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Dritter Abschnitt:

Nördlich von Kap Hoorn

 

Dienstag, 19. Januar 2010

Typhoon-Kampfjet und wieder nach Norden

Nach ein paar Tagen mit leichten Winden haben wir erst jetzt die Falklandinseln passiert. Die Vögel, der Seetang und der Schiffsverkehr werden langsam weniger, während wir in Richtung Südatlantik segeln. Ich bin sicher, dass der Südatlantik genauso unangenehm sein kann wie jeder andere Ozean auch, aber nach einem Blick auf die aktuellen Karten erscheint er mir so viel kleiner als der endlose Pazifik!

Gestern bekam ich Besuch, während wir an der Küste der Falklandinseln entlangdümpelten. Zwar hatte ich den Typhoon-Kampfjet der Royal Air Force erwartet, bekam aber trotzdem einen Schreck, als er sich plötzlich mit unglaublichem Lärm näherte, während ich gerade mein Frühstück beendete. Er flog ein paar Mal über uns hinweg, zauberte mir ein breites Lächeln ins Gesicht und flog wieder davon. Ziemlich cool!

Nachdem ich die Bilder gesehen habe, die während der Überflüge entstanden sind, bin ich total begeistert davon, wie großartig ELLA’S PINK LADY aussieht – hübsch wie immer!

Wir haben es sicher den vielen Lagen Antifouling von International zu verdanken, dass der Rumpf bislang komplett von Algenbewuchs verschont geblieben ist. Unser Dank gilt auch Ullman Sails, denn die Segel halten so hervorragend, dass sie fast wie neu aussehen! Es ist ein gutes Gefühl, dass wir so weit gekommen sind und das Boot trotzdem so geringe Abnutzungserscheinungen aufweist.

 

Nachdem Kap Hoorn so lange im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit stand, ist es jetzt etwas ungewohnt, sich neu zu konzentrieren und über den Rest der Reise und die weiteren Meilensteine entlang unseres Weges nachzudenken. Obwohl aufregende Zeiten hinter uns liegen, bin ich froh, dass wir uns wieder vom Land und dem damit verbundenen Schiffsverkehr wegbewegen. Es ist schön, dass wir uns langsam wieder an so etwas wie eine Bordroutine gewöhnen können und ich auch besser schlafe, denn wir – ELLA’S PINK LADY und ich – sind wieder unter uns. Obwohl man meine eher zufällig gewählten Schlafpausen und Essgewohnheiten nicht wirklich als Routine bezeichnen kann!

 

Sogar hier draußen habe ich viel über das furchtbare Erdbeben auf Haiti gehört. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Überlebenden und die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen unter den offenbar entsetzlichen Bedingungen zu leiden haben. Meine Gedanken und guten Wünsche sind bei ihnen. Es ist schön zu hören, dass sie so viel Unterstützung aus aller Welt erfahren.

 

Diese Etappe der Reise war immer als kleine Ruhephase und Erholung nach der Rundung Kap Hoorns gedacht. Ich hatte so viele Bücher gelesen, dass ich dachte, ich wüsste, was mir auf jeder Etappe bevorstehen würde. Aber an diesem Punkt der Reise wusste ich bereits, dass alles möglich war – zu jeder Zeit. Nach den vielen emotionalen Hochs und Tiefs auf dem Weg zum Kap Hoorn habe ich ein paar Tage gebraucht, um meine Batterien neu aufzuladen. Mir war nicht klar, wie bald schon ELLA’S PINK LADY und ich vor unserer nächsten Bewährungsprobe stehen würden.

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