Zwei zu null!
„Doppelschlag!“, jubiliert Obmann Korschinak nach einer Schrecksekunde. Soeben ist ihm ein Knabe vor die Füße geplumpst. Offenbar ist er durchs Kellerfenster gekommen. Geistesgegenwärtig nützt der Herr Obmann die Situation, um den Einsatz des neuen Zombies zu testen. „Fass!“, ruft er dem Verzauberten zu. Der stürzt sich ohne zu fragen auf den Eindringling.
Da nützt es nichts, dass der Knabe brüllt: „Vorsicht, meine Hände und Füße sind gefährliche Waffen!“ Er hat keine Chance. „Zombie Eins“, so lautet Georg Maronis neuer Name, pariert einfach prächtig und packt den Knaben am Schlafittchen. Es nützt dem Knaben auch nicht, dass er erschrocken „Aber, Papa!“ ruft. Gnadenlos wird er vom stöhnenden Zombie Eins festgehalten. „Prebichl!!“, ruft Korschinak schneidig. „Wir brauchen noch einen Becher Gebräu! Für einen weiteren Gefangenen! Offensichtlich der Herr Sohn!“
Nichts rührt sich. Zum Glück hält Zombie Eins den zappelnden und schimpfenden Vladi fest im Schwitzkasten. Ohne Hilfe wäre dem Obmann ein wenig mulmig. „Prebichl! Herrschaftsseiten!“, röhrt er erbost. Sekretär Prebichl ist nämlich noch nicht von der Eingangstüre zurück. Es hat vor ein paar Minuten, kurz, bevor der Knabe in den Keller plumpste, heftig sturmgeläutet. Wenn es heftig sturmläutet, kann es schon sein, dass es dringend ist. Wenn es dringend ist, dann wird unter Umständen ein klares Wort von Obmann Korschinak gefordert. So etwas kann sich ein Obmann natürlich nicht entgehen lassen. Deswegen hat Obmann Korschinak Sekretär Prebichl zur Türe geschickt, um nachzusehen. Aber Prebichl ist noch immer nicht zurück! „Prebichl, was ist denn?“, plärrt Obmann Korschinak erbost. „Wo bleibt er denn? Alles muss man alleine machen! Zombie Eins, halte er den Knaben, das Herrchen geht nachsehen, was los ist!“ Zombie Eins grunzt zustimmend, da reißt Prebichl die Türe auf. Auf seiner Stirne prangt ein Saugnapfpfeil und verleiht ihm etwas Sagenhaftes. Ein wenig sieht er aus wie das letzte Einhorn. Obmann Korschinak seufzt kopfschüttelnd. „Prebichl, auf die Knie!“, befiehlt er. Mit einem heftigen Ruck will er den Saugnapfpfeil von der Stirne seines Assistenten ziehen. Leider gelingt es nicht. Der Obmann war schon lange nicht mehr im Fitnessstudio. Nun gut, dann eben nicht. Der Obmann wendet sich wichtigeren Dingen zu: „Prebichl, wir haben einen zweiten Gefangenen, aus dem lässt sich trefflich ‚Zombie Zwo’ herstellen. Bring er noch von dem Trank!“
Prebichl schlägt die Hacken zusammen und eilt in das Nebenzimmer, um den Rest vom Gebräu zu holen. „Aufwärmen nicht vergessen!“, ruft Korschinak ihm nach. „Jawohl, aufwärmen!“, schnarrt Prebichl gehorsam. Nun wendet sich Korschinak seinem neuen Gefangenen zu. „Na, er kleiner Spion, er! Ich sehe, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm! Was hat er mir zu sagen, ha?“ Vladi blickt Obmann Korschinak grimmig ins Gesicht: „Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht wissen, was ich Ihnen zu sagen hätte!“
Obmann Korschinak kichert exaltiert: „Ohhhhh, ich bin als sehr neugierig bekannt, mein kleiner Freund!“
Vladi fixiert den Obmann Korschinak und verkündet ernsthaft: „Na gut! Sie sind ein zu kurz geratener Hirni in einem zu engen Pullunder, Sie sind dem Größenwahn verfallen, und Sie riechen nach Gummibären mit Gulaschsaft!“
Obmann Korschinak verfärbt sich violett und ruft: „Prebichl, was ist mit dem Gebräu? Beeil er sich, aber dalli!“ Aus dem Nebenraum blubbert und dampft es. Der bekannte üble Geruch wölkt unter dem Türspalt hervor. Prebichl betritt mit der Totenkopfschale den Raum und schnappt sich den zappelnden Vladi. Zombie eins schaut interessiert zu.
„Seine Faxen werden ihm noch vergehen, er Hundsbub, er miserabliger!“, knurrt Obmann Korschinak triumphierend und klemmt sich wieder hinter die Heimorgel. „Er wird mir dienen, wie alle anderen auch, er wird Unkraut jäten und Insekten vertilgen! Hahahaaa!“
Ein letztes, schreckliches Bild taucht vor Vladis innerem Auge auf: Karl-Heinz Mistkäfer, von einer Horde Gartenzwerge mit Tirolerhüten verfolgt, die ihm mit riesigen Spritzen voll Scarab-Ex den Garaus machen wollen! Zum Glück hüllt das stinkende Gebräu, das Vladis Kehle hinunterrinnt, bald alles in eine dichte grüne Wattewolke. Die Gedanken schwinden. Als Prebichl Vladi loslässt, fällt der nach vorne auf die Knie. Unsicher rappelt er sich wieder hoch, die Musik, die er hört, zwingt ihn, die Füße im Takt zu bewegen. Alles wird leicht, flockig und irgendwie … hopsassa. „Bam, Oida!“, durchzuckt es Vladi Maronis Gehirn. Dann will er, der ab nun auf den Namen „Zombie Zwo“ hören wird, nur noch tanzen.
Betreff: Danke! Heute geht’s los!
Hallo Papa!
Ich hoffe, die Melodie nützt echt was, denn der Onkel Schurli und der Vladi sitzen jetzt zusammen im Vereinshaus der fidelen Reblaus in der Tinte. Die Tante weiß noch nix. Werde mein Bestes geben! Wünsch mir Glück!
Dein Sohn
E-Mail von Prof. Dr. Anselm Maroni
Priorität: Urdringend!
Re: Danke! Heute geht’s los!
Motte!
Mach ja keinen Blödsinn! Das ist ja eine Entführung! Einmal bin ich nicht da, und mein Sohn wird
größenwahnsinnig! Ich ruf jetzt sofort die Tante Mina an!
Sei vernünftig!
In noch größerer Sorge,
Dein Vater
