Höhenrettung

Der Besitzer des Kletterparks trug einen Helm und Kletterzeug. Als er die drei ??? erkannte, kam er direkt auf sie zu. »Hallo, Jungs. Das von gestern tut mir wirklich leid. Und dann noch dieser Artikel in der Zeitung. Ich stehe tief in eurer Schuld. Tja, seit gestern kommen nicht mehr viele Besucher in den Park. Sie haben Angst. Darum will ich heute mit dieser Demonstration zeigen, dass die Kletterei ungefährlich ist. Man muss natürlich einige Dinge beachten.«

»Was werden Sie denn vorführen?«, fragte Peter interessiert.

»Mein Team zeigt mehrere Techniken der Kletterei. Das fängt an beim einfachen Hinaufklettern, bis zur kontrollierten Höhenrettung.«

»Und was ist eine Höhenrettung?«, fragte Peter weiter.

»Nun, stellt euch vor, jemand hat sich in großer Höhe verletzt. Es ist egal, ob das auf einem Berg, in einer Seilbahn, auf einem Baugerüst oder eben auf einem Baum geschieht. Ziel ist es, die Person so schnell und sicher wie möglich wieder zurück auf den Boden zu bringen. Aber schaut es euch an. Ich will nicht zu viel verraten.«

Steve Landers ging zu einer Truppe Kletterer. Die Männer schnallten sich gerade Baumsteigeisen an. Diese Steigeisen besaßen einen spitzen Dorn aus Metall, den man wie eine Klaue in den Baumstamm rammen konnte. Gegenseitig sicherten sich die Männer, und Landers erklomm als Erster den Stamm. Bob staunte nicht schlecht. »Unglaublich! Der marschiert da hoch, als wäre es eine Leiter. Das beweist, dass der Mensch vom Affen abstammt.«

Innerhalb kürzester Zeit hatte Steve Landers die oberste Spitze des Stammes erreicht, und die Menge auf dem Marktplatz applaudierte. Dann zog er in schwindelerregender Höhe ein kleines Megafon aus der Tasche. »Meine Damen und Herren. Wie Sie sehen, ist die Kletterei nur eine Frage der Technik. Ich werde nun einen kontrollierten Absturz einleiten. Bitte erschrecken Sie nicht. Alles ist geplant, und es kann nichts passieren. Ich möchte Ihnen damit demonstrieren, dass man auch in großer Höhe ohne Weiteres von professionellen Rettern sicher wieder auf den Boden zurückgebracht werden kann. Achtung! Es geht los!«

Steve Landers steckte das Megafon wieder ein und nahm unvermittelt seine Hände vom Baumstamm. Sofort fiel er nach hinten und stürzte in die Tiefe. Die Menschen auf dem Marktplatz schrien laut auf, und einige hielten sich die Hände vor die Augen. »Oh nein! Er stürzt ab!«

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Doch Landers wurde nach wenigen Metern vom Sicherungsseil aufgefangen und hing jetzt kopfüber neben dem Stamm. Wieder nahm er sein Megafon. »Alles ist gut und läuft nach Plan. Machen Sie sich keine Sorgen. Beobachten Sie jetzt das Rettungsteam bei der Arbeit!«

Justus aber beobachtete etwas ganz anderes. Etwas weiter entfernt rollte ein Motorrad auf den Marktplatz. Es war eine große Geländemaschine, auf der zwei Fahrer saßen. Sie stiegen ab und starrten nach oben. »Seltsam«, murmelte Justus. »Wir haben heute weit über dreißig Grad, und die beiden nehmen trotz der Hitze ihre Helme nicht ab.« Auch Bob wunderte sich. »Da! Jetzt zieht der eine etwas aus der Satteltasche und schleicht davon.« Justus erkannte den Gegenstand. »Ich weiß, was das ist. Onkel Titus hat so etwas auf dem Schrottplatz. Das ist ein Seitenschneider. Damit kann man fingerdicke Stahlseile durchtrennen, als wären sie aus Lakritz. Los! Ich will sehen, wo der Motorradfahrer damit hin will.«

Mittlerweile hatte das Rettungsteam Landers erreicht, und die Männer legten ihm mehrere Gurte um. Mehr sahen die drei Freunde nicht von der Aktion, denn im selben Moment verschwanden sie in einer kleinen Seitenstraße. »Da ist der Typ«, flüsterte Peter und deutete auf den Parkplatz vor der Kirche. »Seht ihr, was ich sehe? Auf dem Platz steht einer von diesen Betonklötzen, an denen die Halteseile für den Kletterbaum verankert sind. Oh Mann! Der Typ geht direkt auf das Stahlseil zu.«

Bob konnte kaum glauben, was er sah. »Der will doch mit der Monsterschere nicht etwa das Seil durchschneiden, oder?« Justus holte tief Luft. »Doch, er will. Wir müssen etwas unternehmen.«

Ohne weiter nachzudenken, brüllte er den Motorradfahrer an. »He Sie! Was machen Sie da?« Erschrocken drehte sich der Mann um und ließ den Seitenschneider fallen. Dann rannte er davon. »Los! Hinterher!«, schrie Peter. »Den schnappen wir uns!«

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Mit einem großen Satz sprang Peter über eine Parkbank vor der Kirche und nahm die Verfolgung auf. Doch der Mann mit dem Helm war nicht gerade langsam. Pfeilschnell rannte er vor Peter her. »Stehen bleiben! Bleiben Sie stehen!« Doch der Mann dachte nicht daran. Jetzt hatte er den Marktplatz erreicht und sprintete auf das Motorrad zu. Die zweite Person erkannte anscheinend, was geschehen war, und sprang auch auf die Maschine. Peter war dem Mann dicht auf den Fersen. Nur noch wenige Meter trennten die beiden. Im letzten Moment aber hechtete der Flüchtende hinten auf das Motorrad, und die beiden Fremden jagten mit durchdrehenden Reifen davon.

Von all dem hatten die Menschen auf dem Marktplatz nichts mitbekommen. Sie applaudierten begeistert, als Landers vom Rettungsteam langsam an einem Seil heruntergelassen wurde. Wieder nahm er sein Megafon: »Meine Damen und Herren! Sie sehen, wie groß Sicherheit bei der Kletterei geschrieben wird. Darum würde es mich freuen, wenn ich den einen oder anderen in der nächsten Zeit im Monkey Mountain Kletterpark begrüßen dürfte.« Wieder klatschten alle jubelnd in die Hände, und Landers verbeugte sich.

Peter konnte kaum sprechen, denn er war immer noch schrecklich außer Atem. »Der weiß gar nicht, welcher Katastrophe er entkommen ist.« Jetzt standen auch seine beiden Freunde neben ihm. Bob keuchte genauso. In der Hand hielt er den Seitenschneider. »Wenn wir nicht gekommen wären, dann hätte der Typ glatt das Seil durchtrennt. Der Baumstamm wäre dann genau aufs Polizeirevier gefallen … Was machen wir jetzt, Just?«

»Wir müssen die Geschichte sofort Steve Landers erzählen. Er ist in großer Gefahr. Dreimal lagen wir mit unserem Verdacht daneben. Doch diesmal haben wir einen Beweis.«

Bob nickte. »Stimmt. Nur fehlt uns jetzt der passende Täter. Der Fall wird immer komplizierter.«