7. Kapitel

Goran, aufgrund von Fetts Abwesenheit denke ich, du solltest dir das hier wirklich mal ansehen. Ich glaube nicht, dass die Sache warten kann. Manchmal tun die Vongese einem tatsächlich einen Gefallen.

Baustellenvorarbeiter Herik Vorad, beim Inspizieren von Felsgestein,
das im Gebiet nördlich von Enceri, Mandalore, ausgehoben wurde

SICHERES VERSTECK, CORUSCANT

»Also werdet Ihr es tun, bevor Ihr Eure vollständigen Sith-Kräfte erlangt habt«, sagte Lumiya. Sie steckte die Kerzen an und schloss die Jalousien. Jacen musste die Welt ausschließen und fühlen, was vorging; er wurde zunehmend von einem banalen Tagesprogramm in Anspruch genommen, dem Tagesprogramm der niederen Wesen, mit denen er zusammenarbeitete. »Warum?«

»Wenn ich es hinterher tue, wann mag hinterher sein?« Jacen beobachtete die schimmernden Flammen und setzte sich im Schneidersitz auf den Teppichboden, doch sein Blick war weiterhin unkonzentriert, und Lumiya fühlte sich genötigt, ihm kräftig auf den Kopf zu klopfen und auf die Kerze zu deuten.

»Omas wird einen Handel mit Gejjen abschließen. Ich bin ein Teil dieses Handels, und Niathal auch, und das wahrscheinlich auf ziemlich endgültige Weise.«

In der Welt jener zu arbeiten, die nicht imstande waren, die Macht zu nutzen, verleitete Jacen dazu, genauso hinterhältig und manipulierend zu sein, wie sie es waren, und obwohl Lumiya nicht fand, dass das etwas Schlechtes war - der Zweck heiligte die Mittel -, ließ er sich von ihren Regeln fesseln. Er sprach über zeitliche Koordinierung. Er beherrschte die Macht zur Gänze, doch er schien Gefallen daran zu finden, die begrenzten Tricks der gewöhnlichen Leute einzusetzen.

Auf lange Sicht gesehen war die Admiralin irrelevant. Dessen musste er sich bewusst sein. »Niathal hat Angst vor Euch, Jacen. Oder zumindest ist sie vor Euch auf der Hut.«

»Glaubst du nicht, ich weiß das? Sie wäre eine Idiotin, wenn sie auf dieser Regierungsebene jemandem vertrauen würde.«

»Ihr verschwendet zu viel Energie darauf, banale Spielchen zu spielen, anstatt die Macht zu benutzen.«

»Ich benutze sie, wenn ich es muss. Momentan wäre es die meiste Zeit über zu viel des Guten.«

Jacen schien stets beweisen zu wollen, um wie viel cleverer, um wie viel geschickter er war als seine Widersacher, und dass er sie mit ihren eigenen Waffen schlagen konnte. Eitelkeit war für einen Sith nicht immer eine schlechte Sache - solange er nicht davon beherrscht wurde. Es ging bloß darum, ihn dazu zu bringen, innezuhalten und sich neu zu fokussieren.

»Meditiert«, sagte Lumiya.

Einen Moment lang starrte Jacen durch sie hindurch, und dann blickte er ohne zu blinzeln auf die Kerze, bis er schließlich seine Augen schloss. Er öffnete ein Auge langsam wieder und sah aus. als wäre er drauf und dran, einen Scherz zu machen. Lumiya war momentan nicht zu Späßen aufgelegt.

»Eigentlich habe ich dich aus einem bestimmten Grund kontaktiert«, sagte er.

»Ich weiß. Aber ich würde diese Angelegenheit gern wie Macht-Nutzer angehen, nicht wie irgendein langweiliges kleines Komitee im Senat.« Es war an der Zeit, ihn daran zu erinnern, dass er immer noch einen weiteren Schritt zu tun hatte, bevor er anfangen konnte, sie irgendetwas zu lehren. »Beruhigt Euch, und lasst die Welt außen vor.«

Jacen schloss erneut die Augen und schien sich - ausnahmsweise - genug zu entspannen, sodass ein wenig von seiner Gemütsverfassung durch die Barriere sickerte, die er mittlerweile die meiste Zeit über aufrechthielt. Lumiya spürte sein unerschütterliches Selbstver-trauen und die Konzentration, die so charakteristisch für ihn war. Doch da war immer noch ein schwacher Hinweis auf den alten Jacen, geschunden von Verlust und Schmerz und voller Angst, getrieben davon, notwendige Dinge zu tun. Das waren die letzten Spuren des Zweifels und Widerwillens, die sein finaler Schritt auslöschen würde, der ihn schließlich in die Lage versetzen würde, die Grenze zu seinem vollkommenen Sith-Vermächtnis zu überschreiten.

»Ihr müsst, ihre Spielchen nicht mitspielen, Jacen«, sagte sie leise. »Selbst jetzt entziehen Eure Kräfte Euch ihrer Reichweite um ein Vielfaches. Omas kann Euch nichts anhaben. Ebenso wenig wie Gejjen. Sobald Ihr Euer Schicksal erfüllt, werden sie vollkommen bedeutungslos sein.«

»Kräfte oder nicht, ich kann eine Galaxis nicht im Alleingang beherrschen. Ich muss überzeugend sein, die Leute auf meine Seite bringen. Selbst die Macht ist außerstande, das Bewusstsein von Millionen zu beeinflussen.«

Ah, du genießt die Macht, die dir simple Gedankenspielchen verschaffen. Wiederhole nicht Palpatines Fehler. Das ist eine Schwäche, die deiner nicht würdig ist.

»Jacen«, sagte sie. »Ich möchte, dass Ihr in Euch gehl und Euren Gefühlen vertraut. Hört auf, alles zu überanalysieren. Dadurch erlangt Ihr keine Vorteile, sondern seht nur Fakten. Und Fakten zeigen Euch nur, was Ihr sehen wollt.«

Jacen öffnete wieder die Augen. »Aber sie ist so fließend. Die Grenze zwischen einem verrückten Impuls und Führung durch die Macht lässt sich immer schwerer ziehen.«

»Weil Ihr zu viel darüber nachdenkt.«

Die undurchdringliche Wand war wieder da. Lumiya spürte es, als er sich in Schweigen flüchtete.

»Es ist Ben«, sagte er schließlich. »Es muss Ben sein.«

Jetzt verstand sie. »Ihr seid vernarrt in den Jungen. Vielleicht ist er für Euch das Kind, das Ihr nicht habt, und vermutlich ist das der Grund, warum er es sein muss.«

Einen Moment lang flackerte Jacens Blick - zu flüchtig, zu geringfügig, als dass irgendein gewöhnlicher Beobachter es bemerkt hätte -, und sie wusste, dass sie einen Nerv getroffen hatte. Das war es: Sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst, wollte er einen Sohn, und dann war da noch das kleine, unterbewusste Verlangen, das zu haben, was Luke gehörte. Er wollte für Ben eine heldenhafte Vaterfigur sein, und dazu war er auch geworden.

Es war eine sonderbare Art der Liebe, aber falls sie stark genug war, würde sie ihren Zweck erfüllen.

»Wahrscheinlich ist es so«, sagte Jacen und schaute auf seine verschränkten Hände hinab. »Und es ist schwer, jemanden zu töten, der es nicht verdient.«

»Aber Ihr wisst nicht, wie es geschehen wird.«

»Exakt.«

»Ihr könnt Euch nicht vorstellen, ein Lichtschwert gegen einen vierzehn Jahre alten Jungen zu richten.«

»Vielleicht ist alles nicht so wörtlich gemeint. Ich schicke ihn.

um Dur Gejjen zu eliminieren, wenn er sieh mit Omas trifft, um seinen Handel zu beschließen. Das ist eine Aufgabe, die getan werden muss, sie testet Bens Fähigkeiten und seine Hingabe. Und für einen Jugendlichen ist es um einiges einfacher, an Gejjens Sicherheitskräften vorbeizukommen und ... Womöglich bringt es ihn in echte Todesgefahr.« Jacen streckte die Hand nach dem niedrigen Tisch aus, der dicht bei ihm stand, stützte sich auf die andere Hand, um sich zu strecken, und berührte die Flamme der Kerzen, die in dem transparenten blauen Halter steckte. »Die Frage ist: Schicke ich ihn bloß deshalb? Oder schicke ich ihn bewusst in den Tod?«

»Wartet es ab«, sagte Lumiya. »Hört auf zu rationalisieren, und lasst es einfach geschehen.«

Sie stand auf, um die Kerzen abzunehmen. Er spielte wieder dieses Spiel mit dem Feuer, um zu testen, wie lange er seine Hand in die Flamme halten konnte. Einige Männer taten so etwas nach einigen Drinks aus Prahlerei, doch Jacen stellte sich selbst auf die Probe, ein persönlicher Kampf, der in dem Schmerz verwurzelt lag, den er durch Vergeres Hand erdulden musste. Er wollte sich beweisen, dass er etwas tun konnte, vor dem er am liebsten weggerannt wäre.

»Ich brauche deine Hilfe«, sagte er. »Ich möchte, dass du Mara für eine Weile ablenkst.«

»Was immer Ihr wünscht.«

»Sie hat sich diese Brisha-Sache zu Herzen genommen. Nichts eignet sich besser, eine Blutfehde zu entfachen, als jemandes Kind zu töten, nicht wahr?«

»Ich dachte, diese Geschichte würde für sie Sinn machen und meine Gegenwart erklären. In einer perfekten Welt hätte ich jeglichen Kontakt zu den Skywalkers vermieden.«

»Nun ... Warum hast du Luke dann deine Hand gereicht, anstatt ihm den Kopf abzuschlagen?«

Darüber machte Lumiya sich ebenfalls immer noch Gedanken. Vielleicht wollte sie Luke gar keinen Schaden zufügen, doch sie musste niemanden hassen, um ihn in Ausübung ihrer Pflicht zu töten. Spielte es eine Rolle, dass er nach wie vor glaubte, all ihre Taten würden von einer alten Romanze diktiert werden und von einem Trauma, das ohnehin ihr Schicksal gewesen war? Warum verspürte sie das Bedürfnis, ihm zu zeigen, dass dem nicht so war?

»Das hatte sicherlich einen gewissen Überraschungseffekt«, sagte sie. »Und ihn zu töten hätte den Lauf der Ereignisse für uns alle verändert.«

»Und du wolltest ihn in seine Schranken weisen. Ihm zeigen, dass er nichts ausrichten kann. Dass du ihm überlegen bist?«

Manchmal schien es, als würde Jacen verstehen, und dann wieder sagte er so etwas Banales.

»Die Skywalkers sind zu sehr in ihrem Familienleben verhaftet, um starke Jedi zu sein, Jacen«, sagte sie. »Das ist eine Warnung für uns alle. Luke kann nicht sehen, was direkt vor ihm geschieht, weil er glaubt, meine Motive wären zurückgewiesene Liebe und Rache, weil das die Ebene ist, auf der er denkt: Familie und Freunde. Ihm würde niemals in den Sinn kommen, dass ich eine Sith-kontrollierte Galaxis anstrebe und dass die persönlichen Belange zwischen uns verglichen damit belanglos sind.«

»Du hast mir beigebracht, dass es Wut und Leidenschaft sind, die die Sith stark machen.«

»Es gibt Wut, und dann gibt es jene, die davon beherrscht werden und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.« Einen Moment lang überkamen Lumiya Selbstzweifel, doch sie beschloss, später darüber nachzusinnen. »Also, was ist mit Mara?«

»Sie geht dieser GGA-Verbindung nach, auf die sie gestoßen ist, um dich aufzuspüren. Halte sie anderswo irgendwie beschäftigt.«

»Ich werde sie mich finden lassen. Das sollte diesen Zweck erfüllen. Könnt Ihr mir etwas geben, das Ben gehört, etwas, das Mara beweist, dass ich leicht an ihn herankommen kann, ohne dass es zu Euch zurückzuverfolgen ist?«

»Ich werde dir ein Paar seiner Stiefel beschaffen. Er hat mehrere Paare in seinem Spind, und Mara vermutet schließlich eine GGA-Verbindung.« Er bedachte sie mit einem kleinen, besorgten Stirnrunzeln, doch sie spürte nichts von ihm ausgehen. »Was, wenn sie dich tatsächlich erwischt?«

»Dann gewinne ich vielleicht. Auf jeden Fall aber verschaffe ich Euch Zeit. Der Sinn meines Lebens besteht darin, Euch die Möglichkeit zu geben, ein Sith-Lord zu werden, um die Stabilität der Galaxis zu sichern. Das Bestreben der meisten Lebewesen besteht lediglich darin, am Leben zu bleiben, sich zu überfressen, zu viel auszugeben und harte Arbeit zu vermeiden. Ich bin froh darüber, dass ich mehr als das erreichen kann. Früher oder später sterben wir alle. Im Dienste eines großen Ideals zu sterben, ist eine gute Sache.«

Jacen warf ihr einen langen, ausdruckslosen Blick zu, und sie fragte sich, ob die Vorstellung, dass ein ewig währendes Prinzip wichtiger war als die knappen Grenzen seines eigenen sterblichen Lebens, ihm fremd war. Er musste über diesen Punkt hinauskommen. Er würde darüber hinauskommen.

»Wenn Ihr an Bens Schicksal denkt«, sagte sie, »denkt an das Vermächtnis, das Ihr in den kommenden Jahren hinterlassen werdet, und fragt Euch, wer sich dann noch an die Skywalkers erinnern wird oder an die Solos. Hier geht es um das Schicksal von Milliarden und Abermilliarden, und das für die nächsten Jahrhunderte - nicht um ein paar Jahrzehnte einer einzigen kleinen Familie.«

Jacen erhob sich, aber Lumiya wusste, dass er sie anschaute, ohne sie wirklich zu sehen.

»Das sage ich mir auch immer«, erklärte er. »Die Stiefel werden Maras Aufmerksamkeit wecken, das ist gewiss.«

»Ich denke, ich werde auf ihre mütterlichen Instinkte setzen. Was werdet Ihr machen, wenn Mara und Luke Jagd auf Euch machen, wenn sie das mit Ben irgendwann rausfinden?«

»Damit setze ich mich auseinander, wenn es so weit ist.«

»Möglicherweise wird es eher so weit sein, als Ihr denkt. Ich schlage vor, Ihr sorgt dafür, dass Ihr angemessen bewaffnet seid.«

»Ich verfüge über ein recht umfangreiches Arsenal«, erklärte Jacen. »Und wenn die Zeit kommt, werde ich bereit sein.«

»In einem Lichtschwertkampf kann es Luke nach wie vor mit Euch aufnehmen«, mahnte ihn Lumiya.

»Ich bin ihm bereits einige Schritte voraus. Vertrau mir.«

Ihr blieb nichts anderes übrig. Die Zukunft der Galaxis hing von Jacen ab. Er war das Ende des Chaos und der Beginn der Ordnung, und wie jede Kraft der Veränderung würde er nicht von jedermann als Erlöser bejubelt werden. Einige würden die Notwendigkeit dessen, was er tat, nicht erkennen und versuchen, ihn aufzuhalten.

Sie würde tun, was immer in ihrer Macht stand, um ihm den Weg zu ebnen - selbst wenn der Preis dafür ihr eigenes Leben war.

ÜBERWACHUNGSZENTRALE,
GGA-HAUPTQUARTIER, CORUSCANT

Captain Girduns Gestalt zeichnete sich im Türrahmen ab, vom Licht im Korridor von hinten erhellt. »Showtime«, sagte er. »Niathal wurde soeben zur Stellvertretenden Staatschefin ernannt, mit Amtsantritt um Mitternacht.«

Die Soldaten, die auf dem Lauschposten Dienst taten, schauten auf. Ben entfernte das erbsengroße Hörstück aus seinem Ohr und versuchte, dieser Neuigkeit einen Sinn abzugewinnen. »Was ist mit Omas passiert?«

»Der wird einen Tag lang nicht im Büro sein.«

»Oh, ich dachte ...«

»Wenn er nicht erreichbar ist, muss er Niathal vorübergehend die Staatsgeschäfte überlassen - du weißt schon, Befehlscodes, solche Dinge. Also haben wir ein Zeitfenster für seinen Ausflug nach Vulpter. Morgen.«

Das ging alles zu schnell. Ben war wegen der Turbulenzen der Ereignisse aufgeregt gewesen, doch nun, da er ein Teil davon war, schritt für seinen Geschmack alles zu rasch voran. Diese Entwicklung brachte ihn seiner Mission näher. Diese Aussicht gefiel ihm ganz und gar nicht. Er wusste, wie er sich gefühlt hatte, nachdem er einen Verdächtigen getötet hatte, von dem er dachte, er wäre bewaffnet gewesen, und er konnte sich vorstellen, dass er nicht unbedingt glücklicher sein würde, wenn er Gejjen ausgeschaltet hatte.

Ich bin ein Attentäter. Und jeder andere in meinem Alter, der kein Jedi ist, geht noch zur Schule.

»Was für einen Vorwand hat er vorgeschoben?«, fragte Ben.

»Private gesundheitliche Angelegenheiten.«

»Ja, er will den eigenen Hals retten«, sagte Zavirk.

»Ich denke, dies ist die Gelegenheit, auf die du gewartet hast, Ben.« Girdun winkte ihn zu sich. »Komm mit. In den Einsatzbesprechungsraum.« Er wandte sich an Zavirk. »Ich will seinen Reiseplan nach Vulpter haben. Er braucht ein Transportmittel, einen Leibwächter und einen Piloten.«

»Ich wette, er nimmt einen oder zwei Geheimdienstzombies als Begleiter mit.«

»Nun, das sollte herauszufinden sein. An die Arbeit, Soldat.«

Der Captain marschierte pfeifend den Korridor hinunter, was untypisch für ihn war. Ben war bislang nicht aufgefallen, dass Girdun Omas so ablehnte. Vielleicht genoss er einfach bloß eine richtig große Jagd. Größer, als den Staatschef zu einem verbotenen Treffen mit dem Feind zu verfolgen, konnte es nicht werden. Girdun hatte keinen Hass in sich, bloß ein erstaunliches Gefühl von Begeisterung und der Konzentration auf eine bestimmte Sache. Ben fragte sich, ob die Dunkelheit tatsächlich so einfach auszumachen war. wie die Jedi zu denken schienen.

Aber was ist Dunkelheit? Gejjen umzubringen, ist das schon ein Schritt hin zur Dunklen Seite?

Das Schlimmste am Aufwachsen war, dass es von Tag zu Tag weniger eindeutig richtige Antworten gab. Das Leben war keine Mathearbeit.

Als sie den Besprechungsraum erreichten, waren Shevu und Lekauf bereits da und standen vor einer Wand voller erleuchteter Holoschirme. Lekauf, der sich mit seinen brandneuen Rangabzeichen eines Leutnants nicht sonderlich wohl zu fühlen schien, schenkte Ben ein nervöses Grinsen.

»Unsere Quelle in Coronet hat bestätigt, dass Gejjen all seine Verpflichtungen für morgen verlegt hat«, sagte Shevu. »Die Sache steht.«

»Sein Zeitplan?«

»Keine Auswärtstermine, aber er geht davon aus, dass er zu einem Treffen um null-achthundert am nächst en Tag wieder zurück ist.«

Die Bildschirme an den Wänden zeigten zwei verschiedene Ansammlungen von Tabellen und Daten: eine für Coruscant, die andere für Corellia. Ben ging die Liste der Überwachungspunkte durch - Omas' Privatresidenz, die Sicherheitskameras in den Senatsbüros, die Handvoll privater Landezonen, die beiden am nächsten waren, und eine Aufstellung der Flüge, die nach Vulpter gemeldet waren. Die Statusanzeige von Corellia gab ebenfalls die neuesten Pläne der Flüge wieder, die diesen Planeten zum Ziel hatten.

»Was. wenn Omas seine Reise irgendwo unterbricht und nicht direkt nach Vulpter fliegt?«, fragte Ben.

»Genau deshalb ist es hilfreich, die Ankünfte und Flugpläne für Vulpter miteinander abzugleichen.« Lekauf deutete auf ein Datenpad auf dem Tisch. »Sieh dir das an. Selbst wenn der Flug nicht von Coruscant selbst abgeht, können wir überprüfen, welche Flüge innerhalb dieses Zeitfensters vom Abflugsort Coruscant auf Vulpter eintreffen.«

»Das langweilige Zahlenverarbeitungszeug«, sagte Girdun. »Keine Sorge, ein Computer grenzt die Möglichkeiten ein. Sobald wir feststellen, dass Omas unterwegs ist - oder sogar Gejjen -, heften wir uns an ihre Fersen. Omas ist leicht zu verfolgen, aber Gejjen könnte uns vielleicht durch die Lappen gehen.«

»Warum?«

»Wir haben einen Informanten im corellianischen Regierungsgebäude. Das ist das Problem mit Informationen, Ben. Es geht nicht darum, das große X auf der Karte zu finden, das mit Der geheime Treffpunkt ist hier beschriftet ist. In Wahrheit gilt es, eine Menge scheinbares Routinezeug durchzukauen, das überhaupt nicht geheim ist. und nach den Mustern darin zu suchen.«

Ben sah die Flugpläne von Coronet auf dem Schirm erscheinen. Jeder neutrale Pilot, der in den corellianischen Luftraum eindrang, konnte darauf zugreifen. Jeder konnte sich von der Flugverkehrs-kontrolle auf Vulpter Informationen beschaffen. Und die Flugver-kehrskontrolle von Coruscant war wie ein offenes Buch, von jedem Datenpad aus verfügbar. Es war eine beängstigende Menge an Daten, aber ein Computer oder ein Droide konnte sie genauso durchsieben, wie sie die Tausenden von Kommlinkgespräche durchsiebten, um die zu markieren, die es wert waren, von jemandem aus Fleisch und Blut einer genaueren Überprüfung unterzogen zu werden. Es ging lediglich darum, die richtigen Parameter anzugeben.

Ben war sich nicht sicher, warum er hier war, abgesehen davon, die nervtötende und akribische Seite des Jobs kennenzulernen. Shevu und Lekauf schienen ein Abfangmanöver zu planen.

»Sie knobeln bloß aus, wie wir dich nah genug an Gejjen heranbringen.« Girdun schien davon auszugehen, dass Ben wusste. wovon er sprach. »Und das muss nach seinem Treffen mit Omas sein, weil der Chef die Beweise über das Treffen für den Sicherheitsrat haben will.«

Nun dämmerte es ihm. Ben hatte gehofft, er würde mehr Vorbereitungszeit haben, aber das hatte sich soeben erledigt. »Wir verüben den Anschlag bei diesem Treffen, zur selben Zeit? Nicht, wenn er auf dem Rückweg ist oder ...«

»Möglicherweise kriegen wir keine zweite Chance. Gejjen außerhalb seines eigenen Reviers ins Visier nehmen zu können.«

Lekauf winkte Ben zu sich und ließ ihn einen Blick in eine Stoffreisetasche werfen, die an der Wand lehnte. »Gefällt's dir?«

Zuerst konnte sich Ben keinen Reim daraufmachen, worum es sich handelte, doch als er es aus der Tasche nahm, erwies es sich als Gewehr mit Klappschaft. Er klappte es auseinander und ließ den Schaft in Position schnappen, ehe er die Waffe mit benommenem Erkennen anstarrte.

»Das ist eine modifizierte Karpaki 50«, sagte Lekauf, der Bens Reaktion auf die Waffe vollkommen fehldeutete. »Schließlich können wir nicht überall an Gejjen Licht schwertwunden zurücklassen, nicht wahr? Ist ein bisschen so was wie ein Wink mit dem Zaunpfahl. Du wirst dich schnell mit den Feinheiten eines ballistischen Scharfschützengewehrs vertraut machen müssen. Du weißt schon - Kugeln.«

»Wenn ihr mich dicht an Gejjen heranbringen wollt, wozu brauche ich dann eine Scharfschützenwaffe?«

»Für den Fall, dass wir das nicht können. Komm, verbringen wir ein paar Stunden auf dem Schießstand.«

Ben fragte sich, ob dies seine letzte Chance war. sich zu weigern. doch er wusste. dass er das nicht konnte. Wenn Shevu hieran beteiligt war - und Shevu war geradeheraus, ein Mann, den die anderen Offiziere als Polizisten der alten Schule beschrieben -. dann musste das Ganze richtig sein.

Girdun ging an sein piepsendes Kommlink. Der Hälfte des Gesprächs nach zu urteilen, der Ben lauschen konnte, war es Zavirk. Girdun ließ das Kommlink wieder in seine lasche gleiten, ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

»Der Geheimdienst schickt ein paar Leibwächter mit Omas mit«, sagte er. »Wir haben gerade ihre Vorbereitungen abgehört. Start um Null-fünfhundert, von seiner privaten Landezone, und dann Transfer zu einem nicht gekennzeichneten Geheimdienstkutter in der Umlaufbahn von Coruscant. Raffiniert, oder? Allerdings ist es hilfreich, wenn man ihre Codenamen für verschiedene prominente Persönlichkeiten kennt.« Er überprüfte seine Uhr. »Sollte ich jemals beim Geheimdienst enden, erinnert mich daran, ihn besser zu machen. Ich muss jetzt gehen.«

Shevu hob eine Augenbraue. »Er liebt seine Arbeit.«

»Haben Sie kein Problem damit?«, fragte Ben.

»Kein Problem womit?«

»Mit Gejjen.«

»Ich bin kein Spion«, sagte Shevu. »War ich nie. Aber wenn Gejjen Omas ermorden lässt. würde das die gesamte GA destabilisieren. Deshalb habe ich kein Problem damit.«

»Glauben Sie. dass er das tun würde?«

»Ich würde Beweise dafür wollen, dass er es nicht tun würde. Ich persönlich denke, wir sollten unsere Deckung aufgeben und Omas daran hindern zu gehen, aber das würde bloß unsere gesamte Operation gefährden. Also begleiten wir dich, um sicherzustellen, dass Omas in einem Stück wieder nach Hause kommt.«

Shevu hatte nie irgendwelche Kommentare dazu abgegeben, ob er glaubte, dass Omas ein Verräter war, der die GA betrog, oder ein Visionär, der zum Wohle des Friedens ein gewaltiges Risiko einging. Er beteiligte sich nicht an Politik und Meinungsmache. Er hielt sich einfach bloß so gut ans Gesetz, wie er konnte. Und das war bei der GGA nicht einfach.

»Worauf wartest du noch?«, fragte Shevu.

»Ich habe mich bloß gefragt, ob Sie glauben, dass ich der Richtige hierfür bin.«

»Das zu entscheiden, liegt nicht an mir.« Shevu beschäftigte sich mit Holokarten von Vulpter und rief dreidimensionale Bilder der Raumhäfen und öffentlichen Gebäude auf. »Du hast deine Befehle.«

Lekauf knuffte Ben in die Seite. »Komm schon, bis morgen früh muss ich aus dir einen passablen Scharfschützen machen.«

Der Schießstand wies diesen ozonischen Geruch abgefeuerter Blaster auf, mit einem Stich verschmorten Plastoids. Irgendetwas in der Luft stach Ben in die Augen. Es war eine aufwändige Anlage, von der Lekauf sagte, dass sie aus Ausrüstung zusammengeschustert worden war, die ursprünglich für den Geheimdienst bestimmt gewesen war: Hologrammsimulationen, normale Zielscheiben und sogar etwas, das er »totes Fleisch« nannte.

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit einem Gewehr von großem Nutzen sein werde«, sagte Ben.

»Ach, komm schon.« Lekauf war nicht überzeugt. »Du bist ein Jedi. Du bist nicht wie der Rest von uns. Du hast diese visuell-räumliche Wahrnehmung, die wir nicht haben. Mein Opa hat meinem Vater erstaunliche Dinge über Lord Vader erzählt. Wirklich verblüffende dreidimensionale Orientierungsgenauigkeit, ob er nun ein Raumschiff flog oder eine Waffe benutzte. Ich dachte, Dad würde sich das alles ausdenken, bis ich echte Jedi gesehen habe, die dieses Zeug gemacht haben.«

»Warum kein Blaster?«

»Das hat viele Gründe. Wir brauchen ein Übermaß an Feuerkraft. Wir brauchen etwas, das den Ort nicht wie Feuerwerkskörper erhellt. Und wir wollen etwas, das lautlos ist. Ob du's glaubst oder nicht, dieses Ding ist ziemlich unauffällig.«

Ben setzte die Karpaki an die Schulter, legte ein paar Mal an und nahm dann Schussposition ein. Er war sehr zufrieden mit sich, so weit zu kommen, ohne sich zum Narren zu machen. »Sie scheinen eine gute Meinung von Vader zu haben.«

»Mein Opa hat große Stücke auf ihn gehalten. Als er auf einer Mission übel verbrannt wurde und aus der Imperialen Armee entlassen werden musste, sorgte Lord Vader dafür, dass man sich für den Rest seines Lebens um ihn kümmerte. Was auch immer einige Leute über Vader sagen, Monster scheren sich nicht um Leutnants.«

»Das ist gut zu wissen«, sagte Ben. Ihm gefiel der Gedanke, dass sein Großvater seine gutherzigen Momente gehabt hatte und dass einige Leute immer noch gut von ihm dachten. Nicht jeder hatte der Rebellion wohlwollend gegenübergestanden. Ben malte sich aus, wie Vader die schwierigen Dinge getan hatte, denen sich jetzt Jacen gegenübersah.

Und denen ich mich jetzt gegenübersehe.

Am Ende des Schießstands ging langsam ein schemenhafter Mann durch Bens Blickfeld und verschwand. Bens instinktive Reaktion bestand darin, anzunehmen, dass diese Person real war, und dass er gegen die Sicherheitsbestimmungen verstieß.

deshalb senkte er seine Waffe und rief eine Warnung. Lekauf brach in Gelächter aus.

»Ben, das ist dein Ziel.«

»Das war kein Hologramm. Das war etwas Greifbares.«

»Ah, ja ...« Lekauf legte seine Hand auf die Kontrollkonsole, und der »Mann« kam wieder in Sicht, um sich in der Zielzone an einen Tisch zu setzen. »Es ist eine Gelform. Es ist ein anpassungsfähiger Droide aus Gel und Plastoid. um Fleisch und Knochen zu imitieren. So ... na ja, so gewöhnst du dich an eine Zielperson, die sich wie eine echte Person bewegt. Dieser hier wurde anhand von Holonachrichtenaufnahmen so angeglichen, dass er Gejjens Statur entspricht und seinen Gang imitiert, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie er aussieht und wie er vermutlich stürzen wird.«

Ben war wie gelähmt. Es war bloß eine Attrappe, bloß ein cleveres Stück Trainingstechnologie. Er überprüfte das in der Macht - ja, es war nur eine Maschine -, doch er fühlte sich immer noch schrecklich deswegen.

»Das ist ziemlich eklig.«

»Hast du eine Ahnung, wie viel diese Dinger kosten?«

»Was passiert, wenn ich es ... erschieße?«

»Es steht auf und repariert sich selbst.«

»In Ordnung.« Ben fand es verstörend, die Gestalt in der kleinen Nische am Ende des Schießstands umherwandern zu sehen. Durch das Zielfernrohr des Gewehrs war es eindeutig eine gesichtslose, durchscheinende Gelform mit einem schemenhaften Gitterwerk künstlicher Knochen im Innern. »Sind Sie sicher, dass es nichts empfindet?«

»Es bewegt sich bloß. Ben. Es denkt nicht. Es ist nicht einmal ein richtiger Droide, eher so was wie eine Puppe.« Er schaute auf die Uhranzeige an der Wand. »Dir bleiben weniger als neunzehn Stunden, um dich mit der Waffe vertraut zu machen.«

»Dann machen Sie mir keinen Druck ...«

»Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Schieß, wenn du bereit bist.«

Ben rief sich seine bisherige Ausbildung ins Gedächtnis. »Warum nicht auf den Massenmittelpunkt?«

»So macht das die Armee - egal, ob man ein Ziel tötet oder verwundet, man zieht es in jedem Fall aus dem Verkehr. Polizeischarfschützen müssen sich Gedanken um Geiseln und solches Zeug machen, deshalb sind sie darauf trainiert, ihr Ziel mit einem einzigen Treffer auszuschalten - Kopfschuss. Attentäter müssen nicht mit einem einzigen Treffer auskommen - Hauptsache, am Ende ist die Zielperson tot. Allerdings ist ein Kopfschuss immer noch am besten.« Lekauf hielt seine Daumen und Zeigefinger gekrümmt fünf Zentimeter auseinander und machte eine Geste, als würde er sich eine Augenbinde anlegen. »Das ist der Bereich, auf den du zielst. Ein fünf Zentimeter breiter Streifen rings um den Kopf, in Augenhöhe. Lande da einen Treffer, und du hast einen Abschuss. Aber mit dem Typ Splittermunition, die du verwendest, ist das Resultat das gleiche, solange du irgendwie den Kopf oder den Hals triffst.«

»Was, wenn ich bloß einen Schuss auf die Körpermasse abgeben kann?«

»Nachdem er eine dieser Kugeln abbekommen hat, wird er nicht mehr auf kardiopulmonale Wiederbelebungsmaßnahmen reagieren, glaub mir.« Als Lekauf anfing, Fachtermini zu gebrauchen, wusste Ben, dass er Gefallen an diesem Thema fand. »Doch das Beste ist nach wie vor ein Kopfschuss.«

»Aber es gibt die Windgeschwindigkeit und all das.«

»Diese Karpaki verfügt über ausgefeilte Zielsensoren. Die messen den Luftwiderstand und passen sich selbstständig daran an. In den letzten Jahren hat sich diese Technik um einiges verbessert.«

»Wenn das Ding so ausgefeilt ist, warum muss ich dann damit üben?«

»Um dich daran zu gewöhnen, auf jemanden zu schießen, der nicht versucht, dich zu töten. Der nicht einmal weiß, dass du überhaupt da bist. Nicht gerade die Jedi-Art, oder?«

Es war bloß eine Attrappe. Aber sie bewegte sich wie Gejjen.

Ben zielte.

Tatsächlich war es in gewisser Weise genauso, wie ein Lichtschwert zu benutzen. Man ließ die Macht einem die Hand führen. das Auge...

Er betätigte den Abzug, als sich die Gel-Gestalt auf den Stuhl setzte, und die Kugel traf die Stelle an ihrer rechten Schläfe. Gel und Brocken spritzten in die Luft, und die Attrappe sackte nach vorn zusammen.

Lekauf betrachtete die reglose Gestalt mit vor der Brust verschränkten Armen und dem Blick eines Fachkundigen. Ben war bestürzt darüber, wie unbehaglich er sich fühlte, besonders, als sich die Gel-Gestalt plötzlich aufsetzte und dann aufstand.

Er war sicher, dass er kein zweites Mal darauf schießen konnte.

»Und noch mal«, sagte Lekauf.

Ben verbrachte die nächste Stunde damit, sich daran zu gewöhnen, Bewegungen vorauszuahnen, darauf zu warten, dass die Gel-Gestalt gerade lange genug verharrte, um den Schuss abzugeben. Das war schwieriger, als er gedacht hatte: Die Attrappe war in der Macht nicht wahrzunehmen, was Bens Sinne einschränkte. Und jedes Mal stand sie wieder auf und wanderte umher, der quälende Gelgeist des Mannes, den er umbringen würde.

Gefühle spielten keine Bolle. Das machte es so schwer. Doch er bekam gute Einzelschüsse hin. Er versuchte, das Ganze als technische Übung zu sehen, wie Lichtschwerttraining, eine Handlung, die vollkommen unabhängig von so etwas Schrecklichem wie Köpfe abtrennen war, und stellte sich die Gelform mit dem kurzen, dunklen Haar von Dur Gejjen vor.

»Ben«, sagte Lekauf leise. »Ich werde auch dort sein, genau wie Shevu. Du hast Verstärkung, falls irgendetwas schiefgeht. Wenn du nicht an ihn herankommen kannst oder keinen sauberen Treffer landest, sorgen wir dafür, dass er zu Boden geht und nicht mehr wieder aufsteht. Mach dir darüber keine Gedanken.«

»Aber dann würdet ihr beide eure Deckung aufgeben.«

»Wie ich schon sagte, das ist bloß für den Fall, dass die Dinge nicht nach Plan verlaufen. Es ist nie verkehrt, alle Eventualitäten in Betracht zu ziehen, falls wir keine andere Gelegenheit bekommen - weil es da leichter ist, als ihn auf Corellia zu erwischen.«

Ben dachte darüber nach. »Wir kennen nicht einmal den Treffpunkt. Ich könnte es mitten auf einem Feld oder in einem gut besuchten Restaurant machen müssen.«

»Du hast die Centerpoint-Station sabotiert. Das hier wird viel einfacher.«

»Als ich das getan habe, dachte ich noch, dass das Spaß macht.«

»Komm schon, du schaffst das.«

Lekaufs Vertrauen und Bewunderung hatten etwas an sich, das Ben aufrüttelte. Er konzentrierte sich auf die Attrappe und versuchte, es nicht so zu sehen, als würde er auf einen hilflosen Roboter oder sogar einen korrupten Politiker schießen, sondern als würde er ein Problem lösen. Einige Stunden später traf er den Fünf-Zentimeter-Bereich bereits bei 95 Prozent aller Schüsse.

»Mach jetzt lieber eine Pause«, sagte Lekauf.

Ben schaute sich um, um sicherzugehen, dass die angrenzenden Bahnen frei waren, dann ging er den Schießstand hinauf, um sich die Gel-Gestalt anzusehen. Je öfter er sie getroffen hatte, desto länger dauerte die Selbstreparatur. Die interne Energie—Versorgung musste wieder aufgeladen werden. Die Form bemühte sich, auf die Beine zu kommen, und Ben verfolgte zunehmend verstörter, wie sich die bedauernswerte anonyme Gestalt zunächst auf den Bauch rollte und sich dann auf alle viere hochstemmte. Ben zwang sich, nicht länger hinzuschauen.

Dass keine der tatsächlichen Folgen von Verletzungen zu entdecken waren, die er nur allzu oft gesehen hatte, machte alles noch viel schlimmer.

»Essenfassen«, rief Lekauf. diesmal mit mehr Nachdruck.

Ben war sich nicht sicher, ob er überhaupt Hunger hatte.

BEVIIN-VASUR-FARM, ZEHN KILOMETER AUSSERHALB VON KELDABE, MANDALORE

Goran Beviin blickte von dem Graben auf, eine Mistgabel in einer Hand und ein schmutziges Grinsen auf dem Gesicht. Es fing an zu regnen, und er steckte bis zu den Knöcheln in Tierdung, doch das schien ihn vollkommen glücklich zu machen.

»Und die haben gesagt, den Mandalore zu spielen würde mir zu Kopfsteigen«, sagt e er und rieb sich die Nase an seinem Ärmel. »Bist du deshalb so schnell wieder nach Hause gekommen?«

Fett wahrte seine Distanz. »Ich habe gefunden, wonach ich gesucht habe. Du hattest mich nicht so bald zurückerwartet?«

»Ich schon. Einige der Clanführer nicht. Du hast die Angewohnheit. manchmal mehrere Jahre am Stück herumzuziehen.« Beviin wuchtete sich aus dem Graben und wischte sich die Handflächen an seinem Hosenboden ab. Er wirkte sehr, sehr zufrieden mit sich. »Wärst du noch länger weg gewesen, hätte ich dich kontaktiert, aber da du wieder hier bist ... Willst du mal was Erstaunliches sehen?«

Fett fragte sich, ob dies ein guter Zeitpunkt war. Beviin über seine Krankheit zu informieren. Früher oder später würde er es erfahren. Er hätte sich selbst formell zum Mandalore erklären können, während Fett fort gewesen war, und vermutlich hätte er dafür eine Menge Unterstützung von den Clans erhalten, aber er hatte es nicht getan; er hatte weiter Dung geschaufelt und seine Farm geführt. Er war mit seinem Leben so zufrieden, wie es war. Hätte es ein paar Beviins mehr gegeben, hätte die Galaxis besser funktioniert.

»In Ordnung«, sagte Fett. »Erstaun mich.«

Beviin winkte und stapfte durch den Matsch auf die Farmgebäude zu. Das feine Nieseln verwandelte sich in Regen, und das Land wirkte kahl - nicht im ruinierten Sinne der Nachkriegsverheerungen, die einen so großen Teil des Planeten vernichtet hatten, sondern als hätte es sich für den bevorstehenden Winter zur Ruhe gebettet, um zu schlafen. Trotz der Herkunft des Nachnamens Fett - der vom Wort für »Farmer« abstammte - und des Umstands, dass sein Vater seine Kindheit auf der Farm seiner Eltern auf Concord Dawn verbracht hatte, wusste Fett nicht das Geringste über Landwirtschaft. Manchmal wünschte er sich, er hätte etwas darüber lernen können, um besser zu verstehen, wer sein Vater einst gewesen war.

»Wie macht sich Mirta?« Beviin blickte nicht über seine Schulter zurück. »Nun, zumindest hat sie offenbar nicht noch mal versucht, dich zu töten. Das ist ein gutes Zeichen. Kinder können wirklich schwierig sein.«

Fett spürte, wie der Matsch an seinen Stiefeln zog. »Im Kampf ist sie ein nützliches Paar Fäuste.«

»Sie wird dir wundervoll wilde Urgroßenkel schenken, Bob'ika.« Beviin blieb ein paar Sekunden lang stehen. Fett versuchte, das Wort Urgroßenkel in seinen Kopf zu bekommen, scheiterte jedoch kläglich. »So - das, was zu tun du losgezogen bist, endete also in einem Kampf?«

»Ich musste meinen Fragen bloß ein wenig Nachdruck verleihen.«

»Willst du mir davon erzählen?«

Dieser Zeitpunkt schien so gut wie jeder andere, und Fett sah keinen Grund, die Angelegenheit zu beschönigen. »Ich bin todkrank. Zwei Jahre noch, höchstens. Acht, neun Monate, wenn ich so weitermache wie bisher.«

Beviin drehte sich immer noch nicht um. Er ging noch einige Meter weiter, den Kopf gegen den Regen gesenkt, doch dann blieb er abrupt stehen und sah Fett endlich an. Er wirkte aufrichtig mitgenommen. Fett konnte sich nicht daran erinnern, dass jemals irgendjemand wegen ihm mitgenommen gewesen wäre, abgesehen von seinem Vater.

Vielleicht hatte Sintas etwas für ihn empfunden. Wenn, dann war es ihm nicht aufgefallen.

»Du wirst dich doch nicht einfach zurücklehnen und das geschehen lassen, oder, Bob'ikat Mit Sicherheit können wir irgendetwas tun.«

In diesem Moment störte Fett die viel zu vertraute Form seines Namens Boba nicht im Mindesten. »Ich habe einen Klon gefunden. der überlebt hat.«

»Also war Ko Sai doch für ein bisschen mehr gut als nur für Rache und ein paar Andenken.«

»Es gibt keine Forschungsunterlagen. Bloß diesen Klon namens Jaing Skirata. Er wollte mir keine Blutprobe geben, aber er sagt, dass er gute Kontakt e zu Medizinern hat.« Doch nun, da Fett wieder zurück auf Mandalore war und Jaing Lichtjahre weit entfernt, kam ihm die ganze Sache wie eine faule Ausrede vor. Der Mann hatte nicht einmal eine Mahlzeit von ihm angenommen, was zumindest brauchbare Spuren seines genetischen Materials auf dem Geschirr hinterlassen hätte. Fett hatte nichts, abgesehen von der verrinnenden Zeit und dem Verdacht, dass ihn sein Urteilsvermögen ebenso im Stich ließ, wie seine Gesundheit. »Ich erkläre es dir später.«

»Warum hast du es mir nicht erzählt? Ich hätte einige Klone für dich aufspüren können. Genug von denen sind desertiert und am Ende hier gelandet.«

»Auch welche, bei denen der beschleunigte Alterungsprozess gestoppt wurde?«

»Ich weiß es nicht, aber sie hätten mir zumindest als Ausgangs-position für weitere Nachforschungen gedient. Shab. Bob'ika, hättest du nicht trotzdem eine kleine Probe aus ihm heraus-quetschen können?«

»Das spielt jetzt keine Rolle mehr. Und es gibt ohnehin keine Garantie dafür, dass Taun We oder Beluine damit irgendetwas anfangen könnten.«

Einen Moment lang wirkte Beviin enttäuscht, als hätte Fett die Truppe im Stich gelassen, weil er sich nicht einfach genommen hatte, was er brauchte. Doch Jaing hatte recht gehabt: Fett brauchte Taun We, um das zu entschüsseln, was auch immer in den Zellen dieses Klons war und den Zerfall aufhielt, und Taun We hätte diese Forschungsergebnisse ihren neuen Bossen bei Arkanian Micro überlassen. Das war ein schlechtes Geschäft für den Klon und ein schlechtes Geschäft für Fett, denn wenn irgendjemand mit diesen Daten Credits verdienen sollte, dann war er das, und Mandalore brauchte das Geld ...

Beviin drehte sich um und setzte sich schweigend wieder in Bewegung. Fetts Neuigkeit hatte das, was auch immer ihn kurz zuvor noch so glücklich gemacht hatte, zweifellos in den Hintergrund gedrängt.

Die Farm war eine weitläufige Ansammlung von Gebäuden, die um ein steinernes Bauernhaus mit eindrucksvollen Schutzwällen und Verteidigungsmauern verstreut waren. Die anderen Bauwerke - einschließlich des Nebengebäudes, in dem Fett nun stand - waren nicht so gut gesichert, bloß mit Variationen der traditionellen kreisrunden cheh'yairne, tiefen Gruben, die so dicht mit Laub bedeckt waren, dass man sie nicht sah. Im Falle eines Angriffs war das Bauernhaus jedoch die letzte Bastion.

Auf der Rückseite des Gebäudes und durch einen unterirdischen Tunnel mit dem Haupthaus verbunden, befand sich eine Werkstatt mit einer Schmiede. Fett konnte das rhythmische Hämmern quer über die Lichtung hören. Vom Dach stieg kein Rauch auf; der wurde viele Meter entfernt nach draußen geleitet, um den Standort der Werkstatt zu verbergen, und Fett war sicher, dass es ein Netzwerk von Tunneln gab, die sich ein gutes Stück bis in die Hügel westlich der Farm erstreckten. Das war eine der Methoden, mit denen die Mandalorianer gegen die Yuuzhan Vong gekämpft und sie bezwun-gen hatten.

Beviin ging die Stufen hinunter, die in die festgetretene Erde geschnitten waren, und ging zur Vordertür. Die Tür öffnete sich, und Dinua, seine Adoptivtochter, stand mit in die Hüften gestemmten Händen da.

»Die Stiefel«, sagte sie unheilvoll und deutete auf die Klumpen von Dung und Matsch. Zwei kleine Kinder klammerten sich an ihre Beine. »Du auch, Mand'alor. Und diesen Overall kannst du ebenfalls ausziehen, Buir.«

»Okay, okay.« Beviin - Spion, Problemloser, Kommandosoldat, Kriegsveteran - wurde von einer resoluten Frau zurechtgewiesen. Allerdings hatte Dinua im Alter von vierzehn Jahren gegen die Yuuzhan Vong gekämpft, daher war es unklug, ihren sauberen Fußboden leichtsinnig dreckig zu machen. »Wir gehen den langen Weg herum.«

Sie stapften an der Außenwand des Farmhauses entlang, folgten dem Geräusch klirrenden Metalls.

»Sie ist ein gutes Mädchen«, sagte Beviin. »Bloß ein bisschen reizbar, jetzt, da Jintar fort ist, um zu kämpfen. Sie ist nicht dafür geschaffen, zu Hause zu bleiben. Aber die Kleinen sind noch zu jung, als dass beide Eltern weg sein können.«

Also hatten einige bereits Söldnerarbeit angenommen. Fett glaubte nicht, dass Beviins Farm so schlecht lief, aber vielleicht war Jintar zu stolz, um die Unterstützung seines Schwiegervaters anzunehmen.

»Aber Medrit und du, ihr könnt gut mit Kindern umgehen.«

»Ja, aber auf diese Weise bleibt ein Elternteil am Leben ...«

Das war die brutale Wirklichkeit, mit der Fett aufgewachsen war. Sie brachte harte Menschen hervor.

Als die Tür zur Werkstatt aufschwang, registrierten seine Sensoren einen Stoß warmer Luft. Das Innere war in rotem Schein gebadet; Funken sprühten in Bögen davon. Wie Beviin den Krach aushielt, würde Fett nie begreifen. Seine Helmsysteme hatten entschieden, dass die Lautstärke über dem Gefährdungsbereich lag, und die Geräusche gedämpft.

Ein Berg von einem Mann in einer ärmellosen, brandflecken- übersäten Lederschürze und mit Ohrenschützern hämmerte auf einem Streifen rot glühenden Metalls herum. Jedes Mal, wenn er den Arm hob, flog der Schweiß und verdampfte zischend auf den heißen Oberflächen. Während er hämmerte, faltete er den Streifen mit einer Zange um und schichtete das Metall in einem gleichmäßigen Rhythmus aufeinander, der verriet, dass er ein meister-hafter Rüstungsschmied war. Nach einer Weile bemerkte er, dass Fett und Beviin dastanden und zuschauten. Er bedeutete ihnen, dass er das Metall erst zu Ende bearbeiten würde, ehe er mit ihnen reden würde.

Tatsächlich war es faszinierend, ihm dabei zuzusehen. Aufgrund der Länge und der sich abzeichnenden Form der Metallstange schloss Fett darauf, dass er ein Beskad anfertigte, den traditionellen Säbel der altertümlichen Mandalorianer. Beviin besaß einen, eine antike Klinge, die aus dem einzigartigen Eisen von Mandalore hergestellt worden war, aus Beskar. Fett hatte gesehen, wie er die Waffe so fest in einen Yuuzhan-Vong-Offizier gerammt hatte, dass er sich auf die Leiche stellen musste, um den Säbel wieder herauszuziehen.

»So.« Medrit Vasur kühlte die Rohform des Säbels in einem Bottich zischender Flüssigkeit ab und drehte es, um die Schneide zu begutachten. Er nahm seine Ohrenschützer ab, und seine grimmige Miene riss zu einem seligen Lächeln der Zufriedenheit auf, als er sich mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn wischte. »Also, das wird wirklich ein schönes Ding.«

»Med'ika, ich habe es ihm noch nicht erzählt«, sagte Beviin.

»Soll ich es dann ausplaudern?«

»Du bist der Metallurge ...«

»Mand´alor«, sagte Medrit steif. »Du siehst hier ein Testschmiedestück aus einer neuen Beskar—Ader vor dir.«

Fett brauchte eine lange Sekunde, um die Bedeutung dessen zu erfassen, was Medrit gerade gesagt hatte. »Aber das Imperium hat Mandalore komplett ausgeschlachtet. Sie haben sich alles Eisen genommen.«

»Ein bisschen haben sie übersehen. Ein großes bisschen.«

»Wie? Und wie groß?«

»Dies ist ein riesiger Planet mit einer winzigen Bevölkerung, und selbst die Imperialen haben nicht alles genau überprüft. Sie haben die Adern an der Oberfläche abgebaut. Diese liegt tiefer, und wir wären nie darauf gestoßen, wenn die Vongese nicht Krater zurückgelassen hätten, in denen man einen kleinen Mond versenken könnte.« Medrit nahm einen Lappen auf und trocknete sich das Gesicht ab. Dank seiner Rüstung blieb Fett vor der vollen Wucht der Hitze in der Werkstatt verschont, doch Beviin hatte sichtlich zu schwitzen begonnen; als er sich über die Stirn wischte, blieb ein schmutziger Schmierstreifen zurück. »Hundert Klicks nördlich von Enceri ist eine Mannschaft immer noch mit Testbohrungen beschäftigt, aber es sieht so aus, als wären wir auf eine verflucht große Ader gestoßen.«

Selbst an den Maßstäben von Mandalore gemessen befand sich Enceri abgelegen; kein Wunder, dass es Jahre gedauert hatte, bis man über die Ader gestolpert war. Die Yuuzhan Vong hatten willkürlich beispiellose Artillerie eingesetzt, um gewaltige Krater in den ganzen Planeten zu reißen, weil sie Mandalore nicht hatten erobern, sondern auslöschen wollen. Fett genoss einen seltenen Moment der Freude, als er sich den Ausdruck auf ihren abscheulichen, arroganten, entstellten Gesichtern vorstellte, hätten sie erfahren, dass sie Mandalore dabei geholfen hatten, eine neue Quelle des Metalls zu finden, das es einst mächtig gemacht hatte.

Beskar war das härteste Metall, das die Wissenschaft kannte. Selbst Lichtschwerter hatten damit ihre Schwierigkeiten. Es hatte eine Zeit gegeben, in der jede Armee in der Galaxis damit hatte beliefert werden wollen.

Es war immer noch das wertvollste Metall auf dem Markt, und rings um sie herum tobte ein Krieg.

»Ich spüre eine neue Wirtschaftsära anbrechen«, sagte Fett.

Beviin zwinkerte. »Oya manda.«

»Und es befindet sich nicht auf irgendjemandes Besitz.« Fett wurde klar, dass der Grund dafür, warum er nie wirklich begriffen hatte, was die mandalorianische Regierung tatsächlich ausmachte, darin bestand, dass sie so nebulös war. »Dieser Rohstoff gehört ganz und gar Mandalore.«

»Wenn du das sagst, dann ist es so. Das ist das Vorrecht des Mandalore.«

»In Ordnung, dann ist das beschlossen. Zeit, die Anführer zu versammeln und ein bisschen vorauszuplanen.«

»Shab«, sagte Medrit. offenbar alles andere als begeistert über die Macht des Mandalor, Besitztümer zu beschlagnahmen. »Du klingst wie ein richtiges Staatsoberhaupt.«

Normalerweise hätte Fett ein Essen im Kreis der Familie und eine lange Erörterung über die besonderen Feinheiten der Metallurgie schlimmer gefunden als einen Kampf gegen einen Sarlacc. Es war schwierig genug, sich daran zu gewöhnen, eine Enkelin zu haben, ohne von Beviins lärmender, chaotischer und recht anschaulicher Familie belagert zu werden. Doch an diesem Abend erduldete er es.

»Es ist nicht bloß das Erz«, sagte Medrit und zeichnete mit einer Nuna-Keule eine imaginäre Grafik in die Luft. »Es ist die Verarbeitung. Ein Teil der Metallstärke rührt von dem. was während des Schmelzens hinzugefügt wird, und wie man es bearbeitet. Was du gesehen hast, war lediglich ein Testposten.«

»Verfügen wir überhaupt noch über die Anlagen dafür?« Fett war nicht daran gewöhnt, vor irgendjemand anderem zu essen. Dinuas Sohn und ihre Tochter. Shalk und Briila - sieben und fünf, schätzte er -, starrten ihn über den Tisch hinweg unbeeindruckt an. Der prüfende Blick kleiner Kinder war nervtötend. »Haben wir hier einen unverhofften Glücksfall, den wir nicht ausbeuten können?«

»In kleinem Maßstab können wir es«, sagte Beviin. »Ich habe einige grobe Berechnungen angestellt. Wenn die Ader tatsächlich den Ertrag abwirft, von dem wir ausgehen, werden wir etwas Hilfe brauchen, vom Förderrecht bis hin zur Veredelung. MandalMotors könnte einiges davon verarbeiten, falls sie bereit sind, Ressourcen von der Kriegsproduktion abzuziehen. Aber der Rest... Wir brauchen Droiden.«

»Und was wollt ihr dann damit anfangen?«, fragte Dinua.

»Wie bitte?«

»Wollt ihr es gegen fremde Währung verkaufen oder es verwenden, um uns selbst zu bewaffnen?«

Dinua - auf dem Schlachtfeld zur Waise geworden, genau wie Fett - war eine ungeheuer kluge Frau. Beviin hatte sie adoptiert.

als ihre Mutter getötet worden war, doch Fett stellte fest, dass ihm diese Gabe, Fremde zu Familienmitgliedern zu machen - der zentrale Aspekt der mandalorianischen Kultur -, fehlte. Selbst Medrit - ungeduldig, kritisch, unbeherrscht - hatte den unerwarteten Zuwachs ihres Haushalts ohne Murren akzeptiert. Adoption war etwas, das Mandalorianer taten und schon immer getan hatten.

Wenn er das kann, warum dann ich nicht? Und noch dazu mit meinem eigenen Fleisch und Blut?

»Wir tun beides«, sagte Fett und versuchte. beim Thema zu bleiben. »Einige Waren werden für den Export hergestellt, einige für unsere eigene Wiederaufrüstung.«

»Du wirst dafür eine Menge Unterstützung finden«, sagte Beviin. »Das stellt beide Lager zufrieden.«

Was könnte ich mit der Zeit, die mir noch bleibt, Besseres anfangen, als dafür zu sorgen, dass ich Mandalore in einem anständigen Zustand zurücklasse? »Sobald wir es haben, wird es uns irgendwer wegnehmen wollen.«

»Glaubst du, irgendjemand ist dumm genug, eine Invasion zu wagen, so wie damals das Imperium?«, sagte Beviin. »Nachdem wir die Vong so in den shebs getreten haben?«

»Ba'buir hat geflucht«, sagte Shalk ernst. »Darf ich auch shebs sagen?«

»Nein, darfst du nicht.« Dinua schüttelte verärgert den Kopf. »Buir, bitte nicht vor den Kindern. Mand'alor, wie willst du den Fund bekanntgeben? Anders als auf die altmodische Mando—Art, mit einer Invasionsarmee an der Grenze aufzutauchen?«

»Müssen wir ihn denn bekanntgeben?«

»Wenn wir ausländische Einnahmen haben wollen, ja.«

»Wir haben zwar keinen Finanzminister, aber der Posten gehört dir.«

»Ich meine es ernst.«

»Gib ein paar Raumjäger in Auftrag, und dann schauen wir mal, wem es auffällt«, sagte Fett. »Vielleicht hat dieser Kad'ika recht, dass wir nicht auf der einen oder anderen Seite stehen müssen. Es gibt noch eine dritte Seite, wie ... Goran gesagt hat.« Es war allein ein Gebot der Höflichkeit, ihn in seinem eigenen Haus mit seinem Vornamen anzusprechen. Fett hatte so wenig friedvollen Umgang mit irgendwem, dass ihm diese grundlegenden Benimmregeln wie ein Minenfeld vorkamen. »Unsere eigene.«

»Ich könnte dafür sorgen, dass die aruetiise Wind davon bekommen«. sagte Beviin. »Aber vielleicht ist eine Überraschung der bessere Weg.«

»Was für eine Art Überraschung?«

»Die Art, bei der man aufschaut und in den Luftschutzbunker rennt«, sagte Beviin. »Diese Überraschung hat ein MandalMotors—Logo am Rumpf.«

»Wir haben keine über diesen Sektor hinausgehenden territorialen Ambitionen. Wir haben hier mindestens ein Dutzend Planeten, um die wir uns Gedanken machen müssen.«

»Ich weiß. Aber nimm einen Planeten im Nachkriegsaufschwung, einen beginnenden Bürgerkrieg und einen neuen Beskar—Fund, dann bekommen wir sehr wahrscheinlich bald Besuch. Wenn nicht bewaffnet, dann zumindest in dem Versuch, Geschäfte zu machen.«

»Was auch immer. Es bereitet mir keine schlaflosen Nächte, was...«

Beviin sprang ein. »Aruetiise

»... was aruetiise von uns denken. Ich werde morgen früh mit Yomaget sprechen. Sehen, was MandalMotors bereitstellen kann.«

Medrit kaute nachdenklich und sah Fett an. »Du könntest auch eine anständige Beskar'gam gebrauchen, um diese Durastahl—osik zu ersetzen, die du da trägst. Die hält mehrere Lebzeiten lang.«

»Dann muss sie bloß ein Jahr halten.«

Medrit starrte Fett an, erhielt keine Antwort und wandte sich an Beviin. Der schüttelte den Kopf: Später. Auch Dinua verstand den Wink. Ihre Kinder schauten von Gesicht zu Gesicht, suchten nach einer Erklärung dafür, was die Erwachsenen so abrupt zum Schweigen gebracht hatte. Mittlerweile war es Fett egal, ob alle wussten, dass er starb, oder nicht. Die meisten würden es ohnehin nicht glauben. Es war schwierig, sich vorzustellen, dass jemand sterblich war, dessen Gesicht man nicht sehen konnte.

»Jede Menge weiteres Nuna«, sagte Beviin plötzlich und deutete auf den Servierteller voll glänzendem, gewürzverkrustetem Fleisch vor sich. »Selbst aufgezogen, natürlich.«

Es wäre ohnehin nie ein entspanntes Familienessen geworden. Allein der Umstand, dass er Fett war, sorgte schon dafür. Das Essen war würziger, als er es gewöhnt war, und die Portionen waren zu groß, doch er leerte seinen Teller, weil sie großzügige Leute waren, die ihm einen Zufluchtsort boten und jede Bezahlung dafür ablehnten, obwohl er sich den gesamten Planeten zweimal hätte leisten können. Das war es, was Mando´ade füreinander taten, wenn jemand in Schwierigkeiten steckte. Die Tatsache, dass er der Mand´alor war, war bedeutungslos.

Er konnte beinahe hören, wie Medrit später zu Beviin sagen würde, was für ein mürrischer shabuir Fett war, und er würde ihn auch fragen, ob es wirklich nötig war, dass Beviin ihn so häufig einlud.

»Du hast mir nicht erzählt, wie man die Ader gefunden hat«, sagte Fett. Da sie offenbar nicht über seinen Tod reden wollten, war das das Beste, das ihm in Sachen oberflächliches Geplauder einfiel. »Nach zehn Jahren? Mitten im Nirgendwo?«

»Vom Orbit aus.« Medrit, der gerade einen klebrigen Haufen nussgespickter glänzender Pastete in sechs Portionen hatte teilen wollen, hielt inne und leckt e sich die Finger ab. Kleine Brandnarben sprenkelten seine Hände. Fett fragte sich, ob er in dem Kuchen Metallspäne finden würde. »Irgendein Mando´ade, der nach ein paar Generationen im Outer Rim nach Hause gekommen ist. Ein Mineraloge und ein Geologe führten einige Tests durch, verglichen die Ergebnisse mit den alten geologischen Karten und entschieden, sich die Sache mal aus der Nähe anzusehen. Das Resultat - wayii!«

»Gutes Timing«, sagte Fett.

»Wir haben eine Menge fähiger Leute, die wieder nach Hause kommen, Bob'ika«, sagte Beviin. »Du hast gesagt, du möchtest, dass die Mando´ade zurückkehren, und einige sind es bereits.«

»Beeindruckend.« Fett war überrascht über die Bereitschaft der Leute, allein auf seine Anregung hin alles aufzugeben, was sie jemals gekannt hatten. »Hoffen wir, dass sie alle so viel Glück haben.«

»Mehr Einfallsreichtum als Glück.«

Fett dachte an das Letzte, was Fenn Shysa zu ihm gesagt hatte. Wenn du bloß auf deine eigene Haut aufpasst, bist du kein Mann. Nein, Jaing hatte keine Ahnung, was in diesen letzten Augenblicken zwischen ihnen vorgegangen war. Im Allgemeinen glaubten die Leute das, was sie glauben wollten.

»Da frage ich mich doch, was sonst noch unentdeckt auf diesem Planeten schlummert«, sagte er.

In dieser Nacht, während er in dem klapprigen Feldbett in dem Nebengebäude viel zu lange wach lag, grübelte Fett darüber nach, dass Mirta sich seit ihrer Rückkehr nicht mit ihm in Verbindung gesetzt hatte, und er fragte sich, was sein Vater getan hätte, wäre er in diesen Zeiten der Mandalore gewesen.

Erschöpfung war das beste Schlafmittel, das er kannte. Bevor er sich davon umfangen ließ, war sein letzter Gedanke, dass das Beskar alles veränderte, abgesehen von seiner eigenen Sterblichkeit.