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Nick stürzte auf den Boden der Bibliothek und schrie vor Qual. Sein bester Freund war tot, und Julia hatte nicht mehr lange zu leben.

Es ging längst nicht mehr darum, sie vor ihrem Tod um 18.40 Uhr zu bewahren. Er musste sie um 13.00 Uhr vor der Zukunft retten, die er soeben für sie geschaffen und in der er sie allein gelassen hatte, um von Dance’ Hand zu sterben. Und er musste die tödliche Zukunft abwenden, die Marcus drohte, seinem besten Freund, der ihm geholfen hatte, ohne Fragen zu stellen, der ihm geglaubt hatte, als Nick von goldenen Taschenuhren und unmöglichen Zeitreisen erzählt hatte, und der für Julia in den Tod gegangen war – ein Opfer, das sich als vergeblich erwiesen hatte.

Nick spielte Gott, und nun bekam er die Folgen zu spüren. Er bewegte die Figuren in einem Spiel, das er bereits verloren hatte. Er konnte nicht vorgreifen und seine Freunde retten, sondern erlitt ständig Rückschläge, als wäre er eine Figur aus einer griechischen Sage, und Zeus und Athene spielten mit seinem Leben. Nur dass Zeus in diesem Fall einen zweireihigen blauen Blazer trug und geheimnisvolle Taschenuhren austeilte, von denen Einstein nie gehört hatte.

Jede Bewegung, jeder falsche Schritt in den letzten neun Stunden hatte Folgen gezeitigt, die Nicks Ausgangssituation verschlimmerten. Stück für Stück wurde sein Leben zerlegt.

 Nick musste verhindern, dass etwas von dem geschah, was er in den letzten Stunden miterlebt hatte, wollte er auch nur die geringste Chance haben, alles ins Lot zu bringen. Doch mit jedem Schritt, den er tat, mit jeder Veränderung, die er bewirkte, schuf er eine Zukunft, die weit schlimmer ausfiel als die, die er ursprünglich hatte verhindern wollen.

Marcus hat recht, überlegte er. Die unbeabsichtigten Folgen unseres Handelns ändern nicht nur unsere eigene Zukunft, sie beeinflussen auch das Leben aller, die um uns sind – aller Menschen, die uns lieb und teuer sind.


 
Nick jagte in seinem Audi über den Sunrise Drive. Von seinem Schreibtisch hatte er sich sein persönliches Handy genommen, das in der Zukunft in Marcus’ Wagen zurückgeblieben war. Ähnlich hatte er seine Autoschlüssel im roten Schlüsselkasten des hinteren Flurs gefunden. Die Pistole hatte er aus dem Safe genommen und spürte nun ihren kalten Stahl im Kreuz. Wieder war er fasziniert gewesen, als er das Rädchen nach links, rechts und wieder links drehte und die Pistole in der Vergangenheit dort liegend vorfand. Er versuchte, sich darüber klar zu werden, welche Folgen es gehabt hatte, dass er die Waffe schon oft aus dem Tresor genommen und dabei jedes Mal unmöglich gemacht hatte, dass sie in der Zukunft noch dort lag. Doch er konnte dieses Paradoxon nicht begreifen. Und soweit es ihn betraf, gab es keine Zukunft ohne Julia.

Als Nick die Stadt erreichte, fuhr er ins Zentrum des Grauens. Die Gehsteige waren voll, die Straßen verstopft, der Verkehr stand. Fahrer lehnten an ihren Wagen, deren Motoren im Leerlauf liefen. Aller Blicke waren zum Himmel gerichtet, auf die dicken schwarzen Rauchwolken, deren Bäuche von grellen Explosionen erhellt wurden, wenn das Flugbenzin zündete. Sekunden später brandete Donner heran, der den Boden erschütterte.

 Es war, als würde in Byram Hills Krieg geführt. Als stünde ein gewaltiges Ungeheuer am Horizont, das die Pranken vorstreckte und alle verschlingen würde. Panik erfüllte die Straßen; Geschäftsinhaber schlossen ihre Läden, und Parkplätze leerten sich.

Männer und Frauen wählten mit zitternden Händen hektisch an Handys, ohne sich erinnern zu können, in welchem Flugzeug ihre Angehörigen saßen. Kinder blickten mit großen, verwunderten Augen auf das Schauspiel, ohne zu begreifen, was sie sahen.

Der Tod war nach Byram Hills gekommen.

Rufe und Schreie, Weinen und Stöhnen erfüllten die Stadt. Menschen eilten die Bürgersteige entlang, Fußgänger sprangen in Autos. In der Ferne erklang das Kreischen von Feuerwehrsirenen. Streifenwagen rasten durch die Seitenstraßen, schufen sich mit auf- und abschwellendem Heulen freie Bahn. Alles bewegte sich auf den Ort der Katastrophe zu.

Gebete wurden gesprochen, alltägliche Probleme waren vergessen. Alle Gedanken richteten sich auf die Opfer und ihre Hinterbliebenen.

Nick konnte den Wagen nur noch im Schritttempo voranbewegen; die panische Menge schloss ihn ein. Sein Blick fiel auf die Zeitanzeige am Armaturenbrett, bei deren Anblick ihm die Uhr in seiner Tasche wie ein Bleiklumpen vorkam.

12.05 Uhr.

Keine drei Stunden, ehe ihm die Zeit ausging.

Als der Stau sich endlich auflöste, bog Nick auf die Maple Avenue Richtung Washington House ab. Als er dort ankam, drückte er den Blinkerhebel, brachte ihn dann aber schnell in Ausgangsstellung zurück und trat aufs Gaspedal.

Er hatte vergessen, wie spät es war.

Auf dem Parkplatz neben Shamus Hennicots Haus parkte Julias Lexus. Julia war lebendig, befand sich irgendwo im Haus und versuchte zu verarbeiten, dass bei ihrem Mandanten eingebrochen worden war, ohne die Folgen zu ahnen, die es für sie haben würde.

Nick überlegte, ob er zu ihr eilen, sie in die Arme nehmen und für immer festhalten solle, aber der Einbruch hatte sich schon ereignet. Dance und seine Leute waren bereits vom Verfolgungswahn befallen. Ihre Suche nach Zeugen, Überwachungsvideos und letztendlich nach Julia hatte längst begonnen.

Nick fragte sich, ob er Marcus erneut rekrutieren solle, doch er hatte ihn schon einmal in den Tod geführt. Er dachte daran, Julia sofort mit sich zu nehmen, wusste aber, dass sie früher oder später gefunden würde, und dann wäre ihr Tod unausweichlich – ein sinnloser Tod, den er bereits zweimal hatte miterleben müssen. McManus musste erst noch am Schauplatz eintreffen, und er hatte nicht die leiseste Ahnung, wo Paul Dreyfus war.

Nick zog den Christopherus-Anhänger hervor, den er Julias Mörder vom Hals gerissen hatte. Ursprünglich hatte er geglaubt, es wäre der Talisman, mit dem er den Täter aufspüren könne, doch letztlich war der Anhänger nur ein Stück Metall, das schwer in seiner Tasche lag.

Eine Spur, die sich als Sackgasse erwiesen hatte. Nick war überzeugt gewesen, dass der Anhänger Dance gehörte, doch Dance trug nichts um den Hals.

Shannon hatte er in seinem verschwitzten kurzärmeligen Hemd gesehen, doch auch er trug keinen Anhänger oder Ähnliches. Brinehart war von Dance ermordet wurde, ehe Julia erschossen wurde, und Randall war der übergewichtige Komplize, der Nick an der Haustür abgelenkt hatte. Damit blieben nur Arilio, den Nick noch nie gesehen hatte, und der Gangsterboss Rukaj. Einer von beiden musste es sein – oder irgendjemand, von dem Nick noch gar nichts wusste. Er würde sich weiter bemühen, doch Nick hatte die Hoffnung aufgegeben, der Anhänger könnte zur Identifizierung des Mörders führen.

 Er sah deutlich, dass Christopherus-Anhänger und Mahagonikästen, goldene Schwerter und Dolche, jede Stunde, jeder Mord – dass alles auf einen einzigen Ursprungspunkt zurücklief: zu dem Einbruch bei Shamus Hennicot.

Und die Rettung Julias und Marcus’ lief darauf hinaus, dieses Ereignis zu verhindern und dafür zu sorgen, dass Dance nie den Coup ausführte, den er daraufhin vertuschen müsste. Aber das konnte Nick jetzt nicht bewerkstelligen – nicht, nachdem der Einbruch geschehen war. Er müsste bis elf Uhr warten, einen Zeitpunkt, ehe die Einbrecher ins Haus eindrangen. Folglich hatte er fünfundvierzig Minuten, um die Teile des Puzzles zusammenzusetzen und einen Plan zu entwickeln, wie er es mit fünf Bewaffneten aufnehmen sollte, die von Dance angeführt wurden, dem ein Menschenleben nichts bedeutete.


 
Der Beamte der Polizei von Byram Hills saß in einem Zivilfahrzeug. Sein Blick war auf ein weißes Gebäude fünfzig Meter vor ihm gerichtet. Nervös trommelte er mit den Fingern aufs Lenkrad. Seine dunkelblaue Schirmmütze lag neben ihm auf dem Beifahrersitz. Er hasste diese Mütze, die so albern aussah. Warum war dieses steife Design mit dem Lacklederschirm nach fünfundsiebzig Jahren noch in Gebrauch, wenn die übrige Mode in der Gegenwart lebte?

Nolan Brinehart hatte schon als kleiner Junge Kriminalbeamter werden wollen; er hatte davon geträumt, wie einer der Fernsehserienhelden mit messerscharfem Verstand Verbrechen aufzudecken und aus den zusammenhanglosesten Hinweisen den gefährlichsten Killern auf die Spur zu kommen. Doch er hatte Schwierigkeiten mit dem Lösen quadratischer Gleichungen und mit Algebra im Allgemeinen, und als Kind hatte er es nicht einmal geschafft, ein Puzzlespiel fertig zusammenzusetzen.

Brinehart hatte die Byram Hills High School besucht und besaß aus seiner Jugend reichhaltige Erfahrung mit der Polizei – von der anderen Seite des Gesetzes aus natürlich. Er war nie angeklagt oder gar verurteilt worden, sondern der typische auffällige Heranwachsende: Trunkenheit, Ruhestörung, Handgreiflichkeiten, aber nichts, was über jugendliche Ungebärdigkeit hinausging.

In der Hoffnung, schnell voranzukommen, damit er ein anständiges Gehalt bekam und die alberne Mütze mitsamt der blauen Uniform ablegen konnte, hatte er sich bei Detective Dance eingeschmeichelt. Er wusste, dass Dance vor ein paar Jahren Shannon weitergeholfen und sich für ihn eingesetzt hatte. Shannon, der wie Dance aus Brooklyn kam, war dadurch nach nur einem Drittel der sonst üblichen Zeit befördert worden.

Und jetzt hatte Brinehart in Dance seinen Mentor gefunden. Dance war ein Lehrer, der dringend einen neuen Gefolgsmann brauchte, und Brinehart war ein braver Schüler.

Dance hatte ihm erklärt, dass die romantische Welt der Kriminalbeamten, wie sie in Film und Fernsehen dargestellt wurde, gar nicht existierte. Verbrechen ließen sich zumeist entweder mühelos aufklären oder überhaupt nicht, und die Bezahlung sei grauenhaft schlecht. Doch wenn Brinehart bereit wäre, einem etwas anderen Weg zu folgen, könne er nicht nur in einem Jahr zum Detective ernannt werden, sondern auch ein Bankkonto besitzen, das ihm einen Lebensstil erlaube, der sich mit dem mickrigen Gehalt eines Detective unmöglich finanzieren ließe.

Auf diese Weise war Brinehart im letzten Moment zu Dance’ Truppe gestoßen und fungierte nun als Aufpasser und Laufbursche.

Brinehart freute sich auf seinen Anteil. Eine Million Dollar war ihm versprochen worden, eine Summe, die es ihm gestatten würde, seiner Frau jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Dance hatte ihm gesagt, sie würden das Geld einem Mann wegnehmen, der es nie vermissen würde und dessen märchenhaften Reichtum Brinehart niemals begreifen könne.

Dance’ hatte ihm versichert, es sei ein leichter Bruch; er habe einen Informanten in der Sicherheitsfirma. Brinehart müsse nur die Augen nach Leuten aufhalten, die sich dem Haus näherten, während sie drin waren, oder anderen möglichen Problemen, die sich anbahnten.

Brinehart hatte beobachtet, wie Dance, Randall und Arilio von Sam Dreyfus ins Washington House geführt worden waren, und war zum Schmierestehen draußen geblieben. Bald darauf brachten Randall und Arilio die beiden Sporttaschen heraus und legten sie in den Kofferraum von Dance’ Taurus; dann verschwanden sie wieder im Haus.

Sam kam zwei Minuten später mit einem braunen Holzkasten unter dem Arm heraus und erzählte Brinehart vom Erfolg des Coups und von dem Geld, das sie sich soeben leicht verdient hätten. Dann setzte er sich in Randalls Chrysler und fuhr davon.

Augenblicke später brach Dance wie ein wildes Tier durch die Tür, sprang in seinen Wagen und jagte Sam hinterher.

Brinehart hatte nie begriffen, dass das Problem, auf das er achten sollte, aus dem Haus kommen könnte, aus ihrer Gruppe von fünf Mann. In letzter Sekunde hinzugekommen, hatte er die anderen für Freunde gehalten, für Partner; nie hätte er geglaubt, ihr Mann bei der Sicherheitsfirma könne insgeheim eigene Absichten verfolgen, die ihren gesamten Plan über den Haufen warfen und alles in einer Katastrophe enden ließen.

Dance rief Brinehart aus seinem Wagen an und machte ihn zur Schnecke, weil er Sam hatte entkommen lassen. Brinehart solle am Washington House bleiben, wies Dance ihn an, es weiter beobachten und alles melden, was er sah. Und er solle sich bloß keine weiteren Dummheiten leisten.

 Um 11.50 Uhr beobachtete Brinehart, wie die Frau mit dem schwarzen Lexus auf den Parkplatz fuhr. Sie hatte fünfundzwanzig Minuten im Wagen gewartet und beobachtet; er hatte das Kennzeichen überprüft. Das Fahrzeug gehörte Julia Quinn. Sie hatten vermutet, dass dieser Name früher oder später auftauchen würde: Julia Quinn war Shamus Hennicots Anwältin.

Brinehart ignorierte alle Aufrufe, sich zur Absturzstelle zu begeben; stattdessen blieb er in seinem zivilen Streifenwagen unter den Hecken des Wampus Park sitzen und schaute zu, wie seine Kollegen zusammen mit Feuerwehrleuten und anderen Rettungskräften zum Schauplatz des Unglücks rasten. Er hörte in seinem Radio von irgendeiner Katastrophe, wie man sie in dieser Gegend noch nie erlebt habe. Seine Neugierde stachelte ihn an, seinen Posten zu verlassen, doch Dance hatte ihm befohlen, sämtliche Aktivitäten zu beobachten und auf alles zu achten, was in irgendeiner Weise ungewöhnlich erschien.

Der Audi war inzwischen dreimal um das Gebäude gefahren. Das war nicht allzu verdächtig – schließlich konnte es sein, dass der Fahrer sich verirrt hatte –, doch bei dem schwarzen Rauch und der Flammenhölle, den sich leerenden Straßen und den heulenden Rettungsfahrzeugen fuhr niemand, der sich verirrt hatte, dreimal um ein Gebäude herum.

Brinehart überprüfte das Kennzeichen des Audi und stellte fest, dass der Wagen einem Nicholas Quinn gehörte, der die gleiche Adresse hatte wie Julia Quinn. Sein Herz klopfte schneller, als ihm ein Verdacht kam; es war beinahe so, als wollte Quinn nicht, dass seine Frau von seiner Anwesenheit erfuhr.

Brinehart beobachtete, wie Julia Quinn Washington House verließ und zum Himmel schaute. Sie zog ihr Mobiltelefon aus der Handtasche und wählte, während sie in ihren Lexus stieg; dann verließ sie rasch den Parkplatz und fuhr davon.

Kaum war sie am Ende der Straße verschwunden, als der Audi zurückkehrte, sich langsam Washington House näherte und auf den Parkplatz fuhr.

Weitere Bestätigungen benötigte Brinehart nicht. Er ließ seinen Wagen an, überquerte die Straße und blockierte die Ausfahrt.


 
Dreimal hatte Nick den quadratmeilengroßen Block Washington House gegenüber umkreist. Mit jeder Runde wuchs das Entsetzen in der Stadt. Panik breitete sich aus. Niemand wusste, was vor sich ging. Während Nick im schleichenden Verkehr mitkroch, hörte er das Murmeln der Menge, spürte die Angst der Menschen, hörte Gerüchte über einen Flugzeugabsturz, die Explosion einer Gasleitung, einen Terroranschlag.

Larry Powers stand vor der Geschenkboutique seiner Frau, umgeben von Leuten, als wäre er der städtische Ausrufer und wüsste alles.

Nick hörte die Menschen aufgeregt durcheinanderreden.

»… habe es mit eigenen Augen gesehen. Ich hatte gerade zum Himmel geschaut … es war grauenhaft. Zwei Flugzeuge …«

»Zwei Flugzeuge?«, unterbrach ihn jemand. »Was für welche?«

»Eines rammte direkt das andere, wie zwei Vögel, die zusammenstoßen und tot vom Himmel fallen …«

Im Fluss des Verkehrs gefangen, fuhr Nick weiter, als hinter ihm gehupt wurde, doch er musste an Paul Dreyfus denken: Es war sein Flugzeug gewesen, und sein Bruder Sam hatte am Steuer gesessen. Der schicksalhafte Einbruch in Shamus Hennicots Haus führte nicht nur zu Julias Tod, er verursachte auch unbeabsichtigt den Absturz von North East Air Flug 502 und kostete die 212 Passagiere das Leben. So viele Unschuldige, gestorben wegen Unersättlichkeit und Gier.

Nick hatte sich während dieses verrückten Tages ausschließlich auf Julia konzentriert, sodass er gar nicht darüber nachgedacht hatte, was tatsächlich hinter dem Flugzeugabsturz stand – was bewirkt hatte, dass der A 300 an einem wolkenlosen Sommermorgen vom Himmel fiel.

Nick überlegte, dem Nationalen Amt für Transportsicherheit mitzuteilen, was er wusste, damit man sich auf andere Dinge als die Absturzursache konzentrieren konnte, doch er sagte sich, dass man es dort schon früh genug erfahren würde.

Plötzlich begriff er: Wenn er den Einbruch tatsächlich verhindern konnte, wenn er Sam Dreyfus und Ethan Dance von der Durchführung ihres Plans abhalten konnte, rettete er nicht nur Julia …


 
Als Nick in die Maple Avenue einbog, sah er von Weitem, wie Julias Lexus sich in Richtung Route 22 entfernte. Er fuhr langsamer und suchte erneut die Umgebung ab. Bei jeder Vorbeifahrt hatte er nach Dance Ausschau gehalten, doch der Detective war nirgends zu sehen gewesen. Die Straßen waren voller Autos, die stadtauswärts fuhren; jeder war auf der Flucht, als könnte ein weiteres Flugzeug vom Himmel fallen. Viele Bewohner Byram Hills’ waren unterwegs nach Hause, doch mindestens genauso viele fuhren auf der Route 22 nach Sullivan Field – einige aus morbider Neugierde, die meisten jedoch, um zu helfen. Es war ein nicht abreißender Strom von Stadtbewohnern.

Die Menschen geben immer dann ihr Bestes, wenn es am schlimmsten steht, ging es Nick durch den Kopf.

Er wünschte, er hätte etwas tun können, aber wenn Julia leben sollte, brauchte er jede Sekunde, um herauszufinden, wie er den Einbruch verhindern konnte. Von dieser Stunde waren nur noch fünfzig Minuten übrig; dann würde Nick an jenen alles entscheidenden Zeitpunkt zurückversetzt werden, als der Einbruch in Washington House noch nicht geschehen war – jener Moment, als alle Rädchen in Bewegung gesetzt worden waren, was letztendlich zu Julias und Marcus’ Ermordung führte.

Nick bog in die Zufahrt von Washington House ein. Als er spürte, wie seine Hoffnung wuchs, packte ihn Erregung. Sein Plan nahm Gestalt an. Was er zuerst für die Spinnerei eines gebrochenen Mannes gehalten hatte – die Auferstehung seiner Frau von den Toten –, rückte in greifbare Nähe.

Als er auf dem Parkplatz stand, stieg er aus dem Audi.

Sekunden später näherte sich ein ziviler Streifenwagen.


 
Brinehart verließ sein Fahrzeug, setzte die Polizeimütze auf, stützte die Hand auf den Griff der Pistole im Holster und ging zum Audi.

Nick starrte ihn an. Er wusste genau, dass es sich um keine Verkehrskontrolle handelte. Er hatte Brinehart den Unschuldigen spielen sehen und beobachtet, wie er jeden anlog und Marcus die Brillanten unterschob, was zu ihrer Festnahme und Marcus’ Tod führte.

Nick hatte Brinehart vor dem Zusammentreffen auf dem Highschool-Parkplatz schon einmal gesehen: Er hatte tot am Grund des Stausees gelegen.

Für Brinehart war dies natürlich ihre erste Begegnung.

»Gibt es ein Problem, Officer?«, fragte Nick.

»Darf ich fragen, was Sie hier machen?«, wollte Brinehart wissen.

Zwei Feuerwehrwagen jagten mit heulenden Sirenen vorbei und ertränkten den Augenblick.

Nick wurde sich plötzlich des Gewichts seiner Waffe bewusst, die ihm ins Kreuz drückte. Er hätte nach hinten greifen können und sie binnen Sekunden schussbereit gehabt, aber er besann sich eines anderen. Wenn er den geringsten Fehler machte, war Julia tot.

 »Sir, ich muss Sie bitten, sich umzudrehen und die Hände auf das Dach Ihres Fahrzeugs zu legen.«

»Wieso? Ich habe nichts getan.«

»Sir, drehen Sie sich um und legen Sie die Hände aufs Dach.«

Nick drehte sich langsam um und verfluchte sich dafür, dass er so dumm gewesen war, sich in Sicherheit zu wiegen, bis er glaubte, dass Dance’ Leute das Haus nicht noch nach dem Einbruch überwachten.

»Ehe Sie mich durchsuchen«, sagte Nick über die Schulter, »ich habe eine SIG Sauer im Hosenbund. Sie ist registriert, und ich habe einen Waffenschein.«

»Darf ich fragen, weshalb Sie bewaffnet sind?«, fragte Brinehart, wobei er Nicks Jacke anhob und die Pistole herauszog.

»Ich trage sie zu meinem Schutz.«

»In Byram Hills?«

»In New York«, erwiderte Nick. Es gefiel ihm nicht, wie rasch und mühelos ihm mittlerweile Lügen einfielen. »Ich habe Grundbesitz in ziemlich … nun, rauen Gegenden.«

»Hmm.« Brinehart prüfte die Sicherung der Waffe, schob sie sich in den eigenen Hosenbund und tastete Nick von den Fußknöcheln bis hinauf zu den Schultern ab.

»Bitte leeren Sie Ihre Taschen aus. Langsam.«

Nick zog Dreyfus’ Brieftasche zusammen mit seiner eigenen hervor und legte sie auf den Kofferraumdeckel. Dazu kamen sein Handy und ein bisschen Kleingeld; dann nahm er die beiden Kuverts mit den Briefen Marcus’ und des Europäers aus der Jackentasche und verfluchte sich, dass er sie noch immer mit sich herumtrug.

»Ist das alles?«, fragte Brinehart, der eine kleine Beule in Nicks linker Hosentasche entdeckte.

Widerstrebend schob Nick die Hand in die Tasche. Als er die goldene Uhr und den Christopherus-Anhänger hervorzog, blickte er Brinehart fest in die Augen und achtete auf irgendein Zeichen, dass der Mann die Gegenstände wiedererkannte.

»Hübsche Uhr.« Brineharts Aufmerksamkeit galt ganz der Antiquität. »So was sieht man heute nicht mehr oft.«

Brineharts Blick schweifte zu den Brieftaschen, und er nahm beide auf. »Gibt es irgendeinen Grund, weshalb Sie zwei Brieftaschen bei sich haben?«

Nick schwieg, während Brinehart die erste Brieftasche öffnete und Nicks Führerschein und Kreditkarte sah. Er legte sie weg, öffnete Dreyfus’ Brieftasche und riss die Augen auf. Dann wandte er sich Nick zu. »Legen Sie die Hände auf den Rücken, Sir.«

»Sie machen Witze. Was ist denn los?«

»Ich sage es nicht noch einmal.« Brinehart legte die Hand auf das Holster.

Nick gehorchte kopfschüttelnd. Sofort schlossen sich die Handschellen um seine Handgelenke. Ihm war, als hätte er die Todesstrafe erhalten.

Brinehart ging an Nicks Wagen, zog den Schlüssel vom Zündschloss ab und nahm das Funkgerät vom Gürtel.

»Dance?«

»Ja«, antwortete die unverkennbare Stimme des Detectives.

»Wo bist du?«

»Noch immer am Flughafen. Was ist denn los?«

»Möglicherweise haben wir ein Problem. Ich habe einen Nicholas Quinn erwischt, wie er bei Washington House herumschnüffelte.«

»Quinn? So wie in Julia Quinn?«

»Ja. Sie war hier, ist aber wieder gefahren.«

»Hat er auf sie aufgepasst?«

»Er hat Paul Dreyfus’ Brieftasche.«

 »Woher?«

»Soll ich ihn verhören?«, fragte Brinehart.

»Nein, verdammt!«, kanzelte Dance ihn ab. »Bring ihn aufs Revier. Übergib ihn Shannon. Ich will, dass er von jemandem mit Erfahrung vernommen wird.«


 
Nick schaute sich im Raum um, in dem er an einem kargen Stahltisch saß. Die eiserne Tür mit dem Bullauge war voller Kratzer, und an einer Wand hing ein dunkler Zweiwegespiegel. Anders als in den meisten Gebäuden der Stadt brannte hier das elektrische Licht. Der Taschenuhr zufolge war er vor über neun Stunden hier gewesen, um 21.30 Uhr in der Zukunft. Damals war er Dance zum ersten Mal begegnet und hatte ihn als freundlichen, mitfühlenden Mann kennengelernt, nur um später zu erfahren, was für ein Dreckskerl er war.

Hier hatte alles angefangen, im Verhörraum des Byram Hills Police Department, in den man ihn unter dem Verdacht geschafft hatte, seine Frau ermordet zu haben. Und wie er später erfahren sollte, hatte ihm ausgerechnet der Mann, von dem er vernommen worden war, die Tat angehängt.

Brinehart hatte ihm die Taschen vollständig ausgeleert und ihm alles abgenommen – Paul Dreyfus’ Brieftasche, seine eigene Brieftasche, seine Schlüssel, seine Pistole, den Umschlag mit Marcus’ Brief und der Seite aus dem Wall Street Journal, dazu den Brief des Europäers, den Christopherus-Anhänger und jenen Gegenstand, dessen Verlust echte Panik bei Nick auslöste, weil es das Einzige war, was er unbedingt besitzen musste, um Erfolg zu haben und Julia zu retten: die goldene Taschenuhr.

Er hatte die Uhr bisher für selbstverständlich gehalten. Wo er zuerst skeptisch gewesen war und über die Unbegreiflichkeit gelacht hatte, traute er dieser Uhr nun ohne jeden Vorbehalt. Nach nunmehr neun Zeitsprüngen vertraute er ihr genauso, wie er darauf vertraute, dass jeden Morgen die Sonne aufging. Er betrachtete sie jetzt nicht mehr mit Ehrfurcht, Staunen oder Verwunderung, sondern wie einen Vertrauten. Er hatte sie stundenlang nicht mehr aus der Tasche gezogen, um zu beobachten, wie die Sekunden vertickten; er glaubte ihren dahingleitenden Zeigern, glaubte, dass ihr Inneres ihn irgendwie in der Zeit zurückversetzte …

Die Uhr war seine Brücke. Sie war das Licht, das ihn leitete, um Julia zu retten.

Und jetzt war sie verschwunden.

Er blickte auf die Wanduhr.

Halb eins.


 
Detective Bob Shannon kam mit einem kleinen flachen Weidenkorb, in dem Nicks persönliche Gegenstände lagen, und zwei Bechern Kaffee in den Raum.

Shannon hatte sich das dunkle Haar ordentlich zurückgekämmt, seine Hände waren sauber, und weder Schweiß noch Schmutz klebten an ihm. Er wirkte fit und ausgeruht, ganz anders als vor ein paar Stunden, als Nick ihn an der Absturzstelle getroffen hatte. Dort war das Entsetzen über das Sterben so vieler Menschen in seinen Augen zu erkennen gewesen, und die Belastung hatte ihn beinahe zerbrochen.

»Tut mir leid, dass Sie warten mussten«, sagte Shannon. Das war eine andere Begrüßung als vor neun Stunden, als Shannon ihn im gleichen Raum beschimpft und beschuldigt hatte, Julia ermordet zu haben. Er stellte einen Becher Kaffee vor Nick und setzte sich ihm gegenüber auf den Stahlrohrstuhl.

»Spielen Sie den guten Bullen?«, fragte Nick.

»Ob Sie’s glauben oder nicht, sonst ist niemand hier. Nur Sie und ich. Ich bin der gute und der böse Bulle in einer Person.« Shannon grinste, doch die Erheiterung verschwand rasch, als er in Gedanken abschweifte. Er fuhr mit der Hand über sein dunkles Haar und lehnte sich zurück. »Dieser verdammte Flugzeugabsturz ist entsetzlich. Jeder, der zwei gesunde Beine hat, ist an der Absturzstelle. Ich habe das Revier ganz für mich allein, nur ich und der Sergeant, der die Anrufe entgegennimmt … Nein, ich ziehe hier kein Cop-Klischee ab. Ich bringe Ihnen an einem wirklich miesen Tag nur einen Becher passablen Kaffee.«

»Ich wüsste gerne, was eigentlich los ist«, sagte Nick.

»Ihnen wird nichts vorgeworfen, Mr. Quinn. Ich muss Ihnen nur ein paar Fragen stellen. Officer Brinehart ist noch ein bisschen feucht hinter den Ohren. Zu sagen, dass wir im Moment zu wenig Leute haben, wäre die Untertreibung des Jahres. Detective Dance hat angerufen und mich gebeten, Ihnen ein paar Fragen zu stellen, ehe er hier eintrifft.«

»Dann stellen Sie Ihre Fragen«, sagte Nick mit einem Blick auf die Wanduhr, auf der zu sehen war, wie die Zeit unerbittlich verrann.

»Dance möchte wissen, wieso Sie die Brieftasche dieses Mannes in Ihrem Besitz haben.«

»Sie glauben, ich hätte sie gestohlen?«

»Nein, Mr. Quinn. Ich habe Sie bereits überprüft. Ich weiß, wer Sie sind. Und ich weiß auch, dass Sie in dieser Stadt aufgewachsen sind. Wahrscheinlich würde die Hälfte aller Einwohner für Sie bürgen. Ich weiß, dass Sie berechtigt sind, diese Pistole zu tragen – im Augenblick haben wir sie weggeschlossen. Egal was Dance denken mag, ich glaube nicht, dass Sie die Brieftasche entwendet haben. Dance sagte, dass er im Zuge einer vorbereitenden Ermittlung nach Paul Dreyfus sucht, dem Eigentümer der Brieftasche.«

»Ich habe sie gefunden«, stieß Nick hervor und hoffte, dass er mit dieser Lüge durchkam.

»Wo?«

»Vor Washington House, auf dem Bürgersteig.«

 »Darf ich fragen, was Sie dort gesucht haben?«

»Meine Frau ist die Anwältin von Shamus Hennicot. Ihm gehört das Haus. Sie glaubte, bei Hennicot könnte eingebrochen worden sein. Ich bin dann an ihrer Stelle hingefahren.«

»Eingebrochen? Was soll das heißen? Wir haben kein Wort davon gehört.« Nick konnte nicht sagen, ob Shannon in Wirklichkeit zu Dance’ Leuten gehörte und ihn täuschen wollte, doch die Überraschung in seinem Gesicht wirkte echt.

»Meine Frau sagt, vielleicht ist eingebrochen worden.« Nick machte eine frustrierte Handbewegung. »Sie hätte eigentlich in dem Flugzeug sitzen sollen und ist völlig mit den Nerven fertig. Deshalb würde ich gerne weiterfahren und sie suchen.«

Shannon nickte. »Okay. Ich habe nur noch eine Frage.«

Nick sah, wie Shannon wieder in den flachen Korb griff. Er beobachtete, wie seine Hand über Marcus’ Brief und dem Schreiben des Europäers hinweg zur Taschenuhr schwebte, dann jedoch über dem Christopherus-Anhänger verharrte, ehe er ihn an seinem silbernen Kettchen hochhob. Shannon legte den Anhänger auf den Tisch; das Kettchen strömte aus seiner Hand wie Wasser. Dann schob er alles über den Tisch zu Nick hinüber.

»Woher haben Sie das?«, fragte er.

Nick hob es auf, drehte es in der Hand und las die schicksalhafte Inschrift. »Ich weiß nicht, wem es gehört.«

»Danach habe ich nicht gefragt.« Shannon griff in die Hosentasche, holte etwas heraus, legte es auf den Tisch, von der Hand verdeckt, und zog schließlich die Hand zurück. Vor ihm lag der gleiche Anhänger.

Nick schlug das Herz bis zum Hals. Er blickte Shannon an, den Detective, der ihn verhört und bedroht hatte, der vor neun Stunden bereit gewesen war, ihn in diesem Raum zu töten, und der ihn beschuldigt hatte, seine Frau ermordet zu haben, obwohl er selbst den Abzug betätigt hatte.

 Nick sah den Mann vor sich, der Julia ermordet hatte.

Den Mann, den er von seinem Haus durch die Straßen gehetzt und in seinem Wagen gegen einen Baum gedrängt hatte. Den Unsichtbaren, mit dem er sich eine Schießerei geliefert hatte und den er beinahe gefasst hätte. Den Mann, dem er in der Zukunft den Anhänger abgerissen hatte, der nun zur gleichen Zeit zweimal existierte.

Nicks Augen brannten vor Hass.

»Oh, habe ich da einen Nerv getroffen?«, fragte Shannon. »Sie starren mich an, als wollten Sie mich umbringen. Das ist doch nur ein Anhänger.«

Nick wollte den Mann packen, der vor ihm saß, und ihn umbringen – den einzigen Menschen in diesem Revier, von dem er geglaubt hatte, er könnte ihm trauen.

»Hören Sie«, sagte Shannon. »Ich muss wirklich wissen, woher Sie das Ding haben.«

»Warum?«, flüsterte Nick, den Blick starr auf die beiden Anhänger gerichtet.

»Weil ich weiß, wem er gehört, und nicht wusste, dass er ihn verloren hat.«

Nicks Welt stellte sich zum x-ten Mal auf den Kopf.

»Was soll das heißen – Sie wissen, wem er gehört?« Er wäre nie auf den Gedanken gekommen, es könnte mehr als einen Anhänger geben.

»Die Inschrift auf der Rückseite«, sagte Shannon, zog den Anhänger zu sich, drehte ihn um und tat das Gleiche mit seinem eigenen. Shannons Anhänger zeigte keine Gravur.

»Er nimmt sie mitsamt seinen Ringen, seinem Armkettchen und seiner Uhr ab, wenn seine Schicht beginnt. Morgens stopft er sie in die guten Schuhe, die er im Spind lässt, und legt am Abend, ehe er geht, alles wieder an.

Die Sache ist nur die: Ich habe heute Morgen um sieben Uhr gesehen, wie er alles abgelegt hat, und Sie kämen auf keinen Fall in unseren Umkleideraum. Der ist wasserdicht, und vor dem Flugzeugabsturz wimmelte es dort von Bullen.«

»Wem gehört der Anhänger?«, fragte Nick gespannt.

»Ironischerweise gehört er Detective Dance«, antwortete Shannon.

»Ganz sicher?«, fragte Nick langsam.

»Absolut.« Shannon beugte sich vor. »Sehen Sie die Scharte am Rand? Das ist bei irgendeiner Nebentätigkeit am anderen Ende des Bezirks passiert. Und die Inschrift auf der Rückseite hat seine Mutter eingravieren lassen: Wunder gibt es wirklich. Sie war eine großartige Frau und sehr fromm. Sie glaubte, dass Gottes Hand das Schicksal führt und dass wir alle uns nach dem Tod einem höheren Richter stellen müssen. Dance war ihr einziges Kind. Ihr Wunder.«

Plötzlich fügte sich alles zusammen.

Dance hatte Julia ermordet … und Paul Dreyfus, McManus und Marcus. Dieser Mann war Abschaum, der verkommenste Mensch, den Nick je kennengelernt hatte. Endlich hatten seine Gedanken ein Ziel. Er musste den Einbruch verhindern. Dance durfte ihn auf keinen Fall um 11.15 Uhr dieses Tages begehen. Dann gäbe es keinen Grund, Julia und die anderen zu ermorden.

Vor allem aber tröstete es Nick zu wissen, dass seine Suche nach Julias Mörder vorüber war, selbst wenn er den Einbruch nicht verhindern konnte.

Er wusste jetzt, wen er töten musste.

Er blickte Shannon an, und seine Meinung über diesen Mann änderte sich zum dritten Mal am gleichen Tag. »Warum tragen Sie beide den gleichen Anhänger?«

»Dance kann ein ziemlicher Arsch sein, aber er gehört zur Familie. Vor ein paar Jahren hat er mir diesen Job verschafft. Außerdem sind wir in Brooklyn auf die gleiche Highschool gegangen. Er ist mein Vetter.«

»Ihr Vetter?«, fragte Nick fassungslos.

»Ja. Wir haben beide die St. Christopher’s Catholic High School in Brooklyn besucht. Da bekommt man diese Anhänger beim Schulabschluss, und ….«

»Ich unterbreche Sie nur ungern, aber meine Frau weiß nicht, wo ich bin.« Nick musste so rasch wie möglich das Polizeirevier verlassen, wenn er Dance aufhalten und den Einbruch verhindern wollte.

»Ja, sicher.« Shannon stand auf, nahm die beiden Anhänger, steckte seinen in die Tasche, legte Dances in den Korb und öffnete die Tür des Verhörraums. »Ich muss Sie nur austragen, und Sie müssen für Ihre Sachen unterschreiben. Das geht schnell, das verspreche ich Ihnen.«

Nick erhob sich und folgte Shannon aus dem Raum, erleichtert, wieder frei zu sein und die Chance zu haben, alles ins Lot zu bringen und Julia zu retten, sodass sie doch noch eine gemeinsame Zukunft vor sich hatten.

Shannon stellte den Korb auf einen kleinen Schreibtisch in der Eingangshalle und füllte rasch ein Freilassungsformular mit zwei angehefteten Durchschlägen aus. »Ihre Pistole ist in unserem Waffenschrank. Ich hole sie, sobald wir Sie ausgetragen haben.«

Nick nahm Marcus’ Brief zusammen mit dem Schreiben des Europäers an sich und steckte beides in die Jackentasche, froh, dass Shannon nicht hineingeschaut hatte.

»He, Shannon, was machst du da?«, rief Dance aus dem abgesperrten Bereich des Polizeireviers. In seinem blauen Blazer, dem weißen Kaufhaushemd und der blau gestreiften Krawatte zeigten sich noch nicht die Anstrengungen des Tages.

»Wo bist du den ganzen Morgen gewesen?«, rief Shannon wütend zurück. »Erst kann ich dich stundenlang nicht finden, und jetzt halst du mir so eine lächerliche Befragung auf!«

Dance stürmte über den Korridor, ging an Shannon vorbei, packte Nicks Arm und führte ihn den Gang hinunter.

»He!«, rief Shannon und eilte ihnen nach. »Was zum Teufel machst du da?«

Dance zerrte Nick weiter mit sich. Er öffnete eine Stahltür, die in einen großen Raum mit fünf Gefängniszellen führte.

»Lass den Mann laufen, Dance«, sagte Shannon. »Er hat nichts verbrochen.«

»Der gute alte Shannon hat wohl einen Narren an Ihnen gefressen«, sagte Dance zu Nick, zog die Tür der ersten Zelle auf, stieß Nick hinein und schlug die eisenverstärkte Tür mit einem Knall hinter sich zu. Die Zelle war drei mal drei Meter groß und wurde von typischen senkrechten Gitterstäben mit Querverstrebungen gebildet. In der Mitte standen zwei Klappstühle, und an der Wand war eine Holzpritsche angebracht.

»Warum steckst du den Mann hier rein?«, fragte Shannon, als er in die Zelle trat. »Lass ihn laufen. Seine Frau wäre beinahe mit dem Flugzeug geflogen. Außerdem bist du ihm was schuldig. Er hat deinen verlorenen Christopherus-Anhänger gefunden.«

»Was?« Dance neigte den Kopf zur Seite. »Ich hab den Anhänger doch gar nicht verloren.«

Verwunderten blickten sie einander an.

Shannon und Dance verließen den Raum und schlossen die Tür hinter sich.

»Was ist eigentlich los?«, wollte Shannon wissen.

»Würdest du mir mal erklären, weshalb du den Burschen gehen lassen wolltest?«, fragte Dance.

»Aus welchem Grund sollten wir ihn festhalten? Nur weil er zur falschen Zeit am falschen Ort …« Shannon hielt inne. »Du hast meine Frage noch nicht beantwortet. Wo bist du gewesen?«

 Shannon war größer und gut zehn Kilo schwerer als Dance, doch Dance starrte furchtlos zu ihm hoch wie ein Kettenhund auf dem Schrottplatz.

»Pass auf, was du sagst«, herrschte er Shannon an. »Seit wann bist du mein Aufseher? Du arbeitest hier durch meine Gnade und nur durch meine Gnade. Der Captain hat nichts damit zu tun. Ich habe dir den Job verschafft, und ich kann ihn dir wieder nehmen. Willst du wissen, wie ich das anstellen würde? Indem ich dich an die interne Ermittlung verpfeife.«

»Jetzt mach mal halblang«, versetzte Shannon. »Weder du noch die Interne haben irgendwas gegen mich in der Hand. Ich bin blütenweiß sauber.«

»Ach, wirklich? Was ist denn mit den fünf Riesen, die du bei der Drogenrazzia letztes Jahr eingesackt hast?«

»Blödsinn! Du hast mir das Geld gegeben. Du hast es mir in die Tasche gesteckt.« Shannon zeigte mit dem Finger auf Dance. »Und ich habe es dir sofort zurückgegeben. Ich wollte nie irgendwas mit deinen Nebengeschäften zu tun haben.«

»Komisch, das habe ich aber anders in Erinnerung«, höhnte Dance.

»Du würdest lügen und dein eigen Fleisch und Blut ins Gefängnis bringen?«

»Dass wir Vettern sind, macht uns noch nicht zum gleichen Fleisch und Blut. Unsere Eltern hätten unterschiedlicher nicht sein können. Gott sei Dank!«

»Du hast irgendwas angestellt«, sagte Shannon. »Das sehe ich dir an den Augen an. Und es ist nicht gut gelaufen, stimmt’s? Wäre es anders, würdest du von einem Ohr zum anderen grinsen, egal ob zweihundert Menschen bei einem Flugzeugabsturz draufgegangen sind oder nicht. Was hast du gemacht? Und was hat dieser Quinn damit zu tun?«

Dance öffnete wieder die Tür zum Zellenraum, ging hinein und drehte sich zu Shannon um. »Du gehst jetzt zur Absturzstelle und denkst darüber nach, wie deine Zukunft aussehen soll.« Er hielt kurz inne. »Und vergiss nicht, wer darüber bestimmt, wie diese Zukunft aussieht.«


 
Dance schob den Zellenschlüssel ins Schloss, öffnete die schwere Gittertür und trat in die Zelle. Dann zog er die Tür hinter sich zu und schob den Schlüssel in seine Tasche. In der Hand trug er den flachen Weidenkorb mit Nicks Habseligkeiten. Er starrte auf Nick hinunter, als er sich mitten in der engen Zelle auf einen Klappstuhl aus Stahlrohr setzte. Nick schaute ihn nicht an. Er nahm den Blick nicht von der abgenutzten Uhr an der Wand.

Dance schwenkte den Korb vor Nicks Augen. Darin lagen Paul Dreyfus’ Brieftasche, Nicks eigene Brieftasche, sein Handy und seine Schlüssel. Doch Nick achtete gar nicht darauf; er starrte weiterhin an die Wand. Dann aber wurde sein Blick unwiderstehlich von der goldenen Taschenuhr angezogen, die unschuldig dalag und ihre Macht hinter ihrem Äußeren verbarg. Diese Uhr war alles, worum es Nick ging. Der Schlüssel in Dance’ Tasche, mit dem er die Zelle hätte verlassen können, oder seine Autoschlüssel waren ihm egal. Es zählte nur, dass er die Uhr wieder in seinen Besitz brachte.

Dance zog den Korb wieder weg, als wollte er Nick auf diese Weise zeigen, wer Oberwasser hatte. Dabei grinste er höhnisch.

»Eine hübsche Uhr haben Sie da«, sagte er, nahm sie aus dem Korb, drehte sie in den Händen und fuhr mit dem Daumen über das goldene Gehäuse und über die Krone am oberen Rand. Dann öffnete er den Deckel und betrachtete das altenglische Zifferblatt. »Eine Antiquität. Hat sie Ihrem Vater gehört? Ihrem Großvater? Großer sentimentaler Wert? Fugit irreparabile tempus«, las er die Inschrift. »Ich wette, es würde Ihnen das Herz brechen, wenn Ihnen das gute Stück abhandenkäme, was?« Dance steckte die Uhr weg.

Die beiden Umschläge in Nicks Jackentasche fühlten sich an, als würden sie in Flammen stehen. Wenn Dance sie fand, die Seite aus dem Wall Street Journal sah und den Brief las, in dem das Phänomen der Taschenuhr erklärt wurde … Nick hörte noch Marcus’ Worte: In den falschen Händen. Er wusste, dass es keine falscheren Hände geben konnte als die von Ethan Dance.

Dance griff wieder in den Korb und nahm den silbernen Christopherus-Anhänger heraus. »Wenn ich wüsste, dass jemand mir etwas gestohlen hätte, das mir wichtig ist – zum Beispiel, weil ich es von meiner Mutter bekommen habe –, wäre ich sehr, sehr wütend.«

Dance schob den kleinen Weidenkorb auf dem Boden unter den Gitterstäben durch. Dann baute er sich drohend vor Nick auf.

»Wo haben Sie die her?«, fragte er und ließ den Christopherus-Anhänger vor Nicks Gesicht baumeln. Wie ein Pendel schwang er vor und zurück. »Waren Sie an meinem Spind? War es Dreyfus? Wie sind Sie an den Anhänger gekommen, verdammt?«

Nick schwieg, während Dance’ Augen in die Ferne blickten.

»Ich habe den Anhänger zum Schulabschluss bekommen«, sagte er, drehte die Medaille um und las die abgegriffene Gravur. »Wunder gibt es wirklich. Meine Mutter hat den Spruch eingravieren lassen, weil mein Alter immer gesagt hat, dass es ein Wunder sei, wenn ich den Abschluss schaffe und es zu etwas bringe. Sie hat mich immer ihren Wunderknaben genannt.«

Einen winzigen Augenblick glaubte Nick, in Dance’ Augen einen Funken Menschlichkeit aufblitzen zu sehen, als der Detective sich die Kette über den Kopf streifte, sodass der Anhänger auf seine Brust fiel und auf Hemd und Krawatte lag, als wäre er ein Orden für herausragende Tapferkeit.

 »Ich nehme den Anhänger im Dienst immer ab, weil ich ihn nicht verlieren will. Er ist so ziemlich der einzige Gegenstand auf Erden, der mir etwas bedeutet. Ich bin nicht besonders sentimental, aber dieser Anhänger … Er stellt für mich etwas dar, das Sie nicht verstehen können. Mann, ich sollte Sie umbringen, dass Sie ihn gestohlen haben!«

Dance griff in die Tasche und holte etwas heraus, das er fest in die Hand nahm. »Sie werden mir jetzt sagen, was hier los ist, kapiert? Woher haben Sie den Anhänger?«

Nick antwortete nicht.

Dance starrte auf seine rechte Faust, mit der er umschloss, was er aus der Tasche gezogen hatte. Dann, ohne Vorwarnung, holte er aus, schlug Nick ins Gesicht und schleuderte ihn vom Stuhl.

»Wäre besser für Sie, wenn Sie das Maul aufmachen«, sagte er.

Nick krümmte sich am Boden. Seine Stirn war aufgeplatzt, und Blut schoss aus der Wunde, doch er verkniff sich den Schmerz und hielt den Blick auf die Wanduhr gerichtet.

12.56 Uhr.

»Wie haben Sie das geschafft? Was für ein Spiel treiben Sie mit mir?«, rief Dance. Nick beobachtete, wie er in der kleinen Zelle auf und ab ging. Schließlich blieb er stehen und starrte einen Moment zwischen den Gitterstäben hindurch. Dann drehte er sich um, kauerte sich neben Nick und hielt ihm seine Faust vors Gesicht. Sekunden verstrichen, während die beiden Männer einander anstarrten. Schließlich öffnete Dance die Faust, die Handfläche nach unten, und ließ die Kette aus der Hand rutschen, bis sie ihm von den Fingern baumelte und der Gegenstand in der Luft pendelte.

Der Christopherus-Anhänger war identisch mit dem an Dance’ Hals. Er glich nicht bloß dem Anhänger Shannons, den dieser ebenfalls beim Schulabschluss von St. Christopher’s in Brooklyn erhalten hatte – nein: Dieser Anhänger war eine exakte Kopie jenes Exemplars, das Dance nun über Hemd und Krawatte trug. Jeder Kratzer, jede Schramme – alles stimmte bis ins Kleinste überein. Nick sah es ganz deutlich, als Dance ihm den Anhänger nun vor die Augen hielt. Als das Medaillon sich an der Kette drehte, konnte Nick auf der Rückseite die Inschrift Wunder gibt es wirklich lesen.

»Wie haben Sie das geschafft? Ist das irgendein abartiger Scherz, um mich fertigzumachen? Das haben Dreyfus und Sie sich ausgedacht, stimmt’s?« Verfolgungswahn sprach aus jedem Wort. »Haben Sie vielleicht geglaubt, Sie könnten dumme Spielchen mit mir treiben? Irgendeine verdrehte Art von Magie? Passen Sie bloß auf, Quinn. Shannon wollte Sie gehen lassen, aber ich weiß, wer Sie wirklich sind und was Sie getan haben.«

Nick starrte Dance an.

»Sie arbeiten mit den Dreyfus-Brüdern zusammen, nicht wahr? Sie helfen ihnen, mich zu verarschen.« Dance hielt inne, und ein Grinsen legte sich auf seine Lippen. »Tja, Ihr Freund Sam Dreyfus ist tot. Soll ich Ihnen sagen, warum? Weil er wusste, dass ich ihn umbringen würde. Denn er ist wie ein Feigling mit der Beute abgehauen, die er uns gestohlen hatte. Ich hätte mir keinen besseren Tod für diesen Dreckskerl einfallen lassen können. Und sein Bruder Paul war zweifellos in den Versuch verwickelt, uns zu bescheißen. Nun, um den guten Paul werde ich mich persönlich kümmern, sobald ich mit Ihnen fertig bin … und mit Ihrer Frau.« Dance schwieg kurz. »Ich weiß, wer Ihre Frau ist. Ich weiß, sie ist Hennicots Anwältin, und sie hat das Überwachungsvideo vom Einbruch in ihrem Büro. Vielleicht bringe ich sie vor Ihren Augen um. Mann, das würde mir Spaß machen.«

Nick verlor die Beherrschung. Alles, was geschehen war, stürzte auf ihn ein: Julia, wie sie tot und mit zerschossenem Gesicht auf dem Boden lag … Marcus’ Tod … seine eigene Verzweiflung und Hilflosigkeit, während er Schatten hinterherjagte und in einem Mikrokosmos lebte, in dem die Zeitabläufe von denen im Rest der Welt getrennt waren … die Tatsache, dass er die Zukunft kannte und verzweifelt herauszufinden versuchte, wie sie verändert werden konnte. Und jetzt riss ihn Dance, dieser Hundesohn, aus seiner Bestimmung heraus, während Julia gerade eben dem Flugzeugabsturz entgangen war. Es war ein grausamer Hohn, ihn so nahe an sein Ziel heranzulassen und ihn dann umzubringen, ehe er Julia vor dem Tod retten konnte, den das Schicksal für sie in petto hatte.

Nick packte Dance’ Bein und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Dance schlug schwer zu Boden. Nick sprang auf und traf Dance mit einem wuchtigen rechten Haken auf die Nase. Der Schlag lähmte ihn augenblicklich. Nicks rasende Wut schien in die Faust zu strömen, als er sie zurückriss und gegen Dance’ Kinn schmetterte. Er ließ einen Hagel von Schlägen folgen, in die er seinen ganzen Schmerz und seine Wut legte. Mit wuchtigen Hieben schlug Nick den Mann zusammen, der Julias Leben beenden würde, der sie kaltblütig erschoss – ein Teufel, der Gott spielte. Beinahe hätte Nick den Detective mit bloßen Händen getötet. Dance mochte kräftig und hartgesotten sein, doch er hatte keine Chance.

Durch Gier und Bosheit hatte Nick alles verloren, was ihm lieb und teuer war. Er hatte Julias Tod erduldet, hatte die Gefahr durchlitten, in der sie geschwebt hatte, hatte ihre Angst mitempfunden und hatte sie in der Zukunft zurückgelassen, um von Dances Hand zu sterben. Nun machte seine Erbitterung sich Luft.

Nick schlug immer wieder zu.

Doch Dance war ein zäher Bursche. Er blockte Nicks nächsten Hieb ab und konterte mit einer harten Rechten, die Nick zurücktaumeln ließ. Dance sprang auf ihn und hielt ihn am Kragen fest, während er Nicks Körper mit Schlägen bearbeitete, die ihm die Luft aus der Lunge trieben. Nick krümmte sich und rang verzweifelt nach Atem, während Dance ihn unvermindert heftig attackierte.

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Nick spürte, wie ihm die Besinnung schwand; sein Bewusstsein flackerte, doch ein einziges Bild erfüllte seine Gedanken. Die goldene Uhr. Ohne diese Uhr wäre er in dieser Zeit gefangen, die wieder voranliefe, während sein Schicksal und das Julias unentrinnbar auf den Tod festgelegt wäre – ein Tod, der nur wenige Augenblicke entfernt war, wie Nick wusste. Und Julia würde noch schneller sterben als ursprünglich, allein und voller Fragen, die für immer unbeantwortet bleiben würden.

Durch das Blut, das Nick in die Augen lief, konnte er kaum die Uhr an der Wand sehen, doch es gelang ihm, die Zeit abzulesen: Es war eine Minute vor eins, und der Sekundenzeiger näherte sich bereits der Zwölf.

Nick dachte an Julia, an alles, was sie ihm bedeutete. Er dachte an ihre sanfte Berührung, daran, wie sie ihn heute Morgen mit ihren Lippen geweckt hatte, an ihre blauen Augen und ihr blondes Haar, an ihre Herzlichkeit und Leidenschaft. Sie war sein Leben, alles, was ihm wichtig war und wofür er lebte.

Nick mobilisierte seine letzten Kräfte, holte aus und hämmerte Dance die Faust auf die Nase, wobei er sein ganzes Gewicht hinter den Schlag legte. Der Detective wurde gegen die Gitterstäbe der Zelle geschleudert. Sofort war Nick bei ihm und hielt ihn mit eisernem Griff fest.

Und im letzten klaren Augenblick, als der Zeiger die XII erreichte, griff Nick in Dances rechte Jacketttasche und zog die goldene Uhr heraus.