3. Kapitel
Mishuk gotal'u meshuroke, pako kyore.
(Druck gebiert Edelsteine, Nachgeben Zerfall.)
- Mandalorianisches Sprichwort
SLAVE I,
UNTERWEGS NACH BADOR, KUAT-SYSTEM
Mirta Gev hatte sich damit abgefunden, von ihrem Großvater nur einfach toleriert zu werden, und obgleich sie sich Mühe gab. ihn zu lieben, war es nicht einfach.
Ein Teil von ihr wollte ihn für das Leben bezahlen lassen, das ihre Mutter - und ihre Großmutter - erdulden mussten. Und ein Teil von ihr sah einen Mann, dem jede Form der Anerkennung entgegen-gebracht wurde außer Liebe, und bemitleidete ihn. Unterm Strich war er jemand, der Durabetonbarrieren um sich herum errichtet hatte und jedem trotzte, der sie zu durchbrechen versuchte. Als er die Firespray aus dem Orbit von Mandalore steuerte und sich auf den Sprung in den Hyperraum vorbereitete. spiegelte sein Gesichtsausdruck seine offenkundige Verachtung für die alltägliche Welt. Sie gelangte zu dem Schluss. dass sein Helm das weichere Antlitz von beiden war.
Zumindest durfte sie im Kopilotensessel sitzen. Das schien einem Zugeständnis, dass er sie als sein eigen Fleisch und Blut anerkannte, so nah zu kommen, wie es einem Boba Fett nur möglich war.
»Mein Klon ist kein aktiver Kopfgeldjäger«, sagte Fett. Bei seinen Unterhaltungen hielt er sich nie mit irgendwelchen Vorreden auf, mit Geplauder oder mit Vertraulichkeiten. Er kam immer gleich zur Sache. »Ich habe jeden registrierten Kopfgeldjäger und Möchtegern überprüft, aber keiner davon heißt Skirata. Jede Menge Leute auf Mandalore kannten Kai Skirata, und dann - weg. Verschwunden.«
»Aber er war auf der Jagd, das weiß ich. Er hat mir gesagt, ich soll ihm nicht in die Quere kommen.« Glaubte Fett ihr? Sie hatte ihn übers Ohr gehauen und versucht, ihn in seinen Tod zu locken, daher konnte sie es ihm schwerlich übel nehmen, wenn er bezüglich des Klons Zweifel hegte. Doch der Mann war real. »Dann verfolgen wir seine Schritte zurück?«
»Nein, nicht seine - deine.«
»Du willst dich als jemand ausgeben, der einen Kopfgeldjäger anheuern möchte?«
»Ich nicht. Das machst du.«
»Schau an, da komme ich gerade gelegen, was?«
»Verdien dir deinen Lebensunterhalt. Die Regeln jeder Partnerschaft.«
Mirta fand, dass das erstaunlich nach ihrer toten Mutter klang. Ailyn Fei war noch ein Baby gewesen, als Fett Mirtas Großmutter verlassen hatte, zu jung, um seine kaltschnäuzigen Gepflogenheiten zu übernehmen.
»Wie kommst du damit klar?«
»Womit?«
»Wie kommst du damit klar, allein zu sein?«
»Willst du den ganzen Weg bis nach Kuat quasseln?«
»Du kannst dich nicht dazu durchringen, mir zu sagen, ich soll die Klappe halten, oder?«
»Ich komme damit klar, weil es mir so gefällt«, sagte Fett.
»Nun, Mama war alles, was ich hatte, und mir gefällt es so nicht.«
Fett zögerte, und seine Lippen zeigten die unmerkliche Andeutung einer Bewegung - als würde er sich selbst daran hindern, etwas zu sagen, das er bereuen würde. Sie fand, dass er sie eigentlich verstehen sollte. Auch er hatte seinen Vater durch die Hand eines Jedi verloren.
»Ja«, sagte er. »Was ist mit deinem Dad?«
»Er starb bei einem Außenhüllenbruch. Nicht einmal im Kampf.«
»Warum hat Ailyn einen Mando geheiratet? Sintas muss sie doch davor gewarnt haben, dass wir ein schlechter Fang sind.«
Mirta stellte fest, dass sie den Feuerherz-Anhänger fest mit der Faust umklammerte. Das war bloß die Hälfte des ursprünglichen Steins. Das andere Stück, das Fett mit einem Schlag mit dem Kolben seines Blasters abgespalten hatte, war mit Ailyn Vel in einem einfachen Grab außerhalb von Keldabe begraben worden, in einem uralten Wald, den die Vongese nicht vernichten konnten.
Ich kann in diesem Stein nichts fühlen. Er sollte mir irgendetwas sagen. Ich hin eine Kiffar. Teilweise eine Kiffar jedenfalls.
»Sie hat sich mit Mandoade herumgetrieben, um ein besseres Gespür dafür zu bekommen, wie sie dich jagen soll. Dann hat sie Papa kennengelernt. Es hat nicht gehalten.«
»Romantisch.«
»Sie hat etwas für ihn empfunden.«
»Und sie hat ihn eine Mando aus dir machen lassen.«
»Ich habe mit Papa zwei Sommer auf Null verbracht, nachdem er und Mama sich getrennt hatten. Er hat mir alles beigebracht, was er konnte. Und dann wurde er getötet.«
Das sagte sie nicht, damit Fett den Mund hielt. Er war ohnehin alles andere als ein gesprächiger Mann, doch es gab Stille, und es gab gespanntes Schweigen. Genau das hörte sie nun.
»Das ist zu schade«, sagte er.
»Hör auf, mich zu bedauern, Ba'buir. Ich weiß, was es ist.«
Sie war hin-und hergerissen zwischen dem Hass, den für ihn zu empfinden man ihr beigebracht hatte, und dem. was sie mit eigenen Augen sah, nämlich, dass er kein Monster war - oder zumindest nicht das Monster, als das ihre Mutter ihn hingestellt hatte. Allein bei diesem Gedanken kam sie sich vor, als würde sie der Toten abtrünnig werden. Nach zwei Monaten hatte sie eine Phase erreicht, bei der an manchen Tagen ihr erster Gedanke beim Aufwachen nicht ihrer Mutter galt und Ailyn sie nicht in ihren Träumen heimsuchte. Auch das fühlte sich wie Verrat an.
Doch das Leben musste weitergehen. Sie musste alldem einen Sinn verleihen und durfte nicht zulassen, dass Ailyn Vels Tod vergebens gewesen war.
»Dann gibt es auch keinen Anlass, darüber zu reden.« Er atmete tief ein, als hätte er die ganze Zeit über die Luft angehalten. »Ist es da, wo du lebst, in Ordnung für dich?«
»Ja.«
»Ich könnte dir ein eigenes Haus kaufen. Überall.«
Mirta wusste nie, wann er zu unbeholfener Großzügigkeit umschwenken würde. Beviin sagte, er hatte seine Momente. Natürlich war es ebenso gut möglich, dass er einfach nur versuchte, sie mit der Verlockung eines Eigenheims auf einem fernen Planeten loszuwerden.
»Ich fühle mich wohl, wo ich bin, danke.« Nein, das klang abschätzig. »Ich meine, dass es mir gefällt, bei Familie Vevut zu leben.«
Fett sagte nichts. Sie wusste, was er dachte.
»Ja, ich mag Orade«. sagte sie. »Er ist ein guter Mann.«
»Du bist eine erwachsene Frau. Das geht mich nichts an.«
Doch jeder wusste nun. dass sie eine Fett war, und das brachte einige Bürden mit sich. Man musste schon ein tapferer Mann sein, um das Risiko einzugehen, den Mandalor zum Schwiegergroßvater zu haben, besonders einen mit Boba Fetts Ruf. Mirta schloss die Augen und versuchte, auf geflüsterte Botschaften des Feuerherzes zu lauschen.
»Warum kannst du daraus keine Informationen beziehen?«, fragte Fett plötzlich.
»Ich bin bloß zum Teil eine Kiffar. Ich habe die Fähigkeit. Dinge von Objekten zu erspüren, nur in Ansätzen.« Sie öffnete wieder die Augen. Fett war noch immer eine undurchschaubare Statue der Teilnahmslosigkeit. Sie musterte sein Profil, um zu sehen, was von ihm womöglich in ihr steckte. »Man nennt das Psychometrie. Man sagt, dass einige Jedi das ebenfalls können.«
Die Jedi zu erwähnen war vielleicht keine so gute Idee gewesen, doch Fett zeigte keinerlei Reaktion. »Der Stein absorbiert Erinnerungen des Trägers und des Empfängers«, sagte er. »Das hat Sintas gesagt.« Aha. Unter der rauen Fassade hatte möglicherweise doch einmal ein Mann gesteckt, der bessere Zeiten wieder aufleben lassen oder die verbergen wollte, die er zu vergessen vorzog. Dem Stein wohnte ein kleines bisschen von Sintas Vels Geist inne und ein kleines bisschen von seinem. Mirta nahm an, dass er gerade mehr aus Fassade als aus innerem Kern bestand, doch sie hatte ihn weinen sehen, und niemand sonst hatte je gesehen, wie der erwachsene Boba Fett schwach wurde, dessen war sie sich gewiss. Vielleicht hatte er nicht einmal als Kind geweint.
»Ich versuche es wirklich, Ba'buir.«
»Das Schlimmste, das du je gemacht hast, war, mir zu sagen, dass du weißt, was Sintas zugestoßen ist.«
Das war ein Schlag ins Gesicht. Als sie das gesagt hatte, war sie sich nicht einmal darüber im Klaren gewesen, ob es überhaupt funktionieren und ihn in die Falle ihrer Mutter locken würde. Nun bereute sie es. einen sterbenden Mann so verletzt zu haben, selbst wenn sie dazu erzogen worden war, ihn zu verabscheuen.
»Wir werden herausfinden, wie Großmama gestorben ist, das verspreche ich dir.«
»Nachdem ich den Klon geschnappt habe«, sagte Fett, ganz Entschlossenheit und Kalkül. »Ich werde einen vollblütigen Kiffar ausfindig machen, um den Stein zu lesen.«
Mirta nahm das als Hinweis darauf, die Klappe zu halten. Glückliche Familie zu spielen war nicht die Art der Fetts. Sie fragte sich, wie viele andere Familien eine solche Bilanz an gewaltsamen Toden und Mordversuchen vorzuweisen hatten wie ihre. Ich hoffe, dass mehr von Papa in mir steckt. Dann erinnerte sie sich an Leia Solo, die ihren Blasterschuss auf Fett abgeblockt hatte, und wusste, dass trotz allem doch das Blut ihres Ba'buir in ihren Adern floss - das ihres Großpapas.
»Bereitmachen«, sagte Fett.
Er schaltete die Dämpfer nicht auf Maximum, als die Slave I sprang. Das tat er nie. Die Beschleunigung auf Lichtgeschwindigkeit und darüber hinaus fühlte sich an wie ein Schlag vor die Brust, ehe sich ein Hütte auf einen draufsetzte. Sie beließ es dabei, sich diskret auf die Lippen zu beißen, als sich die Sterne zu Linien aus blauweißem Feuer streckten und das erdrückende Gefühl verging.
Ihn musste das ebenfalls schmerzen. Er war ein kranker Mann. Mirta fummelte in ihrer Tasche herum, holte einige Kapseln Schmerzmittel hervor und hielt sie ihm hin. Er nahm sie wortlos. Seine Fingerspitzen waren kalt.
Der Flug durch den Kuati-Raum fühlte sich wie ein langes, stummes Leben an. Mirta verbrachte die Zeit damit, zu planen, wie sie Jacen Solo ausweiden würde, falls und wenn sie die Möglichkeit dazu bekam. Es bildete sich bereits eine Schlange von Leuten, die dieses Privileg für sich beanspruchten. Ihr Ba'buir würde nicht verraten, was er mit ihm im Sinn hatte; alles, was sie mit Sicherheit wusste, war, dass Boba Fett keine Rechnungen offen ließ, die beglichen werden mussten. Niemals.
»Bremsmanöver in einer halben Standardstunde«, sagte er.
Sie wollte ihn wirklich lieben, doch sie konnte es nicht. Wenn sie dahinterkommen konnte, was zwischen ihm und ihrer Großmutter vorgefallen war, wäre es ihr vielleicht leichter gefallen, doch ebenso gut konnte dadurch auch ihr Vermächtnis auf Rache bestätigt werden. Es war wohl besser, dieses Thema zu meiden. Es war nicht so, dass sie Angst hatte, danach zu fragen; sie schaffte es bloß einfach nicht, zu ihm durchzudringen. Er konnte die Welt dort draußen einfach vergessen, wenn er wollte.
Bador war ein beeindruckender Gegensatz zu Mandalore. Die Slave/glitt auf einer Abstiegsroute an Raumsonden vorbei und über Städte mit schnurgeraden Straßen und freien Plätzen. Mirta überprüfte ihr Datenpad. um sich zu orientieren.
»Wie war der Name deines Dads?«, fragte Fett.
»Makin Marec.«
Fett hatte immer einen Grund dafür, Fragen zu stellen. Vielleicht überlegte er, mit wem er womöglich sonst noch verwandt war.
Sie landeten auf einem der großen öffentlichen Raumhäfen in Bunar, und Fett ging sein Ritual durch, sämtliche Alarme. Lichtschranken und tödlichen Fallen zu aktivieren, die jeden willkommen heißen würden, der dumm genug war, in die Slave I einbrechen zu wollen. Er hatte im Frachtraum ein kleines Speederbike mitgebracht und schwang sich wesentlich behänder auf den Sitz als beim letzten Mal. Die Schmerzmittel waren stark genug, um ein Bantha zu betäuben.
»Du navigierst«, sagte er. Er sprang ein wenig auf dem Ledersitz auf und ab, als würde er testen, ob er irgendwelchen Schmerz empfand oder nicht. »Steig auf.«
Mirta klinkte ihr Datenpad in das System ihres Helms. »Folge dieser Speederspur. und halte dich fünf Kilometer in südlicher Richtung.«
Sie gewöhnte sich allmählich daran, einen buy'ce zu tragen. Zuerst hatte es auf sie erdrückend und verwirrend gewirkt, doch nachdem sie wochenlang von Leuten umgeben gewesen war, die sich auf ihre verließen, fühlte sie sich ohne einen wie eine Außenseiterin. Die über das HUD strömenden Daten lenkten sie nicht mehr ab, sodass sie schon seit einer ganzen Weile über nichts mehr gestolpert war. Im Gegenteil, sie machten sie inzwischen aufmerksamer.
Und - der buy'ce sorgte dafür, dass sie sich wie eine Mando fühlte. Ihr Vater hätte das gebilligt, doch sie versuchte, nicht daran zu denken, was Mama dazu gesagt hätte. Ich vermisse dich, Mama. Ich vermisse dich so sehr, und ich habe dir nicht einmal Lebewohl gesagt.
Fetts ramponierter Umhang schlug im Windschatten gegen ihr Visier, riss sie aus ihren Erinnerungen, und Mirta fragte sich, ob sie am Ende wie ihr Großvater werden würde oder wie ihre Mutter. Die beißende Verbitterung darüber, eines Elternteils geraubt worden zu sein, schien in der Familie zu liegen.
Fett steuerte den Speeder durch zusehends schäbigere Viertel und Täler aus hoch aufragenden Lagerhäusern und Apartmentgebäuden. Kopfgeldjäger neigten dazu, ihren Geschäften nicht in den besseren Stadtteilen nachzugehen. Die Zahl heruntergekommener Familienhäuser nahm zu und ebenfalls die verstreuten, widerwärtigen Gestalten, die an Ecken und in Speedern lungerten.
»Also, was genau wolltest du hier?«, fragte Fett.
»Gestohlene Daten wiederbeschaffen.«
»Willst du damit sagen, die Leute hier in der Gegend können lesen?«
»Nein, aber ich habe Klienten, die das können. Die Einheimischen stehlen alles, selbst, wenn sie nicht einmal wissen, was es ist. Dann gehe ich hin und überzeuge sie davon, es wieder zurückzugeben.«
»Und dein Klon mit den grauen Handschuhen war definitiv hier.«
»Ja.«
Nachdem sie einige Male falsch abgebogen waren, tauchte wie aufs Stichwort die Cantina auf. Bei Tageslicht sah sie sogar noch schlimmer aus als beim letzten Mal, als Mirta sie aufgesucht hatte. Ein Gewirr von Blastermalen hatte Blasen in der Farbe an den Türen hinterlassen, und das Mauerwerk war übersät mit Löchern von ballistischen Kugeln, die letztes Mal nicht da gewesen waren - zumindest, soweit sie das sagen konnte. Von der Tür führte eine Spur von Blutstropfen weg, die in einer größeren Pfütze endeten, die zu dumpfer, teeriger Schwärze getrocknet war. Die Straßenreini-gung kam hier nicht allzu regelmäßig vorbei.
Ein Schild über der Tür besagte WILLKOMMEN IN DER PARADISE-CANTINA. Außerdem stand dort: KEINE HELME.
»Ich bin entrüstet, dass sie hier keinen Respekt für kulturelle Vielfalt haben«, murmelte Fett.
»Deshalb weiß ich, wie der graue Klon aussieht. Er hatte seinen Helm abgenommen.«
»Schön.« Zwei degenerierte Burschen - ein Mensch und ein Rodianer - schlenderten bis auf zehn Meter an den Speeder heran und starrten ihn an. Als sie Fett bemerkten und dann seinen Blaster und seinen raketenbestückten Raketenrucksack sahen, fiel ihnen offenbar plötzlich wieder ein. dass sie anderswo wichtige Angelegenheiten zu erledigen hatten. Fett schloss den Speeder ab und aktivierte die mit einem Thermaldetonator versehene Antidiebstahlssicherung. Die beiden Männer liefen in die entgegen-gesetzte Richtung davon und verschwanden. »Jedenfalls scheinen sie mich hier nicht zu kennen. Ruhm ist eine flüchtige Sache.«
Mirta nahm ihren Helm ab. Fett ignorierte die Aufforderung über den Türen. Die Bar roch so übel wie eh und je, eine Mischung aus Erbrochenem, abgestandenem Bier und Öl. das entweder von Maschinen oder sehr altem, gebratenem Essen stammte. Die Klientel entsprach der Umgebung, möglicherweise weil sie ihr verfügbares Einkommen für hochmoderne Waffen ausgegeben hatte. Der Kuati-Barkeeper füllte auf der Theke Essiggurken in kleine Schüsseln, die eine unappetitliche Ähnlichkeit mit Augäpfeln aufwiesen, also stellten sie sich an den Tresen und versuchten, normal auszusehen - zumindest normal für das Paradise.
Der Barkeeper musterte zuerst Mirta. Sie musste die Gurken allzu intensiv in Augenschein genommen haben.
»Du solltest dir einen Drink bestellen«, sagte er. »Keine Snacks ohne ...« Dann schweifte sein Blick zur Seite. Der Helm erregte seine Aufmerksamkeit auf eine Weise, wie es eine Brustplatte allein nicht vermochte. »Ohhh, du hast die Nerven und kommst hier rein, du Mundo—Abschaum?«
Er duckte sich einen Sekundenbruchteil unter die Theke, und das konnte nur eins bedeuten. Mirta war sich nicht sicher, ob sie ihren Blaster schneller im Anschlag hatte als ihr Ba'buir, doch als sich der Mann mit einem höchst illegalen kurzläufigen Tenloss-Disruptor aufrichtete, der sie beide zu Humus hätte verarbeiten können, blickte er in die Mündungen von Fetts abgesägter EE-3 und ihres Blas Tech 515.
Das verdutzte den Barkeeper lange genug, dass Fett einen linken Haken mitten in sein Gesicht landen konnte. Er krachte gegen die Gläser, die hinter ihm aufgestapelt waren, und einige davon zersplitterten auf den Fliesen. Fett schnappte sich den Disruptor, als er auf die Theke klapperte: Mirta deckte ihm instinktiv den Rücken, doch keiner der Gäste rührte sich. Sie fühlte sich in dieser Rolle allmählich wohl. Ein Gefühl von Kameradschaft - weit von so etwas wie Familienbanden entfernt - hatte sich in sie geschlichen.
Fett untersuchte den Disruptor und legte den Sicherheitshebel mit einer Hand um. »Nicht vergessen - keine Kernzerfälle.«
Der Barkeeper richtete sich mühsam auf und hielt sich eine Hand unter die Nase, um das tropfende Blut aufzufangen. »Der letzte Mando, der hier reinkam. hat den Laden zerlegt. Ihr seid alle dieselbe bekriffte Brut, und ich will euch hier drinnen nicht, also warum verschwindet ihr nicht einfach und ...«
Mirta wurde klar, dass sie offenbar irgendetwas Spaßiges verpasst hatte, nachdem sie gegangen war, um den grauen Klon seiner Jagd zu überlassen. »Das war ein verloren geglaubter Verwandter«, sagte sie. »Wir suchen nach ihm.«
»Nun, wenn ihr eure Familienwiedervereinigung hattet, will ich, dass er für die Schäden vom letzten Mal bezahlt.«
Der Mann schien ihren Ba'buir nicht zu erkennen, doch andererseits hätte Fett von diesem Bodensatz der Nahrungskette auch keinen Auftrag angenommen. Senatoren. Verbrecherbosse und die, die wohlhabend genug waren, um sich seine Dienste leisten zu können, kannten seine Rüstung, Barkeeper für gewöhnlich nicht.
»Zeit, dass wir ein paar Erinnerungen über meinen unberechenbaren Verwandten austauschen«, sagte Fett und tippte mit dem Zeigefinger ungeduldig gegen den Abzugsbügel seines Blasters. »Ich bin nicht so besonnen wie er. Mein Name ist Fett.«
Alles Blut, das noch darin war, wich aus dem Gesicht des Barmanns. Mirta konnte tatsächlich zuschauen, wie sich seine Hautfarbe zu einem käsigen grau änderte. Noch nie zuvor hatte sie solche fleischgewordene Angst vor sich gesehen. Die Augen des Mannes waren starr auf Fetts Visier gerichtet.
»Es ist eine ganze Weile her...«
»Ein Mandalorianer in einer grauen Rüstung mit grauen Handschuhen. Nennt sich Skirata.« Falls der Barkeeper erwartet hatte, dass ein paar Credits auf den Tresen geknallt werden würden, um seiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen, wurde er enttäuscht; Fett spielte das Spielchen nicht mit. »Was weißt du über ihn?«
»Okay, er hat hier einen Kerl umgebracht und jede Menge Schaden angerichtet. Und auch jede Menge Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte erregt.« Daraufhin starrte der Barkeeper Mirta an. und offensichtlich setzte er die Puzzleteile zusammen. »Ja, du warst mit ihm zusammen, nicht wahr?«
»Nicht lange«, sagte Mirta. Sie hatte den Klon rasch verlassen - und war in eine andere Cantina gegangen, um genau zu sein. »Wen hat er getötet?«
»Einen Gangboss namens Cherit. Hat's sogar bis in die lokalen Holonachrichten geschafft.«
Offenbar waren die meisten Schießereien, die hier stattfanden, keine Schlagzeile wert. Mirta machte sich im Geist eine Notiz, die Archive zu überprüfen. »Was weißt du über Cherit, das nicht in den Nachrichten gebracht wurde?«
»Nichts.«
»Ich nehme an, der Schlag ins Gesicht hat dein Erinnerungsvermögen beeinträchtigt.« Fett hatte seinen Blaster immer noch nicht gesenkt. »Versuchs noch mal.«
»Okay, Cherits Bande hat irgendwelche unbedeutenden Kuati-Schickerias mit Rak, Ixetallik und Twi'lek-Mädchen versorgt.
Eine Weile hat er hier seine Geschäfte abgewickelt. Vielleicht hat er auf dem Terrain Ihres Verwandten gewildert.«
»Hört sich nicht nach unserer Branche an.«
Fett stand da und sah den Mann sehr, sehr lange an. Der Barkeeper wirkte, als würde er angestrengt darüber nachdenken, was er sagten konnte, um die Stille zu füllen. Schließlich lehnte Fett seinen Blaster gegen seine Schulter, die Mündung in einer sicheren Position nach oben gerichtet, und schien besänftigt.
»Wenn du ihn noch mal siehst, sag ihm. dass der kleine Boba wegen eines Auftrags mit ihm sprechen will.«
»Wie soll er mit Ihnen in Verbindung treten?«
»Über Mandalore. Gleich rechts, wenn man von der hydianischen Handelsstraße abbiegt. Kann man nicht verfehlen.«
»Okay...«
»Und wo hängt Cherits Gang jetzt rum?«
Der Barkeeper drehte sich zu den Regalen hinter sich um und fummelte wild in einem Stapel Papierkram herum. »Verraten Sie Fraig nicht, dass ich Ihnen das gegeben habe.« Es war eine Serviette, auf die das Logo des TEKSHAR FALLS—KASINOS aufgeprägt war. »An den meisten Nachmittagen findet man Fraig dort an den Sabacc-Tischen. In Kuat City. Fraig hat nach Cherit das Ruder übernommen.«
Fett steckte die Serviette ein und marschierte mit weiten Schritten hinaus. Mirta folgte ihm und ging mit dem Rücken zuerst durch die Tür, mehr aus Gewohnheit, als aus Furcht vor einem Angriff.
»Meinst du, Fraig hat den Klon für diesen Führungswechsel bezahlt?«, sagte sie und kletterte hinter ihm rittlings auf den Speeder. »Das ist es, was ich denke.«
»Falls er das getan hat, wird er wissen, wie man ihn findet.«
Das Speederbike sauste über die raueren Gegenden von Bunar und flog zur Slave I zurück. »Spielst du Sabacc?«, fragte Fett.
Mirta wusste ohne nachzufragen, dass ihr Großvater kein Gelegenheitsspieler war. »Nein.«
»Dann also Plan B.«
»Was ist Plan B?«
»Das sage ich dir. wenn ich ihn ausgeknobelt habe.«
»Und was war Plan A?«
»Dich hübsch rauszuputzen, dich da reinzuschicken, um eine oder zwei Partien zu spielen, und Fraig so zu umgarnen, dass er irgendetwas ausplaudert.«
»Vielen Dank.«
»Das hätte ohnehin nicht funktioniert. Du gehörst nicht unbedingt zu den Mädchen, denen man so was abnimmt.«
Das hätte ebenso gut eine Beleidigung wie ein Kompliment sein können, doch sie hatte keine Ahnung, was davon Fett im Sinn hatte.
Ich will ihn mögen. Er ist nicht besonders liebenswert, aber er ist genauso wenig so, wie du es mir eingeredet hast, Mama. Woher hättest du das auch wissen sollen?
Mirta ertappte sich dabei, wie sie mit einer Toten stritt, sich selbst dafür hasste und feststellte, dass nichts, was sie als gegeben hingenommen hatte, mehr Bestand hatte. Sie nahm eine Hand vom Haltegriff des Speeders und holte das Feuerherz unter ihrer Brustplatte hervor, um es fest zu umklammern. Vielleicht würde es ihr früher oder später irgendetwas erzählen.
»Großartige Schmerzmittel«, sagte Fett. Sie konnte das getrocknete Blut auf den Knöcheln seines linken Handschuhs sehen, als er eine Faust ballte. Die Flecken störten ihn. »Danke.«
In seiner Stimme lag eine fast unmerkliche Andeutung von Wärme. Das war immerhin ein Anfang.
JACEN SOLOS BÜRO, GGA-HAUPTQUARTIER, CORUSCANT
Da war eine Stimme in Jacens Kopf, doch er wusste nie, wessen Stimme es war.
Bisweilen war es eindeutig die von Vergere, zweifellos eine Erinnerung, aber bei anderen Malen war er sich nicht sicher, ob es seine eigenen Gedanken waren oder Lumiyas, die aus seinem Unterbewusstsein auftauchten, oder etwas vollkommen anderes. Es gab sogar Zeiten, in denen er dachte, dass es sein Gewissen war.
In diesem Moment war es sein Gewissen, dessen war er sich gewiss. Alles, was er sehen konnte, war seine Tochter, Allana.
So so, dann denkst du also nicht an Tenel Ka...
Welche Tat auch immer er vollbringen musste, um ein vollständiger Sith-Lord zu werden, sie würde zweifelsohne drastisch sein. Es musste härter sein, als einen anderen Jedi zu töten. Selbst härter, als Corellianer in Lager zu treiben oder sich gegen seine eigenen Eltern und gegen seine Schwester zu wenden oder die Demokratie zu unterwandern.
Es musste die schmerzhafteste Entscheidung sein, die er je zu treffen hatte.
Bloß mein kleines Mädchen kann ich nicht umbringen.
Wer sagt, dass ich das tun muss? Was würde das beweisen?
Dass du edles tun würdest, um die Macht zu erlangen, der Galaxis Frieden und Ordnung zu bringen.
Es war Allanas Zukunft, die ihn dazu gebracht hatte, diesem Pfad zu folgen. Es würde eine sichere Zukunft für die Kinder aller sein, abgesehen von seinem eigenen.
Darum geht es bei alldem, Jacen. Um einen Dienst an der Allgemeinheit. einen schmerzvollen Dienst. Heiß den Schmerz willkommen.
Nein, das war kein Dienst an der Allgemeinheit. Das war Irrsinn. Er würde es nicht tun. Aber machte es irgendeinen Unterschied. die eigenen Kinder in den Krieg zu schicken und damit das gleiche Opfer zu bringen wie Millionen anderer Eltern? War es nicht immer schwerer, das Leben von jemandem zu geben, der einem nahestand, als das eigene?
Nein. Das einzige Opfer, das wirklich zählt, ist das eigene Leben.
Aber Lumiya hatte gesagt, er würde es wissen. Sie hatte gesagt, er würde wissen, was er zu tun hätte, wenn die Zeit dafür kam. und dass sie selbst nicht mehr darüber wusste. Danach hatte er Tenel Ka und Allana getroffen. Er hatte nichts gefühlt, keinen Wink der Macht, dass dies der letzte Schritt war, dass dies die Leute waren, die er töten musste.
Vielleicht will ich es einfach nur nicht wahrhaben. Eine Selbsttäuschung.
Es ist nicht Allana. Es ist nicht einmal Tenel Ka.
»Sie sind es nicht«, sagte er. »Es muss Ben sein.«
Und dann war er wieder in seinem Büro, sich seiner selbst schrecklich bewusst, und schaute zu einem verwirrten Korporal Lekauf auf. Vor ihm auf dem Tisch stand eine Tasse Kaff.
Jacen war noch nie zuvor so abgelenkt gewesen. Das ängstigte ihn. Einen weiteren Fehltritt dieser Art konnte er sich nicht leisten.
»Leutnant Skywalker hat sich bislang noch nicht zum Dienst gemeldet, Sir.« Lekauf - der Enkel eines Offiziers, der Lord Vader treu ergeben gewesen war - hatte eine freundliche, sommer-sprossige Heiterkeit an sich, sodass er nicht einmal in einer schwarzen GGA-Rüstung mit einem BT25-Blaster bedrohlich wirkte. »Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?«
Jacen spürte, wie sein Gesicht brannte. »Verzeihen Sie, Korporal. Ich habe bloß laut gedacht.«
»Das ist schon in Ordnung. Sir. Ich dachte, Sie machen irgendwas von diesem Jedi-Zeug. Kommunizieren.«
Jacen musste einen Moment lang nachdenken. »Eine Verschmelzung?«
»So nennt man das wohl.«
»Ich denke, heute brauche ich mehr Kaff, bevor ich das probiere. Vielen Dank.«
»Haben Sie Admiralin Niathals Nachricht bezüglich der Aus-rüstung erhalten, Sir?«
»Bezüglich der was?« Jacen überprüfte sein Datenpad und checkte seine Kommlinks. Bürokratie war nichts, was ihm leichtfiel. Er würde dafür sorgen müssen, dass er die besten Administratoren hatte, wenn er...
Wenn ich was?
Wenn ich als Sith-Lord herrsche?
Der Gedanke erzeugte zu neunzig Prozent Ernüchterung, zu neun unangebrachte Aufregung und zu einem Prozent ein ab stoßendes Gefühl. Letzteres resultierte aus seinen kleinen Ängsten, seinem Widerwillen, Verantwortung zu übernehmen - etwas, das er ignorieren musste.
»Sie sagt, einige der Fronteinheiten haben Probleme, die Ausrüstung zu erhalten, die sie brauchen«, sagte Lekauf. »Ärgerliche Sache. Spezielle Artillerie, Kommteile, aber auch ein paar wirklich unverzichtbare Dinge wie medizinische Vorräte. Außerdem haben sie sich darüber beschwert, dass die Wartungspakete für die Laserkanonen nicht dem Standard entsprechen und dass es einige Fehlfunktionen gab.« Lekauf hob die Augenbrauen. »Auch wir haben erste Probleme, das zu beschaffen, was wir brauchen, Sir.«
Das weckte Jacens Aufmerksamkeit. »Dies ist der wohlhabendste und technisch fortschrittlichste Planet der Galaxis, und es ist uns nicht möglich, unsere Streitkräfte im Krieg hinreichend mit Vorräten zu versorgen?«
Lekauf schenkte Jacen ein bedeutungsvolles Nicken, das seinen Blick auf seinen Holoschirm lenkte. »Ich denke, die Admiralin hat es ein bisschen nachdrücklicher formuliert, aber das war im Wesentlichen auch ihre Reaktion.«
»Gibt es einen Grund dafür?«
»Beschaffung und Nachschub scheinen herumzutrödeln, Sir.«
»Dann ist es Zeit, dass ich ihnen Beine mache«, sagte Jacen. Er drückte die Kommtaste und stellte eine Verbindung zur Beschaffungsdivision her. »Ich bin sicher, das kann man in Ordnung bringen.«
»Falls Sie möchten, dass ich mit ihnen rede, Sir ...«
»Ich denke, dass die einen richtigen Colonel brauchen, um sie zu motivieren, Lekauf, aber ich bin dankbar für Ihr Angebot.« Mit einem Mal hatte Jacen das Gefühl, dass dies die vorrangigste Aufgabe auf seiner Liste war. Er und Niathal erwarteten eine Menge von den bewaffneten Streitkräften, und es war nicht zu viel verlangt, dass die Militärbürokratie ihnen den Rücken stärkte. »Ich werde mich darum kümmern. Suchen Sie Captain Shevu für mich, in Ordnung?«
»Er ist draußen auf Überwachung, Sir. Hat einige hässliche Nachrichten abgefangen, also ist er jetzt mit Sergeant Wirut unterwegs, um einen Übergabepunkt im Auge zu behalten.«
Shevu war jemand, der zupackte. Er schien nicht mehr so begeistert über die Rolle der GGA zu sein wie noch vor einigen Wochen, doch er machte seinen Job und führte von der Front aus. Mehr konnte Jacen von einem Offizier nicht verlangen.
»In Ordnung, ich werde mich mit ihm in Verbindung setzen, sobald er zurück ist.«
Die Beschaffungsdivision hatte Jacen von Anfang an frustriert. Sein Status als Kommandant der GGA schien ihm dort nicht so viele Türen zu öffnen wie ansonsten innerhalb der Allianz üblich. Als er schließlich zu einer ranghohen Beamtin der Flottenversorgung durchgestellt wurde - zu einer Frau namens Gellus war sein Kaff kalt.
»Wir können das Versorgungssystem nicht umgehen. Sir«, sagte Gellus. »Alle Anfragen werden der Reihe nach bearbeitet.«
»Sollten sie nicht besser nach ihrer Dringlichkeit bearbeitet werden, wie etwa für die Front bestimmt?«
»Gemäß der Beschaffungsbestimmungen habe ich nicht die Befugnis dazu. Sir.«
»Mit wem muss ich über die Qualität der Ausrüstung sprechen?«
»Ausrüstung welcher Art? Sie müssen wissen, wir haben vier Postenabteilungen ...«
»Kanonenwartungspakete. Wir bekommen Beschwerden über minderwertige Ersatzteile.«
»Das wäre dann Technische Unterstützung. Die haben ihr eigenes System. Dazu müssen Sie ...«
Jacen hatte Geduld und ein Dutzend Methoden von ebenso vielen esoterischen, Macht-nutzenden Schulen gelernt, um seinen Verstand in Krisenzeiten zu beruhigen. In diesem Fall wollte er keine davon einsetzen. Er wollte seine Beherrschung verlieren.
»Wir befinden uns im Krieg«, sagte er leise. »Alles, was ich will, ist, dass die Leute, die kämpfen, die richtige Ausrüstung erhalten. Wie lässt sich das am schnellsten bewerkstelligen?«
»Sie gehören nicht zur Flotte, oder, Sir? Die GGA ist eigenständig.«
»Was bedeutet?«
»Das ist nicht Ihre Befehlskette. Wir brauchen die Autorisierung durch einen ranghohen Offizier der Flotte, um diese Anfrage bearbeiten zu können. So sind die Vorschriften, Sir.«
Aber ich bin der Kommandant der Garde der Galaktischen Allianz. So viele Schwierigkeiten habe ich nicht einmal, wenn ich Staatschef Omas sehen will.
Das offensichtlich begrenzte Ausmaß seiner Autorität ärgerte ihn. Ihm standen Sternenzerstörer und ganze Armeen zur Verfügung, wenn er sie brauchte, doch an einem Bürokraten vorbeizukommen, war unmöglich?
»Würde das Wort der Oberbefehlshaberin genügen?«
Gellus schluckte hörbar. »Ja, Sir.«
»Dann melde ich mich wieder, sobald ich das habe.«
Wütend unterbrach Jacen die Verbindung. Regeln. An diese willkürlichen Beschränkungen war er nicht gewöhnt. Wenn es ihm nicht einmal gelang, einfache Versorgungsprobleme aus dem Weg zu räumen, wie sah dann seine Zukunft als Sith-Lord aus?
Sein Verstand sagte ihm, dass dieses Ärgernis durch eine Nachricht an Niathal geklärt werden und er die Sache einem Unteroffizier übertragen konnte, doch sein Gespür sagte ihm etwas vollkommen anderes, nämlich, dass er selbst sich darum kümmern musste.
Gut für die Moral, dachte er.
Nein, es war etwas anderes. Er konnte es nicht genau bestimmen.
Regeln und Vorschriften. Er scrollte durch die Kommcodes der Allianz-Verteidigungsressorts und fand die Abteilung Recht und Legislative. Er aktivierte die Verbindung, und eine menschliche Stimme meldete sich.
»Kann ich mir bei Ihnen einen Rechtsanalysedroiden leihen?«, fragte er den Assistenten. Jacen zog es vor. seine Rechtsberatung aus den leidenschaftslosesten und einfallslos ehrlichsten Quellen zu beziehen. Ein Droide konnte sich für ihn durch das Kleingedruckte in den Satzungen beißen.
»Sofort, Sir.«
Das gefiel ihm schon eher. Jacens Stimmung verbesserte sich.
Dennoch brauchte er nach wie vor diese simple Genehmigung von Admiralin Niathal. um dem Ausrüstungsdepartment Beine zu machen.
Gute Offizierin. Gute Taktikerin. Engstirnige Standpunkte.
Doch er brauchte sie ebenso sehr, wie sie ihn brauchte.
Lekauf kehrte mit frischem Kaff zurück. Laut Dienstplan hätte er längst dienstfrei haben sollen. »Sie sind zu beschäftigt, um sich um Routine-Verwaltungsangelegenheiten zu kümmern. Sir«, sagte er. »Sind Sie sicher, dass ich Ihnen das nicht abnehmen kann?«
»Ich bin mir sicher«, sagte Jacen. »Die Abteilung Beschaffung und ich müssen ein paar Dinge zwischen uns klären.«
Lekauf grinste. »Zeigen Sie's denen, Sir.«
Irgendetwas sagte Jacen. dass es wichtiger war, es »denen zu zeigen«, als er sich überhaupt vorstellen konnte.
Irgendetwas - und diese Stimme. Er hörte auf sie.
APARTMENT DER SKYWALKERS, CORUSCANT
Luke blickte auf seine Hände, erst auf die rechte, dann auf die linke. Die eine war eine Prothese, die andere aus Fleisch, und beide waren von jemandem berührt worden, den er als seine Nemesis zu betrachten begann.
Lumiya.
Während ihres Kampfes hatte er die Chance gehabt, sie zu töten, und am Ende hatten sich ihre Hände in einer Geste berührt, die zwischen gewöhnlichen Leuten vermutlich als Versöhnung betrachtet worden wäre.
Ich habe ihr gesagt, dass ich sie, nicht töten will.
Luke Skywalker hatte noch nie irgendwen töten wollen. Aber manchmal passierte es trotzdem. Er stand auf und zog das Shoto aus seinem Gürtel, das kurze Lichtschwert, das er brauchte, um mit Lumiya und ihrer Lichtpeitsche fertig zu werden.
Was geht hier vor? Was will sie?
Sie war nie eine von denen gewesen, die Psychospielchen trieb, so wie Vergere. Sie war eine Soldatin: eine Pilot in, eine Geheimdienstagentin, eine Kämpferin. Er musste die Puzzlestücke zwar noch zusammensetzen, doch auf irgendeine Weise hatte sie etwas mit Jacens Abrutschen in die Dunkelheit zu tun.
Luke ging müßig ein paar Übungen mit dem Shoto durch und versuchte, sich vorzustellen, was womöglich geschehen würde, wenn er erneut auf Lumiya traf. Dann fragte er sich, was er mit neunzehn in dieser Situation getan hätte, und er wusste. dass er nicht allzu viel darüber nachgedacht haben würde. Er wollte, dass die Dinge wieder so klar und eindeutig wie damals waren.
Die Türen zum Apartment öffneten sich, und er hörte Mara und Ben reden. Erleichterung durchflutete ihn. Er legte das Shoto auf den Tisch, und jeder einstudierte Satz der Ermahnung und der Missbilligung löste sich in nichts auf, wurde ersetzt durch das schlichte Bedürfnis, seinen Sohn so fest zu umarmen, dass er ihn fast erdrückte.
Ben stand wie angewurzelt auf der Stelle und ließ es über sich ergehen. Mara warnte Luke mit einer hochgezogenen Augenbraue, doch er hatte nicht die Absicht, Ben zu schelten.
»Ich bin froh, dass du in Sicherheit bist«, sagte Luke. »Doch falls irgendetwas, das ich getan habe, dich dazu gebracht hat, auf diese Weise abzuhauen, müssen wir uns darüber unterhalten.«
Ben sah Mara an, als suchte er einen Hinweis darauf, wie er das am besten erklären sollte. »Ich habe gearbeitet. Ich war auf einer Mission, das ist alles.«
Jacen, du Lügner. Du hast gesagt, er hätte es mir übel genommen, dass ich dafür gesorgt habe, dass er nicht länger dein Schüler ist.
Nur Jacen würde - konnte - ihn auf eine Mission geschickt haben.
Luke dachte beiläufig darüber nach. Ben zu fragen, wer ihn losgeschickt hatte, doch das wusste er ohnehin, und er wollte nicht so weit sinken, aus seinem eigenen Sohn mit Tricks Informationen herauszuholen, oder ihn gegenüber Jacen in Verlegenheit zu bringen. Er brauchte keine weiteren Belege, dass sich sein Neffe von allein und ohne handfeste Unterstützung nicht wieder dem Licht zuwenden würde. Unterstützung, die Han und Leia ihm nicht geben konnten. Und es überstieg auch die Möglichkeiten des Jedi-Rats.
Das waren Familienprobleme. Er würde das in Ordnung bringen, mit oder ohne Mara.
»Kommlink-Schweigen?«, fragte er.
»Ja, Dad. Tut mir leid.« Die Umarmung hatte Ben vielleicht überrascht, doch er war auch nicht zurückgewichen. »Ich kann nicht darüber reden. Das verstehst du doch, oder?«
»Natürlich tue ich das, Sohn.« Und ich weiß, wer dir gesagt hat, dass du das nicht tun darfst. »Ich hatte wirklich gehofft, du würdest nicht bei der GGA bleiben.«
»Ich bin gut in dieser Art von Arbeit.«
»Ich weiß.«
»Ich kann jetzt kein guter kleiner Akademie-Jedi mehr sein, Dad. Ich muss das hier durchziehen. Diese Unterhaltung hatten wir bereits, oder nicht?« Bens Tonfall war bedauernd, nicht der weinerliche Protest eines Jugendlichen über die Ungerechtigkeit seiner Eltern. Es war ernüchternd, ihn so schnell erwachsen werden zu sehen. Erwachsenwerden? Nein, altern. »Wir befinden uns im Krieg, und sobald man einmal gedient hat, weiß man, dass man dem nicht einfach den Rücken kehren und die Sache aussitzen kann, während deine ... während deine Freunde ihr Leben riskieren.«
»Luke ...« Maras Tonfall war vorwurfsvoll, mit dieser leicht nasalen Schärfe, die besagte, dass sie wollte, dass Luke aufhörte. »Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt für all das?«
Er ignorierte sie. »Ich verstehe das, Ben. Das tue ich. Doch die GGA ist nicht der richtige Ort für dich.«
»Ist sie es nicht?«
»Auf diese Weise sollte die Regierung nicht mit Widerspruch umgehen.«
»Dann sollte ich genau aus diesem Grund dabeibleiben«, sagte Ben leise. »Wenn die GGA eine schlechte Organisation ist. dann müssen gute Leute dabeibleiben und sie von innen heraus verändern, anstatt sie den bösen Jungs zu überlassen. Und wenn es eine gute Organisation ist. dann ist alles, was dich wirklich stört, meine Sicherheit, und ich kann besser auf mich selbst aufpassen. als du glaubst. Du wolltest, dass ich ein Jedi bin. Jetzt bin ich ein Jedi.«
Bens Logik und seine moralische Argumentation boten keinen Angriffspunkt. »Da hast du recht.«
»Also, bin ich ein guter Mensch, Dad? Oder glaubst du. ich bin böse geworden, so wie es die GGA deiner Meinung nach geworden ist?«
Das war eine Frage, über die Luke nie hatte nachdenken wollen. Was machte einen schlechten Menschen aus? Die meisten Leute, die böse Dinge taten, waren weder gut noch böse, bloß fehlbare Sterbliche. Das einzige wahrhaft rettungslos verlorene Wesen, dem er je begegnet war, war Palpatine gewesen. Und vermutlich war selbst Palpatine einst ein kleiner Junge gewesen, der sich nie hätte träumen lassen, dass er für den Tod von Milliarden verantwortlich sein würde und diese Macht auch noch in vollen Zügen genoss.
Luke wurde klar, dass er sich nicht sicher war, was einen guten Menschen ausmachte oder ab welchem Punkt jemand böse war. Er war sich Maras Blicks, der ihn durchbohrte, schmerzlich bewusst. grün und eisig wie ein bei Hochwasser gefrorener Fluss.
»Du bist ein guter Mensch, Ben.« Tut er irgendetwas, das ich nicht getan habe?» Du denkst über das nach, was du machst.«
»Danke. Aber ich werde die GGA nicht verlassen, Dad. Jedenfalls nicht freiwillig. Du wirst mich dazu zwingen müssen, entweder körperlich oder auf dem Rechtsweg, und das will keiner von uns. Lass mich dort, wo ich etwas Gutes tun kann.«
Man konnte Kämpfe ausfechten, ohne die Stimme zu erheben oder wütende Worte zu gebrauchen. Ben hatte gekämpft und seinen Eltern die Grenze aufgezeigt. Luke wusste, dass er die Sache auf andere Weise angehen musste.
Und verdammt noch mal, Ben hatte tatsächlich recht. Man durfte die GGA nicht den Schlägertypen überlassen.
»Nimm dich nur vor Lumiya in Acht«, mahnte Luke. »Hast du es ihm erzählt, Mara?«
»Ich hab's ihm erzählt.«
»Also, wirst du bleiben, um mit uns einen Happen zu essen, Sohn?«, fragte er und spürte, wie Maras Blick ein wenig auftaute.
»Das wäre schön«, sagte Ben, mehr wie vierzig als wie vierzehn.
Es war schwierig, beim Essen eine Familienunterhaltung zu führen, ohne dabei den Krieg zu erwähnen. Ben wollte wissen, wie es Han und Leia ging. Mara schob das Gemüse auf ihrem Teller hin und her, als hätte sie das Thema am liebsten unter den Teppich gekehrt.
»Im Augenblick herrscht zwischen Jacen und deiner Tante und deinem Onkel nicht unbedingt das beste Verhältnis. Liebling«, sagte sie. »Aber was auch immer er dir erzählt, sie machen sich nach wie vor Sorgen um ihn und wollen, dass es ihm gutgeht.«
»Es ist nichts Persönliches«, sagte Ben. »Hey, ich habe versucht, Onkel Han zu verhaften, weil das meine Aufgabe war. Ich wollte ihm keinen Schaden zufügen.«
Luke dachte über die Eile nach, mit der Jacen seine Eltern während des Angriffs auf den Urlaubstrabanten im Stich gelassen hatte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Ben zu so etwas fähig wäre. Und falls er es sich hätte vorstellen können, hätte er es nicht wahrhaben wollen.
»Dad, hat das Imperium wirklich eine Schreckensherrschaft geführt?«
»Nur ein bisschen ...«
»Ich weiß, dass das Imperium dir und Onkel Han und Tante Leia das Leben schwergemacht hat, aber was war mit den gewöhnlichen Leuten?«
Mara kaute mit langsamer Bedächtigkeit, den Blick auf einen Punkt irgendwo in mittlerer Ferne gerichtet. »Das solltest du vielleicht das Volk von Alderaan fragen«, sagte sie. »Nein, warte - der Planet ist futsch, nicht wahr? Ups. Das ist mit den gewöhnlichen Leuten passiert. Ich weiß darüber besser Bescheid als die meisten anderen.«
Weil du einiges davon selbst angerichtet hast. Luke konnte wahrlich nicht erwarten, dass Ben auch nur ein Wort von dem glaubte, was einer von ihnen ihm erzählte. Sie hatten beide Dinge getan, von denen sie nicht wollten, dass er sie tat.
»Aber die meisten Leute haben das gar nicht richtig mitbekommen. oder?« Ben schien auf seinen Kurs festgelegt. »Ihr Leben lief so weiter wie vorher. Vielleicht hatten einige Leute, die politisch engagiert waren, mitternächtlichen Besuch von ein paar Sturmtrupplern, aber die meisten haben ihr Leben einfach weitergelebt, richtig?«
»Richtig«, gab Mara zu. »Aber in Angst zu leben bedeutet, überhaupt nicht zu leben.«
»Es ist besser, als tot zu sein.«
»Denkst du. das Imperium war in Ordnung, Ken?«, fragte Luke.
»Ich weiß es nicht. Es hat bloß den Anschein, als würden eine Handvoll Leute denken, dass sie die Pflicht oder das Recht haben, die Dinge für alle anderen zu ändern. Das ist eine schwerwiegende Entscheidung, eine Rebellion, nicht wahr? Doch die meisten Entscheidungen, die Einfluss auf Trillionen von Lebewesen haben, werden von einigen wenigen Leuten getroffen.«
Luke und Mara sahen einander diskret an, dann Ben. Irgendwie hatte er in letzter Zeit politisches Interesse entwickelt. Auf was für eine Mission Jacen ihn auch immer geschickt hatte - und das hatte er, dessen war Luke sich gewiss -, sie hatte den Jungen ins Grübeln gebracht.
Oder womöglich verlor Luke auch einfach nur die Tatsache aus den Augen, dass sein Kind mittlerweile ein junger Mann war und sich schnell veränderte.
Doch als er ging, half Mara ihm immer noch in seine Jacke. Luke erwartete beinahe, dass sie ihn fragen würde, ob er sich auch jeden Tag die Zähne putzte. Doch wie es ihrer Art entsprach, verlieh Mara ihrer mütterlichen Fürsorge auf pragmatische Weise Ausdruck und drückte Ben einen mattgrauen Gegenstand in die Hand.
»Nimm's mir nicht übel«, sagte sie und küsste seine Stirn. »Trag das bei dir. Man weiß ja nie.«
Ben starrte auf seine Handfläche. »Wow.«
»Das«, sagte sie. »war die beste Vibroklinge. die es im Imperium zu kaufen gab. Sie hat mir mehr als einmal das Leben gerettet. Ein Lichtschwert ist großartig, aber ein Lichtschwert und eine Vibroklinge sind noch besser.«
»Plus einen Blaster«, sagte Ben. Er grinste. »Das ist noch viel besser. Der Dreierangriff.«
»Das ist mein Junge.«
Ben war gegangen, und Mara räumte die Teller ab. »Wann haben wir eigentlich einen kommunal gesinnten Politikanalysten hervorgebracht?«
»Vielleicht hat er zu viele Gorog-Kumpel.«
»Wirkt er auf dich wie ein durchgeknallter, verkorkster Junge?«
»Nein«, sagte Luke. »Aber es ist nicht Jacens Einfluss, der einen Mann aus ihm macht, selbst wenn er der Einzige zu sein scheint, der zurzeit mit Ben zurechtkommt.«
»Luke, wir müssen immer noch etwas unternehmen.«
»Oh, jetzt müssen wir etwas unternehmen? Was ist aus >Überlass ihn Jacen, er ist gut für den Jungen< geworden?« Luke musste sich fast auf die Lippe beißen, um nicht damit herauszuplatzen, dass er es ihr ja gleich gesagt hatte, was - das war immer seine Meinung gewesen - das Kennzeichen von jemandem war, der nicht nach einer Lösung für ein Problem suchte, sondern bloß punkten wollte. »Abgesehen davon scheint er von dem, was vorgeht, nicht korrumpiert zu werden. Vielleicht ist er in seinem Innern dieser gute Mensch, nach dem er gefragt hat. Vielleicht hattest du recht damit, mich dazu zu überreden, unser Kind in die Geheimpolizei eintreten zu lassen ...«
»Ich meinte wegen Lumiya.« Mara spannte die Schultern an. Es war ihre Art zu sagen, dass sie wusste, dass sie einen großen Fehler gemacht hatte, und er sie nicht mit der Nase darauf stoßen musste. »Okay, ich habe es mir anders überlegt. Jacen ist böse geworden. Es ist meine Schuld, dass wir einige Monate damit verplempert haben, Ben zu beschwichtigen. Zufrieden? Aber was ist mit der Grundur-sache für all das?«
»Wir konnten ihre Fährte bislang noch nicht wieder aufnehmen.«
»Und was passiert, wenn wir das tun?« Mara stellte die Teller so hart auf dem Küchentresen ab, dass sie klapperten. »Was wirst du dann tun? Wieder ihr Händchen halten?« Er hätte ihr niemals erzählen sollen, dass Lumiya ihm ihre Hand angeboten hatte, als sie miteinander kämpften. Das nagte an ihr. »Weil das arme alte Mädchen eigentlich gar nichts Böses im Sinn hat? Lumiya? Die Königin der verfluchten Sith?«
»Da waren wirklich keine bösen Absichten in ihr.«
Mara rollte mit den Augen. »Natürlich waren sie das nicht. Sie will nicht dich umbringen. Sie will unseren Sohn umbringen.« Sie ergriff Lukes Gesicht mit beiden Händen und hielt es so, dass er ihr in die Augen sehen musste. »Luke, du hättest sie töten können. Hättest sie in zwei Hälften zerteilen können. Hättest die Sache zu Ende bringen können. Aber du hast es nicht getan.«
Unerklärlicherweise schämte sich Luke deswegen. »Ich konnte es nicht.«
»Ich weiß. Wir haben ein unterschiedliches Rechtsempfinden, nicht wahr?«
»Liebling...«
»Sie ist nicht dein Vater, Luke. In ihr ist nichts Gutes mehr, das man erlösen könnte. Sie ist eine Bedrohung, die unschädlich gemacht werden muss, und ich wurde dafür ausgebildet, so etwas zu tun, du nicht. Vergiss dieses Ergreift sie lebend, falls möglich. Der einzige Weg, jemanden für immer unschädlich zu machen, ist, ihn umzulegen.«
Luke hatte das Gefühl gehabt, dass Mara das sagen würde. Er wusste, wann sie auf etwas hinarbeitete. Vielleicht hatte sie gedacht, sie könne ihm die Dinge verheimlichen, aber er kannte sie mittlerweile gut genug, um zu sehen, wie sich die Zahnräder drehten und sich ein Plan formte.
Er hatte seine Chance bei Lumiya vertan. Eine weitere würde er nicht kriegen.
»Du willst mir sagen, dass du ihr nachstellen wirst.«
»Du könntest mitmachen, könnte man sich darauf verlassen, dass du bei ihr nicht wieder weich wirst.« Mara ließ ihn los und schaute verlegen drein. Ihre Wangen waren gerötet. »Du kannst dich um Alema kümmern. Die braucht ebenfalls dringend eine Verhaltensneuanpassung mit dem Lichtschwert. Es ist ja nicht so, als würden sich hier nicht genügend vollkommen durchgeknallte Stalker herumtreiben.«
Ganz gleich, was geschah, Luke wusste, dass er nicht diese Meuchelmörderfähigkeit hatte, jemanden zu töten, der nicht versuchte, ihn just in diesem Moment zu töten. Hätte er sie gehabt ...
Also war Ben nicht der Einzige, der durch ein moralisches Labyrinth irrte. Luke machte das schon seit Jahrzehnten, doch das Labyrinth wurde mit jedem Jahr bloß noch verworrener.
»Schauen wir mal, inwieweit sich Jacen bessert, wenn Lumiya weg ist«, sagte er. Warte, habe ich gerade einen Mord abgesegnet? »Und wenn Alema aus dem Weg ist, können Leia und Han wieder aus der Versenkung auftauchen, und dann können wir diesem Krieg wieder als eine Familie die Stirn bieten.«
Mara tätschelte ihm mit einem bedauernden Lächeln die Wange und ließ einen Droiden die Teller abwaschen. Den Rest des Nachmittags verbrachte sie damit, eine Reihe von Waffen, die definitiv nicht aus einem zivilisierten Zeitalter stammten, zusammenzusetzen und zu überprüfen.
»Ich wusste nicht, dass du einen davon hast«, sagte er und deutete auf einen Blaster, der eine Mündungsöffnung groß wie ein Granatwerfer hatte. »Womit willst du das Ding bestücken?«
»Mit einem Stahlnadelmagazin. Schauen wir mal, was sie mit ihrer Lichtpeitsche dagegen ausrichten will.«
»Möchtest du mein Shoto mitnehmen?«
»Bietest du es mir etwa an?«
»Als Glücksbringer vielleicht.«
»Eher als Rippenkäfigspalter. Falls das bei ihr auch alles aus Durastahl besteht.«
Das war seine Gattin. Manchmal erhaschte er einen flüchtigen Blick auf die Frau, die sie einst gewesen war, und dann kam sie ihm ein oder zwei Sekunden lang wie eine Fremde vor.
»Wie willst du sie aufspüren? Sie versteckt sich sehr gut.«
»Ich kann sehr gut jagen.« Mara nahm den Griff des Shotos und wirbelte es wie eine Klinge herum. »Ein paar Köder auslegen, ein bisschen nachforschen und ein wenig Hilfe durch die Macht.« Sie zündete die Lichtklinge. »Und wenn Alema ihr tatsächlich folgt, wie es der Fall zu sein scheint, dann wird einer von beiden ein Schnitzer unterlaufen, und dann haben wir sie.«
»Lumiya unterlaufen keine Schnitzer.«
»Nun, sie herrscht momentan nicht über die Galaxis, also denke ich, dass ihr das manchmal doch passiert.« Mara warf das Shoto in die Luft und fing es am Heft wieder auf. »Und sie ist neulich auch aufgetaucht, also werde ich mich bereithalten.«
»Halte mich nur darüber auf dem Laufenden, wo du bist, in Ordnung?«
»Ich lasse es dich wissen.« Mara schenkte ihm ihr bestes Ich-weiß-was-ich-tue—Grinsen. »Und wer könnte einer ehemaligen Hand des Imperators besser nachstellen als eine andere?«
»Diese Zeiten sind vorbei...«
»Und das war, bevor ich einen Sohn hatte, um den ich mich sorge.« Das Grinsen verschwand. »Jetzt, da ich ein Junges beschützen muss, bin ich noch viel gefährlicher als damals.«
Daran hegte Luke keinen Zweifel. Doch zum ersten Mal in seinem Leben bereute er, jemanden nicht getötet zu haben, als er die Möglichkeit dazu gehabt hatte.