Zwölf

 

Wie in jedem Glauben werden manche Botschaften im Laufe der Zeit verfälscht. Warum sollten Bindungen ein Pfad zur Dunklen Seite sein? Liebevolle Hingabe ist der Eckpfeiler jeder Zivilisation, jeder Gesellschaft, und verbindet alle Lebewesen. Wie also kann das etwas Falsches sein? Ich behaupte, dass übermäßige Fixierung – Besessenheit – zu Dunkelheit und Bösartigkeit führt. Diese blinde Gier kann jeden Bereich unseres Lebens zerstören. Vielleicht tun wir sogar schreckliche Dinge, weil wir von einem Geliebten, von Reichtum, von Macht besessen sind… oder von einem fanatischen Glauben, der uns mehr bedeutet als das Wohlergehen von lebenden, fühlenden Wesen. Versteht Ihr, was ich meine, Meister Yoda?

Meister Djinn Altis in einem der seltenen Briefwechsel mit Meister Yoda, einige Jahre vor Ausbruch des Krieges

 

 

HANGARDECK, LEVELER, EINE HALBE STUNDE VON KEMLA ENTFERNT

 

Anakin hatte es so lange, wie es ging, vor sich hergeschoben, aber jetzt musste er sich damit auseinandersetzen.

Er kraxelte im CR-20 herum und machte sich Notizen auf seinem Datapad, während er überlegte, wie das Schiff den Erfordernissen der Großen Armee angepasst werden könnte. Eine Flotte dieser Schiffe mochte nützlich sein; denn sie waren größer als die TFAT/i-Kanonenboote und verfügten über einen Hyperantrieb sowie eine stärkere Bewaffnung. Sie waren bestens für den Transport von Soldaten geeignet, wenn ein Kreuzer der Acclamator-Klasse zu groß für den Einsatz war und eins der Kanonenboote zu klein erschien und auch nicht die entsprechende Reichweite hatte. Vielleicht könnte man sie gut für Spezialeinsatztruppen benutzen. Sein Interesse war nicht gespielt, aber er gestand sich selber ein, dass die eingehende Prüfung ihn nur von dem ablenken sollte, was wirklich an ihm nagte.

Altis.

Er spürte den Mann kommen. Er hinterließ einen völlig anderen Eindruck in der Macht als jeder andere Jedi-Meister, den Anakin bisher kennengelernt hatte. Nur dieser Anflug von ruheloser Neugier fühlte sich fast vertraut an.

Anakin wartete, bis er Altis’ Schritte auf der Metallrampe hörte, ehe er sich umdrehte.

»Es tut mir leid, wegen Eurer Männer, General«, sagte Altis.

»Ja, wir verlieren viel zu viele.« Anakin legte das Datapad weg. Es hatte keinen Sinn, Altis vortäuschen zu wollen, dass er von dessen exzentrischen Einstellungen nicht aus dem Konzept gebracht war – und von einer Sache ganz besonders. »Ich weiß, dass Rex sehr durcheinander ist. Ich werde später mit ihm reden – er neigt dazu, in solchen Zeiten etwas Abstand zu suchen.«

»Und in Zeiten wie diesen seht Ihr zweifellos, wie weise es ist, Bindungen zu vermeiden. Wenn man eine zu große Zuneigung zu jemandem entwickelt, ist das der sicherste Weg, um sich Schmerz einzuhandeln.« Weiß er Bescheid?

Das war Anakins erster Gedanke. Er geriet fast in Panik.

Altis war nicht wie andere Jedi; vielleicht war er in der Lage, Dinge zu spüren, die nicht einmal Obi-Wan – ja, nicht einmal Yoda – erkannten. Seine Anhänger konnten Dinge tun, zu denen kein anderer Jedi in der Lage zu sein schien – ganz besonders auffällig war ihre Verbundenheit mit Maschinen, mit Computern. Anakin war zwar ein begabter Mechaniker; aber Callista konnte mit einer Maschine verschmelzen. Es war fast schon erschreckend.

Doch das war nicht halb so erschreckend wie die Vorstellung, dass Altis über Padmé Bescheid wissen könnte.

»Rex bedauert die Kürze ihres Lebens – genau wie ich.« Altis wirkte jetzt ein bisschen jünger. Er hatte seine Haltung leicht verändert. Die Hände lagen jetzt nicht mehr vor dem Bauch, sondern waren auf die Hüften gestützt. Irgendwie verwandelte er sich dadurch von einem Weisen in einen Kriegsveteranen. Anakin wusste, dass er das Gespräch mit ihm nicht auf die leichte Schulter nehmen konnte.

»General Skywalker, ich kannte Qui-Gon Jinn. Er war ein außergewöhnlicher Mann.«

»Er hat auf jeden Fall einen großen Eindruck bei mir hinterlassen.«

»Ich spüre, was Euch belastet.«

»Oh.« Was soll ich sagen? Er würde es natürlich niemandem erzählen. Das spüre ich. »Das ist eine ziemlich lange Liste.«

»Es ist nichts Falsches an Meinungsverschiedenheiten mit dem Jedi-Rat. Qui-Gon hatte sie genauso wie ich auch. Es ist nicht notwendigerweise etwas Schlechtes.«

»Meister… Wie viele Schüler habt Ihr unterrichtet?«

Altis zuckte mit den Achseln und schaute zur Seite, als würde er rechnen. »Wahrscheinlich Tausende. Ich bin da eher Traditionalist – bei mir ist es ganz einfach. Es hat keinen Sinn etwas komplizierter zu machen, als es sein muss. Also lehre ich gut zu sein, Gutes zu tun und gute Fragen zu stellen. Denn mehr ist es nicht.«

Anakin hätte beinahe nach Luft gerungen. Er kam sich dumm vor, dass er so schockiert war, aber er hatte keine Vorstellung davon gehabt, wie viele Anhänger Altis haben könnte. Jetzt wusste er es. Das war keine kleine, aus Verrückten bestehende Sekte.

Altis lächelte. Da lag kein Hohn in seiner Miene, nur Bedauern. Fast wirkte es so, als habe er das Gefühl, es sei für irgendetwas zu spät.

»Wollt Ihr mich denn nicht das fragen, was Ihr wirklich wissen wollt, junger Mann?«

Es war Anakins einzige Gelegenheit. Er wusste, dass er Altis wohl nicht so bald wiedersehen würde – wenn er ihn überhaupt wiedersah. Altis schien das auch zu wissen. Er wirkte so, als würde er ihm einen Rat zum Abschied geben wollen. Und er sah nicht wie ein Mensch aus, der das aus Gewohnheit tat.

»Und würdet Ihr mir dann auch eine Antwort geben?«

»Natürlich.«

»Seid Ihr verheiratet?«

Altis legte den Kopf etwas zur Seite. »Ich habe meine Frau vor ein paar Jahren verloren. Ich vermisse sie ganz furchtbar. Durch ihren Einfluss war ich ein besserer Jedi.«

»Die Bindung zu ihr hat… ganz offensichtlich nicht dafür gesorgt, dass Ihr Euch der Dunklen Seite zuwendet. Wie auch keiner Eurer Anhänger.«

»Jetzt kommen wir vielleicht zu Eurer eigentlichen Frage.«

Anakin zerbrach fast innerlich. Er spürte solch ein Mitgefühl, solch eine Ehrlichkeit und Demut bei Altis, dass er sich fragte, ob er sich ihm vielleicht doch anvertrauen konnte. Doch es war nicht Angst vor Altis, die ihn bei der Vorstellung, von seiner heimlichen Heirat zu erzählen, in Panik versetzte. Es war eher die Angst, dass er sich nie wieder damit würde abfinden können, ein Jedi zu sein – die Art Jedi, die er jetzt war, Obi-Wans Art eines Jedi – wenn er einmal offen über den Aufruhr in seinem Innern gesprochen hatte. Und er hatte keine Ahnung, wo das wohl hinführen würde.

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine habe«, entgegnete Anakin.

»Nun, wenn ich Euch eine Antwort gebe, dann braucht Ihr nicht das Gefühl zu haben, Eure Meister hintergangen zu haben, indem Ihr sie gestellt habt.« Altis setzte sich auf eines der Sicherheitsgeländer am Schott. »Ich weiß nicht, warum Meister Yoda oder eins der anderen Mitglieder des Jedi-Rates ihre Anhänger kaum auf die Tatsache vorbereiten, dass wir existieren und trotzdem nicht der Dunklen Seite zum Opfer gefallen sind. Das gilt für viele Lebewesen, seien sie nun Machtnutzer oder nicht. Aber das Problem ist nicht Bindung. Das Problem ist Besessenheit.«

Altis hielt einen Moment lang inne. Anakin spürte, dass er irgendwie erforscht wurde, dass Altis seine Gedanken gründlich untersuchte. »Bevor ich Euch also sagen kann, ob das Eingehen einer Bindung gut für Euch wäre, müsst Ihr Euch selber fragen, ob Ihr damit umgehen könntet – egal ob Jedi oder nicht.«

Anakin hätte jetzt die Rampe sofort geschlossen, sollte jemand zufälligerweise hereinkommen und damit ihre Unterhaltung unterbrechen. Er musste einfach mehr wissen. Er musste verstehen können, damit er nicht mit dem überwältigenden Gefühl nach Coruscant zurückkehrte, Yoda sofort zur Rede stellen zu müssen.

»Woran würde ich erkennen, dass ich damit umgehen kann, Meister?«

Altis zuckte die Schultern. »Könntet Ihr jemanden gehen lassen, auch wenn Ihr ihn liebt? Könntet Ihr zulassen, dass er Euch verlässt? Könntet Ihr ohne ihn leben? Wie weit würdet Ihr gehen, um zu verhindern, dass man Euch verlässt? Was würdet Ihr tun, um den anderen zu retten? Fragt Euch das, horcht in Euch hinein, und wenn eine Eurer Antworten Angst bei Euch auslöst, könnten Bindungen für Euch selbst und jene um Euch herum etwas sein, das mit Kummer und Leid belastet wäre.«

Es war einfach. Altis hatte gesagt, dass er alles gern unkompliziert hielt. Und wie mit allen leichten Dingen war das schwer zu bewerkstelligen. Anakin konnte immer noch nicht erkennen, ob Altis über Padmé Bescheid wusste, aber in Bezug auf Bindungen konnte man ihm nichts vormachen, und er vermittelte den Eindruck, als wisse er, dass Anakin damit zu schaffen hatte. Vielleicht wusste er auch, dass Anakin mit der Erkenntnis haderte, bei der Rettung derer, die ihm am liebsten waren, versagt zu haben.

Nun, Anakin wollte die Wahrheit wissen. Er war bereit, sich bis ins Innerste erforschen zu lassen.

»Ihr seid wirklich ein sehr guter Lehrer, Meister Altis.«

»Nein, eigentlich nicht«, erwiderte er. »Ich weiß nur, wie man Fragen stellt. Meine Schüler geben mir die Antworten. Also, bin ich im Grunde… selbst ein Schüler. Das werde ich immer sein. Der älteste Padawan, den es gibt. Dürfte ich Euch jetzt eine Frage stellen?«

»Natürlich.«

»Man nennt Euch den Auserwählten. Empfindet Ihr Euch als auserwählt?«

»Eigentlich nicht besonders.« Altis hatte wirklich so eine Art, ihn zu entwaffnen. Er war sich nicht sicher, ob er dies außer Padmé irgendjemand erzählt hätte. »Ich habe das Gefühl, anders zu sein. Ich passe nicht ganz dazu. Ich versuche es. Vielleicht war ich wirklich schon zu alt, als ich dazugekommen bin.«

»Callista war älter als Ihr jetzt, als sie mein Padawan wurde. Ich glaube, eine gewisse Lebenserfahrung kann einen durchaus zu einem besseren Jedi machen. Aber ich möchte nicht, dass Ihr – oder Meister Yoda – annehmt, ich würde versuchen, Euch in meine kleine Gemeinschaft zu locken. Ich rekrutiere keine Schüler.« Man sah es Altis an, wie todernst er alles meinte. Anakin verstand genau, was er ihm sagen wollte, als er seine Worte so sorgfältig abwog, wie man es nur tun konnte. »Aber wenn man Euch je aus dem Tempel werfen sollte, dann denkt daran, dass Ihr immer zu uns kommen könnt. Unsere Türen sind vor niemandem verschlossen.«

Er stand auf, ächzte vor Schmerz ein paarmal auf und legte beide Hände flach auf den Rücken.

»Ich spüre, dass Euer Padawan kommt«, sagte er. »Sie hat so etwas wie einen Kulturschock erlitten, als sie uns kennengelernt hat. Es tut mir leid, wenn Euch daraus Probleme erwachsen. Erzählt ihr einfach, wir wären harmlose Verrückte, wenn es Schwierigkeiten geben sollte.«

»Wie findet man Euch überhaupt?«, fragte Anakin. Er musste einfach fragen, auch wenn es etwas schräg formuliert war. »Zwar hatte Qui-Gon Euren Namen mal erwähnt, aber ich hatte noch nie von Eurer Gemeinschaft gehört.«

Altis berührte mit zwei Fingern die Stirn und salutierte spöttisch. »Seht einfach an den unglückseligen Orten nach, die alle anderen vergessen«, meinte er. »Dort werden wir sein und tun, was wir können.« Dann ging er die Rampe hinunter, während er sich weiter den Rücken massierte. »Vergesst nicht, Euch selber all diese Fragen zu stellen, General.«

Irgendwann merkte Anakin, dass er immer noch zur offenen Luke schaute, obwohl Altis längst verschwunden war. Vielleicht gab es ja doch eine Lösung. Der alte Meister schien mehr Antworten zu kennen, als er zugab.

Könnte ich ohne sie leben?

Würde ich sie gehen lassen?

Anakin war unbehaglich zumute, als würde er in einen Brunnen schauen, die Hände fest am Rand abgestützt, und dann merken, wie er langsam wegrutschte, während er voller Entsetzen etwas aus der Tiefe nach oben kommen sah. Er wich zurück. Vielleicht war jetzt, gerade nach einer Schlacht, nicht der rechte Zeitpunkt, sich solche Fragen zu stellen. Er würde sich mit ihnen befassen, wenn er einen ruhigen Moment zum Meditieren hatte. Dieses Gefühl, nicht hinschauen zu wollen, war… irreführend. Das musste es sein.

Altis konnte schließlich nicht in jeder Hinsicht Recht haben.

Anakin beschloss, sich sofort mit Padmé in Verbindung zu setzen und mit ihr darüber zu reden, sobald die Leveler den Hyperraum verließ.

Sie würde ihn eh nie verlassen wollen, noch würde er sie je verlassen. Altis’ Frage passte hier gar nicht richtig.

Oder doch?

 

 

TRANSFERDOCK, KEMLA-SCHIFFSWERFTEN

 

Es war immer noch Einiges zu erledigen. Callista saß mit Ash zusammen, sagte nichts, dachte viel nach und beobachtete, wie Geith sich einen spielerischen Schlagabtausch mit einem der Ryn lieferte, die ab und zu mit ihnen reisten.

»Man glaubt es kaum, dass wir gerade eine Schlacht hinter uns haben«, meinte Ash.

Die Wookieeschütze glitt auf einen der Liegeplätze im Transferdock von Kemla. Sie wirkte wie ein winziges Insekt neben der Leveler. Die Schäden, die das Angriffsschiff davongetragen hatte, wurden nun in der hellen Beleuchtung, die das Dock im Orbit in kaltes, blau-weißes Licht tauchte, deutlich offenbar. Sie schien nur noch aus Brandstellen, zerbeulten Metallplatten und fehlenden Spieren zu bestehen. Dockarbeiter waren bereits dabei, sie zu vertäuen und winzige Lotsenschiffe um sie herum zu verteilen.

Callista neigte den Kopf in Richtung des Kriegsschiffs. Die ramponierte Außenhülle füllte auf dieser Seite fast das gesamte Sichtfenster aus.

»Ach, ich glaube schon…«

»Was für ein Gefühl war es, mit dem Raketensystem zu verschmelzen?«, fragte Ash.

Callista konnte sich jetzt nur noch an kurze, strahlende Momentaufnahmen des Ganzen erinnern. Doch die maschinenhafte Klarheit war geblieben. Sie war sicher, dass das der Grund war, warum ihre Macht-Sinne sich jetzt irgendwie anders anfühlten.

»Es gab einen Augenblick, in dem ich dachte, ich würde mich nie wieder davon trennen«, erzählte sie. »Ich glaube, ich habe es eine Weile ziemlich genossen, eine Maschine zu sein.«

Aber kein Kampfdroide. Das wäre ein Schritt zu weit.

Sie dachte an Rex und fragte sich, ob sie wohl nach Joe, Boro, Hil oder Ross sehen könnte. Die Schnelligkeit, mit der während eines Krieges Bande entstanden, überraschte sie immer noch, obwohl sie eigentlich hätte wissen müssen, dass das immer so war.

»Was denkst du«, meinte sie, »verbindet ein Krieg einen mehr als eine alltägliche Freundschaft, weil das irgendwie eine Art Schutzmechanismus ist? Zieht es uns vielleicht mehr zu jenen hin, bei denen wir davon ausgehen, dass sie auch kämpfen, um einen zu verteidigen?«

»Das ist eine sehr… maschinenhafte Sichtweise.«

»Du machst dich über mich lustig!«

»Überhaupt nicht. Aber ich denke eher, dass man sich in der Not stärker verbunden fühlt, weil man den anderen dann so sieht, wie er wirklich ist – bereit zu sterben, um uns zu retten, statt wegzulaufen.«

Nicht jeder.

Nur die Guten.

»Das reicht mir schon«, meinte Callista.

Yarille war ihr nächster Halt. Es war eine Welt, für die sich keiner sonderlich interessierte. Sogar die Kämpfe dort waren kurz gewesen und schon bald verlagert worden, als wäre der Ort des Eroberns nicht wert. Der Wetterdienst der Republik verkündete, dass Yen Bachask – die am schlimmsten getroffene Stadt – einem harten Winter entgegensähe und die Schneefälle bereits begonnen hätten.

Meister Altis kam ohne jedes Anzeichen von Ungeduld auf sie zu, während sie auf das Transitshuttle warteten. Geith stellte seinen spielerischen Boxkampf mit dem Ryn-Jungen ein – sogar ein Jedi musste sich anstrengen, um dessen Abwehr zu überwinden – und ließ sich auf den Sitz neben ihr fallen.

»Ich hoffe, wir haben dem General und seinem Padawan nicht zu sehr zugesetzt«, sagte Callista.

»Ach, eine kleine Diskussion über unsere Einstellungen hier und da ist eine anregende Übung für Geist und Seele.« Altis sah zur Leveler hinüber. »Ich bin die letzten Tage in der Hinsicht auf jeden Fall ein paarmal herausgefordert worden.«

»Ich meinte damit eigentlich, dass ich nicht den Unmut des Jedi-Ordens auf uns ziehen will, Meister.«

»Ich bezweifle, dass das passiert, meine Liebe. Wir haben schließlich schon seit einiger Zeit eine Übereinkunft.«

»Aber was für eine Übereinkunft kann das sein, wenn wir glauben, dass sie in Bezug auf diesen Krieg Unrecht haben?« Callista stand auf und bot ihm ihren Sitzplatz an. »Das können wir nicht außer Acht lassen.«

Altis schüttelte höflich den Kopf und deutete auf den unteren Teil seines Rückens, um zu sagen, dass der ihm wieder zu schaffen machte.

»Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich stünde Meister Yoda nicht gelegentlich ablehnend gegenüber«, meinte er. »Deshalb frage ich mich, warum das so ist, und erkenne, dass ich mit meinen eigenen Ängsten und Dunkeln fertig werden muss. Aber wenn ich das beiseitelasse und mir das ansehe, was Geith beunruhigt, dann entdecke ich sachlichere Gründe, mir Sorgen zu machen.«

»Und was sollen wir jetzt tun?«

»Wir befassen uns mit dem, was der Krieg uns vorgibt, als gäbe es keine Jedi, die die Truppen der Republik anführen. Es geht nicht darum, auf ihrer Seite zu sein oder nicht. Wir sind auf der Seite derjenigen, die uns am meisten brauchen.«

»Dann kämpfen wir am Ende unter Umständen doch für die Republik.«

»Und es wird Tage geben, an denen wir es nicht tun.« Kurz abgelenkt, als hätte er sich selbst unterbrochen, hob Altis einen Finger. »Korrektur. An denen ich es nicht tue. Denn ich werde euch anderen in Gewissensfragen nichts vorschreiben.«

»Hat es denn keinen Sinn, mit Meister Yoda zu reden? Vielleicht nimmt er ja Vernunft an.«

»Das denkt er doch bereits, dass es vernünftig ist… Genau wie ich es auch von mir denke, aber wir betrachten die Dinge von ganz unterschiedlichen Seiten. Meinst du etwa, ich könnte ihn da beeinflussen? Das ist eine aufrichtige Frage.«

»Ich kenne ihn nicht.«

»Ich fürchte mich vor meiner eigenen negativen Energie. Aber wenn ich auch Abstand nehme von meinen Emotionen, dann bleibt doch immer noch eine Frage: Ob ein Lebewesen, das schon seit Hunderten von Jahren lebt, wirklich beurteilen kann, was für die meisten anderen, die ein viel kürzeres Leben haben, am besten ist.«

»Meister, Emotionen sind nicht von vornherein schlecht«, erwiderte Geith. »Warum wollt Ihr sie beiseitelassen?«

»Weil ich sicher sein muss, dass ich aus den richtigen Gründen eine Gegenposition zu Yoda einnehme, und was es eigentlich ist, wogegen ich bin. Eine Republik zu unterstützen, die mit Fehlern behaftet ist? Klontruppen einzusetzen? Wenn ich alles ohne Emotionen betrachte, was bleibt dann in der Realität übrig?«

»Emotionen gehören zu unserer Programmierung, die Reaktionen, die uns am Leben erhalten und uns helfen, richtig und falsch zu unterscheiden. Wenn es mich aufbringt, weil mich jemand anders so behandelt, als hätte ich keinen Wert und keine Rechte, erkenne ich daran dann nicht, dass man einen Klonsoldaten, einen Diener oder sonst wen auch nicht so behandeln sollte? Wenn es mich erzürnt, dann erzürnt es wahrscheinlich auch andere.«

»Ein guter Standpunkt, Geith, aber hüte dich vor der Annahme, dass alle so wie du reagieren.«

»Meister, ich würde mein Leben für Euch hergeben, aber ich kann nicht akzeptieren, dass wir manche anders behandeln dürfen, weil sie sich von uns unterscheiden. Dass ist nur ein Vorwand, um andere auszubeuten. Das ist der Pfad zur Dunklen Seite.«

»Das habe ich nicht sagen wollen, sondern dass das Verstehen der Motive anderer Lebewesen und die Fähigkeit, die Welt so zu sehen wie sie, der Schlüssel zu Mitgefühl, aber auch zu Erfolg in einer Schlacht ist.« Altis zerraufte Geith das Haar. »Und obwohl mich deine Ergebenheit rührt, sähe ich es doch viel lieber, wenn du ein langes, glückliches Leben führst, anderen mit gutem Beispiel vorangehst und Kinder aufziehst, die es dir nachtun. Und du auch, junge Dame.« Er tätschelte Callistas Kopf. »Genug der Aufopferung jetzt. Ein bisschen Egoismus sorgt dafür, dass man am Leben bleibt, um noch mehr Gutes für andere zu tun, nicht wahr?«

Das Transitshuttle kam in Sicht und legte mit dem Andockring am Schott an. Die Luftschleuse schloss sich, Warnlichter blinkten und die Innentüren gingen auf. Es war an der Zeit zu gehen.

»Geht schon vor«, sagte Altis. Er scheuchte sie vor sich her. »Ich warte noch auf jemanden.«

»Wenn Ihr diese Fähre verpasst, kommt die nächste erst in einer halben Stunde.«

Altis zuckte die Achseln. »Macht es euch etwas aus, auf mich zu warten?«

»Meister, wo sollten wir ohne Euch schon hingehen?«

»Ich bin nicht die Gemeinschaft. Das seid ihr. Eines Tages wird sie weitergehen und mich zurücklassen müssen.«

»Niemals.«

»Niemals ist eine lange Zeit. Wenn ihr also beschließt, meine sterblichen Überreste einem Präparator zu übergeben, um mich dann irgendwo im Schiff aufzustellen«, meinte Altis steif, »werde ich als Geist zurückkehren und jede einzelne Partie Sabacc, die ihr spielt, stören.« Er lächelte. »Ich werde warten.«

Callista blieb bis zum letzten Moment bei ihm, bis der Pilotendroide mit dem Einschalten der Warnleuchten zum Einstieg aufforderte und Ash sie, nachdem alle anderen eingestiegen waren, an Bord scheuchte.

»Es ist jemand Wichtiges«, sagte sie.

»Jeder ist wichtig für den Meister«, erwiderte Callista.

Sie starrte aus dem Sichtfenster, während das Shuttle sich auf den Weg zur Wookieeschütze machte, und sah Altis an, bis dieser nur noch ein kleiner grauer Punkt im hell erleuchteten Rund aus Transparistahl und Plastoid war.

Ja, jeder war wichtig. Und alles, was sie taten, war ebenfalls wichtig.

 

 

KABINE DES CAPTAINS, LEVELER, ORBITALDOCK, KEMLA-SCHIFFSWERFTEN

 

Gil war in ein Gespräch mit dem Aufseher der Werft vertieft, und Abschiede waren Hallena noch nie leicht gefallen.

Er würde es verstehen. Es war schließlich nicht für immer. Aber es musste jetzt sein.

Sie hatte kein Gepäck. Das brauchte sie nicht. Gils Steward und einer der Klon-Versorgungsoffiziere hatten ein paar Sachen für sie zusammengesucht – graue Flottenoveralls, Unterwäsche in Männergröße, die sie später ändern konnte, und Toilettenartikel –, die sie jetzt in einen kleinen Stoffbeutel stopfte. Sie hatte auch nicht zurückverfolgbare Credits, die sie in Barcreds umtauschen konnte. Das war das Gute daran, wenn man ein Spion war: Der Geheimdienst hatte sie gelehrt, wie man untertauchte, ohne Spuren zu hinterlassen, und ihr die Mittel gegeben, es auch zu tun und in der Anonymität zu überleben. Jetzt würde sie genau das machen. Allerdings würde sie alles auf einmal umtauschen müssen, denn auch wenn sich die Credits nicht zurückverfolgen ließen, würde sie durch regelmäßige Einlösungen Aufmerksamkeit erregen, sodass man das Konto unter Umständen sperrte.

Ich brauche wirklich nicht viel. Ich bin eine Überlebenskünstlerin.

Als sie sich in Gils Wandspiegel betrachtete, fragte sie sich, ob die Beule an ihrem Kopf in irgendeiner Verbindung zu ihrer Entscheidung stand unterzutauchen. Letztendlich war es eigentlich nicht ihr Stil: Sie hatte sich immer vorgestellt, wie sie in Isards Büro stürmte, ihm alle möglichen Namen an den Kopf warf – bis hin zum Hinterteil eines Hutts – und ihm dann sagte, wo er sich seinen Job hinstecken könne. Doch jener Tag hatte noch nicht einmal in ihrer Fantasie richtig Gestalt angenommen. Sie akzeptierte – immer widerwilliger, immer schwerer mit jedem Tag, der verging –, dass sie ihren Job vielleicht nicht mochte, doch dass er getan werden musste. Ihr Job war es, zu den finsteren Orten zu gehen, wo niemand sonst hinkonnte.

Das Problem war nur, dass sie den finsteren Ort in ihrem Innern entdeckt hatte – und das war kein Ort, an dem sie weiterleben konnte.

Es gab keinen, den sie hätte um Verzeihung bitten können, hier konnte sie nicht Buße leisten. Aber dann schaute sie nach oben, denn oben war die einzige Richtung, die ihr passend erschien.

»Es tut mir leid, Vere. Entschuldige, Ince, Shil. Bitte, verzeiht mir alle, die ihr gestorben seid, damit ich eine zweite Chance bekomme. Ich werde sie nicht verschwenden. Das verspreche ich.«

Sie hätte auch Gil um Verzeihung bitten sollen, doch die Beziehung zwischen ihnen war komplizierter, und das würde sie auch immer sein. Sie beendete den Brief – auf echtem Flimsi, ein richtiger Brief für einen Gentleman, der auf solche Dinge achtete – und versiegelte ihn vorsichtig, ehe sie einen Kuss darauf hauchte und ihn unter die Flasche mit dem Syrgeist schob.

Da würde er ihn finden.

Er war der Einzige, der ihn lesen und seine Bedeutung verstehen würde.

Und dann wüsste er, wo er sie finden konnte.

Wenn sie jetzt nicht ging, würde sie es nie schaffen, und der Republikanische Geheimdienst kannte ihren letzten Aufenthaltsort. Es war einfach korrekt, wenn sie dafür sorgte, dass Gil keine weiteren Umstände durch ihr Verschwinden entstanden.

Keine Gefangenen. Keine Geiseln. Und weil er sie liebte, würde er sie auch gehen lassen sie hatte fürs Erste keine andere Wahl.