Sechs
Nutzen Sie diese Gelegenheit! Die Republik ändert den Verschlüsselungscode in unregelmäßigen Abständen. Deshalb kann man nicht wissen, ab wann die Nachrichten für uns wieder unlesbar sein werden. Ich will alles wissen, was es über die neuen Möglichkeiten dieses Schiffes zu wissen gibt – und wenn Sie es auch noch einnehmen können, umso besser. Für Frieden auf JanFathal zu sorgen, kann auch noch ein bisschen warten.
Kommandant der Handelsföderation zu einem Captain der Separatisten etwas abseits von Fath, nachdem die aktuellen Codes der Republikanischen Flotte geknackt wurden
VERSORGUNGSSHUTTLE, IM ANFLUG AUF ATHAR
Rex hielt sich im Truppenabteil an einer der Halterungen fest und sagte sich, dass sie diesmal zumindest nicht versuchten, einen gut gesicherten Tafelberg einzunehmen.
Das hier war nur halb so verrückt.
»Ihr seid Euch sicher, dass sie noch lebt?«, fragte er.
Altis hatte genau wie Callista und Geith die Augen geschlossen, als würde er dösen. Ahsoka dagegen schien sie im Auge zu behalten, als würde sie nach etwas suchen. Rex, der der Tatsache, dass es bei den Jedi vielleicht Glaubensunterschiede geben könnte, nie Beachtung geschenkt hatte, merkte, dass er von der Vorstellung fasziniert war und es sich gern hätte erklären lassen. Aber das schien eindeutig keine gute Idee zu sein.
Coric, der auf dem Platz des Piloten saß, schaute immer wieder über die Schulter zu dem bunt zusammengewürfelten Haufen, während sie darauf warteten, dass ein Schiff der Separatisten ein Landungsboot absetzte.
»Ja, sie lebt und befindet sich immer noch in Athar«, antwortete Altis schließlich mit immer noch geschlossenen Augen.
Coric schaltete im Helm auf den internen Kom-Kanal des Trupps um. »Captain, werden Sie sich Ahsoka noch zur Brust nehmen, ehe wir landen? Und sie daran erinnern, dass sie die Seps im Auge behalten soll, nicht Altis? Wir brauchen alle Jedi bei diesem Einsatz.«
Rex fragte sich, ob Skywalker sie wohl für ein paar aufmunternde Worte zur Seite genommen hätte, aber er selber hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Er wusste nicht viel über dieses Thema Bindung, aber es reichte, um zu wissen, dass es ein Minenfeld war, um das man lieber einen großen Bogen machte. Die ARC-Truppler schienen kein Problem damit zu haben, den Jedi ihre Meinung zu sagen; doch Rex zog es vor, Dinge etwas diplomatischer zu regeln. Er konnte nicht einfach Befehle brüllen… das tat er nur in Situationen, in denen es um Leben und Tod ging.
»Ahsoka«, sagte er. Muss sie vor den anderen ja nicht Kleine nennen. »Alles in Ordnung bei Euch?«
Sie schien zu merken, worum es ihm ging, und ihr Blick richtete sich auf ihn. »Mir geht’s gut, Rex.«
»Wollt’s nur wissen.« Er nickte Altis zu. »Ich reiße dann jetzt mal das Kommando an mich, Sir.«
»Nein, schon recht, Captain, das ist Ihre Show.« Altis nickte ihm auch zu und deutete mit der Hand eine höfliche Nach-Ihnen-Geste an. »Denken Sie daran: Ich bin kein Soldat. Ich helfe nur aus, wenn es viel zu tun gibt.«
»Es tut uns leid, wenn wir Sie in eine unangenehme Lage bringen, Captain«, erklärte Callista freundlich. Rex hatte den Eindruck, dass sie eine einfühlsame Person war – eine stark unterschätzte Eigenschaft. Während sie sprach, bastelte sie an ihrem Komlink herum. »Wir sind nicht wie andere Jedi, wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist. Vor ein paar Dingen, die wir praktizieren, werden die meisten Jedi gewarnt. Man sagt ihnen, sie müssten sie meiden, weil es der Weg auf die Dunkle Seite wäre. Wir neigen dazu, für uns zu bleiben, daher können wir auf die Leute ein bisschen verwirrend wirken, wenn wir doch einmal auftauchen.«
Oh, oh, das wird kein gutes Ende nehmen…
»Kognitive Dissonanz«, sagte Altis, der die Augen wieder geschlossen hatte.
»Ist das ansteckend?«, fragte Ince. »Ich hab noch nicht alle Impfungen bekommen.«
»Und wir erlauben einem Meister, so viele Padawane zu haben, wie er oder sie es für richtig hält«, fuhr Callista fort und unterdrückte dabei deutlich erkennbar ein Grinsen. »Nicht nur einen.«
»Ist bestimmt kostspielig«, meinte Rex mit ausdrucksloser Miene. Ein Scherz entschärfte eine angespannte Situation in der Regel. »Ist aber doch sicherlich von der Steuer absetzbar, oder?«
Altis kicherte. »Ich lerne eine ganze Menge von Ihnen, junger Mann.«
Ahsoka setzte sich mit zusammengekniffenen Lippen kerzengerade auf und drehte sich zu Rex um. Sofort bekam er Schuldgefühle. »Versuchen Sie sich mal vorzustellen, was für ein Gefühl das wäre, wenn Sie in eine Schlacht gingen und keiner sich an abgesprochene Vorgehensweisen oder an das hielte, was Sie von Kindheit an gelernt haben«, sagte sie. »Sie wären doch wohl zumindest ein bisschen erstaunt, oder?«
Das Ganze war Rex viel zu abstrakt. Der Zeitpunkt war erreicht, wo dem Einhalt geboten werden musste. Er wusste, was das Problem war, aber es gab nichts, was er hätte tun können, um es zu lösen. Er konnte es nur für die Dauer des Einsatzes aufschieben.
»Okay«, entgegnete er. »Ich weiß, dass hier alle in der Lage sind, ihre ideologischen Differenzen beiseitezuschieben, damit der Auftrag erledigt werden kann. Coric, wie weit sind wir?«
»Ich erkenne eine Bewegung auf den passiven Sensoren, Sir. Auf Empfang bleiben.«
Man hörte ein einziges Kücken, als alle Klone zur gleichen Zeit auf den internen Kom-Kanal umschalteten.
»Sind die immer so, Sir?«, fragte Boro.
Ross seufzte. »Beim Training erzählte man uns immer, die Jedi wären diszipliniert.«
»Skywalker ist in Ordnung«, meinte Rex. Arme Jungs, direkt aus Kamino hierher, kein Kontakt zu irgendeinem anderen Kommandanten als ihm und dann dieser Trupp Seltsam hier. Wenn hier irgendjemand vom Schrapnell der mit der Realität kollidierenden Erwartungen getroffen wurde, dann sie. »Ich glaube diese anderen Typen hier sind auch in Ordnung. Und Ahsoka ist noch ein Kind, also macht euch keine Sorgen. Sie ist schon bei früheren Gelegenheiten mit der Situation zurechtgekommen.«
Vere überprüfte, ob sein DC-15 aufgeladen war. »Sie haben Recht, Sir.«
Coric räusperte sich nur bedeutungsvoll. Rex nahm die Kommentare weniger als Kritik denn als gesundes Sticheln unter Kriegern – eins der Rituale, durch die der Zusammenhalt gestärkt wurde. Sorgen würde er sich machen, wenn es mal keine Sticheleien gäbe.
Außenstehende bemerkten diese natürlich überhaupt nicht. Die Kaminoaner ließen Abweichungen nicht zu. Ein Klon wusste, dass er außerhalb seines engsten Kreises den Mund zu halten hatte.
»Okay, Leute, los geht’s«, sagte Coric.
Die Fähre beschleunigte. Sie hatte keine Fenster, und so konnte Rex nicht erkennen, wo sie sich befanden. Man merkte auch nicht wirklich, wie schnell man war oder ob die Richtung geändert wurde. Er hatte nur die Anzeige von Corics Blickfeld auf seinem HUD, und das erlaubte ihm eine sehr eingeschränkte Sicht auf das Kampfgebiet vor ihm.
Im Truppenabteil sagte keiner mehr etwas. Er hörte nur noch das Knirschen eines Kiefers und gleichmäßige Atemzüge über sein Kom. An den Blickfeld-Anzeigen auf seinem HUD erkannte er, dass die Klone auf ihre Gewehre oder die gegenüberliegende Wand schauten.
Natürlich war es auch möglich, dass sie die Augen geschlossen hatten. Aber das konnte er nicht sehen. Die Miniaturkameras in den Helmen nahmen nur das auf, was der Klonsoldat möglicherweise sah, und nicht, was wirklich sein Auge wahrnahm.
»Ich hänge direkt an der Triebwerksdüse des Typen«, sagte Coric. »Wenn er irgendwelche Signale von seinen Sensoren erhält, wird er sie für eine Fehlfunktion halten.«
Rex gab nach und vergrößerte die Übertragung von Corics HUD wieder, indem er ein paarmal zwinkerte. Er fand den Anblick immer beunruhigend, als würde man auf dem Pilotensitz hocken, ohne jedoch irgendetwas steuern zu können. Coric hatte keinen Scherz gemacht. Er hielt so gerade noch den Sicherheitsabstand zu den Abzugsöffnungen des Landungsschiffes der Separatisten ein. Am Rand der Anzeige konnte Rex Punkte reflektierten Lichts erkennen, das vom Stern im Herzen des Fath-Systems kam und weitere Schiffe des Geschwaders anstrahlte, während sie auf die Schattengrenze von JanFathal zusteuerten, jene sich ständig bewegende Linie zwischen Tag und Nacht. Ohne den entsprechenden Hintergrund war es im Weltraum schwer, kleine Objekte zu erkennen. Und das galt für beide Seiten. Jetzt siehst du uns, jetzt nicht.
»Halte mich bereit, um aus der Formation auszubrechen, wenn ich den Weg Richtung Athar einschlage«, sagte Coric.
Rex verkleinerte Corics HUD-Anzeige wieder. »Die fliegen wahrscheinlich alle in unserer Richtung.«
»Ja, Sir, aber ich will mich früher absetzen und niedriger, von der Küstenebene her reinkommen. Durch die Vorstädte.«
»Wie niedrig?«, fragte Geith.
»Niedrig genug, um unterwegs ein, zwei Holozine mitgehen zulassen…«
»Guter Mann.«
»Jetzt ist es jeden Moment so weit… Treffen auf die Atmosphäre… Huiii!«
Coric war weg, ehe die Seps überhaupt mitbekommen hatten, dass er da war, und der Sturzflug zur Oberfläche war so rau, wie Rex erwartet hatte. Die Gurte hielten ihn so gerade noch, denn er hatte sie nicht fest genug angezogen. Corics HUD zeigte einen Moment lang die strahlende Flamme beim Eintritt in die Atmosphäre, ehe die Filter aktiviert wurden, die die Augen schützten. Es schien lange zu dauern, bis sich das Shuttle wieder gefangen hatte und das Beben aufhörte. Es waren nur Minuten.
»Wir befinden uns über dem Meer«, berichtete Coric. »Meister Altis, jetzt seid Ihr der Navigator.«
»Wollen Sie, dass ich vorne sitze«, fragte Altis, »oder soll ich von hier hinten ein bisschen steuern?«
»Ihr wollt mir doch keine Angst machen, Sir? Ich bin nur ein einfacher Junge.«
Altis trat neben Corics Sitz. »Wir wollen uns jetzt alle auf Agentin Devis konzentrieren«, sagte er, als würden die Jedi für irgendeine geheimnisvolle Signalverstärkung sorgen. »Du meine Güte! Was für eine freudlose Welt.«
Rex machte sich eher Sorgen darüber, dass es womöglich eine freudlose Welt mit stärkerer Boden-Luft-Abwehr war, als der Republikanische Geheimdienst gesagt hatte. Aber die Vorwarnsysteme an Bord zeigten nichts an. Als er zur Seite rutschte, um nach vorn durchs Cockpitfenster zu schauen, sah er einen Küstenstrich mit heruntergekommenen Hafenanlagen und verfallenden Gebäuden auf sich zukommen. Die Sonne, die gelegentlich zwischen Sturmwolken aufblitzte, tat wenig, um den Anblick zu verschönern, aber irgendetwas Goldenes schleuderte die Sonnenstrahlen förmlich zurück.
»Der Palast des Regenten«, erklärte Coric. »Oder zumindest einer von ihnen. Ich wette, er wird von seinem Volk sehr geliebt…«
Coric änderte ständig den Kurs, damit das Shuttle nicht ins Visier genommen werden konnte. Aber Athar schien nicht darauf eingestellt, sich zu verteidigen. Die Fähre flog über Fabrikanlagen und eckige, mit irgendeiner Flüssigkeit gefüllte Bassins, die alles sein konnten von Wasseraufbereitungsanlagen bis hin zu Fischfarmen.
»Ich glaube, es wird wieder regnen«, meinte Coric beiläufig. »Seht euch dieses Wasser überall an. Es muss die ganze Nacht geschüttet haben.«
Rex konnte von seinem Platz aus keine Leute oder Fahrzeuge auf den Straßen sehen, aber in der Ferne dicke, schwarze Rauchwolken und ab und zu frischen Rauch und Flammen am Himmel über der Stadt, als hätte jemand dort Luftabwehrgeschütze.
Altis hatte eine Hand auf Corics Schulter gelegt und gab ihm mit leiser Stimme Anweisungen, welche Richtung er einschlagen sollte. Die Fähre flog jetzt in so geringer Höhe, dass Rex überzeugt davon war, Coric würde gleich frontal mit einem Bodentransporter kollidieren.
»Wir sind dicht dran«, sagte Altis. »Ganz dicht.«
»Wollen Sie riskieren, dass wir über den Zielpunkt hinwegfliegen, Sir?«, fragte Coric und drehte den Kopf zu Rex. »Dadurch verschaffen wir uns zwar einen Überblick, werden aber vielleicht eher entdeckt.«
»Nein, wir landen und versuchen, diese Kiste irgendwie außer Sicht zu bekommen.« Es gab wahrscheinlich keine passenden leeren Hangars in der Gegend, doch ein Shuttle wie dieses konnte man unter Umständen auf einem behelfsmäßigen Landeplatz unterstellen. Dort würde es wie ein Transportschiff unter vielen anderen aussehen, wenn man daran vorbeikam. »Dann können wir eine Suchdrohne hochschicken, die das Gebäude erkundet.«
»Okay.« Coric drosselte die Geschwindigkeit. »Der Holokarte nach befindet sich auf der anderen Seite des Kanals eine stillgelegte Fabrikanlage für Repulsortransporter. Wollen doch mal sehen, ob wir dort eine Parkbucht finden.«
Der Platz war in einem so verheerenden Zustand, dass ein Bombenkrater ihn auch nicht mehr hätte verschlechtern können. In riesigen Schlaglöchern hatte sich Wasser angesammelt. Coric landete die Fähre im Windschatten einer bröckelnden Ziegelmauer, und Boro und Joe stürzten nach draußen, um Verteidigungspositionen einzunehmen, während die anderen Deckung bei einem Nebengebäude suchten.
Es ist ihr erster richtiger Einsatz. Es ist das erste Mal, dass sie es unter echten Bedingungen tun.
Rex musste sich das immer wieder in Erinnerung rufen.
Wie bei jeder anderen Stadt, die er infiltriert hatte, wirkte die absolute Leere – es war niemand zu sehen – zermürbend. Irgendwo musste die Bevölkerung sich verstecken oder in eine sichere Gegend geschafft worden sein. Das war schwer zu sagen. Auf jeden Fall hatte man das Gefühl eines Schwebezustands – das Leben verlief hier nicht normal.
»Ahsoka?«, rief er leise. »Ist da drin die Luft rein?«
Sie deutete auf das Gebäude und nickte mit nach oben gerecktem Daumen. Sobald sie drinnen waren, bereitete Ross die Drohne vor. Das Dach war undicht. Sie wateten durch Pfützen.
»Wo schicken wir das Teil hin, Sir?«
»Kann ich sehen, was es aufzeichnet?«, fragte Altis.
»Ja. Die Bilder werden an unsere HUDs übertragen.«
Der Jedi-Meister streckte die Hand aus. »Darf ich mir dann Ihren Helm für einen Moment ausleihen? Ich kann das Gerät mithilfe der Macht steuern.«
»Okay. Man muss sich zwar erst an den Helm gewöhnen, aber…«
»Stellen Sie einfach den Vollbildmodus ein, und lassen Sie Meister Altis dann schauen«, befahl Rex. »Er braucht keine Einstellungsänderungen vorzunehmen.«
»Danke, junger Mann.« Altis setzte den Helm mit Bedacht auf, als hätte er gerade bei einem Schönheitswettbewerb gewonnen und würde sich nun völlig geehrt die Krone aufsetzen. »Ach du meine Güte…«
Geith kicherte. Rex genoss den ungewohnten Anblick eines schmuddeligen Jedi-Meisters mit dem Kopf eines Klonkriegers. Ross rollte die Drohne nach draußen auf den geborstenen Permabeton, damit sie aufsteigen und in die Richtung fliegen konnte, in die Altis sie lenkte. Das Oberflächenwasser kräuselte sich für ein paar Momente.
»Ahhh…«, sagte Altis und seine Stimme klang durch eine dicke Schicht aus Plastoid und elektronischen Bauteilen ganz gedämpft. »Ahhh!«
EIN BLOCK VON HALLENA DEVIS’ AUFENTHALTSORT ENTFERNT, SÜD-ATHAR
Callista klemmte das Komlink an den Kragen und lauschte dem Stimmengewirr, während sie versuchte, die Nachrichten herauszuhören, die sie brauchte.
Beim Umgehen der Verschlüsselung der Separatisten hatte sie all deren Kom-Kanäle geöffnet. Nun stellte sie fest, dass zu viel fast genauso schlecht war wie gar nichts. Sie überlegte, wie sie das Ganze wohl filtern könnte, und bemühte sich, nur nach dem Gehör Unwichtiges wieder zu entfernen. Da wurde eindeutig etwas zwischen dem Gebäude, welches Altis als das gegenwärtige Gefängnis von Agentin Devis identifiziert hatte, und einer Separatistenrelaisstation übertragen.
Ahsoka hockte sich neben ihr im Schutze eines Eingangsbereichs mit gezogenem Lichtschwert hin. In den umliegenden Gebäuden befanden sich ein paar Leute, aber sie konnte deren Furcht spüren und dass sie nicht herauskommen würden, während noch Kampflärm aus dem Zentrum zu vernehmen war. Im Norden der Stadt hing Qualm in der Luft. Das nicht abreißen wollende Artilleriefeuer ließ den Boden unter ihren Füßen beben. Die Drohne kreiste immer noch hoch über den Gebäuden. Rex stürzte über die Straße und kauerte sich neben ihnen hin. Dann zeigte er mit seinem Gewehr nach oben.
»Die Seps haben den Fluss überquert«, sagte er. »Sie haben gerade den Staatsschutz auf der Brücke überrollt und kommen jetzt in diese Richtung. Die Rebellen scheinen woandershin abgerückt zu sein. Wir haben vielleicht zehn, fünfzehn Minuten.«
Callista konzentrierte sich auf die Stimmen und versuchte, sie zu sortieren. »Wie sieht jetzt unser Plan aus?«
»Den Ausgang des Gebäudes sichern, ein paar Männer auf dem Dach postieren, um von oben Deckung zu geben, und dann die Standardvorgehensweise bei Geiselbefreiungen.«
Ahsoka ließ den Blick oben an den Dächern entlanggleiten. »Ich übernehme das Dach.«
»Ich habe eine bessere Idee. Ihr könnt doch Gegenstände mithilfe der Macht durch die Luft fliegen lassen, nicht wahr? Nun, damit gebt Ihr uns Feuerschutz. Wenn irgendetwas die Straße runterkommt, während wir in das Gebäude eindringen, zieht Ihr ihm eins über. Alles klar?«
Ahsoka runzelte die Stirn. »Ja, Rex.«
»Seht mich nicht so an, Kleine. Das ist nicht irgendeine leichte Aufgabe, weil ich Euch nichts zutraue. Nein. Ich brauche Euch dafür. Wenn diese Droiden genug Milizen umbringen, können sie einfach über die Leichen hinwegsteigen, als wäre es ein Teppich, und schon stehen sie vor unserer Nase.«
Callista nickte. »Okay.« Sie war sich nicht sicher, ob es sich schickte, ihn wie Ahsoka Rex zu nennen. »Das machen wir.«
»Setzt Euch auf mein Zeichen hin in Bewegung, und haltet einen Kanal frei, damit Ihr Anweisungen entgegennehmen könnt.«
Rex schaute sich um und hechtete dann wieder auf die andere Seite der Straße. Das Bürogebäude – nur drei Stockwerke, nichts Großes – lag in etwa hundert Metern Entfernung. Rex gab das Zeichen, und Callista raste los.
Drei Sekunden.
Jedi-Sekunden waren nicht ganz dasselbe, aber sie wusste die Angabe zu schätzen. So lange brauchte ein Scharfschütze, um ein sich bewegendes Ziel ins Visier zu nehmen. In der Ferne konnte sie ein gleichmäßiges Geräusch hören. Der Ton war höher als Artilleriefeuer, es war ein metallischer, regelmäßiger Klang, als würde man eine ganze Schachtel Nieten einhämmern, und ihr Blick ging zu Ahsoka, um zu sehen, wie diese reagierte.
»Sie kommen«, sagte sie.
Callista rannte. Als sie bei der Kreuzung ankam, hatten Altis, Geith und die Klontruppen Deckung in einem Hauseingang gefunden.
Rex gab ein Zeichen. Callista schaltete auf den Kanal seines Komlinks. »Fertig?«
»Ja. Können Sie die Aufnahme der Drohne auf unsere Datapads umschalten?«
»Erledigt. Bleibe in Bereitschaft.«
Callista blendete aus, was innerhalb des Gebäudes ablief, denn Altis und Geith waren durchaus in der Lage, das im Auge zu behalten. Trotzdem fühlte es sich für sie so an, als würde sie eine Verantwortung von sich schieben. Ahsoka schaute ihr wieder ins Gesicht. Vielleicht war das eine spezielle Angewohnheit der Togruta und somit überhaupt nicht taktlos gemeint, aber Callista hatte das Gefühl, dass es höchste Zeit war, dem Padawan klarzumachen, dass sie auf derselben Seite waren. Insbesondere jetzt, wo ein noch viel größeres Problem auf sie zukam. Aber Ahsoka schien sich in Gedanken viel mehr mit Callista zu beschäftigen denn mit den Kampfdroiden.
Sie sah auf die Bilder, die von der Drohne übertragen wurden, während diese hoch über einer Kompanie von Droiden schwebte. Entweder war die Drohne zu klein, um bemerkt zu werden, oder es kümmerte die Droiden gar nicht, dass sie beobachtet wurden.
»Ihr seid nicht das, was ich erwartet hatte«, meinte Ahsoka schließlich. Ihre Stimme war nur ein Flüstern. Sie richtete den Blick wieder auf die Straße. Dort waren keine Droiden zu sehen. Man hörte nur dieses schrecklich unerbittliche Echo ihrer Tritte, die im perfekten Gleichklang die Straße trafen.
Callista entschied, in die gleiche Richtung zu schauen wie Ahsoka. »Was denn – ein Sith?«
»Jetzt macht Ihr Euch über mich lustig.«
»Du schaust mich an, als hätte ich zwei Köpfe. Ich weiß, dass es mich nicht stören sollte, aber das tut es trotzdem.«
»Ihr wisst doch… Ihr könntet damit aufhören. Ihr und Geith könntet einfach Freunde sein.«
Ahsoka war ein Kind. Wahrscheinlich glaubte sie tatsächlich, dass das Leben so einfach war. Callista versuchte es zu erklären. »Unsere Gemeinschaft setzt sich aus Familien zusammen. Da gibt es so etwas wie Freunde nicht.«
»Im Moment scheint es richtig zu sein«, erklärte Ahsoka sehr ernsthaft, »aber die Entscheidungen, die Ihr fällt, werden nicht die richtigen sein. Es wird Eure Urteilsfähigkeit beeinträchtigen. Es wird Euch auf die Dunkle Seite ziehen.«
»Versuchst du etwa, mich zu retten?«
»Ja.« Ahsokas Blick war immer noch auf die Straße gerichtet, aber sie spürte die Angst in sich. Und das hatte nichts damit zu tun, dass sie sich gerade mitten in einer Invasion befanden. »Bitte. Ich weiß, dass Ihr eine vernünftige Person seid. Ich spüre es.«
»Glaubst du, dass auch Ki-Adi-Mundi gerettet werden müsste? Er hat Frauen und Kinder.«
»Er ist ein Cereaner.« Eine Sekunde lang geriet Ahsoka eindeutig ins Schwanken. »Das ist etwas anderes. Die Bevölkerung der Cereaner muss wachsen.«
»Warum? Ist ihm von der Dunklen Seite eine Sonderstellung eingeräumt worden? So dunkel kann sie dann ja nicht sein, wenn man in Ausnahmefällen von den Gefahren befreit wird.«
»Er hatte keine Bindung zu ihnen. Und somit fügt es auch keinen Schaden zu.«
Ahnte Ahsoka überhaupt, wie gefühllos – wie dumm – das klang? Callista merkte, dass ihr schon eine Erwiderung auf der Zunge lag, unterdrückte sie dann aber doch. Sie konnte diesem Kind nicht vorwerfen, dass es etwas geschluckt hatte, was Callista als intolerante Doktrin ansah. Sie hatte in ihrem Leben wahrscheinlich nie etwas anderes gesehen als nur den Jedi-Orden. Callista war dagegen erst als Erwachsene zum Jedi geworden, während sie sich der Möglichkeiten, die ihr offen standen, voll bewusst gewesen war. Sie hatte diesen Weg gewählt, den sie für den besten hielt, weil Meister Altis sie die Welt anders sehen ließ. Er zeigte ihr, wie sie ihre seltene Gabe in so viel mehr Bereichen nutzen konnte.
»Ich werde mit dir nicht darüber diskutieren, Ahsoka«, sagte Callista. »Ich werde nicht zu dir sagen, dass du Unrecht hast. Ich sage nur, dass Jedi nicht die Einzigen sind, die die Macht auf der Hellen Seite nutzen, und andere handhaben Dinge in vielleicht ungewohnter Weise, ohne dadurch jedoch dem Dunkel anheimzufallen.«
»Welche anderen gibt es denn?«
»Sprich mit Meister Altis. Er wird es dir sagen.«
Ahsoka blickte weiter unverwandt auf die Straße, aber Callista spürte, dass ein leichter Ruck durch die Macht ging, als würde die Togruta mit irgendetwas ringen. Das war die Diskussion, vor der Callista sich immer fürchtete: die Diskussion, in der sie auf die reale Welt zeigte, die sie umgab, auf das Gute, das so offensichtlich durch die Liebe hervorgebracht wurde, und dann erwartete, dass ein weltfremder Theoretiker, dessen ganzes Leben von einer Alles-oder-nichts-Lehre bestimmt gewesen war, das auch bemerkte und plötzlich eingestand, dass einige ihrer Argumente nicht von der Hand zu weisen waren.
Es war nicht wichtig, Recht zu haben. Ich muss toleranter sein. Solange die orthodoxen Jedi keinen Schaden, keinen wirklichen Schaden anrichteten, hatte sie weder die Pflicht noch das Recht zu diskutieren oder sich ihnen entgegenzustellen.
Geith hatte allerdings das Gefühl, dass sie bereits Schaden anrichteten.
Sie schaute auf die Bilder, die die Drohne auf ihr Datapad übertrug. Eine Wand aus hellbraunem beweglichem Metall marschierte im Gleichschritt und mit unnachgiebigem Tempo auf sie zu.
»Da kommen sie«, sagte Ahsoka. Sie aktivierte ihr Lichtschwert und wurde innerhalb einer Sekunde vom Kind zur Kriegerin. »Das dauert keine zehn Minuten mehr.«
Callista öffnete ihr Komlink. »Rex?« Es rutschte ihr einfach raus. »Die Kampfdroiden. Zehn Minuten Maximum. Macht schneller.«
»Ein schön kräftiger Macht-Schub könnte die vordersten beiden Reihen zu Fall bringen«, meinte Ahsoka. Sie war plötzlich vollkommen Herr der Lage und strahlte ein umfassendes Selbstvertrauen aus, es mit einer ganzen Kompanie von Kampfdroiden aufnehmen zu können. »Wenn sie sich in eine Straße drängen, behindern sie sich meist gegenseitig. Und wenn man dicht genug rankommt, um das Lichtschwert zu benutzen, ist es ganz einfach, gleich mehrere Köpfe auf einmal rollen zu lassen.«
»Danke.« Callista erkannte, dass sie genauso wenig über Ahsokas Welt wusste wie Ahsoka über ihre. »Ich habe ihnen noch nie gegenübergestanden.«
»Wir sind Jedi«, sagte sie. »Wir können es jederzeit mit einem ganzen Haufen von Blechbüchsen aufnehmen. So nennt Rex sie nämlich: Blechbüchsen.«
»Aha, Blechbüchsen also«, entgegnete Callista.
Das regelmäßige Klick-Klack unzähliger Füße aus Durastahl kam von Sekunde zu Sekunde näher.
EIN BLOCK VON HALLENA DEVIS ENTFERNT, SÜD-ATHAR
Djinn Altis nahm das Lichtschwert vom Gürtel und aktivierte es mit dem Daumen. Die Klinge aus gelber Energie war seine persönliche Scheidelinie – die Kluft zwischen dem Mann, der er sich so sehr bemühte zu sein, und jenem, zu dem er zwangsläufig wurde.
Und jetzt bin ich bereit, ein Leben zu beenden.
Und wenn ich mir tatsächlich wünschte, dass es eine andere Möglichkeit gäbe – warum suche ich dann nicht danach?
Er spürte die Anspannung der Klonsoldaten, als die Klinge aufflammte – die neuen Klone, Wesen so unbedarft und jung, dass er sie in der Macht als kindliche Geschöpfe wahrnahm. Ihr Commander, Rex, hatte offensichtlich schon häufiger Lichtschwerter im Einsatz gesehen. Für die Jungen war es bestimmt das erste Mal.
»Okay – Joe, Ince und Ross –, ihr sichert den Ausgang«, gab Rex die Anweisung. »Alle anderen kommen mit mir. Wir klettern die Mauern hoch und steigen übers Oberlicht ein. Okay? Normaler Ablauf.« Er wandte sich an Altis. »Ihr wisst, wie wir das hier durchziehen, nicht wahr? Wir gehen rein und erschießen jeden, der keine Geisel ist. Ihr könnt hierbleiben und die Blechbüchsen aufhalten.«
Rex gab ihm die Möglichkeit, sich vornehm aus der Affäre zu ziehen. Der Job ist zu schmutzig für einen Jedi. Doch Altis konnte und wollte jetzt keinen Rückzieher machen.
»Außer Hallena Devis sind da nur drei weitere Personen. Es könnte sein, dass wir gar nicht so viel Gewalt einsetzen müssen.«
»Das Ziel ist es, die Geiselnehmer unschädlich zu machen, ehe diese die Möglichkeit haben, ihre Geisel zu erschießen oder alles in die Luft zu sprengen, und die Geisel so schnell wie möglich herauszuholen. Mit anderen Worten Overkill. Deshalb hat man mir sechs Mann dafür zur Verfügung gestellt und nicht den Auftrag erteilt, gegen die Droiden zu kämpfen.«
»Lassen Sie mich als Erstes reingehen. Nur weil ich älter bin als die Jedi, denen Sie normalerweise dienen, heißt das nicht, dass ich mich nicht selber verteidigen kann.«
Auch wenn ich mich heraushalte, bin ich an der Sache beteiligt, und der Feind wird nicht weniger tot sein. Also mache ich mit. Und vielleicht verstehe ich dann ja auch ein bisschen besser, warum Yoda so dem Militarismus verfallen ist.
»Okay, aber wir müssen schnell machen.«
»Ich werde sie ablenken, um an der Tür vorbeizukommen«, meinte Altis, während er sein Lichtschwert deaktivierte. Er verbarg es in seinem Ärmel und war bereit, zur Tat zu schreiten. »Ich bin nur ein alter Mann, der in den Wirren des Bürgerkrieges nach seiner verschollenen Tochter sucht. Ja?«
Rex gab mit hochgestrecktem Daumen sein Okay. »Achtet darauf, dass Eurer Komlink eingeschaltet ist, damit wir hören, was da drinnen vor sich geht. Wartet auf das Zeichen.«
Vere feuerte einen Haken zur Dachkante hinauf und zog am Seil, um festzustellen, ob es einen Mann auch halten würde. Die anderen taten es ihm gleich und dann zogen sich alle an den Seilen hoch und verschwanden auf dem Dach. Geith blickte über die Kante und nickte. Die drei Klone, die den Ausgang deckten, gaben Altis das Zeichen, dass er rein konnte.
Los.
Es war ein baufälliges altes Gemäuer, und man gelangte nur über mehrere Treppenaufgänge nach oben. Der Turbolift war außer Betrieb; es gab keine Energieversorgung im Haus. Altis rechnete mit einem überängstlichen, abzugsfreudigen Empfang, wenn er sie überraschte, und schlüpfte in die Rolle des verwirrten alten Mannes.
Er achtete darauf, sich langsam die Treppe hochzuschleppen, dann blieb er auf dem ersten Treppenabsatz stehen, damit sie lange genug vorgewarnt… und abgelenkt waren von Geräuschen, die vielleicht vom Dach nach unten dringen konnten.
»Ist da jemand? Linnie? Bist du hier?«
Er gelangte zum dritten Treppenabsatz und ging auf die Bürotür zu, wobei er Hallena Devis stärker denn je in der Macht spürte. Als er bei der Tür ankam, stand diese einen Spalt breit offen und eine Frau trat mit einem Blastergewehr heraus. Sie stellte sich ihm in den Weg.
»Ich suche nach meinem Mädchen«, gab Altis vor und fragte sich, ob er durch Gedankenbeeinflussung alles vielleicht ein bisschen beschleunigen könnte. Aber diese Frau wirkte nicht sonderlich beeinflussbar. »Seit Kampfausbruch habe ich sie nicht mehr gesehen. Haben Sie sie gesehen? Sie ist…«
Die Tür öffnete sich jetzt weit und ein Mann kam heraus. Altis erhaschte einen Blick auf eine große, dunkelhäutige Frau, die vom Boden hochgezerrt wurde. Hallena. Ja, das war sie. »Wer ist das, Merish?«
»Nur irgend so ein alter Mann, der nach seiner Tochter sucht.« Sie schien von dem Komlink, dass sie in der einen Hand hielt, abgelenkt und wirkte so, als wolle sie eine unterbrochene Unterhaltung fortsetzen. »Hören Sie… wir haben Ihre Tochter nicht gesehen. Wir gehen jetzt raus, also…«
Ein lauter Knall ertönte.
Das Bersten von Transparistahl und Permabeton hoch über seinem Kopf versetzte ihm einen echten Schock. Neben ihm schlugen Stiefel auf den Boden. Trümmer regneten herab.
Sein erster Impuls war, sein Lichtschwert zu ziehen; er sah nur, dass die Frau ihr Blastergewehr anlegte – auf ihn, oder auf einen der Klone, der plötzlich neben ihm gelandet war? – und er zog die Klinge einfach schräg hoch, um sich zu verteidigen. Sie schnitt glatt durch ihren Arm und schlitzte den Hals unter dem Kinn auf. Er bemerkte gar nicht, wohin der Blaster fiel; der Mann hinter ihr brüllte: »Merish! Merish, nein!«, und irgendjemand anders versuchte, die Tür zuzuschlagen, ehe er ganz nach draußen treten konnte. Aber Rex und die beiden Klonsoldaten stürmten schießend durch die Tür und Altis folgte ihnen.
Das Blasterfeuer hörte fast so schnell auf, wie es angefangen hatte. Die Sekunde – eine Sekunde, nicht mehr – die er brauchte, um in den Raum zu treten, stand Rex auch schon neben einem alten Mann und drückte ihm den Lauf seines Blasters an die Stirn. Der alte Mann wiederum hielt Hallena Devis im Würgegriff und setzte ihr einen Blaster an die Schläfe.
Einen Moment lang stand es unentschieden.
»Schön, dass die Republik sich endlich mal blicken lässt«, sagte der Mann. Hallena war ganz ruhig, ihre Hände gefesselt und das Gesicht ausdruckslos, wobei sie diese Anspannung ausstrahlte, die einem sagte, dass sie nach einer Gelegenheit suchte, den Mann selbst zu überwältigen. »Was wollen Sie? Wollen Sie mit mir verhandeln… das Leben Ihres Spions gegen meins?«
Rex erwiderte nichts, sondern drückte nur auf den Abzug.
Es ging ganz schnell. Altis hatte nicht damit gerechnet, dass Rex so etwas tun würde.
Von der Wucht des Schusses wurde der alte Mann nach hinten geschleudert. Aber er war bereits tot, ehe er an der Wand nach unten rutschte. Hallena stürzte auch zu Boden. Ein völlig ruhiger Rex zog sie wieder hoch und holte eine Vibro-Klinge hervor, mit der er die Fesseln um ihre Handgelenke durchschnitt.
»Wir sollten gehen, Agentin Devis«, sagte er. Draußen kam das laute Klackern von Droidenfüßen immer näher. »Die Droidenarmee will Sie holen.«
Rex versuchte, sie zum Ausgang zu drängen, doch sie wollte stehen bleiben, um nach dem jüngeren Mann zu sehen, der auf dem Boden lag und eine Blasterwunde davongetragen hatte, die vom Mund bis zur Brust reichte.
»Er lebt noch…«
»Das sollte Ihnen egal sein. Gehen Sie.«
»Aber… lassen Sie mich mein Komlink zurückholen, ja?«
Sie wühlte in der Jacke des Mannes, doch Rex zerrte sie einfach hoch und warf sie Hil förmlich zu, der ihren Protest ignorierte und sie die ersten Stufen hinunterschleppte. Altis ging hinter ihnen her. Es war eine schmale Treppe und sie mussten schnell hinaus. Geith – der keine Fragen stellte und keine Befehle gab – sprang die Treppe hinab und hielt die Arme hoch. Hil warf die befreite Geisel zu ihm hinunter und japste laut. Es war, als hätten sie es ihr ganzes Leben lang geübt, und doch hatte Geith die Klone vor dem heutigen Tag noch nie gesehen. Und der Klonsoldat konnte eigentlich nicht wissen, wie viel Gewicht ein Jedi sicher halten konnte, wenn es ihm zugeworfen wurde. Plötzlich war keiner mehr unten und der Krach der Droiden ohrenbetäubend. Altis erkannte, dass er mit Rex, Vere und Boro in diesem Gebäude in der Falle sitzen würde.
»Sir! Geht raus. Wir werden Euch Deckung geben.« Er hörte Inces Stimme über das freigeschaltete Komlink. »Los jetzt!«
Rex packte Altis’ Arm. »Guter Einsatz, Meister. Jetzt lauft. Ich kann Coric nicht warten lassen.«
Als die Vier den Eingang des Gebäudes erreichten, begann das Sperrfeuer. Altis konnte Callista oder Ahsoka nicht entdecken. Er musste hier raus. Rex bedeutete ihm zu warten und justierte sein Gewehr.
»Ince, bei dir alles klar? Ist Devis okay?«
Die Stimme des Klons klang atemlos. Er lief. »Ja… Laufen Richtung Shuttle… Sie läuft, musste ihr aber ’nen Tritt in den Hintern geben…«
Rex gab ein verärgertes Schnauben von sich – eine seltsam sanfte Reaktion angesichts des Chaos, das draußen losbrach. »Okay, lauft zu Coric, und verduftet, sobald ihr müsst. Ihr wartet auf keinen bis auf die Jedi.«
Altis mischte sich ein. »Nein. Wir lassen es genau wie Sie darauf ankommen.«
Rex schien ihn zu ignorieren, holte tief Luft und stürzte sich auf die Straße mitten hinein in ein Meer aus Kampfdroiden.