13. Kapitel

Der Handel an der Börse wurde heute in den frühen Morgenstunden ausgesetzt, als die amtierende Staatschefin, Admiralin Cha Niathal, als Reaktion auf die erschütternde Verhaftung von Cal Omas das vorübergehende Kriegsrecht ausrief. In dieser Stunde wird eine Erklärung des Senats erwartet. Unterdessen berichten andere galaktische Finanzzentren von regem Handel. KDY-«A«-Aktien schossen um 50,3 Credits über dem gestrigen Stand in die Höhe, und sowohl MandalMotors als auch Roche Industries beschlossen den Tag mit einem Plus von mehr als 30 Credits.

- Börsennachrichten: Geschäftsschlagzeilen

SENATSGEBÄUDE

Senator G'Sil warf einen Blick auf die Holokameras, die die Senats-debatten in jedes Büro, Restaurant und jeden öffentlichen Bereich des Senatsgebäudes übertrugen, dann schüttelte er den Kopf und schloss für einen Moment die Augen.

»Volles Haus«, sagte er. »Sie sollten besser eine wirklich gute Ansprache halten. Cha. Eine wirklich gute.«

Niathal richtete ihre Uniform und bereitete sich darauf vor.

auf die Plattform des Staatschefs hinauszutreten, um sich an den Senat zu wenden. Die Dinge entwickelten sich nicht ganz so, wie sie es sich vorgestellt hatte, doch andererseits war das wie bei einer Schlacht, und die politische Bühne war für sie wie jedes Flotten-gefecht. Jacen Solo, von dem sie erwartete, ihn im Senat herumstolzieren zu sehen, hielt sich bedeckt. Doch darauf war sie vorbereitet. Wenn sie nach vorn gestoßen wurde, um sich für den Putsch rechtfertigen zu müssen, würde sie sicherstellen, dass man auch ihn als Teil dieses Doppelteams erkannte. Sie hatte nicht vor, die Verantwortung für das alles allein zu übernehmen.

»Es ist bloß vorübergehend, für die Dauer des Krieges, und kein normaler Bürger wird dadurch nachteilige Auswirkungen erleiden«, sagte sie und probte ihre Schlüsselbotschaften. »Man braucht bloß etwas von den Aufnahmen von Omas' heimlichem Treffen abzuspielen und die Neuigkeiten über Mandalore und Roche in die Runde zu werfen, und alle werden nicken und sagen: Ja, in der Tat, Admiralin, wir leben in gefährlichen Zeiten, bitte wachen Sie mit einer Interimsregierung über uns, während der Fall des Staatschefs gründlich untersucht wird.«

»Ich mag Jacen«, sagte G'Sil, plötzlich sehr leise. »Aber ist er momentan noch... zuverlässig?«

»Zuverlässig in welcher Hinsicht?«

»Ich hätte diese Gejjen-Sache niemals autorisiert. Das war ... extrem.«

»Es ist erledigt. Corellia ist in arges Schwanken geraten, weil dortige verrückte Randgruppen behaupten, sie wären es gewesen. Bothawui nimmt das Ganze als Schuss vor den eigenen Bug, denn sie vermuten, dass wir es waren, auch wenn sie nicht glauben können, dass wir die Nerven dazu haben, und ... Nun, ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber diese entsetzlichen kleinen mandalorianischen Wilden waren uns ebenfalls eine wunderbare Hilfe.«

»Cha, ich will Sie nicht beunruhigen, aber ist Ihnen vielleicht entgangen, dass sie aufrüsten? Und noch dazu mit Verpinen-Technologie?«

»Nein, ist es nicht. Das war die beste Neuigkeit der Woche.«

»Offenbar bringen sie einem auf der Generalstabsakademie irgendetwas bei. das uns Normalsterblichen verborgen bleibt.«

Niathal sah auf die Uhr. Sie hatte zehn Minuten, um sich psychisch auf das vorzubereiten, was gleich folgen würde. Sie musste wirken, als sei sie eine gute Wahl, als würde sie nur widerwillig die Zügel der Regierung übernehmen und erpicht darauf sein, sie wieder abzugeben, sobald die gegenwärtige unerfreuliche Situation vorüber war. Ja, auch damit war es ihr ernst: Sie wollte das Amt des Staatschefs, aber sie wollte dafür ein echtes Mandat. Und es gab keine bessere Möglichkeit, das zu bekommen, als in dieser extremsten aller Situationen zu zeigen, dass sie eine verantwortungsbewusste Anführerin sein konnte. Wenn sie schließlich für das Amt kandidierte, würde sie bei der Wählerschaft für ihre Taten bekannt sein.

Natürlich nur, wenn Jacen mir nicht alles vermasselt. Nun, und dann ist da immer noch Fett.

»Haben Sie schon mal Nunas gehalten?«, fragte sie.

»Nicht in meinem Apartment...«

»Man hat mir erzählt, dass sie dazu neigen, innerhalb der Herde rivalisierende Gruppen zu bilden und dann sehr territorial werden können. Es kommt zu Zankereien. Lässt man dann wilde Bursas in das Gehege, bricht die Hölle los: Die Bursas geraten in einen regelrechten Blutrausch, schnappen sich so viele Nunas, wie sie können, um sie später zu fressen, und es kümmert sie nicht, zu welchen der unterschiedlichen Nunas-Gruppen die gehörten. So sind Ihre Mandalorianer.«

»Das ist eine bezaubernde Analogie, auch wenn ich nicht weiß, worauf Sie damit hinauswollen.«

»Darauf, dass keine Strategie dahintersteckt. Mandalorianern ist es gleich, wer gewinnt. Sie wollen bloß kämpfen und ihr Selbstbild aufrechterhalten.«

G'Sil bedachte sie mit einem langen, argwöhnischen Blick. »Sie sind die Oberbefehlshaberin der Streitkräfte. Ich nehme an. Sie sind in der Lage, militärische Risiken einzuschätzen.«

»Wollen Sie meine Einschätzung hören? Fett hat nicht die Absicht, seinen bescheidenen Einflussbereich auszudehnen. Vor ein paar Jahrtausenden waren die Mandalorianer vielleicht einmal ein mächtiges Imperium, doch sie sind außerstande, eine moderne komplexe Demokratie zu führen. Das wissen sie, und deshalb wollen sie bloß ihre primitiven Kriegerfantasien ausleben und sich in ihrem Ruhm sonnen.«

»Den sie sich verdient haben.«

»Ich gebe zu, dass sie ganz außergewöhnliche Soldaten sind.«

»Sie haben dem Imperium und den Yuuzhan Vong einen Tritt verpasst, und das ohne die geringste Unterstützung von uns.«

»Das bedeutet immer noch nicht, dass sie die Galaxis beherrschen wollen. Gegenwärtig leben weniger als drei Millionen von ihnen auf Mandalore, und sie verfügen über nichts, das einer Regierungsstruktur auch nur ähneln würde, was jedoch unerlässlich wäre, damit sie sich gut genug organisieren können, um in der GA oder in der Konföderation das Ruder zu übernehmen.«

»Aber Fett ist ein verflucht kluger Mann. Vergessen Sie die Wookiee-Skalps.«

»Er will nur eins: Jacen Solo fallen sehen«, sagte Niathal. »Und das sehr, sehr tief.«

»Ich glaube nicht, dass er ein intergalaktisches Chaos stiften würde, bloß um sich an einem Mann zu rächen, selbst wenn es sich dabei um Jacen handelt.«

»Nein, unser Chaos haben wir uns selbst geschaffen. Fett ist lediglich ein weiterer Störfaktor.« Noch zwei Minuten: Niathal nippte an einem Glas Wasser und rollte mit dem Kopf, um ihren Nacken zu lösen. Es gab nichts Schlimmeres als eine durch verspannte Muskeln verursachte überstrapaziert klingende Stimme. Sie musste entspannt klingen, bedauernd, aber autoritär. »Solange er das Schreckgespenst spielt, hält die GA zusammen, weil die kleineren Planeten Angst haben, dass die Mandalorianer zurückkehren werden, und darum halten sie schutzsuchend an uns fest.«

»Oder laufen über zur Konföderation.«

»Nicht, wenn die Konföderation Fetts Waffen kauft und wir nicht. Wir können ihn seiner Neutralität berauben - oder zumindest des Anscheins, den er sich davon gibt.«

G'Sil sah sie weiterhin an, als käme sie von jenseits des Outer Rim. Er nahm diesen Putsch - und sie war froh, dies unter vier Augen so nennen zu können - bemerkenswert gut auf. Angesichts seiner Position hatte sie erwartet, dass er ein Stück vom Kuchen hätte abhaben wollen.

»G'vli, werden Sie zu gegebener Zeit für das Amt des Staatschefs kandidieren?«

»Wird es denn einen Staatschef geben?«

»Ich habe die feste Absicht, zu Wahlen und zum Zivilrecht zurückzukehren, sobald der Krieg vorüber ist.«

»Dann nein. Ich kann gut damit leben, mich nicht in die Position zu begeben, in der Omas war. Wenn eine Sache einmal passieren kann, kann sie auch zweimal passieren.« G'Sil dirigierte sie auf den Zugang zur Schwebeplatt form zu. »Allerdings müssen Sie sich vor Jacen in Acht nehmen.«

»Ich weiß«, sagte sie. »Deshalb werde ich ihn jetzt kaltstellen. Machen Sie einfach weiter, wie Sie es für richtig halten.« Das Wort kaltstellen barg mehrere unschöne Bedeutungen, und G'Sils Gesichtsausdruck nach dachte er an die schlimmste. »Nein, bloß in taktischer Hinsicht. Wo steckt er überhaupt?«

»Vermutlich musste er irgendwo irgendwem die Finger brechen. Überlassen Sie ihn mir. ich werde ihn nachher suchen.« G'Sil folgte ihr auf die Plattform. »Los geht's.«

Niathal schaut e auf ihre Stiefel, während sie auf die Plattform trat, und als sie aufsah, ließ die schiere Größe der Senatskammer sie für einen Sekundenbruchteil unruhig werden. Das war ein Segen: Sie wusste. dass ihre aufrichtige Bestürzung als demütige Zurückhaltung rüberkommen würde. Für einen neuen Militär-diktator gab es nichts Schlimmeres, als übereifrig zu wirken.

Für eine Kammer mit Tausenden Delegierten war es - selbst im Hinblick auf die jüngsten Austritte und abtrünnig gewordenen Mitglieder - bemerkenswert ruhig. Ihre Plattform trieb in die Mitte der gewaltigen Kammer. Sie blickte in ein Spiel aus Licht und Schatten und war außerstande, Gesichter zu erkennen. In so vieler Hinsicht war es wie auf einer Theaterbühne, einschließlich der blendenden Scheinwerfer.

»Gentlewesen«, begann sie förmlich. Sie war der Ansicht, dass sie am besten fahren würde, wenn sie sich strikt förmlich gab. »Ich hätte nie erwartet, mich eines Tages auf diese Weise an Sie zu richten, und ich gebe zu, dass ich darauf kaum vorbereitet bin. Ich bedaure zutiefst die Notwendigkeit, auf dieser Plattform zu stehen. Doch diese Notwendigkeit hat sich nun mal ergeben, dennoch wird die gegenwärtige Regelung bloß für den kürzest - möglichen Zeitraum bestehen, und abgesehen von diesem vorübergehenden Führungswechsel bei der GA wird sich nichts ändern. Das möchte ich ausdrücklich betonen. Es gibt kein Ausgangsverbot, keine Zensur und nichts von dem, was das Kriegsrecht sonst mit sich bringt. Wäre Staatschef Omas erkrankt, würde ich auch hier stehen, und niemand würde in Panik geraten. Was letzte Nacht geschehen ist, ist von Rechts wegen nicht bedeutsamer als das. Als Oberbefehlshaberin der Streitkräfte ist es meine Pflicht, für den Staatschef einzuspringen, auch auf den Rat der GA-Sicherheitskräfte hin. Sobald die allgemeine Krisensituation mit der Konföderation geklärt ist - und ich gehe davon aus, dass dies kurzfristig der Fall sein wird trete ich zurück, und wir werden Wahlen für das Amt des Staatschefs durchführen.«

Nichts davon war gelogen. Es gab überhaupt keinen Grund zu lügen. Sie meinte jedes Wort davon ernst. Es gab lediglich Informationen, über die der Senat nicht verfügte, aber wer hatte schon ein gänzlich vollständiges Bild von der Galaxis.

Einer der Repräsentanten von Kuat signalisierte, das Wort ergreifen zu wollen.

»Wenn Sie von den Sicherheitskräften sprechen, Admiralin. meinen Sie damit den Allianz-Geheimdienst oder die GGA?«

Niathal fragte sich, ob G'Sil die Frage arrangiert hatte, weil sie wie gerufen kam, im perfekten Moment. »Ich würde Ihnen gern etwas zeigen«, sagte sie. »Damit Sie verstehen, warum sich die Notwendigkeit zu handeln ergeben hat.«

Wahrscheinlich war es eine Missachtung des Gerichts, die Bilder von Omas' Treffen mit Gejjen zu zeigen; Beweise wie dieser würden seine Chance auf einen fairen Prozess arg beeinträchtigen, doch irgendwie glaubte sie kaum, dass die Geschworenen Omas freisprechen, er mit wiederhergestelltem Ruf ins Amt zurückkehren und die GA wegen ungerechtfertigter Festnahme verklagen würde. In seinem Fall war die Verhaftung Urteil und Schuldspruch in einem. Sie winkte, damit die Aufnahmen auf den Sichtschirm auf der Plattform jedes Delegierten übertragen wurden.

Es war erfreulich, die leisen Ausrufe der Überraschung zu hören, während die Szene abgespielt wurde, komplett mit Allianz-Geheimdienstoffizieren. Im Augenblick des Verrats, als Dur Gejjen zur Sprache brachte, wie sie und Jacen von ihren Posten entfernt werden sollten, stellte Niathal ein wenig würdevollen Kummer zur Schau. Das Schweigen, das darauf folgte, war allumfassend.

»Jetzt verstehen Sie sicher, warum ich auf den Hat der GGA gehört habe«, sagte sie. »Die Objektivität des Allianz-Geheimdienstes wurde durch die Teilnahme an diesem Treffen möglicherweise kompromittiert. Und obwohl es nicht verboten ist, dass zwei Staatsoberhäupter im Krieg miteinander sprechen, ist es untragbar, dass sie die Absetzung des Oberbefehlshabers der Streitkräfte planen, ohne den Sicherheits-und Geheimdienst-ausschuss hinzuzuziehen.«

Sie hoffte, dass ihnen aufgefallen war, dass der Vorsitzende dieses Ausschusses unmittelbar rechts von ihr saß. Es war an der Zeit, dass er seinen Anteil leistete, und so nahm sie Platz und überließ G'Sil die Bühne.

»Alldem habe ich nur wenig hinzuzufügen«, sagte G'Sil. »Abgesehen davon, dass ich betrübt darüber bin, dass es hierzu kommen musste. Noch ein Wort über die Anwesenheit von GA-Truppen draußen auf den Straßen, Seite an Seite mit CSK-Be- amten: Hierbei handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, für den Fall, dass die gesetzlosen Elemente auf Coruscant versuchen sollten, aus der gegenwärtigen Situation ihre Vorteile zu ziehen. Wie in jeder Demokratie werden diese Truppen, falls eine dieser kriminellen Gruppierungen aus der Lage Kapital zu schlagen versucht, die Rechtsstaatlichkeit durchsetzen.«

»Nun, momentan besteht für die Anarchisten keine Notwendigkeit, die Regierung zu stürzen, nicht wahr?«, sagte der Abgesandte von Haruum Kai. »Sie waren schneller.«

»Ich werde Colonel Jacen Solo darum ersuchen, sich das Amt des Staatschefs mit mir zu teilen«, fuhr Niathal fort, »im Sinne von gegenseitiger Überprüfung, damit die Macht vorläufig nicht in den Händen einer Person liegt, sondern einer den anderen kontrollieren kann.«

Sie ließ die Bemerkung von Haruun Kai unkommentiert. Niemand sonst griff sie auf. Sie hatte ganz das Gefühl. Eindruck geschunden zu haben, und dass sie deutlich zum Ausdruck gebracht hatte, dass sie nur eine verlegene Soldatin war, die man angehalten hatte, den Laden zu schmeißen, was sie auch widerstrebend tat, weil das zivile Staatsoberhaupt ein sehr unartiger Bursche gewesen war. Es schien funktioniert zu haben.

G'Sil folgte ihr zurück in ihr Büro. Sie setzte sich und spürte, wie Erleichterung sie durchströmte.

»Was jetzt?«, sagte G'Sil und schenkte am Getränkeautomaten zwei Tassen Kaff ein. »Wir haben eine Verschnaufpause, während die Senatoren wegen ihrer Aktienkurse und des corellianischen Verhaltens herumzappeln wie gestrandete Daggerts.«

»Öffnen Sie die Börse wieder«, sagte sie. »Irgendwann im Laufe des Tages muss ich den Finanzminister sehen, damit die Staatsbank einschreitet, falls die Finanzmärkte zusammenzubrechen drohen. Ich werde den Allianz-Geheimdienst unter GGA-Kommando stellen und Captain Girdun die Leitung übertragen ...«

»Oh, mustergültig!«

»... und ich will, dass Omas' Büro bis auf Weiteres versiegelt wird.«

G'Sil wirkte leicht überrascht. »Sie beziehen dort nicht Quartier?«

»Nein, das tue ich nicht, genauso wenig wie Jacen. Das würde eher nach überschwänglicher Begeisterung für die Macht aussehen als nach notwendiger Pflichterfüllung. Wir versiegeln es. wie es ist, was auch im Hinblick darauf, dem CSK einen potentiellen Tatort zu erhalten, das beste Vorgehen ist.« Sie tippte den internen Kommcode für die Senatsgebäudewartung in das Tastenfeld in ihrem Schreibtisch. »Dann muss auch niemand darum streiten, wessen Sessel es ist.«

G'Sil gab dem Lächeln nach, das sich auf sein Gesicht legen wollte. »Eine elegante Methode, Jacen kaltzustellen, falls er nach der Macht strebt, indem Sie ihm die von Anfang an einfach geben.«

Du brauchst nicht zu wissen, dass wir eine Abmachung haben. »Ich mag es nicht, gegnerische Kräfte im Rücken zu haben, G'vli. Ich habe sie gern da, wo ich sie sehen kann.«

»Das ist das erste Mal, dass Sie mir gegenüber Jacen als ... Gegner bezeichnen.«

»Wir verfolgen dieselben Ziele«, sagte sie vorsichtig, sich darüber im Klaren, wie kurzlebig Bündnisse in diesem Spiel waren. »Ordnung, Stabilität und Frieden. Allerdings gefallen mir seine Methoden nicht. Sobald ich ihm beigebracht habe, dass es nicht der richtige Weg ist, Bürger in Lager zu sperren und Gefangene zu töten, werden wir wunderbar miteinander auskommen.«

»Sie müssen außerdem beim Jedi-Rat vorstellig werden.«

»Ich treffe mich später mit Skywalker, aber nicht mit dem Rest dieser bewaffneten Mystiker...«

Niathal hielt inne und schickte Luke eine Nachricht, dass sie die gute Arbeitsbeziehung, die er mit Omas unterhalten hatte, fortsetzen wolle und dass er herzlich zu einer informellen Unterredung eingeladen sei. Trotzdem würde sie weiterhin vorsichtig sein, da die Jedi eine dritte und ungewählte Macht darstellten, weder Zivilisten noch Militärs, und jedes Mal, wenn sie Jacen Solo anschaute, sah sie genau, in was sich ein Jedi verwandeln konnte.

»Das Ganze ist überraschend zivilisiert abgelaufen«, sagte G'Sil. »Die Geschäfte der Kammer gehen weiter wie gehabt. Keine Aufstände, keine Proteste, keine Gegenrevolution.«

»Es ist noch nicht einmal Mittagszeit.«

»Dennoch ist das bemerkenswert.«

»Und wir befinden uns im Krieg. Wenn die Corellianer auch momentan am Rad drehen. Doch das gilt nicht für Bothawui. Ich habe Truppen dort draußen an der Frontlinie.«

Das war lediglich eine Feststellung. Sie trug immer noch eine Uniform, und ganz gleich, wie ihre persönlichen Ambitionen aussahen, der Dienst-Ethos war mittlerweile so gut wie in ihren Genen verankert. Sie hatte einen Krieg zu gewinnen und wollte ihre Leute lebend nach Hause bringen.

»Oh, Sie sind gut«, sagte G'Sil, der sie vollkommen falsch verstand. »Sie sind sehr gut. Verdammt, so glaubwürdig, wie Ihre Vorstellung heute war, würde ich Sie vielleicht sogar wählen.«

Das war der einzige Weg, wie Niathal in diesem Amt bleiben wollte - durch eine ordentliche Wahl. Das machte es viel einfacher, es auch zu behalten. Darüber hinaus war sie eine Offizierin, die Wert darauflegte, dass ihre moralischen Richtlinien, ihre Verhaltensregeln, vollkommen klar waren.

Im Rahmen dieser Richtlinien jedoch war sie der Ansicht, dass es am besten war, die Schlacht zum Feind zu tragen und jeden Vorstoß zurückzudrängen.

»Ich freue mich schon darauf«, sagte sie.

JEDI-RATSKAMM ER

Es war eine lange Nacht, und die morgendlichen Nachrichten sorgten dafür, dass sich Luke der Kopf drehte. Er schaute Mara auf der anderen Seite des Raums an, bemerkte, dass ihre Verletzungen größtenteils verheilt waren, und fragte sich, wann sie ihm endlich erzählen milde, was sie dazu brachte, im Schlaf mit den Zähnen zu knirschen.

Irgendetwas machte ihr zu schaffen, und dass sie darüber schwieg, anstatt zu toben, bereitete ihm Sorge, denn das bedeutete, dass es um mehr ging als nur um Lumiya oder Alema.

»Da fragt man sich doch, was der morgige Tag wohl bringen mag«, sagte Kyp müde und kratzte sich mit beiden Händen am Kopf, als würde er sein Haar einshampoonieren. »Jeder Tagesbericht birgt eine neue Bombe.«

»Ich war mit Omas nicht immer einer Meinung, aber ich glaube nicht, dass er ein Sicherheitsrisiko darstellt.« Luke konnte noch nie gut mit Frustration umgehen, und daran hatte das Alter nichts geändert. Er konnte sehen, was vorging, und er hatte für Militärregierungen nichts übrig. Das hatte niemand aus seiner Generation, der unter dem Imperium aufgewachsen war. »Jetzt haben wir also zwei Bedrohungen - einen externen Krieg und einen internen Putsch. Auf was sollen wir unsere Bemühungen konzentrieren?«

»Nun, unter den gegebenen Umständen ist es nur rechtens, dass Niathal die Macht übernimmt«, sagte Corran. »Deshalb ist es nicht unbedingt ein Putsch, und sosehr uns das als Bürger mit Wahlrecht auch missfallen mag, als Jedi haben wir keine Handhabe, uns da einzumischen.«

»Darf ich es sagen?«, fragte Kyp. »Weil es uns geradewegs ins Gesicht starrt und niemand es zur Sprache bringt.«

»Nur zu ...«

»Jacen. Da, ich hab's gesagt. Jacen, Jacen, Jacen. Was im Namen der Macht geht hier vor? In Ordnung, wir hätten ihn bereits zur Rede stellen sollen, als er anfing, mit der GGA Türen einzutreten. Das haben wir versäumt. Jetzt hat er über Nacht den Staatschef verhaftet und die Regierungsgeschäfte übernommen. Das alles läuft außer Kontrolle, meine Freunde.«

»War er es, der sich zum zweiten Staatschef ernannt hat? Hat er persönlich das getan?«

Cilghal schaute auf. »Admiralin Niathal hat dies verkündet. Von Jacen haben wir nichts gehört.«

»Dann war es möglicherweise nicht seine Idee.« Luke sah Mara an, doch sie schien sich in ihrer eigenen Welt zu befinden.

»Mara?«

»Tut mir leid.« Sie kam blinzelnd wieder zu sich. »Nun, ich habe nicht gesehen, dass man Jacen um sich tretend und schreiend in das Büro des Staatschefs geschleift hat. Ganz gleich, wer die Idee dazu hatte, er war nicht gerade begierig darauf, diese Ehre abzulehnen.«

»Er ist abgetaucht«, sagte Kyp. »Wir sind die gesammelten Nachrichtenberichte der letzten 24 Stunden durchgegangen, ohne dass man ihn zu sehen bekam. Man muss ihn irgendwo angekettet haben, um ihn von den Reportern fernzuhalten.«

»Was wissen wir schon?«, fragte Corran. »Er redet nicht mit uns, und wenn er nicht gerade loszieht, um Corellianer zu schikanieren, verkriecht er sich in seinem lauschigen GGA-Bunker.«

»Zeit, dass ich ihm einen Besuch abstatte«, entschied Luke. »Ich persönlich. Niathal hat eine Nachricht geschickt, die besagt, dass sie die guten Beziehungen zwischen dem Jedi-Rat und dem Büro des Staatschefs bewahren will. Ich werde das Thema ihr gegenüber zur Sprache bringen, sobald sie in ihrem Terminkalender ein Plätzchen für mich findet.«

Mara konzentrierte sich offenbar wieder auf die Sitzung. »Wenn ich nicht wüsste, dass Corellia durch Gejjens Tod in eine ernste Notlage geraten ist, würde ich sagen, es war ein Versuch von außerhalb, die GA zu destabilisieren. Wäre er noch am Leben, wären sie uns bereits auf die Pelle gerückt.«

Das war ein interessanter Gedanke, der für Luke noch interessanter wurde, als er ihn sich noch einmal durch den Kopf gehen ließ. Mara gelang es stets, die Kernfrage zu stellen. Die beiden Ereignisse waren vielleicht reiner Zufall, vielleicht auch nicht, aber das Attentat war mit der Absetzung von Omas verknüpft, und das nicht bloß, weil er sich kurz vor dem Tod des Corellianers mit ihm getroffen hatte. Die weniger seriösen Nachrichtensender stellten wilde Spekulationen darüber an, ob Omas vielleicht an dem Attentat beteiligt gewesen war, doch Luke hatte das Gefühl, dass etwas wesentlich Komplizierteres vorging, und ihrem nachdenk-lichen Gesichtsausdruck nach dachte auch Mara in diese Richtung. Sie redete nicht gerade mit sich selbst, doch gelegentlich bewegten sich ihre Lippen, unfreiwillig, während ihr Blick in die Ferne gerichtet war.

Normalerweise besprichst du alles mit mir. Mara. Was ist passiert?

»Wisst ihr was?«, meldete sich Kyp wieder zu Wort. »Wir übersehen einen wichtigen Punkt. Als Jedi sind wir entweder Akteure in der Politik der GA, oder wir sind bloß ein weiteres Instrument der gewählten Führerschaft, so wie zum Beispiel die Flotte es ist. Wenn wir Letzteres sind, ist es uns vielleicht erlaubt, unsere eigene Meinung zu haben, aber wir tun letztendlich das, was die rechtmäßige Führung befiehlt. Jacen ist momentan vielleicht vollkommen jenseits von Gut und Böse, aber er handelt nicht als Jedi. Er ist ein Offizier der Sicherheitsstreitkräfte, der zufällig ein Jedi ist.«

»Mit dieser Aussage im Hinterkopf werde ich mich gleich viel besser fühlen, wenn meine Eingangstür von einem GGA-Stiefel eingetreten wird«, sagte Corran.

Kyp drehte sich in seinem Sessel herum, um einen Zeigefinger in Corrans Richtung zu stoßen. »Ich sage nicht, dass wir nicht handeln sollten. Bloß, dass wir uns darüber im Klaren sein müssen, wo wir stehen. Niathal und Jacen jedenfalls bewegen sich im Rahmen des Gesetzes.«

»Es gibt Gesetze«, sagte Mara, »und es gibt das Recht.«

»Ich werde mich mit Niathal treffen«, sagte Luke und schlug mit seiner Handfläche auf die Armlehne seines Sessels. Ich hätte schon vor langer Zeit auf meinen Instinkt hören sollen. In dem Versuch, meiner Rolle im Jedi-Rat gerecht zu werden, habe ich den Überblick verloren. »Und bevor wir uns den Kopf darüber zermartern, was wir unternehmen sollten oder nicht, denkt mal hierüber nach: Um was geht es uns hier? Unseren eigenen Putsch zu inszenieren? Niathal abzusetzen? Jacens Lichtschwert zu konfiszieren? Ich gebe zu, dass ich für vieles offen bin, aber wir müssen das hier gut durchdenken, weil wir am Ende womöglich alles noch schlimmer machen, als es schon ist.«

»Nun, zu versuchen, ihn mit freundlichen Worten zur Vernunft zu bringen, steht nicht zur Debatte«, sagte Mara. »Daher bin ich nach wie vor dafür, dass man die Schlüsselfigur bei alldem aus dem Verkehr ziehen muss: Lumiya. Aber lasst uns nicht vergessen, dass Omas' Vorgehen nicht unbedingt klug war und Niathal nicht unter Lumiyas Bann steht. Sie verfolgt ihre eigenen Pläne, und ich habe nicht den Eindruck, dass die Dunkle Seite darauf irgendwelchen Einfluss hat.«

Luke wusste, dass sie recht hatte. Das Kräftespiel war kompliziert. Einmal mehr vermisste er es, dass die Fronten wie damals zu Zeiten des Imperiums klar abgesteckt waren - die Guten auf der einen, die Bösen auf der anderen Seite.

Es war schwer, sich gegen seine Verbündeten zu wenden. Genauso schwer, wie sich gegen die eigene Familie zu stellen. Diesmal war beides ein und dasselbe.

GGA-HAUPTQUARTIER, CORUSCANT

Das Schlimmste daran, an diesem Morgen aufzuwachen, waren die paar Sekunden unbekümmerter Behaglichkeit, bevor er sich daran erinnerte, was geschehen war, und daraufhin brach die Welt erneut in sich zusammen. Ben sah Jori Lekauf überall, wo er hinschaute. Er konnte es nicht ertragen, zuhause zu sein. Er brauchte die Gesellschaft seiner Freunde, der Leute, die Lekauf ebenfalls vermissten.

Als er durch die GGA-Sicherheitstore schritt und das System seine Identikarte akzeptierte, um die blastersicheren Türen zu öffnen, war jedes Gesicht im Korridor das von Lekauf. Ben begab sich in den Umkleideraum und konnte dort seine Stimme hören. Es war ein ununterbrochener Alptraum, heraufbeschworen durch seine Machtsinne und die schlicht menschliche Reaktion auf einen Todesfall. Er wollte, dass es aufhörte, und hatte das Gefühl, mit diesem Wunsch einem toten Freund gegenüber illoyal zu sein.

Zavirk hockte immer noch im Überwachungsraum. Er schaute zu Ben auf und betätigte den STUMM-Knopf an seinem Ohrhörer. »Bist du in Ordnung?«

»Mir geht's gut.«

»Das würde ich nicht sagen.«

»Mir geht's gut.«

»Es war nicht deine Schuld, okay? Hätte jeden von uns erwischen können.« Zavirk drückte wieder den Knopf und zog den benachbarten Stuhl näher heran, damit Ben sich setzen konnte. »Hast du gehört, dass der Boss jetzt ... nun, tatsächlich der Boss ist?«

»Ja.«

»Sollten gute Neuigkeiten für uns sein.«

Ben wusste, dass sein Vater sagen würde, dass es überhaupt keine guten Neuigkeiten waren. Er saß eine Weile im Überwachungsraum, einfach dankbar dafür, unter den Soldaten zu sein, und dann marschierte er davon, um sich eine ruhige Ecke zu suchen. Wenn er nicht imstande war, mit einem solchen Verlust umzugehen, hatte er für die GGA keinerlei Nutzen. Jeder andere Truppler machte einfach weiter. Shevu hatte vermutlich ein sehr betrübliches Gespräch mit Lekaufs Eltern führen müssen, doch als Ben an seinem Büro vorbeikam, war er fleißig bei der Arbeit und markierte etwas auf einem Dienstplan an der Wand. Auch er machte weiter.

Okay, ich bin vierzehn. Ich könnte sagen: In Ordnung, ich bin bloß ein Kind, und ich muss nicht zäh sein, wenn meine Kumpels getötet werden. Doch ich kann mir nicht aussuchen, wann ich mich wie ein Erwachsener verhalten muss. Entweder mache ich hier weiter und stehe meinen Mann, oder ich gehe in die Schule wie jedes andere Kind in meinem Alter.

Hinzu kam, dass er seiner Mutter die schlimmsten Sorgen bereitete. Dabei hatte sie schon genug eigene Probleme mit dieser Lumiya.

Laut Dienstplan befand sich Jacen seit etwa ein Uhr in der Früh im Hauptquartier. Ben konnte seine Gegenwart nicht spüren, doch das überraschte ihn nicht. Es hatte eine Zeit gegeben, als Jacen sich in der Macht verborgen hatte, wenn er es musste. Inzwischen hob er seine Tarnung nur dann auf, wenn es seiner Meinung nach notwendig war.

Ben ertappte sich dabei, dass er sich ebenfalls abschottete. Als er den Korridor hinunterging, glänzten auf den Fliesen noch Wasserflecken, weil die Reinigungsdroiden bloß wenige Meter vor ihm waren. Ben verschmolz mit der Materie und Energie um sich herum. Je öfter er das tat, desto weniger fühlte er sich, als würde er sich in einer Trance befinden, abgeschnitten von der Wirklichkeit, und je mehr hatte er das Gefühl, er würde die Welt so betrachten, wie sie tatsächlich war, Partikel innerhalb von Partikeln. Das verschaffte ihm einen flüchtigen Eindruck gelassener Klarheit. In gewisser Weise war es eine Befreiung.

Am Ende des Korridors ging es durch eine Doppeltür zu den Arrestzellen. Dieser Bereich war stets abgesperrt, doch an diesem Tag war an der Wand daneben eine Notiz angebracht, auf der stand: ZUTRITT NUR MIT HÖCHSTER FREIGABE. Dahinter hielten sie Staatschef Omas fest. Das wirkte surreal. Ben ging weiter auf Jacens Büro zu, und als er die Ecke umrundete, konnte er sehen, dass dessen Tür offen stand.

Er konnte Jacens Präsenz zwar nicht wahrnehmen, doch er konnte hören, wie er mit jemandem redete.

Mit wem? Seltsam, ich kann da drinnen niemanden spüren ...

Jacen sprach vielleicht über Kommlink, doch er hatte nicht diesen leicht geschraubten selbstbewussten Tonfall, zu dem er neigte, wenn er denjenigen, mit dem er sprach, nicht sehen konnte. Tatsächlich klang er, als wäre er darum bemüht, nicht die Beherrschung zu verlieren.

»Du hast dein Blatt überreizt«, sagte Jacen.

»Ihr macht Euch zu viele Sorgen«, entgegnete eine Frauenstimme.

Das war der Punkt, an dem Ben erkannte, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte. Bloß eine Jedi konnte sich bei ihm befinden, ohne dass er sie wahrnehmen konnte - oder ein Yuuzhan Vong, und die waren nicht unbedingt regelmäßige Besucher im GGA-Hauptquartier. Die Stimme wirkte außerdem irgendwie vertraut, auch wenn Ben sie nicht einordnen konnte.

Es war unredlich, sich an seinen befehlshabenden Offizier heranzuschleichen - an seinen Cousin, seinen Mentor doch während er sich weiterhin in der Macht verbarg, pirschte Ben dennoch lautlos den Korridor entlang und blieb dann dicht bei der offenen Tür stehen.

Kaum jemand hielt sich in diesem Flügel des Hauptquartiers auf, und vermutlich verließ sich Jacen darauf, dass er die Leute spürte, die kamen und gingen. Deshalb ging er davon aus, dass er und sein Gast allein wären.

»Du verkomplizierst es nur«, sagte Jacen gerade. »Es gibt einen Unterschied zwischen jemanden zu ködern und sich selbst für übermäßig clever zu halten, und diese Linie hast du überschritten. Hast du dich mittlerweile wieder erholt?«

»Ja«, sagte die Frauenstimme, der diese leicht rauchige Schärfe anhaftete, als hätte sie zu viele Todesstäbchen genossen. »Aber es hat funktioniert. Es hat Euch die Bewegungsfreiheit verschafft, die Ihr brauchtet, um zu handeln, ohne dass sie Eurer Operation in die Quere kam. Sie glaubt allen Ernstes, ich wollte mich für irgendeine Tochter rächen ...«

»Manchmal befürchte ich, deine Tarngeschichten sind schlicht zu wirr, um zu funktionieren.«

»Ach ja? Bens Erinnerungen an Nelani auszulöschen, hat aber doch wirklich funktioniert, oder nicht?«

Ben prallte zurück. Jacen! Du warst das?

»Er würde nicht verstehen, warum ich es tun musste«, sagte Jacen.

»Und aus diesem Grund kann er niemals Euer Schüler sein. Werdet ihn los, sucht Euch einen anderen, und verschwendet nicht länger Eure Zeit mit ihm.«

»Jetzt zu meinem wahren Problem ...«

»Da kann ich Euch nicht helfen. Wer auch immer es am Ende sein wird, entscheidet die Macht. Ihr werdet es sehr bald erfahren.«

»Nun, mit Omas bin ich jedenfalls fertiggeworden. Der Weg ist frei.«

»Werdet Ihr ihn weiterhin hier festhalten?«

»Ich dachte mir, auf lange Sicht ist Hausarrest vielleicht vernünftiger. Das Haus der Republik ist leicht zu sichern, und außerdem sehen wir dann aus wie die guten Jungs. Das Volk mag Omas nach wie vor.«

»Und jetzt seid Ihr beide die Staatschefs ...«

»Niathal glaubt, dass sie mich auf diese Weise ruhig halten kann.«

»Oder unter Kontrolle.«

»Sie ist ziemlich gerissen.«

»Haltet sie Euch warm. Ihr braucht sie. damit das Militär weiterhin hinter Euch steht.«

»Du bist eine wahre Strategin, Lumiya ...«

Lumiya! Ben glaubte, sich verhört zu haben, oder dass seine Gemütsverfassung ihn hören ließ, was er hören wollte, so wie er auch Lekaufs Stimme hörte. Doch er wusste. dass er sich nicht täuschte, dass dies keine Illusion war, und seine erste Reaktion war weder Furcht noch Schrecken, sondern quälende Ernüchterung.

Er hatte Jacen vertraut, doch Jacen hatte ihn belogen.

Er hatte seine Erinnerung ausgelöscht.

Und sie redeten über ihn, als wäre er ihnen irgendwie im Weg.

Die Tatsache, dass Jacen wissentlich mit einer Sith sprach, als wären sie alte Freunde, wurde davon sogar noch zurückgedrängt und kam an zweiter Stelle. Hingegen all seines Leugnens kannte er Lumiya. Und sie konnte einfach ins GGA-Hauptquartier spazieren und mit ihm reden. Jacen wurde nicht von ihr manipuliert, nein, er unterhielt sich mit ihr beiläufig darüber, was er als Nächstes tun würde.

Ben ertappte sich dabei, wie er hektisch nach Erklärungen suchte, warum sich Jacen mit Lumiya traf. Warum er, obwohl er jemand war, dem er vertrauen konnte, dies tun musste.

Jacen ist ein Jedi. Er kann nicht mit ihr im Bunde stehen. Sie hat irgendetwas mit ihm gemacht. Seinen Verstand beeinflusst oder so was.

Diese Frau hatte seiner Mutter das Gesicht zerschlagen. Sie war alles, was zu fürchten und zu meiden man ihn gelehrt hatte. Doch Jacen sprach in seinem Büro mit ihr, dreist bis zum dort-hinaus.

Ben musste jemanden davon erzählen, doch in diesem Moment traute er niemandem mehr. Wenn man Jacen so beeinflussen konnte, dann konnte man das mit jedem machen - abgesehen von Mom. Mom stand nicht unter Lumiyas Bann, andernfalls hätten sie nicht gegeneinander gekämpft.

Ben musste sie finden. Er musste sie warnen.

Früh an diesem Morgen hatte er das Gefühl gehabt, die Dinge könnten unmöglich noch schlimmer werden, nun wusste er, dass sie das doch konnten.