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Aaron ging zur Arbeit. Abends kaufte er ein, und wenn er nach Hause kam, strich er mir im Vorübergehen über den Kopf.
Inzwischen gab er sich, als sei alles normal – oder eben nur zeitweilig aus dem Lot.
Wir beide wussten es besser.
Am Samstag raffte ich mich auf und stieg in meinen Anzug.
»Willst du nicht dein neues rotes Kleid anziehen?«, fragte Aaron.
Ich reagierte nicht.
Unsere Gäste brachten Wein und Blumen.
Beklommen standen sie in meiner Wohnung und schauten sich um. Bis auf den Tisch und die Stühle war nichts mehr da.
Ich bemühte mich, ihren Gesprächen zu folgen, verlor aber immer wieder den Faden.
Am Tisch sitzend, schaute ich in die
Runde: Ich sah
Aaron, doch die anderen lösten sich vor meinen Augen auf. An ihrer
Stelle saßen jetzt mein Vater, Robert und Rosa, Merce, Laura und
Nik, die beiden Mädchen, Aki, Jott und Venia.
Ohne aufzublicken, zogen sie die vor ihnen liegenden Servietten vom Tisch, entfalteten sie mit einer angedeuteten Wurfbewegung und strichen sie auf ihren Schenkeln glatt. Dann nahmen sie zeitgleich ihr Besteck auf und legten es sich in den Schoß.
»Bitte entschuldigt mich«, sagte ich und verschwand in die Küche, um den Flaschenöffner und ein Feuerzeug für die Kerzen zu holen. Ich steckte beides in die Hosentasche, vergaß für einen Augenblick die anderen und ging benommen ins Schlafzimmer.