Sieben
Tisdag, 1. Februari – Lördag, 5. Februari
i zu π: Sei vernünftig.
π zu i: Sei realistisch.
Der Mann öffnete vorsichtig den Brustraum und nahm die Organe heraus. Sie dampften in der arktischen Luft. Er überlegte, ob er das rohe Herz essen sollte, entschied sich aber dagegen. Die Leber schmeckte immer besser. Dann versenkte er seine Hände in den warmen Brustraum und tastete darin herum. Nichts. Scheiße, flüsterte er. Dann ging er hinüber zu dem Größeren, aß noch eine Leber und tastete umher. Wieder nichts. Doppelscheiße. Dann versuchte er es bei dem Kleinen. Wieder null Komma nichts. Scheiße zum Dritten. Er wischte sich die Hände an seinem monogrammbestickten Taschentuch ab. PK: psychopathischer Killer. Das Taschentuch war ein Geschenk seines verstorbenen Zwillingsbruders gewesen. Er bemerkte, dass seine Hände von frischem Blut trieften. Er brauchte einen Moment, um sich klarzumachen, woher das Blut stammte. Anscheinend hatte er sich versehentlich den kleinen Finger abgeschnitten, als er das Rentier ausweidete. Mist! Das war jetzt schon der dritte Finger, den er sich versehentlich bei ebenso vielen Angriffen abgehackt hatte. Jetzt musste er den beschissenen Finger suchen, damit ihn die Bullen nicht entdeckten. Den letzten hatte er mit Krazy Glue wieder festgeklebt, aber nach ein paar Wochen war er abgefallen. Ein lausiges Zeug, dieses Krazy Glue! Er ließ sich auf alle viere nieder und begann zu suchen. Als er das nächste Mal aufblickte, dämmerte es schon. Es wird dunkel! Gleich ist es Nacht! Dann kommen die Trolle aus ihren Höhlen und tanzen und machen komische gruselige Geräusche! Seine Unterhosen fühlten sich feucht an. Quadratscheiße. Er hatte sich in die Hosen gepinkelt. Und genau in diesem Moment hörte er ein Geräusch. War es ein Streifenhörnchen, oder war es der Kriegsruf von Skrymir, dem grünhaarigen Warzenzwerg, der sich von Klee und germanischen Riesen ernährt?
Das siebenfingrige Monster flüchtete wie wild über die gefrorene Wiese.
Salamander sah sich das überarbeitete Video an, das ihr Bubonic geschickt hatte. Sie lächelte, aber kein bisschen schief. Dieses war ein richtig breites Lächeln, bei dem man ihre unwahrscheinlich perfekten Zähne sah. Ihr Vater mochte ein kaltblütiger KGB-Mörder gewesen sein, aber er hatte für die besten Zahnärzte in ganz Göteborg gezahlt.
Sie registrierte, dass Snorkkle sie fassungslos anstarrte. Sofort fuhr sie ihren Gesichtsausdruck wieder auf mürrisch zurück. Snorkkle ging weiter.
Augenblicklich machte sie sich daran, Mendax aufzustöbern, einen anderen Cyberkumpel, eine extreme Schattenexistenz, die wie ein Geist zwischen Servern, Routern, Domain-Namen und E-Mail-Adressen herumschwirrte. Er hatte unter Cyberfreaks, Web-Nerds und Internetgrößen einen legendären Ruf. Er tauchte für jeweils höchstens vier Nanosekunden auf, nur um sich mit einem kaskadierten Cancelrobot wieder zu dematerialisieren, Momente später auf einem anderen Kontinent aufzutauchen, auf einem anderen Server, in einer anderen kurzlebigen Domain. Mendax hatte untertauchen müssen, nachdem er in einem offenen Forum geheime Informationen gepostet hatte, die beschrieben, wie man aus Bestandteilen, die man in jedem beliebigen Drogeriemarkt bekam, einen thermonuklearen Sprengkopf zusammenbasteln konnte. Das hatte zu einer weltweiten Fahndung nach ihm geführt und zu Haftbefehlen wegen unbezahlter Falschparker-Strafzettel in London und unbezahlter Mahngebühren für überzogene Bibliotheks-Ausleihfristen in Berlin. Dennoch hatte nie jemand feststellen können, wo sich Mendax aufhielt, sodass bewundernd darüber spekuliert wurde, ob er überhaupt existierte.
<hi mendax>
<manhater. lang nicht getextet>
<stimmt. was hast du so gem8?>
<immer das gleiche. wenn ich’s dir erzähle, muss ich dich umbringen>
<okay, dann machen wir’s kurz. muss dich um 1 gefallen bitten. hab 1 video angehängt. weißt du, wie man es so in umlauf bringt, dass es maximale wahrnehmung bekommt?>
<ich soll es leaken? minimax oder maximax?>
<maximax>
<müsste drin sein>
<danke, mendax. hast was gut bei mir. besuch mich, wenn du mal nach schweden kommst>
<okay, ist aber nicht mein nächstes reiseziel. over and out>
Hauptkommissar Bubbles und die Wachtmeister Flunk und Snorkkle musterten die Leichen der abgeschlachteten Familie. Der Bulle schien als Erster erwürgt und ausgeweidet worden zu sein. Das Weibchen war gefesselt worden wie im letzten Mordfall. Ihr Maul war mit einem Messer zu einem makabren Lächeln aufgeschlitzt worden. Und das Junge hatte man kopfüber aufgehängt.
Flunk kämpfte mit den Tränen. «Der kleine Kerl war höchstens ein Jahr alt.»
Bubbles nickte grimmig. «Wachtmeister, bitte beherrschen Sie sich.» Eine typisch finnische Reaktion.
«Entschuldigung, Chef. Es ist nur, weil ich an meine Tochter denken muss.» Flunk schnäuzte sich geräuschvoll. «Es hätte genauso gut sie sein können.»
«Unser Killer hat es auf Rentiere abgesehen, Wachtmeister.»
«Flunk hat nicht ganz unrecht», sagte Wachtmeister Snorkkle. «Wer weiß, wen sie als Nächstes ins Visier nimmt. Vor dieser dreckigen Hure ist niemand sicher.»
Bubbles funkelte Snorkkle wütend an. «Wachtmeister, Sie glauben doch wohl nicht, dass Fröken Salamander für diese Morde verantwortlich ist.»
«Sie ist eine Psycho-Nutte.»
«Wachtmeister, dürfte ich Sie daran erinnern, dass Salamander, derzeit von zwanzig Mitgliedern der schwedischen Spezialeinsatztruppe bewacht, im Gefängnis sitzt? Außerdem hat Professor Doktor Svenssen schon klargestellt, dass unser Verdächtiger ein eher großgewachsener Mann sein muss.» Bubbles’ ironische Verwendung des Wortes eher ging an Snorkkle vollkommen vorbei.
«Sie ist eine Hexe. Sie kann alle möglichen irren Hexentricks.» Snorkkle wedelte mit den Händen vor seinem Gesicht herum, als wollte er eine Zauberformel sprechen.
Hauptkommissar Bubbles holte tief Luft. «Wenn Sie so weitermachen, ziehe ich Sie von dem Fall ab.»
Snorkkle fuchtelte weiter mit den Armen und ahmte einen Bannspruch nach. «Verrückte, verhurte Hexennutte. Expecto Patronum!»
«Hören Sie augenblicklich auf damit. Sie jagen Flunk Angst ein.»
«Protego Horribilis! Avada Kedavra!!»
In diesem Moment entdeckte Bubbles etwas. Er klaubte seinen grässlichen Fund von der Wiese auf und ließ ihn in einen Beweismittelbeutel fallen.
Flunk kreischte hysterisch: «Der Finger der Hexe! Sie hat sich ihren eigenen Finger abgehackt!»
«Hab ich’s doch gesagt», meinte Snorkkle.
«Seien Sie kein Narr. Salamander hat winzige Hände. Sehen Sie sich doch mal an, wie groß dieser kleine Finger ist. Der gehört dem Killer. Aber es sieht nicht danach aus, als wäre er ihm von einem Rentier im Todeskampf abgebissen worden. Anscheinend ist unserem Mörder ein Missgeschick unterlaufen.» Merkwürdig. Wann hat es den letzten Fall gegeben, bei dem sich ein Rentier-Killer versehentlich einen Finger abgeschnitten hat? Muss dringend in den Akten nachsehen.
«Sie hat ihn sich abgehackt!», kreischte Wachtmeister Flunk. «Den eigenen Finger!»
Bubbles legte dem Wachtmeister beruhigend den Arm um die Schultern und führte ihn zum Auto. Snorkkle warf weiter mit Pseudo-Bannsprüchen um sich.
POLIZEI GIBT VIDEO VOM SCHLÄCHTERMORD AN UNVERÖFFENTLICHTEM KRIMIAUTOR FREI
Es war der Aufmacher in den Morgennachrichten. Blomberg fuhr im Bett hoch, wo Erotikka an der Wiederbelebung Stiggis arbeitete.
«Schnell, Ralf. Schalt den Ton ein.»
Erotikkas Mann nahm die Fernbedienung und stellte den Fernseher lauter.
Der Nachrichtensprecher trug einen Pullover mit Zopfmuster und nippte an einem Kaffeebecher mit Morgenlawinen-Multiröstung. «Zuschauer, die mit ihrem Frühstücksjoghurt und dem Müsli noch nicht fertig sind, sehen sich das vielleicht besser nicht an. Das Video enthält sehr realistische und schockierende Szenen. Der Film ist nach Polizeiangaben das Hauptbeweismittel, das Lizzy Salamander, die berüchtigte Psychohackerin, mit dem Verbrechen in Zusammenhang bringt. Salamander befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam.»
«Merkwürdig», sagte Blomberg und versuchte, sich von Erotikkas Mund-und Handarbeit nicht ablenken zu lassen. «Die Polizei geht sehr selten mit ihren Beweisen an die Öffentlichkeit. Irgendwas stimmt da nicht.»
Ralf nickte zustimmend.
Blomberg sah sich das Video genau an. Es war sofort klar, dass es sich von der Version unterschied, die er in Salamanders Zelle gesehen hatte. Arssens bedauernswerter Kopf erlitt immer noch dasselbe Schicksal. Aber es rannte keine Ninja-Kämpferin mehr über Wände und Decken und schwenkte dabei ein seltenes Samuraischwert. Besser gesagt, da war zwar eine Kämpferin – aber es war nicht Salamander. Diese hier hatte smaragdgrüne Augen, einen auffälligen roten Zopf, und sie trug einen Cowboyhut und lederne Cowboy-Beinschützer. Und sie war eine Trickfilmfigur.
«Jessie!», schrie Ralf. «Das jodelnde Cowgirl aus Toy Story 2!»
«Und Toy Story 3», ergänzte Blomberg.
«Wir wissen ja alle, dass sich Jessie ganz schön leicht aufregt», sagte Ralf. «Aber Mord?»
«Ich glaube das Ganze nicht.» Das kam von Erotikka, die gerade kurz von ihrem Pflegedienst an Stiggi pausierte. «Sie ist erst später eingefügt worden.»
«Aber mal im Ernst», sagte Ralf. «Warum sollte die Polizei so was mit ihrem eigenen Video machen?»
«Ich vermute, die Polizei hat damit nichts zu tun», sagte Blomberg schulmeisterlich.
«Und wer soll es dann getan haben?»
Blomberg lächelte schief. «Da habe ich so eine Idee.»
«Wer, wer, WER hat dieses Video gepostet?», brüllte Hauptkommissar Bubbles. Wachtmeister Flunk hatte den Chef noch nie in einem solchen Zustand erlebt. Sein Gesicht verfärbte sich rötlich wie ein geräucherter Hering.
«Das wissen wir nicht, Chef.»
«Dann finden Sie es heraus, verdammt nochmal! Und in der Zwischenzeit löschen Sie dieses Video aus dem Internet. SOFORT. Wir sind die größte Lachnummer von Nordeuropa.»
«Wir versuchen es schon.»
«Was soll das heißen, Sie versuchen es?»
«Ich fürchte, alle unsere Computer sind zusammengebrochen, Chef.»
«Das ist unmöglich.»
«Es ist aber so, Chef. Anscheinend läuft gerade ein Denial-of-Service-Hackerangriff gegen uns.»
«Und wer steckt dahinter?»
«Das ist sehr geschickt getarnt. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als käme es von allen Computern auf der Welt gleichzeitig.»
Bubbles kippte einen Schluck Pepto-Bismol. Warum bin ich bloß nicht zu Volvo gegangen? Guter Verdienst, Frühpensionierung.
«Entschuldigen Sie, Chef. So etwas habe ich noch nie gesehen. Sie werfen am besten selbst einen Blick drauf.»
Bubbles setzte sich an einen Computer. Zu seinem Entsetzen reagierte das Gerät nicht. Der Bildschirm blieb mit Ausnahme eines roten Roboterauges leer. Doch mit einem Mal fing der Computer an zu sprechen: «Ich bin überhaupt nicht gut drauf, Dave. Soll ich dir ein Lied vorsingen?»
Ohne eine Antwort abzuwarten, begann der Computer.
Daisy, Daisy,
Give me your answer, do.
I’m half crazy,
All for the love of you.
Der Gesang war grauenhaft falsch. «Halten Sie das an!», rief Bubbles.
«Wir arbeiten dran, Chef.»
It won’t be a stylish marriage –
I can’t afford a carriage,
«Haben wir nicht angeblich die sichersten Computer in diesem ganzen Scheißland?»
Flunk war fassungslos. Zum ersten Mal hatte er den Chef das S-Wort benutzen hören. «Die haben wir auch, Chef. Vor zwei Monaten erst haben wir ein Multimillionen-Kronen-Upgrade sämtlicher Firewalls auf unserem Computersystem fertiggestellt. Die Arbeiten wurden von Milksop Security durchgeführt, das ist die beste Firma, die man in ganz Skandinavien bekommen kann.»
«Sagten Sie Milksop?!»
But you’d look sweet upon the seat
Of a bicycle built for two.
«Ja, Milksop, Chef. Bessere Leute gibt es nicht.»
«Und wer genau war bei Milksop für dieses SCHEISS-Upgrade verantwortlich?»
«Das weiß ich nicht mehr genau, Chef. Ein ziemlich junger, eher kleiner Typ, glaube ich, mit schwarzen Haaren. Und ziemlich einfallsreichen Tattoos. Radovan Armanskovitzdullah, der Leiter von Milksop …»
«Ja, ich kenne Radovan.»
«Er hat sich dafür verbürgt, dass dieser Junge ein absolutes Computergenie ist.»
Daisy, Daisy,
Give me your answer do,
I’m half crazy
All for the love of you.
Bubbles zog sich in sein Büro zurück und drückte sanft die Tür ins Schloss. Dann holte er eine Broschüre hervor, die er in der untersten Schreibtischschublade unter Verschluss hielt. Sie stammte von der grönländischen Handelskammer. Ziehen Sie nach Grönland, wo es zehnmal mehr Schafe als Menschen gibt!
Blomberg erhielt eine SMS von Salamander.
<Hast du das Video im Fernsehen gesehen?>
<Konnte man kaum verpassen, Lizzy. Es war in sämtlichen Nachrichten. Und jetzt ist es ein Riesenerfolg auf Youtube.>
<Krank.>
<Ich fürchte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Pixar-Studios das verbieten lassen. Du hast schließlich ihr Cowgirl Jessie verleumdet. Das wird sich ihr Space-Ranger Buzz Lightyear nicht gefallen lassen.>
<Ich bin diejenige, die verleumdet worden ist, KFB. Vergiss das nicht. & die Zuschauer haben ein Recht, die Qualität der Polizeiarbeit hier zu kennen. Übrigens hat Sheriff Woody Jessie gezwungen, sein Ding in den Mund zu nehmen, als sie am Ende von TS3 in einer Spielzeugschachtel festgesessen haben.>
<Wenn du es sagst. Vermutlich kugelt sich mein Freund Kommissar Bubbles nicht gerade vor Lachen über deine Aktion.>
<Ja, die Bullen haben den Tera-10-Großrechner entdeckt. Sie schaffen ihn grade aus meiner Zelle. Ich hab nur noch mein iPhone 4 mit 960x640 Pixel Auflösung.>
<Mir blutet das Herz wie kalter Borschtsch. Deckst du jetzt die Identität von dem Mädchen mit dem Stör-Tattoo auf?>
<Du bist doch der brillante Enthüllungsjournalist, KFB. Also tu was.>
Salamander keuchte noch nach ihrem täglichen Navy-SEAL-Elitetruppe-Trainingsprogramm von 100 Klimmzügen, 200 Liegestützen und 300 Sit-ups innerhalb von 90 Sekunden, als sie bemerkte, dass sie eine E-Mail erhalten hatte.
Pass mal auf, du ranzige Nutte. Glaubst du etwa, du könntest die Svensk Polis vor aller Welt verarschen, ohne dass dir was passiert? Tja, dann liegst du falsch, ABSOLUT falsch. Dafür STIRBST du, du dürre Schlampe. Du wirst mit der Mistgabel totgestochen, verdammt. Und wir reißen dir JEDEN Piercing-Ring aus der Nase, den Augenbrauen, dem Nabel und der Zunge. UNS entkommst du nicht. Keine Körperöffnung ist vor uns sicher! Du bist so was von geliefert, du flachbrüstige ungewaschene zu kurz geratene Doppel-A-tragende Cyber-Hure. Gezeichnet, Der Schwedische Verband der Psychiater, Polizisten, gesetzlichen Vormünder, Ex-Sowjetspione und Neonazis mit dem Ziel, Lizzy Salamander mal so richtig zu ficken.
Salamander fasste eine kurze Antwort ab.
Lieber Wachtmeister Snorkkle,
wenn du per E-Mail anonyme Drohungen verschicken willst, empfehle ich dir für die nächste Gelegenheit, nicht deine eigene E-Mail-Adresse zu benutzen. Es wäre mir ein Vergnügen, dir zu erklären, wie man ein falsches E-Mail-Konto erstellt, um seine Identität zu verbergen. Aber dafür musst du mir meinen Großrechner in die Zelle zurückbringen. Beste Grüße,
Lizzy
Die Antwort kam sofort.
Ich weiß nicht, wovon du redest, du ranzige kleine Nutte. Warum sollte ich einer flachbrüstige Versagerin wie dir drohen wollen?
Wachtmeister Snorkkle (Nemo)
Lieber Nemo,
diese Webseite ist sehr nützlich:
Wie erstelle ich eine Yahoo!-Wegwerfadresse, die E-Mails an die richtige Yahoo!-Adresse weiterleitet | http://help.yahoo.com/I/de/yahoo/mail/yahoomail/tools/ addressguard-05.html?&printer=1
Hier schon mal ein paar ziemlich einfache Anleitungsschritte, die sogar ein dummes Bullenschwein wie du verstehen müsste:
-
Logge dich in dein Hauptkonto bei Yahoo ein. Yahoo wird deine neue falsche Wegwerf-Mailadresse mit diesem Konto verlinken.
-
Gehe rechts oben auf der YahooMail-Seite auf ‹Optionen/Weitere Optionen›.
-
Wenn du auf der Seite mit Optionen bist, wähle links den Eintrag «Wegwerfadressen» aus.
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Klicke dann oben auf «Adresse hinzufügen», das führt dich zu dem Fenster für die weiteren Einträge.
-
Folge der Menüführung, um einen Namen für deine falsche E-Mail-Adresse zu erzeugen.
-
Definiere die weiteren Einstellungen für deine neue falsche Adresse, nachdem dein Name erzeugt worden ist. Dazu gehören der Ordner, in den die Mails zugestellt werden sollen, und eine Farbe für den Posteingang.
-
Klicke auf «Speichern», wenn du alles eingetragen hast. Jetzt ist deine Wegwerf-Mailadresse benutzbar. Viele Grüße,
Lizzy
Liebe Lizzy,
funktioniert das?
Viele Grüße,
Nemo
Wie Zauberei. Und ich würde nie rauskriegen, wer «IdiotenbulleNr1» ist.
super. 1000 Dk
Hab ich gern gem8
Nutte
Bullenschwein
Für Hauptkommissar Svenjamin Bubbles war ein katastrophaler Monat noch viel katastrophaler geworden. Das Aftonbladet titelte über einem Bild von Jessie im Stil eines Wild-West-Fahndungsplakats:
GESUCHT: TOT ODER LEBENDIG. KONTAKT: KOMMISSAR LIGHTYEAR
Der Leitartikel des Svenska Dagbladet war nüchterner:
Dieses jüngste Fiasko lässt erneut die Frage laut werden, ob unsere Polizeikräfte überhaupt in der Lage sind, irgendeine sinnvolle Funktion zu erfüllen. Die Abschaffung der Polizei würde in Zeiten von Budgetkürzungen und rückläufigem Wirtschaftswachstum wertvolle Mittel für zusätzliche Kindertagesstätten und Kindergärten frei machen sowie für die dringend benötigten Subventionen zugunsten der häuslichen Biowolle-Strickpullover-Herstellung, die noch immer nicht die Verwerfungen des Marktes nach dem Aufkommen der synthetischen Fleeceware verkraftet hat.
Und Oslos führende Tageszeitung, die Aftenposten, titelte mit der eindeutig schadenfrohen Schlagzeile
SCHWEDISCHE POLIZEI VERDÄCHTIGT TRICKFILMFIGUR DES MORDES
Die Tatsache, dass die Polizei beinahe achtundvierzig Stunden brauchte, um herauszufinden, wie sie das Video von ihrer eigenen Webseite löschen konnte, trug auch nicht gerade zu ihrem Ruf als Elitetruppe bei.
Bubbles hatte sich dazu herbeilassen müssen, Salamander um Hilfe zu bitten. Von beiderseitigem Entgegenkommen konnte dabei allerdings keine Rede sein.
«War das wirklich nötig?» Bubbles hatte sich an ihrer Zellentür aufgebaut und stützte die Hände in die Seiten.
«Sie sind schließlich derjenige, der mich wegen Mordes verhaftet hat», sagte Salamander, ohne ihr kampftruppenmäßiges Liegestütztraining zu unterbrechen.
«Das liegt daran, dass Sie einen Mord begangen haben.»
Sie antwortete nicht.
«Also, ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie das Video löschen würden. Und zwar schnellstens.»
Salamander sah von ihrem Liegestütz auf und warf dem Kommissar ihren verständnislosesten Blick zu. «Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.»
«Und ich hatte gedacht, wir machen Fortschritte», sagte Bubbles.
«Das glaube ich nicht.»
«Also werden Sie das Video nicht löschen?»
«Erst wenn ich meinen Rechner wiederbekomme.»
«Es gehört nicht zu meinem Geschäft, mit Mördern zu verhandeln.»
«Wie Sie wollen. Allerdings habe ich niemanden umgebracht. Jedenfalls nicht diese beiden Loser.»
Als hätte er nicht schon genügend Probleme, wartete Bubbles immer noch auf den Untersuchungsbericht über den abgetrennten kleinen Finger von der Fingerabteilung des Königlichen Instituts für Gerichtsmedizin. Doch als er sein E-Mail-Programm öffnete, wurde ihm beinahe schlecht. Sein Posteingang meldete 130 000 neue Nachrichten. Einige stammten von all den neuen Freunden, die er auf der ganzen Welt gewonnen hatte.
Schwedische Polizei, das ist ein Widerspruch in sich selbst. – Jaagup P., Tallinn, Estland
Bubbles wand sich. Aber was hätte er von einem Esten schon anderes erwarten sollen.
Kommissar, ich habe eine Maus mit sehr großen runden Ohren und einer Piepsstimme entdeckt, die garantiert mit Crystal Meth dealt. – Paul G., Paris, Frankreich
Wahnsinnig komisch. Und sooo originell. Und das aus einem Land, das immer noch unter seinem beschämenden Verhalten im Zweiten Weltkrieg leidet.

Das wünsche ich dir auch, Kumpel. Und noch viel mehr.
Wenigstens ein paar Nachrichten waren ernst gemeint; Bubbles war überraschend berührt und dankbar für die spärliche Unterstützung, die aus den unterschiedlichsten Ecken ankam:
Lieber Kommissar, Sie werden es kaum glauben können, aber ich weiß genau, was Sie durchmachen. Die Medien heutzutage sind bloß noch darauf aus, irgendwen in die Pfanne zu hauen. Halten Sie durch, mein Freund.
Liebe Grüße,
Mark Furman (ehemals Los Angeles Police Department), Hollywood, Kalifornien
Die übrigen 129 987 Nachrichten gehörten in eine ganz andere Kategorie:
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LIEBER BUBBLES, ICH MUSS IHNEN DIESEN BRIEF SCHREIBEN, BITTE BEHANDELN SIE IHN IN ANBETRACHT MEINER AKTUELLEN SITUATION VERTRAULICH. ICH BIN DEM FINANZCRASH IN ISLAND ZUSAMMEN MIT MEINER FRAU UND MEINEN KINDERN ENTKOMMEN, HABE IN NIGERIA ASYL GEFUNDEN. ANGESICHTS DER UMSTÄNDE HABE ICH ABER MEINE MILLIARDEN DOLLAR VON EINEM SCHWEIZER KONTO IN ZWECKGEBUNDENES VERMÖGEN ZUR SICHEREN VERWENDUNG UMGETAUSCHT, WEIL …
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Bubbles öffnete die Tür zu Salamanders Zelle. «Sie haben gewonnen. Sie bekommen den Rechner zurück.»
Sie sah von den Tensor Feldgleichungen, dritte Auflage, auf. «Super. Geben Sie mir fünf Minuten, dann sind Ihre Spamfilter wieder aktiviert.»
Der Kommissar kehrte an seinen Computer zurück. Die Spam-Mails waren verschwunden. Nur noch zehn Nachrichten waren übrig geblieben, neun überschütteten ihn mit Hohn und Spott, und die zehnte war von Professor Dr. Crabo Sologrub, dem Direktor der Fingerabteilung am Königlichen Institut für Gerichtsmedizin.
Ich habe die Ergebnisse der Fingeruntersuchung. Wir sollten reden.
Auf Blombergs Motorola i1 Milestone Backflip mit Android-2.1-Update ertönte der Kojotengeheul-Klingelton. Er war gerade in Melkkung’s Kaffebar gekommen, die bei den Börsianern aus Järfälla sehr beliebt war. Er brauchte eine Koffein-Infusion. «Blomberg hier.»
«Hallo, ich wollte mit Herrn Stiggi sprechen.»
«Hallo, Erotikka.»
«Oh, Mikael, du bist es. Ich habe gehofft, du könntest mich mit Stiggi verbinden.»
«Erotikka, Stiggi ist zurzeit unpässlich.»
«Oje, ich hoffe, es ist nichts Ernstes. Kannst du ihm etwas ausrichten? Sag ihm, seine Freundinnen Bu und Bä vermissen ihn so. Sie möchten, dass er zum Spielen zu ihnen kommt.»
«Mach ich, Liebling.»
«Hast du die Nachricht verstanden?»
«Ich glaube schon.»
«Wiederhol sie nochmal.»
«Erotikka, Liebste, ich bin beim Zahnarzt. Gerade bin ich aufgerufen worden.»
«Warum bist du denn beim Zahnarzt?»
«Zur Zahnsteinentfernung, Liebste.»
«Versprich mir, dass du dir nicht die Zähne bleichen lässt. Mir gefallen sie mit den Kaffee-und Nikotinflecken genau so, wie sie sind.»
«Okay, versprochen.»
«Männer lassen sich nur die Zähne bleichen, wenn sie eine Affäre haben. Du hast doch keine Affäre, oder, Mikael?»
«Nur mit dir, Schatz.»
«Schwörst du’s?»
«Ja, ich schwöre.»
«Und vergiss nicht, Stiggi die Nachricht von Bu und Bä auszurichten.»
«Nein.»
«Mikael?»
«Ja?»
«Ich liebe dich.»
«Alles klar, Schatz. Ich auch.»
«Ich auch was?»
«Ich liebe dich auch.»
«Mikael?»
«Ja?»
«Warum sagst du es nie zuerst?»
«Was?»
«Du weißt schon.»
«Das tue ich doch manchmal. Aber nicht in der Zahnarztpraxis. Du weißt doch, dass ich dich liebe.»
«Okay, dann bis dann. Und vergiss nicht, Stiggi die Nachricht weiterzuleiten.»
Blomberg begrub sein Gesicht in den Händen. Sie ist total außer Kontrolle. Erotikka war einmal eine fähige und begabte Redakteurin bei Millennium gewesen. Man hatte jederzeit auf sie zählen können. Doch seit den Rationalisierungsmaßnahmen dort war sie immer sexbesessener geworden. Ohne eine kontinuierliche Arbeit, bei der sie ihre beträchtlichen Energien loswerden konnte, fand sie nur noch in Erotik-Marathons Entspannung, die jeden Dänen hätten erröten lassen. Irgendetwas musste passieren. Vielleicht könnte sie ehrenamtlich bei einer nordischen Folkloregruppe oder einer Initiative für erneuerbare Energien arbeiten. Bis dahin würde er durchhalten müssen. Er machte sich eine Notiz auf seinem Milestone: «Lebensmittel einkaufen. Erotikka zu multiplen Simultanorgasmen bringen.»
Blomberg bestellte noch einen Trog Kibbuz-Pazifisten-Bitterröstung und zündete sich eine Selbstgedrehte an.
Der Kellner brachte ihm den Trog. «Heute ist der Fünfzehnte, da ist Rauchen nur draußen erlaubt. Tut mir leid.»
Blomberg sah nach draußen, wo mehrere Raucher auf dem Bürgersteig festgefroren waren. Er drückte seine Zigarette aus und steckte sie für später in seinen Tabaksbeutel. Zum Trost bestellte er sich einen halben Brataal. Schließlich rauche ich weniger.
Dann klappte er seinen Laptop auf und schrieb eine Liste mit allem, was er über das Mädchen mit dem Baltischen-Stör-Tattoo wusste. Das Wort Baltischen hatte er unterstrichen.
Größe: Zwischen 1,47 und 1,49 m
Gewicht: 40 – 43 kg
Kleidung: bevorzugt schwarz. T-Shirt weist auf mögliches Interesse für Ornithologie, automatische Waffen und Trickfilme aus dem samstäglichen Frühstücksfernsehen hin.
Fähigkeiten: Bushidō-Samurai-Techniken und Kurai-Kotori-Ninja-Schwertkunst.
Lateralisation des Gehirns: Rechtshänderin, führt Elfmeterschüsse aber mit dem linken Fuß aus.
Erkennungsmerkmale: Baltischer-Stör-(Acipenser sturio-)Tätowierung.
Haarfarbe: Schwarz gefärbt. Naturfarbe blond.
Danach schlürfte Blomberg den Rest seiner ecuadorianischen Rettet-die-Schildkröten-Röstung und wischte sich die Fettfinger von dem Brataal an einer Serviette ab. Da kam ihm plötzlich die Erleuchtung. Amy Winehouse. Doch gleich darauf musste er auf Yahoo! CLEVER erfahren, dass Winehouse ein Betty-Boob-Tattoo an der Stelle hatte, wo der Stör sein müsste. Und dass sie von Natur aus brünett war. Und Linkshänderin.
Darauf dachte er über das Familienfoto auf Salamanders UKEA-Nachttisch nach, auf dem die Zwillingsschwestern rechts und links von ihrem Vater, dem gutaussehenden, psychopatischen KGB-Doppelagenten zu sehen waren.
«Chamelea», flüsterte er.
Als hätte sich Salamander erneut direkt in seine Großhirnrinde gehackt, hörte er ihre spöttische Stimme. «Das hat aber ziemlich lange gedauert, Kalle Fucking Blomberg.»