15. Kapitel

Hierbei geht es um mehr als bloß darum, Chaos und Durcheinander hinter sich zu lassen. Ich muss die Ursachen für Chaos und Durcheinander ausmerzen - Gier, Korruption und Ehrgeiz.

Jacen Solo, gemeinschaftlicher GGA-Staatschef,

während einer Rede auf einem Bankett für die Chefs der

Coruscanti-Industrie

BEVIIN-VASUR-FARM, MANDALORE

Mirta legte ihren Finger an die Lippen, und die drei bezogen rings um die Tür Position, als würden sie sich bereit machen. Fetts Festung zu stürmen.

»Ich werde nachsehen«, sagte sie zu Orade. Beviin blinzelte ihr zu. Medrit schaute einfach weiter auf seine Uhr. »Du kannst dich hinter mir verkriechen, wenn du möchtest.«

Orade leckte sich nervös die Lippen. »Cyar'ika. Fett sagt, er will mir die Beine brechen, also sucht er doch bloß nach einem Vorwand dafür.«

»Er ist ein kranker Mann, Ghes, und wenn du es irgendwem erzählst, werde ich diejenige sein, die sie dir bricht.«

Ghes Oracle hätte sich, nur mit einem spitzen Stock bewaffnet, einer kanonenstarrenden Chiss-Flotte entgegengestellt und über seine Überlebenschancen gelacht, doch vor ihrem Großvater hatte er höllische Angst. Mirta fragte sich, ob all ihre zukünftigen Liebeleien dazu verdammt waren, großzügig mit eiskaltem Wasser gelöscht zu werden, weil jeder mittlerweile wusste, dass sie eine Fett war. Sie lehnte an der Scheunentür - das Gebäude hatte einst als Trockenschuppen gedient und zwei verärgerte Gesichter wandten sich ihr zu.

»Was macht ihr da mit ihm?«, wollte sie wissen. »Hatte er einen Rückfall oder so was?«

Fett atmete schwer, als hätte er große Schmerzen, die Hände gegen die Brust geballt, das Gesicht weiß und wächsern. Eine Frau, die sie noch nie zuvor gesehen hatte, stand über ihm, hielt eine großkolbige Spitze mit langer Nadel hoch ins Licht und überprüfte den Zylinder. Ein anderer Mann in einem Sammelsurium verschiedener Rüstungsteile stand mit dem Rücken zur Tür. Er drehte sich nicht um.

»Jaing hat sein Versprechen gehalten«, sagte Fett atemlos. »Oder er lacht als Letzter, weil er mich gerade vergiftet. Wir werden sehen.«

»Es gibt einen langsameren und weniger schmerzhaften Weg, das hier dorthin zu kriegen, wo es hinmuss«, sagte die Frau und schnippte mit ihrem Finger gegen die Spritze, damit sie keine Luftbläschen mit verabreichte. »Aber angesichts des Zustands, in dem du dich befindest, Mand'alor, sollten wir keine halben Sachen machen. Direkt in dein Knochenmark. Zwei Spritzen.«

»Tu's einfach.« Er nahm die Hände von seiner Brust und teilte sein Hemd. Mirta war überrascht, wie knochig er war: In einer kompletten Rüstung sah er so fit und stark aus. Sie wollte nicht, dass irgendjemand sonst ihn so sah. »Ist das das Beste, was Mandalore mir zu bieten hat? Eine Tierärztin, die ihren Arbeitstag ansonsten damit zubringt, dass ihr Arm in einer ...«

»Glaub mir, ich ziehe es vor, Neris zu behandeln. Halt still Oder ich verfehle den Punkt und punktiere eine Lunge. Oder Schlimmeres.«

»Wie lange wird das dauern?«

»Mand'alor, weißt du. was die alternative Stelle am Brustbein für dieses Verfahren ist?«

»Verblüff mich.«

»Der Beckenknochen.«

Fetts Miene blieb ausdruckslos, doch er sagte kein Wort mehr. Er schaute einfach nur weg, so als würde er sich nur deswegen grämen, dass sein Zeitplan durcheinandergeraten war. Doch Mirta kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu erkennen, dass er entsetzliche Schmerzen hatte. Sie riskierte es, vorzutreten und ihre Hand um seine zu schließen. Er nahm ihre ebenfalls Sie glaubte, er würde ihr jeden ihrer Fingerknochen brechen, als die Tierärztin die Nadel ansetzte - so dick, dass Mirta das Loch in der Spitze sehen konnte - und sie fest in sein Brustbein stieß, als würde sie ein Nuna zum Rösten aufspießen.

Es gab ein schreckliches Mahlen. Orade schluckte laut.

»Wenn du in Ohnmacht fällst oder dich übergeben musst, Sohn, geh und mach das draußen«, sagte die Tierärztin gereizt. »Wenn das hier danebengeht, brauchen wir etwas Analgetika. Wo bewahrt ihr das auf?«

»Vergiss es«, sagte Fett. »Ich will wissen, was du mit mir an stellst.«

»Ist schon okay, Ba'buir«, flüsterte Mirta. »Du kommst wieder in Ordnung.«

»Wenn der Sarlacc mich nicht umbringen konnte, wird sie das auch nicht.«

Die Tierärztin, ganz lächelnde Drohung, schob die Spritze zum Nachfüllen in eine Glasampulle. »Die letzte. Schließ die Augen, und denk an Mandalore.«

Über die Schulter warf Mirta einen Blick auf den Mann in der bunten Rüstung, der gerade den Helm abnahm.

»Sorg nur dafür, dass er nicht stirbt, bevor er etwas Nützliches für Manda'yaim getan hat«, sagte er. »Wenn es funktioniert - und das sollte es -, dann wird er in ein paar Tagen die ersten Anzeichen der Besserung zeigen.«

Er ähnelte Fett - und Jaing - sehr, und die Ähnlichkeit war verwirrend. Der Kiffar-Teil von ihr, der, dem Blutsbande wichtig waren, sagte ihr, dass er zu ihrer Familie gehörte. Während des Krieges kamen Klone weit herum. Vermutlich hatte sie noch eine Menge mehr genetischer Verwandter, als sie bisher gedacht hatte.

Fett quetschte wieder Mirtas Finger, gab aber keinen Laut von sich.

Die Tierärztin richtete sich auf und öffnete eine Flasche mit einer scharf riechenden Flüssigkeit, um sich die Hände zu säubern. »Normalerweise klopfe ich meinen Patienten anschließend aufs Hinterteil und lass sie weitergrasen. Aber da du es bist, spare ich mir das und rate dir stattdessen, es einen oder zwei Tage lang ruhiger angehen zu lassen. Mach dich auf einen großen Bluterguss gefasst.«

Fett schenkte ihr ein stummes Nicken der Dankbarkeit, als sie ging, und schloss sein Unterhemd. Dann schaute er zu Mirta auf. »Sag hallo zu deinem Onkel Venku.« Er deutete auf den Mann in der kunterbunten Rüstung, der sie immer noch nicht zur Kenntnis genommen hatte. »Auch Kad'ika genannt.«

Auf einmal ergab alles einen Sinn. Kad'ika musste der Sohn eines Klonkriegers sein. Es musste dort draußen eine Menge von ihnen gegeben haben, und sie fragte sich, wie viele von ihnen irgendwelche gesellschaftlichen Umgangsformen oder Sinn für Humor hatten oder ob sie alle nach ihrem Ba´buir kamen.

»Ich trage bloß meinen kleinen Teil zur mandalorianischen Einheit bei«, sagte Venku lind setzte seinen Helm wieder auf, als wäre ihm ihre eingehende Musterung unangenehm. »Es wäre nicht gut, wenn der Mandalor ausgerechnet dann ins Gras beißt, wenn es mit uns wieder bergauf geht.«

Er beugte sich über Fett und legte zwei Finger auf dessen Halsschlagader. Mirta erwartete, dass ihr Großvater ihn dafür niederschlagen würde, dass er es wagte, Hand an ihn zu legen, doch er betrachtete einfach mit müßiger Neugierde die verschiedenen Platten aus beskar'gam und ließ es über sich ergehen.

»Deine Herzfrequenz ist hoch«, sagte Venku. »Ruh dich etwas aus.«

»Feldsanitäter, was?«

»Ja, sie sagen, ich hätte eine heilende Ader.« Mirta fand das schwer zu glauben. Venku richtete sich auf. »Falls es irgendwelche Probleme gibt, sag den Leuten in Cikartans Tapcafe in der Stadt Bescheid. Sie wissen, wie man mit mir in Kontakt tritt.«

Venku ging zur Tür. Bevor er an ihr vorbeistrich, blieb er stehen und tippte mit dem Finger gegen das um ihren Hals hängende Feuerherz. Offenbar machte er sich niemals Gedanken darüber, dass ihm mal jemand eine scheuerte.

»Interessant«, sagte er.

Er war ein Windhund, ein Mann, der Dinge beschaffen konnte - und offenbar auch Informationen. Einen Versuch war es wert.

»Es ist ein Feuerherz«, sagte sie, »Es gehörte meiner Großmutter. Ich brauche einen vollblütigen Kiffar, der mir dabei hilft. die Erinnerungen zu lesen, die darin eingeprägt sind.«

Er zögerte einige Sekunden. »Die Mando'ade kommen von allen möglichen Orten. Falls ich jemanden treffe, der den Stein lesen kann, lasse ich es dich wissen.« Dann war er fort.

Orade stupste Beviin an. »Na los. Sag's ihm. Das wird ihn glücklich machen - okay, zufriedener. Zufriedene Leute genesen schneller.«

Fett legte seine Rüstungsplatten wieder an. »Was soll mich glücklich machen?«

Beviin stellte das selige Lächeln eines Mannes zur Schau, der genug Vorräte für den Winter gebunkert hatte und ein großes Mahl genoss. »Yomaget möchte dir etwas zeigen.«

Fett grunzte. Er war der verschlossenste Mann, den Mirta kannte, doch er wirkte vage enttäuscht. »Er hat den Bes'uliik raumtauglich bekommen, nicht wahr?«

»Futsch ist die Überraschung.«

»Es ist der Gedanke, der zählt.« Er stand auf und verwandelte sich von ihrem kranken Babuir schlagartig in Boba Fett, skrupellos und unbarmherzig. Doch er marschierte nicht sofort mit großen Schritten zur Tür hinaus. Sie vermutete, dass er die Auswirkungen der Behandlung spürte, doch das hätte er niemals zugegeben, nicht einmal vor den Leuten, die genau wussten, was los war. »Wo ist es?«

Beviin deutete zur Decke und bot Fett den Arm an, den dieser jedoch ignorierte.

Mirta suchte immer noch nach einem Grund, Fett nicht zu hassen, und sie war bereit, ziemlich tief in ihrem Inneren danach zu suchen. Sie beschloss, dass sie damit anfangen konnte, ihn für seinen schieren Schneid zu lieben. Nichts beunruhigte ihn, nichts hielt ihn auf, und nichts brachte ihn dazu, sich selbst zu bemitleiden. Sie standen draußen vor der Scheune und warteten schweigend. Vor dem Hintergrund der Slave I, die ganz in der Nähe im Horizontal-modus stand, wirkte das Gebäude wie eine winzige Hütte.

Ein dumpfes Grollen unterbrach den ländlichen Frieden.

Fett schaute auf, als ein mattschwarzer Keil über den Himmel schoss und hinter einem bewaldeten Hügel verschwand. Mirta verlor das Schiff aus den Augen, aber dann kam es in einem Bogen zurück, stoppte etwa zweihundert Meter über ihnen abrupt in der Luft und sank auf Nachbrennern geschmeidig nach unten. Es landete auf seinem abgeflachten Heckabschnitt und fuhr dann Stützen aus, um sich um neunzig Grad zu neigen und wie ein gewöhnlicher Raumjäger waagerecht zum Stehen zu kommen. Die Kanzel hob sich, und Yomaget kletterte heraus, glitt zu Boden und küsste den matten Rumpf.

»Cvar'ika«, sagte er zu dem Schiff und fuhr zärtlich mit einer Hand über die Außenhülle. »Ich glaube, ich bin verliebt.«

»Hübsch«, sagte Fett.

»Da hat das uliik in Bes'uliik jede Berechtigung.«

»Ja, ich sehe, dass es ein Biest ist. Was wurde geändert?«

»Wir haben die mikronisierte Beskar-Außenhaut hinzugefügt, Mand'alor. Das Baby ist jetzt eine abgehärtete shabuir. Kann's kaum erwarten, sie den Verpinen zu präsentieren.«

»Es wird ihr Interesse wecken.«

»Wenn sie ihre Ultraflechttechnologie mit uns teilen, gelingt es uns vielleicht, das Flugwerk leichter zu machen und es noch für den Atmosphärenflug zu verbessern. Wenn wir das Schiff komplett mit solidem Beskar ummanteln, wird es zwar unverwundbar, aber schwer sein.«

»Dann behalten wir die schweren. Möglicherweise fällt den Verpinen eine bessere Lösung des Treibstoffproblems ein.«

»Nun, wenn du nicht vorhast, eine Spritztour damit zu übernehmen, mache ich das«, sagte Medrit. Er kletterte hoch auf den Flügel und glitt ins Cockpit. Es sah aus, als würde er es ganz und gar ausfüllen. »Shab, ein Mando-Verpinen-Angriffsjäger. Das wird denen auf Coruscant einige schlaflose Nächte bereiten.«

»Sofern wir das Erz schnell genug abbauen und verarbeiten können.«

Yomaget wirkte hoffnungsvoll. »Wir könnten diese hilfreichen Insektoidenburschen bitten, uns eine oder zwei Orbitalfabriken auszuborgen.«

»Ich werde mich mit ihnen treffen«, entgegnete Fett. »In dieser Sache müssen wir langfristig denken. Es gibt keinen Grund, Roche zu früh zu viel in die Hand zu geben.«

Medrit verbrachte die nächste Stunde damit, den Bes'uliik—Prototypen kreuz und quer über die ländliche Gegend von Keldabe zu scheuchen, während der Rest von ihnen zuschaute. Yomaget zeichnete die akrobatischen Flugmanöver mit seinem Holorekorder auf und wirkte zufrieden.

»Vielleicht sollten wir diese Holoaufnahmen ein paar Kontaktleuten zuspielen«, schlug er vor. »Wir sind nicht unbedingt das bescheidenste Volk, oder?«

»Erinner sie auch daran, dass der Großteil unserer erwachsenen Bevölkerung einen Jäger fliegen kann«, sagte Fett. »Das reicht für den Anfang.«

Er ging wieder zurück in die Scheune. Er hatte nicht mal gelächelt, aber Beviin wandte sich an Mirta und sagte: »Glaub's mir, das ist ein glücklicher Mann.«

Vielleicht war er besser darin, Stimmungen zu beurteilen, als sie. Die Zeiten änderten sich. Der Rest der Galaxis mochte sich gegenseitig zu Klimp schießen, doch der Mandalore-Sektor war nach mehr als einem Jahrzehnt trostloser Existenz eine Oase der Zuversicht.

In dieser Nacht stieß Mirta im Oyu'baat—Tapcafe auf jede Menge neuer Gesichter, und der Gesang war laut und lärmend.

Wäre anstelle einer Nerf-Keule Jacen Solo, der Mörder ihrer Mutter, langsam über dem offenen Feuer des Oyu'baat gegrillt worden, hätte Mirta sich vielleicht sogar zu ihnen gesellt.

SENATSGEBÄUDE, CORUSCANT

Jacens Dienst-Luftspeeder brachte ihn hoch zum Haupteingang des Senats. Er hätte das Gebäude auch über eine Vielzahl Plattformen betreten können, doch er hatte nicht die Absicht, sich durch die Hintertüren hineinzuschleichen. Er wollte gesehen werden und das heroische Bild aufrechterhalten, das viele von ihm hatten.

Draußen vor den Türen, durch die Besucher zu den Zuschauergalerien gelangten, wartete eine Reihe von Bürgern. Einige wollten sich lediglich das Tagesgeschäft ansehen, aber es gab eine kleine Gruppe, bei denen es sich eindeutig um Demonstranten handelte. Das erkannte er nicht nur an den Transparenten mit der Aufschrift LASST OMAS FREI, das drei von ihnen trugen. Der Geschmack von Zorn strömte in die Macht, deutlich trotz des ständigen Hintergrunds aus Furcht und Unsicherheit.

»Setzen Sie mich hier ab«, sagte er. »Ich gehe den Rest.«

»Die werden Sie belästigen. Sir«, sagte der Gran-Chauffeur. »Ich sollte Sie besser direkt hoch in Ihr Stockwerk bringen.«

»Sie haben ein Recht darauf, zu sehen, wer sie regiert.« Es war ja nicht so, als könnten sie ihm irgendetwas antun. »Ich bin der Meinung, dass miteinander reden für gewöhnlich hilft, Missverständnisse auszuräumen.«

Jacen hatte zumindest einen Massenprotest oder einen Aufstand erwartet, den man mit Wasserwerfern und Dispersions-Gas auflösen musste. Der GGA-Geheimdienst hatte daraufhin gewiesen, dass corellianische Agenten, die nach wie vor auf Coruscant operierten, ihr Bestes taten, dass es dazu kam. Doch überraschen-derweise wurde der Regimewechsel von der Bevölkerung allgemein akzeptiert. Der Handel an der Börse war für einige Stunden ausgesetzt worden, und einige Aktienkurse hatten eine Achterbahn-fahrt hingelegt. Doch der Verkehr floss immer noch, die Geschäfte waren voller Lebensmittel, das HoloNetz-Programm war nicht unterbrochen worden, und alle erhielten ihren Lohn.

Sofern man nicht Cal Omas oder ein Bürgerrechtsanwalt war, sah man die Militärregierung als befristet und notwendig an. Immerhin befanden sie sich nach wie vor im Krieg.

Ich sollte eine Studie hierüber schreiben: Wie man den Staat übernimmt. Indem man lächelt, sich widerstrebend gibt und dafür sorgt, dass der Verkehr weiterfließt.

Außerdem ging es bloß um Coruscant. Die übrigen GA-Welten gingen ihren planetaren Angelegenheiten weiterhin so nach, wie sie es für richtig hielten, unbehelligt, und das bedeutete, dass es keine Notwendigkeit gab, die Flotte und weitere Verteidigungsstreitkräfte zu entsenden, um auf Tausenden anderer Planeten die Ordnung aufrechtzuerhalten. Alles, worüber sich Jacen und Niathal Gedanken machen mussten, war Coruscant, weil die politische und strategische Wirklichkeit nun mal so aussah, dass Coruscant die GA war und die GA Coruscant.

Der Rest der Allianz ist Kleinkram. Ich gebiete über ihr Herz und ihren Verstand.

»Guten Morgen«, sagte Jacen. Die Gruppe der Demonstranten sah ihn mit einem kollektiven, langsam aufdämmernden Oh-er-ist-es-wirklich—Ausdruck an. Selbst ein Gesicht zu erkennen, das so regelmäßig auf HNE zu sehen war wie seins, dauerte ohne entsprechenden Zusammenhang einen Moment. Er streckte ihnen die Hand entgegen, und ein Mann schüttelte sie tatsächlich. Die meisten Spezies reagierten wohlwollend auf versöhnliche Höflichkeit. »Ich wollte Ihnen lediglich versichern, dass Meister Omas eine penibel-faire Anhörung erhält. Außerdem haben wir ihn nach Hause gehen lassen.«

Wenn Bürger so erzürnt waren, dass sie brüllten und wirkten, als wollten sie von CSK-Schwergewichten davongeschleift werden. waren sie vollkommen vor den Kopf geschlagen, wenn das Objekt ihrer Wut ihnen Gehör schenkte. Jacens geduldiges Lächeln traf auf verwirrte Überraschung. Ein paar CSK-Beamte begannen herüberzuspazieren, vermutlich in der Erwartung von Ärger, doch Jacen dirigierte sie mit ein wenig Macht-Einfluss in eine andere Richtung, und sie blieben ein paar Meter entfernt stehen, um alles im Auge zu behalten.

Wichtiger jedoch war der HNE-Nachrichtendroide, der auf dem Senatsplatz umherrollte. Hier war immer mindestens einer im Dienst, hielt sich einfach bloß hier auf, um Archivaufnahmen zu machen, doch diesmal bekam er eine richtige Story. Aus dem Augenwinkel heraus verfolgte Jacen, wie der Droide näher kam.

»Es spielt keine Rolle, wie Sie das hinstellen!«, rief die junge Frau, die ein Ende des LASST OMAS FREI-Transparents hielt. »Die GA wird jetzt von der Oberbefehlshaberin der Streitkräfte und dem Leiter der Geheimpolizei geführt, und niemand hat Sie gewählt!«

Jacen brachte einen Ausdruck leicht verletzter Unschuld zu stände. »Sie haben recht, ich habe nicht für dieses Amt kandidiert, was auch der Grund dafür ist, warum ich nur so lange gemeinschaftlicher Staatschef bleiben werde, wie ich es muss. Möchten Sie sich vielleicht etwas umschauen? Im Gebäude viel leicht?«

Die Frau sah ihn argwöhnisch an. »Es gibt immer einen Haken.«

Der Nachrichtendroide war nun direkt hinter ihnen. Manch mal legte die Macht ihm Dinge in die Hand, die er leicht für sich nutzen konnte. Mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass ihm alles in den Schoß fiel, und er musste nur reagieren, genau wie Lumiya ihm gesagt hatte, statt ständig alles zu analysieren.

»Ihre Entscheidung«, sagte Jacen. »Ich möchte Ihnen bloß das Büro des Staatschefs zeigen. Will sonst noch jemand mitkommen?«

Die Sicherheitswachen waren darüber nicht glücklich, aber was Jacen wollte, bekam er auch. Er führte eine umherstreifende Gruppe Demonstranten, Tagesbesucher und den HNE-Droiden durch die glitzernde Empfangshalle und fuhr mit ihnen mit dem Turbolift hoch in jenes Bürostockwerk, in dem die Öffentlichkeit praktisch nie Zutritt hatte, dem Sitz der galaktischen Regierung selbst.

Einige Beamte im Korridor schauten zweimal hin, gingen dann aber wieder ihren eigentlichen Aufgaben nach. Niathal musste auf den Überwachungsholokameras gesehen haben, wie er hereinkam, weil sie in der Lobby umherspazierte, zwei Datenpads in den Händen. Jacen begrüßte sie mit einem Lächeln und ging vor zur geschnitzten Doppeltür der Büroflucht des Staatschefs.

Die Türen waren versiegelt. Das hellgelbe Klebeband mit dem CSK-Siegel und der Beschriftung BETRETEN VERBOTEN war allenfalls eine kosmetische Maßnahme, machte die Situation jedoch wesentlich deutlicher als das unüberwindliche, aber unsichtbare Elektroschloss.

»Das ist Staatschef Omas' Büro«, sagte Jacen über den Kopf des HNE-Droiden hinweg. Er trat beiläufig zurück, damit der Droide eine bessere Aufnahme von ihm bekam, als er dieser zufälligen Schar Wahlberechtigter die Sachlage erklärte. »Es ist dem gewählten Staatsoberhaupt vorbehalten. Es bleibt versiegelt, bis jemand gewählt wurde, der es bezieht. Weder ich noch Admiralin Niathal haben dort unser Quartier aufgeschlagen. Das bedeutet uns sehr viel.«

Das Problem mit Mon Cals war, dass man nie zu sagen vermochte, ob sie mit den Augen rollten oder bloß Notiz von etwas nahmen. Allerdings rollte Niathal vermutlich mit ihren. Jacen konnte spüren, dass sie sich auf seine Kosten lustig machte.

Die kleine Menge murmelte und machte »Oh« und »Ah«. Es war ein perfekter Moment für die Medien. Den Demonstranten schienen die Worte zu fehlen, doch Jacen war erpicht darauf, dass sie nicht beschämt wirkten.

»Ich hoffe, wir konnten Sie beruhigen.« Sie stecken hier ebenfalls bis zum Hals mit drin. Admiralin Niathal. »Und ich bin froh, dass auch Sie jetzt wissen, dies hier zusammen mit uns durchstehen zu können. Es gibt keinen Grund für Krieg und Unruhe, wenn es uns gelingt, uns wie eine Demokratie zu verhalten, selbst wenn die Situation mal schwierig ist.«

Die nervösen Sicherheitsleute, die beschlossen hatten, ihm zu folgen, zeigten der Gruppe den Weg nach draußen. Alle waren entweder zufrieden oder zumindest besänftigt.

Jacen spürte, wie Niathals Blick ein Loch in ihn bohrte. »Das letzte Mal, dass ich etwas so Glitschiges und Öliges gesehen habe«, sagte sie, »war, als die Ocean Leck geschlagen ist und sich ein ganzer Schmierölspeicher über den Heckwaffenstand ergoss.«

»Aha. Dennoch hatten Sie vollkommen recht, dieses Büro zu versiegeln. Keiner von uns sollte es haben.«

»Ich bin dafür, alles zu teilen.«

»Genau wie ich«, sagte Jacen.

»Dann lassen Sie uns versuchen, künftig gemeinsam vor die Medien zu treten, was meinen Sie? Sie sollten nicht so publicitysüchtig auftreten, Jacen. Die Bürger könnten Ihre Motive missverstehen.«

»Ich bin hier, um der Galaxis zu dienen«, entgegnete Jacen und meinte es so, wie er es sagte.

»Auf Coruscant mögen Sie damit durchkommen, aber Ihr Charme eilt Ihnen nicht unbedingt voraus.« Niathal winkte ihm.

ihr zu folgen. »Ich habe Senator G'Sil in meinem Büro und die Senatorin von Murkhana, Nav Ekhat. Mit unserer neuen Politik sind wir auf unerwartete kleine Schwierigkeiten gestoßen.«

Ekhat sah nicht aus wie eine Frau, die eine erholsame Nacht hinter sich hatte. Sie wartete nicht, bis Jacen sich gesetzt hatte, ehe sie in eine Tirade verfiel, für die sie offensichtlich bereits lange, bevor er und Niathal hereinkamen, Dampf angestaut hatte.

»Wie ich höre, konzentrieren Sie Ihre Streitkräfte auf den corellianischen und den bothanischen Sektor«, begann sie und stieß ihren Finger in Richtung einer Holokarte in der Mitte des Konferenztisches. »In was für eine Lage bringt uns das?«

»Erläutern Sie uns Ihre Bedenken«, bat Jacen.

»Das neue Abkommen zwischen Roche und Mandalore.«

»Und Sie fühlen sich dadurch bedroht?«

»In Anbetracht des Zustands unserer Beziehungen zu Roche, ja. Wussten Sie nicht, dass wir Meinungsverschiedenheiten bezüglich unserer Exportmärkte haben?«

G'Sil beugte sich vor. »Anders ausgedrückt, beschuldigen die Verpinen Murkhana, einige ihrer gewinnträchtigsten Waffensteuer-systeme nachgebaut zu haben, damit gegen ihre Patentrechte zu verstoßen und billige Imitationen zu verkaufen, um ihre Märkte zu untergraben.«

»Anders ausgedrückt«, wiederholte Ekhat spitz, »mögen die Verpinen keinen gesunden Wettbewerb. Jetzt haben sie mit Mandalore ein Abkommen zur gegenseitigen Hilfe und technischen Zusammenarbeit unterzeichnet. Das ist die Käfer-und-Schläger-Show.«

Jacen sah, wie sich Niathal fast unmerklich in ihrem Sessel bewegte, und spürte ihre Verärgerung. Jeder, der die Verpinen als Käfer abwertete, nannte die Mon Cats wahrscheinlich ebenso geringschätzig Fische.

»Befürchten Sie, dass dieses Bündnis Ihre Sicherheit unmittelbar bedroht?«, fragte Jacen. »Denn falls die Verpinen ernst haft verstimmt wären, verfügen sie über jede Menge Militärgerät. um sich zu behaupten, ohne Keldabe um Unterstützung bitten zu müssen.«

»Die Verpinen haben vielleicht das Material«, sagte sie, »doch sie setzen es nur selten aus reinem Groll ein. Für die Mandalorianer allerdings ist Krieg eine Art Nationalsport.«

»Aber hierbei geht es um mandalorianisches Eisen«, mischte sich Niathal ein. »Die Verpinen wollen nur unter Lizenz verbesserte Rüstungen und Schiffe produzieren.«

»Nein, sie wollen auch den ... Schutz der Mandalorianer.«

»Warum?«, fragte Jacen erstaunt, denn er ging nicht davon aus, dass Murkhana die Absicht hatte, Roche anzugreifen.

»Sie fürchten, dass die Kämpfe auf Kern Stor Ai auf ihren Hinterhof übergreifen könnten, und sie sind eine Beute, die sich für ein im Krieg befindliches System womöglich als zu verführerisch erweist.«

»Wo ist da der Zusammenhang?«

»Wenn die Mandalorianer jemanden beschützen, schießen sie dabei meist übers Ziel hinaus, Colonel. Es ist ein kleiner Schritt, bis sie ausrücken, um die Kemi zurückzuschlagen und uns einen ... Disziplinierungsbesuch abzustatten.«

Niathal stand auf und ging um den Tisch herum, um sich die Holokarte aus verschiedenen Blickwinkeln anzusehen. »Und? Verstoßen Sie gegen die Patentrechte der Verpinen?«

»Unserer Ansicht nach nicht«, antwortete die Senatorin. »Allerdings sind die Produkte sich sehr ... ähnlich.«

»Wissen Sie, ich bin mir nicht sicher, ob wir Truppen entsenden sollten, um Handelsstreitigkeiten zu schlichten. Wir befinden uns im Krieg, und Pflicht der Mitgliedsplaneten ist es, mit ihren Miliärressourcen die allgemeine Verteidigung der Allianz zu unterstützen. Das ist einer der Gründe, warum der ehemalige Staatschef jetzt der ehemalige ist - weil er bereit war, in dieser Hinsicht Zugeständnisse zu machen.«

»Als Mitglied der GA erwarten wir Unterstützung, wenn wir angegriffen werden.«

»Roche ist eine neutrale Welt«, merkte Jacen an. »Würden Sie attackiert, müssten wir die Situation auswerten, aber ich habe das Gefühl, dass diese Angelegenheit zunächst an die interplanetaren Zivilgerichte verwiesen werden müsste.«

»Also wollen Sie sagen, dass wir auf uns allein gestellt sind.«

Jacen wollte an diesem Tag den netten Offizier spielen, während Niathal ziemlich gut darin war, den bösen zu geben. »Ich sage, dass Sie versuchen sollten, diesen Disput auf anderem Wege zu klären, anstatt gleich mit den Säbeln zu rasseln. Aber ...« Die Gerüchte über einen neuen mandalorianischen Angriffsjäger kamen ihm in den Sinn. Das an sich war schon interessant genug, aber wenn dieser neue Jäger in Zusammenarbeit mit den Verpinen entstand, musste die GA einen Eindruck davon bekommen, wozu er imstande war. Er beschloss, Niathal zu widersprechen. »Aber vielleicht würde die Präsenz eines GA-Geschwaders und einer Fregatte Roches Bereitschaft erhöhen, Ruhe zu bewahren und die Angelegenheit mit Ihnen noch einmal auszudiskutieren.«

Niathal drehte sehr langsam den Kopf, um Jacen anzustarren. Er war sich über das Risiko, das er einging, im Klaren.

»Sollten wir tatsächlich überschüssige Ressourcen haben, werden wir das in Erwägung ziehen«, sagte sie.

»Roche hat uns gewarnt, dass sie unmittelbare Maßnahmen ergreifen werden, wenn wir die Herstellung der umstrittenen Produkte nicht beenden.« Ekhat schaute alle drei der Reihe nach an, als wollte sie jeden von ihnen dazu herausfordern, das Wort Nein laut auszusprechen. Dann erhob sie sich und nahm ihre Aktenmappe auf. »Also sollten Sie das bitte lieber früher als spät er in Erwägung ziehen, bevor Sie eine weitere Rim-Welt verlieren. Und damit meine ich keinen Austritt.«

G'Sil sah Ekhat hinterher, als sie hinausstolzierte, dann zuckte er mit den Schultern. »So viel dazu, dass die mandalorianische Bedrohung die kleinen Planeten dazu bringt, überstürzt in unsere schützenden Arme zu eilen. Cha.«

»Sie überstürzen es«, sagte Niathal. »Und das ist das Problem. Wenn man mitbekommt, dass wir jedes Mal einen Sternenzerstörer losschicken. sobald ein Mitgliedsstaat irgendwelchen lokalen Unfrieden hat, öffnen wir die Schleusentore - nicht, dass sie sich nicht bereits öffnen würden. Die Taktik lautet, die großen Jungs zu brechen, die nicht nach den Regeln der GA spielen wollen, andernfalls brechen überall in der Galaxis Feuer aus, die für die nächsten Jahrzehnte brennen werden.« Jacen wappnete sich für das, was kommen würde. »Und, Colonel Solo, Sie werden keine Flotteneinheiten entsenden, ohne die Angelegenheit vorher mit mir zu besprechen.«

»Ich habe nichts entsandt. Ich habe lediglich das Einleuchtendste angemerkt.«

»Und auch damit bin ich nicht einverstanden.«

»Wäre es nicht nützlich, einen Vorwand zu haben, um raus ins Rim zu ziehen und einen Blick auf diese neuen mandalorianischen Raumjäger zu werfen?«

»Falls sie überhaupt schon welche gebaut haben.«

»Ich sage, wir sollten zumindest ein paar Schiffe hinschicken, wenn wir kein komplettes Geschwader entbehren können. Wenn wir eine der Fregatten aus dem bothanischen Raum abziehen, bringt sie das ohne Umwege in Reichweite von Murkhana.«

»Sind Sie sicher, dass Sie Mandalore provozieren wollen?«, fragte G'Sil. »Das Ganze hat jetzt diese zusätzliche persönliche Dimension, und das Letzte, das wir brauchen, ist, dass Fett dies zu einer Vendetta gegen den Rest der Allianz macht. Um ehrlich zu sein, war seine Neutralität bislang ein Bonus.«

»Ich bin mir sehr wohl darüber im Klaren, dass Fett weder verschwunden ist, noch dass er die Sache mit seiner Tochter vergessen hat«, entgegnete Jacen. »Aber er ist viel zu clever, um seine Truppen zu vergeuden, nur um eine Privatfehde zu führen.«

Mandalore war schon immer ein Problem gewesen und würde es auch immer sein. Nun, das Problem war nicht groß genug, um eine galaktische Bedrohung darzustellen, aber auch nicht so klein, dass man es außer Acht lassen oder leicht aus der Welt schaffen konnte.

Widerstandsfähig im Chaos und die Ursache für Chaos...

Es war der Umstand, dass sie so etwas wie das dritte Element in einem Zweier-Universum waren, der die Mandalorianer zu einem solchen Störfaktor machte. Das Universum war dual, zweipolig, beherrscht vom Gleichgewicht zwischen Gegensätzen, ob das nun die Dunkelheit und das Licht oder Aktion und Reaktion waren. Doch Mandalore war ein zusätzlicher Pol und hatte von Natur aus einen destabilisierenden Einfluss.

»Man müsste sie einfach bezahlen, dass sie zu Hause blieben«, sagte Niathal und sammelte ihre Datenpads ein, um zu gehen. »Das wäre eine dauerhafte Lösung. Solange sie ihre gelegentlichen therapeutischen Kämpfe kriegen, um ihre Aggressionen abzubauen, sind sie zufrieden. Und das gilt genauso für deren Frauen.« Sie ging zur Tür. »Ich muss Flottenkommandanten instruieren. Schade, dass wir nicht an Fett herantreten können. um zu sehen, ob er es sich in Bezug darauf, sich aus der Schlacht herauszuhalten, anders überlegt hat.«

»Käme es nicht einer Beleidigung ihrer Ehre gleich, sie dafür zu bezahlen, nicht zu kämpfen?«, fragte Jacen.

»Ich denke, Sie verwechseln sie mit irgendwelchen anderen kriegsverrückten Wilden. Sie würden es als Schutzgeld betrachten. Sie sind Pragmatiker.«

»Gäbe es doch bloß für alle Kriege so einfache ökonomische Lösungen.«

G'Sil lächelte reumütig. »Nun. die meisten Kriege werden aus ökonomischen Gründen geführt.«

»Dieser nicht«, sagte Jacen. »Bei diesem geht es um Ordnung. Um Verantwortlichkeit.«

Niathal und G'Sil sagten nichts, aber er sah, was sie dachten, nämlich dass er allmählich exzentrisch wurde oder vielleicht den Dreh nicht ganz raus hatte, wie man Politik auf hoher Ebene betrieb. So oder so besagte ihre Reaktion, dass er nicht dasselbe Spiel spielte wie sie, und damit hatten sie recht.

Doch alles lief zu reibungslos ab. Keine Aufstände, keine Protestwelle, mit Ausnahme von ganz wenigen Medien, deren Zielgruppen ohnehin aus politischen Minderheiten bestanden, und den üblichen Verdächtigen in den Bürgerrechts-und Freiheitsfraktionen. Zumeist strahlten die Medien nur endlose Analysen Omas' Amtszeit aus, so als wäre er gestorben, doch die große Mehrheit der Coruscanti handhabte das Ganze eher so, als wäre Omas in Ungnade gefallen und nicht durch einen Militärputsch abgesetzt worden.

Da ein Jedi im Spiel war, wirkte der Regimewechsel in den Augen der Öffentlichkeit wesentlich positiver.

»Ich hatte erwartet, diese Woche Barrikaden stürmen zu müssen«, sagte Jacen. »Was haben wir richtig gemacht?«

»Wir haben die Normalität aufrechterhalten«, sagte G'Sil und bediente sich auf interessante Weise des Wortes wir. »Jeder andere Politiker ist im Amt geblieben. Lediglich die Leute an der Spitze der Regierung haben gewechselt.«

Ordnung. Es dreht sich alles um Ordnung. Dies ist ein Mikrokosmos der gesamten Galaxis, der Probelauf dafür, wie meine Herrschaft seinerzeit sein wird. Ruhige Normalität für die Mehrzahl.

Doch Jacen war besorgt, dass sich das Ganze möglicherweise als die Ruhe vor dem Sturm erwies. Er dachte an Tenel Ka und Allana, und der Drang, sie zu besuchen, solange er es noch konnte, war überwältigend. Lumiya hatte gesagt, er müsse auf diese Stimmen hören und nicht über die Dinge grübeln, wie es gewöhnliche Lebewesen taten.

»Ich brauche 48 Stunden frei«, sagte er. »Um Versäumtes nachzuholen. Sie werden mich doch nicht ausbooten, während ich fort bin?«

Niathal wirkte nicht amüsiert. »Wenn Sie zurückkehren, wird Boba Fett in Ihrem Büro sitzen.«

»Ich vertraue Ihnen bedingungslos«, behauptete er. Zumindest vertraute er darauf, dass sie nicht dumm war. Lumiya konnte ein wachsames Auge auf die Situation haben, während er nach Hapes reiste.

Boba Fett. Das war ein Damoklesschwert, dessen Faden immer noch zu reißen drohte, und obwohl das nichts war, was ihn des Nachts nicht schlafen ließ, fand er Fetts ausbleibendes Bestreben nach Blutrache beunruhigend. Jacen setzte die Mandalorianer auf die Liste der Probleme, für die er eine Lösung finden musste, sobald er zum Sith-Lord geworden war. Vader hatte ihnen zu seiner Zeit die Stirn geboten - Jacen würde es ebenfalls tun.

Auch das war Teil seines Schicksals.

KURORT LEUCHTENDE GÄRTEN, DRALL,
CORELLIANISCHES SYSTEM

»Also - immer noch kein neuer Premierminister?«, fragte Mara.

»Du gehst ein großes Risiko ein, indem du hierherkommst«, sagte Leia. »Nein, ein Triumvirat der Vorsitzenden der drei größten Parteien führt Corellia, bis sie ein neues Opfer finden... Tut mir leid, ich meine, einen neuen Kandidaten. Zwei Tote innerhalb weniger Monate dämpfen offenbar den Enthusiasmus der Bewerber.«

»Nun, in Sachen Effizienz geht der Punkt an uns. Zumindest stehen nur zwei an der Spitze der Allianz.«

»Sehr Sith-mäßig.«

Mara würgte beinahe. Das war überhaupt nicht komisch. Wusste Leia etwas?

»Mara, bist du in Ordnung?«

»Ich denke, mein Zusammenstoß mit Lumiya hat dafür gesorgt, dass ich auf dieses Wort allergisch reagiere.« Mit einem Schal um ihr Haar war Mara lediglich eine weitere Menschenfrau in mittleren Jahren, die zusammen mit einer Freundin den Kurort genoss. Sie wanderten den Säulengang voller exklusiver Geschäfte und Schönheitssalons entlang, und Mara fand es nach wie vor befremdlich, dass irgendwer ein normales Leben führen konnte, während ihres - und die so vieler anderer - von den Turbulenzen des Krieges beherrscht wurde. Da wirkte Normalität irgendwie obszön. »Ich musste dich von Angesicht zu Angesicht sehen. Du willst doch sicher nicht, dass Jacen dich festnimmt, sobald du einen Fuß auf Coruscant setzt, und du weißt, dass er das tun würde. Wo ist Han?«

»Er macht mit Lando eine Besorgung. Wo ist Luke? In Anbetracht der Tatsache, dass wir Mädels uns allein unterhalten, wittere ich ein heikles Problem.«

Es gab keinen Grund, um den heißen Brei herumzureden. Mara hatte so viele Beweise, wie sie brauchte, doch es ging bei der Sache um Leias Sohn. Leia hatte bereits Anakin verloren. Mara musste sich absolut und vollkommen sicher sein. Sich zu 99 Prozent sicher zu sein, reichte nicht.

»Jacen«, sagte sie.

»Wie immer.«

»Ich weiß nicht, wie ich dir das sagen soll.«

»Schieß einfach los.«

»Er ist außer Kontrolle. Ich meine, richtig außer Kontrolle.«

»Oh-oh. Ich gebe zu, dass es schwierig ist, den eigenen Sohn im Auge zu behalten, indem man sich die Nachrichtenberichte über seinen jüngsten Griff nach der Macht anschaut.«

»Wie nimmt Han es auf?«

»Nicht gut - gelinde gesagt. Er ist hin-und hergerissen. Einerseits würde er ihn am liebsten verleugnen, und andererseits redet er darüber, sich mit ihm zu treffen, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen. Weißt du, manchmal glaube ich, das wird ihn noch umbringen.«

Mara stellte fest, dass es nicht die Gewissheit über Jacens Schuld war, wonach sie suchte, sondern irgendeinen Grund dafür zu behaupten, das alles wäre Lumiyas Werk und dass Jacen wieder zu seinem alten Selbst zurückfinden konnte, wenn man sie aus dem Verkehr zog.

Was auch immer Jacen im Laufe der Jahre zugestoßen war - und keiner wusste, was ihm während seines fünfjährigen »Studienurlaubs« wirklich widerfahren war -, von diesem alten Selbst schien nichts mehr übrig zu sein, das man wiederherstellen konnte.

Wäre er nicht mein Neffe und nicht Leias Sohn, würde ich dann trotzdem versuchen, einen Grund dafür zu finden, nichts gegen ihn zu unternehmen?

Nein.

»Bist du sicher, dass du dich gut fühlst, Mara?«

Leia war eine der wenigen Leute, die Mara jemals wirklich bewundert hatte. Abgesehen von Luke war sie so ziemlich die ein zige Person, von der Mara wusste. dass sie niemals zusammen brechen würde, ganz gleich, wie schlimm die Dinge wurden. Doch sie konnte sich trotzdem nicht dazu durchringen, Leia vor den Kopf zu schlagen und ihr einen vollständigen Überblick über Jacens Verbrechen zu geben.

Ja, es waren Verbrechen. Es gab kein anderes Wort dafür.

»Ich möchte dich etwas fragen, Leia, und wenn du anschließend nie wieder mit mir sprechen willst, würde ich das verstehen.«

»Das hier läuft nicht auf irgendeine Pointe hinaus, oder? Du meinst es ernst.«

»Du hast keine Ahnung, wie ernst.«

»Dann hör auf, drum herum zu reden.«

»In Ordnung ... Denkst du, Jacen ist beeinflussbar genug, um von Lumiya kontrolliert zu werden?«

Ich hätte ihr zuerst alles andere sagen sollen. Ich hätte ihr von Nelani erzählen sollen und wie er Ben dazu gebracht hat. Gejjen zu ermorden, und von seinem kleinen Schwätzchen mit seiner Sith-Freundin und von der Tatsache, dass er zu glauben scheint, mein Sohn wäre entbehrlich.

Und was die Sache mit dem Schüler betraf - was für eine Art Schüler schwebte Lumiya denn vor? Mara stellte sich dem Unvermeidlichen und hasste sich selbst dafür, dass sie sich geweigert hatte, das alles schon viel früher zu erkennen.

»Nein«, sagte Leia schließlich. »Er ist eigensinnig, und er ist sein eigener Herr. Sie könnte vielleicht eine Art letzter Auslöser sein, in dem Sinne, dass er etwas sofort tut oder zunächst zögert, es zu tun. doch sie könnte ihn niemals dazu bringen, vollkommen gegen seinen Willen zu handeln. Damit muss ich mich wohl abfinden. Aber er ist immer noch mein Junge, und ich liebe ihn immer noch.«

Das war das Letzte, was Mara hören wollte. Sie hatte hören wollen, dass Jacen einer von denen war. die in schlechte Gesellschaft geraten waren, im Grunde ihres Herzens aber gute Kerle waren. Sie wollte einen Grund haben, die böse Lumiya zu jagen und den verblendeten Jacen zu retten, weil es einfacher war, die Galaxis schwarz und weiß zu sehen.

Doch so war es nicht ...

Würde es nicht ihre Familie betreffen, hätte sie keinerlei Skrupel empfunden. Einen Moment lang fragte sie sich, ob sie in dieser Sache so entschlossen war - diese Sache hatte bislang noch keinen Namen, keine Bezeichnung, aber sie wusste, worum es ging -, weil ihr eigener Sohn in Gefahr schwebte. Mein Sohn oder deiner. Sie hätte einfach aus egoistischem mütterlichem Eigennutz heraus handeln können. Sie hätte die ganze Palette von Jacens Untaten aufzählen können, um zu rechtfertigen, gegen ihn vorzugehen und ihr eigenes Kind zu retten.

Sie versuchte sich vorzustellen, Ben wäre tot und wie sie sich dann fühlen würde. Sie hätte damals auch Palpatine aufhalten können und hatte es nicht getan. Damit hatte ihr die Geschichte eine Lektion erteilt über späte Einsicht, und eine zweite Chance bekam man nie. Was Ben widerfuhr, würde auch den Söhnen anderer Leute widerfahren.

»Mara, ich glaube, nach dem Kampf mit Lumiya hättest du einige Tage im Bett bleiben sollen«, sagte Leia und schob ihren Arm durch ihren. »Du bist vollkommen durch den Wind. Suchen wir uns ein irrsinnig teures Restaurant und vergessen wir das Cholesterin. Lassen wir es ein paar Stunden lang ruhig angehen. Weil ich nicht 24 Stunden am Tag unter Adrenalin und Anspannung stehen kann, wie du es anscheinend tust.«

Leia, es tut mir so leid.

Ich werde Jacen aufhalten müssen. Ich muss es tun. Ich werde deinen Sohn töten müssen, weil das die einzige Möglichkeit ist, ihn noch zu stoppen.

»In Ordnung, aber ich zahle.«

»Von mir ans.«

Ein Teil von Mara war erschüttert, dass sie auch nur daran denken konnte. Leia den Sohn zu nehmen, ein anderer sagte ihr, dass es nicht bloß um familiäre Querelen ging, wenn Macht - sensible aufeinandertrafen und sich zum Kampf stellten, sondern um dynastische Schlachten, die ganze Galaxien erschüttern konnten. Der Luxus niedriger Einsätze blieb ihnen verwehrt.

»Ich mag das Fountain«, sagte Leia. »Die machen da ein Dessert, das sich Fruchtberg nennt. Es braucht zwei hungrige Frauen. um sich über einen herzumachen.«

»Klingt gut.«

Das alles war so schrecklich unwirklich. Sie saßen sich an einem Tisch aus blauweißem Diyaholz gegenüber, der mit schimmerndem, durchscheinendem Geschirr gedeckt war, und zwischen ihnen thronte eine Pyramide bunter Früchte, die von goldener Zuckerwatte zusammengehalten wurde und mit richtigem Schnee mit Zitrusgeschmack bestäubt war. In dem Moment, als sie das Dessert - jede mit einem Löffel in der Hand - in Angriff nahmen, begegneten sich ihre Blicke, und dieser erstarrte Augenblick des Entsetzens prägte sich auf ewig in Maras Verstand ein: Leia lächelte, ihre Augen voller Mitgefühl, und Mara wusste, dass Leia die Wahrheit hinter ihren nicht sehen konnte. Sie fühlte sich wie Dreck. Sie hasste sich selbst.

Du musst wissen, dass es nichts, absolut rein gar nichts gibt, dass du tun kannst, um Jacen zu retten.

Mara musste ihn ein letztes Mal zur Rede stellen. Wenn irgendjemand ihn am Abgrund aufhalten konnte, dann war es sie, weil sie damals über diesen Abgrund von der anderen Seite her geschritten war. Sie glaubte nicht, dass es klappen würde, aber sie schuldete es Leia - und Han.

Sie hatte die Absicht, ihnen Jacen zu nehmen, und sie hatten bereits Anakin verloren. Eine Familie konnte bloß ein gewisses Maß an Kummer verkraften.