XXVII
An der Furt am Aalfluss täuschten die Lagerfeuer
die römischen Invasoren. Der ins Meer mündende Fluss bewahrte seine
Geheimnisse vor denjenigen, die folgen würden, und schützte jene,
deren Leben davon abhing. Im Schutze der abendlichen Dunkelheit
verließen dreitausend Kriegerinnen und Krieger mit ihren Pferden
und Hunden den Fluss und folgten der einzigen noch lebenden
Führerin diesseits des Stroms, die sie durch ein Sumpfgebiet
geleitete, das nur bei Niedrigwasser passierbar war und das jedem
Reisenden, der die Route nicht kannte, einen kalten, triefnassen
Tod versprach. Erst lange nach Mitternacht erreichten sie die
breite Flussebene mit ihren niedrigen Hügeln und dem spärlichen,
leicht zu beseitigenden Buschwerk, die Togodubnos als Schlachtfeld
ausgewählt hatte. Tausende von Lagerfeuern glimmten schwach in der
Dunkelheit. Neben den Feuern schliefen Tausende von Kriegern in
ihren Zelten und warteten auf den nächsten Morgen, an dem sie gegen
die Eindringlinge kämpfen würden. Die Neuankömmlinge wurden leise
begrüßt, verköstigt und dann zu Plätzen geführt, wo sie schlafen
konnten; den Anführern und Träumern, die dies wünschten, wurden
Hütten zur Verfügung gestellt, die Übrigen kampierten im Freien.
Die Römer, die sie an der Furt am Aalfluss zurückgelassen hatten,
ahnten noch nichts von ihrem Verlust.
Breaca hatte es vorgezogen, im Freien zu
nächtigen. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, herrschte bereits
rege Geschäftigkeit im Lager, während sich zwanzigtausend
Kriegerinnen und Krieger auf die Schlacht vorbereiteten. Das
gedämpfte Stimmengewirr hüllte sie ein wie das Summen von Bienen im
Sommer. Sie erhob sich von ihrem Lager und machte sich auf die
Suche nach Macha, die Hail in ihre Obhut genommen hatte, und fand
sie in der nächstgelegenen Träumerhütte, angelockt von dem Geruch
von Salbeirauch und Weißdorn. Cygfa, die aus Odras’ Zucht stammende
Jagdhündin, lag auf der Türschwelle. Seit Báns Tod war sie Macha
nicht mehr von der Seite gewichen. Hail lag neben der Hündin flach
ausgestreckt in der Sonne. Breaca kniete sich neben seinen
Kopf.
»Wird er am Leben bleiben?«
»Das nehme ich doch an. Er ist noch recht kräftig
für sein Alter, und Airmid hat die Blutung frühzeitig zum
Stillstand gebracht.«
»Wird er jetzt, wo ihm ein Bein fehlt, noch jagen
können?«
»Das hat es durchaus schon gegeben.«
Macha hatte sich seit Eburovics Tod und ihrer
schweren Speerverletzung verändert, aber nicht in der Beziehung,
die für diejenigen, die sie gern hatten, von Bedeutung war. Sie
stand in der Tür der Hütte, eine hoch gewachsene, königliche
Erscheinung, und sie wirkte noch umso hoheitsvoller durch den
goldenen Torques der Eceni, der auf den Tag wartete, an dem Breaca
nicht länger ranghöchste Kriegerin der Götterinsel war und zu ihrem
Volk zurückkehren konnte, um die Rolle der Anführerin zu
übernehmen. Unter dem Torques, an einer Halskette aus Silber, trug
Macha den vollständigen Körper eines Zaunkönigs mit wie zum Flug
ausgebreiteten Schwingen, und um ihre Taille lag ein Gürtel aus den
Vordertatzen einer Bärin, deren scharfe Klauen von Kupfer umhüllt
waren. Noch nie zuvor hatten sich Breaca die Quellen von Machas
Macht so deutlich offenbart. Hätte sie sich dazu entschlossen, nach
Mona zu gehen, wäre sie dort äußerst willkommen gewesen, und Maroc
hätte noch viel von ihr lernen können.
Hail lag schlafend in der Sonne zu ihren Füßen,
jetzt so fest zusammengerollt wie ein Welpe. Nur durch genaues
Hinschauen konnte Breaca erkennen, dass ihm sein linkes Vorderbein
fehlte. Eine schmerzliche Erinnerung überfiel sie, eine Erinnerung
an Bán und an die Fürsorglichkeit, mit der er Hail gepflegt hatte,
als dieser als Welpe an der Ruhr erkrankt und dem Tode nahe gewesen
war. Damals war ihr gar nicht bewusst gewesen, dass sie in einer
Blütezeit lebte, geschweige denn, dass sie geahnt hätte, wie
schnell diese glücklichen Tage enden würden. Sie vergrub ihre
Finger in dem rauen, angegrauten Fell am Hals des großen Hundes, so
wie sie es zu tun pflegte, wenn sie auf die Jagd gehen wollten, und
sprach seinen Namen, so wie Bán ihn gesprochen hätte. Hail schlief
jedoch weiter, ohne sich zu rühren. Breaca blickte besorgt zu Macha
hoch.
»Warum wacht er nicht auf?«
»Wir haben ihm Mohnsaft gegeben, um ihn zu
betäuben, damit wir ihm das Bein abnehmen konnten, ohne dass er die
Schmerzen spürte. Gegen Mittag wird er wieder aufwachen.«
»Dann werden wir bereits gegen die Römer kämpfen.
Er wird versuchen, zu uns zu laufen. Du musst ihn unter allen
Umständen daran hindern.«
»Er ist an Airmid gebunden. Sie hat ihm einen Traum
gesandt, als wir ihm das Bein amputierten. Er wird bei ihr
bleiben.« Macha kniete sich auf Hails andere Seite. Ein Strahl der
Morgensonne verlieh ihren Zügen etwas Weiches, Jugendliches, das
den Betrachter ihr Alter vergessen ließ, und nahm ihrem Ausdruck
die Strenge der Ratsältesten. Sie lächelte und war wieder die
fürsorglich klingende Stimme am Herdfeuer, die Liebkosung in
dunkler Nacht, so innig geliebt wie eine zweite Mutter.
Macha zog den Kopf des Hundes in ihren Schoß und
sagte: »Deine Federn haben sich vermehrt.«
»Die hier?« Breaca berührte mit einer Fingerspitze
die Kriegerfedern an ihren Schläfen. Die Kiele waren goldgelb,
gefärbt mit wildem Knoblauch, Symbol für die Römer, die sie getötet
hatte. Sie klapperten leise, als sie den Kopf schüttelte. »Die
Ehrengarde macht diese Federn jeden Abend am Lagerfeuer. Sie
empfinden es als Schande, wenn ich sie nicht trage. Also trage ich
sie ihnen zuliebe, obwohl sie für das, was auf uns zukommt, keine
Bedeutung haben werden.«
»Sie haben aber eine große Bedeutung für all jene,
die dir folgen, und ich meine damit nicht nur die Speerkämpfer von
Mona. Es gibt hier niemanden, der so viele Römer getötet hat wie
du. Deine Federn dienen den Übrigen als Vorbild, als etwas, was sie
anstreben können.« Eine Hand streckte sich Breaca entgegen und
streichelte ihr Gesicht, so wie es ihr Vater einst vor langer Zeit
getan hatte, nachdem sie zum allerersten Mal in ihrem Leben einen
feindlichen Krieger getötet hatte. »Warum schmerzt dich das
so?«
Ihr Schmerz hätte nicht so offensichtlich sein
dürfen. Wenn Macha ihn sehen konnte, dann würden ihn auch andere
sehen. Breaca erwiderte: »Sie haben gegen den Ehrenkodex einer
Herausforderung verstoßen, und dann haben sie wehrlose Sklaven in
die Schlacht geworfen, und es hat sie überhaupt nicht gekümmert,
wie viele von ihnen dabei draufgehen würden.« Es hatte sie alle
geschmerzt, dass sie Männer hatten töten müssen, die dazu gezwungen
worden waren, die Felsbrocken wegzuräumen. Breaca hatte dabei an
Iccius gedacht. Andere hatte Verwandte, die von Sklavenjägern
verschleppt worden waren.
Macha nickte verständnisvoll. »Wie viele sind dabei
ums Leben gekommen?«
»Wir haben fast fünfzig vor Einbruch der Dunkelheit
getötet, haben allerdings einen unserer Steinschleuderschützen
dabei verloren.«
»Ihr habt nur das getan, was notwendig war.«
»Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass
wir sie getötet haben. Und dann haben wir einfach das Schlachtfeld
verlassen.« Auch das hatte geschmerzt. »Sie feiern bereits Caradocs
Niederlage.«
»Ihr habt von Anfang an gewusst, dass es euch
niemals gelingen würde, sie an der Furt am Aalfluss aufzuhalten.
Jedenfalls nicht für längere Zeit. Dafür ist der Fluss an dieser
Stelle einfach zu schmal, und ihr seid zu wenige gewesen.«
»Ich weiß. Trotzdem macht mir das schwer zu
schaffen - ein Krieger sollte das Feld erst dann verlassen, wenn
die Schlacht vorbei ist.«
Macha lächelte, verwandelte sich wieder in die
Ratsälteste. »Du hast die Schlacht mit hierher gebracht. Sie werden
euch folgen. Sie können den Fluss nur hier überqueren, es gibt
sonst nirgendwo eine Stelle, wo das möglich wäre. Und ihr werdet
erst dann von hier fortgehen, wenn die Schlacht gewonnen
ist.«
»Richtig. Und ich glaube, wir können gewinnen, wenn
die Götter mit uns sind.«
Um sie herum bereiteten sich alle die Krieger, die
Togodubnos’ Aufruf gefolgt waren, auf den Kampf vor. Sie schienen
ebenso zahlreich zu sein wie die Römer, zu viele, als dass man sie
hätte zählen können, aber in der bevorstehenden Schlacht würden
Führungsqualitäten von noch größerer Bedeutung sein als die Anzahl
der Krieger. Bevor sie schlafen gegangen war, hatte Breaca die
Feuer der Eceni aufgesucht und mit Gunovic und den anderen
Anführern der Speerkämpferverbände gesprochen; genau wie bei der
Schlacht gegen Berikos, so würden sie sich auch diesmal mit den
Speerkämpfern von Mona zusammenschließen und unter Breacas Führung
kämpfen. Nur ein Mann hatte gefehlt, den sie eigentlich vorzufinden
erwartet hatte. »Warum ist Tagos nicht hier?«, fragte sie
Macha.
»Silla hat ihm ein Kind geboren, eine Tochter, und
zwar genau an dem Tag, als die Kuriere mit der Einberufung kamen.
Das Baby starb jedoch noch am selben Tag. Tagos war todunglücklich
und völlig am Boden zerstört. Er hatte gehofft, wenigstens Vater
sein zu können, wenn er schon kein Krieger mehr sein konnte. Er ist
dort geblieben, um Silla zu trösten.«
»Oder um sich von ihr trösten zu lassen, wie?«
Breaca hatte gar nicht gewusst, dass Silla Zuneigung für Tagos
empfand. Wäre das kleine Mädchen am Leben geblieben, wäre Breaca
ihre Tante gewesen. Wenn sie, Breaca, starb - heute oder an
irgendeinem anderen Tag -, hätte das Mädchen nach Silla über die
Eceni geherrscht. Breaca wusste nicht so recht, ob sie wollte, dass
Tagos’ Kind über irgendetwas herrschte. Sie blickte Macha an und
sah am Ausdruck ihrer Augen, dass sie genauso empfand.
»Sie werden sich wohl gegenseitig trösten, denke
ich mal«, sagte Macha. »Wie auch immer, es ändert nichts am
Ergebnis der Schlacht. Tagos ist weder Krieger noch Träumer, und
wir haben hier genügend von beiden, so dass wir nicht noch einen
zusätzlichen Sprecher am Feuer benötigen. Und hier ist jemand, der
dich gerne begrüßen möchte …« Sie trat aus der Tür heraus. Aus dem
Inneren der Hütte drang der würzige Geruch von Kiefernholzfackeln,
die mit Bärenfett getränkt waren. Ein hoch gewachsener junger Mann
mit den Schwanzfedern des Graufalken im Haar trat blinzelnd ins
Licht.
»Efnís!« Sie umarmten einander. »Wie schön, dich
wieder zu sehen!« Breaca trat einen Schritt zurück, um ihn zu
mustern. »Du hast eine neue Vision gehabt.«
»Sie kam mit dem letzten vollen Mond.« Er lächelte
schüchtern. Nur einem Träumer unter Tausenden war das Glück
beschieden, von dem Falken zu träumen. Es hatte sein Gesicht
markanter gemacht.
Breaca hatte ein Versteck von frisch vergrabenen
Gold- und Silbermünzen entdeckt, als sie ihren ersten Überfall aus
dem Hinterhalt verübt hatten. In eine der Münzen war das Bild des
Falken eingeprägt gewesen. Durch Zufall hatte sie sie aufbewahrt.
Jetzt holte sie die Münze aus ihrem Beutel hervor und gab sie
Efnís. »Du solltest nach Mona kommen. Es gibt so viel zu
lernen.«
»Das werde ich auch tun. Wenn das hier vorbei
ist.«
Sie ließ Efnís bei Macha und Maroc zurück, die sich
darüber beratschlagten, auf welche Weise die Träumer die Götter um
Beistand in der Schlacht bitten konnten. Überall sonst, so weit das
Auge sehen konnte, waren Männer und Frauen zu Tausenden damit
beschäftigt, ihr Haar zu flechten und die Zöpfe mit Kriegerfedern
zu schmücken und frische Zeichen auf ihre Schilde und die Schultern
ihrer Pferde zu malen, damit ihre Freunde und die Götter sie in dem
Chaos auf dem Schlachtfeld erkennen konnten. Kinder rannten
zwischen den Feuern hin und her, um Mitteilungen auszurichten und
Farbe und Schleifsteine und all die anderen notwendigen Hilfsmittel
zur Kriegsführung zu überbringen, die ein Krieger benötigen könnte,
aber vielleicht nicht ständig mit sich herumschleppen wollte. Die
meisten der Kinder würden binnen eines knappen Jahres ihre drei
langen Nächte in der Einsamkeit absolvieren, und sie hatten die
Erwachsenen inständig angefleht, ihnen eine Chance zu geben und sie
in der Schlacht mitkämpfen zu lassen. Das hatte man ihnen nicht
erlaubt, aber stattdessen durften sie bei den Vorbereitungen
helfen, sich ansehen, wie die Kriegerfedern geflochten wurden, die
Lieder und Gebete hören und alles über Mut und Kriegskunst lernen,
was sie aus dem Beispiel der Älteren erfahren konnten. In der
Schlacht würden sie Wasser zu denjenigen bringen, die hinter den
aktiven Linien ausruhten. Darin lag ihre größte Hoffnung auf Ruhm
und Ehre. Jeder Einzelne von ihnen wusste aus langen Erzählungen
beim Schein des Feuers, wie Breaca, ranghöchste Kriegerin von Mona,
im Alter von nur zwölf Jahren in einem wahren Kampf ihren Speer
errungen hatte. Etliche der Zwölfjährigen hatten ihr Herz daran
gehängt, in den kommenden Tagen das Gleiche zu vollbringen oder
diese Leistung sogar noch zu übertreffen.
Von Macha aus ging Breaca zu den Pferden, auf der
Suche nach der grauen Stute. Bei ihrem Rückzug vom Aalfluss hatte
die Stute nicht nur Breaca tragen müssen, sondern obendrein auch
noch Hail - eine Last, die halb so schwer war wie ein erwachsener
Mann -, und trotzdem war sie stundenlang durch die Nacht gehetzt,
um sie in Sicherheit zu bringen. Noch während des Ritts war
deutlich geworden, dass die Stute lahmte. In Togodubnos’ Lager
angekommen, hatte Breaca nach Fackeln verlangt und dann
festgestellt, dass die Sehnen an beiden Vorderbeinen des Pferdes
angeschwollen waren und sich heiß anfühlten. Sie hatte einige Zeit
darauf verwendet, mit dem Tier in einem schmalen Seitenarm des
Flusses zu stehen, aber der Schaden war größer, als dass man ihn
allein durch kaltes Wasser hätte beheben können. Als sie jetzt an
den Reihen wartender Pferde entlangging, sah Breaca, dass Airmid
ihr bereits zuvorgekommen war; sie war gerade damit beschäftigt,
abgeschabte Weidenrinde um die entzündeten Gliedmaßen der Stute zu
wickeln. Breaca ging in die Hocke, um den Schaden zu betasten. Als
sie ihre Hand wieder vom Bein des Tieres wegzog, dampfte sie
förmlich vor Hitze.
»Du kannst sie heute nicht reiten«, sagte
Airmid.
»Werde ich sie überhaupt jemals wieder reiten
können?«
»Das weiß ich nicht.«
»Wird sie das Fohlen verlieren?« Die Stute war im
vierten Monat trächtig, und das Fohlen würde das großartigste
Schlachtross sein, das Mona jemals gesehen hatte.
»Das glaube ich nicht, aber ganz sicher können wir
uns da nicht sein. Sie braucht viel Ruhe und gutes Futter, und das
wird sie nur bekommen, wenn die Römer verjagt werden.«
»Wir werden sie verjagen, verlass dich
drauf.«
»Gut.« Airmid erhob sich wieder und strich sich die
Haare aus den Augen. Es entstand eine kurze, verlegene Pause. Sie
sagten sich am Tag einer Schlacht niemals Lebewohl; das war schon
seit dem ersten Kampf gegen Amminios so gewesen, und heute war
nicht der rechte Tag, um mit dieser Tradition zu brechen. Breaca
stand ganz still da, von dem Bedürfnis erfüllt, den Augenblick noch
eine Weile festzuhalten. Der Lärm des Lagers um sie herum erreichte
seinen Höhepunkt, als sich die Vorbereitungen für den Kampf dem
Ende näherten. Wenige Schritte von ihnen entfernt hatte Ardacos
eine Hand voll Kinder um sich geschart und hielt ihnen einen
Vortrag über Sicherheitsmaßnahmen und den Wasserbedarf von
Kriegern. Ein Stück weiter dahinter trat Cumal ein Lagerfeuer aus
und hob einen Kochtopf aus der glühenden Asche. Gwyddhien wartete
in diskreter Entfernung, allerdings nicht auf Breaca.
Airmid sagte: »Ich habe von einer Schlange mit
einem Kopf in Form einer Speerspitze geträumt, die einen Adler
tötete. Sie durchbohrte den Körper des Adlers unterhalb des rechten
Flügels und riss ihm das Herz heraus. Du solltest daran denken,
während du kämpfst.«
»Das werde ich. Danke.«
Sie umarmten einander schweigend, nachdem es nun
nichts mehr zu sagen gab. Als Breaca davonging, kam Braint ihr
entgegen. Das Mädchen strahlte wie eine frisch geschliffene Klinge.
»Gunovic möchte dich sprechen«, sagte sie. »Er hat ein neues
Pferd.«
Breaca grinste. »Gunovic hat doch immer
irgendwelche neuen Pferde.« Plötzlich fiel ihr wieder ein, was
Macha sie auszurichten gebeten hatte. »Du solltest zu Macha gehen.
Sie hat den Schädel einer Wildkatze gefunden. Wenn du sie in der
Träumerhütte aufsuchst, wird sie ihn dir geben.«
»Danke. Das werde ich tun.« Die Wildkatze war
Braints Traumerscheinung; das konnte man auch ohne den Schädel
erkennen. Auch Breaca und Braint umarmten einander. »Mögen die
Götter dich behüten«, sagte das Mädchen.
»Dich auch.«
Breacas Kehle war wie zugeschnürt, als ob die
vielen stummen Abschiede einen dicken Kloß in ihrem Hals gebildet
hätten. Sie wanderte flussaufwärts, auf der Suche nach Gunovic.
Schon seit Jahren hatte er ihr geraten, ein neues Schlachtross
zuzureiten, und sie hatte es nicht getan, weil sie es als
Beleidigung gegen die graue Stute und als Überheblichkeit vor den
Göttern empfunden hatte. Es überraschte sie nicht, dass Gunovic es
an ihrer Stelle getan hatte.
Sie fand ihn am oberen Abschnitt des Flusses, wo er
gerade seine Hände im Wasser kühlte, um sich auf den Kampftag
vorzubereiten. Zwei Pferde grasten in der Nähe; das eine war ein
Grauschimmel, so hell, dass er fast weiß wirkte, das andere ein
hässlicher, grobknochiger Hengst mit braunem Fell, das bereits
winterlich dicht und zottelig war, und einer auswärts gekrümmten
Nase, die große Ähnlichkeit mit der eines Bären hatte.
Der Schmied kam planschend aus dem Wasser heraus,
sein Gesicht zu einem breiten Grinsen verzogen, und präsentierte
Breaca mit einer schwungvollen Gebärde sein Geschenk. Der
Grauschimmel gehörte ihm, schon seit vielen Jahren. Den würde er
ihr sicherlich nicht anbieten. Breaca starrte entgeistert auf das
braune Zotteltier und dann auf Gunovic.
»Gunovic, das ist ein Bär, aber kein Schlachtross.
Er wäre bestimmt gut dafür geeignet, einen Karren zu ziehen, aber
in einem Kampf wird er völlig unbrauchbar sein. Und außerdem reite
ich keine Pferde, die solche Riesenfüße haben; seine Füße sind ja
noch breiter, als meine lang sind.«
»Seine Füße sind nicht größer als die deiner Stute.
Es ist nur das Fell um sie herum, das sie so groß erscheinen lässt.
Schwing dich auf seinen Rücken, und dann mache ich mit dir ein
Wettrennen bis zu dem Baum dort und wieder zurück. Danach kannst du
ja immer noch entscheiden, ob du ihn haben willst oder
nicht.«
Sie galoppierten um die Wette. Breaca gewann das
Rennen - oder vielmehr das Pferd; sie hatte sich keine sonderlich
große Mühe dabei gegeben. Anschließend veranstalteten sie einen
kleinen Übungskampf mit Speer und Schild und Schwert. Das
Bären-Pferd ahnte ihre Bewegungen zwar nicht schon im Voraus, so
wie die graue Stute es tat, aber es war schnell und wendig, und es
wusste, was von ihm erwartet wurde. Breaca saß ab, um seine Zähne
zu inspizieren, und stellte fest, dass der Hengst erst knapp vier
Jahre alt war. Sie überlegte stirnrunzelnd.
»Du bist für mehr als die Hälfte der Zeit, seit er
zum ersten Mal ein Zaumgebiss im Maul hatte, südlich des Flusses
gewesen, um dich um die Verteidigungsanlagen zu kümmern oder mit
den Atrebatern zu verhandeln. Wer hat ihn sonst noch
abgerichtet?«
»Macha. Sie hat ihn auch gezüchtet. Er ist der
Abkömmling von einer von Eburovics Stuten.«
Breaca kaute auf ihrer Unterlippe. Es hätte auch
niemand anderer gewesen sein können. »Er ist gut.«
»Er ist nicht nur gut, sondern der Beste. Mit ihm
kannst du die Römer besiegen.«
Gunovic war nun schon der Dritte, der das sagte.
Breaca gab Nemain in Gedanken ein Zeichen, dass sie die Worte nicht
als Anmaßung auffassen solle, und zog ihr neues Reitpferd zum Fluss
herum, um sich auf die Suche nach Caradoc zu machen.
Caradoc war nicht schwer zu finden, nachdem sie
erst einmal wusste, wonach sie Ausschau halten musste. Er hatte den
weißen Umhang der Ordovizer in der Zwischenzeit gegen den
vielfarbigen Umhang des Helden Cassivellaunos vertauscht, den die
Weberinnen der Catuvellauner speziell für ihn neu angefertigt
hatten, um die Farben all der Stämme aufzunehmen, die sich ihnen
angeschlossen hatten. Der farbenprächtige Umhang erregte Aufsehen,
wo immer Caradoc auch hinritt. Breaca hatte man das Gleiche
angeboten, doch sie hatte das Angebot abgelehnt; sie blieb lieber
bei dem Grau von Mona und bei dem blutroten Zeichen des
Schlangenspeers. Ihr Haar war schon Banner genug; in der Sonne
leuchtete es wie lebendiges Feuer, und der Wind war im Begriff,
aufzufrischen. Wenn die Schlacht kam und sie zum Sturmangriff auf
den Feind ausrückten, würde ihre rote Mähne wie eine Regimentsfahne
flattern.
Sie ritt über frisches grünes Gras zum Rand des
Wassers hinunter, vorbei an Reihen von Brombeerbüschen, die voller
reifer Früchte waren. Die Büsche hatten eigentlich entfernt werden
sollen, aber dann hatte man sie doch stehen lassen, damit die
Beeren als Opfergabe an die Erntegötter dienen konnten. Zufällig
markierten diese Büsche auch die erste Furt entlang des Flusses, zu
weit landeinwärts gelegen, als dass die römischen Kriegsschiffe bis
dorthin hätten vordringen können, aber wiederum nicht so weit, dass
der Fluss an dieser Stelle bereits so schmal war, dass man mühelos
eine Brücke darüber schlagen konnte oder dass Wurfspieße bis zu den
Linien der Verteidiger fliegen konnten.
Togodubnos hatte einige Zeit auf der Südseite der
Furt gearbeitet; er hatte Bäume gefällt, um dem Feind jede
Möglichkeit zu nehmen, in Deckung zu gehen oder Feuerholz zu
schlagen, und Gruben ausgehoben, die er mit Gestrüpp füllte, um die
Kavallerie zu verwirren. Er hatte alle existierenden Brücken
zerstört und die Boote verbrannt, die nicht über den Fluss
geschafft werden konnten. Am Südufer lag eine Hand voll verkohlter
und zertrümmerter Bootsgerippe, von denen noch immer sporadisch
Rauch aufstieg. Am Tag vor Breacas Ankunft hatte er mit den
Träumern eine Zeremonie abgehalten und dann einen prachtvollen, mit
eingravierten Pferden geschmückten Bronzeschild als Opfergabe an
Nemain in den Fluss geworfen, damit die Göttin sich daran
erinnerte, dass sie das Wasser heilig hielten und nicht quer über
den Fluss kämpften, um sie zu entehren, sondern vielmehr, um sie um
Unterstützung bei der Verteidigung ihres Landes zu bitten.
Breaca gesellte sich zu Caradoc, der an der Furt
stand.
»Breaca, sei gegrüßt.« Er drehte sich zu ihr um, so
wachsam wie ein Jagdhund am Morgen der Jagd. Alles an ihm hatte an
Kontur gewonnen. Er stand kurz vor dem Höhepunkt seines Lebens.
Oder möglicherweise auch kurz vor seinem Tod. Breaca hatte nie über
die Möglichkeit nachgedacht, dass er in der Schlacht sterben
könnte, doch als er sie jetzt anlächelte, sah sie in Gedanken
plötzlich eine grinsende Leiche vor sich, der Totenschädel
enthäutet, so dass die weißen Knochen zu sehen waren, die Zähne
eingeschlagen, das ehemals goldblonde Haar stumpf und fahl. Die
Vorstellung entsetzte sie, zog ihren Magen zu einem schmerzhaften
Knoten zusammen, wie nichts sonst es vermocht hatte. Wäre Airmid da
gewesen, hätte sie ihr sagen können, ob es eine echte Vision war.
Da Airmid aber nicht in der Nähe war, konnte Breaca nur warten, bis
das Bild, das sie vor ihrem geistigen Auge sah, sich wieder
auflöste. Ihr war regelrecht übel vor Schreck und Angst.
Caradocs Grinsen verblasste. Sein Blick
durchforschte ihr Gesicht. »Du solltest einen Helm tragen«, sagte
er, als ob er Zugang zu ihren Gedanken hätte. Der Wind hob sein
Haar, das ebenfalls unbedeckt war.
»Du meinst, so wie du?« Es kam bissiger über ihre
Lippen, als sie es beabsichtigt hatte. »Wenn die Götter wollen,
dass wir sterben, dann wird ein Fingerbreit Eisen auch nichts mehr
daran ändern. In der Zwischenzeit sollten wir beide besser dafür
sorgen, dass wir von denjenigen gesehen werden, die uns
folgen.«
»Oh, ich glaube, man wird uns schon sehen.« Humor
war schon immer ein Schutzschild für ihn gewesen, eine automatische
Verteidigung. Er benutzte ihn auch jetzt, während er mit
unverhüllter Neugier ihr Pferd betrachtete. »Meinst du, die Römer
werden dich mehr fürchten, wenn du einen Bären reitest?«
Auch sie konnte ihre Angst hinter Spott verbergen.
»Wir könnten ja ein Wettrennen zu den Bäumen und wieder zurück
machen«, schlug sie vor. »Ich wette meinen Schild gegen deinen,
dass ein Eceni-Bärenpferd noch schneller laufen kann als ein
römisches Kavalleriepferd.«
»Wirklich?« Sie waren noch nie miteinander um die
Wette geritten. Sie hatten das immer vermieden - vom ersten Winter
an, den Caradoc bei den Eceni verbracht hatte, über die Wettkämpfe
auf Mona bis hin zu den Spielen bei der Beisetzung seines Vaters.
Auf Mona, in der Nacht des Auswahlverfahrens, hatten sie gegen die
Götter und die Träumer gekämpft, aber nicht gegeneinander. Caradoc
legte den Kopf schief, während er über den Vorschlag nachdachte,
und sie sah, wie das humorvolle Blitzen in seinen Augen erlosch.
»Vielleicht sollten wir das doch besser bleiben lassen. Mein Vater
hat mir beigebracht, niemals gegen meine Überzeugung zu wetten. Und
außerdem könnte es sein, dass die Zeit für Wettrennen vorbei ist -
und zwar ein für allemal.« Er wies mit einer Kinnbewegung auf den
Fluss und sagte leise: »Der Feind ist hier.«
Breaca hatte sie schon den ganzen Morgen über
unterschwellig wahrgenommen - die anderen Geräusche hinter dem
Dunst am jenseitigen Ufer. Jetzt blickte sie über den Fluss hinweg
auf die Realität, die die hektische Betriebsamkeit in ihrem eigenen
Lager verborgen hatte. Der Anblick war jedoch nicht so Ehrfurcht
gebietend, wie sie befürchtet hatte; am gegenüberliegenden
Flussufer waren zwei Standarten aufgestellt worden, aber es stand
erst eine einzige Zenturie bereit. Hinter den Männern wand sich
eine lange Schlange von glänzend polierten Rüstungen Richtung
Osten. Das Schmettern von Hörnern und das Stampfen marschierender
Füße hallte gedämpft aus der Ferne herüber.
Breaca betrachtete die beiden Standarten genauer.
»Es sind noch immer nur die Vierzehnte und die Zwanzigste«, sagte
sie. »Sie müssen seit Tagesanbruch marschiert sein, wenn nicht
sogar schon seit vor der Morgendämmerung. Sie werden also weniger
ausgeruht sein als wir.«
Caradoc nickte. »Sie sind allein. Und diesmal sind
wir ihnen zahlenmäßig überlegen.« Dieser Umstand spielte eine noch
größere Rolle als alles andere.
»Aber nicht für lange.« Togodubnos ritt an Caradocs
rechte Seite heran. »Sentius Saturnius ist auf dem Marsch nach
Norden, begleitet von der Zweiten und der Neunten. Wenn wir diese
beiden Legionen heute schlagen können, werden wir morgen noch
einmal gegen ebenso viele Soldaten kämpfen müssen - möglicherweise
auch schon eher.«
Togodubnos war in dem Monat seit dem Stammestreffen
in der Salzmarsch sichtlich gealtert. Die Sorgen wegen der Invasion
drückten ihn nieder, so als ob er die Angst vor ihrer aller Tod wie
eine bleischwere Bürde mit sich herumschleppte. Ein Stück weiter
hinter ihm erreichte eine hitzige Auseinandersetzung ihren
Höhepunkt, woraufhin sich ein Krieger der Trinovanter von einer
Gruppe von in gelbe Umhänge gehüllten Kriegern löste und auf
Togodubnos zugeritten kam, gefolgt von einem Kind auf einem kleinen
braunen Pony. Als sie näher kamen, sah Breaca, dass der Krieger
eine Frau war und sie in einer körperlichen Verfassung war, die sie
eigentlich davon hätte abhalten sollen, in einer Schlacht
mitzukämpfen.
Breaca war schon drauf und dran, genau das
auszusprechen, doch dann sah sie Caradocs Gesichtsausdruck und sein
kurzes Kopfschütteln. Togodubnos wandte sich um, und man konnte
deutlich erkennen, dass es nicht ausschließlich die Römer waren,
die ihm Sorge machten. Er stellte die Frau und den Jungen flüchtig
vor, als ob die Zeit für eine förmliche Vorstellung nicht mehr
ausreichte. »Du kennst meinen Sohn, Cunomar, und Odras, seine
Mutter. Sie ist gekommen, um gegen die Invasoren zu kämpfen, die in
ihr Heimatland einfallen wollen.« Er lächelte müde. »Ich muss
leider feststellen, dass ich zwar eine Truppe von zehntausend
Speerkämpfern kommandieren kann, aber nicht eine Frau.«
»Du solltest mal die Ordovizer besuchen«, sagte
Caradoc spöttisch. »Bei den Frauen der Ordovizer würdest du es gar
nicht erst versuchen.«
Die Frau ritt nahe an ihn heran, und als Caradoc
sich zu ihr beugte, um sie zu küssen, war es offensichtlich, dass
der Funke, der vor so vielen Jahren auf dem Viehmarkt in Cunobelins
Residenz zwischen ihnen entflammt war, noch immer nicht erloschen
war. Breaca dachte flüchtig an Cartimandua von den Brigantern, die
für Rom war, weil Caradoc dagegen war, und an eine Frau von den
Ordovizern, die ihm eine Tochter geschenkt hatte, und sie fragte
sich, ob eine dieser beiden Frauen ihn wohl schon einmal in Odras’
Gegenwart erlebt hatte.
Caradoc sprach gerade. »… eine kluge Entscheidung
für eine Frau, die ein ungeborenes Kind unter dem Herzen
trägt?«
Odras hob mit einem Ruck den Kopf. Caradoc war
offenbar nicht der Erste, der ihr diese Frage stellte. »Die klügste
von allen«, erwiderte sie energisch. »Es dauert noch fünf Monate,
bis das Kind zur Welt kommt. Ich laufe also keine Gefahr, mitten
auf dem Schlachtfeld niederzukommen. Und außerdem möchte ich, dass
meine Tochter nicht unter dem Joch Roms leiden muss, sondern in
Freiheit lebt - oder überhaupt nicht.«
Sie war die Erste, die laut zugab, dass sie
vielleicht nicht siegen könnten. Alle drei hörten es und ließen es
durchgehen.
Togodubnos wandte sich an seinen Bruder. »Du hast
immer gesagt, sie könnte besser reiten als jeder der Männer. Fünf
ihrer Cousins reiten als Mitglieder meiner Ehrengarde. Sie hat sich
geschworen, heute noch besser zu kämpfen als die Männer und ihre
Überlegenheit zu beweisen.«
»Gut.« Lächelnd zog Caradoc sein Pferd herum. Zu
Odras sagte er: »Ich werde die Ordovizer und die Catuvellauner auf
der linken Flanke anführen, mein Bruder wird gemeinsam mit dir in
der Mitte kämpfen. Falls du das Gefecht dort als zu gemächlich
empfindest, kannst du dich mir gerne anschließen.« Er beugte sich
hinunter, um Cunomar eine Hand auf die Schulter zu legen. »Und du
solltest besser bei Macha und Maroc sein.« Er achtete sorgfältig
darauf, nichts von Kindern zu erwähnen. »Sie werden dir deine
Aufgaben in der Schlacht erklären und dich anleiten.« Der Junge
hatte die großen braunen Augen seiner Mutter. Er blickte in das
Gesicht seines Onkels hinauf, des Helden der Drei Stämme, und
nickte ernst. Er war zwar noch kein Krieger, aber er war fest
entschlossen, zu Ruhm und Ehren zu gelangen.
Der Morgen der Schlacht dämmerte herauf und
brachte die Gewissheit eines Traums mit sich. Cunomar wurde zu den
Reservelinien zurückgebracht, um sich zu den anderen Kindern zu
gesellen. Odras schloss sich Togodubnos an und postierte sich mit
ihrem Pferd in der Frontlinie neben den Brombeerbüschen, während
die größere Menge der Trinovanter und die kleineren Abordnungen von
den Coritani und den Cornovii sich hinter ihnen formierten. Breaca
ritt stromaufwärts zur rechten Flanke; sie führte die Eceni und die
Krieger von Mona an. Caradoc ließ sein Horn erschallen, um die
Catuvellauner, die Ordovizer, die Durotriger und die Silurer in
einer geschlossenen Formation auf der Linken zu versammeln, wo sie
der stärkeren rechten Flanke des Feindes gegenüberstanden. Venutios
kam mit seinen schwarzgewandeten Brigantern, um den rechten Flügel
zu verstärken, der unter Breacas Führung kämpfen würde, und sie war
froh über seine Unterstützung. Während sie an der Spitze ihrer
Truppe auf den Beginn der Schlacht wartete, befreite sie das
Schlangenspeer-Schwert aus seiner Scheide und machte sich in ihrem
Innern auf die Suche nach dem Feuer, das ihr Überzeugung und
Siegessicherheit bescheren würde. Und sie suchte jenseits ihres
eigenen Bewusstseins nach den Gedanken der Träumer, damit sie ihr
halfen. Zum ersten Mal in ihrem Erwachsenendasein pulsierte die
Narbe in ihrer Handfläche wieder so heftig, wie sie es damals nach
dem Tod ihrer Mutter getan hatte.
Am jenseitigen Flussufer schmetterten Hörner in
Stakkato-Rhythmen. Männer brüllten Befehle, und Blöcke von
Legionssoldaten schwenkten geschlossen herum. Die ersten Kohorten
der Vierzehnten und der Zwanzigsten Legion formierten sich zu
geordneten Linien, so wie sie es schon einmal an einem schmaleren
Fluss getan hatten, und fast unbemerkt begann die Schlacht.