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Als Finn, Lea und Peter dazukommen, sehen wir im Licht der Taschenlampen, wie Lennart Spülmittel ausspuckt. Er hat dabei mit beiden Händen seinen Hals umklammert und ich stelle mir vor, wie das Zeug seine Speiseröhre angreift. Ein Gedanke, bei dem mein eigener Hals auch ganz rau wird.

»Was ist denn hier los?«

Weder Nils noch ich antworten Peter. Lennart kann nicht. Ein paar Tränen laufen aus seinen Augen. Jetzt versucht er, doch etwas zu sagen, schluckt, spuckt, würgt, blubbert und bringt ein einziges, kaum verständliches Wort hervor: »Spü-pü-pülmittel

»Da ist Brechen genau das Falsche«, behauptet Peter. »Los, ins Krankenhaus mit dir!« Er beginnt aufgeregt zu telefonieren, während Lea eine Packung Papiertaschentücher aufreißt und Lennarts Mund abwischt.

»Hilf mir, Florian!« Peter versucht, Lennart auf die Beine zu bringen, was nicht gelingen will, denn der knickt immer wieder ein.

Finn kümmert sich um Nils. Lea leuchtet uns den Weg durch die Dünen.

Glücklicherweise steht unten am Strandaufgang, wo auch eine Schotterstraße beginnt, eine Bank. Auf sie lassen wir Lennart plumpsen, heben seine Beine an, damit er auf ihr liegen kann, und drehen seinen Kopf so, dass Speichel, Seifenblasen und alles, was sonst noch so aus seinem Mund herausläuft, auf den Sandboden tropfen.

»Stabile Seitenlage ist das noch nicht, aber ich glaube, es geht so«, sagt Peter. Dann schimpft er los: »Wie konntet ihr nur nicht merken, aus welcher Flasche er in seinem Suff trinkt? Soo daneben seid ihr doch noch gar nicht!«

Nils sieht mich mit wild aufblitzender Angst an. Nein, soo betrunken und neben der Spur sind wir nicht.

»Es war ein Versehen«, antworte ich hastig und merke, wie Peter mich mehr als misstrauisch mustert.

»Ein Scherz«, füge ich hinzu, obwohl ich weiß, dass es auch das nicht trifft.

»Ein Scherz«, wiederholt Peter ironisch, »ach so.«

Sein Zornesgebrüll bricht so plötzlich über uns herein, dass wir alle zusammenzucken. »Ich dachte auch, es wäre ein Scherz, als ich hörte, ihr wärt zu einer Saufparty aufgebrochen! Verdammt noch mal, das hier ist eine Sportveranstaltung und kein Assitreff. Es gibt hier Regeln, Absprachen, wie beim Spiel. Wir haben uns auf euch verlassen, wir tragen die Verantwortung. Wir müssen euch heil wieder nach Hause bringen. Wie sollen wir das hier euren Eltern erklären?«

»Er atmet jetzt zumindest ein bisschen ruhiger«, flüstert Lea und streicht Lennart über das schweißverklebte Haar, ähnlich wie es meine Mutter oft bei Sarah tut.

»Das ist aber auch das einzig Gute an diesem Abend«, knurrt Peter, flucht, sieht auf die Uhr und läuft nervös hin und her, bis endlich das Taxi vor dem Strandaufgang hält.

Krankenhaus heißt auf Holländisch Hospitaal, aber der Taxifahrer versteht auch Deutsch. Die Spülmittelflasche steckt Peter ein, damit die Ärzte gleich wissen, woran sie sind. Finn, Lea und Nils schickt er zu Fuß zum Camp zurück. Mich nimmt er mit.