftauchte.

»Bestätige, Fünf-Alpha. Sein Schiff ist sicher auf dem Gelände des Brunnenpalasts gelandet. Sollte es irgendwelche Probleme geben, die uns bekannt sein müssten?«

Ah, dann besuchte er also definitiv Tenel Ka. Wahrscheinlich, um sich zu rechtfertigen: Glaubt mir. Eure königliche Hoheit, ich hatte keine Wahl, ich musste Omas seines Amtes entheben ...

»Flotte, er ist nicht darüber informiert, dass wir Bedenken bezüglich seiner Sicherheit hegen und dass er auf dem Flug hierher unauffällig eskortiert wurde. Er denkt, er kommt mit allem allein zurecht. Ihre Diskretion würde sicherstellen, dass er nicht versucht, mich abzuschütteln. Ich habe ein Schiff ausgemacht, das ihn verfolgte, doch ich habe es in Ihrem Raum verloren. Unbekannten Ursprungs, eine rote Kugel, zehn Meter im Durchmesser, mit einem markanten augenähnlichen Vordersichtschirm und kreuzförmigen Masten und Navigationsfahnen.«

Maras Warnanzeigen leuchteten auf: Die Hapaner hatten ihre Übertragung geortet und überprüften den StealthX mit Sensoren, solange sie die Gelegenheit dazu hatten. Sie hätte sie abblocken können, doch sie ließ sich weiter sondieren, um sie bei Laune zu halten.

»Verstanden, Fünf-Alpha. Wir werden Ihnen Bescheid geben, wenn er wieder startet. Falls wir die Kugel aufspüren, sollen wir sie dann für Sie festsetzen oder neutralisieren?«

»Es ist Ihr Luftraum«, sagte sie. Mit meinen besten Empfehlungen, Lumiya. »Ich habe keine Anweisungen, das Schiff festzusetzen. Es steht Ihnen frei, es zu neutralisieren.«

»Verstanden, Fünf-Alpha. Sofern Sie uns in der Zwischenzeit nicht noch einmal kontaktieren und anderweitige Informationen geben, melden wir uns bei Ihnen, sobald der Staatschef wieder startet.«

Sie waren ein so freundliches, hilfsbereites Volk, diese Hapaner, auch wenn sie definitiv paranoid waren. Mara schaltete wieder alle nicht lebenswichtigen Systeme ab und meditierte im Dunkeln, um erneut darüber zu staunen, wie überaus strahlend und ausnehmend schön der Sternenhimmel ohne den dünnen Filter einer Atmosphäre war.

Sie erlaubte sich einen raschen Blick auf ihr Datenpad, um sich zu vergewissern, dass es zumindest eine Sache gab, wegen der sie sich keine Sorgen machen musste.

Bens Peilsender besagte, dass er sich noch immer auf Coruscant aufhielt, in Sicherheit.

GGA-RAUMFÄHRE, TAANABISCHER RAUM

Ben hatte von seinen GGA-Kameraden eine Menge darüber gelernt, wie man Verdächtige diskret beschattete, und ein einfacher Trick dabei war. an einem Eingang vorbeizugehen und dann kehrtzumachen. Er verließ den Hyperraum und nahm Kurs auf Taanab, nicht auf Hapes. obwohl er sich sicher war, dass sich die Sith-Sphäre dort befand.

Er konnte sie fühlen, doch er war nicht imstande, sie auf konventionellem Wege zu orten. Er hätte mit dem Schiff reden können, doch er verbarg sich weiterhin in der Macht, um zu vermeiden, dass er Lumiyas Aufmerksamkeit erregte. Er versuchte zu ergründen, warum sie an Hapes interessiert war, doch er konnte momentan nicht das Geringste von Jacen wahrnehmen, bloß eine Spur seiner eigenen Mutter. Je näher er sich an den hapanischen Raum heranwagte, desto stärker wurde ihre Präsenz.

Sag mir nicht, dass wir beide Lumiya verfolgen.

Dann würde er einiges erklären müssen. Aber das spielte keine Rolle. Er nahm gern ein Jahr lang Hausarrest in Kauf und sogar, nach Ossus geschickt zu werden, solange er seine Mom derzeit im Auge behalten konnte. Er setzte Kurs auf den Frachtkorridor und kehrte wieder in den Realraum zurück, um sich dann unter die Konvois der Frachtraumer zu mischen, unter eine Gruppe von Erzschleppern. Die Schleife zu fliegen hatte außerdem noch einem anderen Zweck gedient: Fast, als würde man auf die Quelle eines Geräuschs lauschen, erstellte Ben eine mentale Karte der lautlosen Stimme der Sith-Sphäre und bekam einen guten Eindruck davon, wo sie sich im physikalischen Raum befand. Sie war nahe bei Hapes selbst.

Und - das fühlte er jetzt - seine Mutter ebenfalls. Also hatte sie Lumiya gefunden. Sie war schneller gewesen als er.

Ben gab sich der flüchtigen Fantasterei hin, mit den Kanonen der Raumfähre in die Sphäre zu ballern, verspürte sonderbares Bedauern darüber, das Schiff zu zerstören, bloß um Lumiya zu erledigen, und fragte sich, ob alle Jungen eine Phase durchmachten. in der sie das Gefühl hatten, ihre Mütter mit aller Macht beschützen zu müssen. Vielleicht stellte sich das ein, wenn man als Heran-wachsender nicht oder nur schwierig mit seinem Vater zurechtkam. Das war diese Alpha-Männchen-Sache.

Jetzt mach mal halblang. Wie viele Burschen in deinem Alter - oder in irgendeinem anderen Alter - müssen sich schon Sorgen darüber machen, dass ihre Familie von Sith und einer wahnsinnigen Dunklen Jedi angegriffen wird? Das ist nicht das normale Leben, bei dir herrschen andere Regeln.

Ben näherte sich der Sith-Sphäre, so weit er es wagte. Sie hielt ihre Position, doch sobald sie sich in Bewegung setzte, würde er zuschlagen, um sie zu vernichten. Dann würde seine Mom wissen, dass er da war, ganz gleich, ob er sich in der Macht zu erkennen gab oder nicht, weil die GGA-Raumfähre ungefähr so unauffällig war wie ein Bantha in einem TIE-Jäger.

Falls er es vermeiden konnte, das Sith-Schiff zu zerstören, würde er es tun. Aus irgendeinem Grund plagte ihn das mehr, als ein richtiges menschliches Wesen zu töten, was er inzwischen schon viel zu viele Male getan hatte.

BRUNNENPALAST, HAPES

Jacen verabschiedete sich von Allana, und es quälte ihn einmal mehr, dass es ihm nicht möglich war. sie sein kleines Mädchen zu nennen.

»Hübsches Fell«, sagte sie. Sie hielt den Plüschtauntaun weiterhin fest, während sie ihn umarmte. »Wie heißt es?«

Jacen kniete sich hin, sodass er auf einer Höhe mit ihr war. Sie war empfänglich für die Macht, aber falls ihr klar geworden war. wer er tatsächlich war, war sie klug genug, es für sich zu behalten. Ihm gefiel die Vorstellung, dass sie beide dieses Wissen teilten und sie verstand, warum er nicht - noch nicht jedenfalls - ihr Daddy sein konnte. Das war ein ernüchternder Gedanke für ein so kleines Mädchen.

»Wie willst du es denn nennen?«

»Jacen.«

»Das ist entzückend. Warum Jacen, Schatz?«

»Damit ich mit ihm reden kann, wenn du uns nicht besuchen kannst.«

Als Vater ging einem so etwas sehr nahe. Jacen war an dem Punkt angelangt, an dem er sich einfach umdrehen und wegrennen wollte, statt sich von ihr und Tenel Ka so schmerzhaft lange verabschieden zu müssen, wobei ihm die widerwillige Trennung immer mehr bewusst wurde und er sich fragte: Was, wenn ich sie gerade zum letzten Mal überhaupt sehe?

Nun, als Staatschef hatte er zumindest einen guten Grund, mit Tenel Ka, einer verbündeten Monarchin, regelmäßigen Kontakt zu pflegen. Und er hatte diesen Besuch hinter sich gebracht, ohne dass das Schicksal ihm gesagt hatte, dass er sie umbringen musste. Er lauschte auf dieses unglückselige Flüstern und fürchtete sich davor, es zu vernehmen, aber da war bloß Stille.

Die Wege der Sith waren rein logisch, niemals grundlos grausam. Welches Opfer er auch immer zu bringen hatte, es würde einem nützlichen Ziel dienen, ganz gleich, wie schwer es ihm fallen würde.

Doch dass der Tauntaun Jacen Allana Trost spenden würde, wenn er nicht da war. würde ihm immer ein bisschen wehtun.

Tenel Ka begleitete ihn schweigend zu dem StealthX im Hof.

»Du bist nicht glücklich wegen Omas, oder?«, sagte er.

Sie legte den Kopf etwas schräg, auf diese anmutige Weise, die sie gelernt haben musste, um ihre wahren Gefühle zu verbergen, wenn die Gäste sie auf einem diplomatischen Empfang zu Tode langweilten. »Es ist etwas ganz anderes, im Mittelpunkt der Regierungsgeschäfte zu stehen, wenn du vorher die relativen Freiheiten eines Stellvertreters genossen hast«, sagte sie. »Ich hoffe, das erweist sich für dich nicht als Fehler.«

»Ich kann die allgemeine Aufmerksamkeit jederzeit auf Niathal lenken.«

»Achte darauf, dass ihr beide aus unterschiedlichen Motiven heraus handelt. Ihr verfolgt nicht dieselben Ziele.«

»Das klingt nach der Art Ratschlag, mit dem ich in den frühen Morgenstunden schweißgebadet aufwachen sollte.«

»Ich glaube, die Redewendung lautet: Es ist sehr einsam an der Spitze.« Sie deutete auf seinem Gürtel, an dem er den Blaster, das Lichtschwert, die Vibroklinge und die Giftpfeile trug. »Wie ich sehe, hast du dir mittlerweile ein hapanisches Maß an Misstrauen angewöhnt...«

»Wie du schon sagtest, an der Spitze ist es einsam.«

Der StealthX hob vom Boden ab. Er schaute nicht mehr zurück, sondern erinnerte sich wieder daran, wie Mara ihm ihre Predigt gehalten hatte - hatte er sich richtig verhalten, hatte sie genug gegen ihn in der Hand, um alles zunichte zu machen, wofür er gearbeitet hatte? -, und er glaubte Bens Gesicht vor sich zu sehen.

Ich will das hinter mich bringen. Ich werde damit fertig. Ich ertrage es bloß nicht, dass ich nicht weiß, wo und wann und wie.

Hapes schrumpfte unter ihm zu einer üppigen Steppdecke aus Parks und Kanälen. Mittlerweile hatte er eine gute Vorstellung davon, was auf ihn zukommen würde, wenn Ben tot war: Da war zum einen Mara, ein Tier, das seines Jungen beraubt worden war. mit all der urtümlichen, gequälten Wut, die damit einherging; und da war Luke ... Er hatte keine Ahnung, wie Luke reagieren würde, bloß, dass ein Mann, der das Imperium gestürzt hatte und in dessen Adern noch mehr Blut des gefürchteten Darth Vader pulsierte als in seinen, nicht vor Kummer gelähmt sein würde.

Inzwischen hatte Jacen mehr Angst davor, dass die Skywalkers herausfanden, wer Allanas Väter war, als davor, die hapanischen Adeligen könnten dies in Erfahrung bringen. Er konnte Allana vor den Hapanern beschützen, wenn er musste, doch es würde wesentlich schwieriger sein, sie vor Lukes oder Maras Vergeltung zu bewahren. Allana war sein Schwachpunkt.

Doch niemand kannte die Wahrheit, und so würde es bleiben. bis er sicher war, dass er jede Gefahr eliminiert hatte, die ihr womöglich drohte. Er ging kein Risiko ein. Er war drauf und dran, sich zwei der gefährlichsten Feinde zu machen, die man nur haben konnte.

»Hapanisches Flottenkommando an StealthX Eins-Eins: Sichere Heimkehr«, sagte die Stimme über Komm. Das hatten sie noch nie gesagt. Dass er nun Staatschef war, hatte ihren Besorgnispegel offenbar weit in den roten Bereich klettern lassen. Doch er war hier vollkommen sicher. Er zeigte sich immer noch in der Macht, noch immer ganz voll warmer, bittersüßer Gefühle, und für eine kleine Weile konnte er es sich erlauben, sich deswegen keine Gedanken zu machen.

Als Jacen beschleunigte, um in den Hyperraum zu springen, hätte er schwören können, dass ein Schiff in seiner Nähe war. Einen Moment lang fühlte er etwas in der Macht, aber dann war es wieder fort. Er überprüfte seine Instrumente: nichts.

Aber da draußen war etwas, etwas Dunkles, das angestrengt versuchte, genau diese Ausstrahlung zu unterdrücken. Er hoffte, dass es sich um einen Hapaner handelte und dass sie lediglich versuchten, ihn im Auge zu behalten, bis er aus ihrem Raum war.

Doch das hätte er deutlicher wahrnehmen müssen, ein gewöhnliches Schiff, das von gewöhnlichen Leuten geflogen wurde.

Das hier war nichts Gewöhnliches. Er machte sich auf das Schlimmste gefasst.

Wenn er den StealthX in den richtigen Winkel brachte und die Deckenanzeige ausschaltete, spiegelte sich im Sichtschirm eine panoramaartige Rückansicht wider. Manchmal musste er etwas mit eigenen Augen sehen, um sich zu überzeugen. Er deaktivierte die Anzeige, verlagerte sein Hauptaugenmerk und sah bloß samtige Leere.

Plötzlich verdunkelte etwas die Sterne hinter ihm.

»Lumiya?«

Schweigen.

Sie konnte sich ebenfalls in der Macht verbergen. Wahrscheinlich hatte sie der Versuchung nicht widerstehen können, herauszufinden, wohin er flog.

Wenn sie ihm hierher gefolgt war, dann wusste sie von Tenel Ka. Und sie würde sich das zunutze machen.

»Ist schon in Ordnung, Lumiya. Ich weiß, dass du es bist.«

Doch es kam immer noch keine Antwort. Das sah ihr gar nicht ähnlich.

»Lumiya, ist dir klar, dass ich dich jetzt nicht mehr am Leben lassen kann?«

Einen Moment lang ertappte er sich dabei, wie er ihren Tod gegen seine Bestimmung abwog. Oder deutete die Prophezeiung auf Lumiya hin? War sie das Opfer? Bestand irgendeine Möglichkeit, dass ihr Tod zugleich auch etwas tötete, das er liebte?

»Letzte Chance, Lumiya...«

Auf einmal durchflutete ein blendend weißes Licht sein Cockpit und blendete ihn für eine Sekunde. Er rollte instinktiv zur Seite, um ihm zu entkommen, und mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass es sich um einen Landeschweinwerfer handelte, so nah an seinem Heck, dass das Schiff beinahe mit ihm kollidiert sein musste. Wie konnte den Annäherungssensoren das entgangen sein? Wie konnte es ihm entgehen?

Schlagartig wurden seine Machtsinne von der eiskalten Wut von jemand anderem überschwemmt. Das Komm knisterte.

»Das Spiel ist aus, Lumiya«, sagte er und aktivierte seine Heckkanone.

»Darauf kannst du wetten«, sagte Mara.