20. Kapitel
Von: Sass Sikili, Unterhändler von Roche
An: Boba Fett, Mand'alor
Murkhana hat sich unseren Forderungen widersetzt. Da wir fürchten, dass dies andere dazu ermutigen wird, unsere Patentrechte zu missachten, erbitten wir Ihre Unterstützung, um deutlich zu machen, wie ernst es uns damit ist, unsere Patente zu schützen. Sehr gern würde ich die Bes'uliik in Aktion sehen. Unsere Metallurgen forschen nach Möglichkeiten, leichtere Beskar-Bauteile herzustellen, und wenn Sie die Murkhana-Fertigungsanlagen in Schutt und Asche legen, würde uns das dazu anspornen, uns in dieser Hinsicht noch mehr ins Zeug zu legen. Das wäre sehr gut fürs Geschäft.
JEDI TEMPEL, CORUSCANT
Luke stieß auf den Stufen des Jedi-Tempels beinahe mit Jaina zusammen. Er stürmte heraus, als sie hineinstürmte. Er ergriff sie am Arm und dirigierte sie wieder den Weg nach unten. »Wo ist sie hingeflogen, Jaina?«
»Onkel Luke, ich schwöre, dass ich sie nicht decke. Ich weiß es nicht, und sie reagiert auf keinen ihrer Kommlinks. Warum machst du dir Sorgen?«
Luke hielt die zerknitterte Notiz in seiner Faust. Bin für ein paar Tage jagen. Vor zwei Tagen um kurz nach Mitternacht hatte Mara einen StealthX akquiriert. Er stopfte den Zettel in seine Tasche. Das Gefühl der Furcht war überwältigend.
»Komm mit«, sagte er. »Ich muss nach ihr suchen. Irgendetwas stimmt nicht. Und Ben ist auch verschwunden. Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl dabei, als wäre sie in eine Falle gelaufen.«
Ben war nicht bloß verschwunden, Luke konnte ihn auch nicht mehr in der Macht wahrnehmen. Und auch Mara konnte er nicht mehr fühlen. Er hatte jeden angefunkt, einschließlich Han und Leia, und es war ihm kriffling noch mal egal, ob die GGA ihn dafür einsperrte, Kontakt zu corellianischen Agenten aufgenommen zu haben, die mit Haftbefehl gesucht wurden.
Er hatte erwartet, dass Jacen auftauchen und ihn entsprechend ermahnen würde, doch der war laut Niathal »geschäftlich unterwegs«. Der GGA-StealthX war wieder weg. Es hatte den Anschein, als würde Jacen kommen und gehen, wie es ihm beliebte. Und er war mittlerweile die ganze Zeit über in der Macht unsichtbar.
Luke winkte einem Lufttaxi, und sie machten sich auf den Weg zum Raumjäger-Oberkommando.
»Seit ich das Militär verlassen habe, hab ich dort mehr Zeit zugebracht als damals, als ich noch eine Uniform trug«, sagte Jaina.
»Kannst du sie fühlen, Jaina? Kannst du Mara fühlen?«
Sie schaute leicht an Luke vorbei, dann schüttelte sie langsam den Kopf. »Nichts.«
»Ich habe sie jetzt schon seit Stunden nicht mehr gespürt.«
Im Raumjäger-Oberkommando begaben sie sich zum Kartenraum. Luke hatte festgestellt, dass er sich Karten ansehen und dabei deutliche Zusammenhänge in der Macht auffangen konnte - etwas, für das Ben, wie er bewiesen hatte, ebenfalls Talent hatte. Er stand vor den Reihen der Holokarten und versuchte, sich genügend zu entspannen, damit die Macht seine Aufmerksamkeit lenkte. Er bemühte sich ganz bewusst, nicht daran zu denken, wohin Mara seiner Meinung nach vielleicht geflogen war.
Nach einer Weile, als die leuchtenden Linien und Ansammlungen von Punkten zu verschwimmen begannen und ihre Perspektive verloren, merkte er, dass er sich besonders zu einem Sektor hingezogen fühlte.
»Ich bin sicher, sie ist im Hapes-Sternenhaufen«, sagte er schließlich.
Als Luke zum ersten Mal gespürt hatte, wie Mara aus der Macht verschwand, war das so plötzlich und unkontrolliert geschehen, dass er geglaubt hatte, sie wäre getötet worden. Er war voller Panik aufgewacht. Es hatte drei Sekunden reiner, gequälter Paralyse gedauert, bis sie wieder aufgetaucht war und dann wieder verschwand, und da war ihm klar geworden, dass sie das mit Absicht machte.
»Ironischerweise wäre es besser gewesen, wenn sie einen normalen X-Flügler genommen hätte«, sagte Jaina. »Die Raum-jäger-Technikfreaks sagen, dass es beinahe unmöglich ist, einen StealthX mit den üblichen Suchmethoden zu orten.«
Sie hatte recht. Sofern niemand Fünf-Alpha zufällig zu Gesicht bekam oder Mara einen Peilsender oder ein Kommlink eingeschaltet gelassen hatte, war der Raumjäger einfach verschwunden.
Alles, was ihnen blieb, war eine visuelle Suche - entweder das oder Mara selbst zu finden. Luke machte sich auf den Weg zu den Hangars, und Jaina folgte ihm.
»Wie bergen wir dann StealthX-Jäger, die notlanden mussten?«, fragte Luke und versuchte, seine Frustration nicht an der hart arbeitenden Bodenbesatzung auszulassen.
Der Techniker trat von dem Raumjäger zurück. »Mittels Rettungs-signal oder der guten alten Rauch-und Feuersäule, die sich über der Absturzstelle erhebt, Sir«, sagte er vorsichtig. »Die GA hat Incom darum gebeten, sie sehr schwer aufspürbar zu machen, und das haben sie getan.«
»In Ordnung, ich werde aufhören, Leute zu belästigen, die zu arbeiten haben, und fliege selbst da raus.« Luke war klar, dass Mara auf der Jagd nach Lumiya war, und deshalb würde sie jeden Trick aufbieten, den sie kannte.
Plötzlich war Mara da, nicht bloß zurück in der Macht, sondern sie verstärkte ihre Präsenz, als wolle sie, dass man sie fand. Sie wirkte trotzig, furchtlos und brannte darauf, zu kämpfen. Kein Zweifel, sie hatte Lumiya gefunden.
»Aber warum tut sie das?« Jaina hatte ihre eigene Jagd, die nach Alema, doch sie war begierig darauf, bei der Suche nach Mara zu helfen. »Es ist, als würde sie Lumiya verspotten.«
»Oder sie steckt in Schwierigkeiten und will, dass ich sie finde.«
»Nein.« Jaina schloss einen Moment lang die Augen, konzentrierte sich. »Fühlt sich nicht an wie ein Hilferuf. Fühlt sich nach ... einem Kampf an.«
Luke entschied, Tenel Ka darüber zu informieren, dass er auf dem Weg war, als reine Vorsichtsmaßnahme. 18 Standardstunden Flugzeit. Angesichts der Anzahl der Planeten im Hapes-Sternen- haufen würden vermutlich selbst die Hapaner um einiges länger brauchen, um einen StealthX in ihrem System aufzuspüren, doch je mehr Augen dort draußen Ausschau hielten, desto besser.
Luke versuchte, gelassen zu wirken, als er ins Cockpit kletterte. Jaina stand da und schaute zu ihm auf.
»Ich weiß, dass ich offiziell außer Dienst gestellt bin«, sagte sie, »aber falls jemand die Genehmigung dafür erteilt, wäre ich gern dabei. Bitte.«
Luke winkte dem Bodenpersonal zu. »Danke.«
»Es ist Lumiya, um die wir uns Sorgen machen sollten.« Jaina versuchte, ihn zu beruhigen. »So wie ich das sehe, will Mara geflochtene Skalps sammeln, so wie Fett.«
Luke wusste, dass sie versuchte, ihn zum Lachen zu bringen, und er versuchte, ihr den Gefallen zu tun. Doch der Name Fett erinnerte ihn daran, dass so ziemlich jedes Mitglied seiner Familie, Solos oder Skywalkers, ganz oben auf irgendjemandes Heute-töten-Liste stand.
Luke wollte nicht, dass jeder ihn liebte. Er wollte bloß eines Morgens aufwachen und feststellen, dass man die, die ihm am Herzen lagen, in Ruhe ließ, damit sie ihr Leben weiterführen konnten. Wenn Mara nach Hause kam - Skalps oder keine Skalps, Krieg oder kein Krieg -, würde er für sie beide einen Urlaub buchen, irgendetwas angenehm Ereignisloses.
Er zerknüllte die Notiz, die sie für ihn zurückgelassen hatte, und zwängte sie in eine Spalte am Cockpit-Armaturenbrett. Die Triebwerke der StealthX erwachten wimmernd zum Leben.
Diesmal würde es anders laufen als auf Hesperidium.
KAVAN
Jacen hatte erwartet, mit einer wütenden Mara fertigwerden zu müssen, nachdem er Ben getötet hatte, nicht davor.
Er suchte immer noch nach Bedeutungen und Mustern in den Ereignissen um ihn herum, und er entdeckte in sich selbst eine nahezu verbissene Bereitschaft, es mit allem aufzunehmen, was immer ihm an Hindernissen in den Weg gelegt wurde, um zu prüfen, ob er es wert war. zu einem Sith zu werden.
Werde ich die Prüfung erkennen? Und woran?
Es musste etwas sein, das die Beschaffenheit der Galaxis veränderte. ein Wendepunkt.
Unterdessen forderte Mara ihn heraus, machte deutlich, dass sie sich in den Tunneln befand, die tiefer unter der ländlichen Gegend von Kavan verliefen, erklärte ihm, dass sie immer noch eine erstklassige Attentäterin sei und dass sie es mit jedem auf nehmen könnte - mit ihm. der die Macht vollständig beherrschte.
Sie war eine hervorragende Attentäterin, doch verglichen mit seinen waren ihre Machtfähigkeiten plump. Sobald Jacen sie ausgeschaltet hatte, würde es einfacher sein, mit Ben fertigzuwerden. Und Luke ... Auch er würde diese Brücke überqueren, wenn seine Zeit kam.
Jacen überprüfte seinen Waffengurt, seine Taschen und seine Halfter und beschloss, Mara den Gefallen zu tun. Lumiya und Ben schienen sich anderswo eine Machtprobe zu liefern. Es passte alles. Lumiya musste zum Schweigen gebracht werden, denn sie kannte sein Geheimnis, und Ben würde das erledigen. Es war eine saubere Sache. Das war die Nahrungskette.
Jacen lud vier vergiftete Pfeile in einen modifizierten Blast er und schob die anderen in Schlaufen an seinem Gürtel, während er sich fragte, wie er so seelenruhig über solche Dinge nachdenken konnte. Er näherte sich der Tunnelöffnung mit langsamer Vorsicht. Den Grundriss des Tunnelsystems konnte er erspüren, doch Mara war wieder aus der Macht verschwunden. Über seinem Kopf war noch etwa ein Meter Platz, als er mit Bedacht durch den Haupttunnel schlich, und ungefähr auf Hüfthöhe konnte er waagerechte Schächte abzweigen sehen. Die Schächte dienten dazu, Regenwasser abfließen zu lassen; in rauen Wintern hatten die hiesigen Kavani hier unten ihre Notfallquartiere aufgeschlagen.
Jacen blieb stehen und lauschte.
»In Ordnung«, sagte er. »Ich weiß, dass du mich hören kannst, Mara. Noch ist es nicht zu spät für dich, hiermit aufzuhören.«
Seine Stimme hallte wider. Er erhielt keine Antwort, genau wie er erwartet hatte, also begann er, tiefer in das Labyrinth der Ablauf-kanäle vorzudringen, das Lichtschwert in seiner rechten Hand und den Blaster in der anderen. Das einzige Licht um ihn herum war jetzt ein grüner Schleier von der glühenden Energieklinge.
»Ich könnte einfach zurückgehen«, sagte er ruhig, »den Eingang zu diesem Komplex mit brennbarem Material blockieren und es in Brand stecken.« Sie konnte ihn hören, kein Zweifel: Er konnte tief in den Tunneln Wasser tropfen hören. Der Schall wurde durch die engen Röhren verstärkt, selbst wenn es schwierig war, den Ursprung auszumachen. »Und da diese Tunnel über Luftauslässe verfügen, würde dich der Kamineffekt ausräuchern, dich ersticken oder dich sogar rösten.«
Schweigen.
Er hielt lauschend den Atem an.
KRACK!
Sein rechtes Knie explodierte mit blendendem Schmerz, als Mara wie eine Kanonenkugel und von der Macht unterstützt waagerecht aus einem Seitenkanal schoss und sein Bein mit ihren Stiefeln am Gelenk erwischte, um die Sehnen zu zerreißen. Nachdem er in dem engen Gang sein Gleichgewicht schreiend verlor, fand er sich eine Sekunde lang eingezwängt und hieb mit seinem Lichtschwert um sich. Mara ließ sich auf den matschigen Boden fallen, um dem Lichtschwert auszuweichen, dann sprang sie auf und sprintete durch den Tunnel davon.
Das war kein guter Anfang. Jacen fluchte und lief ihr nach, während er Endorphine dazu zwang, sein Bein zu betäuben, und sich vor Augen hielt, dass sie ihm eine Falle stellte. Sie wollte ihn auf engem Raum haben, ihn festnageln, ihn einpferchen.
Falls sie glaubte, die Tunnel würden die Chancen ausgleichen, irrte sie sich. Er würde sie hier begraben.
Mara fand die perfekte Falle am Ende einer der unterirdischen Wasserkanäle. Sie konnte Jacens rennende Schritte vernehmen, doch sie hatte gute fünfzig Meter Vorsprung vor ihm.
Ab hier wurde die gewölbte Decke niedriger, und selbst Mara musste geduckt laufen. Das war nicht der richtige Ort, um ein gewöhnliches Lichtschwert zu schwingen. Die Tunnel waren in einem erbärmlichen Zustand, und hier und dort sackten die Ziegel-bogen bereits ab und brachen zusammen.
Dann verstummten seine Schritte, und auch in der Macht war er nicht zu spüren. Er wollte ihr seine Position nicht verraten. Nun gut. Sie entdeckte ein rostiges Metallblech von etwa einem halben Meter Breite und legte es sorgsam über die Kieselsteine auf dem Tunnelboden, sodass er darauf treten und sie akustisch alarmieren würde, wenn er diesen Punkt erreichte. Mithilfe der Macht schwächte sie die Stützbogen vor und hinter der Metallplatte, doch sie hinderte sie - ebenfalls mittels der Macht - daran, zusammen-zufallen.
Sie würde sie oben halten und warten, bis er auf die Platte trat...
Jacen nachzustellen würde nicht funktionieren. Man durfte nicht zulassen, dass er die Umstände bestimmte.
Sie würde ihn in dieser Falle fangen, ihn bewegungsunfähig machen - und dann töten.
Das war nicht schön, und es würde die Öffentlichkeit zweifellos nicht so begeistern wie eine Kampfvorführung mit Licht - Schwertern an der Akademie, doch der Zweck heiligte ihrer Meinung nach jedes Mittel.
Sie konnte ihn atmen hören und das Summen seines Lichtschwerts, als er vorwärts schlich und immer wieder sprang und sich umdrehte, um sicherzugehen, dass sie nicht hinter ihm war. Dann hörte sie. dass er die Klinge nicht mehr so häufig umherschwang. weil ihm der Platz knapp wurde.
Natürlich war sie ebenfalls gefangen, wenn man von den Ventilationsschächten alle fünfzig Meter absah. Sie würde nur über seine Leiche hier wieder rauskommen - und das im wörtlichen Sinne.
Mitleid mit Leia drohte sie zu überschwemmen, doch sie erstickte das Gefühl. Es würde sie nur schwächen.
Jacens Stiefel knirschten über Ziegelwerk. Er war ungeduldig. Sie war ihm im Weg, hielt ihn auf, während er eigentlich etwas anderes weiterverfolgen wollte.
Knirsch ... Knirsch ... Knirsch ...
Wenn sie richtig lag, würde er gleich auf diese rostige Platte treten.
Schepper!
Mit einer gewaltigen Machtanstrengung, die ihr den Atem raubte, ließ sie beide Bereiche des Tunnels einstürzen, vor und hinter der Platte. Sie hörte ihn nicht aufschreien. Selbst in der feuchtkalten Umgebung hier unten füllten feine Trümmerwolken die Luft und ließen sie würgen.
Mara wartete, eine Hand über Mund und Nase, das Shoto gezogen, und lauschte in die Macht.
Da war Wimmern und das Poltern der letzten fallenden Ziegel. Sie ging nicht davon aus, dass die Trümmer ihn schwer verletzt hatten, aber um ihn zu verschütten und bewegungsunfähig zu machen, müsste es reichen. Er war nicht tot - noch nicht.
Sie wartete schweigend, selbst eine nicht existierende Präsenz, bis sie keine Bewegungen mehr wahrnehmen konnte.
In Ordnung. Schauen wir mal, was ich noch tun muss, um das hier zu Ende zu bringen.
Ein Arm war alles, was aus den Trümmern hervorragte. Durch eine faustgroße Lücke konnte sie das feuchte, blinzelnde Funkeln eines Auges und ein blutbeflecktes Gesicht sehen. Die Hand streckte sich nach ihr aus, die Finger gespreizt, blutig und zitternd. Andere Leute hätten vielleicht den Drang verspürt, diese Hand zu ergreifen, aber das war ein alter und zudem abgenutzter Sith-Trick, den sie selbst nur allzu häufig angewandt hatte.
Sie nahm ihren Blaster und richtete ihn einhändig auf das Auge, den Zeigefinger am Abzug. Mit der anderen Hand hielt sie das Shoto bereit, für den Fall, dass sie ihm den Gnadenstoß versetzen musste.
Sie fühlte sich so losgelöst und ruhig, wie sie es als Hand des Imperators nie gewesen war.
»Sag meiner Mom, dass es mir leidtut ... dass ich sie enttäuscht habe...«, flüsterte Jacen.
»Das weiß sie auch so«, sagte Mara.
Und drückte ab.