26

Als der Zug im kleinen Bahnhof hält, umarmt Lea mich zum Abschied. »Ruf mich an, wenn du zu Hause bist und weißt, was los ist, ja? Ich drück dir die Daumen, dass alles gut wird.«

Ich winke ihr aus der offenen Tür noch einmal zu. Dann steige ich hinter Lennart und Nils in den Wagen, stelle meine Tasche auf den Sitz, schaue durch das schmutzige Fenster. Peter blickt mürrisch und ein bisschen traurig auf den anfahrenden Zug. Lea hat den Kopf schief gelegt, lächelt in meine Richtung und wirft mir, kurz bevor sie aus meinem Blickfeld verschwindet, eine Kusshand zu.

»Das war's dann wohl.« Nils lehnt sich im Sitz zurück, seufzt. »Schon sind die Ferien wieder vorbei.«

»Du hättest nicht mitkommen müssen«, sage ich. »Es hätte gereicht, dass ich fahre. Ich fühle mich eh wie auf dem Weg zur Schlachtbank.«

»Ist doch Ehrensache«, behauptet Nils.

Lennart räuspert sich. »Meinetwegen hättet ihr den Urlaub beide nicht abbrechen müssen. Ich hätte ja selbst gucken können, was ich da trinke.«

Wir schweigen. Jeder von uns weiß, dass es so einfach nicht ist.

»Wollen wir Karten spielen?«, fragt Nils nach einer Weile.

Die Idee ist nicht schlecht. Wir mischen, ziehen und pokern, während der Regionalzug rumpelnd Richtung Osten fährt. Der Himmel klart mehr und mehr auf, warm scheint die Sonne in den Wagen.

»Im Kartenspielen bist du ja unschlagbar, Lennart. Vielleicht lässt du Florian und mich zur Abwechslung auch mal gewinnen.«

»Strengt euch halt an«, krächzt Lennart und lacht.

 

Mein Handy klingelt um zwanzig nach zehn. Fast genau vierundzwanzig Stunden, nachdem ich in den Park geflohen bin. Draußen ziehen Wiesen vorbei, mit Kühen, Zäunen und Wassergräben, darüber blauer Himmel mit einem Rest Schleierwolken.

Zuhause steht auf dem Display.

Ich nehme das Gespräch an.