2. Kapitel

Wenn du sie nicht schlagen kannst, bring sie auseinander.

- Cal Omas, Staatschef, Galaktische Allianz

BÜRO DES STAATSCHEFS, SENATSGEBÄUDE, CORUSCANT

»Nicht unbedingt unsere Sternstunde, Admiralin.«

Staatschef Cal Omas wirkte wie ein wesentlich älterer Mann als der, der er noch vor wenigen Monaten gewesen war. Cha Niathal rühmte sich eines beträchtlichen Verständnisses menschlicher Gesichtsausdrücke und kannte die verräterischen kleinen Zeichen für Erschöpfung und Stress. Omas hatte sie alle: Tränensäcke unter den wässrigen blauen Augen, eine Ansammlung rötlicher Flecken am Kinn und der säuerliche Geruch von Kaff, wenn sie ihm zu nahe kam.

Aber in erster Linie waren es die Augen. Menschliche Augen verrieten ihr alles, was sie wissen musste. Wenn sie zu Jacen Solo hinüberschaute, war er ein Musterbeispiel für Zuversicht und Gelassenheit. Abgesehen von seinen Augen. Es gab keine Anzeichen für eine angegriffene Gesundheit, doch innerlich war er weit von der glatten, ruhigen Fassade entfernt, die er zur Schau stellte. Sie konnte die Veränderungen in den Pupillen seiner dunklen Augen sehen. Flüchtig, beinahe unmerklich - doch seine Pupillen flackerten, zeigten, dass ihm etwas zu schaffen machte.

Es war nützlich, das zu wissen.

»Wir haben die Schlacht bei Gilatter VIII nicht verloren«, sagte sie. »Ganz gleich, was die Konföderation behauptet.«

»Wir haben sie auch nicht gewonnen«, sagte Omas. Er hatte die Angewohnheit entwickelt, Notizblätter auf seinem Tisch herum-zuschieben. Er brauchte keine Aufzeichnungen in Papierform, doch es schien ihn irgendwie zu beruhigen, damit herumzuhantieren, als wären sie seine letzte greifbare Verbindung zu seiner eigenen Regierung. »Betrachten Sie dies als Einsatznachbesprechung.«

»Wir hatten unsere Nachbesprechung bereits«, sagte Jacen. »Wir wissen, was schiefgelaufen ist und warum wir ihnen in die Falle getappt sind.«

»Schlechte Geheimdienstarbeit«, sagte Omas. »Haben Sie als Jedi diesen Hinterhalt nicht gefühlt?«

Niathal bemerkte, dass Jacen dreimal hastig blinzelte. Mittlerweile war zwischen den beiden Männern nur noch wenig Gegenliebe übrig. Aus irgendeinem Grund versetzte diese Bemerkung Jacen einen echten Stich, selbst wenn er viel zu klug war, um sich von irgendwelchen Vorstellungen von Allwissenheit verblenden zu lassen.

»Wir sind weder unbesiegbar noch unfehlbar«, sagte er leise. Wenn er so klang, so ruhig und vernünftig, war er am gefährlichsten. »Ich hatte unzuverlässige Geheimdienstinformationen, das ist nun mal Berufsrisiko. Der Umstand, dass wir noch mal davongekommen sind, ist größtenteils Jedi-Fähigkeiten zu verdanken. Ironischerweise den Fähigkeiten meiner Eltern und meines Onkels...«

Stell dein Licht nicht so unter den Scheffel. Jacen. Oder das der Flotte. »Sie sind zu bescheiden, Colonel Solo«, sagte sie. »Wie ich höre, haben Sic höchst bemerkenswert gekämpft.«

Jacen ließ die Bemerkung ohne eine Erwiderung oder das selbstzufriedene kleine Lächeln im Raum stehen, mit dem er normalerweise auf dergleichen reagierte. Omas betätigte einen Schalter und aktivierte den in seine Bürowand eingelassenen Holoschirm. Eine Überflugaufnahme des Planeten wandelte sich zu einer Stadtlandschaft: Holofelder zeigten eingefügte dreidimensionale Bilder von Explosionen und rauchenden Skylines. »Jetzt liegen uns Berichte über Kämpfe vor. die auf Ripoblus ausgebrochen sind.«

»Warum?«, fragte Jacen. »Niemand im Sepan-System hat irgendein Interesse an der Konföderation. Ich hatte keine Informationen darüber...«

»Die brauchen keine Unterstützung von irgendeiner Seite«, sagte Niathal. »Wir haben die Phase des allgemeinen Gerangels erreicht. Was gäbe es für einen besseren Zeitpunkt als während eines Bürgerkriegs, um ihren Disput mit Dimok wieder aufzunehmen? Wie bei einer Kneipenschlägerei. Ein Kampf bricht aus, und plötzlich erinnert sich jeder daran, dass man noch eine Rechnung zu begleichen hat.«

»Es wird noch wesentlich mehr dieser Ich-auch-Konflikte geben.« Omas seufzte. »Und wir müssen uns fragen, wo wir die Linie ziehen.«

Jacen versuchte den Anschein zu erwecken, als würde er das Schaubild von Ripoblus' Hauptstadt studieren. Niathal gelangte zu dem Schluss, dass er in Wahrheit über das begrenzte Maß der Geheimdienstinformationen nachgrübelte, die ihm zur Verfügung standen.

»Staatschef, selbst dem Imperium ist es nie gelungen, die se-panischen Kriege zu stoppen, und das war bereit, wesentlich extremere Maßnahmen zu ergreifen als wir«, sagte sie. »Wir sollten uns jedem Druck widersetzen, uns darin verwickeln zu lassen. Wir sind gefährlich dicht davor, uns zu übernehmen.«

Omas schaltete von dem Holobild zu einem Plan der Senatszusammensetzung. Die Namen der meisten Mitgliedsplaneten waren in Rot aufgeführt, aber einige waren blau; es waren mehr blaue Namen, als sie vom letzten Mal. als sie diese Liste sah, in Erinnerung hatte.

»Letzte Nacht sind zwei weitere Mitglieder abtrünnig geworden«. sagte Omas. »Las Lagon und Beris. Unbedeutende Welten, aber betrachten wir das Ganze einmal rein rechnerisch. Je mehr Planeten sich von der GA lossagen, auf desto weniger militärische Aktivposten kann ich mich berufen, und desto mehr Einheiten stehen potentiell der Konföderation zur Verfügung.«

Jacen war ein Meister der ausdruckslosen Verachtung. »Ja, ich denke, das kann ich nachvollziehen.«

»Und Sie sind immer noch der Ansicht, dass es richtig ist, mit maximaler Stärke zu reagieren - innerhalb der moralisch vertretbaren Grenzen.«

»Ja.«

»Dann befinden wir uns auf einer Abwärtsspirale.« Omas ging in die Mitte des Raums und warf Niathal einen Blick zu, der an Flehen grenzte: Kommen Sie schon, Sie sind vom Militär, Sie wissen, dass das stimmt. »Früher oder später erreichen die Lossagungen einen Punkt, ab dem von der GA nur noch der Rumpf übrig bleibt und die Konföderation erst mit uns gleichzieht und uns dann zahlenmäßig überlegen ist.« Omas hielt zwei Finger hoch und zählte theatralisch ab. »Problem Nummer eins: Wir wären ihnen militärisch unterlegen. Problem Nummer zwei: Wo bliebe da unsere Rechtmäßigkeit? Was für einen Frieden würden wir dann noch durchsetzen wollen?«

Niathal beschloss. Jacen antworten zu lassen und sich bedeckt zu halten. Omas hatte ein ausgezeichnetes Argument, doch er sah die Dinge vom Standpunkt eines Politikers aus, nicht von dem eines Generalstabschefs. In diesem Augenblick bestand ihre Aufgabe darin, zu entscheiden, in welcher Form sie Gewalt einsetzen mussten, um Omas' Ziele zu erreichen, nicht zu definieren, wie diese Ziele aussehen sollten.

Das war eine Schlacht für Jacen Solo. Sie schaute bloß zu.

»In diesem Fall«, sagte Jacen, so leise, dass es beinahe ein Flüstern war, »können sie uns besiegen, ohne dass ein einziger Schuss abgefeuert wird. Sie können uns mit einem Stück Papier bezwingen. Ich würde das als Kapitulation bezeichnen.«

»Und ich würde es als Herausfordern des schlimmstmöglichen Szenarios bezeichnen.« Omas sah wieder Niathal an. »Und Sie, Admiralin, werden wissen, wann wir den militärischen Wendepunkt erreichen.«

Niathal hatte zwei Strategien - eine, die sämtliche GA-Steine mit einbezog, die sie gegenwärtig im Spiel hatte, und eine, die allein auf die Streitkräfte von Coruscant baute. Es machte Sinn, auf Basis von Letzterem zu arbeiten, falls ihre Unterstützung wegfiel. Sie warf einen Blick auf die Liste der roten Namen und die wachsende Zahl der blauen, während sie Jacen im Auge behielt - Menschen fiel es immer schwer, zu bestimmen, wohin Mon Calamari gerade sahen -, und erkannte, dass das Diagramm nicht als gerade Linie verlaufen würde. Falls es tatsächlich zu einer Aushöhlung der Allianz kam, würde sie sich nicht als nachvollziehbare Entwicklung zeigen, sondern als plötzlicher Kollaps.

»Dieser Punkt ist noch nicht gekommen«, sagte sie schließlich. »Ich lasse es Sie wissen, wenn ich nervös werde. Doch ich kann Ihnen versichern, dass wir allein schon aufgrund der geo-grafischen Verhältnisse bereits zu weit verteilt sind. Mehrere Fronten. Nicht gut.«

»Wenn wir die Unterstützung für Verbündete zurückziehen, verschlimmern wir das Problem noch«, sagte Omas. »Sie werden umschwenken.«

Jacen atmete hörbar ein. »Das ist der Grund dafür, warum ich in erster Linie darauf gepocht habe, sehr hart und sehr schnell zuzuschlagen.«

Omas lächelte, aber ohne Humor. »Aha. Ich habe es Ihnen ja gesagt. Ich habe mich schon gefragt, wie lange es dauern würde, bis wir diese Phase erreichen.«

»Staatschef Omas, ich weiß, dass späte Einsicht uns jetzt nichts einbringt, aber zumindest können wir doch ehrlich zueinander sein und anerkennen, was jeder von uns beitragen kann.«

Niathal ging ihre eigenen Phasen mit Jacen durch. Zuerst war er ein nützlicher Verbündeter gewesen; dann ein Werkzeug, um Omas zu den schwierigeren Entscheidungen zu drängen. Sie fand, dass er für die Allianz nach wie vor seinen Nutzen hatte, doch in letzter Zeit war er viel mehr der Politiker, als der Soldat. Seine Sprache hatte sich verändert - weniger direkt, mehr Besonnenheit. Sie sehnte sich nach klaren Worten.

Doch vor Jacen ließ sie sich jetzt ebenfalls nicht zu welchen hinreißen.

»Meine Quellen sagen mir, dass es den Corellianern nicht gelungen ist., schon frühzeitig die Mandalorianer zu rekrutieren«, sagte sie. »Aus irgendeinem unbestimmten Grund scheint es, als wollten sie neutral bleiben. Sofern sie keiner kollektiven Lobotomie unterzogen wurden, würde ich das als interessant bezeichnen.«

Omas sah Jacen demonstrativ an. die Hände in den Taschen. »Sind wir an sie herangetreten? Sind für irgendeine Ihrer undurchsichtigen. kleinen Operationen welche von denen verpflichtet worden? Soweit ich mich entsinne, waren die Mandalorianer während des letzten Krieges ziemlich nützlich.«

Jacen wirkte gelassen - bis auf seine Augen. »Nein, und ich nehme an, wir hätten auch keine positive Antwort erhalten.«

»Warum nicht? Sagen Sie mir nicht, sie hätten nach Jahrtausenden des Plünderns und der Zerstörung den Pazifismus entdeckt. Das sind geborene Schläger. Wenn sie dafür bezahlt werden, brauchen sie keinen Vorwand für einen Kampf.«

Du glaubst, ich weiß nicht, was du getan hast, Jacen. Niathal heuchelte gelindes Interesse. Aber Gerüchte machen die Runde. Schauen wir mal, ob du mit offenen Karten spielst.

Abgesehen von dem Umstand, dass Jacen seine Finger im Schoß verschränkte, wirkte er vollkommen ruhig. Es sah aus wie eine Meditationspose, die in sonderbarem Widerspruch zu seinem schwarzen GGA-Overall stand.

»Da wäre beispielsweise die unbedeutende Tatsache, dass ich ... während eines Verhörs Bobas Tochter verloren habe«, sagte er.

Aha.

»Verloren.« Omas blinzelte ein paar Mal. »Was genau bedeutet verloren?«

»Sie starb, während ich sie verhört habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, wer sie war.«

Einen Moment lang wirkte Omas sprachlos, doch dann stieß er ein kleines, unbeabsichtigtes »Hah!« aus. in dem seltsam entsetzte Erheiterung mitschwang. »Und Fett weiß das?«

Jacens Gesicht war so ruhig und undurchdringlich wie das einer Statue. »Mittlerweile weiß er es.«

»Dann kann ich mir vorstellen, dass Sie den Rest Ihres Lebens über Ihre Schulter schauen werden. Colonel.«

Jacen sah aus, als hätte er daran noch gar nicht gedacht. Seine Gelassenheit geriet für einen Moment ins Wanken, während eiserne gefalteten Hände neu ordnete. »Ihn um einen Gefallen zu bitten wäre nicht unbedingt das Klügste, nein.«

Niathal fragte sich, oh sich Jacen zu guter Letzt mehr eingehandelt hatte, als er handhaben konnte. Ihr kam Gerede zu Ohren, und Gerede von Jacens Geheimpolizei war eine vollkommen andere und wesentlich verlässlichere Quelle als das Getuschel in den pleekholzgetäfelten Senatskorridoren.

Doch es war ihren Plänen nicht förderlich, wenn Jacen ins Trudeln geriet und abstürzte. Und sie musste die Leute nicht mögen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten.

»Ich habe ein Treffen mit den Botschaftern der Diplomatenkorps von Las Lagon und Beris arrangiert, später am Tag«, sagte Omas. »Sehen wir mal, ob wir sie dazu überreden können, wieder in die Gemeinschaft zurückzukehren. Ich will keine Massenflucht lostreten.«

»Was ist ihr Problem?«, fragte Niathal.

»Der Widerwille, Truppen zur Verfügung zu stellen.«

»Dann verzichten Sie darauf.«

»Und was für eine Botschaft würde das Corellia vermitteln? Das käme einem Zurückrudern gleich.« Omas wirkte aufgebracht. »Das ist der Grund, warum wir überhaupt erst in den Krieg gezogen sind - für den Grundsatz der gemeinschaftlichen Verteidigungsfähigkeit der Allianz.«

»Las Lagon und Beris stellen zusammen 20000 Soldaten, höchstens. Die diplomatischen Vorteile scheinen sowohl diesen Grundsatz als auch jeden Nutzen, den sie vielleicht haben, bei weitem zu übersteigen.« Niathal gelangte zu dem Schluss. dass das Schlimmste in der Galaxie ein Politiker war, der auf halber Strecke plötzlich irgendwelche pingeligen Grundsätze entdeckte. »Sie sind schlecht ausgebildet und bescheiden ausgerüstet, deshalb glaube ich nicht, dass ich ihren militärischen Beitrag zur GA vermissen werde.«

Jacen stemmte sich aus seinem Sessel und machte deutlich, dass er den Raum verlassen wollte. »Nun, zumindest gibt es einige positive Neuigkeiten von der Anti-Terror-Front.. Dies ist bereits der zweite Monat, in dem wir Waffenbeschlagnahmungen durchführen. Wir machen gerade ihre Nachschublinien dicht.«

»Sind Sie sicher, dass die alle politisch motiviert sind, und nicht bloß einfach Kriminelle?«, fragte Omas.

»Wenn einer davon auf Sie schießt«, sagte Jacen, »würde dieser feine Unterschied dann noch eine Rolle für Sie spielen? Das gewöhnliche Verbrechen und der Terror neigen dazu, früher oder später zu Bettgefährten zu werden. Und fragen Sie die Coruscant-Sicherheitskräfte mal nach ihren letzten Gewaltverbrechenstatis-tiken. Es ist überall um einiges ruhiger geworden.«

Er schenkte ihnen beiden ein höfliches Nicken und ging. Omas sah zu, wie sich die Türen hinter ihm schlossen, und wanderte dann zum Hauptfenster hinüber, das den Platz überblickte, um in berechnendem Schweigen hinauszustarren.

»Wie weit ist es mit uns gekommen, Admiralin, wenn mein erster Gedanke, als ich höre, dass Colonel Solo eine Gefangene getötet hat, der ist, dass er jetzt womöglich Gegner hat, die stark genug sind, um ihn mir aus dem Rücken zu halten?«

Das war ein erstaunlich aufrichtiges Eingeständnis. »Das ist nur menschlich«, sagte sie.

Omas sah die andere Seite dieser verbalen Münze nicht. »Es ist ein Beleg dafür, was aus uns allen geworden ist, dass der innere Kreis meiner Ratgeber nicht aus dem Sicherheits-oder Justizminister besteht, nicht einmal aus Diplomaten, sondern aus der Generalstabschefin und dem Leiter der Geheimpolizei.« Omas begann seinen rituellen Rundgang durch das Büro, wobei er schwache und kurzlebige Fußabdrücke auf dem blassblauen Flor des Teppichs hinterließ. »Das geht mir nicht aus dem Kopf, wissen Sie. Ich frage mich, wie ein Colonel so viel Einfluss gewinnen konnte, und ich weiß wirklich nicht, ob ich das zugelassen habe, weil er ein Jedi ist, oder weil er zur GGA gehört.«

Niathal fand, dass Omas gut daran tat. die wahren Diskussionen auf eine Handvoll Leute zu beschränken, bei denen man nicht Gefahr lief, dass sie ihre Treue unversehens in die Dienste von Corellia stellten. »In diesen ungewissen Zeiten ist das leider eine Notwendigkeit. Wir können so viele Dringlichkeitskomitees einberufen, wie wir wollen, doch den Krieg zu führen ist die Aufgabe einiger weniger. Den Krieg, der jenseits unserer Grenzen stattfindet, und den Krieg, der darin tobt.«

»Glauben Sie, wir haben immer noch einen Krieg im Innern?«

»Genügend Coruscanti glauben, dass wir das haben. Es gibt kein >nur<, wenn Tausende bei Terrorangriffen ums Leben kommen. Verliert man ein Schiff mit einer mehrere tausend Mann starken Mannschaft, sagen die Zivilisten: Oh, das ist wirklich schlimm, aber dafür haben sie sich verpflichtet. Verliert man ein paar Zivilisten, ist das eine planetare Tragödie.« Die GGA hatte innerhalb weniger Monate den Großteil der Terrornetzwerke zerschlagen: die Garde ging sehr effizient den Geldquellen auf den Grund und knüpfte die nötigen Kontakte. Trotzdem war die GGA noch immer aktiv und trat just in diesem Augenblick die verschiedensten Türen ein - von Bothanern, von Sympathisanten der Konföderation und von einigen Leuten, die einfach nur »den Frieden gebrochen« hatten, während die Notstandsverordnung in Kraft war. »Es ist ebenso wichtig, sich mit der Angst vor dem Terrorismus auseinanderzusetzen, wie mit der Realität.«

Omas hielt inne. um ihr in die Augen zu sehen. »Admiralin. Sie kommen mir wie eine Offizierin vor, die mit Sitte und Anstand erzogen wurde. Ehre. Die Herrschaft des Rechts. In harten Zeiten fliegt all das nur allzu häufig zum Fenster hinaus.«

»Ich kümmere mich um die Aufgaben, die mir übertragen wurden, und ich bin dankbar dafür, dass ich mich nicht mit GGA-Angelegenheiten abgeben muss.«

Omas schien die Doppeldeutigkeit ihrer Worte nicht zu entgehen. »Nominell steht die GGA unter Ihrem Kommando.«

Nominell... »Sie haben das Gefühl, dass Colonel Solo die Grenzen seiner Befugnisse überschreitet und dass ich ihn ein wenig nachdrücklicher darauf aufmerksam machen sollte.«

»Ich muss zugeben, dass ich mir Gedanken über sein Verhalten mit Verdächtigen mache.«

»Was erwarten Sie von mir? Dass ich zugebe, dass mich das ebenfalls mit Sorge erfüllt?«

»Tut es das?«

»Manchmal.«

In einem Sekundenbruchteil der Hoffnung glitten Omas' Brauen in die Höhe. »Mir ist bewusst, dass es nicht einfach ist, einen Offizier im Zaum zu halten, der so viel tut, um die Öffentlichkeit hinter sich zu bringen.«

»In schwierigen Zeiten brauchen wir alle Helden, selbst wenn wir ihren Schutz nicht so sehr brauchen, wie wir vielleicht denken.«

»In der Tat. Und ungeachtet ihres ganzen Murrens glaube ich, dass der Jedi-Rat es insgeheim genießt, dass einer der ihren für seine knallharte und aggressive Vorgehensweise, um den Frieden zu wahren, so bewundert wird. Das zerstreut das Bild, dass sie passive Mystiker sind, die den Kontakt zur unerbittlichen Wirklichkeit längst verloren haben.«

»Erfolg hat viele Eltern. Versagen ist eine Waise.«

Omas lächelte reuevoll. »Nun, entweder wird er den Krieg für uns gewinnen - oder uns zu Fall bringen.« Er kehrte zu seinem schlichten, polierten Schreibtisch zurück und sah irgendwie zusammengeschrumpft aus, als er dahinter Platz nahm. Die kleine Bronziumvase mit der einzelnen lila Kibo-Blüte darin ließ den Tisch nur noch riesiger und leerer wirken. »Das haben Helden so an sich.«

Uns. Zu Fall bringen.

Und Politiker hatten es so an sich, Zweifel und Gedanken zu säen, die sich einem ins Unterbewusstsein gruben. Niathal war Omas' subtile Warnung nicht entgangen, und sie war drauf und dran, auszuführen, dass sie bereits über das erforderliche Maß an Paranoia, das für eine politische Laufbahn nötig war, verfügte. Aber wahrscheinlich wusste er das mittlerweile schon.

»Ich werde das im Hinterkopf behalten«, sagte sie.

Omas war ein vollendeter Staatsmann, der etliche Anschläge auf sein Leben und auf seine Karriere überlebt hatte. Er hatte die Aussage, die in diesem einen Satz steckte, gut verborgen: dass sie wusste, dass Jacen ein wandelndes Pulverfass war; dass sie wusste. dass er von gewaltigem, überwältigendem Ehrgeiz zerfressen war; und dass sie wusste, dass sie sich womöglich ruckzuck an der Seitenlinie wiederfand, wenn sie ihm gegenüber nicht auf der Hut war. Und dass sie wusste, dass Omas sich darüber im Klaren war, dass sie ein Auge auf sein Amt geworfen hatte, und dass er es ihr vielleicht einfacher machen würde, eines Tages seine Nachfolge anzutreten, wenn sie mit ihm zusammenarbeitete anstatt mit Jacen Solo.

Wir. Der politische Kodex war ein ausgesprochen ökonomischer Weg, heikle Informationen mitzuteilen, ohne tatsächlich belastende Worte zu verwenden. Das sparte eine Menge Zeit und Ärger.

Niathal nahm das Schweigen als Hinweis darauf, dass das Treffen vorbei war. Während sich die Türen hinter ihr schlossen, schaute sie zurück auf Omas; der letzte Blick, den sie von ihm erhaschte, war der eines Mannes, der für eine Sekunde die Augen schloss. als wäre er vollkommen erschöpft.

In ein paar Stunden wird er wieder zurück in den Senat stolzieren, als wäre alles unter Kontrolle. Will ich so ein Amt wirklich?

Sie glaubte immer noch, dass sie das tat.

Sie aß in einem der vielen Senatsrestaurants zu Mittag. Zu jeder Tages-oder Nachtzeit hatte zumindest ein Tapcafe oder Lokal geöffnet, einige davon waren ungezwungen, andere eher förmlich, aber allesamt waren sie Brutstätten für Gerede, Diskussionen und Geschäftemacherei. An diesen Orten wurden mehr Regierungsan-gelegenheiten geregelt, als jemals durch die Senatskammer gingen. Darüber hinaus waren es relativ sichere Plätze, um mit Wesen zu reden, die womöglich Aufmerksamkeit erregt hätten, wenn sie sich im Offizierskasino mit ihnen traf. In diesen Tagen funktionierte es bemerkenswert gut. sich quasi direkt vor den Augen aller zu verbergen, und niemand nahm viel Notiz von dem Umstand, dass sie zufällig am selben Tisch einen kleinen Imbiss einnahm wie ein Gossam namens Gefal Keb, ein ranghoher Beamter in der Abteilung zum Schutz der Öffentlichkeit.

Ihre Stimmen gingen im allgemeinen Geplapper unter. Sie sprachen von Jacen als dem »neuen Jungen«, von der GGA als dem Club; Omas wurde - unvermeidlich - der Boss. Es war unoriginell, doch so weckten sie bei Ohren, die darin geübt waren, quer durch den Raum irgendwelche Namen aufzuschnappen, kein Interesse.

»Droht dem neuen Jungen irgendeine Gefahr durch unsere ungestümen Freunde in Keldabe?«, fragte sie.

»Von dort war bislang nichts Derartiges zu hören.« Keb hatte die Angewohnheit, alles um sich herum in sich aufzunehmen, im Umkreis von 360 Grad. »Aber falls sie irgendetwas planen, würden sie es dem CSK nicht erzählen. Es gibt Gerüchte, dass Shevu von seiner Art, sich um Angelegenheiten zu kümmern, ziemlich genervt ist.«

»Shevu ist sehr altmodisch, wenn er Gefangene verliert. Ist sonst noch jemand im Club mit der Geschäftsführung unzufrieden?«

»Seltsamerweise nicht. Ich muss zugeben, dass die Bereitschaft des neuen Jungen, von der Frontlinie aus zu führen, Loyalität erzeugt.«

»Wen spioniert er jetzt aus?«

»Nicht Sie, soweit ich das sagen kann. Ich wäre sehr überrascht. wenn er nicht unbefugterweise ein Auge auf den Boss hätte, doch dafür habe ich bislang noch keine stichhaltigen Beweise. Der Club versteht sich bestens darauf, seine Spuren zu verwischen, wie Sie es erwartet hatten.«

»Sonst noch etwas, das ich wissen sollte?«

»Geringfügige Beschaffungsprobleme, aber das hat nichts mit dem neuen Jungen zu tun.«

»Wie geringfügig?«

»Momentan gibt es vornehmlich Klagen über minderwertige Ausrüstung und generelle Unterversorgung. Sie sollten vielleicht ein paar Datenschupsern in den Hintern treten, bevor sich das zu einem Problem entwickelt.«

»Ich werde dafür sorgen, dass sich jemand darum kümmert.« Das würde Jacen beschäftigen. Das Wohlergehen der Truppen lag ihm am Herzen. »Schwierigkeiten, die die Ausrüstung betreffen, scheinen der Moral am meisten zuzusetzen.«

Es war eine kurze Unterhaltung, zwei GA-Mitarbeiter, die allen Grund dazu hatten, ein paar Worte zu wechseln. Niemand nahm irgendeine Notiz von ihnen. Die Oberbefehlshaberin und der Leiter des hausinternen Sicherheitsstabs redeten ständig miteinander.

Niemand wusste. dass die drei Individuen, die den Krieg leiteten. es nicht wagten, einander den Rücken zuzukehren.

Das war Politik. Admiralin Cha Niathal war entschlossen, sich daran zu gewöhnen.

STERNENSYSTEM M2 X 32905, NAHE BIMMIEL

Eine Präsenz folgte ihr, und selbst auf diese Entfernung konnte Lumiya sie ausmachen wie ein Signalfeuer. Ebenso wie die Meditationssphäre.

Zersplittert, sagte das Schiff.

Hinten in ihrem Verstand manifestierte sich die Präsenz als schartige, zertrümmerte Masse aus schwarzem und weißem Glas. Wenn sie sich lange genug darauf konzentrierte, fügten sich die Splitter wieder zu einem ganzen Schiff zusammen, doch die Risse waren immer noch sichtbar.

»Es ist zersplittert, in Ordnung«, sagte Lumiya. »Was sollen wir jetzt tun, zulassen, dass es uns einholt? Oder wollen wir sehen, was für ein guter Jäger es ist?«

Die Meditationssphäre fühlte sich ermutigt. Die schwelende rote Flamme, die in die Schottwände eingelassen schien, wurde heller und goldener, und Lumiya spürte, wie sie ein verschwörerisches Gefühl von guter Laune durchflutete. Das Schiff fand Gefallen hieran. Natürlich - es hatte unzählige Jahre lang untätig auf Ziost dahinvegetiert, ein Ding mit Bewusstsein, das auf seine Bestimmung und Interaktionsmöglichkeiten wartete.

Nichts in der Galaxis mochte es, allein zu sein, sei es nun aus Fleisch oder aus Metall.

Lumiya wippte auf den Fersen nach hinten, noch immer ein wenig orientierungslos in dem Cockpit. Es fühlte sich nicht wie eine Verlängerung ihres eigenen Körpers an, wie es bei einem Raumjäger der Fall war. Anstelle von systematisch platzierten Bildschirmen und Steuerelementen in ihrer Reichweite war da nichts, abgesehen von blanken steinartigen Oberflächen, in denen Bilder erschienen und dann wieder verschwanden. Die Schottwand des Schiffs zeigte ihr ein Muster von Lichtern. Ein kleines Schiff passte sich in einer Distanz von fünftausend Kilometern ihrem Kurs an. Der Asteroidengürtel, in dem ihre Basis versteckt war, tauchte als Sternensprühregen vor dem dunkelblauen Hintergrund des Alls auf, als wäre ein Loch in das Schott gestanzt, und sie erwartete beinahe, Luft an sich vorbeirauschen zu fühlen.

»Zeit zu springen«, sagte sie.

Die Meditationssphäre fühlte sich an, als würde sie einen tiefen Atemzug nehmen und einen Satz nach vorn machen. Da war keine Trägheit, kein Eindruck von Bewegung irgendwelcher Art. und doch war sich Lumiya sicher, dass die Beschleunigung der Grund dafür war, warum ihr Magen hüpfte und sich ihr Kopf drehte. Der Verfolgerschirm war verschwunden. Sie blickte auf die fließenden Lichter von Sternen und dann auf samtige Schwärze, finster bis auf das zufällige nadelstichgroße Flackern von Helligkeit. Sie konnte durch das Schiff hindurchsehen. Es war, als wäre es überhaupt nicht da. Sie wusste, wo sie war. Sie konnte spüren, wie das Schiff, das sie verfolgte, hinter ihr zu Nichts wurde und wie der Transparistahl wieder zu einem Durcheinander von Splittern zerbrach.

Einen Moment lang überkam sie Panik.

Einen Moment lang befand sie sich in einem havarierten TIE-Jäger und kämpfte um ihr Leben - überzeugt davon, dass sie sterben würde, während Luke Skywalker auf sie feuerte.

Unversehens wurden die Schotten wieder zu rot glühendem Bimsstein. Sie kehrte ruckartig in die Gegenwart zurück.

Du bist sicher, sagte das Schiff.

Es wirkte fast schuldbewusst, weil es sie aufgeschreckt hatte. Sie wollte es beruhigen: Bloß eine Erinnerung, dachte sie, nichts, worüber du dir Gedanken machen müsstest. Und das Schiff schien beschwichtigt. Niemand - nichts - hatte sich seit langer Zeit um ihr Wohlergehen gesorgt, nicht, seit sie beim Imperium in der Ausbildung gewesen war. Luke Skywalkers flüchtige Zuneigung zählte nicht.

Der zersplitterte Verfolger ist ebenfalls gesprungen, sagte das Schiff.

»Versuch ihn nicht abzuschütteln.« Lumiya suchte in sich nach Bedauern und Einsamkeit und fand keine. Es war immer schön, wenn man eine Art Verwandtschaft zu einer anderen Intelligenz fühlte. »Wir wollen nicht, dass er uns verliert.«

Es folgt uns noch immer, sagte das Schiff.

»Was hältst du von deinem letzten Piloten?«, fragte Lumiya.

Nicht wie wir.

»Keine Sith-Substanz, meinst du.«

Nein. Das Schiff wusste, dass Ben nicht als Jacens Schüler taugte. Er ist mehr wie derjenige, der uns folgt.

Die Meditationssphäre verließ den Hyperraum und hielt mit überzeugender Geschwindigkeit auf den Asteroiden zu. Lumiya vermittelte dem Schiff in Gedanken, Zeit zu schinden, bis der Pilot, der ihnen auf den Fersen war, sie wieder lokalisiert hatte, und zeigte ihm dann ihr Habitat auf dem Asteroiden.

Sie bereiteten sich darauf vor, anzudocken. Lumiya und das Schiff, für kurze Augenblicke irgendwie wie ein Bewusstsein. Ben hatte bewiesen, dass er nicht der richtige Schüler für Jacen war. Trotz all seiner grimmigen Tapferkeit auf Ziost war der Junge einer sentimentalen Jedi-Motivation erlegen und hatte sein Leben riskiert, um dieses Kind zu retten. Ihm mangelte es an der mitleidlosen Schärfe, die ein Sith brauchte. Aber zumindest hatte er eine Sache richtig gemacht: Ohne ihn wäre sie nicht im Besitz dieses außergewöhnlichen Gefährts. Die Sphäre würde sich für Jacens Zukunft als dienlich erweisen. Das konnte sie in der Macht sehen. Irgendwie war ihre eigene Zukunft nicht damit verbunden, doch sie würde darauf aufpassen, bis die Zeit kam. die Kontrolle darüber abzugeben.

Ben. Sie liegt e keinen Groll gegen den Jungen, doch er war einfach überflüssig geworden.

Obwohl... Wenn er es ist? Wenn er derjenige, ist, den Jacen töten muss?

Womöglich hatte die Macht Ben aus einem bestimmten Grund vor ihren Plänen verschont. Vielleicht war es sein Schicksal. seinem Meister dadurch zu helfen, dass er sein Leben opferte, und damit war es nicht an Lumiya, es ihm zu nehmen.

Ich weiß nicht, was Jacen tun muss. Ich weiß es einfach nicht. Ich kann die Brücke nicht sehen, die er überqueren muss, um der Sith-Lord zu werden, der zu sein er bestimmt ist.

Ahnte Jacen, dass sie auf diese Frage ebenso wenig eine Antwort wusste wie er?

Sie bezweifelte es.

Er musste seine Liebe unsterblich machen - indem er sie tötete und das zerstörte, was er am meisten liebte.

Als die Meditationssphäre in die Andockbucht ihres Habitats glitt, grübelte Lumiya darüber nach, was Jacen Solo liebte und was zu verlieren er nicht ertragen konnte, über das Opfer, das ihn über die profane Welt erheben und zu wahrer Größe führen würde. Seine Schwester Jaina? Nein, er hatte bereits versucht, sie vor das Kriegsgericht zu stellen. Seine Eltern?

Zuhause, sagte das Schiff. Ich kann dich gegen den verteidigen, der dir folgt.

»Vielen Dank.« Lumiya war verdattert. »Aber das ist nicht notwendig. Lass das andere Schiff landen.«

Würde es Ben Skywalker sein? Nach allem, was Lumiya gesehen hatte, kam der Junge jemandem, den Jacen liebte, am nächsten. Er wollte, dass Ben Erfolg hatte. Er ignorierte die Schwäche, die dem Jungen innewohnte.

Luke Skywalker? Nein, Jacen hatte nicht das Geringste für Luke übrig, und vielleicht verachtete er ihn sogar. Mara? Sie war vielleicht die Letzte gewesen, die noch zu Jacen gestanden hatte, doch mittlerweile empfand er für sie noch weniger als für seine eigenen Eltern.

Dann Ben. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es Ben.

Oder ... Vielleicht war es gar keine Person. Vielleicht musste er eine Organisation vernichten oder irgendetwas Abstraktes. Vielleicht musste er überhaupt nicht töten. Lumiya kämpfte gegen ihre Ungeduld an. Wie auch immer Jacens Schicksal aussehen mochte, welche ausschlaggebende Tat er auch immer vollbringen musste, es würde bald geschehen. Sie konnte beinahe fühlen, wie das Gefüge der Macht es vorausahnte.

Und vielleicht... bin ich diejenige, die er tötet.

Doch sie war eine Sith. und jeder Sith würde das von seinem Schüler erwarten. Das war ein Preis, den zu bezahlen sie bereit war.

Sehr zersplittert, sagte das Schiff und riss sie damit aus ihren Gedanken.

Lumiya kam auf die Füße und stand dann vor der Schottwand. Der glühende Bimsstein wurde so dünn, dass er transparent wurde, und das war keine optische Täuschung: Das Schot t öffnete sich der Atmosphäre, und aus der Außenhülle des Schiffs formte sich eine Rampe. Als Lumiya darüber hinunter in den Hangarbereich ging, glitt ein altes Conqueror-Kampfschiff durch die Luftschleusen. Sie hatte schon seit langer Zeit keins der wie eine Acht geformten Schiffe mehr gesehen.

Die Einstiegsluke öffnete sich, und jemand trat heraus, teilweise in einen Umhang gehüllt, aber mit einem unverwechselbaren humpelnden Gang.

»Du lebst ziemlich gefährlich. Tänzerin.« Lumiya empfand Alema Rar allmählich als Belastung. »Ich hätte auf dich feuern können.«

Die Twi'lek warf die Kapuze zurück und legte ihren Kopf zur Seite. Es war die geübte Pose einer Frau, die einen so großen Teil ihres Lebens kokett gewesen war, dass es ihr zu einer unbewussten Angewohnheit geworden war. Sie war an männliche Aufmerksamkeit gewöhnt gewesen und benahm sich immer noch so, als würde sie diese auch verdienen, selbst wenn keine Männer zugegen waren, und das, obwohl ihr Aussehen durch Lichtschwertwunden gänzlich zerstört worden war. Der abgetrennte Stumpf ihres Lekku verlieh ihr ein groteskes, nahezu ulkiges Auftreten.

Doch Alema war absolut nichts, worüber man lachen konnte. Sie war, wie das Schiff gesagt hatte, zersplittert, eine verletzte, rachsüchtige Kreatur, die ihrerseits austeilen wollte, doch Lumiya hatte keine Geduld für Undiszipliniertheit. Außerdem war Alema wahnsinnig, und eine Dunkle Jedi mit derartigen Problemen war eine ausgesprochen gefährliche Komplikation.

»Aber das habt Ihr nicht.« Die Augen der Twi'lek waren auf die Meditationssphäre gerichtet. »Wir finden dieses Schiff interessant.«

»Das dachte ich mir.« Lumiya deutete auf die Türen, die zu ihren Gemächern führten. Zuhause war nicht das richtige Wort dafür. »Da du schon mal hier bist, kannst du ebenso gut eintreten.«

Alema ging um das Schiff herum und nahm es von allen Seiten in Augenschein, offensichtlich fasziniert.

»Es denkt«, sagte sie. »Dieses Schiff denkt.«

»Denken ist nützlich. Du solltest es beizeiten selbst mal versuchen.« Lumiya wusste, dass sie die Verrückte mit mehr Umsicht behandeln sollte, doch sie war an diesem Tag nicht allzu duldsam. Sie bemühte sich, zu fühlen, was das Schiff womöglich sagte, doch alles, was sie wahrnehmen konnte, war seine Wachsamkeit, seine Sensoren, die ein misstrauisches Interesse an Alema hegten. Vermutlich konnte es die Dunkelheit in ihr fühlen. »Was führt dich hierher?«

»Wir sind der Anakin Solo gefolgt. Wir haben über Jacens Haltung zu seinen Eltern nachgedacht, und wir glauben, dass wir womöglich an Han und Leia Solo herankommen, wenn wir mit Jacen zusammenarbeiten.«

Alema legte zärtlich eine Hand auf die Meditationssphäre, und Lumiya fühlte, wie das Schiff zurückschreckte und dann irgendwie nachgab. Es wusste, dass Alema verkrüppelt war. Seine Pflicht war es, sich um seinen Piloten zu kümmern. Diese Neigung schien die Sphäre seltsam verständnisvoll gegenüber jenen zu machen, die Unterstützung brauchten.

Lumiya seufzte leise. Das war das Letzte, was sie brauchte: ein Sith-Gefährt, das Mitleid mit einer verrückten Twi'lek-Schlampe hatte. Sie übermittelte dem Schiff ein deutliches Bild von Alema, wie die Twi'lek die Sphäre - das Gesicht vor irrer Wut verzerrt - gegen einen zerklüfteten Berg flog. Das Schiff verstand sofort, was sie damit sagen wollte. Alema zog die Hand weg, als habe sie sich verbrannt.

»Das wäre hilfreich für uns alle«, sagte Lumiya vorsichtig, »sofern du es fürs Erste vermeidest, Jacen Solos Weg zu kreuzen. Es herrscht Krieg, weißt du?«

»Wir haben unsere Aufgabe, und Ihr habt Eure. Unsere besteht darin, das Gleichgewicht für das wiederherzustellen, was die Solos uns angetan haben. Leia wird weiterhin versuchen, ihren kostbaren Sohn zurück zum Licht zu führen, und das bedeutet, dass er nach wie vor ein guter Köder für unsere Zwecke ist.«

»Lass es mich anders ausdrücken«, sagte Lumiya freundlich und dirigierte sie auf die Türen zu. »Wenn du mir in die Quere kommst, töte ich dich.«

.Alema schenkte ihr ein merkwürdiges, schiefes Lächeln, ließ jedoch zu, dass sie in die Wohnquartiere geführt wurde.

»Wisst Ihr, mit wem Ihr es zu tun habt ?«, fragte Alema.

Lumiya sondierte erneut Alemas Präsenz. Sie fühlte sich an wie Splitter von zerbrochenem Glas in ihrem Mund, fremdartiger als jedes andere Wesen, dem sie jemals begegnet war. Sie war schon früher in den Verstand von Verrückten vorgedrungen. aber keiner davon war ein Jedi gewesen oder so verblendet. Es war beinahe beängstigend. Am beunruhigendsten war dieses Gefühl von uns. Sie fand es schwierig, sich ihren Weg durch die Schwarmbewusstseins-elemente und die zerstückelte Persönlichkeit eines einzigen Lebewesens zu bahnen.

»Ja, das weiß ich«, sagte Lumiya. »Und ich werde dich trotzdem töten, wenn diese Fehde größere Pläne ruiniert. Später wirst du die Zeit für deine Rache haben. Funk mir bei meinem Vorhaben dazwischen, und ich bringe die Solos eigenhändig um, und dann wirst du dein Gleichgewicht niemals erlangen.« Lumiya senkte die Stimme zu einem besänftigenden Flüstern. »Und du weißt, dass ich dazu imstande bin, nicht wahr?«

Scheinbar unbeeindruckt schaute sich Alema in Lumiyas Quartier um. Da sie den Großteil ihrer notwendigen Besitztümer zu dem sicheren Haus auf Coruscant gebracht hatte - oder jedenfalls zu ihrem letzten Wohnort waren die Räume nur noch spärlich möbliert, abgesehen von den Gerätschaften, die sie brauchte, um ihre kybernetischen Prothesen zu warten, und grundlegender Dinge für einen kurzen Aufenthalt. Alema sah aus wie jemand, der eine Wohnung abschätzt und sich überlegt, ob er sie kaufen soll oder nicht.

»Nein, du kannst hier nicht bleiben«, sagte Lumiya. Sie verfügte über keine telepathischen Fähigkeiten, doch sie erkannte Alemas besitzergreifenden Blick. Sie musste Alema im Auge behalten: Sie war so fixiert und abgebrüht, dass sie ihr vielleicht - nur vielleicht - einen Hydrospanner zwischen die Beine warf, und das war ein Risiko, das Lumiya nicht eingehen wollte. Es stand zu viel auf dem Spiel, der Moment der Entscheidung stand zu dicht bevor.

Wenn ich vernünftig wäre, würde ich sie jetzt töten, bevor sie zu einem zu großen Problem wird. Aber...

Solange wie ihr Wahnsinn nicht zu unkontrollierbar wurde, hatte Alema immer noch ihren Nutzen.

»Ihr versteht etwas von Rache«, sagte Alema. Sie nahm auf einem Sofa Platz, ein Arm auffällig schlaff, und einen Moment lang runzelte sie launisch die Stirn. »Luke Skywalker hat unser Leben zerstört. Er hat auch Euch mit Narben gezeichnet.«

»Oh, mit viel mehr als bloß Narben.« Lumiya zog den Schleier von ihrem Gesicht und ließ Alema ihren schwer in Mitleidenschaft gezogenen Kiefer sehen. Dann stellte sie einen Stiefel auf einen Stuhl, holte eine Vibroklinge hervor und rammte sie sich in ihren Oberschenkel. Ein metallisches Kratzen war zu hören. Alemas Miene zeigte angemessene Überraschung.

»Um ehrlich zu sein, bin ich mehr Maschine als organisch«, fuhr Lumiya fort. »Ich denke, es gibt einen Punkt, an dem eine Frau aufhört, ein Mensch mit kybernetischen Implantaten zu sein, und zu einer Maschine mit organischen Teilen wird. Ich glaube, diese Schwelle habe ich überschritten. Und weißt du, was? Ich bin darüber nicht unglücklich.«

»Ihr wollt Luke bestrafen, genauso wie wir Leia bestrafen wollen.«

Lumiya beugte sich zu Alema hinüber und packte sie am Kragen, um ihr Gesicht dicht zu ihrem eigenen zu reißen, sodass sie nicht wegschauen konnte.

»Luke scheint das ebenfalls zu denken, was ich erstaunlich überheblich finde.« Lag da ein wenig Angst in Alemas Augen? Manchmal war es interessant, selbst die Verrückte zu spielen. »Er glaubt, dass sich die Galaxis um ihn dreht, aber das glauben viele Männer von sich. Nein, mir fehlt meine Schönheit nicht, du Närrin, weil sie mittlerweile ohnehin längst verblasst wäre. Sobald ich begriffen hatte, dass meine Verletzungen mich davon befreit haben, mir Gedanken über solche Belanglosigkeiten zu machen, erkannte ich, dass ich eine Aufgabe habe, die nur ich erfüllen kann.« Sie verstärkte ihren Griff um den dünnen Stoff an Alemas Kehle. »Und diese Aufgabe ist beinahe vollendet. Wenn du mir also in irgendeiner Form in die Quere kommst, werde ich mich um dich kümmern, hast du verstanden?«

Einen Moment lang verlor Alema diesen seltsam verrückten Gesichtsausdruck und sah wie eine gewöhnliche, zurechnungsfähige Person aus, die um ihr Leben fürchtet. Lumiya war sich nicht sicher, wie sie selbst in diesem Moment aussah, doch es schien zu funktionieren.

»Wir werden ... Eure Wünsche respektieren«, sagte Alema gepresst.

Lumiya beschloss. nicht näher darauf einzugehen, doch das erforderte einige Anstrengung. Sie hatte keine Zeit für solchen Blödsinn.

»Tu dir selbst einen Gefallen«, sagte sie und ließ Alemas Klagen mit dem Rascheln von glattem Stoff, der über ihre Handschuhe fuhr, aus ihrem Griff gleiten. »Frag dich, was du abgesehen von der Tatsache, dass sie dich hässlich gemacht hat, sonst noch gegen Leia Solo hast. Falls es darüber hinaus nichts gibt, dann ist dein Streben nach Gleichgewicht reine Zeitverschwendung.«

Alema blinzelte, als hätte sie eine Ohrfeige bekommen. Vielleicht war es das erste Mal, dass jemand ihr gegenüber das Wort hässlich gebraucht hatte. Das war sie nicht; sie war gar nichts. In einer Galaxis voller grundverschiedener Lebensformen konnte Lumiya nicht über Äußerlichkeiten urteilen, und das wollte sie auch gar nicht. Es war faszinierend, wie es den einstmals Schönen so viel schlechter erging als unbedeutenderen Sterblichen, wenn Alter und Entstellung sie einholten. Das alles war bloß eine Illusion. Die Millionen Spezies in der Galaxis stimmten ohnehin nicht darin überein, was Schönheit ausmachte.

Doch Alema sah aus, als würde sie genau darüber nachdenken.

»Wir wollen Euch nach wie vor dabei helfen, Euer Ziel zu erreichen.«

»Gut«, sagte Lumiya. Die Art und Weise, wie Alema das Wort wir benutzte, nagte aus irgendeinem Grund an Lumiyas Geduldsfaden. Sie wusste, dass das ein Überbleibsel des Schwarmbewusstseins aus ihren Neunister-Tagen war, doch es stieß ihr sauer auf. »Denn wenn das, was du am meisten willst, Leia wehzutun ist, wird es ihr mehr Schmerz bereiten als alles andere, wenn du Jacen einfach mit dem weitermachen lässt, was er tun muss.«

»Wollt Ihr Leia wehtun?«

»Sie hat mir nichts getan, und ich hege keinerlei Gefühle für oder gegen sie. Möglicherweise gibt es da etwas, das du tun kannst, um mir zu helfen, etwas, worin du besser bist als jeder andere.« Appellier an ihre Eitelkeit, die ist groß genug. »Behalte Jacen für mich im Auge. Verdeckte Überwachung.«

»Das werden wir, aber könnt Ihr ihn nicht jederzeit lokalisieren, wenn Ihr es wünscht?«

»Nicht genau genug.« Lumiya mangelte es an der vollkommenen Sith-Fähigkeit, alle Teile des Puzzles zu sehen, jedes Element der Schlacht. Das blieb einem wahren Sith-Meister vorbehalten. Doch es war nicht nötig, dass sie durchblicken ließ, dass sie über weniger Kräfte verfügte, als Alema glaubte. »Ich habe nicht die Zeit, seine Bewegungen nachzuvollziehen, doch um seiner eigenen Sicherheit willen muss ich genau wissen, wo er sich zu jedem Zeitpunkt aufhält, besonders, wenn er Coruscant verlässt. Glaubst du, du schaffst das? Das ist eine schwierige, aber notwendige Aufgabe.« »Wir schaffen das.«

»Und nimm nicht das Conqueror-Schiff. Ich werde dir ein weniger auffälliges beschaffen.«

»Die orange Kugel?«

»Nein.« Alema schien Gefallen an dem Sith-Gefährt zu finden. Vielleicht lag das daran, weil sie damit kommunizieren konnte: Als Lumiya das zerklüftete Chaos in ihrem Verstand durchdrungen hatte, gewahrte sie ein Gefühl von Vereinsamung in der Twi'lek. das sie zurückschrecken ließ. »Etwas Passenderes. Und verwisch deine Spuren, wenn du verschwindest - führ niemanden zu diesem Asteroiden.«

»Observation und Meuchelmord sind unser Fachgebiet«, sagte Alema steif. »Wir sind kein Amateur.«

Lumiya führte sie durch die gewundenen Gänge, die den Asteroiden durchzogen, und brachte sie zum Notausstieg - auch wenn er hinaus in den Weltraum führte, betrachtete sie ihn dennoch als Hintertür -, wo einige kleine Schiffe in Bereitschaft standen. Einst hatte sie eine ganze Angriffsflotte besessen, doch sie war vor langer Zeit während des Yuuzhan-Vong-Kriegs verloren gegangen. Außerdem waren ihre Bedürfnisse jetzt ohnehin andere. Sie brauchte Tarnung, keine Feuerkraft.

»Da.« Sie dirigierte Alema zu einer überaus verwahrlosten Raumfähre, von der Art, die Eilboten benutzten, um wichtige Lieferungen zwischen Planeten hin-und herzutransportieren. Sie war fünfzehn Meter lang, und ein Drittel davon bestand aus einem Hyperantrieb und diskreter Bewaffnung. Eine Kurierfähre musste schnell und dazu imstande sein, sich gegen Piraten zu verteidigen, doch diese hier verfügte über einiges mehr als die üblichen Spezifikationen. Lumiya wartete darauf, dass Alema sich darüber beschwerte.

»Damit werden wir nicht auffallen«, sagte die Twi'lek, offensichtlich zufrieden.

»Du kannst den Identifikationstransponder und die Werbetafel auf hundert verschiedene Kurierfirmen umstellen.« Diese Ausstattung gehörte zwar zum Standard, doch Lumiya hatte obendrein noch einige fingierte und unauffindbare Unternehmen hinzugefügt. »Es ist nicht besonders luxuriös, aber es erfüllt seinen Zweck.«

.Alema fuhr die Luke hoch. Sie schwang von der Verkleidung weg, um eine Art Markise zu bilden. Sie spähte hinein.

»Sie hat uns alles genommen.« Die Einstiegsluke ließ ihre Stimme gedämpft klingen. Dann zog sie sich wieder daraus zurück. »Wir sind allein. Sie hat uns einsam gemacht.«

Sie schwafelt schon wieder. »Wer hat das getan?«

»Leia Solo. Sie nahm unseren Lekku, und jetzt können wir nicht mehr in vollem Umfang mit anderen kommunizieren. Außerdem hat sie die Vernichtung unseres Nests verursacht. Und sie hat uns das genommen, womit wir andere für uns gewinnen konnten - unsere Schönheit.« Offenbar hatte sie sich Lumiyas Frage durch den Kopf gehen lassen und sich Gedanken darüber gemacht, was sie wirklich antrieb. »Wir sind einsam, und wir können nie wieder richtig mit der Welt in Verbindung treten.«

Lumiya war darauf trainiert, niemals ihre Deckung fallen zu lassen, und sie war es nicht gewöhnt, Mitleid zu empfinden. Das. was sie für Alema empfand, war nicht unbedingt Mitleid, doch sie erhaschte einen abrupten und schmerzvollen Blick auf ihren Verlust, der für eine Twi'lek besonders qualvoll sein musste: Ohne beide intakte Lekku hatte sie Schwierigkeiten, mit anderen ihrer Art zu kommunizieren, Freude zu empfinden - selbst jemanden zu lieben. Die Kopftentakel waren Teil ihres Nervensystems. Und wie viel mehr Innigkeit brauchte sie, nachdem sie zu einem Teil des eng verbundenen Killik-Nests geworden war?

Alema hatte also ihre Gründe, Vergeltung zu wollen. Lumiya war sorgsam darauf bedacht, dass dieses flüchtige Aufwallen von Mitleid sie nicht dazu brachte, über die Normalität nachzudenken, die auch sie verloren hatte.

»Es tut mir leid«, sagte sie, und sie meinte es so. »Jetzt mach dir das zunutze, um dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, und warte darauf, dass deine Zeit kommt.«

Alema betrachtete die Kurierfähre und schien irgendwo ganz anders zu sein. Dann blickte sie auf den Hangarboden und schwankte ein wenig hin und her, als würde sie einer Musik lauschen. Sie hob einen Arm - der andere hing schlaff herab, gelähmt von Luke Skywalkers Lichtschwert - und schien die Bewegungen eines Tanzes durchzugehen, wobei sie sich auf ihrem verkrüppelten Fuß mit einigen Schwierigkeiten drehte.

Einen Moment lang dachte Lumiya, es wäre eine ihrer Macken. Dann wurde ihr klar, dass sich Alema an ihre Vergangenheit erinnerte und daran, wozu sie nicht länger in der Lage war.

»Wir waren eine Tänzerin«, sagte sie wehmütig, doch sie sprach mit sich selbst. »Wir liebten es zu tanzen.«

Lumiya versuchte, an all die Dinge zu denken, die sie einst gern getan hatte, in den Tagen, bevor sie in den Dienst des Imperiums getreten war, und konnte sich an nichts davon entsinnen. »Komm in die Gänge, Tänzerin«, sagte sie. »Du kannst damit anfangen, die Anakin Solo aufzuspüren.«

Die Vergangenheit spielte keine Rolle, nichts davon. Es gab allein die Zukunft.

SANVIA-VITASAFT-BAR. CORUSCANT

Mara wirbelte den Bodensatz des Erdapfel-Taublütensafts in ihrem Glas herum und trank widerstrebend, während Kyp Durron sie betrachtete. Er hatte offensichtlich irgendetwas zu sagen.

das er nicht in der Kammer des Jedi-Rats zur Sprache bringen wollte - oder vor Luke.

Und Ben hatte sich immer noch nicht gemeldet. Die Anakin Solo war vor zwei Tagen wieder auf Coruscant eingetroffen, doch es gab keine Spur von Ben. Irgendwie hatte sie gehofft, dass er sich zu Jacen begeben würde, selbst wenn ihm der Sinn nicht danach stand, mit seinen Eltern in Kontakt zu treten. Einfach bloß zu fühlen, dass er am Leben und unverletzt war. genügte nicht.

Er war ihr kleiner Junge. Es scherte sie nicht, wie viele Centerpoint-Stationen er außer Gefecht setzen konnte. Er war ihr Kind, und sie konnte diese Unwissenheit einfach nicht ertragen. Manchmal, wenn sie ihre Leben einen kurzen Moment lang durch die Augen einer normalen Mutter betrachtete, war sie entsetzt.

»Wenn ich es nicht besser wüsste«, sagte Kyp, »würde ich denken, dass du mir aus dem Weg gehst. Dem gesamten Jedi-Rat, um ehrlich zu sein.«

»Ich war bloß beschäftigt. Doch du hast mich aus einem bestimmten Grund hierherbestellt, und dabei ging es mit Sicherheit nicht darum, meinen Antioxidanspegel in die Höhe zu treiben.«

»Nun, vielleicht bin ich auch einfach nur aufmerksam, immerhin haben wir eine außer Kontrolle geratene Jedi auf der Flucht. Vielleicht kann der Rat euch in dieser Sache helfen. Du weißt schon, wenn sich die erfahrensten Jedi der Galaxis in dieser Sache zusammentun oder so.«

»Was. wenn ich sage, dass Luke und ich damit schon allein klarkommen?«

»Oh, eine Familienangelegenheit ...«

»Das zum einen«, gestand Mara. »Hinzu kommt, dass nicht alle im Rat auf derselben Seite stehen und wir nicht wollen, dass sich eine Kluft auftut.«

»Das habe ich schon mal gehört.«

»Versetz dich in Corrans Lage. Würdest du den Leiter der GA-Schlägerpolizei unterstützen, nach allem, was er Corellianern und sogar seinen eigenen Eltern angetan hat? Besser, wir klären unseren familiären Schlamassel selber.«

»Ich bin überrascht, dass Luke Jacen so lange hat gewähren lassen«, erklärte Kyp. »Als ich sagte, dass wir Jacen zum Meister machen sollten, hatte ich damit auch einen ernsten Hintergedanken. Die Leute hören auf. mit Steinen zu werfen, wenn sie selbst im Glashaus sitzen.«

»Ich denke, momentan ist nicht der beste Zeitpunkt dafür.«

»Schämt sich Luke wegen der Probleme in seiner eigenen Familie?«

Mara platzte beinahe damit heraus, dass sie Luke mehr als einmal davon abgehalten hatte, etwas gegen Jacen zu unternehmen, und dass sie das mittlerweile bitterlich bereute. Doch das war nicht die ganze Wahrheit. »Wenn ich dir sage, dass ich die eigentliche Ursache ausfindig gemacht habe und vorhabe, mich darum zu kümmern, wirst du dann Ruhe geben?«

»Und das wäre?«

»Ich werde Lumiya töten.«

»Das bringt Ben außer Gefahr, aber inwiefern hat das etwas mit Jacen zu tun?«

»Sie hat die GGA infiltriert. Ich weiß nicht, wer ihre Insider sind, doch wir müssen davon ausgehen, dass sie auch an Jacen herankommen kann. Vielleicht beeinflusst sie ihn sogar. Sie muss verschwinden.«

»Und warum dauert das so lange? Dem alten Cyborg muss doch mittlerweile das Schmieröl ausgehen. Du könntest es jederzeit mit ihr aufnehmen.«

»Luke zieht es vor, Leute lebend zu schnappen, um zu versuchen, sie wieder zur Vernunft zu bringen.« Sie konnte sich nicht dazu durchringen, Kyp zu erzählen, dass Luke auf dem Urlaubstrabanten eine zivilisierte Unterhaltung mit Lumiya geführt hatte. Sie berührt hatte - obwohl sie ihre Lichtpeitsche in der anderen Hand hielt. Er sagte, ihre Absichten wären friedvoll gewesen. Was dachte er sich nur dabei? »Und so schwach ist sie nicht, glaub mir. Ich werde kein leichtes Spiel mit ihr haben.«

»Ich werde dir helfen, wenn du Verstärkung brauchst.«

»Ich glaube nicht, dass ich die brauche, aber trotzdem danke.« Mara konnte sich die nächste Frage nicht verkneifen. »Was sagen die übrigen Ratsmitglieder?«

»Dass ihr diese Angelegenheit in den Griff bekommen müsst. Es gibt Gerede, weißt du.«

»Dann gibt es also einen Jedi-Rat mit den Skywalkers und einen Schattenrat ohne sie. Klingt, als würde sich da eine Bruchlinie bilden.«

»Nun, ihr habt euch entschlossen, loszuziehen und einer Sith auf die Pelle zu rücken, ohne euch vorher mit uns zu beraten.«

»Hätte ich dem Jedi-Rat gesagt: Hey, diese Verrückte bedroht mein Kind und hat es nach wie vor auf meinen Ehemann abgesehen, also werde ich ihr den Kopf abschneiden - glaubst du wirklich, die anderen Ratsmitglieder hätten dann höflich genickt und mir viel Glück dabei gewünscht? Das sind Leute, die so denken wie Luke, dass der Rat keine Exekutionen duldet, und das würde diese Bruchlinie schneller zu einer gewaltigen Kluft werden lassen, als ein geölter Podrenner von hier nach dort rast.«

Kyp inspizierte die Untiefen seines Safts. Er hatte sich etwas Dickflüssiges und undurchsichtig Orangefarbenes bestellt, das er nicht besonders zu mögen schien. »Also erspart ihr uns das moralische Dilemma.«

»Wenn du es so sehen willst.«

Die Vitasaft-Bar war ruhig und roch unappetitlich nach feuchtem rohem Blattwerk, wie ein Blumenladen. Vielleicht war deswegen so wenig los. doch das machte die Bar zu einem guten Treffpunkt. Niemand kannte sie hier. Die meisten der Gäste schienen Ementes zu sein, wahrscheinlich, weil sie hier sicher sein konnten, vollkommen fruchtbasierte Nahrung zu bekommen. da sie direkt vor ihren sechs Augen zubereitet wurde. Ementes hatten nicht viel Vertrauen in irgendetwas, am allerwenigsten in die Lebensmittel-industrie von Coruscant.

Wie sehr baue ich darauf, dass jeder mir vertraut?

Mara rang mit sich, weil sie ihren Mann nicht die ganze Wahrheit erzählte, sich aber einem Freund anvertraute. Das war das Problem: Sie waren alle Freunde. der ganze Jedi-Rat. Der Senat der Galaktischen Allianz konnte ganze Brocken aus sich selbst herausreißen und merkte trotzdem nichts davon, weil dort Tausende von Rivalen und Feinden und sogar Fremde saßen, doch der Rat... In vielen Fällen waren sie zusammen aufgewachsen, sie hatten zusammen gekämpft, sie waren eine Familie, und das nicht nur, weil sie alle Jedi waren.

Cilghal zitierte häufig die uralte Regel, nach der man keine persönlichen Bindungen haben sollte, doch der Rat als solches war nichts anderes als eben das.

Mara wurde bewusst, dass sie keine Taublüten mochte, sinnierte über Möglichkeiten, einer Lichtpeitsche auszuweichen, und zuckte dann zusammen, als ihr Kommlink piepte. Sie zog es von ihrem Gürtel und hob es an, um Bens Gesicht zu sehen.

»Mom, ich bin gerade gelandet«, sagte er. »Ich ...«

»Ben? Bist du auf dem Militärhafen?«

»Nein, auf dem zivilen. Galactic City. Hör zu, es tut mir leid, dass...«

»Bleib genau dort, wo du bist. Rühr dich nicht vom Fleck, okay? Wir treffen uns bei Ankunftsebene 7-B, in Ordnung?«

»Mom ...«

»Keine Widerworte diesmal. Sei einfach da.« Mara ließ das Kommlink zuschnappen und griff nach ihrer Jacke. »Wenn du vorhast. Luke davon zu erzählen. Kyp, dann lass mir einen Vorsprung.«

»Würde mir nicht im Traum einfallen, mich da einzumischen«, sagte er schulterzuckend. »Ich bin froh, dass es Ben gut geht. Vergiss nur nicht, dass Kinder klare Grenzen brauchen. Fr ist immer noch zu jung, um sich seine eigenen zu setzen.«

»Hab ich versucht«, sagte Mara und eilte mit großen Schritten zur Tür. »Und das mit seinen Grenzen hat er ziemlich gut allein hinbekommen.«

Auf dem Raumhafen bahnte sie sich ihren Weg durch die Menge, spürte Bens Aufenthaltsort. Da waren GGA-Beamte in schwarzer Montur, die in aller Öffentlichkeit operierten. Sie patrouillierten in den Ankunftshallen und in Begleitung von blau uniformierten CSK-Offizieren. Für eine Geheimpolizei waren sie ziemlich auffällig. Jacen schien Gefallen daran zu finden, potentielle Gegner durch offensives Auftreten abzuschrecken. Die Öffentlichkeit schien das auf jeden Fall zu beruhigen, ungeachtet der schwarzen Visiere, die den GGA-Soldaten die gesichts-und leidenschaftslose Ausstrahlung von Kampfdroiden verlieh.

Plötzlich war Ben da. Er saß auf dem weißen Marmorpodest der zehn Meter hohen, abstrakten Wohlstand—Statue, die einen der Stützpfeiler der zentralen Dachkuppel der Ankunftshalle bildete. Wohlstand, Fortschritt. Kultur und Frieden.

Frieden. Na, klar.

Ben sah wie jeder andere vierzehnjährige Junge aus, trommelte mit seinen Fersen müßig gegen den Marmor, blickte aufmerksam auf sein Datenpad und tippte einhändig etwas ein. Ein GGA-Soldat ging an ihm vorbei. Ben schaute auf, nickte ihm anerkennend zu und erntete dafür seinerseits ein respektvolles Nicken.

Falls Mara eine Erinnerung daran brauchte, dass Ben alles andere als ein gewöhnlicher Jugendlicher war - das war sie. Er war ein Junior-Leutnant. Er befehligte solche Soldaten. Ihr Sohn half dabei, die Geheimpolizei zu leiten.

Allerdings hatte sie in Bens Alter selbst bereits gelernt, Feinde des Imperiums lautlos und effektiv zu eliminieren, und Luke war lediglich fünf Jahre älter gewesen, als er sich der Rebellion angeschlossen hatte.

Was haben wir geglaubt, dass unser Kind werden würde? Bibliothekar?

»Hi, Mom.« Ben schob das Datenpad in seine Jackentasche. Er trat sehr verschlossen auf, als würde er eine Standpauke erwarten. »Du bist sauer auf mich, stimmt's?«

Mara hielt inne. Sie wollte ihn gleichzeitig anschreien, dass er sie zu Tode geängstigt hatte, und ihn packen, um ihn wild zu umarmen. Sie beließ es dabei, sein Haar zu zerzausen.

»Konntest du uns nicht anrufen?«, sagte sie. »Konntest du nicht zumindest Jacen sagen, wo du bist?«

Ben runzelte die Stirn. »Es tut mir leid. Ich war auf einer Mission und durfte meinen Aufenthaltsort nicht verraten.«

»Wir können später darüber reden. Jetzt lass uns zu Mittag essen.« Sie deutete in Richtung Ausgang. »Es ist alles in Ordnung. Dein Dad wird froh sein, dass du wieder hier bist. Kein Geschrei. Ich verspreche es.«

Ben glitt in für ihn untypischem Schweigen von der Statue, und sie gingen zu den Speeder-Plattformen. Mara behielt die Menge sorgsam im Auge, nicht vollkommen sicher, ob sie Lumiya erkannt oder auch nur gespürt hätte, wäre sie in der Nähe. Lumiya konnte ebenso gut einen ihrer Handlanger schicken, und sie hatte Leute innerhalb der GGA. Die größte Bedrohung war möglicherweise einer von Bens eigenen Soldaten.

»Was beunruhigt dich, Mom?«, fragte Ben.

Mara wandte ihren Blick nicht von der Menge um sie herum. Sie suchte alles ab. wie man es ihr beigebracht hatte. »In Ordnung, du kannst es ebenso gut erfahren. Lumiya versucht, dich umzubringen.«

Ben stieß ein leises Grunzen aus, das wohl seinen Unglauben zum Ausdruck brachte, und schien eher über diese Vorstellung nachzudenken, als dadurch beunruhigt zu sein. »Weil sie immer noch diese Blutfehde mit Dad hat?«

»Hauptsächlich, weil du ihre Tochter getötet hast.«

»Oh ... Okay, dann kann ich es ihr nicht einmal verübeln.«

Mara schirmte Ben ab, als er in den Speeder stieg. Das war stets ein kritischer Moment: Sie hatte mehrere Zielpersonen ausgeschaltet, als sie in Fahrzeuge gestiegen und dadurch einen Moment lang unaufmerksam gewesen waren. Die Türen schlossen sich mit dem Seufzen von Luft, dann wandte sie ihm das Gesicht zu, um ihn näher in Augenschein zu nehmen.

»Ich meine es ernst, Ben. Sie ist gefährlich und raffiniert. Bis wir sie neutralisiert haben, musst du also auf der Hut sein. Sie hat Verbindungen innerhalb der GGA. Es könnte jeder sein.«

»Wenn sie wollte, dass dieser Spion, den sie in der Garde hat. mich umbringt, wäre das längst geschehen.« Er lümmelte sich in den Beifahrersitz. »Aber ich werde vorsichtig sein. Wow, das Ganze ist ein ganz schönes Durcheinander. Jacen steht auf Fetts Abschussliste, weil er seine Tochter getötet hat, und ich habe Lumiyas umgebracht. Na, ich schätze, das bringt der Job so mit sich, oder? Man macht sich Feinde. Hey, die Jungs haben eine Wette laufen, wann und wie Fett Jacen auf die Pelle rücken wird.«

Mara war sich nicht sicher, ob Ben nur so tat, als würde er die Gefahr auf die leichte Schulter nehmen, oder ob das jugendlicher Unbekümmertheit entsprang. Doch Fett war die geringste ihrer Sorgen. »Und, worauf hast du gewettet?«

»Oh, Jacen kann es mit ihm aufnehmen. Aber es ist irgendwie seltsam, dass Fett bislang keinen Finger gerührt hat. Je länger er seine Opfer zappeln lässt, desto mehr von denen flippen aus, nehme ich an.«

»Wenn Fett kommt, um sich Jacen vorzunehmen«, sagte sie. »dann lass ihn das regeln. In Ordnung?«

Der Speeder stieg in eine der automatisierten Skylanes auf und nahm Kurs auf die Rotunda-Zone. Ben schaute schweigend aus dem Seitenfenster.

»Also, kannst du mir erzählen, worum es bei dieser Mission ging?«, fragte Mara.

Ben machte diese dreisekündige Pause, die besagte, dass er seine Worte mit Bedacht wählte. »Ich musste den Prototyp eines Raumschiffs wiederbeschaffen. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt in größerer Gefahr befunden, die ich nicht ohne Mühe handhaben konnte.«

Das war eine Erleichterung. Es war bloß eine Art Botengang gewesen, auch wenn es sie verwirrte, dass Jacen nichts davon gewusst hatte. »Und du hast deine Geburtstagsfeier verpasst.«

»Du weißt doch, was die Leute sagen. Dass man in seinem Leben an einen Punkt kommt, ab dem Geburtstage keine Rolle mehr spielen. So hat sich das angefühlt.«

»Liebling, das ist erst so, wenn du um einiges älter bist, nicht mit vierzehn.« Wenn irgendetwas Mara das Herz brechen konnte, dann war es das: Bens Kindheit war einfach so an ihm vorbeigegangen. »Ich verspreche dir, nächstes Jahr wird die ganze Familie zusammenkommen. Das kannst du dir im Kalender anstreichen.«

»Denkst du. der Krieg wird bis dahin vorüber sein?«

»Falls nicht, werden wir trotzdem eine Party feiern. Wir alle.«

»Auch Onkel Han und Tante Leia? Selbst nachdem ich versucht habe, Onkel Han zu verhaften?«

Das war die groteske Realität eines Bürgerkrieges: Ein Jugendlicher wurde losgeschickt, um seine Tante und seinen Onkel festzunehmen, und machte sich dann Gedanken darüber, ob sie zu seiner nächsten Geburtstagsparty kommen würden oder nicht. Manchmal versuchte Mara, die Tage zusammenzurechnen, an denen es nicht um Töten und Kriegsführung gegangen war. Sie wusste nur, dass es sehr, sehr wenige waren. Sie wollte, dass Bens Zukunft eine andere war.

»Ja, selbst danach«, sagte sie. »Ben. weiß Jacen, dass du wieder da bist?«

»Ja.« Er redete nicht mehr um den heißen Brei herum. »Aber das ist schon in Ordnung. Ich werde mich morgen um Null-acht- hundert zum Dienst zurückmelden. Ich war nicht unentschuldigt abwesend.«

»Ben, ich mache mir Sorgen um dich. Dein Dad und ich würden wirklich um einiges besser schlafen, wenn du die GGA verlassen und zusammen mit uns auf Missionen gehen würdest.«

Mara wappnete sich für das, was kommen würde. Doch Ben dachte eine Weile tatsächlich darüber nach, und als er sprach, war sein Tonfall ruhig und beunruhigend erwachsen - beunruhigend alt.

»Mom, musstest du jemals etwas tun, das du nicht tun wolltest, von dem du aber wusstest, dass du es tun musst?«

Das musste Mara mit Sicherheit, so viele Male, dass sie es schließlich als selbstverständlich hingenommen hatte. Und jedes Mal, ganz gleich, ob sie nun für das Imperium oder für die Neue Republik oder für wie auch immer ihr Zahlmeister sich zu nennen beliebte, gearbeitet hatte, hatte sie stets gedacht, dass es richtig war.

»Ja, Liebling, das musste ich«, sagte sie. »Aber wenn ich dann zurückblickte, musste ich manchmal feststellen, dass ich das Falsche getan hatte. Und es wird noch Jahre dauern, ehe ich weiß, ob das, was ich jetzt tue. richtig ist oder nicht.«

»Du musstest von den besten Informationen ausgehen, die dir zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung standen.«

Das war der Kommentar eines lebensüberdrüssigen Mannes, nicht der eines Jungen. Ben war Soldat. Er war das, was sie und Luke aus ihm gemacht hatten. Sie hatte einen Jedi-Sohn gewollt, und sie hatte einen.

»Nächstes Jahr«, sagte sie. »Nächstes Jahr veranstalten wir diese Party, komme, was wolle.«