Drei

 

Aber Meister Altis schließt sich nicht den Ansichten über Familie an. Befindet er sich damit auf der Dunklen Seite? Was ist mit den Jedi, die unseren Orden gründeten? Sie verdammten Bindungen nicht. Muss man daraus den Schluss ziehen, dass alles, was wir heute sind, auf Dunkelheit aufgebaut wurde? Warum beschlossen wir, dass es plötzlich etwas Schlechtes war? Und gibt es noch andere Machtnutzer auf der Hellen Seite? Ich bin nie einem begegnet. Ob es sie wirklich gibt?

Von Padawan Bagar Nei-Leit im Laufe des Philosophie-Unterrichtsgestellte Fragen im Jedi-Tempel

 

 

AUF DER BRÜCKE DES FRACHTSCHIFFS WOOKIEESCHÜTZE, ÄUSSERER RAND

 

»Meister Altis?«

»Ja, ich spüre es auch, meine Liebe.«

Der Jedi-Meister Djinn Altis stand am Steuerpult und schloss die Augen, um sich auf die durcheinanderwirbelnden Empfindungen in der Macht zu konzentrieren. Manchmal spürte er, wie Licht irgendwo hinter seinen Augen starb, winzige kurzlebige Blitze, die an subatomare Teilchen erinnerten; manchmal lebten die Lichter länger und verwandelten sich in schimmernde Farbbänder, die sich bis in die Unendlichkeit drehten und wanden. Doch dann hatte er wieder das Gefühl, als würden mikroskopisch kleine Hagelkörner seinen Kopf unter der Haut treffen, um gleich darauf zu kaltem Wasser zu schmelzen, das ihm den Rücken hinunterrann.

Er erkannte darin den kollektiven Kummer und Zorn einer Welt, die in einen Konflikt stürzt. Auf diese Art sprach die Macht mit ihm, mit dieser einzigartigen Stimme, deren Ton für jeden, der die Macht nutzte, anders klang.

Der schmelzende Hagel-Effekt wurde allmählich zu einem bekannten Gefühl in diesem Krieg.

»Wir müssen diesen Krieg nicht aussitzen.« Callista Masana setzte sich auf den Navigatorsitz und musterte die Anzeige vor sich, als würde die Krise darauf unter Umständen sichtbar sein. Sie legte beide Hände auf die Platte aus Transparistahl, die den Bildschirm bedeckte. Dabei schloss sie die Augen, als würde sie mit dem Computer kommunizieren. Sie schien zu unbelebten Objekten genauso Verbindung aufnehmen zu können wie damals zu den Tsaelke auf der Farm ihrer Eltern. »Gibt es denn nichts, was wir tun können?«

»Wir tun etwas, Calli. Wir leisten humanitäre Hilfe.« Im Frachtraum des Schiffes befanden sich Hunderte von Tonnen an Vorräten für Yarille – Nahrungsmittel, Medikamente, Wasseraufbereitungsutensilien, Zelte. »Einer muss es tun. Bei einem Krieg geht es nicht nur ums Kämpfen.«

»Ihr habt nie gesagt, ob Ihr glaubt, wir sollten zu den Waffen greifen. Schon sehr bald müssen wir das vielleicht tun.«

»Ich bin kein Pazifist. Aber ich beantworte Gewalt mit Gewalt erst dann, wenn ich es muss.«

»Ein Pazifist ist jemand«, sagte Callista, während sie sich wieder vom Sitz erhob, »der um die Größe der Gewaltbereitschaft in sich weiß, begriffen hat, dass es kein Zurück gibt, wenn sie erst einmal entfesselt ist, und sich deshalb dafür entscheidet, es nie so weit kommen zu lassen.«

»Ich habe nie behauptet, dass es Pazifisten an Mut oder Aggression mangelt. Im Grunde hast du gerade das wiederholt, was der Philosophie vieler Militaristen entspricht – Macht ist da, um nicht benutzt zu werden.«

»Aber welchen Wert hat Abschreckung, wenn man weiß, dass sie nie eingesetzt werden wird?«

»Und genau das, meine Liebe, macht den Unterschied aus. Der Pazifist sagt: Auch wenn ich es vielleicht möchte, werde ich kein Öl in dieses Feuer gießen, weil es die ganze Welt verschlingen könnte und irgendjemand ›Stop!‹ sagen muss.« Altis pochte mit der flachen Hand auf das Lichtschwert, das an seinem Gürtel hing. »Ein Pazifist würde das hier gar nicht erst tragen, weil er nicht in Versuchung geraten möchte, es zu benutzen. Dagegen der Jedi… Der Jedi ist kein Pazifist, denn er will das Feuer mit Gewalt aufhalten, aufgrund der Ansicht, dass auf diese Weise weniger leiden werden. Der Unterschied ist groß – rechtfertigen Ergebnisse je die Mittel? Das ist der ständige Zwiespalt, in dem wir uns befinden.«

»Und jetzt befinden wir uns im Krieg. Es ist also nicht mehr reine Theorie.«

»Das ist es nie. Uns werden ständig, bei allem, was wir tun, Entscheidungen abverlangt… auch in Friedenszeiten.« Schritte hallten durch den Gang und kamen näher, bis Geith seinen Kopf durch die Luke steckte. »Vergesst mal eine Weile die Erschütterungen in der Macht und esst etwas. Uns steht schwere Arbeit bevor, wenn wir auf Yarille ankommen.«

Geith kam auf die Brücke und legte seinen Arm um Callistas Schultern. Die beiden gaben ein reizendes Paar ab. Die Tatsache, dass die beiden ein Paar bildeten, war in dieser Jedi-Gemeinschaft nichts Besonderes, brachte aber den restlichen Jedi-Orden in arge Verlegenheit, sodass man sehr bemüht war, die ganze Situation zu ignorieren.

Bindungen führen zu Leid. Leid führt zu Furcht. Furcht führt zu Wut…

Die Falle der Leidenschaft. Der schnelle Weg auf die Dunkle Seite.

Na gut, Meister Yoda. Wie sieht es mit der Falle der Abstraktion aus? Mitgefühl – Mitgefühl ist eine Tat, keine abstrakte Idee.

»Ich habe eine gute Diskussion vermisst, Meister.« Nein, Geith war nur ein anständiger junger Mann, der die Kraft der Macht besaß und zufälligerweise ein Mädchen liebte, das ihm sehr ähnlich war. Es gab noch nicht einmal einen Anflug von Dunkelheit in ihm, sondern nur dieses warme Licht, das er wie ein Sonnenuntergang am Ende eines ruhigen Tages verströmte. »Wenn die Mittel moralisch unakzeptabel sind, dürften die Ergebnisse nicht zu rechtfertigen sein.«

»Und was bedeutet das nun letztendlich? Weiß man es, wenn die Entscheidung gefällt werden muss?« Altis fürchtete die Realitätsferne, die er im Jedi-Orden zu sehen meinte. Die Theorie war lobenswert, die Lektion wurde gewissenhaft wiederholt, aber sie musste bei jedem Atemzug, bei jedem Schritt angewandt werden; entweder man zerquetschte achtlos ein Insekt oder trat zur Seite, entweder man erwiderte das Feuer oder rief zu Friedensgesprächen auf. Tu es. Sprich nicht nur davon. »Zeige mir das nächste Mal, wenn du vor einer Entscheidung stehst. Rufe mich, damit ich es sehe.«

Callista und Geith lehnten sich seltsam alt und beständig wirkend aneinander wie zwei Bäume, die über die Jahre zusammengewachsen waren.

»Dann meint Ihr also, wir sollten die Republik stürzen?«, fragte Geith. »Ja, Meister, das sollten wir. Oder nicht?«

»Erkläre, was du meinst.«

»Die Entschuldigung ›Die haben aber angefangen mag für Kinder angemessen sein, und Selbstverteidigung ist auch nachvollziehbar, aber…«

»Fahre fort.«

»Die Armee. Jeder, der auch nur ein Fitzelchen Ehrlichkeit besitzt, kann erkennen, dass es falsch ist, Menschen zu züchten, um sie kämpfen zu lassen. Wir haben nicht das moralische Recht dazu. Wir haben bereits verloren, für was wir angeblich in diesem Krieg kämpfen. Auch wenn die Republik gewinnt.«

Geith hatte genau wie Callista seine Eltern gekannt, bevor er ein Jedi wurde. Sie waren beide gestorben, aber er erinnerte sich an sie und diese Bindung – Liebe, bezeichnen wir es doch als das, was es ist, Liebe…jede Art von Liebe, der man einen Namen gibt – fühlte sich gut an und gab einem das Gefühl von Geborgenheit. Callista – sie war bereits erwachsen gewesen und hatte auf der Farm ihrer Eltern gearbeitet, als sie Altis’ zweiter Padawan geworden war. So etwas war unerhört… zumindest im Jedi-Tempel. Sie wusste, was sie wollte.

Ich ziehe es vor, wenn meine Padawane dem Orden offenen Auges beitreten. Es soll eine bewusste Entscheidung sein, nicht Tradition, Zwang oder der Beschluss von jemand anders.

Auch wenn Altis es gewollt hätte – es wäre unmöglich, Callista und Geith davon zu überzeugen, dass Bindungen die Saat der Dunkelheit waren, die sie verschlingen würde.

Und das war auch der Grund, warum es bei den orthodoxen Jedi üblich war, spätere Padawane schon im Kindesalter aufzunehmen. Denn Kinder konnte man in ihren Anschauungen noch formen.

»Also… wie verfahren wir nun mit einem Krieg, den wir nicht vermeiden können?«, fragte Altis schließlich.

»Wir wählen unsere Schlachten aus«, erwiderte Geith. »Wir kämpfen, aber zu unseren eigenen Bedingungen. Davon abgesehen will der Rest des Ordens unsere Hilfe ohnehin nicht.«

Altis hatte seine Hilfe im Krieg angeboten. War aber nicht… konkret geworden. Yoda war huldvoll, unverbindlich… und zurückhaltend gewesen.

Aber es geht hier nicht um meine Beziehung zum Jedi-Orden. Es geht um die Verantwortung, die ich anderen gegenüber trage. Ich brauche niemandes Erlaubnis, um dieser Verantwortung nachzukommen.

»Das haben nicht unbedingt sie zu entscheiden«, meinte Altis. »Jetzt geht essen.« Er scheuchte die beiden weg. »Bringt mir bitte ein Stück Brot mit, wenn ihr wiederkommt.«

Altis spürte wieder, wie ihm das eisige Wasser über den Rücken lief. Er setzte sich auf den Pilotensitz, verschränkte die Arme und ließ den Navigationsbildschirm vor seinen Augen verschwimmen, während er meditierte. In dieser Entfernung war Yarille ein gelber Punkt in der oberen linken Ecke und am rechten Rand war das Fath-System gerade noch zu erkennen.

Manchmal, wenn er das tat, wusste er nicht sofort, was er da eigentlich einen Moment lang sah – waren es Veränderungen auf dem Bildschirm selbst oder irgendwelche visuellen Manifestierungen seines Trancezustandes? Er verharrte einen Moment in diesem Stadium zwischen vollkommener Wahrnehmung seiner Umgebung und der völligen Loslösung von der physischen Welt. Im ganzen Schiff schienen alle Mitglieder der Gemeinschaft – Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, 370.060 Familien und Einzelpersonen, Jedi und Nicht-Jedi – auch einen Moment lang innezuhalten.

Das Eis würde nicht einfach schwinden.

Die Lichter tanzten.

Altis kam aus seiner Trance und drückte auf den Entfernungsmesser des Scanners. Der Bereich des Weltraums, der von den Sensoren erfasst war, wurde um das Hundertfache vergrößert, sodass viel mehr Details zu erkennen waren und er eine kleine Wolke aus feindlichen Transponderspuren bemerkte, die genau über dem Fath-System erschien. Er stellte den Scanner noch genauer ein, und man konnte sehen, dass die Schiffe der Separatisten auf JanFathal zuflogen.

Altis wusste mit einer Gewissheit, die von der Macht verstärkt wurde, dass die Wookieeschütze auch dort sein musste, und zwar bald.

Er löste den Alarm aus. Ein ganzes Schiff voller Jedi brauchte den Alarm nicht.

Aber Altis drückte trotzdem auf den Knopf.

 

 

EINSATZRAUM, REPUBLIKANISCHES ANGRIFFSSCHIFF LEVELER

 

»Captain? Sir!«

Der Leutnant wirbelte in seinem Sitz herum. Er wäre dabei fast mit Rex zusammengestoßen, als dieser einem Techniker auswich, dessen Beine unter einer Sensorkonsole herausragten, an der Teile der Verkleidung abgenommen worden waren.

MERIONES. Rex registrierte das Namensschild auf dem grauen Overall. »Was gibt’s, Lieutenant?«

Der Einsatzraum war mit sechs Technikern überfüllt, die versuchten, ein durchgeschmortes Kabel zu finden, durch das von fünfzehn Sensoranzeigen sechs völlig ohne Funktion waren. Eine Querleiste war komplett abmontiert und an eine Konsole gelehnt worden.

»Ich meinte… Captain Pellaeon, Sir.« Meriones zögerte einen Atemzug lang. »Aber sehen Sie sich den Scan an. Das sind viel mehr Separatistenschiffe, Sir. Da bin ich mir ganz sicher.«

Rex beugte sich über den flackernden Schirm und schlug einmal kräftig mit der flachen Hand darauf. Das Bild stabilisierte sich für einen kurzen Moment. Ja, es wurden jetzt mehrere Schiffe in der Fath-Region angezeigt, aber es gab keine Transponder-IDs. Der Sensor hätte eigentlich einen Code für den Feind generieren und diesen einblenden müssen.

»So ein Schrott«, murmelte Rex und schlug wieder aufs Gehäuse des Monitors.

Der zivile Techniker, der von Sullust kam und gerade nebenan arbeitete, brummelte etwas vor sich hin, und Rex warf ihm einen entschuldigenden Blick zu. Wenn Zivilpersonen zur Überholung eines Schiffes mit in den Weltraum kamen, um irgendwelche Probleme zu beheben, wussten sie, dass sie sich nicht mehr in der sicheren heimischen Werft befanden; sie waren mit einem Haufen Soldaten an der Front. Rex bewunderte ihre Bereitschaft zu leben – oder zu sterben –, nur um gute Arbeit zu leisten.

»Das hatte ich selber auch schon tun wollen.« Der Sullustaner fuhr mit der Überprüfung der Kabel fort. Dann griff er nach einem kleinen Hammer mit Gummikopf. »Ich habe ein Spezialwerkzeug dafür…«

»Aber sind es nun Separatisten?«, fragte Meriones.

Pellaeon kam in den Einsatzraum und warf einen Blick auf die Anzeige. »Ja«, sagte er. »Das sind welche.«

»Es sind ein paar Stunden Flug«, sagte Rex. »Wenn wir erst einmal rausgefunden haben, was die da treiben.«

»Dann wollen wir jetzt mal die restlichen Berechnungen anstellen.« Pellaeons Augen zuckten hin und her, als würde er etwas vom Schirm ablesen. Das Bild flackerte und verzerrte sich immer wieder. »Auf unserer Seite ein Schiff und auf ihrer sieben, und wir haben noch nicht auf allen Kesseln Dampf.«

Die Stimme des Sullustaners drang unter der Konsole hervor. »Der Antrieb ist in Ordnung…«

»Ich habe bildlich gesprochen.«

»Ich komme noch nicht an die taktischen Daten des Schiffes«, meinte Rex, »aber wir sind dichter an Fath als jedes andere Schiff, falls das Hauptquartier Erkundungsinformationen will.«

Pellaeon ging zur nächsten Kom-Konsole, bedachte sie mit einem strengen Blick, als wolle er sie dazu zwingen, besser zu funktionieren als die anderen Geräte im Raum, und drückte eine Taste.

»Leveler an Flotte«, sagte er. »Flotte, hier ist Pellaeon.«

»Sprechen Sie, Sir.«

»Wir haben Schiffe der Separatisten im Fath-Sektor geortet. Sie befinden sich außerhalb unserer Reichweite, aber wir beobachten weiter.«

»Verstanden, Leveler. Sind Sie voll einsatzbereit?«

»Nein, Flotte. Sind wir nicht. Bleiben auf Empfang. Ende.« Rex und seine Klontruppen waren neben der Mannschaft der Leveler die einzigen Soldaten. Sie hatten keine Bodentruppen an Bord. Sie waren nur hier, um das Schiff zu überholen, ein Flug, um die Einsatzbereitschaft des Schiffes zu überprüfen, ein Testflug. Die Leveler war nicht darauf eingestellt zu kämpfen – noch nicht.

Also konnten sie nur beobachten.

Pellaeon schien über irgendetwas nachzudenken. Er hob sein Komlink an die Lippen. »Nummer Eins, bringen Sie uns ein bisschen dichter an Fath heran, bis wir in Transponderreichweite sind. Dann werden wir einen Observationsdroiden aussetzen. Alles ganz locker und langsam.«

»In Ordnung, Sir.«

Rex beschloss, sich auf etwas mehr als eine Vergnügungstour einzustellen. Wenn es hart auf hart kam, hatte die Leveler zumindest einsatzbereite – wenn auch nicht im Ernstfall getestete – Erschütterungsraketen. Das Schiff war nicht dafür vorgesehen zu landen, sondern sollte nur aus dem Orbit bombardieren oder Landefahrzeuge absetzen, um Bodentruppen aufzunehmen. Er und seine Männer würden dies nicht im klassischen Infanteriestil austragen müssen.

Trotzdem wollte Rex lieber vorbereitet sein.

»Ich sause mal ins Mannschaftsquartier zurück, Captain«, sagte er und machte sich auf den Weg.

Coric zeigte den Neuen eine schematische Darstellung der neuen Zielvorrichtung, als Rex hereinkam. Die Männer waren alle ohne Helm, hatten sorgfältig gestutztes schwarzes Haar und machten ernste Gesichter. Rex bedauerte plötzlich seine neue Frisur und beschloss, sich die Haare bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu scheren. Er wollte sich nicht zu sehr von seinen Jungs unterscheiden. Es war eh eine törichte Laune gewesen, völlig unpassend für einen Offizier. Schließlich waren sie die Torrent-Kompanie der 501. Legion, die Besten der Besten, das Rückgrat der Armee – und gehörten zu Anakin Skywalker.

Ahsoka saß in einer der Kojen. Sie lehnte mit dem Rücken am Schott, hatte die Knie bis zum Kinn hochgezogen und die Arme um die Beine geschlungen. In ihren Augen lag wieder dieser entrückte Ausdruck, an dem zu erkennen war, dass sie sich auf etwas weit Entferntes einstellte, das nur Machtnutzer spüren konnten. Na, zumindest gibt es bei ihr keine Kabelprobleme. Das ist immerhin etwas. Rex zog einen Klappsitz herunter und setzte sich zu seinen Männern. Alle sahen ihn an.

»Es haben sich Separatistenschiffe um Fath herum gesammelt«, erklärte Rex. »Wir werden sie im Auge behalten, ohne uns dabei sehen zu lassen. Viel mehr können wir im Moment nicht tun. Einige wichtige Systeme arbeiten nicht einwandfrei, und davon abgesehen sind wir nur ein Schiff.«

»Das hat uns sonst auch nicht aufgehalten«, meinte Coric.

»Wenn der Kampf sich lohnte, wäre Pellaeon sofort dabei. Glaubt mir.«

Joe sah Hil an. »Stimmt es, dass er bei Beförderungen übergangen wird, weil er der Damenwelt zu sehr zugetan ist?«

»Sie sind gerade mal erst fünf Minuten auf diesem Kahn und hören sich schon den neusten Klatsch an.«

»Verzeihung, Sir.« Joe zögerte. »Aber warum haben die persönlichen Angelegenheiten eines Offiziers etwas mit seiner Beförderung zu tun? Außer natürlich er mag Frauen, die den Separatisten angehören. Das wäre natürlich etwas problematisch… Das sehe ich schon.«

Rex musste Joes Hartnäckigkeit unwillkürlich bewundern. Und diese unerschrockene Naivität war möglicherweise trockener Humor, der allmählich zum Vorschein kam.

»Das ist ein unpassendes Verhalten für einen Offizier«, erklärte Rex. »Man erwartet von ihnen einen einwandfreien Ruf und ein aufrechtes Verhalten.«

»Er ist nicht verheiratet.«

Joe sollte beim Geheimdienst sein. Der Junge ist ein Naturtalent.

»Aber vielleicht seine Freundinnen«, erwiderte Rex.

Ahsoka mischte sich ins Gespräch ein. »Bindungen führen einen auf die Dunkle Seite. Denn sie führen zu Furcht, Eifersucht und Zorn.«

»Ja, aber das gilt nur für Jedi«, meinte Coric, der es jetzt endgültig aufgegeben zu haben schien, seinen sorgfältig vorbereiteten Vortrag über elektronische Kriegsführung fortzusetzen. »Nicht für alle anderen.«

Keiner stellte die Frage, die nach seinen Worten im Raum stand – ob Klonsoldaten alle anderen waren oder nicht. Joe schaute von Ahsoka zu Rex und dann wieder zurück. »Was ist so schlimm an Bindungen?«, fragte er. »Warum könnt Ihr keine Bindungen aufbauen? Ihr meint Liebe, nicht wahr?«

Ahsoka sah die Klone mit großen Augen, aber leicht abwesendem Blick an, als würde sie versuchen, sich an etwas zu erinnern.

»Liebe ist akzeptabel«, meinte sie schließlich. »Aber Bindung nicht.«

»Was ist Liebe denn, wenn nicht Bindung?«

»Bindung ist es, wenn die persönliche Beziehung an erster Stelle kommt und man sich um jene sorgt, die man liebt, sodass es Einfluss darauf hat, wie man handelt.« Ahsoka schien ihre Worte sorgfältig zu wählen. Coric starrte sie an. »Bindungen beeinträchtigen das Urteilsvermögen.«

»Aber der alte Pellaeon hat doch nur eine Romanze, wenn Ihr wisst, was ich meine. Es ist ja nicht gerade so, als hätte er sich gebunden, nicht wahr? Ist eine Romanze erlaubt? Darf man eine kleine Romanze haben, wenn man sich dabei nicht bindet?«

Ahsokas Streifen nahmen eine kräftigere Farbe an; denn sie war verlegen. Ja, ganz offensichtlich wusste sie, was Coric mit Romanze meinte. Es war nicht ganz das Wort, das er normalerweise dafür benutzte, aber Ahsoka war noch ein Kind, und Rex war von Anfang an davon überzeugt, dass es am besten ihrem Jedi-Meister überlassen wurde, mit ihr über diese Dinge zu sprechen. Ja, General Skywalker, ich glaube, das ist Euer Job, Sir. So etwas gehörte eindeutig nicht zu den Pflichten eines Klons.

»Eine Romanze«, erklärte Ahsoka steif, »ist akzeptabel. Jedi leben nicht im… Zölibat. Es darf nur… keine Bindung entstehen.«

Ince setzte eine herrlich erstaunte Miene auf. »Das ist aber ein bisschen kalt, Ma’am. Seinen Spaß haben, aber dann gehen?«

Nicht dass er wüsste, was das bedeutet, der arme Junge, aber…

»Was ist mit all den negativen Dingen, die ein Jedi ohne Bindung fühlen könnte?«, fragte Boro. Jetzt fingen alle an, sich am Gespräch zu beteiligen. »Zum Beispiel… Bitterkeit. Groll, Eifersucht. Einsamkeit. Wut.«

»Ja«, meinte Ross. »Das ist nicht normal. Das kann nicht gesund sein.«

Ahsoka wurde heftig zugesetzt. Rex überlegte, ob er den bohrenden Fragen ein Ende setzen oder schauen sollte, in welche Richtung das Ganze ging. Es waren Kinder… alle miteinander. Wenn Ahsoka befehlen wollte – und es war offensichtlich, dass sie es wollte – dann musste sie lernen, dass es jungen Offizieren nicht immer leicht gemacht wurde. Seine jungen Klone, denen zwar eingebläut worden war, dass Jedi unbesiegbar und allwissend waren, sahen in ihr trotzdem eine Novizin, für die auch alles neu war und die keine echte Autorität ausstrahlte.

Ich erinnere mich nicht, so gewesen zu sein. Wenn es hochkommt, bin ich vielleicht ein Jahr älter als die anderen.

Und seit Geonosis sind nur ein paar Monate vergangen, nicht einmal ein Jahr. Ich habe das Gefühl, als wäre es eine Ewigkeit her.

Ahsoka gab ihre angespannte Haltung auf, setzte die Füße auf den Boden und richtete sich auf.

»Ich bin nicht diejenige, die die Regeln aufstellt«, machte sie schließlich klar. Ihre Stimme klang jetzt ganz anders; es lag ein leicht rauer Unterton darin und erinnerte an das Knurren eines Sandpanthers. Wieder einmal wurde Rex daran erinnert, dass die Vorfahren der Togruta Raubtiere gewesen waren. »Aber ich glaube, dass Weisere als ich sie aufgestellt haben, und deshalb befolge ich sie.«

»Wir befolgen auch Befehle«, sagte Hil. »Wir verstehen, was Ihr meint. Nur, wir können in der Regel sehen, was schiefgeht, wenn wir es nicht tun.«

»Ja, man wird verletzt«, sagte Ross. »Oder Schlimmeres.«

»Ich muss mich mit Dingen befassen, die man nicht sehen kann«, erklärte Ahsoka ruhig.

Coric sah aus, als wollte er noch etwas sagen, um es sich dann jedoch anders zu überlegen. Er wandte sich wieder seinem Datapad zu. Rex stellte fest, dass das Kreuzverhör zu Ende war und Ahsoka zumindest ihre Würde behalten hatte.

»Okay, ich will, dass ihr alle auf einen Feindkontakt eingestellt seid«, sagte er. »Und das hier ist keine Übung.«

Das war das Stichwort für Ahsoka zu gehen, wenn sie es wollte. Er kannte sie mittlerweile gut genug, um die Hochs und Tiefs ihrer Stimmungen zu erkennen, und er nahm an, dass sie das Gefühl hatte, in der Minderheit zu sein; sie sehnte sich wahrscheinlich nach einem ruhigen Ort zum Meditieren.

»Soll ich mal schauen, was es Neues im Einsatzraum gibt, Rex?«, fragte sie.

»Ja, gute Idee.« Am Anfang, als sie einander kennengelernt hatten, hatte sie versucht, ihren höheren Rang als Jedi auszuspielen. Doch sie war reifer geworden und hatte erkannt, dass man ihr viel mehr Respekt entgegenbrachte, wenn sie sich ein bisschen zurückhielt. »Lieutenant Meriones muss wahrscheinlich ein bisschen aufgeheitert werden. Ich glaube, er fühlt sich etwas wie ein Ausgestoßener. Ich bin nicht gut in so etwas, aber Ihr seid es…«

Ahsoka bedachte ihn mit einem niedergeschlagenen Lächeln, mit dem sie ausdrückte, dass sie sehr wohl wusste, was er tat und warum. Es herrschte ein gutes Einvernehmen zwischen ihnen. Als sie außer Hörweite war – außer Hörweite einer Togruta-Jedi, was viel weiter war als bei anderen – verschränkte Rex die Arme und lehnte sich an den schmalen Tisch, der zwischen den Kojen am Boden festgeschraubt war.

»Okay, warum hackt ihr so auf ihr herum?«, fragte er. »Ince? Vere?«

Vere hatte überhaupt nicht viel gesagt, seit er zur 501. gekommen war. »Nur damit sie das Gefühl hat dazuzugehören, Sir. Sie hängt sich gerne mit ran.«

»Und sie hat so ein bisschen was Besserwisserisches, Sir«, ergänzte Ince. »Auch wenn sie Offizier ist. Auch wenn sie eine Jedi ist.«

»Ich glaube, sie weiß das. Geht sachte mit ihr um. Wir wissen nicht, wie empfindlich manche Jedi in Bezug auf ihre Regularien sind.« Rex stellte fest, dass er eine verschworene Gruppe neuer Soldaten übernommen hatte, die sich sogar noch besser einfügten, als er erwartet hatte. Er hätte sich wegen ihnen keine Gedanken zu machen brauchen. »Sie meint es gut. Jedi wurden nie in Truppenführung ausgebildet.«

»Nun, zumindest weiß sie, was Befehle sind«, sagte Joe. »Auch wenn sie allein ist.«

Ja, das tat sie. Rex dachte an den Blick auf Skywalkers Gesicht zurück, wenn er Senatorin Amidala in den Nachrichten von HNE – HoloNet News und Entertainment – sah oder ihr Name erwähnt wurde. Nun, das war ein Mann, der mit Bindungen zu tun hatte. Es war nicht augenfällig, nur die kleinen ungewollten Hinweise, die ein anderer bemerkte, wenn er genug Zeit mit seinem Boss verbrachte: Skywalkers Angewohnheit, den Blick nicht allzu schnell von der Senatorin zu lösen, oder wie er immer aufhorchte, wenn ihr Name genannt wurde.

Es muss schwer für ihn sein zu wissen, dass er an der Situation nie etwas wird ändern können.

Rex schob den Gedanken beiseite. Klatsch und Tratsch waren etwas für Soldaten und Unteroffiziere, und das Grübeln über Einschränkungen, mit denen man leben musste, war für niemandes Moral gut.

»Los geht’s«, sagte er und stand auf. »Ab aufs Hangardeck. Ich will fünfzehn Runden in exakter Gefechtsaufstellung und Rekordzeit. Dann machen wir uns mit allen Planeten im Fath-System vertraut. Wir werden bald in deren Reichweite sein. Also los.«

Auf Trab bleiben. So ging man mit Dingen um. Immer auf Trab bleiben. Und Klone hatten immer viel zu erledigen.

 

 

ATHAR, JANFATHAL: EINE STUNDE NACH BEGINN DES ARBEITERAUFSTANDES

 

Hallena hatte nur eine Möglichkeit, und sie hatte sich für sie entschieden. Jemand hatte ihr ein veraltetes Blastergewehr in die Hand gedrückt und sie mit der stetig größer werdenden Menge weitergedrängt, die jetzt die Straßen um das Zentrum von Athar bevölkerte. Es lag ein Geräusch in der Luft, das kein einziges Mal abriss, das Raunen von Tausenden von Stimmen, die nicht brüllten oder schrien, sondern einfach nur redeten.

Die Straßenbeleuchtung brannte nicht, und Häuser, Läden und Werkstätten lagen im Dunkeln. Ein rotes Glühen zeigte an, wo das Herz der Stadt lag.

»Brenne, Abschaum.« Varti klang fast so, als würde er sich ganz normal unterhalten. Er schaute in die Richtung, wo das Feuer brannte und ein glückseliges Lächeln lag auf seinem Gesicht. »Es hat lange gedauert, nicht wahr, Genossen und Genossinnen?«

Jubel brandete auf. »Ja, jetzt wird zurückgezahlt!«

Der Mob – nein, Mob war eigentlich das falsche Wort; denn da war eine ausgeprägte Zielstrebigkeit. Es ging für eine bewaffnete Menge, die eigentlich keinen bestimmten Plan hatte, recht gesittet zu. Keiner plünderte. Keiner setzte irgendetwas in Brand – außer im Stadtzentrum. Es war eine gemeinsame Entscheidung getroffen worden – wie bei einem Schwarm Zugvögel, die beschlossen aufzubrechen, weil es bald schneien würde.

Wenn sich die Situation überhaupt mit etwas vergleichen ließ, dann mit einem geschäftigen Einkaufszentrum auf Coruscant am Tag der Republik, wenn im Schlussverkauf mit Sonderangeboten gelockt wurde. Es war voll, ein bisschen hektisch, aber insgesamt waren alle gut gelaunt.

Ja, aber diese Leute hier sind bewaffnet. Nicht mit Credits, sondern mit Gewehren!

Und meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Regent lange genug an der Macht bleibt, um die Republik zu unterstützen.

Hallena war allein, und sie konnte nichts mehr tun, um die Revolte aufzuhalten. Sie hatte versagt.

He, jetzt mal halblang. Ich habe nicht versagt. Wir hatten nicht genug Informationen. Und meine Aufgabe besteht jetzt darin, die Situation neu einzuschätzen und nach Möglichkeiten für einen anderen Plan Ausschau zu halten.

Das Einzige, was den Aufruhr jetzt noch stoppen konnte, waren Panzerfahrzeuge, die auf einer Straße oberhalb des nun mehrere tausend Leute umfassenden Mobs, vorbeirasten. Der Konvoi fuhr in Richtung der Brücke, von der aus man in den Fabrikbezirk gelangte, und das Scheinwerferlicht der Regierungstruppen schwenkte wild durch die Gegend.

»Barrikaden!«, brüllte eine Stimme.

Ungefähr hundert Meter weiter stieg eine Feuersäule auf. Die Stelle war nicht weit von der Waffenfabrik entfernt, wo Hallena den ganzen Tag über sauber gemacht hatte. Der Jubel, der ausbrach, war ohrenbetäubend. Irgendetwas brannte. Sie nahm an, dass es ein vorher verabredetes Signal war, die um die Stadt herum errichteten Barrikaden in Brand zu stecken, aber sie war sich nicht sicher. Das Gefühl der Hilflosigkeit, das sich ihrer bemächtigte, war überwältigend.

Sie griff nach Vartis Arm. Ein bisschen weiter vorn konnte sie Merish und Shil gleichmäßig voranschreiten sehen. Um sie herum war freier Raum, als würden sie die Angriffsspitze in dieser scheinbar führerlosen Masse bilden, welche sich vor allem aus Männern zusammensetzte, die zumeist in Arbeitskleidung steckten, andere in relativ sauberen Anzügen oder in wasserdichten Stiefeln, woran man erkannte, dass sie wohl von einem Schiff oder einer Fabrik am Hafen kamen.

»Sagen Sie mir, was hier abgeht, Genosse Varti?«, fragte Hallena. »Ich bin dabei, war aber längere Zeit weg vom Fenster. Ich möchte ins Bild gesetzt werden.«

»Wir stürzen den Regenten. Wir brennen das Oberhaus nieder und setzen ein Bürgerparlament ein.«

Hallenas Gehirn versuchte ein Dutzend Fragen auf einmal zu beantworten. Wo waren die atharischen Geheimdienstagenten, mit denen sie sich gestern getroffen hatte? Wenn der Regent nach draußen gezerrt worden war und irgendwo im rot glühenden Herzen der Stadt an einem Seil baumelte, sollte sie dann jetzt versuchen, das neue Regime auf die Seite der Republik zu ziehen? Zählten eigentlich die Verbindungen zu den Separatisten noch?

»Wie viele Male haben wir das schon versucht?« Sie versuchte, sich an die Hintergrundinformationen zu erinnern, die sie über JanFathal erhalten hatte. Vergangene Revolten waren brutal niedergeschlagen worden. »Und es hat nie geklappt.«

»Dieses Mal«, sagte Varti, »wird es anders laufen.« Er ging mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit neben ihr her und drehte ab und zu den Kopf, um sie anzusehen. »Ich sollte mich wirklich an Sie erinnern. Es tut mir leid. Ich ärgere mich darüber.«

»Das ist jetzt unwichtig«, sagte sie. Das Komlink in ihrer Tasche vibrierte geräuschlos. Entweder versuchte ihr Kontaktmann in Athari sich mit ihr in Verbindung zu setzen, oder aber der republikanische Geheimdienst wollte mit ihr Kontakt aufnehmen. Keinen von beiden Anrufen konnte sie gefahrlos entgegennehmen. »Wofür braucht Ihr mich? Ich meine, jetzt.«

»Stellen Sie sich darauf ein zu kämpfen«, erwiderte er. »Sie sehen so aus, als wüssten Sie, wie man ein Gewehr benutzt. Wo haben Sie das gelernt?«

Ach ja, na klar. Das hier war nicht Coruscant, und in einer Diktatur wie dieser gab es viel schärfere Kontrollen in Bezug auf Waffenbesitz. Kein Tyrann, der etwas auf sich hielt, wollte einen wütenden, bewaffneten Mob draußen herumschleichen haben – obwohl das anscheinend genau das war, womit der Regent gerade konfrontiert wurde.

Sie war an der Schusswaffe ausgebildet worden, war eine  gute Scharfschützin und konnte fast mit jeder der in der Galaxis gebräuchlichen Waffe umgehen. Grundfertigkeiten eines Spions: Etwas – das Einzige –, das sie fast ohne dabei nachdenken zu müssen tat. Varti hatte das erkannt.

»Ich bin gern auf alle Eventualitäten vorbereitet«, gab Hallena etwas mysteriös von sich. Wer sollte ihr schon absprechen können, dass sie sich im Gefängnis, in dem sie nie gewesen war, von Verbrechern, die sie nie kennengelernt hatte, schlechte Angewohnheiten abgeguckt hatte? Varti konnte es nicht wissen. »Und ich lerne schnell.«

Wieder spürte sie, wie das stummgeschaltete Komlink in ihrer Tasche vibrierte. Es gab nur sehr wenige Leute, die sich auf diesem Wege mit ihr in Verbindung setzen konnten, und das waren ganz gewiss keine sozialen Kontakte von ihr. Gil kann es nicht sein. Er benutzt nie Geheimdienstverbindungen. Es musste entweder ihr atharischer Geheimdienstkontakt sein oder ihr Führungsoffizier. Wer auch immer es war – derjenige rief nicht an, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen.

Stang…

Sie musste nachsehen, um was für eine Nachricht es sich handelte. Sie griff beiläufig in ihre Tasche und holte ihr Komlink hervor. Je heimlichtuerischer sie sich gab, desto wahrscheinlicher war es, dass Varti Fragen stellte. Als sie auf das winzige Display schaute, war klar, von wem die Nachricht stammte: Coruscant, ihr Führungsoffizier bei Notfällen, derjenige – sie wusste nie, ob es ein Mann oder eine Frau war oder welcher Spezies die Person angehörte –, der ihr die Befehle gab.

Separatistenschiffe laufen in Ihrer Richtung ein. Halten Sie sich in Bereitschaft. Wenn Sie gerade nicht sprechen können, drücken Sie 555.

In Bereitschaft halten? Okay. Gut.

Sie drückte 555 und versuchte dabei so zu wirken, als wäre sie ärgerlich, weil das Gerät nicht funktionierte. Waren auch Kriegsschiffe der Republik nach hier auf dem Weg? Würde es zu einer Schlacht um die Vorherrschaft über JanFathal kommen? Sie konnte nicht fragen. Sie traute sich nicht, über eine Sprechverbindung Kontakt aufzunehmen. Wie so häufig bei Spionen war sie völlig auf sich selbst gestellt.

Das dringlichste Problem war im Moment, am Leben zu bleiben, denn sie konnte hören, wie der bewaffnete Konvoi die schräge Auffahrt hinunterfuhr und direkt auf den Mob zuhielt.

»Zu spät, um jetzt noch zu Hause anzurufen«, sagte Varti und nahm sein Gewehr von der Schulter. »Wir haben gerade den Sender zerstört.«

Auf der anderen Seite von Varti probierte eine Frau gerade ihr Komlink aus. »Ja, das Netz funktioniert nicht mehr.«

Meins schon, Genosse…

»Gerade im richtigen Moment«, meinte Varti.

»Ist sowieso keiner zu Hause«, meinte Hallena, die weiter die ihr zugedachte Rolle spielte.

Grelles Licht durchschnitt die Nacht, als die Fahrzeuge nach rechts abbogen und die Suchscheinwerfer auf die Straße gerichtet wurden. Sie vergaß die Feuersbrunst, die weiter weg wütete. Das Einzige, was jetzt noch zählte, war, nicht zu sterben, wenn die Sicherheitskräfte das Feuer auf die Menge eröffneten.

Und das würden sie. Sie gab sich keinen Illusionen hin.

Stang! An ihrer Stelle würde ich es tun.

Es gibt jetzt keine Guten und Bösen mehr…Jetzt gilt es nur noch am Leben zu bleiben – verwirrt, verängstigt, reduziert auf Instinkte und Reflexe.

Sie überprüfte, ob ihr Gewehr aufgeladen war, und wusste, dass sie tun würde, was ihr Instinkt ihr befahl; entweder würden diejenigen, die sich vor ihr zusammendrängten, niedergemäht werden, wodurch sie einen Schutzschild bekäme, oder die Menge war doch eine Armee und hatte einen Plan.

In ein paar Sekunden würde sie es wissen.

Ja, sie hatte Angst. In ihrem Innern zog sich alles zusammen. Sie merkte, dass in ihr Gedanken aufblitzten, die in ihrer Art typisch für den Moment waren, wenn man dachte, der Tod stünde kurz bevor, und sie fragte sich, ob Gil wohl je herausfinden würde, was mit ihr passiert war, wer den Khomri-Wandbehang aus ihrer Wohnung bekommen würde und ob man sie begraben oder liegen lassen würde, sodass sie verweste.

Jeder sollte irgendwann in so einer Situation sein, nur einmal, nur damit er weiß, was wirklich zählt.

Eine Salve aus Kanonenfeuer hagelte auf ihre Köpfe. Die Menge vor ihr teilte sich wie ein Kornfeld, als alles davonhechtete, um auf beiden Seiten der Straße Deckung zu suchen und dann das Feuer zu erwidern.

Hallena – die immer noch stand, Idiot, Idiot, Idiot – konnte im aufblitzenden Mündungsfeuer Leiber flach hingestreckt auf der Straße liegen sehen. Die rechteckigen Umrisse der Aufsätze vorn an den Fahrzeugen der Sicherheitskräfte kamen auf sie zugerast. Die Dunkelheit und relative Ruhe, die noch Sekunden zuvor geherrscht hatte, war plötzlich in gleißendes weißes Licht und das ohrenbetäubende Geknatter von Blasterschüssen umgeschlagen, sodass die Luft sofort nach abgeschossenen Blasterladungen und versengtem Haar roch.

Und da stand sie nun mitten auf der Straße und fragte sich, warum alles so lange dauerte.

Als der Suchscheinwerfer sie blendete, zertrümmerte sie ihn einfach mit einem Schuss und rollte sich zur Seite. Oder vielleicht stürzte sie auch. Sie wusste es nicht. Sie spürte nur, wie ihr Ellbogen auf den harten Boden knallte, und der Schmerz zuckte durch ihren ganzen Körper bis in die Zähne hinein.

Irgendjemand packte sie bei den Schultern und zerrte sie weg. Was da auch gerade passieren mochte – die Ankunft einer Flotte von Separatisten war gerade das geringste ihrer Probleme.